WirkstoffgruppenWirkstoffgruppe
Depot-Antipsychotika (Depotspritzen)
Depot-Antipsychotika sind Spritzen in einen Muskel, aus denen ein Antipsychotikum über Wochen freigesetzt wird; es gibt sie unter anderem mit Aripiprazol, Flupentixol, Olanzapin, Paliperidon und Risperidon. Bei einer Schizophrenie wirken sie laut S3-Leitlinie in der Rückfallvorbeugung wie Tabletten und sollten dafür als Alternative angeboten werden. Den Abstand zwischen den Spritzen nennt die Produktinformation des Präparats; bei den Präparaten auf dieser Seite liegt er zwischen zwei Wochen und zwei Monaten.

Depot-Antipsychotika (Depotspritzen) sind langwirksame Formen von Antipsychotika, die in einen Muskel gespritzt werden und den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum abgeben. Die S3-Leitlinie Schizophrenie der DGPPN (Version 5.0, Fassung vom 13. Juni 2026, laut DGPPN gültig bis 12. Juli 2027) nennt verschiedene pharmakologische Vorteile gegenüber Formen zum Einnehmen: Der Wirkstoff umgeht den ersten Abbau in der Leber (First-Pass-Effekt), der Spiegel im Blut schwankt weniger stark, das Risiko für Nebenwirkungen, die durch wechselnd hohe Spiegel gefördert werden, ist geringer, und die Anwendung ist gesichert. Als Nachteile nennt sie Probleme mit der Injektion, besonders eine erlebte Stigmatisierung, und eine geringere Steuerbarkeit. [1, 2]
Bei einer Schizophrenie sind Depotantipsychotika laut S3-Leitlinie wie Antipsychotika zum Einnehmen wirksam in der Vorbeugung von Rückfällen, ohne relevante Unterschiede in der Wirksamkeit. Wegen ihrer gesicherten Anwendung und guten Bioverfügbarkeit sind sie laut Leitlinie eine wirksame Alternative zu Medikamenten zum Einnehmen und sollten in der Rückfallvorbeugung als Behandlungsalternative angeboten werden (Empfehlung 37, bedingte Empfehlung). [1]
Weil eine überlegene Wirksamkeit einzelner Depotantipsychotika untereinander nicht ausreichend belegt ist, sollte die Auswahl laut Leitlinie nach den Nebenwirkungen und dem gewünschten Abstand zwischen den Spritzen erfolgen. Vor Beginn einer Depotbehandlung sollte in einer mindestens mehrwöchigen Behandlung mit der Form zum Einnehmen desselben Antipsychotikums sichergestellt sein, dass es wirkt und vertragen wird (Empfehlung 38). [1]
Zugelassen sind die Depotformen, die diese Seite auswertet, für die Schizophrenie, meist als Erhaltungstherapie bei Erwachsenen, die zuvor mit dem Wirkstoff eingestellt wurden. Die Abstände zwischen den Spritzen legen die Produktinformationen der einzelnen Präparate fest; die Dosis bestimmt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. [3, 4, 5, 6, 7]
Depotformen im Überblick
Alle Depotformen in der Tabelle werden laut ihrer Produktinformation in einen Muskel gespritzt. Wofür sie zugelassen sind und welchen Abstand zwischen den Spritzen ihre Fach- bzw. Gebrauchsinformation nennt, unterscheidet sich je Präparat. [3, 4, 5, 6, 7]
| Wirkstoff (Depotform) | Zugelassen für | Abstand zwischen den Spritzen laut Produktinformation |
|---|---|---|
| Aripiprazol (unter anderem Abilify Maintena) | Erhaltungstherapie der Schizophrenie bei Erwachsenen, die stabil mit Aripiprazol eingestellt wurden | je nach Stärke einmal im Monat oder alle 2 Monate |
| Flupentixol (Flupentixoldecanoat, ölige Lösung) | Langzeitbehandlung und Vorbeugung von Rückfällen schizophrener Psychosen | als durchschnittliche Dosierung in Abständen von 2 bis 4 Wochen empfohlen; die Abstände bestimmt die Ärztin oder der Arzt |
| Olanzapin (Olanzapinpamoat) | Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit Schizophrenie, die während einer akuten Behandlung hinreichend mit Olanzapin zum Einnehmen stabilisiert wurden | alle 2 oder alle 4 Wochen |
| Paliperidon (Paliperidonpalmitat, unter anderem Xeplion) | Erhaltungstherapie der Schizophrenie bei Erwachsenen, die auf Paliperidon oder Risperidon eingestellt wurden; bei bestimmten Erwachsenen auch ohne vorherige Einstellung auf eine Behandlung zum Einnehmen | Erhaltungsdosis einmal im Monat |
| Risperidon (unter anderem Risperdal Consta) | laut Packungsbeilage Erhaltungstherapie bei Schizophrenie für Menschen, die derzeit mit Antipsychotika zum Einnehmen behandelt werden | laut Packungsbeilage alle zwei Wochen |
