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Lorazepam oder Diazepam: die Unterschiede
Lorazepam und Diazepam gehören beide zu den Benzodiazepinen und verstärken im Gehirn die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA; bei beiden besteht laut Fachinformation schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen die Gefahr einer Abhängigkeit. Unterschiede beschreiben die Fachinformationen unter anderem bei den zugelassenen Anwendungsgebieten, bei der Halbwertszeit, beim Abbau im Körper und bei den Gegenanzeigen. Welches Mittel für Sie infrage kommt und wie lange, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was Lorazepam und Diazepam gemeinsam haben
Lorazepam und Diazepam gehören zu den Benzodiazepinen. Beide binden im Gehirn an Benzodiazepin-Rezeptoren, die eng mit den Andockstellen des hemmenden Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure (GABA) zusammenhängen, und verstärken dessen hemmende Wirkung. Laut Fachinformation dämpfen beide Angst, Spannung und Erregung, wirken beruhigend und schlaffördernd, senken die Muskelspannung und wirken gegen Krampfanfälle, Diazepam laut seiner Fachinformation in höheren Dosen. Bekannt ist Lorazepam unter anderem als Tavor, Diazepam unter anderem als Valium. [2, 4, 5, 6]
Alle Benzodiazepine wirken laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen abhängig von der Dosis angstlösend, beruhigend, muskelentspannend und gegen Krampfanfälle. Sie unterscheiden sich darin, wie stark sie an ihre Rezeptoren binden und wie der Körper sie aufnimmt, verteilt und abbaut. Die Leitlinie in der Version 1.1 von 2021 war bis Ende Juli 2025 gültig und ist abgelaufen. [8]
Beide sind verschreibungspflichtig und stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Ausgenommen sind Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilte Form, zum Beispiel je Tablette, bis zu einer bestimmten Menge des Wirkstoffs enthalten, bei Diazepam außerdem Sirup und Tropflösung bis zu einem bestimmten Gehalt und einer bestimmten Menge je Packung. Für ausgenommene Zubereitungen gelten die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr; mehr unter Reisen mit Psychopharmaka. [2, 4, 7]
Lorazepam und Diazepam im Überblick
| Lorazepam | Diazepam | |
|---|---|---|
| Gruppe | Benzodiazepin [2] | Benzodiazepin [4] |
| Zugelassen bei | Kurzzeitbehandlung schwerwiegender Angst-, Spannungs- und Erregungszustände und dadurch bedingter Schlafstörungen; Beruhigung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen [2] | akute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände; Beruhigung vor chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen und Behandlung danach; Zustände mit erhöhter Muskelspannung [4] |
| Kinder und Jugendliche | sollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden, außer zur Beruhigung vor Eingriffen; unter 6 Jahren nicht [1, 2] | nicht bei Neugeborenen und Säuglingen bis 6 Monate; sonst nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko [4] |
| Halbwertszeit | 12 bis 16 Stunden (verschiedene Studien); laut Fachinformation mittellang [2] | bis zu 48 Stunden; wirksames Abbauprodukt N-Desmethyldiazepam bis zu 100 Stunden [4] |
| Halbwertszeit im Alter | abgesehen von den ersten Lebenstagen ohne wesentliche Altersabhängigkeit [2] | bei älteren Menschen möglicherweise verlängert [4] |
| Abbau im Körper | fast vollständig zu einem Glukuronid, das im Tierversuch kaum wirksam war [2] | über CYP3A und CYP2C19 vor allem zu wirksamen Abbauprodukten (N-Desmethyldiazepam, Temazepam, Oxazepam) [4] |
