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MAO-Hemmer
MAO-Hemmer sind Antidepressiva, die das Enzym Monoaminooxidase blockieren, sodass mehr Serotonin, Noradrenalin und Dopamin für die Signalübertragung im Gehirn zur Verfügung steht. In Deutschland zugelassen sind laut NVL Unipolare Depression Moclobemid, das nur die Form MAO-A und umkehrbar hemmt, und Tranylcypromin, das beide Formen nicht umkehrbar hemmt und laut Fachinformation als Reservemittel angewendet werden sollte. Beide dürfen mit einer Reihe anderer Arzneimittel nicht kombiniert werden; bei Tranylcypromin schreibt die Fachinformation außerdem eine tyraminarme Diät vor.

MAO-Hemmer sind Antidepressiva, die ein Enzym blockieren: die Monoaminooxidase (MAO). Sie baut Botenstoffe wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin ab. Wird sie gehemmt, steigt laut NVL Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis September 2027) die Konzentration dieser Botenstoffe, und sie stehen für die Signalübertragung im Gehirn stärker zur Verfügung. [1, 2]
In Deutschland zugelassen sind laut NVL zwei MAO-Hemmer. Moclobemid hemmt nur die Unterform MAO-A, und zwar umkehrbar (reversibel). Tranylcypromin hemmt beide Unterformen, MAO-A und MAO-B, nicht umkehrbar (irreversibel); nach dem Absetzen muss der Körper deshalb laut NVL erst neue MAO bilden, bis die Wirkung abklingt. Wegen der Hemmung beider Unterformen kann bei Tranylcypromin der Verzehr tyraminhaltiger Lebensmittel, etwa reifer Käsesorten, eine Blutdruckkrise auslösen. [1]
Moclobemid ist laut Fachinformation zugelassen bei depressiven Syndromen, die eine Behandlung mit Medikamenten brauchen, und bei sozialer Phobie im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts; geprüft wurde es in Studien überwiegend bei Menschen mit einer "Major Depression". Tranylcypromin ist zur Behandlung depressiver Episoden zugelassen und sollte als Reserveantidepressivum angewendet werden: wenn eine angemessene Behandlung mit zwei antidepressiven Standardwirkstoffen, einschließlich trizyklischer Antidepressiva, keinen ausreichenden Erfolg gebracht hat oder wenn solche Wirkstoffe nicht angewendet werden dürfen oder nicht vertragen werden. Bei Kindern darf Moclobemid nicht angewendet werden, Tranylcypromin bei Kindern und Jugendlichen nicht. [2, 3]
Beide Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig; sie stehen in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung. Mehr über die Erkrankung und die Möglichkeiten, wenn eine Behandlung nicht ausreichend hilft, lesen Sie auf den Seiten Depression und Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt. [6]
Wirkstoffe der Gruppe
Moclobemidz. B. Aurorix, Moclobemid-1 A Pharma, Moclobemid-neuraxpharmDepression, soziale Phobie
Tranylcyprominz. B. Jatrosom, Tranylcypromin neuraxpharmDepression, wenn andere Antidepressiva nicht ausreichend helfen
Moclobemid hemmt laut Fachinformation vorzugsweise die MAO-A und verringert so den Abbau von Noradrenalin, Dopamin und Serotonin; als Ergebnis bessern sich Stimmung und Antrieb gleichzeitig. Beruhigende Eigenschaften hat es nicht, die Schlafqualität verbessert sich laut Fachinformation im Laufe der Behandlung, und das Reaktionsvermögen beeinträchtigt Moclobemid grundsätzlich nicht. Tranylcypromin gehört zu den irreversiblen und nichtselektiven MAO-Hemmern. Es steigert laut Fachinformation schnell und stark den Antrieb und wirkt aktivierend, während sich die stimmungsaufhellende Wirkung langsamer entwickelt; wie die antidepressive Wirkung zustande kommt, ist nicht vollständig geklärt. [2, 3]
Bei Moclobemid sind Wechselwirkungen mit tyraminreichen Nahrungsmitteln laut Fachinformation unter normalen Bedingungen und bei Einnahme nach den Mahlzeiten klinisch ohne Bedeutung, anders als bei irreversiblen MAO-Hemmern; vorsorglich rät sie, auf größere Mengen besonders tyraminreicher Nahrungsmittel wie alten, sehr reifen Käse zu verzichten. Für Tranylcypromin schreibt die Fachinformation vor, vor, während und nach der Behandlung besondere Diätvorschriften einzuhalten (tyraminarme Diät), um Übelkeit, Kopfschmerzen und Bluthochdruck zu verhindern. Welche Lebensmittel betroffen sind und wie lange die Diät gilt, steht auf der Seite Tranylcypromin; Allgemeines unter Essen, Trinken und Psychopharmaka. [2, 3]