Zuclopenthixol gibt es laut Embryotox ebenfalls als Depot: Zuclopenthixolacetat als Kurzzeitdepot und Zuclopenthixoldecanoat für die Dauertherapie; wofür die beiden Formen zugelassen sind, steht auf der Wirkstoffseite Zuclopenthixol. Die S3-Leitlinie führt unter den in Deutschland verwendeten Depotpräparaten außerdem unter anderem Haloperidoldecanoat (siehe Haloperidol) und Fluphenazindecanoat; zum Marktstatus von Fluphenazin siehe Hochpotente Antipsychotika. [1, 8]
Wirkstoffe der Gruppe
Aripiprazolz. B. ABILIFY, Aripiprazol-ratiopharm Tabletten, Aripiprazol AbZ TablettenSchizophrenie, manische Episoden bei Bipolar-I-Störung
Flupentixolz. B. Flupentixol-neuraxpharm, Fluanxol Depot, FluanxolSchizophrenie (akut und langfristig als Tabletten, langfristig als Depotspritze)
Haloperidolz. B. Haldol, Haloperidol-ratiopharmSchizophrenie, Manie, Delir, Erregungszustände, Aggression bei Demenz, Tics, Chorea Huntington
Olanzapinz. B. Olanzapin AbZ, Olanzapin-CT, Olanzapin-ratiopharmSchizophrenie, manische Episoden, Vorbeugung bei bipolarer Störung
Paliperidonz. B. Invega, Paliperidon AbZ, Paliperidon ALSchizophrenie und schizoaffektive Störungen (Retardtabletten), Erhaltungstherapie der Schizophrenie (monatliche Depotspritze)
Risperidonz. B. Risperdal, Risperdal Consta, Risperidon AbZSchizophrenie, Manie, anhaltende Aggression bei Alzheimer-Demenz und bei Kindern mit Verhaltensstörung
Zuclopenthixolz. B. Ciatyl-Z, Ciatyl-Z Depot, Ciatyl-Z AcuphaseSchizophrenie, Manie, Erregungszustände
Die Wirkstoffseiten beschreiben jeweils den Wirkstoff mit seinen Formen. Bei Aripiprazol, Haloperidol, Olanzapin, Risperidon und Zuclopenthixol beruhen die Häufigkeiten in der Vergleichstabelle unten auf der Produktinformation der Tabletten, bei Paliperidon auf der der Depotspritze und bei Flupentixol auf den Unterlagen der Depotspritze und der Filmtabletten.
Nebenwirkungen im Vergleich
Welche Nebenwirkungen ein Präparat haben kann, steht in seiner Produktinformation und auf der Wirkstoffseite. Nebenwirkungen durch die Blockade von Dopamin, also Bewegungsstörungen und ein erhöhter Prolaktinspiegel, treten laut S3-Leitlinie vor allem bei klassischen Antipsychotika mit starker D2-Blockade auf, sind aber bei jedem Antipsychotikum möglich. Bei Depotspritzen kommen Beschwerden an der Einstichstelle hinzu: Die Fachinformation von Paliperidon (Xeplion) nennt Reaktionen an der Injektionsstelle unter den am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen, die von Aripiprazol (Abilify Maintena) unter anderem Schmerzen und Verhärtungen an der Injektionsstelle. [1, 4, 5]
Nach der Depotspritze mit Olanzapin traten laut Fachinformation Ereignisse mit Beschwerden wie bei einer Überdosierung von Olanzapin auf (Postinjektionssyndrom). Die meisten Betroffenen waren schläfrig, von leicht bis zur Bewusstlosigkeit (Koma), oder verwirrt (Delir); berichtet wurden außerdem unter anderem Bewegungsstörungen, Schwindel, Schwäche, Blutdruckanstieg und Krampfanfälle. Meist begannen die ersten Anzeichen innerhalb einer Stunde nach der Injektion; die Beschwerden klangen in allen Fällen innerhalb von 24 bis 72 Stunden ab. Nach jeder Injektion müssen Sie deshalb laut Fachinformation mindestens 3 Stunden in einer medizinischen Einrichtung beobachtet werden. Die S3-Leitlinie vermerkt, dass dieses Risiko berücksichtigt werden muss. [1, 6]
Die folgende Tabelle zeigt für jeden Wirkstoff der Gruppe die höchste Häufigkeitsangabe seiner Produktinformation für einige Beschwerden. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist. Bei einer Schizophrenie sollte die Auswahl eines Depotantipsychotikums laut S3-Leitlinie nach den Nebenwirkungen und dem gewünschten Abstand zwischen den Spritzen erfolgen. [1]
| Wirkstoff | Bewegungsstörungen (Parkinson-Symptome, Dystonie, Dyskinesie) | Sitzunruhe (Akathisie) | Spätdyskinesien | Gewichtszunahme | Müdigkeit | Erhöhtes Prolaktin | Erhöhter Blutzucker | Herzrhythmusstörungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Aripiprazol | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Nicht bekannt | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Nicht bekannt |
| Flupentixol | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich | Häufig | Sehr häufig | Selten | Selten | Selten |
