ErkrankungenErkrankung

Psychose

Bei einer Psychose sind Wahrnehmung und Verarbeitung der Realität gestört, etwa durch Wahn, Halluzinationen oder Denk- und Ich-Störungen. Psychose ist ein Oberbegriff: Die ICD-10-GM ordnet psychotische Störungen je nach Form und Ursache verschiedenen Diagnosen zu, zum Beispiel der Schizophrenie, einer Manie oder schweren Depression mit psychotischen Symptomen oder einer Störung durch Drogen oder eine Erkrankung des Gehirns; bei jeder neu aufgetretenen Psychose soll laut S3-Leitlinie eine Abklärung körperlicher Ursachen angeboten werden. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Junge Frau Anfang zwanzig sitzt mit ihrer Mutter im Morgenlicht auf einer Parkbank, beide unterhalten sich ruhig und zugewandt
Bild: KI-generiert

Kern einer akuten Psychose ist laut Embryotox eine gestörte Wahrnehmung und Verarbeitung der Realität. Das kann mit Wahn verbunden sein, etwa Verfolgungs-, Schuld- oder Größenwahn, mit Sinnestäuschungen wie Stimmenhören und mit starken Veränderungen von Stimmung und Antrieb [8]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie beschreibt akute psychotische Zustände als Phasen mit Wahn, Halluzinationen sowie Denk- und Ich-Störungen [6]. Zwischen akuten Episoden können laut Embryotox vollständig gesunde Phasen liegen, es können aber auch Beschwerden zurückbleiben [8].

Eine Psychose ist damit keine einzelne Krankheit. In der ICD-10-GM, der in Deutschland verbindlichen Klassifikation, stehen psychotische Störungen in mehreren Gruppen, je nachdem, wie sie verlaufen und wodurch sie entstehen [1, 2, 3, 4, 5, 6]. Die Bezeichnung hängt davon ab, ob eine Schizophrenie, eine affektive Störung, Substanzen oder eine Erkrankung des Gehirns dahinterstehen.

Psychotische Störungen in der ICD-10-GM, Version 2026 (Auswahl, eigene Zusammenstellung)
SchlüsselBezeichnungKennzeichen laut ICD-10-GM
F20Schizophreniegrundlegende Störungen von Denken und Wahrnehmung, verflachte oder unpassende Gefühle, etwa Stimmen, Wahn, Gedankeneingebung oder -entzug [1]
F22Anhaltende wahnhafte Störungenein lang andauernder Wahn ist das einzige oder auffälligste Merkmal, und die Störung lässt sich nicht als organisch, schizophren oder affektiv einordnen [1]
F23Akute vorübergehende psychotische Störungenakuter Beginn innerhalb von 2 Wochen ohne Hinweis auf eine körperliche Ursache; vollständige Besserung in der Regel innerhalb weniger Monate, oft nach Wochen oder Tagen [1]
F24Induzierte wahnhafte Störungein Wahn, den zwei Menschen mit enger Bindung teilen; nur einer von beiden hat eine echte psychotische Störung [1]
F25Schizoaffektive Störungenepisodische Störungen mit affektiven und schizophrenen Symptomen, die weder die Kriterien einer Schizophrenie noch einer depressiven oder manischen Episode erfüllen [1]
F28, F29Sonstige nichtorganische psychotische Störungen (F28); Nicht näher bezeichnete nichtorganische Psychose (F29)F28: wahnhafte oder halluzinatorische Störungen, die weder die Kriterien einer Schizophrenie, einer anhaltenden wahnhaften oder akuten vorübergehenden psychotischen Störung noch einer Manie oder schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen erfüllen; F29 schließt die "Psychose o.n.A." (ohne nähere Angabe) ein [1]
F30.2, F31.2, F31.5, F32.3, F33.3Manie mit psychotischen Symptomen (F30.2); Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen (F31.2) sowie gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (F31.5); Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (F32.3); Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (F33.3)Wahn oder Halluzinationen im Rahmen einer bipolaren Störung oder Depression [4]
F10 bis F19, vierte Stelle .5Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen: Psychotische Störungpsychotische Beschwerden während oder nach dem Gebrauch, die nicht durch einen akuten Rausch oder einen Entzug erklärt werden [3]
F06.0, F06.2, F09Organische Halluzinose (F06.0); Organische wahnhafte (schizophreniforme) Störung (F06.2); Nicht näher bezeichnete organische oder symptomatische psychische Störung (F09), eingeschlossen die organische und die symptomatische Psychose o.n.A.Halluzinationen oder Wahn als Folge einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit, zum Beispiel einer Epilepsie [2]
F53.1Schwere psychische und Verhaltensstörungen im Wochenbett, anderenorts nicht klassifiziertBeginn innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt, wenn sich die Störung nicht anders einordnen lässt; eingeschlossen ist die Puerperalpsychose [5]

