AlltagRatgeber

Psychopharmaka bei Hitze und Sonne

Einige Psychopharmaka können laut Fachinformation die Temperaturregulation des Körpers stören, das Schwitzen verändern oder die Haut empfindlicher für Sonnenlicht machen; bei Lithium kann zu wenig Flüssigkeit eine Vergiftung begünstigen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät, die eigenen Arzneimittel vor dem Sommer ärztlich auf Hitzeverträglichkeit prüfen zu lassen und sie keinesfalls selbstständig abzusetzen oder die Dosierung zu verändern.

Frau in den Fünfzigern mit breitkrempigem Strohhut sitzt im Schatten einer großen Linde auf einer Parkbank, neben ihr eine Glaskaraffe mit Wasser
Bild: KI-generiert

Große Hitze kann den Kreislauf belasten und zu Flüssigkeitsmangel führen [3]. Der Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Hitze in Deutschland zählt Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie zu den Gruppen, die bei Hitzeperioden ein größeres gesundheitliches Risiko tragen, ebenso Menschen, die bestimmte Medikamente gegen diese Erkrankungen einnehmen [1]. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nennt unter den Arzneimitteln, die die Hitzeverträglichkeit verschlechtern können, unter anderem Benzodiazepine, Beruhigungsmittel sowie bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika [2]. Einige Psychopharmaka machen die Haut außerdem empfindlicher für Sonnenlicht [14, 17, 18].

Warum Hitze bei Psychopharmaka eine Rolle spielt

Der Körper kühlt sich gewöhnlich durch Schwitzen ab; ist das bei großer oder lang anhaltender Hitze nicht mehr möglich, kommt es laut BIÖG zu einem Wärmestau [3]. Arzneimittel, die die Wirkung des Botenstoffs Acetylcholin hemmen (Anticholinergika), können laut RKI bei Hitze zu Komplikationen führen, da sie die zentrale Temperaturregulierung beeinflussen und das Schwitzen unterbinden [1]. Zu den Arzneimitteln mit dieser anticholinergen Wirkung zählen laut RKI viele Psychopharmaka; als Beispiele nennt der Bericht unter anderem viele Benzodiazepine, trizyklische Antidepressiva und Biperiden [1]. Für Antiepileptika wie Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin nennt das RKI als Nebenwirkungen, die Hitze verstärken kann, eine Beeinträchtigung der geistigen Wachsamkeit und stärkere Störungen der Blutsalze wie einen Natriummangel [1].

An heißen Tagen verliert der Körper durch vermehrtes Schwitzen und Wasserlassen laut BIÖG viel Flüssigkeit und damit auch Natrium [2]. Bei Hitze und Flüssigkeitsmangel kann sich außerdem die Ausscheidung mancher Medikamente über Nieren oder Leber verändern, sodass Wirkung und Nebenwirkungen stärker werden können [2]. Allgemeine Richtlinien oder Standards dafür, wie Medikamente bei Hitze angepasst werden, gab es laut dem RKI-Bericht von 2023 noch nicht [1]. Ob für Sie etwas zu beachten ist, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was die Fachinformationen nach Gruppen sagen

Antipsychotika

Für Risperidon und die Depotspritze mit Paliperidon schreiben die Fachinformationen, dass Störungen der Fähigkeit des Körpers, seine Kerntemperatur zu senken, mit Antipsychotika in Verbindung gebracht wurden. Bei der Verschreibung empfehlen sie deshalb Sorgfalt, wenn die Körpertemperatur ansteigen kann, etwa durch intensive körperliche Betätigung, extreme Hitze, gleichzeitig angewendete Arzneimittel mit anticholinerger Wirkung oder Flüssigkeitsmangel [4, 5]. Bei Clozapin nennt die Fachinformation eine gutartige Erhöhung der Körpertemperatur und eine Störung der Schweiß- und Temperaturregulation unter den häufigen Nebenwirkungen. Vorwiegend in den ersten drei Behandlungswochen kann vorübergehend Fieber auftreten; wer Fieber hat, sollte laut Fachinformation sorgfältig untersucht werden, um etwa eine Infektion oder einen starken Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen auszuschließen [6]. In der Packungsbeilage von Aripiprazol stehen Schwierigkeiten, die Körperkerntemperatur unter Kontrolle zu halten, oder Überhitzung unter den Nebenwirkungen, deren Häufigkeit nicht bekannt ist [7].

