MedikamenteWirkstoff

Clobazam

Clobazam ist ein verschreibungspflichtiges Benzodiazepin. Zugelassen ist es bei Erwachsenen zur Kurzzeitbehandlung (2 bis 4 Wochen) schwerer, beeinträchtigender Angstzustände oder solcher mit nicht tolerierbarem Leidensdruck, als Zusatzmittel bei Epilepsie für Erwachsene und Kinder über 2 Jahren, wenn die Standardbehandlung fehlgeschlagen ist, und kurzfristig, zusammen mit anderen Behandlungen, gegen Übererregbarkeit und Agitiertheit bei Psychosen. Bei längerer Einnahme kann eine Abhängigkeit entstehen; bei Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, setzen Sie sich sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung.

Mann Mitte dreißig mit kurzen dunklen Haaren sitzt entspannt auf einer Gartenbank vor einer hellen Steinmauer im weichen Tageslicht
Bild: KI-generiert

Wofür wird Clobazam eingesetzt?

Laut Fachinformation ist Clobazam bei Erwachsenen zugelassen zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung (2 bis 4 Wochen) ausschließlich schwerer, beeinträchtigender Angstzustände oder solcher, die einen nicht tolerierbaren Leidensdruck bedeuten. Hängen die Angstzustände mit einer affektiven Störung zusammen, etwa einer Depression, darf Clobazam nur zusammen mit einer angemessenen Behandlung der Grunderkrankung angewendet werden. Für Angstzustände ist es nur bei Erwachsenen zugelassen. Mehr über Ängste und ihre Behandlung lesen Sie auf der Seite Angststörungen. [1, 2]

Bei Epilepsie kann Clobazam bei Erwachsenen und Kindern über 2 Jahren als Zusatzmedikation angewendet werden, wenn die Standardbehandlung mit einem oder mehreren Mitteln gegen Krampfanfälle (Antikonvulsiva) fehlgeschlagen ist. Das gilt laut Fachinformation für einfache oder komplexe partielle Epilepsien mit oder ohne sekundäre Generalisierung und für alle Arten generalisierter Epilepsie (tonisch-klonisch, myoklonisch, Absencen). Bei Kindern von 1 Monat bis 2 Jahren darf es nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden, wenn eine eindeutige Epilepsie-Indikation vorliegt. [1, 2]

Bei schizophrenen oder anderen psychotischen Erkrankungen wird die Anwendung von Benzodiazepinen laut Fachinformation nur für die symptomatische Kurzzeitbehandlung von Übererregbarkeit und Agitiertheit empfohlen; Benzodiazepine haben keine antipsychotischen Eigenschaften. Die Packungsbeilage spricht von Übererregbarkeit und Unruhe und nennt die Behandlung nur in Kombination mit anderen Behandlungen, da Benzodiazepine allein bei diesen Erkrankungen nicht wirksam sind. Zur primären Behandlung von Schizophrenie oder anderen Psychosen werden sie nicht empfohlen. Weitere Anwendungsgebiete nennen Fach- und Gebrauchsinformation nicht. Hintergründe: Psychose und Schizophrenie. [1, 2]

Die Angaben auf dieser Seite stammen aus Packungsbeilage und Fachinformation der Suspension zum Einnehmen mit 2 mg/ml (Clobazam Desitin). Laut Fachinformation erreicht Clobazam bei einigen Menschen mit der Suspension höhere Blutspiegel als mit der gleichen Dosis in Tablettenform; das kann das Risiko für eine gedämpfte Atmung (Atemdepression) und eine Beruhigung (Sedierung) erhöhen, vor allem beim Wechsel von Tabletten zur Suspension. Beim Wechsel zwischen Clobazam-haltigen Arzneimitteln ist deshalb Vorsicht geboten. Für andere Präparate gilt deren Packungsbeilage. Clobazam ist verschreibungspflichtig. [1, 2]

Wie wirkt Clobazam?

Clobazam gehört zu den Benzodiazepinen, chemisch ist es laut Fachinformation ein 1,5-Benzodiazepin. Die Packungsbeilage beschreibt eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn. Laut Embryotox wirkt Clobazam vor allem angstlösend (anxiolytisch), beruhigend (sedierend) und gegen Krampfanfälle (antikonvulsiv); Benzodiazepine wirken laut Embryotox über eine Verstärkung der hemmenden Signalübertragung durch den Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure) im Gehirn. [1, 2, 3]

Nach dem Einnehmen wird Clobazam schnell und weitgehend aufgenommen; die höchsten Blutspiegel werden nach 0,5 bis 4 Stunden erreicht. In der Leber wird es vor allem über das Enzym CYP3A4, zu einem geringeren Teil über CYP2C19, zu N-Desmethylclobazam abgebaut. Dieser Abbaustoff ist ebenfalls wirksam, er ist der im Blut hauptsächlich gefundene und wird vor allem über CYP2C19 weiter abgebaut. Die Halbwertszeiten liegen bei 36 Stunden für Clobazam und 79 Stunden für N-Desmethylclobazam. Bei zweimal täglicher Einnahme reichern sich Clobazam und noch stärker sein Abbaustoff im Körper an; ein gleichbleibender Spiegel stellt sich nach etwa 2 Wochen ein. [2]

Baut der Körper Arzneimittel über CYP2C19 nur schwach ab (schwache CYP2C19-Metabolisierer), sind laut Fachinformation höhere Spiegel des wirksamen Abbaustoffs zu erwarten, was zu mehr Nebenwirkungen führen kann; die Packungsbeilage bittet, das anzusprechen, wenn es bekannt ist. Bei älteren Menschen ist die Ausscheidung verlangsamt und die Halbwertszeit verlängert; nach mehrfacher Einnahme kann sich Clobazam bei ihnen stärker anreichern als bei jüngeren. Verwandte Mittel stellen die Seiten Benzodiazepine und Beruhigungsmittel vor. [1, 2]

Wann wirkt Clobazam und wie lange wird behandelt?