Auch für organische Psychosen ohne nähere Angabe gibt es eine Restkategorie (F09) [2]. Zur Gruppe F20 bis F29 gehört außerdem die schizotype Störung (F21). Bei ihr treten nie eindeutige schizophrene Symptome auf, gelegentlich aber kurze, quasipsychotische Episoden [1].

Nach Abrechnungsdaten aller gesetzlich versicherten Erwachsenen aus dem Jahr 2016 hatten laut der S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien innerhalb eines Jahres 1,24 Prozent eine Diagnose aus dem Bereich der psychotischen Störungen. Erfasst sind dabei nur Menschen, die in einer Praxis ambulant behandelt wurden [9]. Das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Schizophrenie zu erkranken, liegt laut S3-Leitlinie Schizophrenie im Median internationaler Studien bei 4,8 bis 7,2 von 1.000 Menschen [6].

Anzeichen einer Psychose

Typische psychotische Beschwerden sind laut S3-Leitlinie Schizophrenie und Embryotox [6, 8]:

  • Wahn, also eine gestörte Verarbeitung der Realität mit Überzeugungen wie verfolgt zu werden, schuld zu sein oder besondere Größe zu besitzen; genannt werden etwa Verfolgungs-, Schuld-, Größen- und Beziehungswahn [6, 8]
  • Halluzinationen, also Sinnestäuschungen; am häufigsten ist das Hören von Stimmen, möglich sind sie auf jedem Sinnesgebiet [6, 8]
  • Denkstörungen, etwa lose Gedankenverbindungen, neu gebildete Wörter, ein zerfahrenes Denken oder eine unzusammenhängende Sprache [6]
  • Ich-Störungen, also das Erleben, dass Gedanken, Gefühle, Körperfunktionen oder Handlungen von außen gesteuert, eingegeben oder entzogen werden [6, 8]
  • Störungen der Psychomotorik, etwa starke Erregung oder ein Stupor, also stark verminderte Bewegung und Aktivität (katatone Symptome) [2, 6]

Bei akuten vorübergehenden psychotischen Störungen kommen nach der ICD-10-GM häufig Ratlosigkeit und Verwirrtheit vor [1]. Bei schweren akuten Psychosen kann es laut Embryotox zu einer Gefahr für die betroffene Person oder andere kommen [8]. Bei einer Schizophrenie sind Bewusstsein und Orientierung in der Regel nicht beeinträchtigt. Verwirrtheit, Orientierungs- und Bewusstseinsstörungen, ausgeprägte Gedächtnisprobleme, optische Halluzinationen, Krampfanfälle oder Fieber können laut S3-Leitlinie Schizophrenie dagegen auf eine körperliche Ursache hinweisen [6].

Erste Anzeichen und erhöhtes Psychoserisiko

Bei vielen Menschen, die später eine Psychose wie bei einer Schizophrenie entwickeln, gibt es laut S3-Leitlinie schon vorher kürzere oder längere Zeiten mit Auffälligkeiten, anfangs unspezifisch, später deutlicher [6]. Fachleute sprechen dann von einem erhöhten Psychoserisiko. Hinweise darauf sind zum Beispiel abgeschwächte psychotische Beschwerden: ungewöhnliche Gedanken oder wahnähnliche Ideen, von denen jemand nicht ganz überzeugt ist, Wahrnehmungsveränderungen, bei denen noch erkannt wird, dass sie ungewöhnlich sind, oder eine durcheinandergeratene Sprache, die noch verständlich ist. Auch kurze psychotische Beschwerden, die von selbst wieder abklingen, oder ein deutlicher Leistungsknick bei Menschen mit einer Psychose in der Familie können dazugehören [6].