| Dauer der Behandlung | grundsätzlich nur kurz, zum Beispiel höchstens 4 Wochen; Langzeitanwendung nicht empfohlen [2] | einschließlich der schrittweisen Absetzphase höchstens 4 Wochen; länger nur nach erneuter Beurteilung [4] |
| Abhängigkeit | primäres Abhängigkeitspotenzial; Gefahr schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen [2] | primäres Abhängigkeitspotenzial; Gefahr schon bei täglicher Anwendung über wenige Wochen [4] |
| Gegenanzeigen | Überempfindlichkeit, auch gegen andere Benzodiazepine; Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit in der Vorgeschichte [2] | Überempfindlichkeit, auch gegen andere Benzodiazepine; Abhängigkeit in der Vorgeschichte; akute Vergiftung mit Alkohol, Schlaf-, Schmerz- oder Psychopharmaka; Myasthenia gravis; schwere Ateminsuffizienz; Schlafapnoe-Syndrom; schwere Leberinsuffizienz; Neugeborene und Säuglinge bis 6 Monate [4] |
| Nur mit Vorsicht | Myasthenia gravis; spinale und zerebellare Ataxie; akute Vergiftung mit Alkohol oder dämpfenden Arzneimitteln; Atemfunktionsstörungen wie Schlafapnoe; schwere Leberinsuffizienz; Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Herzschwäche oder niedriger Blutdruck; ältere Menschen [1, 2] | spinale und zerebellare Ataxien; ältere oder geschwächte Menschen; eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion [4] |
| Schwangerschaft laut Fachinformation | sollte nicht angewendet werden, besonders im ersten und letzten Drittel [2] | nur, wenn eindeutig erforderlich [4] |
| Schwangerschaft laut Embryotox | Erfahrungsumfang mittel [5] | Erfahrungsumfang sehr hoch [6] |
Grundlage sind Fachinformation und Packungsbeilage der Lorazepam-Tabletten von neuraxpharm und der Diazepam-Tabletten mit 10 mg von STADA. Für andere Präparate und Darreichungsformen gelten ihre eigenen Produktinformationen.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Lorazepam ist zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen und dadurch bedingten Schlafstörungen zugelassen, wenn diese Zustände schwerwiegend sind, die Betroffenen beeinträchtigen oder unzumutbar belasten, außerdem zur Beruhigung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen. Die Diazepam-Tabletten sind bei akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen zugelassen, zur Beruhigung und Vorbereitung vor chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen und zur Behandlung danach sowie, anders als Lorazepam, bei Zuständen mit erhöhter Muskelspannung. Als Schlafmittel ist die Anwendung bei beiden nur gerechtfertigt, wenn ihre Wirkungen gleichzeitig auch am Tag erwünscht sind. Mehr unter Schlafstörungen und Psychopharmaka vor einer Operation. [1, 2, 3, 4]
Menschen mit einer Angststörung sollen Benzodiazepine laut S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen trotz ihrer Wirksamkeit wegen der gravierenden Nebenwirkungen, etwa der Entwicklung einer Abhängigkeit, nicht angeboten werden (Empfehlungsgrad A bei Panikstörung und generalisierter Angststörung, Klinischer Konsenspunkt bei sozialer Phobie). In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei schweren Herzerkrankungen oder Gegenanzeigen gegen die Standardmedikamente, können sie laut Leitlinie nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken zeitlich befristet angewendet werden. Die Leitlinie in der Version 2 von 2021 war laut DGPPN bis 05.04.2026 gültig und ist abgelaufen. Mehr unter Angststörungen. [9]
Halbwertszeit und Abbau im Körper
