ErkrankungenErkrankung

Schizoaffektive Störung

Bei einer schizoaffektiven Störung bestehen in derselben Krankheitsphase Beschwerden einer Schizophrenie, etwa Wahn oder Stimmenhören, und Beschwerden einer Manie oder Depression; die ICD-10-GM führt sie mit dem Schlüssel F25 bei den Schizophrenien und verwandten Störungen. Ausdrücklich nennen die Fachinformationen von Haloperidol und von Retardtabletten mit Paliperidon die schizoaffektive Störung bei Erwachsenen als Anwendungsgebiet; welche Behandlung für Sie passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Frau Anfang vierzig und ihr jüngerer Bruder bereiten in einer hellen Küche gemeinsam einen Salat zu und unterhalten sich entspannt
Bild: KI-generiert

Die schizoaffektive Störung verbindet Merkmale einer Schizophrenie mit denen einer affektiven Störung. Als affektive Störungen bezeichnet die ICD-10-GM Erkrankungen, bei denen sich vor allem die Stimmung verändert, entweder zur Depression oder zu einer gehobenen Stimmung wie bei einer Manie, meist zusammen mit einer Veränderung des Antriebs [2]. Nach der ICD-10-GM sind schizoaffektive Störungen episodische Störungen, bei denen sowohl affektive als auch schizophrene Symptome auftreten, ohne dass die Kriterien für eine Schizophrenie oder für eine depressive oder manische Episode erfüllt sind [1].

Die Klassifikation führt die schizoaffektiven Störungen unter dem Schlüssel F25 in der Gruppe "Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen" (F20 bis F29). Sie vermerkt dazu, dass sie "trotz ihrer umstrittenen Natur" weiterhin dort aufgeführt werden [1]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie beschreibt die schizoaffektive Störung als Erkrankung, bei der grundsätzlich zur selben Zeit affektive Symptome und für eine Schizophrenie typische psychotische Symptome auftreten; dieses gleichzeitige Auftreten muss für die Diagnose mindestens zwei Wochen bestehen [3]. Weil die Diagnose unsicher ist, werden die Kriterien in der neuen ICD-11 verschärft: Vorgeschlagen ist, dass Symptome einer Schizophrenie und einer affektiven Erkrankung in mittlerer bis hoher Ausprägung gleichzeitig oder höchstens wenige Tage nacheinander über vier Wochen eindeutig nachweisbar sein müssen [3]. In Deutschland gilt weiterhin die ICD-10 [3].

Eine eigene Leitlinie zur schizoaffektiven Störung führt die Leitlinienübersicht der DGPPN nicht [5]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie, Version 5.0 vom 13. Juni 2026, gilt laut DGPPN-Übersicht bis zum 12. Juli 2027 und bezieht sich auf Menschen mit einer Schizophrenie (F20) [3, 5]. Die S3-Leitlinie Bipolare Störungen, Langversion 2.1 (Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020), enthält Aussagen zur Abgrenzung. Ihre Gültigkeit ist laut DGPPN-Übersicht am 1. März 2023 abgelaufen; eine neuere Fassung ist dort nicht aufgeführt [4, 5]. Zahlen zur Häufigkeit gibt keine dieser Quellen für die schizoaffektive Störung allein an.

Anzeichen einer schizoaffektiven Störung

Bei einer schizoaffektiven Störung kommen in derselben Episode zwei Arten von Beschwerden zusammen [1]:

  • Beschwerden wie bei einer Schizophrenie, etwa Wahn, Stimmen, die über die Person sprechen oder sie kommentieren, das Gefühl, Gedanken würden eingegeben, entzogen oder ausgebreitet, Denkstörungen oder Negativsymptome [1]
  • Beschwerden einer Manie: eine der Situation unangemessen gehobene Stimmung, die zwischen sorgloser Heiterkeit und kaum kontrollierbarer Erregung schwanken kann, mit vermehrtem Antrieb, Überaktivität, Rededrang, vermindertem Schlafbedürfnis und einer oft weit überhöhten Selbsteinschätzung [2]
  • oder Beschwerden einer Depression: gedrückte Stimmung, verminderter Antrieb, verminderte Fähigkeit zu Freude, weniger Interesse und Konzentration, gestörter Schlaf, verminderter Appetit, ein geringes Selbstwertgefühl und Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit [2]

