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Sertralin oder Fluoxetin: die Unterschiede
Sertralin und Fluoxetin gehören beide zu den SSRI und hemmen gezielt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem bei den zugelassenen Anwendungsgebieten, auch bei Kindern und Jugendlichen, bei der Halbwertszeit und bei der Hemmung des Leberenzyms CYP2D6; Embryotox nennt für die Schwangerschaft unterschiedlich viel Erfahrung. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was Sertralin und Fluoxetin gemeinsam haben
Sertralin und Fluoxetin gehören zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), einer Gruppe der Antidepressiva. Laut Fachinformation hemmen beide gezielt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin in die Nervenzellen. Bekannt ist Sertralin unter anderem als Zoloft. [2, 4, 5]
Beide sind verschreibungspflichtig und bei Erwachsenen zur Behandlung von Depressionen (Episoden einer Major Depression) und der Zwangsstörung zugelassen. Beide können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. [2, 4]
Nach der NVL Unipolare Depression legt die Studienlage eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der verschiedenen Antidepressiva nahe. Die Leitlinie spricht sich deshalb dafür aus, das Mittel nach den Wünschen der Betroffenen, nach klinischen Kriterien und nach praktischen Gesichtspunkten auszuwählen; dazu zählt sie unter anderem Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, das Risiko für Absetzsymptome und den Aufwand für Kontrollen. [7]
Sertralin und Fluoxetin im Überblick
| Sertralin | Fluoxetin | |
|---|---|---|
| Gruppe | SSRI [2] | SSRI [4] |
| Zugelassen bei Erwachsenen | Depression und Verhinderung ihres Wiederauftretens, Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, soziale Angststörung, PTBS, Zwangsstörung [2] | Depression, Zwangsstörung, Bulimie als Ergänzung zu einer Psychotherapie [4] |
| Kinder und Jugendliche | nur bei Zwangsstörung, von 6 bis 17 Jahren [2] | ab 8 Jahren nur bei mittelgradiger bis schwerer Depression, wenn sie nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht, und nur zusammen mit psychologischer Behandlung [4] |
| Wirkungseintritt | laut Fachinformation kann die Wirkung innerhalb von 7 Tagen einsetzen; ein Ansprechen lässt sich meist erst nach längerer Zeit nachweisen, besonders bei Zwangsstörungen; laut Packungsbeilage brauchen Antidepressiva gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger, bis sie wirken [1, 2] | laut Packungsbeilage brauchen Antidepressiva gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger, bis sie wirken [3] |
| Halbwertszeit | rund 26 Stunden (22 bis 36); Abbauprodukt N-Desmethyl-Sertralin 62 bis 104 Stunden; gleichbleibender Spiegel nach etwa einer Woche [2] | 4 bis 6 Tage; Abbauprodukt Norfluoxetin 4 bis 16 Tage; gleichbleibender Spiegel nach mehreren Wochen; noch 5 bis 6 Wochen nach dem Absetzen wirksame Substanz im Körper [4] |
| Abbau in der Leber | über mehrere Wege, unter anderem CYP3A4, CYP2C19 und CYP2B6 [2] | weitgehend über CYP2D6; hauptsächlich entsteht das ebenfalls wirksame Norfluoxetin [4] |
| Hemmung des Enzyms CYP2D6 | leicht bis mäßig; klinisch relevante Wechselwirkungen besonders bei höheren Dosen [2] | stark [4] |
| Gegenanzeigen laut Fachinformation | Überempfindlichkeit; irreversible MAO-Hemmer; Pimozid [2] | Überempfindlichkeit; irreversible, nicht selektive MAO-Hemmer; Metoprolol bei Herzschwäche [4] |
| Abstand zu irreversiblen MAO-Hemmern nach dem Absetzen | mindestens 7 Tage [2] | mindestens 5 Wochen [4] |