Wegen einer möglichen Lichtüberempfindlichkeit der Haut sollten bei Perazin laut Fachinformation intensive Sonnenbäder vermieden oder die Haut zumindest mit einem Lichtschutzmittel geschützt werden [9]. Die Packungsbeilage von Levomepromazin rät, direkte Sonneneinstrahlung zu meiden, wenn Sie lichtempfindlich sind [10].

Haloperidol wurde laut seiner Fachinformation mit dem malignen neuroleptischen Syndrom in Verbindung gebracht, einer seltenen Reaktion, die unter anderem mit stark erhöhter Körpertemperatur (Hyperthermie), Muskelsteifheit und Bewusstseinsveränderungen einhergeht; die erhöhte Körpertemperatur ist häufig ein frühes Anzeichen [8]. Mehr dazu unter Malignes neuroleptisches Syndrom.

Antidepressiva

Bei gleichzeitiger Gabe von trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin mit Anticholinergika oder Neuroleptika ist laut Fachinformation über Fälle stark erhöhter Körpertemperatur (Hyperpyrexie) berichtet worden, insbesondere bei hohen Außentemperaturen; die gleichzeitige Anwendung mit Anticholinergika ist laut Fachinformation zu vermeiden [11]. Mehr zur Gruppe unter Trizyklische Antidepressiva.

Bei manchen Antidepressiva gehört vermehrtes Schwitzen zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, etwa bei Citalopram und Venlafaxin [12, 13]. Welche Mittel es außerdem nennen, zeigt die Seite Vermehrtes Schwitzen. Für Venlafaxin beschreibt die Fachinformation zudem einen zu niedrigen Natriumwert im Blut, der meist bei Menschen mit Volumenmangel oder Austrocknung berichtet wurde; bei älteren Menschen und unter Entwässerungsmitteln kann das Risiko erhöht sein [13]. Mehr dazu unter Natriummangel.

Unter Johanniskraut kann es laut Packungsbeilage durch Lichtüberempfindlichkeit zu sonnenbrandähnlichen Reaktionen, Rötungen der Haut und Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen kommen, vor allem bei hellhäutigen Menschen, die starker Sonnenbestrahlung ausgesetzt waren. Während der Einnahme soll intensive UV-Bestrahlung vermieden werden, also lange Sonnenbäder, Höhensonne und Solarien, und bei bekannter Lichtüberempfindlichkeit der Haut darf Johanniskraut nicht eingenommen werden [14].

Stimmungsstabilisierer

Bei Lithium spielen Flüssigkeit und Salz eine besondere Rolle. Besondere Vorsicht ist laut Packungsbeilage bei Wasserverlust erforderlich, etwa durch starkes Schwitzen, häufiges und vermehrtes Wasserlassen, starke Durchfälle oder Erbrechen, und bei einer Diät mit geringer Salzaufnahme; achten Sie darauf, genügend Salz und Flüssigkeit zu sich zu nehmen [15]. Laut Fachinformation ist eine Lithiumvergiftung möglich, wenn die Nieren weniger Lithium ausscheiden, etwa bei Erbrechen, Durchfällen, hinzukommenden Infektionen oder zu geringer Flüssigkeitsaufnahme [16]. Die Ärztin oder der Arzt bestimmt den Blutspiegel regelmäßig [15]. Zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sollen Sie laut Packungsbeilage gehen bei Erkrankungen mit starkem Erbrechen, heftigen Durchfällen oder hohem Fieber, bei sehr starker Harnproduktion mit ausgeprägtem Durstgefühl, bei Herzrhythmusstörungen und niedrigem Blutdruck sowie bei Bewegungsstörungen, Zittern, Zucken, unwillkürlichen oder verlangsamten Bewegungen, veränderten Reflexen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder Augenzittern [15].

