MedikamenteWirkstoff

Prothipendyl

Prothipendyl ist ein verschreibungspflichtiges, schwach wirkendes Neuroleptikum mit beruhigender Wirkung, zugelassen zur Dämpfung von Unruhe- und Erregungszuständen im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen. Bekannt ist der Wirkstoff unter anderem als Dominal. Besonders zu Beginn der Behandlung können Kreislaufstörungen beim Aufstehen auftreten, und zum Autofahren sagt die Packungsbeilage: "Fahren Sie nicht Auto oder andere Fahrzeuge!"

Frau Mitte sechzig sitzt an einem ruhigen Morgen aufrecht auf einer Holzbank unter einem Baum in einem Garten
Bild: KI-generiert

Wofür wird Prothipendyl eingesetzt?

Laut Fachinformation ist Prothipendyl zugelassen zur Dämpfung psychomotorischer Unruhe- und Erregungszustände im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen; die Packungsbeilage nennt die Behandlung von Unruhe- und Erregungszuständen bei psychiatrischen Erkrankungen. Weitere Anwendungsgebiete nennen beide nicht. Gegen Schlafstörungen ist Prothipendyl nicht zugelassen. [1, 2]

Zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, ist Prothipendyl laut Fachinformation ebenfalls nicht zugelassen. Bei älteren Menschen mit einer Demenz, die mit konventionellen Antipsychotika behandelt werden, ist das Sterblichkeitsrisiko laut Fachinformation leicht erhöht, und bei einem erhöhten Schlaganfallrisiko sollte Prothipendyl mit Vorsicht angewendet werden; beides steht auch im Abschnitt Wer Prothipendyl nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte. [1, 2]

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten laut Packungsbeilage nur mit Prothipendyl behandelt werden, wenn eine Behandlung damit unbedingt erforderlich ist; die Fachinformation spricht von einem Ausnahmefall. Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen liegen laut Fachinformation keine ausreichenden Studien vor, deshalb sollte es ihnen nur unter besonderer Berücksichtigung von Nutzen und Risiko verordnet werden. Mehr dazu unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [1, 2]

Wie wirkt Prothipendyl?

Prothipendyl gehört laut Fachinformation zu den schwach wirkenden Neuroleptika. Es hat außerdem beruhigende (sedierende) Eigenschaften, wirkt gegen den Botenstoff Histamin (antihistaminerg) und gegen Übelkeit und Erbrechen (antiemetisch). Es bindet vor allem an die Andockstelle D2 für den Botenstoff Dopamin, daneben an D1 und an den Serotonin-Rezeptor 5-HT2a; an die Bindungsstelle der Benzodiazepine bindet es nicht. [2]

Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, beträgt 2 bis 3 Stunden; eine Anreicherung im Körper ist auch nach mehrfacher Einnahme nicht zu erwarten. Wo Prothipendyl abgebaut wird und welche Abbauprodukte entstehen, ist laut Fachinformation nicht bekannt. Bewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome) sind laut Fachinformation erst nach längerer Anwendung sehr hoher Dosen zu erwarten und auch dann noch selten. [2]

Verwandte Mittel stellen die Seiten Nieder- und mittelpotente Antipsychotika, Antipsychotika und Beruhigungsmittel vor.

Wann wirkt Prothipendyl und wie lange wird behandelt?

Wann die Wirkung einsetzt, geben Packungsbeilage und Fachinformation nicht an. Wie lange Sie Prothipendyl nehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach der Schwere der Erkrankung und Ihrer Reaktion auf das Arzneimittel fest; laut Fachinformation gilt der Grundsatz, die Dosis so gering und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten. Das Risiko für ein beeinträchtigtes Reaktionsvermögen ist laut Packungsbeilage zu Beginn der Behandlung und bei einer Dosiserhöhung besonders hoch. Allgemeines erklären die Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [1, 2]