| QT-Zeit im EKG | Fälle von QT-Verlängerung berichtet; Vorsicht bei Risikofaktoren und mit QT-verlängernden Mitteln [2] | Fälle von QT-Verlängerung berichtet; Vorsicht bei Risikofaktoren und mit QT-verlängernden Mitteln [4] |
| Risiko für Absetzsymptome laut NVL | moderat [7] | gering [7] |
| Schwangerschaft laut Embryotox | Erfahrungsumfang sehr hoch; Antidepressivum der Wahl; besser geeignete Alternativen: keine [5] | Erfahrungsumfang hoch; besser geeignete Alternativen: Sertralin und Citalopram [6] |
| Stillzeit laut Embryotox | Antidepressivum der Wahl; Erfahrungen mit etwa 300 stillenden Müttern [5] | Erfahrungen mit über 200 stillenden Müttern; bei Neueinstellung sollte ein anderes SSRI, vor allem Sertralin, bevorzugt werden [6] |
| Abgabe | verschreibungspflichtig [2] | verschreibungspflichtig [4] |
Zu den Angaben von Embryotox: Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Für Depression und Zwangsstörung sind beide bei Erwachsenen zugelassen. Sertralin ist außerdem zugelassen, um ein Wiederauftreten der Depression zu verhindern, und bei Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, sozialer Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Fluoxetin ist bei Erwachsenen zusätzlich bei der Bulimie zugelassen, einer Essstörung: als Ergänzung zu einer Psychotherapie, um Essattacken und selbst herbeigeführtes Erbrechen zu verringern. [2, 4]
Bei Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich die Zulassungen. Sertralin sollte unter 18 Jahren laut Fachinformation nicht angewendet werden, ausgenommen bei Zwangsstörung von 6 bis 17 Jahren; die Wirksamkeit bei Depression ist bei Kindern nicht belegt. Fluoxetin ist ab 8 Jahren nur für mittelgradige bis schwere Episoden einer Depression zugelassen, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht, und sollte dann nur zusammen mit einer psychologischen Behandlung gegeben werden; bei Kindern unter 8 Jahren darf es nicht angewendet werden. [2, 3, 4]
In klinischen Studien traten bei Kindern und Jugendlichen unter Antidepressiva laut beiden Fachinformationen häufiger Suizidversuche, Suizidgedanken und Feindseligkeit auf als unter einem Scheinmedikament (Placebo). Bei beiden sehen die Fachinformationen eine ärztliche Überwachung von Wachstum und Entwicklung vor. Mehr dazu unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 4]
Nebenwirkungen im Vergleich
Bei Sertralin ist Übelkeit laut Fachinformation die am häufigsten berichtete Nebenwirkung; die Nebenwirkungen hängen von der Dosis ab und gehen bei fortdauernder Behandlung meist zurück. Bei Fluoxetin waren Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Müdigkeit und Durchfall am häufigsten; Schwere und Häufigkeit können im Verlauf der Behandlung abnehmen. [2, 4]
| Beschwerde | Sertralin | Fluoxetin |
|---|---|---|
| Übelkeit | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Kopfschmerzen | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Schlaflosigkeit | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Müdigkeit | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Schläfrigkeit | sehr häufig [1] | häufig [3] |
| Schwindel | sehr häufig [1] | häufig [3] |
| Mundtrockenheit | sehr häufig [1] | häufig [3] |
| Weniger Lust auf Sex | häufig [1] | häufig [3] |
| Samenerguss | fehlender Samenerguss: sehr häufig [1] | Ejakulationsstörungen: häufig [4] |
| Gewichtsabnahme | gelegentlich [1] | häufig [3] |
| Vermehrtes Schwitzen | häufig [1] | häufig [3] |
| Zittern | häufig [1] | häufig [3] |
| Quälende Unruhe (Akathisie) | selten [2] | selten [4] |
| Natriummangel | selten [1, 2] | selten [3] |
Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; selten: bis zu 1 von 1.000.