Ab wann die Beschwerden nachlassen, geben Packungsbeilage und Fachinformation nicht an. Einige Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Müdigkeit und Schwindel treten laut Packungsbeilage eher zu Beginn der Behandlung auf und halten im Allgemeinen nicht lange an. Bei älteren Menschen, Kindern und Menschen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion muss die Behandlung laut Fachinformation mit geringen Dosen beginnen, die schrittweise und unter sorgfältiger Beobachtung erhöht werden. [1, 2]

Clobazam wird laut Packungsbeilage im Allgemeinen 2 bis 4 Wochen lang eingenommen; anschließend entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, ob Sie es weiter einnehmen sollen. Bei Angstzuständen sollte es laut Fachinformation nicht länger als 4 Wochen angewendet werden, und eine Langzeitanwendung als angstlösendes Mittel wird nicht empfohlen. In bestimmten Fällen kann eine Verlängerung notwendig sein, sie darf aber nicht ohne erneute fachärztliche Beurteilung erfolgen. Die Fachinformation empfiehlt dringend, eine längerfristige ununterbrochene Behandlung zu vermeiden, da sie zu Abhängigkeit führen kann. [1, 2]

Bei der Zusatzbehandlung der Epilepsie muss laut Fachinformation spätestens nach 4 Wochen und danach alle 4 Wochen untersucht werden, ob die Behandlung fortgesetzt werden soll. Die Wirkung gegen die Anfälle kann im Lauf der Behandlung nachlassen (Toleranz); dann kann eine Pause vorteilhaft sein, nach der mit geringen Anfangsdosen wieder begonnen wird. Merken Sie, dass Clobazam Ihre Anfälle nicht mehr kontrolliert, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Allgemeines erklären die Seiten Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [1, 2]

  1. BeginnNebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, langsamere Reaktionen, Störungen der Aufmerksamkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, zitternde Hände und Muskelschwäche treten eher zu Beginn der Behandlung auf und halten im Allgemeinen nicht lange an. Bei älteren Menschen, Kindern und eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion beginnt die Behandlung mit geringen Dosen, die schrittweise unter sorgfältiger Beobachtung erhöht werden; bei Kindern und Jugendlichen ab 2 Jahren mit Epilepsie kann laut Fachinformation Studien zufolge eine langsame Dosissteigerung helfen, unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.[1, 2]
  2. Erste WirkungDie höchsten Blutspiegel werden nach 0,5 bis 4 Stunden erreicht. Der wirksame Abbaustoff N-Desmethylclobazam reichert sich an; ein gleichbleibender Spiegel stellt sich laut Fachinformation nach etwa 2 Wochen ein.[2]
  3. ErhaltungBei Angstzuständen wird Clobazam im Allgemeinen 2 bis 4 Wochen eingenommen; laut Fachinformation sollte es nicht länger als 4 Wochen angewendet werden, eine Langzeitanwendung als angstlösendes Mittel wird nicht empfohlen, und eine Verlängerung darf nur nach erneuter fachärztlicher Beurteilung erfolgen, weil eine längere ununterbrochene Behandlung zu Abhängigkeit führen kann. Bei der Zusatzbehandlung der Epilepsie kann die Wirkung im Lauf der Zeit nachlassen (Toleranz); sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, die oder der möglicherweise eine kurze Pause vorschlägt.[1, 2]
  4. AbsetzenDas Absetzen muss laut Packungsbeilage schrittweise erfolgen; bei Epilepsie empfiehlt die Fachinformation das auch bei schlechtem Ansprechen. Nach langer Einnahme bei Angstzuständen kann die Verringerung laut Fachinformation über einen längeren Zeitraum nötig sein. Über das Vorgehen entscheidet die Ärztin oder der Arzt.[1, 2]

Nebenwirkungen im Blick

Die Packungsbeilage nennt die Nebenwirkungen von Clobazam ohne Häufigkeitsangaben; die Fachinformation gibt nur bei wenigen Beschwerden an, dass sie selten oder sehr selten sind. Die Übersicht unten nennt deshalb alle Nebenwirkungen, die beide Quellen aufführen, ohne Häufigkeitsklassen. [1, 2]

Laut Fachinformation kann Clobazam eine Beruhigung (Sedierung) verursachen, die zu Müdigkeit und Schläfrigkeit führt, insbesondere zu Beginn der Behandlung und bei höherer Dosierung. Eine langsame oder undeutliche Sprache, Unsicherheit beim Gehen und bei anderen Bewegungen sowie ein Verlust der Libido (sexuelle Funktionsstörungen) treten insbesondere bei hohen Dosen oder bei Langzeitbehandlung auf und bilden sich zurück. Eine Gewichtszunahme ist möglich, insbesondere bei hohen Dosen oder bei Langzeitbehandlung, und ebenfalls umkehrbar. Die Fachinformation nennt außerdem eine Emotionsarmut (emotionale Abstumpfung). [2]

Bei längerer Anwendung können laut Packungsbeilage mit größerer Wahrscheinlichkeit Angstzustände, Verwirrtheit, Depression, Appetitverlust und Schlafstörungen auftreten. Eine bereits bestehende Depression kann während der Behandlung hervortreten. Was nach dem Absetzen auftreten kann, steht im Abschnitt Einnahme und Absetzen. [1, 2]

