Behandlung

Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt

Wirkt ein Antidepressivum 3 bis 4 Wochen nach Erreichen der Standarddosis nicht, sollen laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression zuerst die Ursachen geprüft werden, zum Beispiel die regelmäßige Einnahme, die Dosis, der Blutspiegel und weitere Erkrankungen oder Medikamente. Danach nennt die Leitlinie mehrere Möglichkeiten, über die Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entscheiden, unter anderem eine zusätzliche Psychotherapie, eine Wirkungsverstärkung mit Lithium oder bestimmten Antipsychotika, ein zweites Antidepressivum oder einen einmaligen Wechsel. Setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab und ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Frau in den Fünfzigern gießt an einem ruhigen, sonnigen Morgen Kräuter in einem kleinen Gartenbeet
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Was geschieht, wenn ein Antidepressivum nicht wirkt, beschreibt die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression in einem eigenen Ablaufplan, nach dem vorgegangen werden soll ("soll"). Ab Erreichen der Standarddosis soll wegen der Wirklatenz mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam mit Ihnen beurteilt werden, ob es bei den vereinbarten Therapiezielen eine positive Entwicklung gibt ("soll"). Bei ausbleibendem oder mangelndem Ansprechen sollen mögliche Ursachen abgeklärt und gemeinsam mit Ihnen über eine Anpassung der Behandlung gesprochen und entschieden werden ("soll"). Eine unwirksame Behandlung beizubehalten, hält die NVL für ethisch nicht vertretbar [1]. Wirklatenz heißt die Zeit, bis ein Antidepressivum wirkt; laut Patientenleitlinie hilft es nicht sofort mit der ersten Tablette [2]. Mehr dazu unter Wann wirken Psychopharmaka? Setzen Sie das Mittel bis zu diesem Gespräch nicht eigenmächtig ab.

Zuerst die Ursachen prüfen

Sprechen Sie nach 4 Wochen nicht auf ein einzelnes Antidepressivum an, sollen laut NVL zunächst die Ursachen dafür geklärt werden ("soll"). Dazu gehören laut Leitlinie insbesondere eine falsche Diagnose, eine nicht ausreichende Mitarbeit, eine nicht angemessene Dosis und ein zu niedriger Blutspiegel sowie körperliche und psychische Begleiterkrankungen und Medikamente, die eine Depression fördern können. Bei älteren Menschen erscheinen der NVL wegen eines bisweilen verzögerten Ansprechens 6 Wochen bis zu dieser Prüfung angemessen. Hat die Hausarztpraxis das Antidepressivum verordnet, ist bei Nichtansprechen laut NVL auch eine rechtzeitige Überweisung in die fachärztliche Versorgung sinnvoll [1].

Die Patientenleitlinie nennt Beispiele: Es fällt schwer, das Mittel regelmäßig einzunehmen, obwohl der Erfolg maßgeblich davon abhängt, dass Sie es immer wie verordnet nehmen; Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie dazu beraten. Weitere Medikamente, die Sie wegen einer Begleiterkrankung nehmen, können die Wirkung beeinflussen, oder die Wirkstoffmenge ist zu niedrig oder zu hoch [2]. Als Medikamente, die eine Depression auslösen oder verstärken können, nennt die Patientenleitlinie unter anderem einige blutdrucksenkende oder kortisonhaltige Mittel [2].

Nehmen Sie das Mittel regelmäßig ein und lassen sich Begleiterkrankungen weitgehend ausschließen, sollte bei Antidepressiva, für die das gut etabliert ist, der Blutspiegel bestimmt werden ("sollte"). Liegt er außerhalb des therapeutischen Bereichs, sollen Maßnahmen folgen ("soll"), zum Beispiel die regelmäßige Einnahme erneut besprechen und fördern, Substanzen prüfen und gegebenenfalls absetzen, die den Spiegel beeinflussen, oder die Dosis anpassen, wenn sich Wechselwirkungen nicht vermeiden lassen oder der Körper den Wirkstoff erblich bedingt besonders schnell oder langsam abbaut. Zu niedrige Spiegel können laut NVL zum Beispiel mit Rauchen, Ginkgo oder Johanniskraut zusammenhängen, zu hohe mit Grapefruit in der Ernährung [1]. Das Nichtansprechen kann laut NVL auch auf eine zu hohe Dosis zurückgehen: Nebenwirkungen wie Unruhe, Schlafstörungen, Dämpfung oder Appetitlosigkeit täuschen dann Beschwerden einer Depression vor [1]. Mehr unter Medikamentenspiegel.