Das Stadium des erhöhten Psychoserisikos ist laut Leitlinie keine eigene Diagnose. Nicht alle Betroffenen entwickeln eine Psychose, viele haben aber andere Beschwerden wie Depressionen, Angst oder Probleme mit Substanzen; Hilfe kann deshalb auch unabhängig von einem Übergang in eine Psychose nötig sein [6]. Menschen mit solchen Beschwerden und Leidensdruck, die von sich aus Hilfe suchen, und Menschen mit einem bekannten Risiko, etwa einer Psychose in der Familie, die eine Abklärung wünschen, sollte eine Untersuchung des Psychoserisikos durch geschultes Fachpersonal angeboten werden; ein allgemeines Screening anderer Menschen soll nicht erfolgen [6]. Wer ein erhöhtes Risiko hat, sollte laut Leitlinie nicht vorschnell mit der Diagnose Schizophrenie belastet werden; sie empfiehlt, eher vom Risiko einer psychotischen Krise zu sprechen [6].

Eine kognitive Verhaltenstherapie sollte laut S3-Leitlinie angeboten werden, um den Übergang in eine Psychose zu verhindern oder zu verzögern; Antipsychotika sollen dafür nicht angeboten werden [6]. Nur wenn die Verhaltenstherapie nicht ausreicht und die Beschwerden zunehmen oder kurze psychotische Episoden häufiger werden, sollten Antipsychotika der zweiten Generation niedrig dosiert und vorübergehend zur Linderung angeboten werden; dafür sind sie nicht zugelassen (off-label) [6]. Für die Früherkennung gibt es spezialisierte Zentren, meist Ambulanzen an psychiatrischen Kliniken, die laut Leitlinie ohne Überweisung erreichbar sind [6].

Ursachen und Risiken

Welche Ursache eine Psychose hat, hängt von ihrer Form ab. Bei einer Schizophrenie gehen Fachleute laut S3-Leitlinie von einem Zusammenspiel aus erblicher und in der Entwicklung erworbener Anfälligkeit und Lebensereignissen oder Umweltfaktoren aus [6]. Eine akute vorübergehende psychotische Störung kann laut ICD-10-GM im Zusammenhang mit einer akuten Belastung stehen, also einem belastenden Ereignis ein oder zwei Wochen vor Beginn [1].

Drogen und Alkohol

Psychosen durch Substanzen sind laut S3-Leitlinie die häufigste Ursache sogenannter sekundärer psychotischer Syndrome, die wie eine Schizophrenie aussehen können; grundsätzlich kann jede auf das Gehirn wirkende Substanz je nach Dosis solche Beschwerden auslösen [6]. In der Praxis sind Cannabis und Amphetamine die häufigsten Auslöser; daneben sollte bei neuen psychotischen Beschwerden unter anderem an Alkohol, Halluzinogene, neue psychoaktive Stoffe, Lösungsmittel und Opioide gedacht werden [6]. Die ICD-10-GM beschreibt die psychotische Störung durch psychotrope Substanzen mit oder ohne ärztliche Verordnung als Beschwerden während oder nach dem Gebrauch, typischerweise mit Stimmenhören, Wahnideen, häufig Verfolgungsideen, Erregung oder Stupor und Gefühlen von intensiver Angst bis Ekstase [3].

Cannabis und Amphetamine sind laut S3-Leitlinie Schizophrenie außerdem bedeutende Risikofaktoren für die Entwicklung einer Schizophrenie [6]. Bei Menschen mit riskantem Konsum oder einer Suchterkrankung, besonders mit Cannabis oder Stimulanzien, soll laut S3-Leitlinie zu Psychosen und Sucht regelmäßig gezielt nach psychotischen Beschwerden gefragt werden; bei Hinweisen sollen die Beschwerden und ihr zeitlicher Zusammenhang mit dem Konsum ausführlich erfragt werden [7]. Mehr unter Cannabis und Alkohol.

Medikamente

Auch Medikamente können psychotische Beschwerden auslösen. Laut S3-Leitlinie sollte bei jeder neuen Psychose nach Beginn einer Medikamenteneinnahme an diese Möglichkeit gedacht werden [6]. Als Beispiele nennt sie unter anderem L-Dopa und andere dopaminerge Mittel, Anticholinergika, Triptane, Herz-Kreislauf-Mittel wie Digoxin, Betablocker, ACE-Hemmer, Diuretika und Statine, Metoclopramid, Pantoprazol, Hormonpräparate wie L-Thyroxin, die Antibabypille und Steroide, Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antiphlogistika und Opioide, Mittel gegen Infektionen wie einige Antibiotika und Mittel, die das Immunsystem unterdrücken oder beeinflussen, etwa Kortikosteroide [6]. Setzen Sie ein Medikament nicht eigenmächtig ab; sprechen Sie neue Beschwerden bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Welche Nebenwirkungen ein Psychopharmakon laut Packungsbeilage haben kann, steht auf seiner Wirkstoffseite.