Die Packungsbeilage nennt die Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangaben. Eher zu Beginn der Behandlung und im Allgemeinen nur kurz treten auf: Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Benommenheit oder Schwindel, langsamere Reaktionen als üblich, Störungen der Wachheit oder Aufmerksamkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, zitternde Hände und Muskelschwäche. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, verwaschene oder langsame Sprache, Atemstörungen, Gedächtnisverlust, Verwirrtheit oder Schwierigkeiten, sich an Dinge zu erinnern, Hautausschlag, Gang- oder Bewegungsstörungen, Stürze, Sehstörungen wie Doppelbilder und schnelle, unkontrollierte Augenbewegungen, ungewöhnliches oder untypisches Verhalten, Abhängigkeit von Clobazam, Gewichtszunahme und eine Abnahme des Geschlechtstriebs, laut Fachinformation auch Emotionsarmut. Bei längerer Anwendung können mit größerer Wahrscheinlichkeit Angstzustände, Verwirrtheit, Depression, Appetitverlust und Schlafstörungen auftreten. Der Konservierungsstoff Methyl-4-hydroxybenzoat (E 218) kann Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen, auch verzögert. Laut Fachinformation können in sehr seltenen Fällen Hautreaktionen wie Ausschlag oder Nesselsucht auftreten; außerdem wurden schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse) berichtet. Bei der Zusatzbehandlung der Epilepsie kann Clobazam in seltenen Fällen Ruhelosigkeit und Muskelschwäche hervorrufen. Eine bereits bestehende Depression kann hervortreten, und besonders bei älteren Menschen und Kindern sind Wirkungsumkehr-Reaktionen ("paradoxe Reaktionen") möglich, darunter suizidale Tendenzen.[1, 2]

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Unruhe, Erregung, Reizbarkeit, Aggression, Wahnvorstellungen, Wutanfälle, Albträume, Halluzinationen oder unangemessenes Verhalten können bei Clobazam auftreten, häufiger bei Kindern und älteren Menschen. Abschnitt 2 der Packungsbeilage sagt dazu: Beenden Sie die Einnahme und wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. In Abschnitt 4 heißt es, Sie sollen Ihre Ärztin oder Ihren Arzt umgehend informieren; sie oder er entscheidet dann, ob die Behandlung beendet werden muss. Laut Fachinformation muss die Behandlung in solchen Fällen beendet werden. [1, 2]

Einige Menschen, die mit Mitteln gegen Epilepsie (Antiepileptika) wie Clobazam behandelt wurden, hatten laut Packungsbeilage Gedanken daran, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, besonders wenn sie depressiv waren. Laut Fachinformation zeigte eine Auswertung von Studien mit Antiepileptika ein leicht erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten, das sich für Clobazam nicht ausschließen lässt. Betroffenen und ihren Betreuungspersonen sollte laut Fachinformation geraten werden, bei Anzeichen medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, setzen Sie sich sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung. [1, 2]

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Fünfzigern mit kurzen silbernen Haaren pflegt an einem ruhigen Morgen Kräuter in Töpfen auf einem hölzernen Gartentisch
Bild: KI-generiert

Wird eine Nebenwirkung schwerwiegend oder dauert sie länger als einige Tage, informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke; darum bittet die Packungsbeilage. Ändern Sie die Dosis nicht eigenständig, auch wenn Ihnen die Wirkung zu schwach oder zu stark erscheint. [1]

Einige Hinweise aus Fach- und Gebrauchsinformation betreffen den Alltag:

  • Achten Sie darauf, stets das gleiche Clobazam-Arzneimittel zu erhalten, außer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt stimmt einem Wechsel zu. Sieht das Arzneimittel anders aus als gewohnt oder hat sich die Dosierungsanweisung geändert, sprechen Sie so bald wie möglich mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder der Apotheke. [1]
  • Ältere Menschen sind empfindlicher für Benommenheit, Schwindel und Muskelschwäche, und die Sturzgefahr ist erhöht; es kann zu ernsthaften Verletzungen kommen. [1, 2]
  • Tritt ein Hautausschlag auf, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, es sei denn, er hängt eindeutig nicht mit dem Arzneimittel zusammen. [1]
  • Vor einer Narkose sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, dass Sie Clobazam nehmen; möglicherweise muss die Menge des Narkose- oder Muskelentspannungsmittels angepasst werden. [1]
  • Nehmen Sie zusätzlich ein opioidhaltiges Mittel, kann es laut Packungsbeilage hilfreich sein, Freunde oder Verwandte zu bitten, auf Schläfrigkeit und Atembeschwerden zu achten. [1]

Beschwerden und Stimmung können Sie im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch festhalten; die Fragen fürs Arztgespräch helfen bei der Vorbereitung des nächsten Termins.

Kontrollen während der Behandlung

Bei einer Langzeitbehandlung müssen laut Fachinformation die Nieren- und Leberfunktion regelmäßig kontrolliert werden. Clobazam kann die Blutspiegel anderer Mittel gegen Epilepsie verändern; bei der Zusatzbehandlung der Epilepsie muss die Einstellung der Dosis mit einer Überwachung der Hirnströme (EEG) erfolgen, und die Blutspiegel der anderen Mittel müssen kontrolliert werden. Wird zusätzlich Stiripentol gegeben, wird empfohlen, die Spiegel von Clobazam und seinem Abbaustoff vor Beginn und nach Erreichen eines neuen gleichbleibenden Spiegels zu bestimmen. Auf Anzeichen schwerer Hautreaktionen müssen Patientinnen und Patienten besonders in den ersten 8 Behandlungswochen engmaschig überwacht werden, und bei chronischer oder akuter schwerer Atemschwäche sollte die Atemfunktion überwacht werden. [2]

Außerdem sollten Patientinnen und Patienten laut Fachinformation auf Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten überwacht werden; was Sie dann tun können, steht im Abschnitt Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen. [2]

