MedikamenteDetailfrage
Lorazepam und Abhängigkeit
Ja, Lorazepam kann abhängig machen: Laut Fachinformation besteht schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen die Gefahr einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko kann mit Dosis und Behandlungsdauer zunehmen; deshalb sollte laut Fachinformation die niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste Dauer verordnet werden. Brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage nicht plötzlich ab, es sei denn, Sie vermuten eine schwerwiegende Nebenwirkung; nach abruptem Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten, manche davon lebensbedrohlich.

Lorazepam ist ein Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, zugelassen zur Kurzzeitbehandlung schwerwiegender Angst-, Spannungs- und Erregungszustände und dadurch bedingter Schlafstörungen und zur Beruhigung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen. Bekannt ist es unter anderem als Tavor. [1, 2, 4]
Ab wann Lorazepam abhängig machen kann
Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial. Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich und nicht nur bei missbräuchlich hohen Dosen. Das Risiko steigt mit der Dauer der Einnahme und der Dosis. In der Liste der Nebenwirkungen führt die Fachinformation Arzneimittelmissbrauch und Arzneimittelabhängigkeit mit der Häufigkeit "nicht bekannt", die Häufigkeit ist also auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar. [2]
Auch Embryotox schreibt, dass sich das hohe Abhängigkeitspotenzial von Lorazepam bereits nach wenigen Wochen und auch im therapeutischen Dosisbereich entwickeln kann, und dass Lorazepam deshalb nur kurzfristig eingesetzt werden sollte. Die Packungsbeilage fasst es so: Die Anwendung von Benzodiazepinen einschließlich Lorazepam kann zu Abhängigkeit führen, und das Risiko steigt bei höherer Dosierung und Langzeitanwendung. [1, 4]
Gewöhnung und wie Abhängigkeit entsteht
Laut Fachinformation gibt es Hinweise darauf, dass sich gegenüber der beruhigenden Wirkung von Benzodiazepinen eine Gewöhnung (Toleranz) entwickelt; die Packungsbeilage beschreibt, dass Sie nach Langzeitanwendung eine Verringerung der Wirksamkeit feststellen können. Laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen entsteht gegen die beruhigende und die krampflösende Wirkung rasch eine Toleranz, gegen die angstlösende Wirkung und die Gedächtnisstörung deutlich weniger. Ändern oder überschreiten Sie die verordnete Dosis laut Packungsbeilage nicht. [1, 2, 3]
Wie eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen im Belohnungssystem des Gehirns entsteht, ist laut Leitlinie experimentell geklärt: Benzodiazepine hemmen dort vor allem jene Nervenzellen, die die Dopamin ausschüttenden Nervenzellen bremsen; dadurch nimmt die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin zu. Abhängig werden kann man auch ohne steigende Dosis. Die Leitlinie beschreibt eine Niedrigdosisabhängigkeit: eine niedrige Dosis, meist im therapeutischen Bereich, die lange eingenommen wird, ohne dass die Dosis steigt, sich eine Toleranz entwickelt oder die Kontrolle verloren geht, die beim Absetzen aber belastende Beschwerden auslöst. Die Leitlinie in der Version 1.1 von 2021 war bis Ende Juli 2025 gültig und ist abgelaufen. [3]
Wer ein höheres Risiko hat
Das Abhängigkeitsrisiko ist laut Fachinformation höher bei Menschen, die früher Alkohol oder Arzneimittel missbraucht haben, und bei schweren Persönlichkeitsstörungen; die Packungsbeilage nennt auch Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte. Wer früher von Arzneimitteln, Alkohol oder Drogen abhängig war, darf Lorazepam laut Packungsbeilage nicht einnehmen. [1, 2]
Ihre Ärztin oder Ihren Arzt müssen Sie laut Packungsbeilage informieren, wenn Sie illegale Drogen konsumiert haben oder konsumieren, wenn Sie regelmäßig Alkohol trinken oder früher häufig größere Mengen getrunken haben, wenn Sie früher das Verlangen hatten oder heute haben, große Mengen an Arzneimitteln einzunehmen, und wenn Sie eine Persönlichkeitsstörung haben, etwa Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. [1]