  1. ErhaltungDie Dauer richtet sich laut Fachinformation nach der Schwere der Erkrankung und der Reaktion auf das Arzneimittel; dabei gilt der Grundsatz, die Dosis so gering und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten. Kinder und Jugendliche sollten nur im Ausnahmefall mit Prothipendyl behandelt werden.[1, 2]
  2. AbsetzenUnterbrechen Sie die Einnahme nur auf ärztliche Anweisung. Nach längerer Anwendung sollte Prothipendyl laut Fachinformation ausschleichend abgesetzt werden, nicht abrupt.[1, 2]

Nebenwirkungen im Blick

Packungsbeilage und Fachinformation nennen die Nebenwirkungen von Prothipendyl ohne Häufigkeitsklassen; nur bei Blutgerinnseln in den Venen und beim Entzugssyndrom des Neugeborenen steht, dass die Häufigkeit nicht bekannt ist. Die Übersicht unten nennt alle Nebenwirkungen, die beide Quellen aufführen. [1, 2]

Laut Fachinformation blockiert Prothipendyl im Laborversuch bestimmte Ionenkanäle (HERG-Kanäle), die für die Rückbildung der Erregung im Herzen verantwortlich sind; das geschieht in Konzentrationen, die im Bereich der Blutspiegel bei der Behandlung liegen. Prothipendyl hat daher das Potenzial, bestimmte Herzrhythmusstörungen (Torsades de Pointes) auszulösen. [2]

Nebenwirkungen

Packungsbeilage und Fachinformation nennen die Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsklassen. Prothipendyl kann den Blutdruck senken. Besonders zu Beginn der Behandlung können Kreislaufstörungen beim Lagewechsel auftreten, etwa Schwindelgefühl, Schwarzwerden vor den Augen beim plötzlichen Aufstehen, Herzklopfen und ein beschleunigter Herzschlag, nach höheren Dosen unter Umständen bis hin zum Kreislaufkollaps. Bei Langzeitbehandlung kann es zu leichten Gewichtszunahmen kommen. Außerdem wurde über Mundtrockenheit berichtet. Vereinzelt können eine schmerzhafte Dauererektion des Penis (Priapismus) und eine Lichtüberempfindlichkeit auftreten. Wie andere Neuroleptika kann Prothipendyl, insbesondere nach hoch dosierter und längerer Behandlung, unter Umständen sogenannte extrapyramidale Erscheinungen (Bewegungsstörungen, Verkrampfung der Schlundmuskulatur, Zittern, Steifigkeit, Bewegungsarmut) oder Krampfanfälle hervorrufen. Mit nicht abschätzbarer Häufigkeit können Blutgerinnsel in den Venen auftreten, vor allem in den Beinen (mit Schwellungen, Schmerzen und Rötungen der Beine), die möglicherweise über die Blutbahn in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen sowie Schwierigkeiten beim Atmen verursachen können; laut Fachinformation sind das Thromboembolien einschließlich Lungenembolie und tiefer Venenthrombose. Ebenfalls mit nicht abschätzbarer Häufigkeit kann beim Neugeborenen ein Entzugssyndrom auftreten (Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen), wenn die Mutter Prothipendyl in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten eingenommen hat. Der Farbstoff Gelborange S in Dominal forte 80 mg kann allergische Reaktionen hervorrufen; laut Fachinformation können Natriumsulfit und Natriummetabisulfit in Dominal Tropfen in seltenen Fällen schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und Bronchialkrämpfe hervorrufen.[1, 2]

Ausführlicher zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme und Herz und QT-Zeit.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Bei Lungenfunktionsstörungen wie einem Lungenemphysem, einem Cor pulmonale oder Asthma kann sich die Atmung unter Prothipendyl weiter verschlechtern, laut Fachinformation mit einem Abfall der Sauerstoffsättigung. Bei solchen Erkrankungen soll Prothipendyl nur nach strenger Abwägung und mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen gegeben werden. [1, 2]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Ende fünfzig gießt an einem ruhigen Morgen Kräuter in Töpfen in einem kleinen ummauerten Garten
Bild: KI-generiert

Unterbrechen Sie die Einnahme nur auf ärztliche Anweisung. Über unerwünschte Wirkungen, die nicht zu den schwerwiegenden gehören, sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt über die weitere Behandlung. [1]