Kontrolluntersuchungen bei Clobazam
UntersuchungWann oder warum
Nieren- und LeberfunktionBei einer Langzeitbehandlung regelmäßig[2]
Ärztliche Untersuchung zur Notwendigkeit der FortsetzungBei Zusatzbehandlung der Epilepsie spätestens nach 4 Wochen und danach alle 4 Wochen[2]
EEG und Blutspiegel der übrigen Mittel gegen EpilepsieBei Zusatzbehandlung der Epilepsie zur Einstellung der Dosis[2]
Blutspiegel von Clobazam und N-DesmethylclobazamVor Beginn einer Behandlung mit Stiripentol und nach Erreichen des neuen gleichbleibenden Spiegels (nach etwa 2 Wochen)[2]
Haut auf Anzeichen schwerer Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse)Engmaschig, besonders in den ersten 8 Behandlungswochen[2]
AtemfunktionBei chronischer oder akuter schwerer Atemschwäche (Ateminsuffizienz)[2]

Welche Kontrollen bei Ihnen nötig sind und wie oft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Was die einzelnen Untersuchungen bedeuten, erklären die Seiten Kontrollen und Blutwerte und Medikamentenspiegel.

Wechselwirkungen

Zusammen mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Drogenersatztherapie und einigen Hustenmitteln, steigt das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden und Koma; das kann lebensbedrohlich sein. Die gleichzeitige Anwendung sollte laut Packungsbeilage nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Insbesondere bei höheren Clobazam-Dosen kann sich laut Fachinformation die dämpfende Wirkung mit anderen dämpfenden Mitteln verstärken, etwa mit Antipsychotika, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, starken Schmerzmitteln, Mitteln gegen Epilepsie, Narkosemitteln und müde machenden Antihistaminika. [1, 2]

Starke oder mäßige Hemmer des Leberenzyms CYP2C19, zum Beispiel Fluconazol, Fluvoxamin, Ticlopidin und Omeprazol, können den wirksamen Abbaustoff ansteigen lassen, sodass eine Anpassung der Clobazam-Dosis erforderlich sein kann; Stiripentol erhöht die Spiegel von Clobazam und Abbaustoff. Clobazam selbst hemmt das Enzym CYP2D6 schwach; bei Mitteln, die darüber abgebaut werden, etwa Dextromethorphan oder Paroxetin, kann eine Dosisanpassung erforderlich sein. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Mittel Sie sonst nehmen, auch rezeptfreie oder pflanzliche. [1, 2]

Wechselwirkungen von Clobazam
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Opioide (starke Schmerzmittel, Mittel zur Drogenersatztherapie und einige Hustenmittel)Höheres Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden (Atemdepression) und Koma; kann lebensbedrohlich sein[1, 2]Gleichzeitige Anwendung nur, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt; Dosis und Dauer begrenzt die Ärztin oder der Arzt. Alle opioidhaltigen Mittel angeben; Freunde oder Verwandte können helfen, auf die Anzeichen zu achten
Mittel gegen Epilepsie wie Phenytoin, Carbamazepin, Stiripentol oder ValproinsäureClobazam kann laut Fachinformation die Blutspiegel bestehender Mittel gegen Epilepsie verändern; Phenytoin und Carbamazepin können die Umwandlung in den wirksamen Abbaustoff steigern, Stiripentol erhöht die Spiegel von Clobazam und N-Desmethylclobazam[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Mittel gegen Depressionen (MAO-Hemmer wie Phenelzin und Isocarboxazid, trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin und Nortriptylin, Trazodon, SSRI wie Fluvoxamin und Paroxetin), Antipsychotika (zum Beispiel Chlorpromazin, Haloperidol, Clozapin, Pimozid), Schmerzmittel mit Codein, Dihydrocodein oder Morphin, Schlafmittel (zum Beispiel Zolpidem), Beruhigungsmittel (zum Beispiel Diazepam, Temazepam, Lorazepam), Baclofen, Antihistaminika, die schläfrig machen (zum Beispiel Chlorphenamin, Promethazin, Diphenhydramin), LithiumLaut Fachinformation kann sich die dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem verstärken, besonders bei höheren Clobazam-Dosen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Starke Schmerzmittel vom Opiattyp (Narkoanalgetika)Eine mögliche Euphorie kann sich verstärken, was zu einer stärkeren seelischen Abhängigkeit führen kann[2]Ärztin oder Arzt informieren
Narkose- und Muskelentspannungsmittel, Schmerzmittel, Lachgas (Distickstoffmonoxid)Deren Wirkung kann sich verstärken; die Menge des Narkose- oder Muskelentspannungsmittels muss möglicherweise angepasst werden[1, 2]Vor einer Narkose die Einnahme von Clobazam angeben
Fluconazol (Pilzmittel), Fluvoxamin (Antidepressivum), Ticlopidin (Gerinnungshemmer), Omeprazol (Magensäureblocker)Laut Fachinformation hemmen sie das Enzym CYP2C19 stark oder mäßig; der wirksame Abbaustoff N-Desmethylclobazam kann ansteigen, eine Dosisanpassung von Clobazam kann nötig sein[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Dextromethorphan (Hustenmittel), Pimozid, Paroxetin, Nebivolol (Blutdruckmittel)Clobazam hemmt das Enzym CYP2D6 schwach; die Dosis dieser Mittel muss eventuell angepasst werden[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Cimetidin (Magenmittel), Erythromycin (Antibiotikum)Die Wirkung von Clobazam kann sich verstärken und verlängern[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
AlkoholHöheres Risiko für Schläfrigkeit und andere Nebenwirkungen; laut Fachinformation kann Alkohol die Bioverfügbarkeit von Clobazam (den Anteil, der ins Blut gelangt) deutlich erhöhen und die Beruhigung verstärken, die Fahrtüchtigkeit wird beeinträchtigt[1, 2]Während der Behandlung keinen Alkohol trinken

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen anwenden können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Was beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Psychopharmaka gilt, steht unter Psychopharmaka kombinieren; einen Überblick über alle Mittel, die Sie nehmen, gibt der Medikationsplan.