Nebenwirkungen im Vergleich
Als wichtige Nebenwirkungen der MAO-Hemmer nennt die NVL in ihrer Übersicht (Auswahl, Stand 2021) Schlafstörungen, Mundtrockenheit und Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen (Dysorthostase), unter Tranylcypromin außerdem Blutdruckkrisen (hypertensive Krisen). Maßgeblich ist jeweils die aktuelle Fachinformation des Präparats. [1]
Bei Moclobemid können laut Fachinformation zu Beginn der Behandlung Schlaflosigkeit, Nervosität oder Überspanntheit auftreten; bei Menschen mit einer schizophrenen oder schizoaffektiven Psychose ist eine Verstärkung der Beschwerden möglich. Bei Tranylcypromin treten laut Fachinformation besonders zu Beginn Schlafstörungen, ein niedriger Blutdruck und Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen auf; der Blutdruck kann aber auch steigen. Sprechen Sie solche Beschwerden in der Praxis an. [2, 3]
Die Tabelle zeigt für beide Wirkstoffe die höchste Häufigkeitsangabe ihrer Produktinformation für einige Beschwerden. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist. [1]
| Wirkstoff | Schlafstörungen | Unruhe und Nervosität | Schwindel | Niedriger Blutdruck | Blutdruckanstieg | Mundtrockenheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Moclobemid | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Häufig | nicht genannt | Sehr häufig |
| Tranylcypromin | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Eine Blutdruckkrise kann laut Fachinformation von Tranylcypromin mit schnellem Herzschlag, Gesichtsrötung, Kopfschmerzen, vor allem im Hinterkopf, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Lichtscheu einhergehen. In Einzelfällen kann sie zu Blutungen im Schädelinneren führen, besonders wenn die Ernährungsvorschriften nicht beachtet werden oder bei Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen, steht auf der Seite Tranylcypromin. Mehr zu einzelnen Beschwerden: Serotonin-Syndrom und Herz und QT-Zeit. [3]
Wirkungseintritt und Dauer

Moclobemid sollte laut Fachinformation bei depressiven Syndromen mindestens 4 bis 6 Wochen beibehalten werden, um die volle Wirksamkeit beurteilen zu können; eine zeitliche Begrenzung der Anwendungsdauer ist nicht vorgesehen. Bei sozialer Phobie sollte die Behandlung 8 bis 12 Wochen beibehalten werden, um das Ansprechen zu beurteilen; weil die soziale Phobie in der Regel eine chronische Krankheit ist, kann eine Langzeitbehandlung angezeigt sein. [2]
Tranylcypromin steigert laut Fachinformation schon innerhalb von 2 bis 8 Tagen den Antrieb. Mit der stimmungsaufhellenden Wirkung ist laut Fachinformation in der Regel erst nach 1 bis 3 Wochen zu rechnen. Nach Rückbildung der depressiven Beschwerden sollte die Behandlung laut Fachinformation 4 bis 6 Monate weitergeführt werden, eventuell mit einer verringerten Dosis. [3]
Die NVL sagt für Antidepressiva allgemein: Ab Erreichen der Standarddosis soll mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet und dann gemeinsam beurteilt werden, ob die Behandlung hilft. Nach dem Abklingen einer depressiven Episode soll die Einnahme 6 bis 12 Monate darüber hinaus in gleicher Dosis empfohlen werden; nach 2 bis 3 oder mehr Episoden mit bedeutsamen Einschränkungen in den letzten 5 Jahren sollte eine Einnahme über mindestens 2 Jahre empfohlen werden. Die Fachinformationen beider MAO-Hemmer nennen die Rückfallvorbeugung nicht als eigenes Anwendungsgebiet. Wie lange Sie behandelt werden, legen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest; mehr unter Wann wirken Psychopharmaka? und Wie lange werden Psychopharmaka genommen?. [1, 2, 3]
Absetzen