Die Häufigkeiten stammen aus unterschiedlichen Auswertungen: bei Sertralin aus einer gemeinsamen Auswertung placebokontrollierter Studien und aus Daten seit der Markteinführung, bei Fluoxetin aus klinischen Studien mit Erwachsenen und aus Spontanmeldungen. Eine andere Häufigkeitsklasse belegt deshalb nicht, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst. [2, 4]
Zum Gewicht nennt die Packungsbeilage von Sertralin Gewichtszunahme als häufig und Gewichtsabnahme als gelegentlich, die von Fluoxetin Gewichtsverlust als häufig. Eine Gewichtszunahme führen Packungsbeilage und Fachinformation von Fluoxetin nicht auf; daraus lässt sich nicht schließen, dass sie unter Fluoxetin nicht vorkommt. Sexuelle Funktionsstörungen können bei beiden auftreten und blieben in bestimmten Fällen nach dem Ende der Behandlung bestehen. Ausführlich: Gewichtszunahme, sexuelle Probleme und innere Unruhe (Akathisie). [1, 2, 3, 4]
Halbwertszeit und Abbau
Deutlich unterscheiden sich die Angaben zur Halbwertszeit, also der Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert: bei Sertralin im Mittel rund 26 Stunden, bei Fluoxetin 4 bis 6 Tage und bei seinem ebenfalls wirksamen Abbauprodukt Norfluoxetin 4 bis 16 Tage. Wegen dieser langen Halbwertszeiten ist laut Fachinformation auch 5 bis 6 Wochen nach dem Absetzen von Fluoxetin noch wirksame Substanz im Körper. [2, 4]
Laut Fachinformation von Fluoxetin sollte das bei Beginn und Ende der Behandlung bedacht werden, ebenso bei möglichen Wechselwirkungen, zum Beispiel beim Umstellen von Fluoxetin auf ein anderes Antidepressivum. Bei eingeschränkter Leberfunktion sind die Halbwertszeiten beider Wirkstoffe verlängert. [2, 4]
Herz und QT-Zeit

Die QT-Zeit ist ein Abschnitt der elektrischen Herzaktivität, der im EKG sichtbar ist. Unter Sertralin wurde seit der Markteinführung über Verlängerungen der QT-Zeit und die Herzrhythmusstörung Torsade de Pointes berichtet, überwiegend bei Menschen mit erhöhtem Risiko dafür; eine große Studie an Gesunden bestätigte die Wirkung auf die QT-Zeit. Sertralin sollte deshalb bei Herzerkrankungen, niedrigem Kalium oder Magnesium, QT-Verlängerung in der Familie, langsamem Herzschlag und zusammen mit Mitteln, die die QT-Zeit verlängern, mit Vorsicht angewendet werden. [2]
Auch unter Fluoxetin wurden nach der Markteinführung Verlängerungen der QT-Zeit und Herzrhythmusstörungen der Herzkammern einschließlich Torsade de Pointes berichtet. Mit Vorsicht angewendet werden sollte es laut Fachinformation unter anderem bei angeborenem Long-QT-Syndrom, QT-Verlängerung in der Familie, niedrigem Kalium oder Magnesium, langsamem Herzschlag, akutem Herzinfarkt oder dekompensierter Herzschwäche, ebenso zusammen mit Mitteln, die die QT-Zeit verlängern. Bei stabiler Herzerkrankung sollte vor Beginn ein EKG erwogen werden; treten Zeichen von Herzrhythmusstörungen auf, sollte die Behandlung unterbrochen und ein EKG gemacht werden. [4]
Für die Behandlung einer Depression empfiehlt die NVL ein EKG vor Beginn und im ersten Monat bei Menschen mit einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer solchen Erkrankung; das gilt für beide Mittel. Mehr dazu unter Herz und QT-Zeit. [7]
Wechselwirkungen
Fluoxetin ist laut Fachinformation ein starker Hemmer des Leberenzyms CYP2D6. Mittel, die darüber abgebaut werden, etwa die Herzmittel Flecainid und Propafenon, Atomoxetin, Carbamazepin, trizyklische Antidepressiva und Risperidon, sollten am unteren Ende ihres Dosisbereichs begonnen oder daran angepasst werden, auch wenn Fluoxetin in den letzten 5 Wochen eingenommen wurde. Mit dem Brustkrebsmittel Tamoxifen sollte Fluoxetin wann immer möglich nicht kombiniert werden; mit Metoprolol gegen Herzschwäche darf es nicht kombiniert werden. [4]
Sertralin hemmt CYP2D6 laut Fachinformation leicht bis mäßig; klinisch relevante Wechselwirkungen sind besonders bei höheren Sertralin-Dosen möglich. Sertralin selbst wird unter anderem über CYP3A4 abgebaut: Starke CYP3A4-Hemmer, darunter bestimmte Mittel gegen HIV und Pilzinfektionen sowie einige Antibiotika, sollten während der Behandlung vermieden werden, ebenso Grapefruitsaft. Mit dem Antipsychotikum Pimozid darf Sertralin wegen dessen geringer therapeutischer Breite nicht kombiniert werden. [2]