Wer Clobazam nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Nicht eingenommen werden darf Clobazam unter anderem in der Stillzeit, bei Abhängigkeit von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen in der Vorgeschichte, bei krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis), bei einer schweren Leberfunktionsstörung, bei schweren Störungen der Atmung und bei kurzen Atemaussetzern im Schlaf (Schlafapnoe-Syndrom). Kinder unter 2 Jahren erhalten es nur, wenn die Ärztin oder der Arzt es für notwendig hält. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt unter anderem bei Depressionen, unbegründeten Ängsten oder Zwangsvorstellungen, bei Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, bei Leber- oder Nierenproblemen und wenn Sie über 65 Jahre alt sind. [1, 2]

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Clobazam, andere Benzodiazepine, Methyl-4-hydroxybenzoat (E 218) oder einen der sonstigen Bestandteile; Anzeichen einer allergischen Reaktion sind Hautausschlag, Schluck- oder Atemstörungen und Schwellungen von Lippen, Gesicht, Rachen oder Zunge[1, 2]
  • Stillzeit[1, 2]
  • Abhängigkeit von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen in der Vorgeschichte[1, 2]
  • Erkrankung, die Muskelschwäche verursacht (Myasthenia gravis)[1, 2]
  • Schwere Leberfunktionsstörung (laut Fachinformation Risiko einer Erkrankung des Gehirns, Enzephalopathie)[1, 2]
  • Schwere Störungen der Atmung[1, 2]
  • Kurze Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe-Syndrom)[1, 2]
  • Kinder unter 2 Jahren, außer die Ärztin oder der Arzt hält es für notwendig; laut Fachinformation bei Kindern von 1 Monat bis 2 Jahren nur in Ausnahmefällen bei eindeutiger Epilepsie[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Wechsel zwischen Clobazam-Präparaten: Achten Sie darauf, stets das gleiche Clobazam-Arzneimittel zu erhalten, außer die Ärztin oder der Arzt stimmt einem Wechsel zu. Laut Fachinformation kann die Suspension bei manchen Menschen höhere Blutspiegel erreichen als dieselbe Dosis als Tablette, mit erhöhtem Risiko für gedämpfte Atmung und Beruhigung, vor allem beim Wechsel von Tabletten auf die Suspension[1, 2]
  • Störungen der Bewegungskontrolle (spinale und zerebellare Ataxien), bestehende Muskelschwäche oder Schlafapnoe: Laut Fachinformation ist eine besondere Überwachung erforderlich, eventuell eine niedrigere Dosis[1, 2]
  • Depressionen, unbegründete Ängste oder Zwangsvorstellungen: Laut Fachinformation können bei depressiven Menschen Suizid oder aggressive Verhaltensweisen gegen sich selbst oder andere ausgelöst werden; bei Angstzuständen mit Depression darf Clobazam nur zusammen mit einer angemessenen Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt werden, die alleinige Anwendung von Benzodiazepinen kann bei diesen Menschen zum Suizid führen. Bei Persönlichkeitsstörungen werden Benzodiazepine nur mit extremer Vorsicht verschrieben[1, 2]
  • Suizidgedanken: Bei Menschen, die mit Mitteln gegen Epilepsie wie Clobazam behandelt wurden, wurde über Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid berichtet, besonders bei Depression; laut Fachinformation zeigte eine Auswertung von Studien ein leicht erhöhtes Risiko, das sich auch für Clobazam nicht ausschließen lässt. Betroffenen und ihren Betreuungspersonen wird geraten, bei solchen Anzeichen medizinische Hilfe zu holen[1, 2]
  • Wahnvorstellungen oder Halluzinationen; Schizophrenie oder andere Psychosen: Benzodiazepine werden zur primären Behandlung nicht empfohlen[1, 2]
  • Leber- oder Nierenprobleme: Ansprechen und Anfälligkeit für Nebenwirkungen sind erhöht, die Dosis wird gegebenenfalls verringert[1, 2]
  • Über 65 Jahre: Ältere Menschen sind empfindlicher für Nebenwirkungen wie Benommenheit, Schwindel und Muskelschwäche; die Sturzgefahr ist erhöht, es kann zu ernsthaften Verletzungen kommen. Laut Fachinformation wird eine niedrigere Dosis empfohlen[1, 2]
  • Verlangsamter Abbau von Arzneimitteln (etwa bei schwachen CYP2C19-Metabolisierern): Clobazam kann länger im Körper bleiben und mehr Nebenwirkungen verursachen; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn das bei Ihnen bekannt ist[1, 2]
  • Abhängigkeit und Gewöhnung: Bei längerer Einnahme oder hohen Dosen kann eine Abhängigkeit entstehen, besonders nach früherem Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch; Betroffene meinen dann möglicherweise, Clobazam weiter einnehmen zu müssen, um sich wohlzufühlen. Clobazam sollte deshalb nur so kurz wie nötig eingenommen werden[1, 2]
  • Atemschwäche: Besonders in hohen Dosen kann Clobazam die Atmung dämpfen (Atemdepression); bei Atemstörungen entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob die Dosis verringert werden muss[1, 2]
  • Schwere Hautreaktionen: Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn ein Hautausschlag auftritt, außer er hängt eindeutig nicht mit dem Arzneimittel zusammen. Laut Fachinformation wurden Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse bei Kindern und Erwachsenen berichtet, meist bei gleichzeitiger Einnahme anderer Arzneimittel, die mit schweren Hautreaktionen verbunden sind, zum Beispiel Mittel gegen Epilepsie; sie können lebensbedrohlich sein[1, 2]
  • Gedächtnis und Trauer: Benzodiazepine können Gedächtnislücken (Amnesie) hervorrufen; laut Fachinformation kann bei einem schmerzlichen Verlust oder Trauerfall die seelische Verarbeitung behindert werden[2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Schwangerschaft