Körperliche Erkrankungen

Bei etwa 5 von 100 Psychosen mit Beschwerden wie bei einer Schizophrenie findet sich laut S3-Leitlinie ein neurologischer Befund, bei etwa 3 von 100 eine Erkrankung außerhalb des Gehirns, die die Hirnfunktion beeinträchtigt [6]. Infrage kommen unter anderem Epilepsien, Entzündungen des Gehirns, multiple Sklerose, Hirnverletzungen, Hirntumoren, Durchblutungsstörungen des Gehirns, Demenzerkrankungen und die Parkinson-Krankheit, außerdem Störungen der Blutsalze, der Schilddrüse und des Blutzuckers, Lebererkrankungen und ein Vitamin-B12-Mangel [6]. Die ICD-10-GM ordnet solche Psychosen den organischen psychischen Störungen zu, etwa als schizophreniforme Psychose bei Epilepsie [2]. Eine akute oder subakute Psychose bei einer Infektionskrankheit fällt dort unter das Delir, einen Zustand mit Bewusstseinsstörung und mindestens zwei weiteren Störungen, etwa von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken oder Gedächtnis [2]. Mehr unter Delir und Demenz.

Eine seltene, aber wichtige Ursache sind laut S3-Leitlinie autoimmune Entzündungen des Gehirns, bei denen der Körper Antikörper gegen Strukturen des Gehirns bildet. Bei der NMDA-Rezeptor-Enzephalitis beginnen psychische Beschwerden wie Unruhe, Halluzinationen, Erregung oder Angst oft ein bis drei Wochen vor neurologischen Beschwerden, häufig nach Anzeichen eines grippalen oder Magen-Darm-Infekts [6]. Behandelt wird diese Gruppe mit Therapien, die das Immunsystem beeinflussen, weshalb die Leitlinie eine frühe Diagnose für nötig hält [6].

Nach der Geburt

In der Schwangerschaft ist das Risiko für eine Psychose laut Embryotox nicht von sich aus erhöht, die Schwangerschaft schützt aber auch nicht davor. Nach der Geburt ist das Risiko für psychotische Episoden deutlich erhöht. Tritt im Wochenbett erstmals eine psychotische Erkrankung auf, ist es laut Embryotox oft die erste Episode einer bipolaren Störung [8]. Die ICD-10-GM hat für schwere psychische Störungen im Wochenbett, die innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt beginnen und sich anderswo nicht einordnen lassen, eine eigene Kategorie, in der die Puerperalpsychose eingeschlossen ist [5]. Siehe auch Wochenbettdepression.

Wie die Diagnose gestellt wird

Bei jeder neu aufgetretenen psychotischen Symptomatik soll laut S3-Leitlinie Schizophrenie eine Abklärung körperlicher Ursachen angeboten werden [6]. Kommt jemand mit psychotischen oder abgeschwächten psychotischen Beschwerden in die Hausarztpraxis, ist laut Leitlinie die Überweisung an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder an ein Früherkennungszentrum dringlich; der Termin sollte binnen weniger Werktage stattfinden [6]. Bei Menschen mit einer Psychose soll laut S3-Leitlinie zu Psychosen und Sucht regelmäßig gezielt nach dem Gebrauch von Substanzen gefragt werden, je nach Situation ergänzt um toxikologische Untersuchungen [7]. Um festzustellen, welche Substanz beteiligt ist, nennt die ICD-10-GM unter anderem die eigenen Angaben, Untersuchungen von Blut oder anderen Körperflüssigkeiten und Angaben von Angehörigen oder anderen Personen [3].

Welche Form vorliegt, ergibt sich unter anderem aus den Beschwerden und daraus, wie lange sie bestehen. Die Abgrenzung einer akuten vorübergehenden psychotischen Störung von einer Schizophrenie richtet sich laut S3-Leitlinie vor allem nach der Dauer und den oft wechselnden Beschwerden [6]. Für eine Schizophrenie müssen die Beschwerden mindestens einen Monat bestehen [6]. Hält eine akute vorübergehende Störung an, ist laut ICD-10-GM eine andere Einordnung nötig, etwa als anhaltende wahnhafte Störung oder als Schizophrenie [1].

Einen Selbsttest, der eine Psychose feststellen kann, nennt keine der Leitlinien. Instrumente zur Einschätzung eines erhöhten Psychoserisikos sollen laut S3-Leitlinie von geschultem Fachpersonal angewendet werden [6]. Fragen für den Termin können Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch sammeln.

