Behandlung

Psychopharmaka kombinieren

Ob mehrere Psychopharmaka zusammen genommen werden, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen; nehmen Sie kein weiteres Mittel ohne Rücksprache dazu, auch kein rezeptfreies oder pflanzliches. Leitlinien sehen einige Kombinationen gezielt vor, etwa bei einer Depression, die auf ein Antidepressivum nicht anspricht, oder bei einer Depression mit psychotischen Merkmalen; bei einer Schizophrenie sollte ein Antipsychotikum zur Behandlung psychotischer Beschwerden laut S3-Leitlinie allein angeboten werden. Bestimmte Kombinationen dürfen laut Fachinformation nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden, weil sie zum Beispiel ein Serotonin-Syndrom, eine starke Dämpfung der Atmung oder Herzrhythmusstörungen auslösen können.

Frau Ende fünfzig und ein Hausarzt in den Vierzigern sitzen an einem runden Tisch in einer hellen Praxis und unterhalten sich zugewandt
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Wie oft mehrere Psychopharmaka zugleich verordnet werden, beschreiben zwei Leitlinien für ihr Gebiet: Die S3-Leitlinie Schizophrenie spricht von einem hohen Anteil an Kombinationen im Alltag [3], die S3-Leitlinie Bipolare Störungen davon, dass bei der Rückfallvorbeugung in der Praxis häufig Kombinationsbehandlungen stattfinden, obwohl es aus kontrollierten Studien nur dürftige Erkenntnisse dazu gibt [4]. Die Leitlinien beschreiben Kombinationen, die bei bestimmten Erkrankungen angeboten werden sollen oder können, und solche, von denen sie abraten. Davon getrennt nennen die Fachinformationen Wechselwirkungen: Manche Arzneimittel verstärken oder mindern sich laut Patientenleitlinie gegenseitig in ihrer Wirkung [2]. Ob und welche Mittel Sie zusammen nehmen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kombinationen bei einer Depression

Spricht eine Depression nicht auf ein einzelnes Antidepressivum an, sollten laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression unter anderem diese Kombinationen angeboten werden [1]:

  • ein zweites Antidepressivum, und zwar SSRI, SNRI oder trizyklische Antidepressiva einerseits mit Mianserin, Mirtazapin oder Trazodon andererseits ("sollte"); Kombinationen sind laut NVL mit einem erhöhten Risiko von Nebenwirkungen verbunden [1],
  • ein Antipsychotikum zur Wirkungsverstärkung: Quetiapin, das dafür laut Fachinformation als Retardtablette zugelassen ist, oder Aripiprazol, Olanzapin oder Risperidon, die dafür nicht zugelassen sind, jeweils in verhältnismäßig niedriger Dosis ("sollte") [1, 15],
  • Lithium zur Wirkungsverstärkung ("sollte") [1].

Für bestimmte Situationen nennt die NVL weitere Kombinationen. Bei einer Depression mit psychotischen Merkmalen wie Wahn oder Halluzinationen sollte eine Kombination aus Antidepressiva und Antipsychotika angeboten werden ("sollte"). In der Akutbehandlung schwerer depressiver Episoden können Benzodiazepine oder Z-Substanzen in begründeten Fällen zusätzlich zu Antidepressiva oder Psychotherapie angeboten werden, wenn stark belastende Schlafstörungen oder starke Unruhe bestehen und keine Suchterkrankung vorausging, unter Beachtung der Risiken und für 2, höchstens 4 Wochen ("kann"). Esketamin als Nasenspray kann bei mehrfachem Nichtansprechen in einer Klinik oder Tagesklinik zusätzlich zu einem Antidepressivum angeboten werden ("kann") [1]; zugelassen ist es laut Produktinformation nur zusammen mit einem Antidepressivum [14]. Mehr unter Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt.

