Behandlung

Benzodiazepine und Z-Substanzen absetzen

Nach regelmäßiger, längerer Einnahme sollen Benzodiazepine und Z-Substanzen wie Zopiclon und Zolpidem laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen schrittweise abgesetzt werden; wie schnell, legen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest. Wird plötzlich abgesetzt oder die Dosis schnell verringert, können Entzugserscheinungen auftreten, nach Langzeitanwendung laut Fachinformation von Lorazepam auch solche, die lebensbedrohlich sein können. Das Ausschleichen soll laut Leitlinie zusammen mit einer geeigneten psychosozialen Maßnahme angeboten werden.

Frau Anfang sechzig und ein Hausarzt in den Fünfzigern sitzen an einem hellen Holztisch in einer ruhigen Praxis und sprechen miteinander
Bild: KI-generiert

Zu den Benzodiazepinen gehören zum Beispiel Lorazepam, Diazepam und Oxazepam, zu den Z-Substanzen die Schlafmittel Zopiclon und Zolpidem. In klinisch-pharmakologischer Hinsicht ähneln die Z-Substanzen laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen weitgehend den Benzodiazepinen, und das Kapitel der Leitlinie gilt für beide Gruppen [1]. Nach regelmäßiger, längerer Einnahme soll das Absetzen laut Leitlinie in schrittweiser Verringerung der Dosis erfolgen ("soll") [1]. Auch die Packungsbeilage von Lorazepam bittet, die Einnahme nicht plötzlich abzubrechen und die Ärztin oder den Arzt zu fragen, wie die Behandlung beendet werden kann [3]. Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; wie Ihr Absetzen im Einzelnen aussieht, legt die Praxis mit Ihnen fest. Die Leitlinie stammt in der Version 1.1 von 2021 und war laut eigener Angabe bis Ende Juli 2025 gültig [1].

Gewöhnung und Abhängigkeit

Abhängig werden kann man von Benzodiazepinen auch ohne hohe Dosen. Die S3-Leitlinie beschreibt eine Niedrigdosisabhängigkeit: eine niedrige Dosis, meist im therapeutischen Bereich, die lange fortgesetzt wird, ohne dass die Dosis steigt, die Wirkung nachlässt oder die Kontrolle verloren geht, die beim Absetzen aber belastende Beschwerden auslöst [1]. Im Abhängigkeitsrisiko unterscheiden sich die Benzodiazepine laut Leitlinie nur graduell; es steigt mit höheren Dosen und längerer Einnahme. Auch Z-Substanzen haben ein Abhängigkeitsrisiko, das etwas geringer zu sein scheint als das der Benzodiazepine, wobei die Datenlage widersprüchlich ist; Absetzphänomene können bei ihnen ebenso auftreten [1].

Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial. Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit der Dauer der Einnahme und der Dosis und ist höher, wenn früher Alkohol oder Arzneimittel missbraucht wurden oder eine schwere Persönlichkeitsstörung besteht [2]. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut dieser Fachinformation nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen [2]. Die Packungsbeilage von Dikaliumclorazepat bittet, die Dosis auf keinen Fall selbst zu erhöhen und die Abstände zwischen den Einnahmen nicht zu verkürzen, auch dann nicht, wenn die Wirkung bei längerem Gebrauch nachlässt (Toleranz); das kann ein erstes Zeichen einer entstehenden Abhängigkeit sein [4]. Für Zopiclon nennt die Fachinformation ein höheres Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit bei psychiatrischen Erkrankungen und nach früherem Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten [6]. Mehr dazu unter Abhängigkeit und Lorazepam und Abhängigkeit.

Was beim Absetzen passieren kann

Werden Benzodiazepine nach längerer regelmäßiger Einnahme, ab etwa sechs Wochen, abrupt abgesetzt, bekommt laut S3-Leitlinie ein beträchtlicher Teil der Betroffenen verschiedenartige leichte Beschwerden; nur ein kleiner Teil hat schwere Symptome. Die Leitlinie unterscheidet drei Erscheinungen [1]:

  • Absetzphänomene oder Rebound: eine Gegenreaktion des Körpers, mit der er sein Gleichgewicht neu einstellt, etwa mit Unruhe, Schlaflosigkeit oder Ängstlichkeit;
  • Rückfall: Die Beschwerden, wegen derer das Mittel genommen wurde, kehren zurück, zum Beispiel Angst oder Schlafstörungen;
  • Entzugssymptome im eigentlichen Sinn, die eine erhebliche Eigendynamik entfalten und sich zu schweren, bedrohlichen Zuständen entwickeln können, zum Beispiel mit Krampfanfällen, schwerer Depression, einem Delir oder Psychosen.