Einige Hinweise aus Packungsbeilage und Fachinformation betreffen den Alltag:

  • Haben Sie einen niedrigen Blutdruck, eine Herzschwäche oder neigen Sie zu einem plötzlichen Blutdruckabfall beim Lagewechsel, sagen Sie das vor Beginn in der Praxis; laut Fachinformation darf Prothipendyl dann nur mit besonderer Vorsicht eingenommen werden. [1, 2]
  • Die Tabletten enthalten Milchzucker (Lactose), die überzogenen Tabletten zusätzlich Saccharose. Wissen Sie von einer Zuckerunverträglichkeit, nehmen Sie sie erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. [1, 2]
  • Dominal forte 80 mg enthält den Farbstoff Gelborange S, der allergische Reaktionen hervorrufen kann; bei einer Allergie gegen diesen Farbstoff darf es nicht eingenommen werden. [1, 2]
  • Vereinzelt kann eine Lichtüberempfindlichkeit auftreten. Was bei Sonne gilt, steht unter Hitze und Sonne. [1]

Beschwerden können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung des nächsten Termins.

Kontrollen während der Behandlung

Laborkontrollen nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Weil Menschen, die Antipsychotika nehmen, häufig erworbene Risikofaktoren für Blutgerinnsel in den Venen haben, sollten laut Fachinformation alle möglichen Risikofaktoren vor und während der Behandlung erkannt und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. [2]

Kontrolluntersuchungen bei Prothipendyl
UntersuchungWann oder warum
Risikofaktoren für Blutgerinnsel in den VenenLaut Fachinformation vor und während der Behandlung erkennen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen[2]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Wechselwirkungen

Bei Kombination mit Alkohol, zentral dämpfenden und blutdrucksenkenden Mitteln ist mit einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung zu rechnen. Die gleichzeitige Anwendung von Mitteln, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verändern oder den Kaliumspiegel im Blut senken, sollte vermieden werden. Für Lithium und für Dopamin-Agonisten wie Bromocriptin beschreiben Packungsbeilage und Fachinformation theoretisch mögliche Wechselwirkungen; konkrete Erfahrungen mit Prothipendyl liegen dazu nicht vor. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und in der Apotheke, welche Mittel Sie sonst nehmen. [1, 2]

Wechselwirkungen von Prothipendyl
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Alkohol, zentraldämpfende Mittel und blutdrucksenkende MittelGegenseitige Wirkungsverstärkung[1, 2]Ärztlich besprechen; auf Alkohol verzichten
Levodopa (Parkinson-Mittel)Die Wirkung von Levodopa kann vermindert werden[1, 2]Ärztlich besprechen
ReserpinDie Giftigkeit von Reserpin kann verstärkt werden[1, 2]Ärztlich besprechen
Adrenalin und PhenylephrinIhre gefäßverengenden Effekte können aufgehoben werden[1, 2]Ärztlich besprechen
LithiumTheoretisch nervenschädigende Wirkung bei der Kombination mit Neuroleptika; konkrete Erfahrungen mit Prothipendyl liegen nicht vor[1, 2]Ärztlich besprechen
Dopamin, Bromocriptin und weitere DopaminagonistenTheoretisch Wechselwirkungen wegen der Konkurrenz am Wirkort; konkrete Erfahrungen mit Prothipendyl liegen nicht vor[1, 2]Ärztlich besprechen
Arzneimittel, die das QT-Intervall im EKG verändern, z. B. Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika Klasse IA oder III), einige Antibiotika wie Erythromycin, Malaria-Mittel, einige Mittel gegen Allergien, Antidepressiva und Neuroleptika; Mittel, die den Kaliumspiegel senken, z. B. bestimmte harntreibende MittelRisiko für Herzrhythmusstörungen[1, 2]Gleichzeitige Anwendung vermeiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren.