Von anderen Zusätzen rät die NVL ab: Stimmungsstabilisierende Antiepileptika wie Carbamazepin, Lamotrigin oder Valproat, Dopaminagonisten und Psychostimulanzien sollen bei einer unipolaren Depression nicht zur Wirkungsverstärkung eingesetzt werden ("soll nicht"). Bei Begleiterkrankungen wie ADHS können diese Mittel trotzdem zur Behandlung der Begleiterkrankung angezeigt sein [1]. Wurden Antidepressiva kombiniert oder ihre Wirkung verstärkt, sollen die Mittel beim späteren Absetzen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander ausgeschlichen werden ("soll") [1].

Kombinationen bei einer Schizophrenie

Zur Behandlung psychotischer Beschwerden sollte ein Antipsychotikum laut S3-Leitlinie Schizophrenie allein angeboten werden ("sollte"). Die Leitlinie begründet das vor allem damit, dass die meisten Studien mit einem einzelnen Mittel durchgeführt wurden; außerdem ist das Risiko für Nebenwirkungen bei einem einzelnen Mittel in der Regel geringer als bei einer Kombination. Registerdaten aus Schweden, den USA und Finnland zeigten einen Vorteil von Kombinationen. Die Leitliniengruppe wertet sie als indirekte Hinweise mit Einschränkungen, hat sie aber berücksichtigt und den Empfehlungsgrad für die Behandlung mit einem einzelnen Mittel deshalb abgeschwächt. In einer Metaanalyse, die die Leitlinie anführt, war ein Vorteil der Kombination in methodisch hochwertigen, doppelblinden Studien nicht nachweisbar [3].

Bei einer Behandlungsresistenz soll laut S3-Leitlinie zunächst Clozapin allein angeboten werden ("soll"). Die Kombination aus zwei Antipsychotika kann unter Kontrolle der Nebenwirkungen und Wechselwirkungen angeboten werden, wenn drei verschiedene Antipsychotika nacheinander, darunter Clozapin, nicht ausreichend gewirkt haben, wenn Clozapin nicht vertragen wurde, Gegenanzeigen bestehen oder Clozapin abgelehnt wird ("kann"). Mehr als zwei Antipsychotika sollten mit dem Ziel, psychotische Beschwerden zu behandeln, nicht angeboten werden ("sollte nicht"). Die Entscheidung für mehrere Mittel soll mit ihrem Grund dokumentiert und bei weiterhin fehlendem Ansprechen wieder beendet werden ("soll") [3]. Laut Fachinformation von Clozapin wird grundsätzlich nicht empfohlen, Clozapin mit anderen Antipsychotika zu kombinieren [11]. Carbamazepin, Lamotrigin oder Valproat sollen laut S3-Leitlinie bei einer Behandlungsresistenz nicht zur Wirkungsverstärkung angeboten werden ("soll nicht") [3].

Während einer Umstellung von einem Antipsychotikum auf ein anderes müssen laut S3-Leitlinie auch mehrere Antipsychotika für eine begrenzte Zeit gleichzeitig gegeben werden [3]. Für bestimmte Beschwerden nennt die Leitlinie weitere Mittel. Bei ausgeprägter Erregung, Angst und innerer Unruhe kann zeitlich befristet ein Benzodiazepin zusätzlich angeboten werden ("kann"); eine langfristige ununterbrochene Anwendung soll nicht erfolgen ("soll nicht"). Bestehen trotz optimierter antipsychotischer Behandlung depressive Beschwerden, die die Kriterien einer depressiven Episode erfüllen, soll zusätzlich ein Antidepressivum angeboten werden; dabei sollen Wechselwirkungen beachtet und Betroffene über mögliche zusätzliche Nebenwirkungen aufgeklärt werden ("soll"). Sind die Kriterien einer depressiven Episode nicht erfüllt, ist das laut Leitlinie ein Einsatz außerhalb der Zulassung, also nicht zugelassen [3]. Bei vorwiegenden Negativbeschwerden wie sozialem Rückzug oder verflachtem Gefühlsausdruck, die nicht ausreichend auf ein einzelnes Antipsychotikum ansprechen, sollte zusätzlich ein Antidepressivum angeboten werden ("sollte"); auch das ist nicht zugelassen [3]. Mehr unter Schizophrenie.