Irreversible MAO-Hemmer dürfen mit keinem der beiden gleichzeitig genommen werden, und nach dem Absetzen gelten laut Fachinformation unterschiedlich lange Wartezeiten, bevor ein solcher MAO-Hemmer beginnt. Bei anderen Mitteln, die auf Serotonin wirken, etwa Tramadol, Triptanen gegen Migräne, Tryptophan, Lithium oder Johanniskraut, mahnen beide Fachinformationen zur Vorsicht beziehungsweise zu ärztlicher Überwachung, unter anderem wegen des Risikos für ein Serotonin-Syndrom. Tryptophan und Johanniskraut sollten laut Fachinformation von Sertralin möglichst nicht zusammen mit Sertralin angewendet werden. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure und blutgerinnungshemmende Mittel können bei beiden das Blutungsrisiko erhöhen. [2, 4]
Die Fachinformation von Sertralin nennt Fluoxetin unter den starken Hemmern des Enzyms CYP2C19, bei denen Wechselwirkungen mit Sertralin nicht ausgeschlossen werden können. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und in der Apotheke, welche Mittel Sie sonst einnehmen oder kürzlich eingenommen haben, auch wenn sie hier nicht genannt sind. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [1, 2, 3]
Schwangerschaft und Stillzeit
Laut Embryotox gehört Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl bei medikamentös behandlungsbedürftiger Depression in der Schwangerschaft; den Erfahrungsumfang gibt Embryotox mit "sehr hoch" an, und eine stabil eingestellte Patientin sollte ihre Medikation unverändert fortsetzen. Für Fluoxetin nennt Embryotox einen hohen Erfahrungsumfang; in einigen Arbeiten wird nach Einnahme im ersten Drittel der Schwangerschaft ein gering erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen diskutiert. Als besser geeignete Alternativen zu Fluoxetin nennt Embryotox Sertralin und Citalopram, und bei der Planung einer Schwangerschaft unter stabiler Einstellung auf Fluoxetin sollte laut Embryotox eine Umstellung angestrebt werden, außer wenn die Einstellung schwierig war. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [5, 6]
In der Stillzeit zählt Embryotox Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl und nennt Erfahrungen mit etwa 300 stillenden Müttern. Für Fluoxetin nennt Embryotox Erfahrungen mit über 200 stillenden Müttern; bei einer Neueinstellung sollte laut Embryotox ein anderes SSRI, vor allem Sertralin, bevorzugt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [5, 6]
In den Fachinformationen heißt es: Sertralin wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen, es sei denn, der zu erwartende Nutzen übertrifft das mögliche Risiko. Fluoxetin darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Zustand der Patientin erfordert die Behandlung und rechtfertigt das mögliche Risiko für das Kind; ein abruptes Absetzen soll vermieden werden. Bei beiden können Neugeborene nach einer Einnahme bis in die späte Schwangerschaft Beschwerden zeigen. Allgemeines dazu unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [2, 4]
Einnahme und Alltag
Sertralin wird einmal täglich morgens oder abends eingenommen und sollte laut Packungsbeilage nicht zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen werden, weil sich dadurch der Wirkstoffspiegel erhöhen kann. Die Fluoxetin-Tabletten können Sie laut Packungsbeilage mit Wasser schlucken oder in einem Glas Wasser zerfallen lassen und sofort vollständig austrinken. [1, 2, 3]
Laut Fachinformation hatte Sertralin in Studien keinen Einfluss auf die psychomotorische Leistungsfähigkeit, und Fluoxetin hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit; beide Fachinformationen weisen aber darauf hin, dass Psychopharmaka solche Fähigkeiten beeinträchtigen können. Beide Packungsbeilagen sagen: Führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Maschinen, solange Sie nicht wissen, wie das Mittel bei Ihnen wirkt. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [1, 2, 3, 4]