Die leichteren Beschwerden sind laut Leitlinie unspezifisch und von der zurückkehrenden Erkrankung oft schwer zu unterscheiden. Auch die Abgrenzung von den eigentlichen Entzugssymptomen ist laut Leitlinie in der Praxis oft schwierig und aus Sicht der Betroffenen wenig wichtig [1]. Welche Entzugserscheinungen auftreten können, beschreiben die Fachinformationen. Bei Lorazepam können sie nach plötzlichem Absetzen oder schneller Dosisverringerung nach Langzeitanwendung von leichter Verstimmung (Dysphorie) und Schlaflosigkeit bis zu einem schweren Zustand mit Bauch- und Muskelkrämpfen, Erbrechen, Schwitzen, Zittern und Krampfanfällen reichen; diese Entzugssymptome können lebensbedrohlich sein [2, 3]. Außerdem nennt die Fachinformation unter anderem Kopfschmerzen, Angst, Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schwindel, Panikattacken, Ohrgeräusche (Tinnitus), Taubheitsgefühl und Kribbeln in Armen und Beinen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Berührung, Herzklopfen und das Gefühl, sich selbst oder die Umgebung als fremd zu erleben [2]. Welche schweren Reaktionen dazugehören können, steht unter Wann Sie sofort Hilfe brauchen.

Wann die Beschwerden beginnen und wie lange sie anhalten, ist verschieden. Bei Lorazepam können schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme nach dem Absetzen Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird [2]. Laut Fachinformation von Alprazolam können Entzugserscheinungen auch erst mehrere Tage nach dem Ende der Behandlung auftreten [5]. Die Packungsbeilage von Dikaliumclorazepat beschreibt, dass nach längerem Gebrauch oft mit einigen Tagen Verzögerung Unruhe, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Krampfanfälle und Halluzinationen auftreten können und dass diese Absetzerscheinungen nach einigen Tagen bis Wochen verschwinden [4]. Nach dem Ende der Einnahme können laut S3-Leitlinie je nach Wirkstoff, Dosis, Lebensalter und Leberfunktion noch mehrere Tage bis einige Wochen relevante Wirkstoffmengen im Körper sein, und es können lang anhaltende (protrahierte) Entzugssymptome auftreten [1]. Wie lange ein Wirkstoff im Körper bleibt, erklärt die Seite Halbwertszeit.

Auch nach einer kürzeren Behandlung können die Beschwerden, wegen derer das Mittel genommen wurde, beim Beenden vorübergehend verstärkt wiederkehren (Rebound), begleitet von Stimmungswechseln, Angst und Unruhe [4]. Bei kurz wirksamen Mitteln gibt es laut Fachinformationen Hinweise, dass Entzugserscheinungen schon in der Zeit zwischen zwei Einnahmen auftreten können, besonders bei hoher Dosierung [5, 7]. Weil Entzugs- und Rebound-Erscheinungen nach plötzlichem Beenden häufiger sind, empfehlen die Fachinformationen, die Dosis schrittweise zu verringern [5, 6, 7].

Zopiclon, Zolpidem und andere Schlafmittel

Auch für die Schlafmittel Zopiclon und Zolpidem beschreiben die Fachinformationen Entzugs- und Rebound-Erscheinungen. Hat sich eine körperliche Abhängigkeit entwickelt, wird ein plötzlicher Abbruch von Entzugserscheinungen begleitet, etwa Kopf- oder Muskelschmerzen, außergewöhnlicher Angst, Anspannung, innerer Unruhe, Verwirrtheit und Reizbarkeit, bei Zopiclon auch Herzklopfen oder Herzrasen. In schweren Fällen können unter anderem Realitätsverlust, Halluzinationen oder epileptische Anfälle auftreten, bei Zolpidem auch ein Delirium [6, 7]. Beim Beenden kann die Schlaflosigkeit vorübergehend verstärkt zurückkehren (Rebound-Schlaflosigkeit), begleitet von Stimmungswechseln, Angst und Unruhe [6, 7]. Beide Fachinformationen halten es für wichtig, dass Sie um diese Möglichkeit wissen, weil das die Angst vor solchen Beschwerden verringern kann [6, 7]. Werden Dosierung und Anwendungsdauer von Zopiclon eingehalten, ist das Risiko von Entzugs- oder Rebound-Erscheinungen laut Fachinformation gering [6].

