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Weitere Antidepressiva
Unter weiteren Antidepressiva fasst diese Website Agomelatin, Bupropion, Esketamin, Johanniskraut, Mirtazapin, Tianeptin und Trazodon zusammen, also Antidepressiva, die nicht zu den SSRI, SNRI, trizyklischen Antidepressiva oder MAO-Hemmern gehören. Sie wirken laut NVL Unipolare Depression auf unterschiedliche Weise und unterscheiden sich in Nebenwirkungen, Zulassung und Anwendung; Esketamin etwa ist nur zusammen mit einem anderen Antidepressivum zugelassen und wird unter Aufsicht angewendet. Zu Beginn einer Behandlung kann das Risiko für Suizidgedanken steigen; bei solchen Gedanken brauchen Sie sofort Hilfe.

Unter "Weitere Antidepressiva" stehen auf dieser Website Antidepressiva, die nicht zu den SSRI, SNRI, trizyklischen Antidepressiva oder MAO-Hemmern gehören: Agomelatin, Bupropion, Esketamin, Johanniskraut, Mirtazapin, Tianeptin und Trazodon. Eine gemeinsame Wirkweise haben sie nicht. Fast alle Antidepressiva zielen laut NVL Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis September 2027) trotz unterschiedlicher Ansätze darauf, die Menge von Serotonin und/oder Noradrenalin im Spalt zwischen den Nervenzellen zu erhöhen; die NVL beschreibt die Wirkstoffe dieser Gruppe einzeln. [1]
| Wirkstoff | Wie er wirkt |
|---|---|
| Mirtazapin | blockiert Alpha2-Rezeptoren und verstärkt so die Freisetzung von Serotonin und Noradrenalin; die deutliche antihistaminerge Wirkung erklärt laut NVL die beruhigenden und gewichtssteigernden Eigenschaften (gemeinsam mit Mianserin als Alpha2-Rezeptor-Antagonisten eingeordnet, auch NaSSA genannt) |
| Trazodon | blockiert Serotonin-2-Rezeptoren (5-HT2) und hemmt in höherer Dosierung zusätzlich die Wiederaufnahme von Serotonin; wirkt schwach an Alpha2-Rezeptoren und blockiert Histamin-1-Rezeptoren |
| Bupropion | hemmt gezielt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin |
| Agomelatin | blockiert wie Trazodon Serotonin-5-HT2C-Rezeptoren und regt Melatonin-Rezeptoren (MT1, MT2) an; wie weit das zur antidepressiven Wirkung beiträgt, ist unklar; es kann auch schlafregulierende Eigenschaften haben |
| Tianeptin | erhöht anders als andere Antidepressiva nicht die Serotoninkonzentration zwischen den Nervenzellen, sondern verringert sie, indem es die Wiederaufnahme von Serotonin fördert |
| Esketamin | blockiert den NMDA-Rezeptor und hemmt so die Freisetzung von Glutamat; seit 2020 verfügbar; die S-Form (S-Enantiomer) von Ketamin, das seit Jahrzehnten als Narkosemittel eingesetzt wird |
| Johanniskraut | nicht abschließend geklärt, welche Inhaltsstoffe des Extrakts (unter anderem Hyperforin und Hypericin) über welchen Mechanismus wirken |
Die Fachinformationen, die diese Seite auswertet, nennen als Anwendungsgebiet Depressionen, jeweils mit eigenen Grenzen. Mirtazapin ist bei Erwachsenen zur Behandlung depressiver Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) zugelassen, Bupropion zur Behandlung einer depressiven Erkrankung, Agomelatin und Tianeptin zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen. Esketamin ist bei Erwachsenen nur zusammen mit einem anderen Antidepressivum zugelassen: zusammen mit einem SSRI oder SNRI, wenn die aktuelle mittelgradige bis schwere Episode auf mindestens zwei unterschiedliche Behandlungen mit Antidepressiva nicht angesprochen hat, und zusammen mit einer antidepressiven Behandlung zum Einnehmen als akute Kurzzeitbehandlung, wenn die Beschwerden nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen. [2, 3, 4, 5, 6]
Johanniskraut ist ein pflanzliches Arzneimittel; Jarsin 300 mg etwa wird laut Packungsbeilage bei leichten depressiven Störungen angewendet. Verschreibungspflichtig ist Johanniskraut laut Arzneimittelverschreibungsverordnung nur zur Behandlung mittelschwerer Depressionen. Die Anwendungsgebiete von Trazodon und aller anderen Wirkstoffe stehen kurz in der Liste unten und ausführlich auf den Wirkstoffseiten. [7, 8]
Wirkstoffe der Gruppe
Agomelatinz. B. Agomelatin AbZ, Agomelatin-ratiopharm, ValdoxanDepression bei Erwachsenen
Bupropionz. B. Bupropion-ratiopharm, Elontril, ZybanDepressionen
Esketaminz. B. SpravatoTherapieresistente Depression, psychiatrischer Notfall bei Depression