Kombinationen bei einer bipolaren Störung

Bei der Rückfallvorbeugung (Phasenprophylaxe) finden laut S3-Leitlinie Bipolare Störungen (Fassung von 2019, letzte Anpassung 2020) in der Praxis wegen der hohen Quote unzureichenden Ansprechens häufig Kombinationsbehandlungen statt; das steht nach Einschätzung der Leitlinie im Missverhältnis zu den nur dürftigen Erkenntnissen aus kontrollierten Studien. Für die Behandlung einer bipolaren Depression sind medikamentöse Kombinationen trotz großer Bedeutung für die Praxis bislang nur unzureichend untersucht, sodass die Leitlinie keine Empfehlung dazu formuliert [4]. Welche Mittel bei einer bipolaren Störung eingesetzt werden, steht unter Bipolare Störung.

Wechselwirkungen laut Leitlinie und Fachinformation

Frau in den Siebzigern und ihre erwachsene Tochter gehen an einem hellen Frühlingstag Arm in Arm durch einen blühenden Garten
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Antidepressiva können sich mit anderen Mitteln in ihrer Wirkung beeinflussen, und einige haben laut NVL zudem ein hohes Potenzial für Wechselwirkungen über ihren Abbau im Körper, etwa über die Enzyme der Cytochrom-P450-Gruppe. Eine zusammenfassende Darstellung, welche Mittel über diese Enzyme abgebaut werden, sie hemmen oder anregen, hält die NVL wegen der Unterschiede auch innerhalb der Wirkstoffgruppen nicht für möglich; sie empfiehlt, mögliche Wechselwirkungen anhand der Fachinformationen oder mit Datenbanken zu prüfen oder eine Apothekerin oder einen Apotheker hinzuzuziehen, besonders bei Menschen, die mehrere Medikamente nehmen, und bei Johanniskraut [1].

Wichtige pharmakodynamische Wechselwirkungen von Antidepressiva laut NVL Unipolare Depression, Version 3.2, Anhang 4 (Auswahl, Stand 2021; es gilt die jeweils aktuelle Fachinformation)
GruppeWechselwirkungen laut NVL mit
Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, ClomipraminMitteln mit anticholinerger Wirkung, Alkohol, Mitteln, die die QT-Zeit verlängern [1]
SSRI wie Citalopram, Fluoxetin, Sertralingerinnungshemmenden Mitteln, Mitteln, die die QT-Zeit verlängern (bei Citalopram und Escitalopram), Mitteln mit serotonerger Wirkung [1]
SNRI wie Venlafaxin, Duloxetingerinnungshemmenden Mitteln, Mitteln mit serotonerger Wirkung [1]
MAO-Hemmer wie Moclobemid, TranylcyprominMitteln mit serotonerger Wirkung [1]
Mianserin, MirtazapinMitteln mit serotonerger Wirkung [1]
Trazodondämpfenden Mitteln und Mitteln, die Alpha-2-Rezeptoren blockieren [1]
BupropionMitteln, die die Krampfschwelle senken, MAO-Hemmern, dopaminergen Mitteln [1]