Nach der NVL ist bei MAO-Hemmern ein erhöhtes Risiko für Absetzsyndrome zu erwarten. In ihrer Übersichtstabelle steht Tranylcypromin bei "unklar"; die Übersichtsarbeit, auf die sich die Tabelle stützt, hatte das Risiko als "sehr hoch" eingestuft. Typisch für ein Absetzsyndrom sind laut NVL unter anderem grippeähnliche Beschwerden, Kopfschmerz, Schlafstörungen, Übelkeit, Schwindel sowie Angst und Reizbarkeit. [1]
Das plötzliche Absetzen einer längerfristigen Behandlung mit Tranylcypromin sollte laut Fachinformation vermieden werden, weil Absetzerscheinungen wie Angst, Unruhe (Agitiertheit), Schlafstörungen, Schwindel oder ein Verwirrtheitszustand (Delir) auftreten können. Die Ernährungsvorschriften gelten laut Fachinformation auch nach dem Ende der Behandlung noch eine Zeit lang weiter; wie lange, steht auf der Seite Tranylcypromin. Am Ende einer Erhaltungstherapie soll ein Antidepressivum laut NVL schrittweise abgesetzt werden. [1, 3]
Absetzen und Wechsel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausführlich: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome. [1]
Worauf Sie achten sollten
Depressive Erkrankungen sind laut den Fachinformationen beider MAO-Hemmer mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten verbunden, das bis zu einer deutlichen Besserung besteht; zu Beginn der Behandlung kann das Risiko ansteigen. Auch andere psychische Erkrankungen, für die Moclobemid verschrieben wird, können laut Fachinformation mit einem erhöhten Risiko einhergehen. Fälle von Suizidgedanken oder suizidalem Verhalten wurden während der Behandlung und kurz nach ihrem Ende berichtet. Behandelte und die Menschen, die sie betreuen, sind laut Fachinformation darauf hinzuweisen, auf jede Verschlechterung, auf Suizidgedanken und ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten; treten sie auf, sollten sie unverzüglich medizinischen Rat einholen. [2, 3]
Wechselwirkungen
Moclobemid darf laut Fachinformation (Abschnitt 4.3) nicht zusammen mit Selegilin, Triptanen gegen Migräne, Pethidin, Tramadol, Bupropion, Dextromethorphan und Linezolid angewendet werden. Mit anderen auf Serotonin wirkenden Antidepressiva, etwa SSRI oder Venlafaxin, sollte Moclobemid laut Fachinformation nur mit Vorsicht angewendet werden, die gleichzeitige Gabe von Clomipramin sollte vermieden werden, und die gleichzeitige Anwendung von Johanniskraut empfiehlt sie nicht. Für Tranylcypromin nennt die Fachinformation als Gegenanzeige die gleichzeitige Anwendung von Mitteln mit ausgeprägter Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme (alle SSRI, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran, Sibutramin und Vortioxetin), von L-Tryptophan, Triptanen, Buspiron, Imipramin, indirekten Sympathomimetika, Amphetaminen, Pethidin, Tramadol, Dextromethorphan und Disulfiram sowie von Levodopa, wenn es nicht mit einem Decarboxylasehemmer wie Benserazid oder Carbidopa kombiniert ist; auch die Kombination mit Bupropion soll laut Fachinformation unterbleiben. Als wichtige Wechselwirkung der Gruppe nennt die NVL Mittel mit serotonergem Wirkprofil; mehr dazu unter Serotonin-Syndrom. [1, 2, 3]
Für den Wechsel zwischen einem MAO-Hemmer und anderen Antidepressiva nennen die Fachinformationen Behandlungspausen bzw. Auswaschphasen; ob eine Pause nötig ist und wie lange sie dauert, hängt vom jeweiligen Mittel und von der Richtung des Wechsels ab. Ein überlappender Wechsel auf Tranylcypromin ist laut NVL zu vermeiden, weil die Kombination mit bestimmten Antidepressiva wegen der Gefahr eines Serotonin-Syndroms nicht angewendet werden darf. Die Abstände stehen auf den Seiten Moclobemid und Tranylcypromin; ein Wechsel geschieht immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt (siehe Medikament wechseln). [1, 2, 3]