Johanniskrautz. B. Jarsin 300 mg, Jarsin 450 mgLeichte depressive Störungen (pflanzlich)
Mirtazapinz. B. Mirtazapin-ratiopharmDepressionen (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen
Tianeptinz. B. Tianeurax, TianesanEpisoden einer Major Depression bei Erwachsenen
Trazodonz. B. Trazodon-neuraxpharm, Trazodon HEXALDepressive Erkrankungen
Esketamin unterscheidet sich auch in der Anwendung. Das Nasenspray wenden Sie laut EMA-Produktinformation selbst unter der direkten Aufsicht von medizinischem Fachpersonal an; zu jeder Sitzung gehört eine Nachbeobachtung in einem geeigneten medizinischen Umfeld. Die Entscheidung zur Verordnung trifft eine Psychiaterin oder ein Psychiater, das Mittel unterliegt der besonderen und eingeschränkten ärztlichen Verschreibung und soll an die Einrichtungen geliefert werden, in denen es angewendet wird. Um Missbrauch zu verhindern oder zu verringern, muss in jedem EU-Staat, in dem Esketamin auf dem Markt ist, ein Programm für einen kontrollierten Zugang bestehen. Nach der NVL kann Esketamin bei einer mittelgradigen bis schweren Episode, die auf mehrere angemessene Behandlungsversuche nicht angesprochen hat, im stationären oder teilstationären Rahmen zusätzlich zu einem Antidepressivum angeboten werden (offene Empfehlung, "kann"). Mehr dazu: Ketamin und Esketamin. [1, 5]
Für Johanniskraut gibt die NVL eine offene Empfehlung: Bei leichten depressiven Episoden kann nach Aufklärung über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen ein erster Behandlungsversuch mit einem als Arzneimittel zugelassenen Präparat angeboten werden, bei mittelschweren mit einem für diesen Bereich zugelassenen Präparat. Die Leitlinie unterscheidet dabei zwischen standardisierten Extrakten in apothekenpflichtigen Arzneimitteln und frei verkäuflichen Präparaten, deren Zusammensetzung sehr unterschiedlich ist. Verwandte Mittel stellt die Seite Pflanzliche Psychopharmaka vor. [1]
Bei Menschen ab 75 Jahren ist die Wirksamkeit von Agomelatin laut Fachinformation nicht belegt, es sollte bei ihnen deshalb nicht angewendet werden. Bei Menschen mit Risikofaktoren für Krampfanfälle ist bei Bupropion das Risiko für Krampfanfälle erhöht. Wie sich Mirtazapin und Trazodon unterscheiden, zeigt der Vergleich Mirtazapin oder Trazodon. [3, 4]
Nebenwirkungen im Vergleich
Die NVL nennt in ihrer Übersicht (Auswahl, Stand 2021) für die meisten Wirkstoffe dieser Gruppe eigene wichtige Nebenwirkungen; es gilt jeweils die aktuelle Fachinformation des Präparats. [1]
| Wirkstoff | Wichtige Nebenwirkungen |
|---|---|
| Mirtazapin (und Mianserin) | Müdigkeit (Sedierung), Appetit- und Gewichtszunahme, Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen, Albträume |
| Trazodon | Müdigkeit, Kreislaufregulationsstörungen beim Aufstehen |
| Bupropion | Unruhe, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Mundtrockenheit, Appetitverlust, Zittern, epileptische Anfälle |
| Agomelatin | Leberfunktionsstörungen, Müdigkeit, Albträume |
| Tianeptin | Appetitminderung, Schlafstörungen; Vorsicht vor missbräuchlicher Verwendung |
Esketamin und Johanniskraut stehen nicht in dieser Übersicht. Esketamin kann laut EMA-Produktinformation vorübergehend eine Sedierung, ein Gefühl des Abgespaltenseins (dissoziative Zustände), Wahrnehmungsstörungen und einen erhöhten Blutdruck hervorrufen; deshalb werden Sie während und nach jeder Sitzung überwacht. Johanniskraut darf laut Packungsbeilage bei bekannter Lichtüberempfindlichkeit der Haut nicht eingenommen werden, und während der Einnahme soll eine intensive UV-Bestrahlung vermieden werden, etwa lange Sonnenbäder und Solarien. [5, 7]
Die folgende Tabelle zeigt für jeden Wirkstoff mit Datensatz die höchste Häufigkeitsangabe seiner Produktinformation für einige Beschwerden. Sie ist keine Rangliste: Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde, nicht, wie stark sie ist. Welches Mittel zu Ihnen passt, hängt laut NVL von vielen weiteren Kriterien ab. [1]
| Wirkstoff | Müdigkeit | Schlafstörungen | Unruhe und Nervosität | Gewichtszunahme | Übelkeit | Kopfschmerzen | Schwindel | Mundtrockenheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Agomelatin | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Häufig | Sehr häufig | Häufig | nicht genannt |