Bei Lamotrigin bittet die Packungsbeilage, mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen, wenn Sie nach Sonne oder künstlichem UV-Licht, etwa im Sonnenstudio, einen Hautausschlag oder Sonnenbrand entwickeln. Die Behandlung wird dann überprüft, und gegebenenfalls rät die Ärztin oder der Arzt, Sonne zu meiden oder sich mit Sonnencreme oder Schutzkleidung zu schützen [17]. Bei Carbamazepin sollten Sie sich laut Packungsbeilage wegen einer möglicherweise erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut während der Behandlung vor starker Sonnenbestrahlung schützen [18]. Mehr zur Gruppe unter Stimmungsstabilisierer.

ADHS-Medikamente

Bei Guanfacin, einem der ADHS-Medikamente, ist laut Fachinformation Vorsicht geboten bei Zuständen, die für einen Kreislaufkollaps anfällig machen können, darunter niedriger Blutdruck und Flüssigkeitsmangel; Behandelte sind laut Fachinformation anzuweisen, reichlich Flüssigkeit zu trinken [19]. Bei Methylphenidat nennt die Packungsbeilage übermäßiges Schwitzen als häufige Nebenwirkung [20].

Wirkstoffpflaster

Bei Arzneimitteln, die über ein Pflaster gegeben werden, wird die Haut laut BIÖG bei hohen Temperaturen stärker durchblutet, was zu einer zu hohen Wirkstoffaufnahme führen kann [2]. Das Pflaster mit dem Demenzmittel Rivastigmin soll laut Packungsbeilage nicht über längere Zeit äußeren Wärmequellen ausgesetzt werden, etwa übermäßiger Sonnenstrahlung, Sauna oder Solarium [21]. Laut Fachinformation kann bei Rivastigmin außerdem eine Austrocknung nach anhaltendem Erbrechen oder Durchfall schwere Folgen haben [21].

Sonne und lichtempfindliche Haut

Bei einer Lichtüberempfindlichkeit (Photosensibilisierung) kann es laut Packungsbeilage von Johanniskraut nach starker Sonnenbestrahlung zu sonnenbrandähnlichen Reaktionen oder Rötungen der Haut und zu Missempfindungen kommen [14]. Die Tabelle zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Datensatz auf Psychopharmakon.de, deren Produktinformation eine Lichtempfindlichkeit der Haut nennt, jeweils mit der angegebenen Häufigkeit. Sie ist keine Rangliste, und maßgeblich bleibt die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Lichtempfindlichkeit der Haut als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
ClomipraminHäufigAllergische Hautreaktionen (Ausschlag, Nesselsucht), Lichtempfindlichkeit, Juckreiz
ZuclopenthixolHäufigLichtempfindlichkeit der Haut (direkte Sonneneinstrahlung meiden), übermäßige Schweißproduktion
ChlorprothixenGelegentlichAllergische Hautreaktionen wie Hautrötung, Ausschlag (Exanthem), allergische Reaktion auf Sonnenlicht und Juckreiz
CitalopramGelegentlichLichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilität)
DuloxetinGelegentlichLichtüberempfindlichkeit der Haut
EszopiclonGelegentlichLichtempfindlichkeit der Haut, Schwitzen, Akne, trockene Haut, Ekzem
FlupentixolGelegentlichLichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilität); Vorsicht bei Sonneneinstrahlung
HaloperidolGelegentlichErhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut, Juckreiz, ausgeprägte Schweißausbrüche
LamotriginGelegentlichHautausschlag oder Sonnenbrand nach Sonne oder künstlichem UV-Licht (Lichtempfindlichkeit)
LevomepromazinGelegentlichAllergische Hautreaktionen und Lichtempfindlichkeit
OlanzapinGelegentlichEmpfindlichkeit gegen Sonnenlicht
PerazinGelegentlichLichtüberempfindlichkeit der Haut und der Augen (Photosensibilität) · Schwere phototoxische Reaktionen der Haut
VenlafaxinGelegentlichÜberempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht
AmitriptylinSeltenErhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut
DesvenlafaxinSeltenLichtempfindlichkeit
FluoxetinSeltenEmpfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht, Hautblutungen
FluvoxaminSeltenLichtempfindlichkeit der Haut
MilnacipranSeltenLichtempfindlichkeitsreaktionen
PitolisantSeltenAnormale Lichtempfindlichkeit (Photosensitivität)
SertralinSeltenHautreaktion auf Sonnenlicht
CarbamazepinSehr seltenLichtempfindlichkeit, Hautrötungen mit scheiben- oder knotenförmigen Veränderungen und Einblutungen (Erythema exsudativum multiforme et nodosum), kleinfleckige Hautblutungen (Purpura), Haarausfall, vermehrtes…
ImipraminSehr seltenJuckreiz (Pruritus), punktförmige Hautblutungen (Petechien), Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilität), örtlich begrenzte oder ausgedehnte Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Haarausfall
ParoxetinSehr seltenEmpfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht; laut Fachinformation auch Nesselsucht (Urtikaria)
AmisulpridNicht bekanntErhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonne und ultraviolettem Licht
AripiprazolNicht bekanntHautausschlag, Lichtempfindlichkeit der Haut, Haarausfall, übermäßiges Schwitzen
DoxylaminNicht bekanntLichtempfindlichkeit der Haut (direkte Sonneneinstrahlung meiden)
HydroxyzinNicht bekanntAllergische Reaktionen und Lichtempfindlichkeit der Haut (unter Antihistaminika berichtet)
JohanniskrautNicht bekanntSonnenbrandähnliche Reaktionen oder Rötung der Haut und Missempfindungen (Kribbeln, Schmerz- und Kälteempfindlichkeit, Brennen) durch Lichtüberempfindlichkeit (Photosensibilisierung), vor allem bei hellhäutigen…