Behandlung im Überblick

Die Behandlung richtet sich nach der Form der Psychose. Was bei einer Schizophrenie empfohlen wird, steht auf der Seite Schizophrenie; was bei einer Manie oder Depression mit psychotischen Beschwerden gilt, steht unter Bipolare Störung und Depression. Eine Autoimmunenzephalitis wird mit Therapien behandelt, die das Immunsystem beeinflussen [6].

Für Menschen mit einer ersten psychotischen Episode empfiehlt die S3-Leitlinie Schizophrenie eine kognitive Verhaltenstherapie für Psychosen ("soll"); ihren Familien soll eine auf erste Episoden ausgerichtete Familienintervention angeboten werden [6]. Eine längere Zeit, in der eine erste Psychose unbehandelt bleibt, ist laut Leitlinie gut belegt ein ungünstiger Faktor für Ansprechen und Verlauf; bei einer ersten Schizophrenie soll diese Zeit so kurz wie möglich sein [6]. Das begründet laut Leitlinie aber keinen sofortigen Beginn mit Antipsychotika, besonders wenn die Diagnose unklar ist oder eine Psychose durch Substanzen vermutet wird. Ein Abwarten von Tagen bis Wochen, etwa mit einem Benzodiazepin, Reizabschirmung und psychotherapeutischen Angeboten, kann sinnvoll sein [6].

Für Menschen, die eine Psychose und zusätzlich eine Suchterkrankung haben, sollte laut S3-Leitlinie zu Psychosen und Sucht eine Behandlung beider Erkrankungen aus einer Hand durch ein Team angeboten werden ("sollte"). Die Behandlung soll einem Gesamtbehandlungsplan folgen, der berücksichtigt, wie bereit die Person zu Abstinenz oder weniger Konsum ist ("soll"), und Psychoedukation und Psychotherapie sollten auf die Zusammenhänge zwischen Psychose und Konsum eingehen ("sollte") [7].

Für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen gilt außerdem die S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien. Gemeint ist eine psychiatrische Diagnose mit einer Erkrankungs- oder Behandlungsdauer von mindestens zwei Jahren und deutlichen Beeinträchtigungen im Alltag und in der Teilhabe [9]. Ihnen soll eine strukturierte Psychoedukation angeboten werden, ausreichend lange, möglichst in Gruppen und unter Einbezug der Angehörigen; die Wahl der Behandlung soll gemeinsam ausgehandelt werden [9]. In akuten Krankheitsphasen sollen sie die Möglichkeit haben, von mobilen Teams mehrerer Berufsgruppen zu Hause behandelt zu werden [9]. Wann eine Behandlung im Krankenhaus infrage kommt, steht unter Klinik und Tagesklinik.

Medikamente bei Psychosen

Gegen psychotische Beschwerden werden vor allem Antipsychotika eingesetzt. Laut S3-Leitlinie werden sie vornehmlich bei psychotischen Beschwerden verwendet, aber auch bei Grübeln, innerer Unruhe oder Schlafstörungen; alle besetzen Bindungsstellen (D2-Rezeptoren) für den Botenstoff Dopamin im Gehirn [6]. Antipsychotika unterscheiden sich laut Leitlinie deutlich in ihren Nebenwirkungen, etwa Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit oder einem Anstieg des Hormons Prolaktin; diese sollen aktiv erfragt werden (siehe Schizophrenie) [6].

Für welche Erkrankung ein Antipsychotikum zugelassen ist, steht in seiner Fachinformation unter "Anwendungsgebiete". Ein Einsatz außerhalb dieser Anwendungsgebiete ist laut S3-Leitlinie ein Einsatz außerhalb der Zulassung (off-label), über den aufgeklärt werden muss [6]. Einige ältere Mittel sind allgemein für Psychosen zugelassen: Benperidol und Perazin laut Fachinformation unter anderem für akute psychotische Syndrome mit Wahn, Halluzinationen, Denk- und Ich-Störungen, für katatone Syndrome und für chronisch verlaufende Psychosen, Perazin dort auch zur Vorbeugung von Rückfällen, Benperidol auch für delirante Syndrome [10, 11].