Die Behandlung mit Zopiclon oder Zolpidem sollte laut Fachinformation so kurz wie möglich sein und einschließlich der schrittweisen Absetzphase 4 Wochen nicht überschreiten; bei Zolpidem sollte die Absetzphase auf die einzelne Person abgestimmt sein [6, 7]. Berichten Menschen unter Zolpidem über Schlafwandeln und ähnliche Handlungen, an die sie sich später nicht erinnern, sollte das Absetzen laut Fachinformation dringend erwogen werden; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt [7]. Auch zu Eszopiclon und weiteren Mitteln stehen die Angaben der Packungsbeilage auf der jeweiligen Wirkstoffseite; einen Überblick gibt die Seite Schlafmittel.

Wie das Absetzen abläuft

Frau in den Sechzigern macht am Morgen auf einer hellen Terrasse ruhige Dehnübungen, im Hintergrund grüne Pflanzen
Bild: KI-generiert

Ein einheitliches Schema nennt die S3-Leitlinie nicht. In der Literatur gibt es laut Leitlinie verschiedene Vorgehensweisen; Beginn und Geschwindigkeit sollten individuell abgewogen werden, unter anderem nach der Ausgangsmenge, der Dauer und Art der Einnahme und der körperlichen und seelischen Situation, damit niemand überfordert wird [1]. Bei schädlichem Gebrauch ist laut Leitlinie neben einer verlässlichen Ansprechperson und einer tragfähigen Beziehung zur Praxis ein klarer Abdosierungsplan erforderlich [1]. Die Leitlinie gliedert die Behandlung in eine Motivationsphase, eine Entzugsphase und, bei einer Abhängigkeit, eine Rehabilitation; ihre Empfehlungen dazu lassen sich so zusammenfassen [1]:

  1. Informieren und gemeinsam entscheidenAm Anfang stehen laut Leitlinie Informationen über die Risiken der Einnahme und das gemeinsame Erarbeiten von Gründen für eine Veränderung, meist in der Hausarztpraxis; angestrebt wird eine gemeinsame (partizipative) Entscheidung. Bei Verdacht auf einen riskanten, schädlichen oder abhängigen Gebrauch soll in der hausärztlichen Praxis eine standardisierte Beratung angeboten werden [1].
  2. Schrittweise verringernErst nach einem kurzen Zeitraum, in dem die Dosis über wenige Tage gleich bleibt, sollte die Verringerung laut Leitlinie beginnen ("sollte"). Danach soll die Dosis schrittweise verringert werden ("soll") [1]. Bei langjähriger Abhängigkeit und bei Abhängigkeit von hohen Dosen braucht die Verringerung laut Leitlinie einen längeren Zeitraum [1]. Wie groß die Schritte sind und wann der nächste folgt, legt die Praxis mit Ihnen fest.
  3. Gegebenenfalls umstellenDie Dosisverringerung sollte laut Leitlinie mit mittel- oder lang wirksamen Benzodiazepinen erfolgen, weil eine gleichmäßige Wirkstoffmenge Entzugssymptome zwischen den Einnahmen vermeidet. Bei Hinweisen auf einen verlangsamten Stoffwechsel, etwa im höheren Alter oder bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion, sollten kurz bis mittellang wirksame Mittel bevorzugt werden [1]. Nach einer Analyse, die die Leitlinie im Hintergrundtext nennt, scheint eine Umstellung von kurz auf lang wirksame Mittel allerdings nicht besser zu sein als das direkte Ausschleichen kurz wirksamer Mittel [1]. Ob umgestellt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; wechseln Sie nicht selbst.
  4. Begleitet werdenDas Ausschleichen soll zusammen mit einer geeigneten psychosozialen Maßnahme angeboten werden. In der Entzugsphase soll eine kognitive Verhaltenstherapie angeboten werden, Entspannungsverfahren können unterstützend angeboten werden [1].
  5. Danach dranbleibenNach einer Akut- oder Postakutbehandlung sollte eine ambulante Nachsorge angeboten werden. Lag eine Abhängigkeit vor, sollte nach der Entzugsphase eine medizinische Rehabilitation folgen, in der es um die Stabilisierung, die Hintergründe und die Vorbeugung von Rückfällen geht [1].