Welche Möglichkeiten die Leitlinie nennt

Reichen die Suche nach den Ursachen und erste Änderungen nicht aus, soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt laut Patientenleitlinie die verschiedenen Möglichkeiten mit Ihnen besprechen und das weitere Vorgehen gemeinsam mit Ihnen entscheiden [2]. Die NVL nennt für diese Lage sechs Möglichkeiten. Die zusätzliche Psychotherapie, die Wirkungsverstärkung mit Antipsychotika oder Lithium und die Kombination mit einem zweiten Antidepressivum sieht sie als gleichwertig an, den Wechsel ordnet sie nach, und für die Magnetstimulation spricht sie eine offene Empfehlung aus. Nach etwa 4 Wochen wird die Wirkung erneut geprüft [1].

Möglichkeiten bei Nichtansprechen auf ein einzelnes Antidepressivum laut NVL Unipolare Depression, Version 3.2 (Abbildung 13, Empfehlungen 7-5 bis 7-16)
MöglichkeitEmpfehlungsgrad laut NVLWas die NVL dazu sagt
zusätzlich eine Psychotherapie"soll angeboten werden"gleichwertig zu den anderen Strategien nach einer ersten Behandlung mit Antidepressiva [1]
Wirkungsverstärkung mit den Antipsychotika Quetiapin, Aripiprazol, Olanzapin oder Risperidon"sollte angeboten werden"Quetiapin dafür zugelassen, laut Fachinformation als Retardtablette; die anderen dafür nicht zugelassen; in verhältnismäßig niedriger Dosis; erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen [1, 3]
Wirkungsverstärkung mit Lithium"sollte angeboten werden"ist 2 bis 4 Wochen nach Erreichen wirksamer Lithiumspiegel keine Wirkung festzustellen, sollte Lithium wieder abgesetzt werden [1]
zweites Antidepressivum"sollte angeboten werden"nur bestimmte Kombinationen: SSRI, SNRI oder trizyklische Antidepressiva mit Mianserin, Mirtazapin oder Trazodon [1]
einmaliger Wechsel des Antidepressivums"kann angeboten werden"auf ein Antidepressivum mit anderem Wirkmechanismus; den anderen Möglichkeiten nachgeordnet [1]
zusätzlich eine repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)"kann angeboten werden"aufwändiger als die meisten anderen Möglichkeiten und bisher nur an wenigen Kliniken angeboten [1]

Die Tabelle gibt die Einordnung der NVL wieder; welche Möglichkeit für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Spricht auch der zweite Schritt nicht an, sollen erneut die Ursachen geprüft werden. Danach kommen laut NVL dieselben sechs Möglichkeiten noch einmal infrage, außer einem zweiten Wechsel des Antidepressivums, und dazu drei weitere [1].

Psychotherapie zusätzlich

Wirkt ein Antidepressivum nicht, soll laut NVL zusätzlich eine Psychotherapie angeboten werden ("soll"). Die Leitliniengruppe bewertet die Aussagesicherheit der Studien dazu als moderat und sieht diese Kombination als gleichwertig zu den anderen Möglichkeiten an; besonders sinnvoll erscheint sie ihr, wenn dem Nichtansprechen offensichtlich psychosoziale Gründe zugrunde liegen [1]. Die Patientenleitlinie nennt als Beispiele schlimme Lebensereignisse oder Probleme im Familien- und Freundeskreis und weist darauf hin, dass auch eine Psychotherapie unerwünschte Folgen haben kann [2]. Ganz auf eine Psychotherapie zu wechseln und das Antidepressivum nicht weiterzunehmen, kommt laut NVL grundsätzlich auch infrage; eine Empfehlung dafür formuliert sie nicht, weil das nur bedeutsam ist, wenn jemand weitere Medikamente ausdrücklich ablehnt und andere Möglichkeiten fehlen [1]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.