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (28 von 99). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Allgemein rät das BIÖG Menschen mit chronischen Erkrankungen, direkte Sonneneinstrahlung möglichst zu meiden, im Freien im Schatten zu bleiben, eine leichte Kopfbedeckung zu tragen und die Augen mit einer Sonnenbrille zu schützen [2]. Zeigt Ihre Haut nach der Sonne ungewohnte Reaktionen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas an der Einnahme ändern.

Was Sie an heißen Tagen tun können

Mann in den Sechzigern füllt in einer hellen Küche ein Glas mit Leitungswasser, daneben eine Schale mit frischem Obst
Bild: KI-generiert

Das BIÖG rät Menschen mit chronischen Erkrankungen, möglichst schon im Frühling, spätestens aber vor einer Hitzewelle die eingenommenen Arzneimittel ärztlich auf Hitzeverträglichkeit prüfen zu lassen. Setzen Sie Ihre Arzneimittel laut BIÖG aber keinesfalls selbstständig ab und verändern Sie auch nicht die Dosierung oder das Einnahmeschema [2]. Eine Liste aller Mittel hilft im Gespräch, etwa der Medikationsplan; Ihre Fragen können Sie mit dem Werkzeug Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten.

Trinken Sie während einer Hitzewelle laut BIÖG ausreichend, am besten Wasser und ungesüßte Tees. Wer Vorerkrankungen wie Herz- oder Nierenerkrankungen hat, muss die tägliche Trinkmenge laut BIÖG mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt absprechen [2]. Alkoholische Getränke sollten Sie meiden, und ein Gewichtsverlust kann auf einen Flüssigkeitsmangel hinweisen [2]. Mehr zu Alkohol unter Psychopharmaka und Alkohol. Verlegen Sie körperliche Aktivitäten laut BIÖG in die kühleren Morgen- und späteren Abendstunden, halten Sie Wohnung und Körper möglichst kühl und achten Sie auf die Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes [2].