Serotonin-Syndrom

Mehrere Mittel, die auf den Botenstoff Serotonin wirken, können zusammen ein Serotonin-Syndrom auslösen, das laut Fachinformation von Sertralin potenziell lebensbedrohlich ist. Das Risiko für ein Serotonin-Syndrom oder ein ebenfalls potenziell lebensbedrohliches malignes neuroleptisches Syndrom ist laut dieser Fachinformation erhöht, wenn gleichzeitig andere serotonerge Mittel wie andere Antidepressiva, Amphetamine oder Triptane gegen Migräne, Mittel, die den Serotoninstoffwechsel beeinträchtigen, wie MAO-Hemmer, Antipsychotika oder Opioide angewendet werden; Patientinnen und Patienten sollten auf Anzeichen überwacht werden [5]. Die Fachinformation von Mirtazapin nennt unter anderem SSRI, Venlafaxin, Lithium, Tramadol, Triptane und Johanniskraut-Präparate; werden sie mit Mirtazapin kombiniert, ist Vorsicht geboten und eine engmaschigere klinische Überwachung erforderlich [6]. Lithium soll laut der österreichischen Fachinformation eines Lithiumpräparats nur mit Vorsicht zusammen mit SSRI gegeben werden, weil diese Kombination ein serotonerges Syndrom hervorrufen kann [12]. Auch bei Methylphenidat wurde über ein Serotonin-Syndrom zusammen mit serotonergen Mitteln berichtet [13].

Bei MAO-Hemmern schließen die Fachinformationen viele Kombinationen aus. Tranylcypromin darf laut Fachinformation unter anderem nicht zusammen mit SSRI, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran, Triptanen, Buspiron, Imipramin, Amphetaminen, Pethidin, Tramadol oder Dextromethorphan eingenommen werden, und die Kombination mit Bupropion soll unterbleiben [8]. Moclobemid darf laut Fachinformation unter anderem nicht zusammen mit Triptanen, Tramadol, Pethidin, Bupropion oder Dextromethorphan angewendet werden, das zum Beispiel in Mitteln gegen Erkältungen enthalten sein kann; die gleichzeitige Gabe mit Clomipramin sollte vermieden werden, und die gleichzeitige Gabe mit Johanniskraut-Präparaten wird nicht empfohlen [9]. Mehr unter Serotonin-Syndrom und Ein Psychopharmakon wechseln.

Zeichen wie Fieber, starkes Schwitzen, Muskelsteifigkeit, Herzrasen oder Verwirrtheit können laut Fachinformation von Sertralin auf ein Serotonin-Syndrom hinweisen [5]. Tritt ein solcher Symptomenkomplex auf, sollte laut Fachinformation von Moclobemid ärztlich, bei Bedarf auch stationär, behandelt werden [9]. Holen Sie dann sofort Hilfe; wann Sie den Notruf 112 wählen, steht unter Wann Sie sofort Hilfe brauchen.

Die Leitliniengruppe der NVL schätzt das Serotonin-Syndrom in ihren Hinweisen zu Nebenwirkungen von SSRI anders ein: Seine Relevanz werde "nach Erfahrung der Leitliniengruppe stark überschätzt", schwere Formen seien "extrem selten". Weil Apotheken bei entsprechenden Kombinationen automatisch warnen, kommt es laut NVL zu Verunsicherung und in der Folge zu unnötigen, ärztlich angeratenen Therapieabbrüchen und dazu, dass Betroffene ihre Mittel nicht wie verordnet einnehmen [1]. Klären Sie eine solche Warnung mit Ihrer Praxis oder Apotheke, bevor Sie etwas ändern.

Dämpfung und Atmung

Wird Lorazepam zusammen mit anderen dämpfenden Arzneimitteln wie Antipsychotika, Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Opioid-Schmerzmitteln, dämpfenden Antihistaminika oder Antiepileptika oder mit Alkohol genommen, können sich laut Fachinformation die dämpfenden Wirkungen gegenseitig verstärken. Zusammen mit Opioiden kann Lorazepam laut Fachinformation zu Dämpfung (Sedierung), zu einer Dämpfung der Atmung (Atemdepression) und zu Koma führen und lebensbedrohlich sein; eine gleichzeitige Verordnung ist nur angebracht, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt, und dann so kurz wie möglich [10]. Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam und Clozapin kann es laut Fachinformation zu ausgeprägter Dämpfung, übermäßigem Speichelfluss und Störungen der Bewegungskoordination kommen [10]. Mehr unter Lorazepam: Wechselwirkungen und Psychopharmaka und Alkohol.