Die Wirkung verstärken: Antipsychotika oder Lithium

Paar in den Sechzigern sitzt an einem hellen Küchentisch bei einer Tasse Tee und unterhält sich in Ruhe
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Kommt zu einem Antidepressivum ein anderes Medikament hinzu, um seine Wirkung zu verbessern, heißt das in der Fachsprache Augmentation [2]. Laut NVL sollte eine solche Wirkungsverstärkung mit den Antipsychotika Quetiapin, Aripiprazol, Olanzapin oder Risperidon in verhältnismäßig niedriger Dosis angeboten werden ("sollte"). Zugelassen ist dafür nur Quetiapin, laut Fachinformationen eines Herstellers nur als Retardtablette; die Fachinformation seiner Filmtabletten nennt dieses Anwendungsgebiet nicht [3, 6]. Aripiprazol, Olanzapin und Risperidon sind für diesen Zweck nicht zugelassen, und die Empfehlung bildet laut NVL bewusst die Studienlage ab und nicht die Zulassung. Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Wirkungsverstärkung mit einem erhöhten Risiko von Nebenwirkungen verbunden ist und Quetiapin bei den Nebenwirkungen gegebenenfalls problematischer ist als andere Antipsychotika; "niedrig" bezieht sich auf den Vergleich mit der Dosis bei Schizophrenie [1]. Laut Fachinformation eines Quetiapin-Präparats mit verzögerter Wirkstofffreisetzung ist Quetiapin als Zusatztherapie bei depressiven Erkrankungen zugelassen, wenn eine Behandlung mit einem einzelnen Antidepressivum nicht ausreichend gewirkt hat; vor Beginn sollte die Ärztin oder der Arzt das Sicherheitsprofil von Quetiapin beachten [3]. Mehr unter Antipsychotika.

Auch einen Versuch mit Lithium zur Wirkungsverstärkung sollte die Praxis laut NVL anbieten ("sollte"). Die Aussagesicherheit der Studien ist laut Leitliniengruppe niedrig; sie sieht Lithium trotzdem als mögliche Strategie der ersten Wahl, weil es einen völlig anderen Wirkansatz als Antidepressiva hat. Ist 2 bis 4 Wochen nach Erreichen wirksamer Lithiumspiegel keine Wirkung festzustellen, sollte Lithium wieder abgesetzt werden ("sollte"); wer gut anspricht, dem sollte eine Erhaltungstherapie für mindestens 6 Monate empfohlen werden ("sollte") [1]. Lithium hat laut NVL ein hohes Potenzial für Wechsel- und Nebenwirkungen, und es besteht die Gefahr von Vergiftungen; die Dosis lässt sich aber gut über den Blutspiegel steuern. Scheut eine Praxis den Einsatz von Lithium, empfiehlt die Leitliniengruppe eine Überweisung an mit Lithium erfahrene Fachleute [1]. Laut Patientenleitlinie können unter Lithium unter anderem Muskelschwäche, Zittern, Durchfall, vermehrtes Wasserlassen und starker Durst auftreten, und die Einstellung der Dosis wird über Blutuntersuchungen kontrolliert [2]. Zugelassen ist Lithium laut einer deutschen Fachinformation unter anderem zur Behandlung bestimmter akuter Depressionen, zum Beispiel bei Therapieresistenz oder Unverträglichkeit von Antidepressiva, gegebenenfalls in Kombination mit Antidepressiva [7]. Mehr unter Lithium.

Von anderen Zusatzmitteln rät die NVL ausdrücklich ab: Stimmungsstabilisierende Antiepileptika wie Carbamazepin, Lamotrigin oder Valproat, Dopaminagonisten und Psychostimulanzien wie Lisdexamfetamin oder Methylphenidat sollen bei einer unipolaren Depression nicht zur Wirkungsverstärkung eingesetzt werden ("soll nicht"). Für diese Mittel gibt es laut Leitlinie bei unipolaren Depressionen keinen belastbaren Wirksamkeitsbeleg aus Studien; stimmungsstabilisierende Antiepileptika werden bei einer bipolaren Depression eingesetzt. Bei Begleiterkrankungen wie ADHS oder Morbus Parkinson können die genannten Mittel trotzdem angezeigt sein, dann aber zur Behandlung dieser Erkrankung und nicht zur Wirkungsverstärkung [1]. Für Schilddrüsenhormone spricht die NVL in der ambulanten Behandlung keine Empfehlung aus; sie sind für diesen Zweck nicht zugelassen, und einen Versuch hält die Leitliniengruppe außerhalb von Studien nur bei schwerwiegender Therapieresistenz in spezialisierten Zentren für möglich [1]. Mehr unter Bipolare Störung.