Hitze kann laut RKI die Lagerfähigkeit von Arzneimitteln beeinträchtigen und so ihre Wirksamkeit verringern [1]. Beachten Sie die Aufbewahrungshinweise in der Packungsbeilage: Lagern Sie Medikamente laut BIÖG nicht in der prallen Sonne oder im heißen Auto, im Kühlschrank nur, wenn das ausdrücklich empfohlen wird, und fragen Sie bei Unsicherheit in Ihrer Apotheke nach [2].

Angehörige, Freundinnen, Freunde und Nachbarn können laut BIÖG helfen, indem sie allein lebende Menschen mit chronischen Erkrankungen während einer Hitzewelle mindestens einmal am Tag kontaktieren und nach ihrem Befinden, der getrunkenen Menge und der Raumtemperatur fragen [2]. Mehr für Angehörige unter Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Als mögliche Anzeichen einer Hitzeerkrankung nennt das BIÖG unter anderem Erschöpfung, starke Blässe oder starke Röte, Kopfschmerzen, einen steifen Nacken, Übelkeit, Schwindel oder Erbrechen, Kurzatmigkeit, Unruhe, Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe, erhöhte Temperatur oder Fieber sowie übermäßig viel oder gar keinen Schweiß. Dann sollen Sie sofort die Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 anrufen, sich an einen kühlen Ort begeben und viel trinken [2]. Bei Bewusstseinstrübung oder fehlender Reaktion auf Ansprache, sehr niedrigem Blutdruck oder instabilem Kreislauf oder schwerer Atemnot ist laut BIÖG sofort der Notruf 112 zu wählen, denn es kann ein lebensbedrohlicher Hitzschlag vorliegen [2]. Typisch für einen Hitzschlag sind laut BIÖG unter anderem gerötete, heiße und trockene Haut, Übelkeit, Kopfschmerzen und Bewusstseinsveränderungen [3].

Unter einem Antipsychotikum kann hohes Fieber mit Muskelsteifheit auf ein malignes neuroleptisches Syndrom hinweisen [8]; was dann zu tun ist, steht unter Malignes neuroleptisches Syndrom. Zusammen mit bestimmten anderen Arzneimitteln kann Methylphenidat laut Packungsbeilage ein Serotonin-Syndrom verursachen, mit Verwirrtheit oder Ruhelosigkeit, Schwitzen, Schüttelfrost, Muskelzucken oder raschem Herzschlag; dann sollen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [20]. Wenn es Ihnen seelisch schlecht geht, finden Sie unter Hilfe in der Krise Telefonnummern und Anlaufstellen, die sofort erreichbar sind.

Quellen

  1. Behörde Hitze in Deutschland: Gesundheitliche Risiken und Maßnahmen zur Prävention (Journal of Health Monitoring 2023 8(S4), Sachstandsbericht Klimawandel und Gesundheit). Robert Koch-Institut (RKI). Stand 06.09.2023. abgerufen am 23.10.2026
  2. Behörde Hitzeschutz: Tipps für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), klima-mensch-gesundheit.de. Stand Juli 2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Behörde Gesundheitsrisiken von Hitze. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), klima-mensch-gesundheit.de. Stand Juli 2026. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
  5. EMA-Produktinformation Xeplion (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Xeplion Depot-Injektionssuspension. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. EMA-Produktinformation ABILIFY (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage ABILIFY 5 mg/10 mg/15 mg/30 mg Tabletten. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Perazin-neuraxpharm 25 mg, 100 mg, 200 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 23.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Levomepromazin-neuraxpharm 10 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2021. abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
  13. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Jarsin 300 mg überzogene Tabletten. Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 01/2024. abgerufen am 23.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  16. Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Lamotrigin-ratiopharm 100 mg Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 23.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
  19. EMA-Produktinformation Intuniv (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 23.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
  21. EMA-Produktinformation Exelon (EPAR), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Exelon transdermales Pflaster. Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Psychopharmaka sind bei Hitze problematisch?