| Haloperidol | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Selten | nicht genannt | Gelegentlich |
| Olanzapin | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Paliperidon | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Risperidon | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich | Gelegentlich |
| Zuclopenthixol | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich | Häufig | Sehr häufig | Selten | Selten | Selten |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Mehr zu einzelnen Beschwerden: Bewegungsstörungen, Unruhe und Akathisie, Gewichtszunahme, erhöhtes Prolaktin und Blutzucker und Blutfette.
Wirkungseintritt und Dauer

Aus dem Depot im Muskel wird der Wirkstoff langsam freigesetzt. Nach einer Depotspritze mit Flupentixol erreicht der Spiegel im Blut laut Fachinformation bei den meisten Menschen 4 bis 8 Tage nach der Injektion seinen Höchstwert. Bei Paliperidon (Xeplion) steigt der Spiegel laut Fachinformation allmählich an, im Median bis zum 13. Tag; die Freisetzung beginnt am ersten Tag und dauert mindestens 4 Monate. Die volle Auswirkung der Erhaltungsdosen kann laut Fachinformation erst nach einigen Monaten erkennbar sein. Die Depotspritze mit Olanzapin setzt den Wirkstoff laut Fachinformation über mehr als 4 Wochen frei; Aufnahme und Ausscheidung sind etwa sechs bis acht Monate nach der letzten Injektion abgeschlossen. [3, 4, 6]
Wie lange behandelt wird, hängt von der Erkrankung und ihrem Verlauf ab und wird ärztlich mit Ihnen besprochen. Die Langzeitbehandlung mit der Flupentixol-Depotspritze wird laut Fachinformation in der Regel über Monate oder Jahre durchgeführt, mit der niedrigsten notwendigen Dosis. Mehr dazu: Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [3]
Termine, Absetzen und Wechsel
Die Packungsbeilage von Risperdal Consta fordert Sie auf, die Termine für die Spritzen nicht zu versäumen. Können Sie einen Termin nicht einhalten, setzen Sie sich laut dieser Packungsbeilage unverzüglich mit Ihrem Arzt in Verbindung, um einen neuen Termin zu vereinbaren. Die Behandlung sollte laut Packungsbeilage nicht beendet werden, außer der Arzt sagt es, weil die Beschwerden wiederkommen können. Für versäumte Spritzen legen die Fachinformationen von Paliperidon und Aripiprazol jeweils ein eigenes Vorgehen fest. [4, 5, 7]
Beim Absetzen von Xeplion muss laut Fachinformation die verzögerte Freisetzung berücksichtigt werden. Bei einer Umstellung von der Olanzapin-Depotspritze auf ein anderes Antipsychotikum ist laut Fachinformation besonders in den ersten 2 Monaten eine ärztliche Überwachung erforderlich. Absetzerscheinungen, wie sie die S3-Leitlinie nach dem plötzlichen Absetzen klassischer Antipsychotika beschreibt, treten nach einer Depotspritze laut Leitlinie erst später auf. Absetzen und Wechsel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr auf den Seiten Antipsychotika absetzen und Medikament wechseln. [1, 4, 6]
Worauf Sie achten sollten
Xeplion und Abilify Maintena sollten laut Fachinformation nicht bei akuten Erregungszuständen oder hochgradig psychotischen Zuständen eingesetzt werden, wenn die Beschwerden sofort unter Kontrolle gebracht werden müssen; die Olanzapin-Depotspritze darf laut Fachinformation in akut erregten oder schwer psychotischen Zuständen nicht verwendet werden. Nach einem malignen neuroleptischen Syndrom sollten Depotpräparate laut S3-Leitlinie wegen ihrer langen Halbwertszeit vermieden werden (siehe Malignes neuroleptisches Syndrom). [1, 4, 5, 6]
Bei einer Schizophrenie ist das Risiko für einen Suizid laut S3-Leitlinie erheblich erhöht. Besonders bei einer Depression nach einer psychotischen Episode muss laut Leitlinie mit einem erhöhten Suizidrisiko gerechnet werden, und eine Sitzunruhe (Akathisie) als Nebenwirkung ist mit einem erhöhten Risiko für Suizidalität verbunden. Sprechen Sie Veränderungen Ihrer Stimmung und eine starke innere Unruhe bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an, auch zwischen zwei Spritzenterminen. In einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern. [1]
Autofahren nach der Spritze