Die Packungsbeilage eines für schizoaffektive Störungen zugelassenen Mittels beschreibt sie als Kombination aus Symptomen der Schizophrenie, etwa dem Hören, Sehen oder Fühlen von Dingen, die nicht wirklich da sind, Irrglauben, ungewöhnlichem Misstrauen und zunehmender Zurückgezogenheit, mit Symptomen von Stimmungsstörungen. Dazu zählt sie Hochgefühl, Traurigkeit, Unruhe, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit, Gesprächigkeit, Desinteresse an Alltagsaktivitäten, zu viel oder zu wenig Schlaf oder Nahrungsaufnahme und wiederkehrende Suizidgedanken [7]. Was bei solchen Gedanken hilft, steht unter Wann Sie sofort Hilfe brauchen.

Formen nach der ICD-10-GM

  • Gegenwärtig manisch (F25.0): Schizophrene und manische Symptome liegen zugleich vor, sodass weder eine Schizophrenie noch eine manische Episode diagnostiziert werden kann. Die Kategorie gilt für einzelne Episoden und für wiederkehrende Störungen, bei denen die meisten Episoden so verlaufen [1].
  • Gegenwärtig depressiv (F25.1): Schizophrene und depressive Symptome liegen zugleich vor; auch hier gilt die Kategorie für einzelne Episoden und für wiederkehrende Störungen mit überwiegend solchen Episoden [1].
  • Gemischt (F25.2): Eine eigene Beschreibung gibt die ICD-10-GM nicht; eingeschlossen sind die "gemischte schizophrene und affektive Psychose" und die "zyklische Schizophrenie" [1].
  • Sonstige und nicht näher bezeichnete Formen (F25.8, F25.9): Unter F25.9 fällt die "Schizoaffektive Psychose o.n.A." [1].

Abgrenzung zu Schizophrenie, Depression und bipolarer Störung

Schizoaffektive Störungen müssen laut S3-Leitlinie Schizophrenie von affektiven Symptomen bei einer Schizophrenie und von affektiven Störungen mit psychotischen Symptomen abgegrenzt werden [3]. Die ICD-10-GM gibt dafür Regeln vor [1, 2]:

Abgrenzung der schizoaffektiven Störung nach ICD-10-GM 2026 und S3-Leitlinie Bipolare Störungen 2.1 (abgelaufen; eigene Zusammenstellung)
SituationEinordnung
Affektive Symptome überlagern eine bereits bestehende Schizophrenie oder treten mit anderen anhaltenden Wahnkrankheiten aufkeine schizoaffektive Störung; Einordnung unter F20 bis F29, etwa als Schizophrenie oder wahnhafte Störung [1]
Ausgeprägte depressive oder manische Symptome bei schizophrenen Symptomenkeine Schizophrenie, es sei denn, die schizophrenen Symptome sind der affektiven Störung vorausgegangen [1]
Depression im Anschluss an eine schizophrene Erkrankung, einige schizophrene Symptome bestehen nochpostschizophrene Depression (F20.4) [1]
Manie oder schwere Depression mit Wahn oder Halluzinationenaffektive Störung mit psychotischen Symptomen, etwa F30.2, F31.2, F31.5, F32.3 oder F33.3; parathyme psychotische Symptome bei einer affektiven Störung rechtfertigen die Diagnose einer schizoaffektiven Störung nicht [1, 2, 3]
Akute Episoden werden überwiegend von psychotischen Beschwerden bestimmt, affektive treten zusätzlich und deutlich kürzer auflaut S3-Leitlinie Bipolare Störungen sollte dann die Diagnose schizoaffektive Störung gewählt werden [4]