Laut Fachinformation von Clozapin ist besondere Vorsicht angezeigt, wenn Menschen mit Clozapin beginnen, die bereits ein Benzodiazepin oder andere Psychopharmaka nehmen: Sie können ein erhöhtes Risiko für einen Kreislaufkollaps haben, der in seltenen Fällen schwerwiegend ist und zu Herz- oder Atemstillstand führen kann. Alkohol darf wegen der möglichen Verstärkung der dämpfenden Wirkung nicht zusammen mit Clozapin eingenommen werden [11]. Auch bei Esketamin kann die gleichzeitige Anwendung zentral dämpfender Mittel laut Produktinformation das Risiko einer Dämpfung (Sedierung) erhöhen [14].

Herzrhythmus und QT-Zeit

Citalopram darf laut Fachinformation nicht zusammen mit Arzneimitteln angewendet werden, die die QT-Zeit im EKG verlängern; dazu zählt sie unter anderem bestimmte Antipsychotika wie Haloperidol, trizyklische Antidepressiva und bestimmte Mittel gegen Infektionen [7]. Bei Sertralin kann das Risiko für eine Verlängerung der QT-Zeit oder für Herzrhythmusstörungen laut Fachinformation erhöht sein, wenn gleichzeitig Mittel angewendet werden, die die QT-Zeit verlängern, zum Beispiel manche Antipsychotika und Antibiotika [5]. Auch bei Clozapin ist laut Fachinformation Vorsicht angezeigt, wenn gleichzeitig Mittel angewendet werden, die die QT-Zeit verlängern [11]. Mehr unter Herz und QT-Zeit.

Blutspiegel und Blutbild

Manche Kombinationen verändern den Blutspiegel eines Mittels. Laut der österreichischen Fachinformation eines Lithiumpräparats können unter anderem nichtsteroidale Antirheumatika gegen Schmerzen und Entzündungen, ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten gegen Bluthochdruck sowie bestimmte Entwässerungsmittel den Lithiumspiegel erhöhen, was möglicherweise zu einer Lithiumvergiftung führen kann. Wird Lithium zusammen mit Antipsychotika gegeben, sind Betroffene auf frühe Zeichen einer Vergiftung des Nervensystems zu beobachten [12]. Mehr unter Lithium: Wechselwirkungen.

Bei Clozapin können laut Fachinformation Stoffe, die bestimmte Enzyme der Cytochrom-P450-Gruppe hemmen, wie Fluvoxamin, Perazin oder Coffein, den Clozapinspiegel erhöhen; Stoffe, die diese Enzyme anregen, wie Carbamazepin, können ihn senken. Carbamazepin darf wegen seiner unterdrückenden Wirkung auf das Knochenmark nicht zusammen mit Clozapin angewendet werden, ebenso wenig andere Mittel, die das Knochenmark unterdrücken, und lang wirkende Depot-Antipsychotika [11]. Wird Valproinsäure zusammen mit Lorazepam gegeben, sollte die Lorazepam-Dosis laut Fachinformation verringert werden [10].

Johanniskraut kann laut Patientenleitlinie die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, unter anderem bestimmter Antidepressiva wie Amitriptylin, von Blutverdünnern, Medikamenten gegen Epilepsie und der Pille [2]. Laut NVL beruht das auf einer Anregung des Enzyms CYP3A4; schwerwiegende Wechselwirkungen sind unter anderem mit manchen HIV-Medikamenten, Mitteln zur Chemotherapie und Mitteln zur Unterdrückung des Immunsystems nach einer Transplantation möglich [1]. Mehr unter Johanniskraut: Wechselwirkungen.