Auf Alkohol sollten Sie laut Packungsbeilage von Sertralin verzichten, laut Packungsbeilage von Fluoxetin Alkohol vermeiden. In Untersuchungen mit Gesunden verstärkte Sertralin die Wirkung von Alkohol auf die geistige und psychomotorische Leistungsfähigkeit nicht; Fluoxetin erhöhte in gezielten Untersuchungen den Alkoholspiegel im Blut nicht und verstärkte die Wirkungen des Alkohols nicht. Beide Fachinformationen raten trotzdem von Alkohol während der Behandlung ab. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2, 3, 4]
Ältere Menschen haben laut Fachinformation von Sertralin ein höheres Risiko für einen Natriummangel; bei Fluoxetin wird bei ihnen zur Vorsicht bei einer Dosiserhöhung geraten. Bei eingeschränkter Leberfunktion sollte laut beiden Fachinformationen eine niedrigere Dosis oder eine Einnahme in größeren Abständen erwogen werden; bei schwerer Leberfunktionsstörung sollte Sertralin nicht angewendet werden. Mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 4]
Worauf Sie bei beiden achten sollten
Wer depressiv ist oder an einer Angststörung leidet, kann manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger. Wahrscheinlicher ist das bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, gehen Sie sofort zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus. [1, 3]
Beide Packungsbeilagen nennen außerdem Warnzeichen, bei denen Sie sich umgehend beziehungsweise sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt wenden sollen, darunter schwere Hautreaktionen mit Blasenbildung, Zeichen eines Serotonin-Syndroms wie Fieber, Verwirrtheit und starke Erregtheit, Krampfanfälle und eine manische Phase. Bei einem Ausschlag oder einer allergischen Reaktion sollen Sie laut Packungsbeilage von Fluoxetin die Einnahme sofort beenden und sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren. Quälende Unruhe, bei der Sie nicht still sitzen oder stehen können, tritt am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf; sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine Dosiserhöhung kann laut Packungsbeilage von Sertralin schädlich sein und die Beschwerden laut Packungsbeilage von Fluoxetin verschlechtern. [1, 3]
Wechsel nur ärztlich
Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie keines der beiden Mittel plötzlich ab: Laut beiden Fachinformationen sind Absetzreaktionen häufig, ein plötzliches Absetzen sollte vermieden und die Dosis beim Beenden über mindestens ein bis zwei Wochen schrittweise verringert werden. Die NVL ordnet das Risiko für Absetzsymptome bei Sertralin als moderat und bei Fluoxetin als gering ein; Fluoxetin verursacht laut Leitlinie wegen seiner sehr langen Wirkdauer kaum Absetzsymptome. Die Leitlinie nennt die Studienlage zu dieser Einteilung selbst unbefriedigend. [2, 4, 7]
Zum besten Zeitpunkt einer Umstellung von anderen Antidepressiva auf Sertralin liegen laut Fachinformation nur begrenzt Daten aus kontrollierten Studien vor; eine Umstellung, besonders von lang wirkenden Mitteln wie Fluoxetin, sollte mit Vorsicht und nach sorgfältigem ärztlichem Ermessen erfolgen. Wie Umstellungen ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln, mehr zum Beenden die Seite Antidepressiva absetzen. [2]
Weitere Vergleiche: Sertralin oder Escitalopram, Citalopram oder Escitalopram und Venlafaxin oder Sertralin.
Quellen
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Sertralin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Fluoxetin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist besser, Sertralin oder Fluoxetin?
Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Nach der NVL Unipolare Depression legt die Studienlage eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der verschiedenen Antidepressiva nahe; ausgewählt wird nach den Wünschen der Betroffenen, nach klinischen Kriterien wie Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und Wechselwirkungen und nach praktischen Gesichtspunkten. Diese Abwägung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was ist der Unterschied zwischen Sertralin und Fluoxetin?