Synthym bedeutet laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen, dass Wahn und Halluzinationen zur Stimmung passen (stimmungskongruent), parathym, dass sie nicht dazu passen (stimmungsinkongruent). Als parathym gelten auch gefühlsneutrale Wahngedanken und Halluzinationen, etwa ein Beziehungswahn ohne das Thema Schuld oder Stimmen, die über Ereignisse ohne besondere Bedeutung sprechen [4]. Einzelne für eine Schizophrenie typische Halluzinationen oder Wahngedanken bei einer Manie können als parathym gelten; herrschen sie aber vor und halten an, ist laut dieser Leitlinie eine schizoaffektive Störung wahrscheinlicher [4].

Von der bipolaren Störung unterscheidet sich die schizoaffektive Störung durch die schizophrenen Symptome in derselben Episode. Eine bipolare affektive Störung ist nach der ICD-10-GM durch wenigstens zwei Episoden gekennzeichnet, in denen Stimmung und Aktivität deutlich gestört sind, einmal mit gehobener Stimmung und vermehrtem Antrieb (Hypomanie oder Manie), dann wieder mit gedrückter Stimmung und vermindertem Antrieb (Depression) [2]. Siehe auch Depression und Psychose.

Ursachen und Risiken

Schon die Einordnung der schizoaffektiven Störung ist umstritten [1]. Laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen ist die Diagnose wenig zuverlässig, sowohl gegenüber der bipolaren Störung als auch gegenüber der Schizophrenie, und die Diagnosesysteme ICD-10 und DSM-5 stimmen bei schizoaffektiven Störungen weniger überein als bei der bipolaren Störung [4]. Laut S3-Leitlinie Schizophrenie ist weiterhin offen, wie weit die Schizophrenie ein einheitliches Krankheitsbild ist; diskutiert wird dabei unter anderem die Abgrenzung zu verwandten Erkrankungen wie den bipolaren Störungen [3].

Eigene Aussagen zu den Ursachen der schizoaffektiven Störung enthalten die genannten Leitlinien nicht. Für die Schizophrenie beschreibt die S3-Leitlinie Schizophrenie eine erblich und durch die frühe Entwicklung mitbestimmte Anfälligkeit, die durch Lebensereignisse und Umweltfaktoren wie den Gebrauch von Cannabis oder Amphetaminen ausgelöst oder gebremst wird [3]. Für die bipolare Störung nennt die S3-Leitlinie Bipolare Störungen eine relativ starke erbliche Komponente sowie Umwelteinflüsse, unter anderem über Stress, und Persönlichkeitsmerkmale [4].

Ähnliche Beschwerden können auch durch Substanzen entstehen. Missbrauch und Abhängigkeit von Kokain, Ecstasy oder Amphetaminen können laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen zu manischen oder manieähnlichen Beschwerden führen, die sich nach dem Entzug innerhalb kürzerer Zeit zurückbilden; vor allem bei Jugendlichen und bei einer ersten Episode verdient das bei der Diagnose besondere Beachtung [4]. Cannabis und Amphetamine sind laut S3-Leitlinie Schizophrenie die häufigsten Auslöser von Psychosen durch Substanzen [3].

Wie die Diagnose gestellt wird

Die Abgrenzung kann laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen besonders schwierig bis unmöglich sein; die Diagnose einer schizoaffektiven Störung sollte nur als Ausschlussdiagnose nach längerer Beobachtung des Verlaufs gestellt werden (Expertenkonsens) [4]. Grundlage für die Unterscheidung von Manie und Schizophrenie ist laut dieser Leitlinie eine sorgfältige Erhebung des bisherigen Krankheitsverlaufs und der aktuellen Beschwerden, auch, wie schnell sie sich entwickelt haben und wie sie zu Beginn der Episode aussahen [4]. Bei unklarer Abgrenzung zu anderen Störungen oder diagnostischer Unsicherheit können laut S3-Leitlinie Schizophrenie zusätzlich zur Diagnose nach den Kriterien der ICD-10 strukturierte diagnostische Interviews angezeigt sein [3].