Die Anwendung in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. Wenn Sie feststellen, dass Sie schwanger sind oder schwanger werden möchten, teilen Sie dies unverzüglich Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, damit die Notwendigkeit der Behandlung erneut geprüft werden kann; beenden Sie die Einnahme nicht, ohne vorher mit ihr oder ihm gesprochen zu haben. Wird die Behandlung fortgesetzt, sollte laut Fachinformation die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden. Umfangreiche Daten haben keinen Beleg für Fehlbildungen durch Benzodiazepine erbracht, einige Studien zeigten aber ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Lippen- und Gaumenspalten.[1, 2]

Bei Anwendung im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel können beim ungeborenen Kind verminderte Bewegungen und eine verminderte Anpassungsfähigkeit der Herzfrequenz auftreten. Wird Clobazam am Ende der Schwangerschaft oder während der Geburt angewendet, können beim Baby Benommenheit (Sedierung), Muskelschwäche ("Floppy-Infant-Syndrom"), eine erniedrigte Körpertemperatur, Ernährungsschwierigkeiten (Probleme beim Saugen, die zu unzureichender Gewichtszunahme führen können) und Schwierigkeiten bei der Atmung (Atemdepression, manchmal schwerwiegend) auftreten. Bei regelmäßiger Einnahme in späteren Stadien der Schwangerschaft können beim Baby Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Zittern auftreten; das Neugeborene sollte dann nach der Geburt sorgfältig überwacht werden.[1, 2]

Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft "gering"; die veröffentlichten Daten stammen vor allem aus Kombinationsbehandlungen der Epilepsie, mit Fallberichten über unauffällige Säuglinge, aber auch über verschiedenartige Fehlbildungen, sodass eine differenzierte Risikobewertung nicht möglich ist. Nach regelmäßiger Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel oder hohen Dosen kurz vor oder während der Geburt ist laut Embryotox mit teilweise schwerwiegenden Beschwerden beim Neugeborenen zu rechnen: von Anpassungsstörungen mit Sedierung, schlaffer Muskulatur (Hypotonie), Trinkschwäche und Blaufärbung der Haut (Zyanose) über eine gedämpfte Atmung nach der Geburt bis zum teilweise wochenlang anhaltenden "Floppy-Infant-Syndrom"; außerdem können Entzugszeichen wie Krampfanfälle auftreten. Wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen wie Krampfanfällen und Delirien muss ein abruptes Absetzen laut Embryotox in jedem Fall unterbleiben. Ist eine Zusatzbehandlung der Epilepsie mit Clobazam unverzichtbar, kann laut Embryotox während der gesamten Schwangerschaft behandelt werden, mit der niedrigsten wirksamen Dosis; Kombinationen mit Valproat sollten unbedingt vermieden werden. Nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel empfiehlt Embryotox eine Ultraschall-Feindiagnostik, die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Als besser geeignete Mittel nennt Embryotox zur angstlösenden Akutbehandlung Promethazin und bei Epilepsie, falls ausreichend wirksam, Lamotrigin, gegebenenfalls auch Levetiracetam; ist eine Kombination mit einem Benzodiazepin nötig, gegebenenfalls Clonazepam. Bei psychiatrischen Anwendungsgebieten sollten laut Embryotox je nach Erkrankung besser geeignete Psychopharmaka eingesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage und Fachinformation dürfen stillende Frauen Clobazam nicht einnehmen (Gegenanzeige); laut Fachinformation gehen Benzodiazepine in die Muttermilch über.[1, 2]

Laut Embryotox liegen nur wenige Fallberichte vor, jeweils bei Kombination mit anderen Mitteln gegen Epilepsie: Ein Bericht beschreibt Sedierung, Erbrechen und Gewichtsabnahme beim gestillten Säugling bei gleichzeitiger Einnahme von Levetiracetam, die nach dem Abstillen vollständig zurückgingen; in einem anderen Bericht war der Säugling unauffällig. Einzeldosen erfordern laut Embryotox wahrscheinlich keine Stillpause; für das Stillen bei Langzeitbehandlung ist keine differenzierte Risikobewertung möglich, wegen der sehr langen Halbwertszeiten besteht aber die Gefahr, dass sich der Wirkstoff beim Säugling anreichert.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Trinken Sie während der Behandlung keinen Alkohol, weil das Risiko von Schläfrigkeit und anderen Nebenwirkungen erhöht ist. Laut Fachinformation kann Alkohol die Bioverfügbarkeit von Clobazam (den Anteil, der ins Blut gelangt) deutlich erhöhen und die Beruhigung verstärken.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Clobazam wirkt sich erheblich auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen aus. Nach der Einnahme können Sie sich schläfrig fühlen, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen haben, Doppelbilder sehen oder langsamer reagieren; dann führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen. Laut Fachinformation sollten diese Tätigkeiten unterbleiben, solange nicht feststeht, dass die Fähigkeiten nicht beeinträchtigt sind; nach zu kurzem Schlaf kann die Aufmerksamkeit zusätzlich beeinträchtigt sein.[1, 2]

Anwendung

Die Flasche vor der Anwendung gut schütteln, da sich die Suspension absetzen kann, und die verordnete Menge mit der beiliegenden Applikationsspritze abmessen. Clobazam kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Ein anderes Arzneimittel mit Clobazam nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt einnehmen.[1]

Einnahme vergessen: die Dosis einnehmen, sobald Sie daran denken; ist es fast Zeit für die nächste Dosis, die vergessene auslassen. Nicht die doppelte Dosis einnehmen.[1]