| Bupropion | Häufig | Sehr häufig | Häufig | nicht genannt | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig |
| Esketamin | Sehr häufig | nicht genannt | Häufig | nicht genannt | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig |
| Johanniskraut | Nicht bekannt | nicht genannt | Nicht bekannt | nicht genannt | Nicht bekannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
| Mirtazapin | Sehr häufig | Häufig | Gelegentlich | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig |
| Tianeptin | Häufig | Häufig | nicht genannt | nicht genannt | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Trazodon | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Mehr zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Unruhe, sexuelle Funktionsstörungen und Veränderungen des Blutbilds.
Wirkungseintritt und Dauer

Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die NVL, die Behandlung in der Regel mit einer niedrigen Anfangsdosis zu beginnen ("soll") und, soweit die Verträglichkeit es erlaubt, so schnell wie möglich auf die empfohlene Standarddosis zu steigern ("sollte"). Ab dann rechnet sie mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen, bei älteren Menschen mit bis zu 6 Wochen; danach soll gemeinsam beurteilt werden, ob die Behandlung hilft. Bis dahin soll die Verträglichkeit sorgfältig überwacht werden, besonders auf Anzeichen, die auf ein steigendes Suizidrisiko hindeuten. [1]
Esketamin beschreibt die NVL als neuen Ansatz der medikamentösen Behandlung, dessen Stärke vor allem der schnelle Wirkungseintritt ist. Wie oft es angewendet wird und wann sein Nutzen beurteilt wird, steht auf der Seite Esketamin. [1]
Nach dem Abklingen einer depressiven Episode soll die Einnahme eines Antidepressivums laut NVL 6 bis 12 Monate darüber hinaus in gleicher Dosis empfohlen werden; nach 2 bis 3 oder mehr Episoden mit bedeutsamen Einschränkungen in den letzten 5 Jahren sollte eine Einnahme über mindestens 2 Jahre empfohlen werden. Die Fachinformationen, auf die sich diese Seite stützt, nennen die Rückfallvorbeugung nicht als eigenes Anwendungsgebiet. Wie lange Sie behandelt werden, legen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest; mehr unter Wann wirken Psychopharmaka?, Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt. [1, 2, 3, 4, 5, 6]
Absetzen
Beim Beenden der Behandlung unterscheiden sich die Angaben der Fachinformationen. Mirtazapin sollte laut Fachinformation schrittweise abgesetzt werden, um Absetzsymptome zu vermeiden; die meisten Absetzsymptome sind laut Fachinformation leicht und klingen von selbst ab, sie können aber auch mit der Grunderkrankung zusammenhängen. Bei Bupropion wurden Absetzsymptome in Studien nicht beobachtet, wegen seiner Wirkweise lassen sie sich laut Fachinformation aber nicht ausschließen; ein Ausschleichen kann in Betracht gezogen werden. Bei Tianeptin sollte ein abruptes Absetzen vermieden werden; die Dosis muss laut Fachinformation schrittweise über 7 bis 14 Tage verringert werden, um das Risiko für Entzugserscheinungen gering zu halten. Für Agomelatin und Esketamin ist laut EMA-Produktinformation kein Ausschleichen erforderlich. [2, 3, 4, 5, 6]
In der Übersicht der NVL zum Risiko für Absetzsyndrome stehen Mirtazapin und Bupropion bei "unklar", mit geringer Evidenz, Agomelatin bei "gering". Ist geplant, ein Antidepressivum am Ende der Erhaltungstherapie abzusetzen, soll das laut NVL schrittweise geschehen, um eine Rebound-Depression und Absetzsymptome zu vermeiden. [1]
Ob und wann die Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; Absetzen und Wechsel geschehen immer in Absprache. Ausführlich: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome. [1]
Worauf Sie achten sollten
Depressive Erkrankungen sind laut den Fachinformationen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten verbunden, das bis zu einer deutlichen Besserung besteht; zu Beginn der Behandlung kann das Risiko ansteigen. Bei Esketamin kann das Suizidrisiko laut EMA-Produktinformation in den frühen Phasen des Ansprechens steigen; dass Esketamin Suiziden vorbeugt oder Suizidgedanken verringert, ist nicht nachgewiesen, und eine Aufnahme ins Krankenhaus kann nötig sein, auch wenn es nach der ersten Anwendung besser geht. Bei Mirtazapin, Bupropion und Tianeptin wurden Suizidgedanken und suizidales Verhalten laut Fachinformation auch kurz nach dem Ende der Behandlung berichtet. Behandelte und die Menschen, die sie betreuen, sind laut den Fachinformationen darauf hinzuweisen, auf jede Verschlechterung, auf Suizidgedanken und ungewöhnliche Verhaltensänderungen zu achten; treten sie auf, sollten sie unverzüglich medizinischen Rat einholen. [2, 3, 4, 5, 6]