Wenn Sie mehrere Mittel nehmen

  • Bringen Sie eine Liste aller Medikamente zum Termin mit, auch der rezeptfrei gekauften, der Nahrungsergänzungsmittel und der pflanzlichen Mittel; laut Patientenleitlinie können Sie auch einfach alle Packungen mitbringen [2]. Beim Aufschreiben hilft der Medikationsplan.
  • Lassen Sie neue Mittel auch in der Apotheke prüfen. Zu den Aufgaben von Apothekerinnen und Apothekern zählt die NVL das Management von Wechselwirkungen einschließlich der Selbstmedikation [1]; laut Patientenleitlinie können Apotheken zu Wechsel- und Nebenwirkungen beraten und alle angewendeten Medikamente analysieren [2].
  • Nehmen Sie Johanniskraut-Präparate laut Patientenleitlinie nie ohne ärztliche Absprache ein, auch wenn sie frei verkäuflich sind [2].
  • Fragen Sie bei jeder neuen Kombination, wofür sie gedacht ist und wann sie überprüft wird; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch. Bei einer Schizophrenie soll eine Behandlung mit mehreren Antipsychotika laut S3-Leitlinie mit ihrem Grund dokumentiert und bei weiterhin fehlendem Ansprechen beendet werden [3].
  • Welche Wechselwirkungen die Fachinformation eines Mittels nennt, steht auf den Wirkstoffseiten im Abschnitt Wechselwirkungen, zum Beispiel bei Sertralin, Mirtazapin, Quetiapin, Clozapin oder Tranylcypromin.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Zeichen eines Serotonin-Syndroms sind laut Fachinformation von Sertralin unter anderem Erregtheit, Verwirrtheit, starkes Schwitzen, Durchfall, Fieber, Bluthochdruck, Muskelsteifigkeit und Herzrasen; in einigen Fällen traten sie zusammen mit anderen serotonergen Mitteln auf [5]. Werden Lorazepam und Opioide zusammen angewendet, sollten Betroffene laut Fachinformation engmaschig auf Zeichen einer Dämpfung der Atmung und einer allgemeinen Dämpfung (Sedierung) überwacht werden, und es wird dringend empfohlen, sie und ihre Bezugspersonen über diese Zeichen zu informieren [10]. Zeichen einer Vergiftung des Nervensystems unter Lithium zusammen mit bestimmten anderen Mitteln sind laut österreichischer Fachinformation zum Beispiel Störungen der Bewegungskoordination, Zittern, unwillkürliche Muskelzuckungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit und Schläfrigkeit [12].

Bei einer Depression kann insbesondere Lorazepam laut NVL enthemmend wirken, was zu verstärkter Suizidalität führen kann. Ambulant, ohne die Möglichkeit einer engmaschigen Überwachung, hält die Leitliniengruppe den Einsatz bei schweren Beschwerden und besonders bei akuter Suizidalität deshalb nicht für empfehlenswert [1]. Laut Fachinformation von Lorazepam kann eine Behandlung mit Benzodiazepinen bei Menschen mit Depression suizidale Neigungen hervortreten lassen; sie sollte nicht ohne angemessene antidepressive Behandlung erfolgen [10].

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
  4. Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019), Kapitel 5.3 (Depression) und 5.4 (Phasenprophylaxe). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und DGPPN. Stand Update Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Citalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Tranylcypromin neuraxpharm 10 mg, 20 mg und 40 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2021. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Moclobemid-neuraxpharm 150 mg und 300 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2015. abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  12. Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
  14. EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Spravato 28 mg Nasenspray, Lösung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
  15. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Antidepressiva kann man miteinander kombinieren?

Bei einer Depression, die nicht auf ein einzelnes Antidepressivum anspricht, sollte laut NVL Unipolare Depression eine Kombination von SSRI, SNRI oder trizyklischen Antidepressiva einerseits mit Mianserin, Mirtazapin oder Trazodon andererseits angeboten werden. Kombinationen sind laut Leitlinie mit einem erhöhten Risiko von Nebenwirkungen verbunden, und mit MAO-Hemmern dürfen viele Antidepressiva laut Fachinformation nicht zusammen genommen werden. Ob eine Kombination für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Werden Antipsychotika und Antidepressiva zusammen gegeben?