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt unter anderem Benzodiazepine, Beruhigungsmittel sowie bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika als Arzneimittel, die die Hitzeverträglichkeit verschlechtern können. Das Robert Koch-Institut zählt viele Psychopharmaka zu den anticholinerg wirkenden Mitteln, die die Temperaturregulierung beeinflussen und das Schwitzen unterbinden können. Bei Lithium spielen Flüssigkeit und Salz eine besondere Rolle. Lassen Sie Ihre Mittel vor dem Sommer ärztlich auf Hitzeverträglichkeit prüfen.

Was muss ich mit Lithium bei Hitze beachten?

Laut Packungsbeilage ist bei Wasserverlust, etwa durch starkes Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen, besondere Vorsicht erforderlich, und Sie sollen auf genügend Salz und Flüssigkeit achten. Laut Fachinformation ist eine Lithiumvergiftung unter anderem bei zu geringer Flüssigkeitsaufnahme möglich. Gehen Sie laut Packungsbeilage unter anderem dann zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn starkes Erbrechen, heftiger Durchfall oder hohes Fieber auftreten oder wenn Sie Zittern, Verwirrtheit oder Schläfrigkeit bemerken.

Soll ich bei Hitze die Dosis meiner Medikamente verringern?

Nicht auf eigene Faust. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät ausdrücklich, Arzneimittel keinesfalls selbstständig abzusetzen und weder die Dosierung noch das Einnahmeschema zu verändern. Allgemeine Standards zur Anpassung von Medikamenten bei Hitze gab es laut einem Bericht des Robert Koch-Instituts von 2023 noch nicht. Ob bei Ihnen etwas zu ändern ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was ist bei Neuroleptika und Hitze zu beachten?

Laut den Fachinformationen von Risperidon und Paliperidon wurden Störungen der Fähigkeit, die Körpertemperatur zu senken, mit Antipsychotika in Verbindung gebracht; Sorgfalt empfehlen sie unter anderem bei extremer Hitze, starker körperlicher Anstrengung und Flüssigkeitsmangel. Bei Clozapin nennt die Fachinformation eine Störung der Schweiß- und Temperaturregulation als häufig. Bekommen Sie unter einem Antipsychotikum Fieber und steife Muskeln, rufen Sie sofort den Notruf 112.

Machen Antidepressiva lichtempfindlich?

Manche können es. Bei Johanniskraut sind laut Packungsbeilage sonnenbrandähnliche Hautreaktionen möglich, und intensive UV-Bestrahlung soll während der Einnahme vermieden werden. Welche weiteren Psychopharmaka eine Lichtempfindlichkeit der Haut nennen, zeigt die Tabelle auf dieser Seite. Schützen Sie sich vor starker Sonne und sprechen Sie Hautreaktionen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Können ADHS-Medikamente bei Hitze Probleme machen?

Bei Guanfacin ist laut Fachinformation Vorsicht bei Flüssigkeitsmangel und niedrigem Blutdruck geboten, und Behandelte sollen reichlich Flüssigkeit trinken. Bei Methylphenidat nennt die Packungsbeilage übermäßiges Schwitzen als häufige Nebenwirkung. Sprechen Sie vor dem Sommer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie oder Ihr Kind ein ADHS-Medikament nehmen.

Wie lagere ich Medikamente bei Hitze richtig?

Beachten Sie die Aufbewahrungshinweise in der Packungsbeilage. Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit sollten Medikamente nicht in der prallen Sonne oder im heißen Auto liegen und nur dann in den Kühlschrank, wenn das ausdrücklich empfohlen wird. Hitze kann laut Robert Koch-Institut die Lagerfähigkeit beeinträchtigen. Bei Unsicherheit fragen Sie in Ihrer Apotheke.

Woran erkenne ich einen Hitzschlag?

Typisch sind laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit gerötete, heiße und trockene Haut, Übelkeit, Kopfschmerzen und Bewusstseinsveränderungen bis zur Bewusstlosigkeit. Ein Hitzschlag ist ein lebensgefährlicher Notfall: Wählen Sie sofort den Notruf 112.

Wenn es Ihnen gerade sehr schlecht geht: Notruf 112 · TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, 0800 111 0 222, 116 123 · Hilfe in der Krise

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