Auch rezeptfreie Mittel können betroffen sein: Dextromethorphan, das laut Fachinformation von Moclobemid in Mitteln gegen Erkältungskrankheiten enthalten sein kann, darf nicht zusammen mit Moclobemid eingenommen werden, und die Wirkung von im ganzen Körper wirkenden sympathomimetischen Stoffen kann verstärkt und verlängert sein. Vor einem planbaren Eingriff mit Narkosemitteln oder bestimmten Schmerzmitteln sollte laut Fachinformation von Tranylcypromin ein Absetzen in Betracht gezogen werden, weil über Wechselwirkungen irreversibler MAO-Hemmer mit Narkosemitteln berichtet wurde. Das klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen; mehr unter Psychopharmaka vor einer Operation und im Medikationsplan. [2, 3]
Gegenanzeigen und Kontrollen
Moclobemid darf laut Fachinformation unter anderem bei akuten Verwirrtheitszuständen nicht angewendet werden. Bei Tranylcypromin gehören zu den Gegenanzeigen unter anderem ein Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom), Gefäßerkrankungen des Gehirns, Gefäßfehlbildungen wie Aneurysmen, schwere Formen von Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberfunktionsstörungen, schwere Nierenfunktionsstörungen und ein akutes Delir. [2, 3]
Menschen mit erhöhtem oder zu niedrigem Blutdruck oder mit einem erhöhten Risiko für Blutdruckanstiege sollten Tranylcypromin laut Fachinformation nur unter regelmäßiger Kontrolle des Blutdrucks einnehmen. Für Antidepressiva außer den trizyklischen nennt die NVL vor Beginn Kontrollen von Blutbild, Nierenfunktion, Leberwerten, Blutsalzen, Blutdruck, Puls und Körpergewicht, danach weitere Kontrollen im Verlauf; die Abstände versteht sie als Orientierungswerte. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung. [1, 3]
Autofahren
Tranylcypromin hat laut Fachinformation einen geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit, verstärkt durch Alkohol oder andere auf das Gehirn wirkende Mittel. Zu Behandlungsbeginn sollten Sie laut Fachinformation kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen. Ob und wann Sie fahren, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [3]
Schwangerschaft und Stillzeit
Den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft bewertet Embryotox für beide MAO-Hemmer als gering. Bei Moclobemid sollten bei einer Neueinstellung und vor einer geplanten Schwangerschaft laut Embryotox besser untersuchte Antidepressiva bevorzugt werden; bei Tranylcypromin sollte vor einer geplanten Schwangerschaft auf ein besser erprobtes Antidepressivum umgestellt werden, wenn das aus therapeutischer Sicht möglich ist. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox für beide Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [4, 5]
Stillen hält Embryotox bei Moclobemid unter Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel; bei Tranylcypromin ist vom Stillen laut Embryotox eher abzuraten, weil Daten zur Aufnahme beim Kind und Verlaufsbeobachtungen fehlen. Hintergründe: Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [4, 5]
Abgrenzung zu verwandten Gruppen
MAO-Hemmer setzen an einer anderen Stelle an als die meisten Antidepressiva: Sie verringern den Abbau der Botenstoffe, während SSRI, SNRI und trizyklische Antidepressiva laut NVL deren Wiederaufnahme in die Nervenzelle hemmen. Mehrere Mittel aus diesen Gruppen dürfen laut Fachinformation nicht gleichzeitig mit einem MAO-Hemmer eingenommen werden. Einen Überblick über alle Gruppen gibt die Seite Antidepressiva; zu den Untergruppen: SSRI, SNRI, Trizyklische Antidepressiva und Weitere Antidepressiva. [1, 2, 3]
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Moclobemid-neuraxpharm 150 mg und 300 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 07/2015. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Tranylcypromin neuraxpharm 10 mg, 20 mg und 40 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 12/2021. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Moclobemid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Tranylcypromin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Einträge Moclobemid und Tranylcypromin. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche MAO-Hemmer gibt es?