Die gesamte Behandlung kann laut Leitlinie Wochen bis sechs Monate dauern, in Ausnahmefällen auch länger [1]. Im Alter und bei Lebererkrankungen kann der Abbau der meisten Benzodiazepine laut Leitlinie bis auf das Fünffache verlangsamt sein, sodass sich bei gleicher Dosis Wirkstoff im Körper anreichert; das Hauptabbauprodukt von Diazepam, Nordazepam, hat eine sehr lange Halbwertszeit von bis zu 200 Stunden [1]. Mehr zu Medikamenten im Alter unter Im Alter.

Zu Hause oder in der Klinik?

Bei zu erwartenden körperlichen oder seelischen Komplikationen oder wenn das vereinbarte Ziel nicht erreicht wird, soll laut S3-Leitlinie ein Entzug im stationären Rahmen angeboten werden ("soll") [1]. Auch bei einem problematischen, riskanten oder schädlichen Gebrauch ohne Abhängigkeit sind Entzugserscheinungen laut Leitlinie nicht ganz auszuschließen; abdosiert werden sollte deshalb ambulant erst nach Aufklärung über die Risiken, idealerweise unter Einbeziehung des Umfelds und immer unter ärztlicher Aufsicht, oder in der Klinik [1]. Bei einer Abhängigkeit birgt ein plötzliches Absetzen oder zu schnelles Verringern laut Leitlinie das Risiko gravierender Entzugssymptome wie Krampfanfälle oder ein Delir. Die individuelle Abdosierung sollte dann nach Aufklärung und Einwilligung idealerweise stationär erfolgen; bei älteren Menschen mit niedrigen Dosen ist ein ambulanter Entzug zu Hause zu erwägen [1].

Wie sich der Ort auswirkt, ist laut Leitlinie wenig untersucht. Nach klinischer Erfahrung ist der Entzug in der Klinik, zumindest bei langer Abhängigkeit, häufig einfacher als ambulant, sofern er auf wenigstens drei bis vier Wochen angelegt werden kann; das erlaubt auch eine Beobachtung über mehrere Tage nach der letzten Gabe [1]. Zur Unterstützung können laut Leitlinie nach sorgfältiger Prüfung Begleitmedikamente eingesetzt werden, für die Studien Anhaltspunkte für eine Wirksamkeit geben ("können"). Für diesen Zweck ist keines der untersuchten Mittel zugelassen, und die Studienlage ist laut Leitlinie wenig belastbar [1]. Kontakt zur Suchthilfe, auch für eine Vermittlung in ambulante oder stationäre Behandlung, ist laut Leitlinie über die örtlichen Suchtberatungsstellen möglich [1]. Mehr unter Medikamentenabhängigkeit und Klinik und Tagesklinik.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Schwere Symptome betreffen laut S3-Leitlinie nur einen kleinen Teil der Menschen, die Benzodiazepine nach längerer regelmäßiger Einnahme abrupt absetzen [1]. Unter den schwereren akuten Entzugserscheinungen nach plötzlichem Absetzen oder schneller Dosisverringerung von Lorazepam nach Langzeitanwendung, darunter auch lebensbedrohliche Reaktionen, nennt die Fachinformation ein Delirium tremens, Depression, Halluzinationen, Manie, Psychose, Krampfanfälle und Suizidalität [2]. Die Packungsbeilage nennt dabei ausdrücklich Suizidgedanken und Suizidversuche [3]. Krampfanfälle können laut Fachinformation häufiger bei Menschen auftreten, die bereits ein Anfallsleiden haben oder Arzneimittel nehmen, die die Krampfschwelle senken, zum Beispiel Antidepressiva [2]. Depressive Beschwerden, Schlafstörungen oder Ängste, die während des Ausschleichens auftreten oder stärker werden, werden laut S3-Leitlinie mit Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie und gegebenenfalls mit Medikamenten behandelt [1].

Die Packungsbeilage von Lorazepam bittet, die Einnahme nicht plötzlich abzubrechen, es sei denn, Sie vermuten eine schwerwiegende Nebenwirkung; sprechen Sie dann sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3].