Bei neu aufgetretenen psychotischen Beschwerden soll laut S3-Leitlinie Schizophrenie eine Abklärung körperlicher Ursachen angeboten werden. Hinweise auf eine körperliche Ursache sind unter anderem ein akuter Beginn, Bewusstseins- oder Orientierungsstörungen, Krampfanfälle, Verwirrtheit, optische Halluzinationen und Fieber [3]. Ausführlicher steht das unter Psychose.

Einen Selbsttest für die schizoaffektive Störung nennen die Leitlinien nicht; die Diagnose braucht laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen eine längere Beobachtung des Verlaufs [4]. Fragen für den Termin können Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch sammeln.

Behandlung im Überblick

Eine eigene Leitlinie zur schizoaffektiven Störung führt die DGPPN-Übersicht nicht [5]. Die S3-Leitlinie Schizophrenie gilt für Menschen mit einer Schizophrenie [3]. In einige Studien, die sie auswertet, wurden auch Menschen mit schizoaffektiver Störung aufgenommen, etwa zur Verhaltenstherapie bei depressiven Beschwerden; die Ergebnisse wurden dort aber für beide Gruppen gemeinsam berichtet [3].

Für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen gilt die S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien, Version 3.0. Sie ist nicht auf eine bestimmte Diagnose begrenzt und nennt als Beispiele unter anderem Schizophrenien, schizotype und wahnhafte Störungen und schwere affektive Störungen. Ihre Literatursuche schloss die schizoaffektiven Störungen (F25) ausdrücklich ein. Gemeint sind Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose, einer Erkrankungs- oder Behandlungsdauer von mindestens zwei Jahren und deutlichen Beeinträchtigungen im Alltag und in der Teilhabe [6]. Für sie empfiehlt die Leitlinie unter anderem [6]:

Ausgewählte Empfehlungen der S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen, Version 3.0 (ohne Rangfolge)
AngebotWas die Leitlinie sagtEmpfehlungsgrad
Gemeinsame EntscheidungDie Wahl der Behandlung soll gemeinsam ausgehandelt werden, mit fachlichen Gesichtspunkten ebenso wie mit Ihren Vorlieben und Ihrer Lebenssituation [6]"soll"
Psychoedukationstrukturiert, ausreichend lange und möglichst in Gruppen, im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans; Angehörige sollen einbezogen werden [6]"soll"
Familieninterventionenfür Betroffene und Angehörige, um Rückfällen vorzubeugen und die Zusammenarbeit mit dem sozialen Umfeld zu erleichtern [6]"sollen"
Gemeindenahe Versorgungin allen Versorgungsregionen eine gemeindepsychiatrische Versorgung durch Teams mehrerer Berufsgruppen; eine dauerhafte Unterbringung in Einrichtungen soll vermieden werden [6]"soll"
Behandlung zu Hausein akuten Krankheitsphasen durch mobile Teams mehrerer Berufsgruppen im gewohnten Lebensumfeld [6]"sollen"
Wohnenselbstbestimmt in der Gemeinde, mit mobiler Unterstützung nach Bedarf und Vorlieben [6]"sollen"
Arbeitbei Wunsch nach Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Programme mit rascher Vermittlung auf einen Arbeitsplatz und Begleitung (Supported Employment) [6]"sollen"
GesundheitBewegungsangebote und Angebote zu gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität, individuell zugeschnitten [6]"sollen"
Peer-SupportBegleitung durch Menschen mit eigener Krankheitserfahrung nach Ihren Wünschen [6]"sollte"

Empfehlungen zu Medikamenten gibt diese Leitlinie nicht [6]. Welche Behandlung für Sie passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer behandelnden Fachärztin oder Ihrem Facharzt. Mehr zu den Verfahren steht unter Psychotherapie und Medikamente und Klinik und Tagesklinik.