Besondere Hinweise einzelner Wirkstoffe
- Agomelatin: Nach der Markteinführung wurden Fälle von Leberschädigung berichtet, die meisten in den ersten Behandlungsmonaten. Die Leberwerte sollen laut Fachinformation vor Beginn kontrolliert werden und dann nach etwa 3, 6, 12 und 24 Wochen sowie nach einer Dosissteigerung. Bei Anzeichen einer möglichen Leberschädigung, etwa dunklem Urin, hell gefärbtem Stuhl, gelber Haut oder gelben Augen, Schmerzen im rechten Oberbauch oder anhaltender, neu auftretender und unerklärlicher Müdigkeit, holen Sie laut EMA-Produktinformation unverzüglich ärztlichen Rat ein; laut Fachinformation ist Agomelatin dann sofort abzusetzen. [4]
- Bupropion: Das Risiko für Krampfanfälle hängt laut Fachinformation von der Dosis ab; die empfohlene Dosis sollte deshalb nicht überschritten werden. [3]
- Mirtazapin: Unter Mirtazapin wurde über eine gestörte Blutbildung im Knochenmark berichtet, etwa einen Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen. Die Ärztin oder der Arzt sollte laut Fachinformation auf Fieber, Halsschmerzen, Entzündungen der Mundschleimhaut und andere Zeichen einer Infektion achten; melden Sie solche Beschwerden in der Praxis. [2]
- Tianeptin: Es kann zu Missbrauch und Abhängigkeit kommen, besonders bei Menschen unter 50 Jahren, die früher Alkohol oder Drogen missbraucht haben. Wer früher von Medikamenten oder Alkohol abhängig war, sollte laut Fachinformation unter strenger Überwachung stehen, damit die Dosis nicht erhöht wird. [6]
- Esketamin: Laut EMA-Produktinformation sollten Sie schon vor der Anwendung angewiesen werden, bis zum folgenden Tag nach einem erholsamen Schlaf kein Fahrzeug zu führen und keine Maschinen zu bedienen. [5]
- Johanniskraut: Es kann die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen oder verstärken. Laut Packungsbeilage darf es unter anderem nicht zusammen mit Mitteln gegen Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen, bestimmten Mitteln gegen HIV, bestimmten Krebsmitteln und blutgerinnungshemmenden Mitteln vom Cumarin-Typ eingenommen werden. Bei hormoneller Verhütung kann ihre Sicherheit herabgesetzt sein; deshalb sollten zusätzliche Verhütungsmaßnahmen ergriffen werden. [7]
Wechselwirkungen
Als wichtige Wechselwirkungen nennt die NVL für Mirtazapin und Mianserin Mittel mit serotonergem Wirkprofil, für Trazodon dämpfende Mittel und Mittel, die Alpha2-Rezeptoren blockieren, und für Bupropion Mittel, die die Krampfschwelle senken, MAO-Hemmer und Mittel, die auf Dopamin wirken. Bei Johanniskraut können wegen der Wirkung auf das Leberenzym CYP3A4 schwerwiegende Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten; vor Beginn eines Antidepressivums, besonders bei Johanniskraut, empfiehlt die NVL bei Menschen, die mehrere Medikamente nehmen, eine Prüfung auf Wechselwirkungen. Mehr: Psychopharmaka kombinieren, Psychopharmaka und Verhütung und Medikationsplan. [1]
Kontrollen
Für Antidepressiva außer den trizyklischen nennt die NVL vor Beginn Kontrollen von Blutbild, Nierenfunktion, Leberwerten, Blutsalzen, Blutdruck, Puls und Körpergewicht, danach weitere Kontrollen im Verlauf; die Abstände versteht sie als Orientierungswerte. Unter Mirtazapin und Mianserin sieht sie häufigere Kontrollen von Blutdruck und Körpergewicht vor, bei Agomelatin die zusätzlichen Leberkontrollen der Hersteller. Bei Bupropion sollte laut Fachinformation zu Beginn der Blutdruck bestimmt werden. Einzelheiten: Kontrollen während der Behandlung. [1, 3]
Schwangerschaft und Stillzeit