Was Sie selbst tun können

Sprechen Sie Ihren Wunsch, ein Benzodiazepin oder Schlafmittel abzusetzen, offen in der Praxis an, die es verordnet hat. Fragen Sie, wie lange das Absetzen dauern soll, wann Termine stattfinden, welche Beschwerden möglich sind und wen Sie erreichen, wenn es Ihnen schlechter geht; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch. Die Packungsbeilage von Lorazepam weist darauf hin, die verordnete Dosis nicht selbst zu ändern oder zu überschreiten [3]. Die Packungsbeilage von Dikaliumclorazepat rät, Benzodiazepine nie von anderen anzunehmen und nie an andere weiterzugeben [4]. Wenn Sie einverstanden sind, können Angehörige oder Vertrauenspersonen Sie begleiten; für ein ambulantes Abdosieren nennt die Leitlinie die Einbeziehung des Umfelds als ideal [1]. Mehr unter Angehörige.

Wenn Sie schwanger werden möchten oder vermuten, schwanger zu sein, setzen Sie nicht auf eigene Faust ab. Bei Lorazepam sieht die Fachinformation vor, dass Sie sich dann an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden, um über ein Absetzen zu entscheiden. Kinder von Müttern, die gegen Ende der Schwangerschaft regelmäßig Benzodiazepine eingenommen haben, können laut Fachinformation eine körperliche Abhängigkeit entwickeln und nach der Geburt Entzugssymptome bekommen [2]. Mehr unter Schwangerschaft.

Hinweise zu einzelnen Wirkstoffen

Was die Packungsbeilage und die Fachinformation Ihres Mittels zum Absetzen sagen, steht auf der jeweiligen Wirkstoffseite. Benzodiazepine:

  • Alprazolamz. B. Alprazolam-ratiopharm, TafilAngstzustände
  • Bromazepamz. B. Bromazanil, Bromazepam-ratiopharm, LexostadAkute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände
  • Clobazamz. B. Clobazam DesitinSchwere Angstzustände (kurzfristig), Zusatzbehandlung bei Epilepsie
  • Clonazepamz. B. Clonazepam neuraxpharm, Antelepsin, RivotrilEpilepsie (Zusatzbehandlung oder wenn andere Mittel nicht wirken)
  • Diazepamz. B. Diazepam AbZ, Diazepam-ratiopharm, Diazepam STADAAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, erhöhte Muskelspannung, vor und nach Eingriffen
  • Dikaliumclorazepatz. B. Tranxilium, Tranxilium TabsAngst-, Spannungs- und Erregungszustände; Vorbereitung auf Eingriffe
  • Flurazepamz. B. DalmadormKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen
  • Lorazepamz. B. Lorazepam neuraxpharm, Tavor, TolidKurzzeitbehandlung schwerer Angst-, Spannungs- und Erregungszustände; Beruhigung vor und nach Eingriffen
  • Medazepamz. B. RudotelSpannungs-, Erregungs- und Angstzustände
  • Nitrazepamz. B. Nitrazepam-neuraxpharm, Mogadan, Nitrazepam ALKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen, BNS-Krämpfe bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Oxazepamz. B. durazepam 50 mg forte, Oxazepam-ratiopharmAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, Durchschlafstörungen
  • Temazepamz. B. Temazep-CT, Remestan, Remestan miteKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen
  • Triazolamz. B. HalcionKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen, vor allem Einschlafstörungen

Z-Substanzen:

  • Eszopiclonz. B. LuniviaSchwere Schlafstörungen, kurzzeitig
  • Zolpidemz. B. Zolpidem-ratiopharm 10 mg Filmtabletten, Zolpidem AbZ 10 mg Filmtabletten, BikalmKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen
  • Zopiclonz. B. Ximovan, Zopiclon-ratiopharmKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen, Langfassung, Version 1.1 (AWMF-Register-Nr. 038-025), Kapitel 3.2 (Benzodiazepine und verwandte Substanzen). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand Version 1.1, Stand 14.01.2021 (gültig bis Ende Juli 2025). abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  4. Gebrauchsinformation Tranxilium 10 mg Hartkapseln (Dikaliumclorazepat). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Alprazolam-ratiopharm 1,0 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2018. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Zopiclon-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Zolpidem-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 23.10.2026

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Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Benzodiazepin-Entzug?