Medikamente bei schizoaffektiver Störung

Ausdrücklich nennen die Fachinformationen von Haloperidol und von Retardtabletten mit Paliperidon die schizoaffektive Störung: Haloperidol ist zur Behandlung der Schizophrenie und der schizoaffektiven Störung bei Erwachsenen ab 18 Jahren zugelassen, die Paliperidon-Retardtabletten zur Behandlung schizoaffektiver Störungen bei Erwachsenen [8, 7]. Die Paliperidon-Retardtabletten sind außerdem für die Schizophrenie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 15 Jahren zugelassen [7]. Haloperidol ist bei Erwachsenen unter anderem auch für mittelschwere bis schwere manische Episoden einer bipolaren Störung I und für akute psychomotorische Erregungszustände bei einer psychotischen Störung oder einer manischen Episode zugelassen [8]. Ob ein anderes Mittel oder eine andere Darreichungsform für die schizoaffektive Störung zugelassen ist, steht in der jeweiligen Fachinformation; das Anwendungsgebiet steht auch auf der Wirkstoffseite.

Wird ein Mittel außerhalb der Anwendungsgebiete seiner Fachinformation eingesetzt, ist das ein Einsatz außerhalb der Zulassung (off-label). Laut S3-Leitlinie Schizophrenie ist ein solcher Einsatz arzneimittelrechtlich möglich, liegt dann aber in der Verantwortung der verordnenden Ärztin oder des verordnenden Arztes. Sie müssen über den Einsatz außerhalb der Zulassung und seine Risiken aufgeklärt werden und darüber, dass der Hersteller dann nicht für Schäden haftet [3]. Ob die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernimmt, hängt laut Leitlinie von Bedingungen ab, die das Bundessozialgericht festgelegt hat und die alle erfüllt sein müssen [3].

Antipsychotika unterscheiden sich laut S3-Leitlinie Schizophrenie vor allem in ihren Nebenwirkungen, etwa Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme, Müdigkeit und einem Anstieg des Hormons Prolaktin [3]. Welche Nebenwirkungen in den Packungsbeilagen stehen und welche Kontrollen nötig sind, steht auf den Wirkstoffseiten und auf der Seite Schizophrenie. Ändern Sie Ihre Medikamente nicht eigenständig; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kinderwunsch und Schwangerschaft

Embryotox ordnet die schizoaffektive Erkrankung bei den Erkrankungen ein, bei denen psychotische Episoden auftreten können [9]. Schwangerschaften von Frauen mit psychotischen Erkrankungen gelten laut Embryotox unabhängig von der Medikation als Risikoschwangerschaften; sie sollten sorgfältig frauenärztlich überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden. Eine bestehende antipsychotische Dauerbehandlung sollte in keinem Fall abrupt verringert oder abgesetzt werden, und nach der Geburt ist das Rückfallrisiko erhöht [9]. Laut Embryotox sind viele atypische Antipsychotika, insbesondere Quetiapin, für den Einsatz in Schwangerschaft und Wochenbett geeignet [9]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Weil volles Stillen zu Schlafmangel nach der Geburt beitragen kann, kann laut Embryotox unabhängig von der Medikation eine Mischform aus Stillen und Zufüttern sinnvoll sein, bei der etwa nachts der Partner das Kind versorgt [9]. Um das Rückfallrisiko gering zu halten, sollten Stress und Belastungen in der Schwangerschaft und nach der Geburt möglichst verringert werden. Unterstützen kann eine Familienhebamme, die beantragt werden kann; weitere Ansprechpartner sind laut Embryotox Schwangerenberatungsstellen und die regionalen Netzwerke der Frühen Hilfen [9]. Eltern mit einer schweren psychischen Erkrankung sollte laut S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien Unterstützung in ihrer Rolle als Eltern angeboten werden, angepasst an ihre Bedürfnisse [6]. Mehr unter Psychose: Schwangerschaft und Wochenbett, Schwangerschaft und Stillzeit.

Wie lange behandeln, Rückfall vorbeugen

Die ICD-10-GM beschreibt schizoaffektive Störungen als episodische Störungen. Die Kategorien für den manischen und den depressiven Typ gelten sowohl für einzelne Episoden als auch für wiederkehrende Störungen [1]. Zahlen zum Verlauf nennen die hier verwendeten Quellen für die schizoaffektive Störung allein nicht.