Für Mirtazapin bewertet Embryotox den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft als hoch; Mirtazapin kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden. Für Bupropion ist der Erfahrungsumfang sehr hoch; bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox zunächst die am besten untersuchten Mittel Sertralin und Citalopram bevorzugt werden, kommen sie nicht infrage, kann Bupropion verordnet werden. Für Johanniskraut ist der Erfahrungsumfang mittel; bei einer Neueinstellung und vor einer geplanten Schwangerschaft sollten besser untersuchte Antidepressiva bevorzugt werden, Embryotox nennt Sertralin und Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [9, 10, 11]
Stillen hält Embryotox bei Mirtazapin und Johanniskraut bei Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes für akzeptabel, bei Bupropion unter Vorbehalt. Die Fachinformationen von Mirtazapin und Bupropion verlangen, den Nutzen des Stillens für das Kind gegen den Nutzen der Behandlung für die Frau abzuwägen, und laut Packungsbeilage sollte Jarsin 300 mg in der Stillzeit nur angewendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt es für unbedingt notwendig hält. Angaben zu Agomelatin, Esketamin, Tianeptin und Trazodon stehen auf den jeweiligen Wirkstoffseiten, die Zusammenhänge unter Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit. [2, 3, 7, 9, 10, 11]
Kinder und Jugendliche
Mirtazapin sollte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren laut Fachinformation nicht angewendet werden, Bupropion ist für diese Altersgruppe nicht angezeigt (indiziert), und Agomelatin wird zur Behandlung der Depression unter 18 Jahren nicht empfohlen. Tianeptin darf unter 15 Jahren nicht und sollte von 15 bis unter 18 Jahren nicht angewendet werden. Bei Esketamin sind Sicherheit und Wirksamkeit bis 17 Jahre nicht erwiesen. Jarsin 300 mg ist laut Packungsbeilage für Erwachsene und Heranwachsende über 12 Jahre bestimmt. Hinweise für Eltern: Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 3, 4, 5, 6, 7]
Abgrenzung zu verwandten Gruppen
Mirtazapin ähnelt laut Embryotox den tetrazyklischen Antidepressiva, die die NVL zusammen mit den trizyklischen behandelt; sie selbst ordnet Mirtazapin aber den Alpha2-Rezeptor-Antagonisten zu (siehe Trizyklische Antidepressiva). Lithiumsalze zählen laut NVL im engeren Sinn nicht zu den Antidepressiva (siehe Stimmungsstabilisierer). Einen Überblick über alle Gruppen gibt die Seite Antidepressiva. [1, 9]
Mianserin
Die NVL zählt Mianserin zusammen mit Mirtazapin zu den Alpha2-Rezeptor-Antagonisten. Ob Mianserin in Deutschland noch im Handel ist, ist nicht belegt; eine eigene Wirkstoffseite gibt es hier deshalb nicht. Fragen zu einem Präparat beantwortet Ihre Apotheke. [1]
Vom deutschen Markt genommen: Vortioxetin
Vortioxetin (Brintellix) nahm der Hersteller Lundbeck 2016 vom deutschen Markt. Weil er sich mit dem GKV-Spitzenverband nicht auf einen Erstattungsbetrag einigen konnte, stellte er den Vertrieb in Deutschland zum 15. August 2016 ein und rief die Tabletten und Tropfen zurück; der Rückruf erfolgte nach seiner Angabe nicht aus Gründen der Arzneimittelsicherheit. Zugelassen blieb das Mittel nach Angabe des Herstellers auch in Deutschland, und die Zulassung in der Europäischen Union besteht laut EMA weiter. [12, 13]
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF). Stand 07/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Valdoxan (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2025. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation), und Anhang II. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Tianeurax 12,5 mg Filmtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2020. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Jarsin 300 mg überzogene Tabletten. Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 01/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Johanniskraut. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Mirtazapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Bupropion. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Johanniskraut. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Erstattungspreise: Lundbeck stellt Brintellix-Vertrieb ein (Bericht mit Herstellerangabe). APOTHEKE ADHOC. Stand 09.08.2016. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Brintellix (Vortioxetin): EPAR, Status zugelassen. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche Antidepressiva gehören zu den weiteren Antidepressiva?