Wer Prothipendyl nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Nicht eingenommen werden darf Prothipendyl bei einer Allergie gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, bei akuten Vergiftungen mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka, weil deren Wirkung verstärkt werden kann, und bei Zuständen tiefer Bewusstlosigkeit. Besondere Vorsicht gilt unter anderem bei niedrigem Blutdruck, Herzschwäche, Lungenfunktionsstörungen, verlangsamtem Herzschlag, Kaliummangel und bestimmten Herzerkrankungen. [1, 2]

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Prothipendylhydrochlorid oder einen der sonstigen Bestandteile, bei Dominal forte 80 mg auch gegen den Farbstoff Gelborange S, bei Dominal Tropfen auch gegen Pfefferminzöl, Natriumsulfit oder Natriummetabisulfit[1, 2]
  • Akute Vergiftungen mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka, da deren Wirkung verstärkt werden kann[1, 2]
  • Zustände mit tiefer Bewusstlosigkeit (komatöse Zustände)[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Niedriger Blutdruck, Herzschwäche oder Neigung zu plötzlichem Blutdruckabfall beim Lagewechsel, etwa beim plötzlichen Aufstehen: laut Fachinformation nur mit besonderer Vorsicht[1, 2]
  • Lungenfunktionsstörungen wie Lungenemphysem, Cor pulmonale oder Asthma: Die Atmung kann sich weiter verschlechtern, laut Fachinformation mit Abfall der Sauerstoffsättigung; Anwendung nur nach strenger Abwägung und mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen[1, 2]
  • Verlangsamter Herzschlag, Kaliummangel, angeborenes langes QT-Syndrom oder andere bedeutsame Herzschäden (insbesondere Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße, Erregungsleitungsstörungen, Herzrhythmusstörungen) sowie gleichzeitige Behandlung mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall im EKG verlängern oder einen Kaliummangel hervorrufen können: besondere Vorsicht wegen möglicher Herzrhythmusstörungen[1, 2]
  • Venöse Blutgerinnsel (Thrombosen) bei Ihnen oder einem Verwandten: Derartige Arzneimittel werden mit Blutgerinnseln in Verbindung gebracht; laut Fachinformation sollten alle möglichen Risikofaktoren vor und während der Behandlung erkannt und Vorbeugemaßnahmen ergriffen werden[1, 2]
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko oder vorübergehende Verringerung der Blutversorgung des Gehirns: Laut Fachinformation wurde in Studien mit an Demenz erkrankten Menschen unter einigen atypischen Antipsychotika ein erhöhtes Risiko für Durchblutungsstörungen des Gehirns beobachtet; das kann für andere Antipsychotika und andere Patientengruppen nicht ausgeschlossen werden[1, 2]
  • Ältere Menschen mit Demenz: Laut Fachinformation ist das Sterblichkeitsrisiko bei Behandlung mit konventionellen Antipsychotika leicht erhöht. Prothipendyl ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen zugelassen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nur, wenn eine Behandlung mit Prothipendyl unbedingt erforderlich ist; laut Fachinformation liegen keine ausreichenden Studien zu Wirksamkeit und Verträglichkeit vor[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose, Dominal 40 mg zusätzlich Saccharose; nehmen Sie sie dann erst nach Rücksprache ein. Laut Fachinformation sollten Menschen mit der seltenen erblichen Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption die Tabletten nicht anwenden, bei Dominal 40 mg auch Menschen mit erblicher Fructose-Intoleranz oder Sucrase-Isomaltase-Insuffizienz. Dominal Tropfen enthalten Sorbitol; Menschen mit erblicher Fructose-Intoleranz dürfen sie laut Fachinformation nicht einnehmen[1, 2]
  • Der Farbstoff Gelborange S in Dominal forte 80 mg kann allergische Reaktionen hervorrufen[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Schwangerschaft

Es liegen bisher keine Erfahrungen über die Wirkung auf das ungeborene Kind vor. Deshalb soll Prothipendyl in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft nicht verordnet werden, in den folgenden sechs Monaten nur, wenn die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt es für unbedingt erforderlich hält, dann in der niedrigsten wirksamen Dosis. Möchten Sie schwanger werden oder vermuten Sie eine Schwangerschaft, teilen Sie das umgehend Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit; sie oder er entscheidet über eine Umstellung auf ein anderes Arzneimittel.[1, 2]