Das ist sehr unterschiedlich. Die gesamte Behandlung kann laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen Wochen bis sechs Monate dauern, in Ausnahmefällen länger; bei langjähriger Abhängigkeit und bei einer Abhängigkeit von hohen Dosen braucht die Verringerung mehr Zeit. Absetzerscheinungen nach längerem Gebrauch verschwinden laut Packungsbeilage von Dikaliumclorazepat nach einigen Tagen bis Wochen, lang anhaltende Entzugssymptome sind laut Leitlinie aber möglich.

Welche Entzugserscheinungen gibt es bei Benzodiazepinen?

Laut Fachinformation von Lorazepam können sie von leichter Verstimmung und Schlaflosigkeit bis zu einem schweren Zustand mit Bauch- und Muskelkrämpfen, Erbrechen, Schwitzen, Zittern und Krampfanfällen reichen. Genannt werden außerdem unter anderem Kopfschmerzen, Angst, Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Berührung und Kribbeln in Armen und Beinen. Nach Langzeitanwendung können die Entzugssymptome lebensbedrohlich sein.

Kann man Benzodiazepine einfach weglassen?

Nein. Nach regelmäßiger, längerer Einnahme soll laut S3-Leitlinie schrittweise abgesetzt werden, und die Packungsbeilage von Lorazepam bittet, die Einnahme nicht plötzlich abzubrechen, außer Sie vermuten eine schwerwiegende Nebenwirkung. Plötzliches Absetzen kann Entzugserscheinungen auslösen, nach Langzeitanwendung auch lebensbedrohliche. Planen Sie das Absetzen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann man schon nach zwei Wochen Entzugserscheinungen haben?

Ja, das ist möglich. Bei Lorazepam können laut Fachinformation schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme nach dem Absetzen Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird. Nach einer Anwendung von mehr als 1 Woche können nach plötzlichem Absetzen Schlafstörungen, Angst, Anspannung, Unruhe und Erregung vorübergehend verstärkt wiederkehren; die Behandlung sollte deshalb schrittweise beendet werden.

Kann ein Benzodiazepin-Entzug ambulant gemacht werden?

Unter Umständen ja. Bei einem problematischen, riskanten oder schädlichen Gebrauch ohne Abhängigkeit sollte laut S3-Leitlinie ambulant erst nach Aufklärung über die Risiken, idealerweise unter Einbeziehung des Umfelds und immer unter ärztlicher Aufsicht abdosiert werden. Bei einer Abhängigkeit sollte die Abdosierung idealerweise stationär erfolgen; bei älteren Menschen mit niedrigen Dosen ist ein ambulanter Entzug zu erwägen. Sind Komplikationen zu erwarten oder wird das vereinbarte Ziel nicht erreicht, soll ein stationärer Entzug angeboten werden.

Kann es beim Benzodiazepin-Entzug zu Krampfanfällen kommen?

Ja. Laut S3-Leitlinie birgt ein plötzliches Absetzen oder ein zu schnelles Verringern das Risiko gravierender Entzugssymptome wie Krampfanfälle oder ein Delir. Krampfanfälle können laut Fachinformation von Lorazepam häufiger bei Menschen mit einem Anfallsleiden auftreten und bei Menschen, die Mittel nehmen, die die Krampfschwelle senken, etwa Antidepressiva. Bei einem Krampfanfall rufen Sie den Notruf 112.

Gilt das auch für Schlaftabletten wie Zopiclon und Zolpidem?

Ja. Auch Zopiclon und Zolpidem können laut Fachinformation zu Missbrauch und Abhängigkeit führen. Hat sich eine körperliche Abhängigkeit entwickelt, wird ein plötzlicher Abbruch von Entzugserscheinungen begleitet, und die Schlaflosigkeit kann verstärkt zurückkehren. Die Fachinformationen empfehlen, die Dosis schrittweise zu verringern, und die S3-Leitlinie sieht für Benzodiazepine und Z-Substanzen nach regelmäßiger, längerer Einnahme ein schrittweises Absetzen vor.

Gibt es einen Plan zum Ausschleichen von Benzodiazepinen?

Einen Plan für alle nennt die S3-Leitlinie nicht. Beginn und Geschwindigkeit sollten individuell abgewogen werden, unter anderem nach Ausgangsmenge, Dauer und Art der Einnahme und Ihrer körperlichen und seelischen Situation. Bei schädlichem Gebrauch ist laut Leitlinie ein klarer Abdosierungsplan erforderlich; diesen Plan erstellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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