Ein zweites Antidepressivum oder ein Wechsel

Bestimmte Antidepressiva können laut Patientenleitlinie zusammen wirksamer sein als ein Mittel allein, doch nicht jede Kombination kommt dafür infrage [2]. Laut NVL sollte eine Kombination von SSRI, SNRI oder trizyklischen Antidepressiva einerseits mit Mianserin, Mirtazapin oder Trazodon andererseits angeboten werden ("sollte"). Weil Kombinationen mit einem erhöhten Risiko von Nebenwirkungen verbunden sind, hat die Leitliniengruppe die Empfehlung abgeschwächt. SSRI sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SNRI selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer [1]. Mehr unter SSRI, SNRI und Trizyklische Antidepressiva; welche Wechselwirkungen beim Kombinieren zu beachten sind, steht unter Psychopharmaka kombinieren.

Ein einmaliger Wechsel auf ein Antidepressivum mit anderem Wirkmechanismus kann laut NVL angeboten werden ("kann"). Die Studien sprechen laut Leitlinie gegen die Wirksamkeit eines Wechsels, wenn auch bei sehr niedriger Aussagesicherheit; deshalb ordnet sie ihn den anderen Möglichkeiten nach und hält ein Ausprobieren mehrerer Antidepressiva nacheinander nicht für vertretbar [1]. Laut Patientenleitlinie sollte ein solcher Tausch höchstens einmal stattfinden, weil fast alle Antidepressiva eine ähnliche Wirkung im Gehirn entfalten [2]. Beim Wechsel sollten das neue Mittel schrittweise aufdosiert und das alte ausschleichend abgesetzt werden ("sollte"); bei der Umstellung auf den MAO-Hemmer Tranylcypromin ist laut NVL ein überlappender Wechsel zu vermeiden, und die Empfehlungen der Fachinformationen zu Therapiepausen sind zu beachten [1]. Mehr unter Ein Psychopharmakon wechseln.

Die Dosis erhöhen?

Lindert ein Antidepressivum die Beschwerden nicht, kann es laut Patientenleitlinie sinnvoll sein, die Dosis zu erhöhen, das trifft aber nicht für alle Wirkstoffe zu [2]. Liegt der Blutspiegel im therapeutischen Bereich, soll die Dosis eines SSRI laut NVL nicht erhöht werden ("soll nicht"), weil sich für SSRI kein Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung bestätigen ließ. Bei MAO-Hemmern in der Standarddosis sowie bei SNRI und trizyklischen Antidepressiva mit einem Blutspiegel im therapeutischen Bereich sollte die Dosis nicht erhöht werden ("sollte nicht"); den fehlenden Belegen für einen Nutzen steht laut NVL eine zu erwartende höhere Rate an Nebenwirkungen gegenüber [1]. Nicht gemeint ist damit das Steigern bis zur Standarddosis oder eine Anpassung bei zu niedrigem Blutspiegel; dafür gelten die Schritte zur Prüfung der Ursachen [1]. Laut Patientenleitlinie sollten Sie die Dosis auf keinen Fall eigenständig verändern [2].

Wenn mehrere Versuche nicht geholfen haben

Als therapieresistent gelten laut NVL allgemein Menschen, die auf mindestens zwei unterschiedliche, ausreichend dosierte Antidepressiva aus verschiedenen Wirkstoffklassen nicht angesprochen haben; die NVL selbst versteht unter Therapieresistenz ein Nichtansprechen auf eine erste Behandlung und auf mindestens eine weitere Strategie. In der neueren Fachliteratur wird dafür auch der Begriff "schwierig zu behandelnde Depression" vorgeschlagen. Er betont eine langfristige, auf die Person zugeschnittene Behandlung und akzeptiert, dass sich das Ziel nach mehreren erfolglosen Versuchen vom vollständigen Abklingen der Beschwerden zu einer möglichst guten Kontrolle der Beschwerden und einer besseren Alltagsfunktion verschieben kann [1].