Auf dieser Website sind das Agomelatin, Bupropion, Esketamin, Johanniskraut, Mirtazapin, Tianeptin und Trazodon, also Antidepressiva, die nicht zu den SSRI, SNRI, trizyklischen Antidepressiva oder MAO-Hemmern gehören. Die NVL Unipolare Depression beschreibt ihre Wirkweise einzeln; Mirtazapin zählt sie zusammen mit Mianserin zu den Alpha2-Rezeptor-Antagonisten.
Ist Mirtazapin ein Schlafmittel?
Nein. Mirtazapin ist laut Fachinformation nur zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen zugelassen. Laut NVL hat es eine deutliche antihistaminerge Wirkung, die seine beruhigenden und gewichtssteigernden Eigenschaften erklärt. Wenn Sie schlecht schlafen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr auf der Seite Mirtazapin zum Schlafen.
Ist Bupropion bei ADHS zugelassen?
Nein. Zur Behandlung von ADHS ist Bupropion nicht zugelassen: Die Fachinformation von Bupropion-ratiopharm nennt als Anwendungsgebiet nur die Behandlung einer depressiven Erkrankung (Episoden einer Major Depression), Embryotox außerdem die Nikotinentwöhnung. Welche Mittel bei ADHS zugelassen sind, zeigt die Seite ADHS-Medikamente.
Ist Johanniskraut rezeptfrei?
Das hängt vom Anwendungsgebiet ab. Laut Arzneimittelverschreibungsverordnung ist Johanniskraut nur zur Behandlung mittelschwerer Depressionen verschreibungspflichtig; Jarsin 300 mg etwa wird laut Packungsbeilage bei leichten depressiven Störungen angewendet. Johanniskraut kann die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen oder verstärken; sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Gibt es Vortioxetin in Deutschland?
Der Hersteller Lundbeck stellte den Vertrieb von Vortioxetin in Deutschland 2016 ein, weil er sich mit dem GKV-Spitzenverband nicht auf einen Erstattungsbetrag einigen konnte; das Mittel blieb nach seiner Angabe in Deutschland zugelassen. Die Zulassung in der Europäischen Union besteht laut EMA weiter. Eine eigene Wirkstoffseite gibt es hier nicht.
Was ist Mianserin?
Die NVL Unipolare Depression zählt Mianserin zusammen mit Mirtazapin zu den Alpha2-Rezeptor-Antagonisten. Ob Mianserin in Deutschland noch im Handel ist, ist nicht belegt; eine eigene Wirkstoffseite gibt es hier deshalb nicht.
Welche weiteren Antidepressiva können zu einer Gewichtszunahme führen?
Eine Rangliste gibt diese Seite nicht. Die NVL nennt Appetit- und Gewichtszunahme als wichtige Nebenwirkung von Mirtazapin und Mianserin; wie häufig die Produktinformationen der einzelnen Wirkstoffe eine Gewichtszunahme angeben, zeigt die Vergleichstabelle auf dieser Seite. Welches Mittel für Sie infrage kommt, wird ärztlich mit Ihnen entschieden.
Wie wird Esketamin angewendet?
Esketamin ist ein Nasenspray, das Sie laut EMA-Produktinformation selbst unter der direkten Aufsicht von medizinischem Fachpersonal anwenden. Zu jeder Sitzung gehört eine Nachbeobachtung in einem geeigneten medizinischen Umfeld; die Entscheidung zur Verordnung trifft eine Psychiaterin oder ein Psychiater. Laut den Bedingungen der Zulassung soll das Mittel an die Einrichtungen geliefert werden, in denen es angewendet wird.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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