Nach jeder Depotspritze mit Olanzapin sollen Sie laut Packungsbeilage für den restlichen Tag kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen, weil Beschwerden eines Postinjektionssyndroms, wenn auch unwahrscheinlich, noch später als 3 Stunden nach der Injektion auftreten können; dann wenden Sie sich laut Packungsbeilage unverzüglich an Ihren Arzt oder das Pflegepersonal. Die Flupentixol-Depotspritze kann laut Fachinformation das Reaktionsvermögen so verändern, dass Fahren und Bedienen von Maschinen zumindest in der ersten Phase der Behandlung ganz unterbleiben sollten; im Einzelfall entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Mehr: Psychopharmaka und Autofahren. [3, 6]
Höheres Alter, Kinder und Jugendliche
Bei älteren Menschen mit Demenz ist das Sterblichkeitsrisiko unter klassischen Antipsychotika laut Fachinformation der Flupentixol-Depotspritze leicht erhöht; zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz ist sie nicht zugelassen. Für Menschen mit Psychosen oder Verhaltensstörungen bei Demenz wird Olanzapin laut Fachinformation nicht empfohlen, weil das Sterblichkeitsrisiko und das Risiko zerebrovaskulärer Zwischenfälle erhöht sind. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten laut Fachinformation nicht mit der Flupentixol-Depotspritze behandelt werden; für Xeplion, Abilify Maintena und die Olanzapin-Depotspritze sind Sicherheit und Wirksamkeit unter 18 Jahren laut Fachinformation nicht erwiesen. Mehr: Psychopharmaka im Alter und Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [3, 4, 5, 6]
Kontrollen, Schwangerschaft und Stillzeit
Bei einer Schizophrenie sollen laut S3-Leitlinie Betroffene, Angehörige und Vertrauenspersonen über die nötigen Kontrolluntersuchungen informiert werden, und die Kontrollen sollen in den Behandlungsplan eingebunden werden (Empfehlung 55). Für Schwangere mit Schizophrenie soll das Angebot von Medikamenten laut Leitlinie auf Situationen beschränkt sein, in denen die Folgen der unbehandelten Erkrankung die möglichen Gefahren für das Kind überwiegen; zur Beurteilung der einzelnen Mittel sollen Embryotox und die Fachinformationen genutzt werden (Empfehlung 108). Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung, Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [1]
Abgrenzung zu anderen Spritzen
Antipsychotika gibt es laut S3-Leitlinie auch als kurz wirksame Injektionen in den Muskel oder in die Vene. Eine beruhigende Wirkung kann bei gespritzten Mitteln schneller eintreten; sie unterscheidet sich aber von der eigentlichen antipsychotischen Wirkung, die mehrere Tage oder Wochen dauern kann. Bei einer Schizophrenie soll die Anwendung kurz wirksamer Medikamente als Spritze laut Leitlinie nur in besonderen Ausnahmefällen erfolgen; bei Menschen, die mitwirken können, soll die Form zum Einnehmen gewählt werden, außer sie wünschen eine andere Darreichungsform (Empfehlung 18). Zuclopenthixolacetat beschreibt Embryotox als Kurzzeitdepot. Übersichten: Antipsychotika, Atypische Antipsychotika und Hochpotente Antipsychotika. [1, 8]
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (veröffentlicht 15.07.2026); laut DGPPN-Übersicht gültig bis 12.07.2027. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Schizophrenie. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Flupentixol-neuraxpharm 20 mg/ml, 40 mg/ml, 100 mg/ml, 200 mg/10 ml (Injektionslösung, Flupentixoldecanoat). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Xeplion (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Abilify Maintena (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Abilify Maintena Depot-Injektionssuspension. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation ZYPADHERA (Olanzapin, EPAR), Anhang I: Fachinformation, und Anhang III B: Packungsbeilage ZYPADHERA 210 mg, 300 mg, 405 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Depot-Injektionssuspension. CHEPLAPHARM Registration GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026 (zuletzt aktualisiert 01.07.2026). abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Risperdal Consta 25 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Depot-Injektionssuspension. Janssen-Cilag GmbH. Stand 04/2021. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Zuclopenthixol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist eine Depotspritze?