Bei wiederholtem Nichtansprechen kommen laut NVL dieselben Möglichkeiten wie zuvor infrage, ergänzt um weitere [1]:

  • Eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) soll bei therapieresistenten depressiven Episoden angeboten werden, insbesondere im höheren Lebensalter oder bei psychotischen Beschwerden ("soll"); sie benötigt eine Vollnarkose [1]. Mehr unter Elektrokrampftherapie.
  • Esketamin als Nasenspray kann bei einer mittelgradigen bis schweren Episode, die auf mehrere ausreichend durchgeführte Behandlungsversuche nicht angesprochen hat, in einer Klinik oder Tagesklinik zusätzlich zu einem Antidepressivum angeboten werden ("kann"); seine Stärke sieht die NVL vor allem im schnellen Wirkungseintritt [1]. Zugelassen ist es laut Produktinformation für Erwachsene und nur zusammen mit einem Antidepressivum: bei therapieresistenter Major Depression zusammen mit einem SSRI oder SNRI, wenn in der aktuellen mittelgradigen bis schweren Episode mindestens zwei unterschiedliche Antidepressiva nicht gewirkt haben, und zusammen mit einem Antidepressivum zum Einnehmen als akute Kurzzeitbehandlung, wenn die Beschwerden nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen [4]. Mehr unter Esketamin und Ketamin und Esketamin.
  • Haben mehrere ausreichend durchgeführte Behandlungsversuche mit Medikamenten nicht zu einem Ansprechen geführt, sollte als eine Möglichkeit angeboten werden, die Medikamente auszuschleichen und eine Behandlung ausschließlich ohne Medikamente zu versuchen ("sollte"); beim Absetzen gelten die Empfehlungen zum schrittweisen Verringern der Dosis [1]. Laut Patientenleitlinie haben Fachleute die Erfahrung gemacht, dass das Absetzen selbst die Depression verbessern kann, warum, ist unklar; außerdem kann der Körper nach einer Pause möglicherweise wieder besser auf die Wirkstoffe ansprechen [2]. Mehr unter Antidepressiva absetzen.

Ketamin über die Vene (intravenös) ist für die Behandlung einer Depression nicht zugelassen und soll laut NVL nicht außerhalb einer stationären psychiatrischen Behandlung angewendet werden ("soll nicht"). Experimentelle Mittel wie Psilocybin, Botox, Cannabinoid-Produkte oder Lachgas sind für die Behandlung einer Depression nicht zugelassen und sollen laut NVL nur in klinischen Studien angeboten werden ("soll") [1].

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Eine Depression geht laut Fachinformation von Sertralin mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und selbstschädigendes Verhalten einher, und dieses Risiko besteht, bis sich die Beschwerden deutlich bessern. Weil das nicht unbedingt schon in den ersten Behandlungswochen geschieht, sollten Betroffene bis zur Besserung engmaschig überwacht werden, insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen. Betroffene und ihre Betreuungspersonen sind darauf hinzuweisen, auf jede Verschlechterung, auf Suizidgedanken und auf ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten, und sollten dann unverzüglich ärztlichen Rat einholen [5]. Auch die Patientenleitlinie weist darauf hin, dass Antidepressiva zu Beginn der Behandlung möglicherweise das Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche erhöhen [2].

Was Sie selbst tun können

  • Nehmen Sie das Antidepressivum regelmäßig wie verordnet ein. Laut Patientenleitlinie wirken Antidepressiva nur, wenn Sie sie in ausreichender Dosis über einen angemessenen Zeitraum regelmäßig einnehmen [2]. Sagen Sie es in der Praxis, wenn Ihnen die regelmäßige Einnahme schwerfällt.
  • Nennen Sie alle anderen Medikamente, auch rezeptfreie und pflanzliche wie Johanniskraut oder Ginkgo. Sie können laut Patientenleitlinie den Spiegel eines Antidepressivums beeinflussen, ebenso Rauchen oder Grapefruitsaft [2]. Beim Aufschreiben hilft der Medikationsplan.
  • Vereinbaren Sie, wann die Wirkung beurteilt wird. Laut NVL soll das schon vor Beginn der Behandlung mit Ihnen vereinbart werden, für einen Zeitpunkt 3 bis 4 Wochen nach Erreichen der Standarddosis ("soll") [1]. Notieren Sie bis dahin im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch, wie es Ihnen geht.
  • Fragen Sie nach den Möglichkeiten und ihren Vor- und Nachteilen; dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch.

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
  3. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
  4. EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Spravato 28 mg Nasenspray, Lösung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
  5. Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Filmtabletten (25/100/150/200/300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 23.10.2026
  7. Fachinformation Quilonum retard 450 mg Retardtabletten (Deutschland). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber). Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was tun, wenn das Antidepressivum nicht wirkt?