Laut NVL Unipolare Depression sind in Deutschland zwei MAO-Hemmer zur Behandlung von Depressionen zugelassen: Moclobemid und Tranylcypromin. Moclobemid ist unter anderem enthalten in Aurorix und Moclobemid-neuraxpharm, Tranylcypromin unter anderem in Jatrosom und Tranylcypromin neuraxpharm. Beide haben auf dieser Website eine eigene Seite.
Gibt es MAO-Hemmer ohne Rezept?
Nein. Moclobemid und Tranylcypromin stehen in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung und sind damit verschreibungspflichtig. Nehmen Sie keine anderen Mittel ein, auch keine rezeptfreien, ohne vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Apotheke zu fragen; mehrere Wirkstoffe, die zum Beispiel in Husten- und Erkältungsmitteln enthalten sein können, dürfen laut Fachinformation nicht zusammen mit einem MAO-Hemmer eingenommen werden.
Was muss ich bei MAO-Hemmern beim Essen beachten?
Bei Tranylcypromin schreibt die Fachinformation vor, während der Behandlung sowie davor und danach eine tyraminarme Diät einzuhalten, weil tyraminreiche Lebensmittel wie reife Käsesorten laut NVL eine Blutdruckkrise auslösen können. Welche Lebensmittel betroffen sind und wie lange die Diät gilt, steht auf der Seite Tranylcypromin. Bei Moclobemid sind Wechselwirkungen mit Tyramin laut Fachinformation unter normalen Bedingungen und bei Einnahme nach den Mahlzeiten klinisch ohne Bedeutung; vorsorglich rät sie, auf größere Mengen besonders tyraminreicher Lebensmittel wie alten, sehr reifen Käse zu verzichten.
Welche Nebenwirkungen haben MAO-Hemmer?
Die NVL nennt für MAO-Hemmer als wichtige Nebenwirkungen Schlafstörungen, Mundtrockenheit und Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen, unter Tranylcypromin außerdem Blutdruckkrisen. Bei Moclobemid können laut Fachinformation zu Beginn Schlaflosigkeit, Nervosität oder Überspanntheit auftreten, bei Tranylcypromin besonders zu Beginn Schlafstörungen und ein niedriger Blutdruck. Wie häufig einzelne Beschwerden sind, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite.
Darf man MAO-Hemmer mit anderen Antidepressiva kombinieren?
Mit vielen Antidepressiva nicht. Laut Fachinformation darf Moclobemid unter anderem nicht mit Bupropion kombiniert werden; mit anderen auf Serotonin wirkenden Antidepressiva wie SSRI oder Venlafaxin sollte es nur mit Vorsicht angewendet werden, und die gleichzeitige Gabe von Clomipramin sollte vermieden werden. Tranylcypromin darf unter anderem nicht mit SSRI, Clomipramin, Imipramin, Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran und Vortioxetin eingenommen werden. Je nach Mittel drohen ein Serotonin-Syndrom oder Blutdruckkrisen. Für einen Wechsel nennen die Fachinformationen Pausen, deren Länge vom Mittel und von der Richtung des Wechsels abhängt; kombiniert oder gewechselt wird nur auf ärztliche Anordnung.
Wie schnell wirken MAO-Hemmer?
Tranylcypromin steigert laut Fachinformation schon innerhalb von 2 bis 8 Tagen den Antrieb; mit der stimmungsaufhellenden Wirkung ist in der Regel erst nach 1 bis 3 Wochen zu rechnen. Moclobemid sollte bei Depressionen mindestens 4 bis 6 Wochen beibehalten werden, um die volle Wirksamkeit beurteilen zu können. Für Antidepressiva allgemein soll laut NVL ab Erreichen der Standarddosis mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Moclobemid und Tranylcypromin?
Moclobemid hemmt laut NVL umkehrbar nur die MAO-A, Tranylcypromin nicht umkehrbar beide Unterformen. Moclobemid ist bei Depressionen und sozialer Phobie zugelassen, Tranylcypromin bei depressiven Episoden als Reservemittel, wenn zwei Standard-Antidepressiva nicht ausreichend geholfen haben, nicht vertragen werden oder nicht angewendet werden dürfen. Eine tyraminarme Diät schreibt nur die Fachinformation von Tranylcypromin vor. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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