Bei Neugeborenen, deren Mütter Prothipendyl in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten einnahmen, können Zittern, Muskelsteifheit und/oder -schwäche, Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Atembeschwerden und Schwierigkeiten beim Stillen auftreten. Laut Fachinformation wurde in Einzelfallberichten und einer kontrollierten Studie über Fehlbildungen unter Phenothiazinen berichtet; ein ursächlicher Zusammenhang ließ sich in größeren Studien nicht erhärten, und die Tierstudien zur Reproduktionstoxizität von Prothipendyl sind unzureichend.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Da nicht bekannt ist, ob Prothipendyl in die Muttermilch übergeht, wird die Anwendung in der Stillzeit nicht empfohlen. Hält Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sie für zwingend erforderlich, sollte gegebenenfalls abgestillt werden. Laut Fachinformation soll Prothipendyl in der Stillzeit nicht angewendet werden.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Während einer medikamentösen Behandlung sollte generell auf alkoholische Getränke verzichtet werden. Alkohol und Prothipendyl verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung; bei einer akuten Alkoholvergiftung darf Prothipendyl nicht eingenommen werden.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Prothipendyl kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist, besonders zu Beginn der Behandlung, bei einer Dosiserhöhung, zusammen mit anderen auf das Nervensystem wirkenden Mitteln oder mit Alkohol. Fahren Sie nicht Auto oder andere Fahrzeuge, bedienen Sie keine elektrischen Werkzeuge und Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt.[1, 2]

Anwendung

Die Filmtabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen. Wie lange Sie Prothipendyl einnehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach der Schwere der Erkrankung und Ihrer Reaktion auf das Arzneimittel fest. Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge nehmen.[1]

Absetzen

Eine Unterbrechung der Einnahme sollte nur auf ärztliche Anweisung erfolgen. Laut Fachinformation sollte Prothipendyl nach längerer Anwendung nicht abrupt, sondern ausschleichend abgesetzt werden.[1, 2]

Überdosierung

Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen. Mögliche Zeichen sind Blutdrucksenkung, beschleunigter Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, erhöhte oder erniedrigte Körpertemperatur, Atemstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Sehstörungen (Verengung oder Erweiterung der Pupillen), Verstopfung und unter Umständen Bewusstlosigkeit.[1, 2]

Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [11, 12, 13]

Möchten Sie schwanger werden oder vermuten Sie eine Schwangerschaft, teilen Sie das laut Packungsbeilage umgehend Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit; setzen Sie Prothipendyl nicht selbst ab. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit und Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]

Einnahme und Absetzen

Was die Packungsbeilage zur Einnahme und zu einer vergessenen Dosis sagt, steht in der Übersicht zum Alltag. [1]

Eine Unterbrechung der Einnahme sollte laut Packungsbeilage nur auf ärztliche Anweisung erfolgen. Nach längerer Anwendung sollte Prothipendyl laut Fachinformation ausschleichend abgesetzt werden, nicht abrupt. [1, 2]

Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was beim Beenden einer Behandlung mit Antipsychotika wichtig ist, erklärt die Seite Antipsychotika absetzen. [1]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Packungsbeilage und Fachinformation nennen eine Dosis für Erwachsene und die Möglichkeit, sie zu verringern; Kinder und Jugendliche, die nur im Ausnahmefall behandelt werden sollten, erhalten niedrigere Dosen. Die Dauer richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und Ihrer Reaktion auf das Arzneimittel; Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. [1, 2]