Familieninterventionen sollen Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und ihren Angehörigen laut S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien unter anderem angeboten werden, um Rückfällen vorzubeugen; auch eine strukturierte Psychoedukation soll angeboten werden, um Behandlungsergebnis und Krankheitsverlauf zu verbessern [6]. Wie lange Medikamente genommen werden, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein Medikament nie eigenmächtig ab: Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Mehr unter Antipsychotika absetzen und Wie lange behandeln?

Selbsthilfe und Alltag

Kleine Gesprächsrunde von Frauen und Männern unterschiedlichen Alters sitzt im Kreis in einem hellen Gemeinderaum mit großen Pflanzen
Bild: KI-generiert

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sollen laut S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien über Selbsthilfegruppen, Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfekontaktstellen informiert und auf Wunsch bei der Kontaktaufnahme unterstützt werden. Das Selbstmanagement, also die eigene Entwicklung möglichst selbstständig zu gestalten, sollte während der ganzen Behandlung gezielt unterstützt werden [6]. Information und Austausch können auch in Trialogforen und Psychoseseminaren angeboten werden, wo Menschen mit Psychoseerfahrung, Angehörige und Fachleute zusammenkommen [6].

Bewegungsangebote sollen laut dieser Leitlinie nach Ihren Vorlieben und individuell zugeschnitten Teil der Behandlung sein, ebenso Angebote zu gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität [6]. Wer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten möchte, soll Programme angeboten bekommen, die rasch auf einen Arbeitsplatz vermitteln und dort begleiten [6]. Mehr unter Arbeit und Beruf und Cannabis.

Für Angehörige

Angehörige und nahestehende Personen von schwer psychisch erkrankten Menschen können laut S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien schwerwiegenden und vielfältigen Belastungen ausgesetzt sein und zugleich eine wichtige Stütze sein. Sie sollten bei Bedarf Entlastung und Unterstützung erfahren, um ihre Belastung zu verringern und die eigene Gesundheit und Lebensqualität zu stärken [6]. In die Psychoedukation sollen Angehörige einbezogen werden, und Familieninterventionen sollen angeboten werden [6].

Bei einer akuten Gefahr für die erkrankte Person oder andere, etwa in einer schweren manischen oder psychotischen Phase, rufen Sie den Notruf 112. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung mit hohem Gefahrenpotenzial ist laut S3-Leitlinie Schizophrenie gegebenenfalls eine Unterbringung gegen den Willen nach dem Betreuungsrecht oder den Psychisch-Kranken-Gesetzen der Bundesländer einzuleiten [3]. Mehr unter Unterbringung und Zwangsbehandlung und Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Wiederkehrende Suizidgedanken nennt die Packungsbeilage eines zugelassenen Mittels unter den möglichen Symptomen der schizoaffektiven Störung [7]. Bei einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen kann laut ICD-10-GM Lebensgefahr durch Suizid und durch zu wenig Trinken und Essen bestehen [2]. Bei Menschen mit Schizophrenie ist das Suizidrisiko laut S3-Leitlinie Schizophrenie erheblich erhöht, und Suizidalität soll offen und einfühlsam angesprochen werden [3].

Neu aufgetretene psychotische Beschwerden zusammen mit Fieber, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen können laut S3-Leitlinie Schizophrenie auf eine körperliche Ursache hinweisen [3].

Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F20 bis F29: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  2. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F30 bis F39: Affektive Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (veröffentlicht 15.07.2026); laut DGPPN-Übersicht gültig bis 12.07.2027. abgerufen am 23.10.2026
  4. Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.03.2023 (abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026
  5. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Einträge Schizophrenie und Bipolare Störungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  6. Leitlinie S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen, Langfassung, Version 3.0 (AWMF-Registernummer 038-020). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 3.0, Fassung vom 18.11.2025; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 17.11.2030. abgerufen am 23.10.2026
  7. EMA-Produktinformation Invega (Paliperidon, EPAR), Anhang I: Fachinformation Invega Retardtabletten, und Anhang III B: Packungsbeilage. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024 (zuletzt aktualisiert 12.07.2024). abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
  9. Embryotox: Psychosen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen schizoaffektiver Störung und Schizophrenie?