Absetzen

Nehmen Sie Clobazam so lange ein, bis Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es absetzt, und brechen Sie die Einnahme nicht ab, weil Sie sich besser fühlen. Das Absetzen muss schrittweise erfolgen; die Ärztin oder der Arzt hilft dabei. Nach langer Einnahme bei Angstzuständen kann es laut Fachinformation nötig sein, die Dosis über einen längeren Zeitraum zu verringern.[1, 2]

Wird Clobazam plötzlich abgesetzt, können die ursprünglichen Beschwerden verstärkt wiederkehren. Außerdem können Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, verstärktes Träumen, Spannungszustände, Verwirrung, Erregbarkeit, Halluzinationen, Muskelschmerzen, Taubheit der Arme und Beine, Kribbeln, Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, verstärkte Geräuschempfindlichkeit oder Unruhe auftreten, ebenso Depression und Appetitverlust; informieren Sie dann Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Diese Entzugssymptome lassen sich durch eine schrittweise Verringerung der Dosis vermeiden. Laut Fachinformation kann ein Entzugssyndrom auch auftreten, wenn plötzlich von einem lang wirksamen Benzodiazepin wie Clobazam auf ein kurz wirksames umgestellt wird.[1, 2]

Überdosierung

Laut Fachinformation zeigt sich eine Überdosierung von Benzodiazepinen in verschiedenen Stufen der Dämpfung des zentralen Nervensystems: in leichten Fällen Benommenheit, geistige Verwirrtheit und Teilnahmslosigkeit (Lethargie), in schwereren Fällen unter anderem Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), schlaffe Muskeln, niedriger Blutdruck, gedämpfte Atmung und selten Koma. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf verständigen. Fahren Sie nicht selbst, da Sie schläfrig werden können, und nehmen Sie die Arzneimittelpackung mit.[1, 2]

Stellen Sie fest, dass Sie schwanger sind, oder möchten Sie schwanger werden, teilen Sie das laut Packungsbeilage unverzüglich Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, und beenden Sie die Einnahme nicht, ohne vorher mit ihr oder ihm gesprochen zu haben. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft mit "gering" an. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch, Stillzeit und Psychopharmaka und Alkohol. [1, 3]

Zur Rechtslage beim Fahren: Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Die Medikamentenklausel in § 24a Abs. 4 StVG betrifft die dort und in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten Substanzen, etwa Amfetamin oder Morphin, wenn sie aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels stammen. Sind Sie nicht sicher, ob Sie ein Fahrzeug sicher führen können, sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder der Apotheke. Mehr dazu auf der Seite Psychopharmaka und Autofahren. [1, 11, 12, 13]

Der Gebrauch von Benzodiazepinen einschließlich Clobazam kann laut Fachinformation zu körperlicher und seelischer Abhängigkeit führen. Das Risiko steigt mit Dosis und Dauer der Behandlung und ist größer nach früherem Alkohol-, Drogen- oder Arzneimittelmissbrauch; deshalb sollte die Behandlungsdauer so kurz wie möglich sein. Insbesondere bei längerer Anwendung können sich Toleranz und Abhängigkeit entwickeln, und über Missbrauch von Benzodiazepinen wurde berichtet. Mehr dazu unter Abhängigkeit von Psychopharmaka und Abhängigkeit von Beruhigungs- und Schlafmitteln. [1, 2]

Clobazam steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Ausgenommen sind Zubereitungen bis zu bestimmten Grenzen, etwa je Tablette oder bei einer Suspension für Konzentration und Menge je Packung; für sie gelten aber weiter die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr. Die Fachinformation der Suspension nennt als Abgabestatus "verschreibungspflichtig". Mehr zu Reisen unter Reisen mit Psychopharmaka. [2, 4]

Einnahme und Absetzen

Was die Packungsbeilage zur Einnahme mit der Applikationsspritze, zu einer vergessenen Dosis und zum Abbrechen der Einnahme sagt, steht in der Übersicht zum Alltag. Ein anderes Arzneimittel, das Clobazam enthält, nehmen Sie laut Packungsbeilage nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. [1]

Soll die Behandlung enden, muss das Absetzen laut Packungsbeilage schrittweise erfolgen; die Ärztin oder der Arzt hilft dabei. Bei Angstzuständen sollte die Beendigung laut Fachinformation stets schrittweise erfolgen; nach langer Einnahme kann es nötig sein, die Dosis über einen längeren Zeitraum zu verringern. Bei Epilepsie wird empfohlen, die Dosis am Ende der Behandlung schrittweise zu verringern, auch bei schlechtem Ansprechen, weil das Risiko von Entzugserscheinungen bei abruptem Absetzen höher ist. [1, 2]

Wird Clobazam plötzlich abgesetzt, können die ursprünglichen Beschwerden verstärkt wiederkehren (Rebound), und Entzugssymptome können auftreten; welche das sind, steht in der Übersicht zum Alltag unter "Absetzen". Ist eine körperliche Abhängigkeit entstanden, geht ein plötzliches Beenden laut Fachinformation mit Entzugserscheinungen einher. [1, 2]

Absetzen und ein Wechsel auf ein anderes Mittel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was beim Beenden einer Behandlung mit Benzodiazepinen wichtig ist, erklärt die Seite Benzodiazepine absetzen; mögliche Beschwerden beschreibt die Seite Absetzsymptome. [1]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage der Suspension nennt Mengen in Millilitern und Milligramm für Erwachsene mit Angstzuständen oder Epilepsie, für Kinder über 2 Jahre mit Epilepsie, für ältere Menschen und für Menschen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion. Abgemessen wird mit der beiliegenden Applikationsspritze. Für andere Präparate gilt deren Packungsbeilage. Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; ändern Sie sie nicht eigenständig. [1]

Präparate mit Clobazam

Präparate mit Clobazam
PräparatAnbieterHinweis
Clobazam DesitinDesitin Arzneimittel GmbHSuspension zum Einnehmen mit 2 mg/ml, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Clobazam Desitin 2 mg/ml Suspension zum Einnehmen. Desitin Arzneimittel GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 22.10.2026
  2. Fachinformation Clobazam Desitin 2 mg/ml Suspension zum Einnehmen. Desitin Arzneimittel GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 22.10.2026
  3. Embryotox: Clobazam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 22.10.2026
  4. Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III, Eintrag Clobazam. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 22.10.2026
  5. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  6. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  7. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Gibt es Clobazam als Saft?