Haloperidol ist laut Fachinformation bei Erwachsenen unter anderem für die Schizophrenie und die schizoaffektive Störung zugelassen, für die Akutbehandlung eines Delirs, wenn Maßnahmen ohne Medikamente versagt haben, und für anhaltende Aggression und psychotische Beschwerden bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer- und vaskulärer Demenz, wenn Maßnahmen ohne Medikamente versagt haben und eine Gefahr für die Person oder andere besteht [12]. Bei älteren Menschen mit einer Psychose bei Demenz ist das Sterblichkeitsrisiko unter Antipsychotika laut Fachinformation erhöht [12]. Clozapin ist laut Fachinformation außer bei therapieresistenter Schizophrenie auch bei Psychosen im Verlauf einer Parkinson-Krankheit zugelassen, wenn die Standardbehandlung versagt hat [13]. Wofür andere Antipsychotika wie Risperidon, Olanzapin oder Aripiprazol zugelassen sind, steht auf den Wirkstoffseiten unter Anwendungsgebiet.

Schwangerschaft und Wochenbett

Schwangerschaften von Frauen mit psychotischen Erkrankungen gelten laut Embryotox unabhängig von der Medikation als Risikoschwangerschaften; sie sollten sorgfältig frauenärztlich überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden [8]. Für einen möglichst komplikationsarmen Verlauf ist es laut Embryotox außerordentlich wichtig, dass in der Schwangerschaft kein Rückfall auftritt. Eine bestehende antipsychotische Dauerbehandlung sollte in keinem Fall abrupt verringert oder abgesetzt werden; jede Änderung muss mit der behandelnden Psychiaterin oder dem Psychiater abgesprochen werden [8]. Frauen mit psychotischen Erkrankungen in der Vorgeschichte sind nach der Geburt besonders rückfallgefährdet. Embryotox empfiehlt eine gute Vorbereitung auf Geburt und Wochenbett, unter anderem mit ausreichend Schlaf, Reizabschirmung, weniger Stress und Unterstützung durch Partner, Familie oder andere Helfer [8]. Laut Embryotox sind viele atypische Antipsychotika, insbesondere Quetiapin, für den Einsatz in Schwangerschaft und Wochenbett geeignet [8]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Schwangerschaft.

Wie lange eine Psychose dauert

Akute vorübergehende psychotische Störungen entwickeln sich nach der ICD-10-GM innerhalb von zwei Wochen oder weniger und bessern sich in der Regel innerhalb weniger Monate vollständig, oft schon nach wenigen Wochen oder Tagen [1]. Anhaltende wahnhafte Störungen dauern dagegen im Allgemeinen lange, manchmal lebenslang [1]. Bei einer Schizophrenie dauert die Akutphase laut S3-Leitlinie Wochen bis etwa drei Monate [6].

Bei einer Schizophrenie ist der Verlauf laut S3-Leitlinie sehr unterschiedlich: Nach einer ersten Episode kann es bei etwa 20 von 100 Betroffenen zur Genesung ohne späteren Rückfall kommen, bei etwa zwei Dritteln zu einem Verlauf mit weiteren Episoden [6]. Wie lange Medikamente genommen werden, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; setzen Sie ein Antipsychotikum nicht eigenmächtig ab. Mehr unter Antipsychotika absetzen und Wie lange behandeln?

Krisenpläne und Behandlungsvereinbarungen sollen Menschen mit Schizophrenie laut S3-Leitlinie angeboten werden, um Einweisungen gegen den Willen zu vermeiden [6]. Einen eigenen Plan mit persönlichen Frühwarnzeichen können Sie mit dem Krisenplan anlegen.

Selbsthilfe und Alltag

Mann Anfang vierzig läuft an einem hellen Vormittag locker auf einem Waldweg, die Bäume stehen in mildem Sonnenlicht
Bild: KI-generiert

Für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen gibt die S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien Empfehlungen zur Selbsthilfe [9]:

  • Über Selbsthilfegruppen, Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfekontaktstellen sollen Sie informiert und auf Wunsch bei der Kontaktaufnahme unterstützt werden ("sollen") [9].
  • Das Selbstmanagement, also die eigene Entwicklung möglichst selbstständig zu gestalten, sollte während der ganzen Behandlung gezielt unterstützt werden ("sollte") [9].
  • Austausch und Information können auch in Trialogforen und Psychoseseminaren angeboten werden, wo Betroffene, Angehörige und Fachleute zusammenkommen ("kann") [9].
  • Begleitung durch Menschen mit eigener Krankheitserfahrung (Peer-Support) sollte nach Ihren Wünschen angeboten werden ("sollte") [9].
  • Bewegungsangebote sollen nach Ihren Vorlieben und individuell zugeschnitten zum Einsatz kommen ("sollen") [9].
  • Wer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten möchte, soll Unterstützung bekommen, die rasch auf einen Arbeitsplatz vermittelt und dort begleitet ("sollen") [9].