Auf Anzeichen eines schädlichen Gebrauchs oder einer Abhängigkeit soll laut S3-Leitlinie besonders geachtet werden bei Arzneimitteln mit kurzer Halbwertszeit oder schnellem Anfluten und bei Menschen mit weiteren psychischen Erkrankungen, vor allem mit einer bestehenden Suchterkrankung. Bei älteren Menschen, besonders wenn sie mehrere Medikamente nehmen, soll die Anwendung von Benzodiazepinen kritisch überwacht werden (jeweils Klinischer Konsenspunkt). [3]
Kurz behandeln: was die Fachinformation vorsieht
Weil das Risiko einer Abhängigkeit mit Dosis und Behandlungsdauer zunehmen kann, sollte laut Fachinformation die niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste Dauer verordnet und häufig neu bewertet werden, ob die Behandlung weiter nötig ist. Bei akuten Erkrankungen sollte Lorazepam auf Einzelgaben oder wenige Tage beschränkt werden. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen; eine fortgesetzte Anwendung sollte nur bei zwingendem Grund nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen gegen das Risiko von Gewöhnung und Abhängigkeit erfolgen, und eine Langzeitanwendung wird nicht empfohlen. [2]
Vor Beginn der Behandlung sollten Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt laut Packungsbeilage vereinbaren, wie lange Sie Lorazepam einnehmen. Für die Verordnung von Benzodiazepinen verweist die S3-Leitlinie auf die 5-K-Regel der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Einsatz nur bei klarer Indikation, kleinste mögliche Dosis, kürzester möglicher Zeitraum, kein abruptes Absetzen und Beachtung der Gegenanzeigen. Mehr zur Dauer unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [1, 3]
Woran eine Abhängigkeit erkannt wird
Die Diagnose einer Medikamentenabhängigkeit soll laut S3-Leitlinie den Kriterien der ICD-10 folgen. Nach ICD-10 müssen drei der folgenden Kriterien innerhalb eines Jahres immer wieder oder während eines Monats erfüllt sein [3]:
- ein starker Wunsch oder Zwang, das Mittel einzunehmen;
- verminderte Kontrolle über Beginn, Ende und Menge der Einnahme;
- körperliche Entzugserscheinungen, wenn die Einnahme beendet oder verringert wird;
- Toleranz: Für die ursprüngliche Wirkung sind zunehmend höhere Dosen nötig;
- andere Interessen treten zurück, und Beschaffung, Einnahme und Erholung kosten mehr Zeit;
- die Einnahme geht weiter, obwohl eindeutig schädliche Folgen bekannt sind.
Eine fortgesetzte Einnahme in ärztlicher Absprache, bei der Schaden und Nutzen angemessen abgewogen werden, erfüllt laut Leitlinie nicht das Kriterium einer Abhängigkeit. Eine fortgesetzte eigenständige Einnahme oder eine Dosissteigerung ohne oder gegen ärztliche Empfehlung bei negativen Folgen erfüllt es dagegen (Klinischer Konsenspunkt). Ist die Einordnung unsicher, sollte laut Leitlinie eine Beurteilung unter Einbeziehung weiterer Gesundheits-, Sozial- oder Therapieberufe erfolgen. [3]
Missbrauch und sichere Aufbewahrung

Lorazepam hat laut Fachinformation ein Missbrauchspotenzial; gefährdet sind besonders Menschen, die früher Arzneimittel oder Alkohol missbraucht haben. Missbrauch ist ein bekanntes Risiko von Benzodiazepinen, und wer Lorazepam erhält, sollte entsprechend überwacht werden. Benzodiazepine können entwendet werden; Behandelte sollten deshalb über die ordnungsgemäße Aufbewahrung und die Entsorgung nicht verwendeter Tabletten aufgeklärt werden, damit etwa Freunde oder Verwandte nicht an sie gelangen. [2]
Die Packungsbeilage sagt: Sie dürfen Lorazepam nicht an Familie oder Freunde weitergeben; bewahren Sie es sicher auf, damit es anderen nicht schadet. Reste gehören nicht in Toilette oder Waschbecken, fragen Sie in der Apotheke, wie Sie sie entsorgen. Zusammen mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln, erhöht Lorazepam das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden und Koma, und das kann lebensbedrohlich sein. [1]
Lorazepam steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes; ausgenommen sind Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilte Form bis zu einer bestimmten Menge Lorazepam enthalten. Für ausgenommene Zubereitungen gelten die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr. Verschreibungspflichtig ist Lorazepam laut Fachinformation. [2, 5]
Absetzen und Entzugserscheinungen
Grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut Packungsbeilage nur kurzzeitig angewendet und schrittweise abgesetzt werden; zum Absetzen sollte die Dosis in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt schrittweise verringert werden. Laut Fachinformation lassen sich Entzugserscheinungen durch eine allmähliche Verringerung der Dosis meist vermeiden. Auch laut S3-Leitlinie soll das Absetzen nach regelmäßiger, längerer Einnahme in schrittweiser Verringerung der Dosis erfolgen, und dabei soll eine geeignete psychosoziale Begleitung angeboten werden. Wie das bei Ihnen aussieht, legt die Praxis mit Ihnen fest. [1, 2, 3]
Die Gefahr von Entzugssymptomen steigt laut Fachinformation mit der Einnahmedauer und der Dosis. Schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme können nach dem Absetzen, besonders wenn es plötzlich geschieht, Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten. Ein plötzliches Absetzen oder eine schnelle Verringerung der Dosis nach Langzeitanwendung kann Entzugssymptome auslösen, die lebensbedrohlich sein können: von leichter Verstimmung und Schlaflosigkeit bis zu einem schweren Zustand mit Bauch- und Muskelkrämpfen, Erbrechen, Schwitzen, Zittern und Krampfanfällen. [2]
Zu den schwereren Entzugserscheinungen, auch lebensbedrohlichen, zählt die Fachinformation Delirium tremens, Depression, Halluzinationen, Manie, Psychose, Krampfanfälle und Suizidalität; die Packungsbeilage nennt ausdrücklich Suizidgedanken und Suizidversuche. Krampfanfälle können häufiger auftreten, wenn Sie bereits an Krampfanfällen leiden oder Mittel nehmen, die die Krampfschwelle senken, etwa Antidepressiva. Haben Sie Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sich sofort Hilfe. [1, 2]
Daneben nennt die Fachinformation unter anderem Kopfschmerzen, Angst, Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schwindelgefühl, das Gefühl, sich selbst oder die Umwelt fremd zu erleben, Ohrgeräusche, Kribbeln und Taubheit in den Gliedern, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Berührung, Panikattacken und Herzrasen. Die ursprünglichen Beschwerden können vorübergehend verstärkt zurückkehren (Rebound). Die S3-Leitlinie unterscheidet solche Absetzphänomene, einen Rückfall in die ursprüngliche Erkrankung und eigentliche Entzugssymptome, die sich zu schweren, bedrohlichen Zuständen entwickeln können; in der Praxis ist die Abgrenzung oft schwierig. Ausführlich unter Benzodiazepine und Z-Substanzen absetzen und Absetzsymptome. [2, 3]
Schwangerschaft: Abhängigkeit beim Neugeborenen
Kinder, deren Mütter gegen Ende der Schwangerschaft regelmäßig Benzodiazepine eingenommen haben, können laut Fachinformation eine körperliche Abhängigkeit entwickeln, und es besteht ein Risiko für Entzugssymptome nach der Geburt. Wer schwanger werden möchte oder eine Schwangerschaft vermutet, sollte sich laut Fachinformation an die Ärztin oder den Arzt wenden, um über ein Absetzen der Behandlung zu entscheiden. Wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen wie Krampfanfällen und Delirien muss auf ein abruptes Absetzen in der Schwangerschaft laut Embryotox in jedem Fall verzichtet werden. Setzen Sie Lorazepam nicht selbst ab; mehr unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft. [2, 4]
Hilfe und Beratung
Bei Verdacht auf einen riskanten, schädlichen oder abhängigen Gebrauch von Benzodiazepinen soll laut S3-Leitlinie in der hausärztlichen Praxis eine standardisierte Beratung angeboten werden. Alle mit Verdacht auf einen schädlichen Gebrauch oder eine Abhängigkeit von Arzneimitteln sollen Zugang zu Informationen über Hilfsangebote erhalten, zum Beispiel Adressen regionaler Suchtberatungsstellen. Liegt ein schädlicher Gebrauch oder eine Abhängigkeit vor, soll angeboten werden, Angehörige einzubinden, und auf passende Selbsthilfegruppen hingewiesen werden. Über die örtlichen Suchtberatungsstellen ist auch die Vermittlung in ambulante oder stationäre Behandlung möglich. [3]
Ist es in begründeten Einzelfällen trotz einer Abhängigkeit medizinisch nötig, Lorazepam weiter zu nehmen, sollte das laut Leitlinie in Absprache mit einer Suchtmedizinerin, einem Suchtmediziner oder einer Psychiaterin oder einem Psychiater geschehen (Klinischer Konsenspunkt). Sprechen Sie Ihre Sorge offen in der Praxis an; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch. Mehr unter Medikamentenabhängigkeit, Machen Psychopharmaka abhängig? und, für Angehörige, Angehörige. [3]
Alles Weitere zu Wirkung, Nebenwirkungen und Einnahme steht auf der Seite Lorazepam.