Beide sind SSRI und bei Erwachsenen bei Depression und Zwangsstörung zugelassen. Sertralin ist außerdem bei Panikstörung, sozialer Angststörung und PTBS sowie zur Vorbeugung eines Wiederauftretens der Depression zugelassen, Fluoxetin bei Bulimie als Ergänzung zu einer Psychotherapie. Fluoxetin bleibt mit seinem Abbauprodukt Norfluoxetin viel länger im Körper und hemmt laut Fachinformation das Leberenzym CYP2D6 stark, Sertralin leicht bis mäßig. Den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft gibt Embryotox für Sertralin mit sehr hoch, für Fluoxetin mit hoch an.
Nimmt man mit Sertralin oder mit Fluoxetin eher zu?
Bei Sertralin nennt die Packungsbeilage Gewichtszunahme als häufig, kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen, und Gewichtsabnahme als gelegentlich. Bei Fluoxetin sind laut Packungsbeilage Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust häufig; eine Gewichtszunahme führen Packungsbeilage und Fachinformation von Fluoxetin nicht auf. Daraus lässt sich nicht schließen, dass sie unter Fluoxetin nicht vorkommt, und die Häufigkeiten beider Mittel stammen aus unterschiedlichen Studien. Sprechen Sie Veränderungen Ihres Gewichts bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Welches Mittel ist für Kinder und Jugendliche zugelassen?
Sertralin ist bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren nur zur Behandlung einer Zwangsstörung zugelassen; seine Wirksamkeit bei Depression ist bei Kindern laut Fachinformation nicht belegt. Fluoxetin ist ab 8 Jahren nur bei mittelgradigen bis schweren Episoden einer Depression zugelassen, wenn die Depression nach 4 bis 6 Sitzungen nicht auf eine psychologische Behandlung anspricht, und nur zusammen mit einer psychologischen Behandlung; bei Kindern unter 8 Jahren darf es nicht angewendet werden. Bei beiden sehen die Fachinformationen eine ärztliche Überwachung von Wachstum und Entwicklung vor.
Warum bleibt Fluoxetin so lange im Körper?
Fluoxetin wird in der Leber zu Norfluoxetin abgebaut, das ebenfalls wirkt. Laut Fachinformation beträgt die Halbwertszeit von Fluoxetin 4 bis 6 Tage, die von Norfluoxetin 4 bis 16 Tage; wegen dieser langen Halbwertszeiten ist auch 5 bis 6 Wochen nach dem Absetzen noch wirksame Substanz im Körper. Bei Sertralin beträgt die mittlere Halbwertszeit rund 26 Stunden. Die Fachinformation von Fluoxetin rät, die lange Wirkdauer bei Wechselwirkungen zu beachten, etwa wenn auf ein anderes Antidepressivum umgestellt wird.
Kann man Sertralin und Fluoxetin zusammen nehmen?
Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich ein, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat. Laut Fachinformation von Sertralin ist das Risiko eines Serotonin-Syndroms erhöht, wenn andere serotonerge Antidepressiva gleichzeitig angewendet werden, und Wechselwirkungen mit starken Hemmern des Enzyms CYP2C19, zu denen sie Fluoxetin zählt, können nicht ausgeschlossen werden. Wegen der langen Halbwertszeit bleibt Fluoxetin außerdem noch Wochen nach dem Absetzen wirksam.
Kann ich von Fluoxetin auf Sertralin wechseln?
Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung. Laut Fachinformation von Sertralin liegen zum besten Zeitpunkt einer Umstellung nur begrenzt Daten vor; eine Umstellung besonders von lang wirkenden Mitteln wie Fluoxetin sollte mit Vorsicht und nach sorgfältigem ärztlichem Ermessen erfolgen. Setzen Sie Ihr Mittel nicht selbst ab. Wie Umstellungen ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln.
Was ist in der Schwangerschaft zu beachten?
Laut Embryotox gehört Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl in der Schwangerschaft, der Erfahrungsumfang ist sehr hoch. Für Fluoxetin gibt Embryotox einen hohen Erfahrungsumfang an und nennt Sertralin und Citalopram als besser geeignete Alternativen; bei der Planung einer Schwangerschaft unter stabiler Einstellung auf Fluoxetin sollte laut Embryotox eine Umstellung angestrebt werden, außer wenn die Einstellung schwierig war. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein abruptes Absetzen soll in der Schwangerschaft laut Fachinformation von Fluoxetin vermieden werden.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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