Drogen wie Cannabis und Amphetamine können Psychosen auslösen [6]. Haben Menschen eine Psychose und eine Suchterkrankung, soll sich die Behandlung laut S3-Leitlinie zu Psychosen und Sucht unter anderem danach richten, wie bereit die Person zu Abstinenz oder weniger Konsum ist [7]. Mehr unter Cannabis und Arbeit und Beruf.

Für Angehörige

Die S3-Leitlinie gibt Kriterien der britischen NICE-Leitlinie wieder: Ist eine Person belastet, lässt ihre Leistungsfähigkeit im sozialen Leben nach und hat sie zudem vorübergehende oder abgeschwächte psychotische Beschwerden, andere auf eine Psychose hinweisende Wahrnehmungen oder einen Verwandten ersten Grades mit einer Psychose oder Schizophrenie, besteht ein erhöhtes Risiko. Sie soll dann ohne Verzögerung zu einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder in ein Früherkennungszentrum überwiesen werden [6]. Früherkennungszentren sind laut Leitlinie ohne Überweisung zugänglich, auch für Menschen mit noch unspezifischen Beschwerden [6].

Lehnt die erkrankte Person ab, dass Angehörige einbezogen werden, soll das laut S3-Leitlinie Schizophrenie respektiert werden. Angehörige sollten trotzdem eigene Beobachtungen mitteilen können und allgemeine Informationen erhalten, etwa in Angehörigengruppen oder trialogischen Gruppen [6]. Angehörige von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sollten laut S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei Bedarf Entlastung und Unterstützung erfahren; Familieninterventionen sollen den Betroffenen und ihren Angehörigen angeboten werden [9].

Lehnt jemand in einer akuten Psychose jede Behandlung ab und besteht eine akute Gefahr mit hohem Gefahrenpotenzial für die Person selbst oder andere, ist laut S3-Leitlinie gegebenenfalls eine Unterbringung gegen den Willen nach dem Betreuungsrecht oder den Psychisch-Kranken-Gesetzen der Bundesländer einzuleiten [6]. Mehr unter Unterbringung und Zwangsbehandlung und Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Bei schweren akuten Psychosen kann es laut Embryotox zu einer Gefahr für die betroffene Person oder für andere kommen [8]. Bei einer schweren Depression mit psychotischen Symptomen kann nach der ICD-10-GM Lebensgefahr durch Suizid und durch zu wenig Trinken und Essen bestehen [4]. Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko soll laut S3-Leitlinie eine Abklärung angeboten werden, ob depressive Störungen, Suizidalität oder ein Konsum psychoaktiver Substanzen bestehen; bei Menschen mit Schizophrenie soll Suizidalität offen und einfühlsam angesprochen werden [6].

Neu aufgetretene Wahnideen oder Halluzinationen zusammen mit Fieber, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen können laut S3-Leitlinie auf eine körperliche Ursache hinweisen [6].

Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F20 bis F29: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  2. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F00 bis F09: Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  3. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F10 bis F19: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  4. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F30 bis F39: Affektive Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  5. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F50 bis F59: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  6. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (veröffentlicht 15.07.2026); laut DGPPN-Übersicht gültig bis 12.07.2027. abgerufen am 23.10.2026
  7. Leitlinie S3-Leitlinie Psychosen mit komorbider substanzbezogener Störung, Kurzversion, Version 1.0 (AWMF-Registernummer 038-027). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand Fassung vom 26.11.2025 (veröffentlicht 22.06.2026). abgerufen am 23.10.2026
  8. Embryotox: Psychosen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  9. Leitlinie S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen, Langfassung, Version 3.0 (AWMF-Registernummer 038-020). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 3.0, Fassung vom 18.11.2025; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 17.11.2030. abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Benperidol-neuraxpharm 2 mg/4 mg/10 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Perazin-neuraxpharm 25 mg, 100 mg, 200 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026 (Version 7). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Psychose und Schizophrenie?

Psychose ist ein Oberbegriff für Zustände mit Wahn, Halluzinationen, Denk- oder Ich-Störungen. Die Schizophrenie ist eine bestimmte Erkrankung, bei der solche Beschwerden überwiegend in Episoden auftreten; für die Diagnose müssen sie mindestens einen Monat bestehen, und eine Gehirnerkrankung, eine Vergiftung oder ein Entzug als Ursache müssen ausgeschlossen sein. Psychosen gibt es auch bei anderen Erkrankungen, etwa bei einer Manie, einer schweren Depression, durch Substanzen oder bei Erkrankungen des Gehirns.