Quellen
- Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen, Langfassung, Version 1.1 (AWMF-Register-Nr. 038-025), Kapitel 1.2, 1.4, 2, 3.2 und 7. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand Version 1.1, Stand 14.01.2021 (gültig bis Ende Juli 2025, abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Ab wann macht Lorazepam abhängig?
Eine feste Grenze nennt die Fachinformation nicht. Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich; das Risiko steigt mit der Einnahmedauer und der Dosis. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut Fachinformation nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen.
Ab wann kommen Entzugserscheinungen bei Lorazepam?
Laut Fachinformation können schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme nach dem Absetzen Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird. Die Gefahr steigt mit Einnahmedauer und Dosis; durch eine allmähliche Verringerung der Dosis lassen sich Entzugserscheinungen laut Fachinformation meist vermeiden. Wie das bei Ihnen geschieht, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Bin ich abhängig, wenn ich Lorazepam schon lange nehme?
Nicht automatisch. Wer ein Arzneimittel in ärztlicher Absprache und nach angemessener Abwägung von Schaden und Nutzen weiter einnimmt, erfüllt laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen damit nicht das ICD-10-Kriterium einer Abhängigkeit. Die Leitlinie beschreibt aber auch eine Abhängigkeit in niedriger Dosis, die sich erst durch belastende Beschwerden beim Absetzen zeigt. Sprechen Sie Ihre Sorge in der Praxis an und setzen Sie Lorazepam nicht plötzlich ab.
Woran merke ich, dass ich von Lorazepam abhängig bin?
Die S3-Leitlinie nennt die Kriterien der ICD-10, darunter ein starker Wunsch oder Zwang zur Einnahme, verminderte Kontrolle über Beginn, Ende und Menge, Entzugserscheinungen beim Verringern oder Beenden und eine Toleranz, bei der für dieselbe Wirkung höhere Dosen nötig sind. Für die Diagnose müssen drei Kriterien innerhalb eines Jahres immer wieder oder während eines Monats erfüllt sein. Die Diagnose stellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Ist Lorazepam ein Betäubungsmittel?
Lorazepam steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Ausgenommen sind Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilte Form, zum Beispiel je Tablette, bis zu einer bestimmten Menge Lorazepam enthalten; für sie gelten aber die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr. Verschreibungspflichtig ist Lorazepam laut Fachinformation in jedem Fall.
Kann ich Lorazepam einfach weglassen?
Nein. Brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage nicht plötzlich ab, es sei denn, Sie vermuten eine schwerwiegende Nebenwirkung; dann sprechen Sie sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach abruptem Absetzen oder schneller Verringerung der Dosis können Entzugserscheinungen auftreten, manche davon lebensbedrohlich. Wie die Behandlung zu beenden ist, sagt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich nicht von Lorazepam loskomme?
Sprechen Sie zuerst mit der Praxis, die Lorazepam verordnet hat, oder mit Ihrer Hausarztpraxis. Bei Verdacht auf einen riskanten, schädlichen oder abhängigen Gebrauch von Benzodiazepinen soll dort laut S3-Leitlinie eine standardisierte Beratung angeboten werden. Über regionale Suchtberatungsstellen ist laut Leitlinie auch die Vermittlung in ambulante oder stationäre Behandlung möglich. Wenn Sie in einer Krise sind, finden Sie Anlaufstellen unter Hilfe in der Krise.
Kann ein Baby von Lorazepam abhängig werden?
Kinder, deren Mütter gegen Ende der Schwangerschaft regelmäßig Benzodiazepine eingenommen haben, können laut Fachinformation eine körperliche Abhängigkeit entwickeln, und es besteht ein Risiko für Entzugssymptome nach der Geburt. Setzen Sie Lorazepam in der Schwangerschaft nicht selbst ab: Auf ein abruptes Absetzen muss laut Embryotox wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen in jedem Fall verzichtet werden. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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