Bei einer Schizophrenie stehen psychotische Beschwerden wie Wahn, Stimmen und Denkstörungen im Vordergrund; bei ausgeprägten depressiven oder manischen Symptomen wird sie laut ICD-10-GM nicht diagnostiziert, außer die schizophrenen Symptome waren zuerst da. Bei einer schizoaffektiven Störung treten schizophrene und affektive Beschwerden in derselben Episode auf, ohne dass die Kriterien einer Schizophrenie oder einer reinen Depression oder Manie erfüllt sind.

Welche Medikamente sind bei einer schizoaffektiven Störung zugelassen?

Ausdrücklich nennen die Fachinformationen von Haloperidol und von Retardtabletten mit Paliperidon die schizoaffektive Störung bei Erwachsenen als Anwendungsgebiet. Ob ein anderes Mittel dafür zugelassen ist, steht in seiner Fachinformation. Wird ein Mittel außerhalb seiner Zulassung eingesetzt, muss laut S3-Leitlinie Schizophrenie darüber aufgeklärt werden. Welches Mittel passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Ist eine schizoaffektive Störung heilbar?

Die ICD-10-GM beschreibt schizoaffektive Störungen als episodische Störungen; es kann bei einer einzelnen Episode bleiben, oder die Episoden kehren wieder. Verlaufszahlen für die schizoaffektive Störung allein nennen die verwendeten Leitlinien nicht. Psychoedukation und Familieninterventionen sollen laut S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren Verläufen angeboten werden, unter anderem um Rückfällen vorzubeugen.

Was bedeutet "schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv"?

Das ist die Form F25.1 der ICD-10-GM. Schizophrene und depressive Symptome liegen zugleich vor, sodass weder eine Schizophrenie noch eine depressive Episode diagnostiziert werden kann. Die Kategorie gilt für einzelne Episoden und für wiederkehrende Störungen, bei denen die meisten Episoden so verlaufen. Typische depressive Beschwerden sind gedrückte Stimmung, verminderter Antrieb, weniger Freude und Interesse, Schlaf- und Appetitstörungen.

Gibt es einen Test für die schizoaffektive Störung?

Einen Selbsttest nennen die Leitlinien nicht. Laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen kann die Abgrenzung besonders schwierig bis unmöglich sein; die Diagnose sollte nur als Ausschlussdiagnose nach längerer Beobachtung des Verlaufs gestellt werden. Grundlage sind eine sorgfältige Erhebung des bisherigen Verlaufs und der aktuellen Beschwerden und eine Abklärung körperlicher Ursachen.

Kann man eine schizoaffektive Störung ohne Medikamente behandeln?

Eigene Empfehlungen dazu gibt es nicht; eine Leitlinie zur schizoaffektiven Störung führt die DGPPN-Übersicht nicht. Bei langem und schwerem Verlauf empfiehlt die S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien unter anderem Psychoedukation, Familieninterventionen, Behandlung zu Hause in Krisen, Unterstützung bei Arbeit und Wohnen und Peer-Support; Empfehlungen zu Medikamenten gibt diese Leitlinie nicht. Ob und welche Medikamente nötig sind, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was ist bei Kinderwunsch zu beachten?

Laut Embryotox gelten Schwangerschaften von Frauen mit psychotischen Erkrankungen als Risikoschwangerschaften, die sorgfältig frauenärztlich und engmaschig psychiatrisch begleitet werden sollten. Eine bestehende antipsychotische Dauerbehandlung sollte nicht abrupt verringert oder abgesetzt werden, und nach der Geburt ist das Rückfallrisiko erhöht. Besprechen Sie einen Kinderwunsch früh mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und setzen Sie nichts selbst ab.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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