Ist eine Psychose heilbar?

Das hängt von der Form ab. Akute vorübergehende psychotische Störungen bessern sich laut ICD-10-GM in der Regel innerhalb weniger Monate vollständig, oft schon nach Wochen oder Tagen. Bei einer Schizophrenie kann es laut S3-Leitlinie nach einer ersten Episode bei etwa 20 von 100 Betroffenen zur Genesung ohne späteren Rückfall kommen, bei etwa zwei Dritteln zu weiteren Episoden.

Kann Cannabis eine Psychose auslösen?

Ja. Cannabis und Amphetamine sind laut S3-Leitlinie Schizophrenie in der Praxis die häufigsten Ursachen von Psychosen durch Substanzen und außerdem bedeutende Risikofaktoren für die Entwicklung einer Schizophrenie. Bei Menschen mit riskantem Cannabiskonsum oder einer Suchterkrankung soll laut der Leitlinie zu Psychosen und Sucht regelmäßig gezielt nach psychotischen Beschwerden gefragt werden. Mehr unter Cannabis.

Können Medikamente eine Psychose auslösen?

Ja, das ist möglich. Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt als Beispiele unter anderem L-Dopa und andere dopaminerge Mittel, Anticholinergika, Kortikosteroide, einige Antibiotika, Herz-Kreislauf-Mittel und Hormonpräparate; bei jeder neuen Psychose nach Beginn eines Medikaments sollte an diese Möglichkeit gedacht werden. Setzen Sie ein Medikament nicht eigenmächtig ab; sprechen Sie neue Beschwerden rasch bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Wie lange dauert eine Psychose?

Akute vorübergehende psychotische Störungen entwickeln sich laut ICD-10-GM innerhalb von zwei Wochen oder weniger und bessern sich in der Regel innerhalb weniger Monate, oft schon nach Wochen oder Tagen. Anhaltende wahnhafte Störungen dauern lange, manchmal lebenslang. Bei einer Schizophrenie dauert die Akutphase laut S3-Leitlinie Wochen bis etwa drei Monate; daran schließen sich Stabilisierungs- und stabile Phasen an.

Gibt es einen Psychose-Test?

Einen Selbsttest, der eine Psychose feststellt, nennen die Leitlinien nicht. Ob eine Psychose vorliegt und welche Form, klären Fachleute im Gespräch, mit einer Untersuchung körperlicher Ursachen und mit Fragen nach Substanzen. Instrumente zur Einschätzung eines erhöhten Psychoserisikos sollen laut S3-Leitlinie von geschultem Fachpersonal angewendet werden, etwa in Früherkennungszentren.

Was können Angehörige bei einer Psychose tun?

Bei Hinweisen auf eine beginnende Psychose rät die S3-Leitlinie zu einer raschen Abklärung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie oder in einem Früherkennungszentrum, das ohne Überweisung erreichbar ist. Lehnt die erkrankte Person Ihre Einbeziehung ab, können Sie trotzdem Beobachtungen mitteilen und allgemeine Informationen bekommen, etwa in Angehörigengruppen. Bei akuter Gefahr rufen Sie den Notruf 112.

Welche Medikamente helfen bei einer Psychose?

Eingesetzt werden vor allem Antipsychotika. Welche Mittel infrage kommen, hängt von der Form der Psychose ab, und auch die Zulassung unterscheidet sich: Benperidol und Perazin sind laut Fachinformation allgemein für akute und chronische Psychosen zugelassen, Haloperidol unter anderem für Schizophrenie, schizoaffektive Störung und Delir, Clozapin auch für Psychosen bei Parkinson-Krankheit. Welches Mittel passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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  • Erkrankungen Schizoaffektive Störung

    Bei einer schizoaffektiven Störung treten Beschwerden einer Schizophrenie und einer Depression oder Manie zugleich auf.

  • Erkrankungen Generalisierte Angststörung

    Bei einer generalisierten Angststörung bestehen Angst und Sorgen dauerhaft.

  • Erkrankungen Soziale Phobie

    Bei einer sozialen Phobie macht die Angst vor der Beurteilung durch andere den Alltag schwer.

  • Nebenwirkungen Absetzsymptome

    Beim Absetzen von Psychopharmaka können vorübergehend Beschwerden auftreten.