Präparate mit Prothipendyl

Präparate mit Prothipendyl
PräparatAnbieterHinweis
Dominal 40 mgTEVA GmbHüberzogene Tabletten mit 40 mg Prothipendylhydrochlorid; verschreibungspflichtig
Dominal forte 80 mgTEVA GmbHFilmtabletten mit 80 mg Prothipendylhydrochlorid; verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite
Dominal TropfenTEVA GmbHTropfen zum Einnehmen mit 50 mg Prothipendylhydrochlorid je ml (20 Tropfen); verschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Dominal forte 80 mg Filmtablette. TEVA GmbH. Stand 03/2018. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Dominal 40 mg überzogene Tabletten, Dominal forte 80 mg Filmtablette, Dominal Tropfen. TEVA GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 11.10.2026
  3. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  4. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  5. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Weiterführend Alle Nebenwirkungen von Prothipendyl nach Häufigkeit auf Med-Nebenwirkungen.de

Häufige Fragen

Unter welchem Namen ist Prothipendyl bekannt?

Prothipendyl ist unter anderem in Dominal 40 mg (überzogene Tabletten) und Dominal forte 80 mg (Filmtabletten) von TEVA enthalten. Der Wirkstoff steht dort als Prothipendylhydrochlorid in der Packungsbeilage. Beide Präparate sind verschreibungspflichtig.

Wofür wird Prothipendyl eingesetzt?

Laut Fachinformation ist Prothipendyl zugelassen zur Dämpfung psychomotorischer Unruhe- und Erregungszustände im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen. Weitere Anwendungsgebiete nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, ist es nicht zugelassen.

Hilft Prothipendyl zum Schlafen?

Schlafstörungen gehören nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten von Prothipendyl. Laut Fachinformation hat es beruhigende Eigenschaften; zugelassen ist es nur zur Dämpfung von Unruhe- und Erregungszuständen im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen. Wenn Sie schlecht schlafen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie schnell wirkt Prothipendyl?

Einen Zeitpunkt für den Wirkungseintritt nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Die Halbwertszeit beträgt laut Fachinformation 2 bis 3 Stunden, und eine Anreicherung im Körper ist auch nach mehrfacher Einnahme nicht zu erwarten. Das Risiko für ein beeinträchtigtes Reaktionsvermögen ist laut Packungsbeilage zu Beginn der Behandlung und bei einer Dosiserhöhung besonders hoch.

Darf ich mit Prothipendyl Alkohol trinken?

Während einer medikamentösen Behandlung sollte laut Packungsbeilage generell auf alkoholische Getränke verzichtet werden. Alkohol und Prothipendyl verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung, und Alkohol verschlechtert die Verkehrstüchtigkeit zusätzlich. Bei einer akuten Alkoholvergiftung darf Prothipendyl nicht eingenommen werden.

Nimmt man mit Prothipendyl zu?

Bei einer Langzeitbehandlung kann es laut Packungsbeilage und Fachinformation zu leichten Gewichtszunahmen kommen; eine Häufigkeit nennen beide nicht. Sprechen Sie Veränderungen Ihres Gewichts bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Darf ich mit Prothipendyl Auto fahren?

Prothipendyl kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist, besonders zu Beginn, bei einer Dosiserhöhung, zusammen mit anderen auf das Nervensystem wirkenden Mitteln oder mit Alkohol. Die Packungsbeilage sagt dazu: "Fahren Sie nicht Auto oder andere Fahrzeuge!" Bedienen Sie laut Packungsbeilage auch keine elektrischen Werkzeuge und Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt.

Wie setzt man Prothipendyl ab?

Eine Unterbrechung der Einnahme sollte laut Packungsbeilage nur auf ärztliche Anweisung erfolgen. Nach längerer Anwendung sollte Prothipendyl laut Fachinformation ausschleichend abgesetzt werden, nicht abrupt. Wie das bei Ihnen geschieht, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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  • Medikamente Melperon

    Melperon ist ein Neuroleptikum gegen Unruhe, Verwirrtheit und Schlafstörungen.

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    Sulpirid ist ein Neuroleptikum aus der Gruppe der Benzamide.

  • Medikamente Tiaprid

    Tiaprid ist ein Antipsychotikum gegen Spätdyskinesien durch Neuroleptika.

  • Wirkstoffgruppen Antipsychotika (Neuroleptika)

    Antipsychotika, früher Neuroleptika genannt, werden vor allem bei Psychosen eingesetzt.