Sprechen Sie es in der Praxis an und setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab. Laut NVL Unipolare Depression sollen zuerst die Ursachen geprüft werden, etwa die regelmäßige Einnahme, die Dosis, der Blutspiegel und weitere Erkrankungen oder Medikamente. Danach nennt die Leitlinie mehrere Möglichkeiten, unter anderem eine zusätzliche Psychotherapie, eine Wirkungsverstärkung mit Lithium oder bestimmten Antipsychotika, ein zweites Antidepressivum oder einen einmaligen Wechsel. Darüber entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie lange dauert es, bis man sagen kann, dass ein Antidepressivum nicht wirkt?

Laut NVL soll ab Erreichen der Standarddosis wegen der Wirklatenz mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob es bei den vereinbarten Therapiezielen eine positive Entwicklung gibt. Bei älteren Menschen erscheinen der Leitlinie 6 Wochen angemessen, weil sie bisweilen verzögert ansprechen. Den Zeitpunkt dieser Beurteilung soll die Praxis schon vor Beginn der Behandlung mit Ihnen vereinbaren.

Helfen Neuroleptika bei Depressionen?

Neuroleptika ist ein anderes Wort für Antipsychotika. Sie haben laut NVL keine spezifisch antidepressive Wirkung, und in der ersten Behandlung einer akuten depressiven Episode gibt es für sie keine Anzeige, außer bei psychotischen Merkmalen oder in Notfällen. Spricht ein Antidepressivum nicht an, sollte laut NVL eine Wirkungsverstärkung mit Quetiapin, Aripiprazol, Olanzapin oder Risperidon in verhältnismäßig niedriger Dosis angeboten werden; zugelassen ist dafür nur Quetiapin als Retardtablette, Aripiprazol, Olanzapin und Risperidon sind dafür nicht zugelassen. Bei einer Depression mit psychotischen Merkmalen sollte eine Kombination aus Antidepressiva und Antipsychotika angeboten werden.

Werden Stimmungsstabilisierer bei Depressionen eingesetzt?

Bei einer unipolaren Depression, die nicht auf ein Antidepressivum anspricht, sollte laut NVL ein Versuch zur Wirkungsverstärkung mit Lithium angeboten werden. Stimmungsstabilisierende Antiepileptika wie Carbamazepin, Lamotrigin oder Valproat sollen bei einer unipolaren Depression dagegen nicht zur Wirkungsverstärkung eingesetzt werden; sie werden laut NVL bei einer bipolaren Depression eingesetzt. Welche Mittel bei einer bipolaren Störung infrage kommen, steht auf der Seite Bipolare Störung.

Helfen ADHS-Medikamente gegen Depressionen?

Psychostimulanzien wie Lisdexamfetamin oder Methylphenidat sollen laut NVL bei einer unipolaren Depression nicht zur Wirkungsverstärkung eingesetzt werden, weil es dafür keinen belastbaren Wirksamkeitsbeleg gibt. Liegt zusätzlich eine ADHS vor, können sie zur Behandlung der ADHS angezeigt sein. Ob das bei Ihnen zutrifft, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Sollte man die Dosis erhöhen, wenn das Antidepressivum nicht wirkt?

Nicht bei allen Antidepressiva. Liegt der Blutspiegel im therapeutischen Bereich, soll die Dosis eines SSRI laut NVL nicht erhöht werden; auch bei MAO-Hemmern in der Standarddosis sowie bei SNRI und trizyklischen Antidepressiva mit einem Blutspiegel im therapeutischen Bereich sollte sie nicht erhöht werden. Anders ist es, wenn die Standarddosis noch nicht erreicht oder der Blutspiegel zu niedrig ist. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Was ist eine therapieresistente Depression?

Als therapieresistent gelten laut NVL allgemein Menschen, die auf mindestens zwei unterschiedliche, ausreichend dosierte Antidepressiva aus verschiedenen Wirkstoffklassen nicht angesprochen haben. Die NVL selbst versteht darunter ein Nichtansprechen auf eine erste Behandlung und auf mindestens eine weitere Strategie. Für diese Lage nennt sie zusätzliche Möglichkeiten, etwa eine Elektrokonvulsionstherapie oder Esketamin als Nasenspray zusätzlich zu einem Antidepressivum.

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