Eine Depotspritze enthält ein Antipsychotikum in einer Form, die nach dem Spritzen in einen Muskel langsam über Wochen bis Monate freigesetzt wird. Die S3-Leitlinie Schizophrenie nennt als Vorteile unter anderem gleichmäßigere Spiegel im Blut und die gesicherte Anwendung, als Nachteile Probleme mit der Injektion, eine erlebte Stigmatisierung und die geringere Steuerbarkeit.
Wie oft bekommt man eine Depotspritze?
Das hängt vom Präparat ab. Laut Produktinformation wird die Depotspritze mit Risperidon (Risperdal Consta) alle zwei Wochen gegeben, die mit Olanzapin alle 2 oder 4 Wochen, die mit Flupentixol in Abständen von 2 bis 4 Wochen, die mit Paliperidon (Xeplion) zur Erhaltung einmal im Monat und die mit Aripiprazol (Abilify Maintena) je nach Stärke einmal im Monat oder alle 2 Monate. Den Abstand legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Welche Depotspritzen gibt es bei Schizophrenie?
Auf dieser Website sind Depotformen von Aripiprazol, Flupentixol, Olanzapin, Paliperidon, Risperidon und Zuclopenthixol beschrieben; die S3-Leitlinie Schizophrenie führt außerdem unter anderem Haloperidoldecanoat und Fluphenazindecanoat unter den in Deutschland verwendeten Depotpräparaten. Die Liste auf dieser Seite verlinkt die Wirkstoffseiten.
Depotspritze oder Tabletten: Was wirkt besser?
Laut S3-Leitlinie Schizophrenie wirken Depotantipsychotika wie Antipsychotika zum Einnehmen in der Rückfallvorbeugung, ohne relevante Unterschiede in der Wirksamkeit. Sie sollten laut Leitlinie in der Rückfallvorbeugung als Alternative angeboten werden. Ob eine Depotspritze für Sie passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Welche Nebenwirkungen hat eine Depotspritze?
Welche Nebenwirkungen ein Präparat haben kann, steht in seiner Produktinformation und auf der Wirkstoffseite. Bei den Depotspritzen mit Paliperidon und Aripiprazol nennen die Fachinformationen Reaktionen an der Einstichstelle wie Schmerzen oder Verhärtungen. Nach der Depotspritze mit Olanzapin kann laut Fachinformation ein Postinjektionssyndrom mit Schläfrigkeit, die bis zur Bewusstlosigkeit reichen kann, oder Verwirrtheit auftreten; deshalb wird nach jeder Spritze mindestens 3 Stunden in einer medizinischen Einrichtung beobachtet.
Wie lange wirkt eine Depotspritze nach?
Das unterscheidet sich je Präparat. Bei Paliperidon (Xeplion) beginnt die Freisetzung laut Fachinformation am ersten Tag und dauert mindestens 4 Monate; bei der Depotspritze mit Olanzapin sind Aufnahme und Ausscheidung etwa sechs bis acht Monate nach der letzten Injektion abgeschlossen. Beim Absetzen von Xeplion muss laut Fachinformation die verzögerte Freisetzung berücksichtigt werden.
Gibt es eine Depotspritze bei bipolarer Störung?
Die Produktinformationen der Depotformen, die diese Seite auswertet, nennen als Anwendungsgebiet die Schizophrenie bzw. schizophrene Psychosen; eine bipolare Störung nennt keine von ihnen. Welche Medikamente bei einer bipolaren Störung infrage kommen, steht auf der Seite Bipolare Störung.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
Wirkstoffgruppen BenzodiazepineBenzodiazepine sind Beruhigungs- und Schlafmittel mit Abhängigkeitsrisiko.
-
-
Wirkstoffgruppen SchlafmittelSchlafmittel helfen bei Ein- und Durchschlafstörungen nur vorübergehend.
-