Ja. Clobazam gibt es als Suspension zum Einnehmen mit 2 mg/ml, zum Beispiel als Clobazam Desitin; die Flasche wird vor der Anwendung gut geschüttelt, und die Menge wird mit der beiliegenden Applikationsspritze abgemessen. Laut Fachinformation kann die Suspension bei manchen Menschen höhere Blutspiegel erreichen als dieselbe Dosis als Tablette; wechseln Sie das Präparat deshalb nur, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt zustimmt.

Wofür wird Clobazam verschrieben?

Bei Erwachsenen ist Clobazam zugelassen zur Kurzzeitbehandlung von 2 bis 4 Wochen ausschließlich schwerer, beeinträchtigender Angstzustände oder solcher, die einen nicht tolerierbaren Leidensdruck bedeuten; hängt die Angst mit einer Depression zusammen, nur zusammen mit einer angemessenen Behandlung der Grunderkrankung. Bei Epilepsie kann es bei Erwachsenen und Kindern über 2 Jahren als Zusatzmittel angewendet werden, wenn die Standardbehandlung mit einem oder mehreren Mitteln gegen Krampfanfälle fehlgeschlagen ist. Bei Schizophrenie oder anderen Psychosen wird es laut Fachinformation nur zur kurzfristigen Behandlung von Übererregbarkeit und Agitiertheit empfohlen, laut Packungsbeilage nur in Kombination mit anderen Behandlungen.

Wird Clobazam bei Epilepsie eingesetzt?

Ja, als Zusatzmedikation: Laut Fachinformation kann Clobazam bei Erwachsenen und Kindern über 2 Jahren angewendet werden, wenn die Standardbehandlung mit einem oder mehreren Mitteln gegen Krampfanfälle fehlgeschlagen ist. Bei Kindern von 1 Monat bis 2 Jahren darf es nur in Ausnahmefällen bei eindeutiger Epilepsie eingesetzt werden. Lässt die Wirkung gegen die Anfälle im Lauf der Zeit nach, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie lange darf man Clobazam nehmen?

Clobazam wird laut Packungsbeilage im Allgemeinen 2 bis 4 Wochen lang eingenommen; danach entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, ob Sie es weiter einnehmen sollen. Bei Angstzuständen sollte es laut Fachinformation nicht länger als 4 Wochen angewendet werden, und eine Verlängerung darf nicht ohne erneute fachärztliche Beurteilung erfolgen. Bei der Zusatzbehandlung der Epilepsie muss laut Fachinformation spätestens nach 4 Wochen und danach alle 4 Wochen untersucht werden, ob die Behandlung fortgesetzt werden soll.

Macht Clobazam abhängig?

Clobazam kann abhängig machen, wenn es für längere Zeit oder in hohen Dosen eingenommen wird, besonders nach früherem Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch. Laut Packungsbeilage meinen Betroffene dann möglicherweise, die Behandlung fortsetzen zu müssen, um sich wohlzufühlen; Clobazam sollte deshalb nur so kurz wie nötig eingenommen werden. Ändern Sie die Dosis nicht eigenständig.

Darf ich mit Clobazam Alkohol trinken?

Die Packungsbeilage sagt: Trinken Sie während der Behandlung keinen Alkohol, weil das Risiko von Schläfrigkeit und anderen Nebenwirkungen erhöht ist. Laut Fachinformation kann Alkohol den Anteil von Clobazam erhöhen, der ins Blut gelangt, und so die Beruhigung verstärken; das beeinträchtigt die Verkehrstüchtigkeit.

Darf ich mit Clobazam Auto fahren?

Clobazam wirkt sich laut Packungsbeilage erheblich auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen aus. Fühlen Sie sich schläfrig, haben Sie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen, sehen Sie Doppelbilder oder reagieren Sie langsamer, führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen. Laut Fachinformation sollten diese Tätigkeiten unterbleiben, solange nicht festgestellt ist, dass die Fähigkeiten nicht beeinträchtigt sind.

Wie hoch ist die Dosis von Clobazam?

Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie unterscheidet sich nach Anwendungsgebiet, Alter und Leber- oder Nierenfunktion. Die Suspension enthält 2 mg Clobazam je Milliliter (2 mg/ml) und wird mit der beiliegenden Applikationsspritze abgemessen. Die Angaben der Packungsbeilage stehen im Abschnitt zur Dosierung auf dieser Seite; ändern Sie die Dosis nicht eigenständig.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Medikamente Flurazepam

    Flurazepam ist ein Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine.

  • Medikamente Medazepam

    Medazepam ist ein Benzodiazepin gegen Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände.

  • Medikamente Nitrazepam

    Nitrazepam ist ein Benzodiazepin gegen Schlafstörungen bei Erwachsenen und gegen BNS-Krämpfe bei Säuglingen und Kleinkindern.

  • Werkzeuge Fragen fürs Arztgespräch

    Fragen zu Ihrem Psychopharmakon nach Anlass auswählen: Beginn, erste Wochen, Nebenwirkungen, Absetzen, Schwangerschaft.