Ja, in bestimmten Situationen sehen die Leitlinien das vor. Bei einer Depression mit psychotischen Merkmalen sollte laut NVL eine Kombination aus Antidepressiva und Antipsychotika angeboten werden, und bei Nichtansprechen auf ein Antidepressivum eine Wirkungsverstärkung mit bestimmten Antipsychotika. Bei einer Schizophrenie soll laut S3-Leitlinie zusätzlich ein Antidepressivum angeboten werden, wenn trotz optimierter Behandlung depressive Beschwerden bestehen, die die Kriterien einer depressiven Episode erfüllen; dabei sollen Wechselwirkungen beachtet werden.

Kann man zwei Neuroleptika kombinieren?

Laut S3-Leitlinie Schizophrenie sollte ein Antipsychotikum, auch Neuroleptikum genannt, zur Behandlung psychotischer Beschwerden allein angeboten werden. Erst bei einer Behandlungsresistenz kann eine Kombination aus zwei Antipsychotika unter Kontrolle der Nebenwirkungen und Wechselwirkungen angeboten werden, wenn drei verschiedene Mittel einschließlich Clozapin nicht ausreichend gewirkt haben oder Clozapin nicht infrage kommt. Mehr als zwei Antipsychotika sollten nicht angeboten werden.

Was ist bei Lorazepam zusammen mit anderen Mitteln zu beachten?

Lorazepam kann laut Fachinformation die dämpfende Wirkung anderer Psychopharmaka, von Schlaf- und Schmerzmitteln und von Alkohol verstärken. Zusammen mit Opioiden kann es zu Dämpfung, Atemdepression und Koma führen und lebensbedrohlich sein; eine gleichzeitige Verordnung ist laut Fachinformation nur angebracht, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Nehmen Sie Lorazepam deshalb nie ohne ärztliche Rücksprache zusätzlich zu anderen Mitteln ein.

Was ist ein Serotonin-Syndrom?

Ein Serotonin-Syndrom kann entstehen, wenn mehrere Mittel zusammenkommen, die auf den Botenstoff Serotonin wirken, zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, MAO-Hemmer, Triptane oder Tramadol. Laut Fachinformation von Sertralin ist es potenziell lebensbedrohlich; Zeichen sind unter anderem Erregtheit, Verwirrtheit, starkes Schwitzen, Durchfall, Fieber, Muskelsteifigkeit und Herzrasen. Treten solche Zeichen auf, holen Sie sofort ärztliche Hilfe; treten Fieber, starkes Schwitzen, Muskelsteifigkeit, Herzrasen und Verwirrtheit zusammen auf, rufen Sie den Notruf 112. Die Leitliniengruppe der NVL schreibt in ihren Hinweisen zu SSRI, die Relevanz des Serotonin-Syndroms werde nach ihrer Erfahrung "stark überschätzt", schwere Formen seien "extrem selten".

Warum warnt die Apotheke bei meiner Kombination?

Apotheken warnen bei bestimmten Arzneimittelkombinationen automatisch. Laut NVL kommt es dadurch mitunter zu Verunsicherung und zu unnötigen Therapieabbrüchen, etwa bei Warnungen vor einem Serotonin-Syndrom. Setzen Sie Ihr Mittel nach einer solchen Warnung nicht selbst ab, sondern klären Sie mit Ihrer Praxis oder Apotheke, ob die Kombination so gewollt ist und worauf Sie achten sollen. Bei Zeichen wie Fieber, starkem Schwitzen, Muskelsteifigkeit, Herzrasen oder Verwirrtheit holen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Kann ich Johanniskraut zu meinem Antidepressivum nehmen?

Nehmen Sie Johanniskraut laut Patientenleitlinie nie ohne ärztliche Absprache ein, auch frei verkäufliche Präparate nicht. Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, laut Fachinformation von Mirtazapin zusammen mit diesem ein Serotonin-Syndrom begünstigen, und zusammen mit Moclobemid wird es laut Fachinformation nicht empfohlen. Fragen Sie vorher in Ihrer Praxis oder Apotheke.

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