Für die Halbwertszeit von Lorazepam nennt die Fachinformation Werte von 12 bis 16 Stunden aus verschiedenen Studien. Bei Diazepam beträgt die Halbwertszeit bis zu 48 Stunden, bei seinem wirksamen Abbauprodukt N-Desmethyldiazepam bis zu 100 Stunden. Die höchsten Konzentrationen im Blut erreicht Diazepam nach 30 bis 90 Minuten; bei Lorazepam wurden sie nach 1 bis 2,5 Stunden gemessen. Wann die Wirkung einsetzt, geben beide Fachinformationen nicht an. [2, 4]
Lorazepam wird laut Fachinformation fast vollständig in ein Glukuronid umgewandelt, das im Tierversuch kaum wirksam war, und überwiegend mit dem Urin ausgeschieden. Diazepam wird über die Leberenzyme CYP3A und CYP2C19 vor allem zu Abbauprodukten umgewandelt, die selbst wirksam sind: N-Desmethyldiazepam, Temazepam und Oxazepam. Wegen der langsamen Ausscheidung ist laut Fachinformation von Diazepam auch nach dem Ende der Behandlung noch mit Wechselwirkungen zu rechnen. [2, 4]
Die Halbwertszeit von Lorazepam zeigt laut Fachinformation, abgesehen von den ersten Lebenstagen, keine wesentliche Altersabhängigkeit; schwere Leberfunktionsstörungen können sie verlängern. Bei Diazepam ist sie bei Neugeborenen, älteren Menschen und bei Lebererkrankungen möglicherweise verlängert. Für ältere oder geschwächte Menschen sehen beide Fachinformationen Vorsicht und eine niedrigere Dosis vor, und beide nennen eine Sturzgefahr; mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 4]
Die S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen nennt in Kapitel 3.2 (Abschnitt Klinische Pharmakologie) Diazepam als Beispiel für eine lange und Lorazepam als Beispiel für eine kurze Wirkdauer; die Fachinformation von Lorazepam ordnet es dagegen in Abschnitt 4.4 den Benzodiazepinen mit mittellanger Halbwertszeit zu. [2, 8]
Nebenwirkungen im Vergleich

Nebenwirkungen zeigen sich laut beiden Fachinformationen vor allem zu Beginn der Behandlung und können im weiteren Verlauf schwächer werden. Paradoxe Reaktionen, also Wirkungen entgegen der erwarteten Beruhigung wie Angst, Erregung oder aggressives Verhalten, können bei beiden vor allem bei Kindern und älteren Menschen auftreten. Dann muss die Behandlung laut Fachinformation von Lorazepam (Abschnitt 4.4) beendet werden, in Abschnitt 4.8 heißt es "sollte"; laut Fachinformation von Diazepam sollte sie beendet werden. [2, 4]
| Beschwerde | Lorazepam | Diazepam |
|---|---|---|
| Beruhigung, Müdigkeit, Benommenheit | sehr häufig [1, 2] | sehr häufig [3, 4] |
| Schwindelgefühl | häufig [1, 2] | sehr häufig [3, 4] |
| Verwirrtheit | häufig [1, 2] | sehr häufig [3, 4] |
| Gang- und Bewegungsunsicherheit (Ataxie) | häufig [1, 2] | sehr häufig [3, 4] |
| Kopfschmerzen | nicht bekannt [1, 2] | sehr häufig [3, 4] |
| Gedächtnislücken (Amnesie) | nicht bekannt [1, 2] | zeitlich begrenzte Gedächtnislücken: sehr häufig [3] |
| Depression | häufig, auch Hervortreten einer verdeckten Depression [1, 2] | gelegentlich [3, 4] |
| Übelkeit | gelegentlich [1, 2] | gelegentlich [3, 4] |
| Veränderungen des sexuellen Verlangens | gelegentlich [1, 2] | gelegentlich [3, 4] |
| Zittern | nicht bekannt [1, 2] | nicht bekannt [3, 4] |
| Gedämpfte Atmung (Atemdepression) | nicht bekannt [1, 2] | gelegentlich, einschließlich Atemstillstand [3, 4] |
| Blutdruckabfall | nicht bekannt [1, 2] | gelegentlich [3, 4] |
Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.
Die Tabelle ist keine Rangfolge: Die Klassen stammen aus zwei getrennten Produktinformationen verschiedener Hersteller, und keine der beiden Fachinformationen beschreibt einen direkten Vergleich mit dem anderen Mittel. Eine andere Klasse belegt deshalb nicht, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst. [2, 4]
Gewöhnung, Abhängigkeit und Missbrauch
Für beide Wirkstoffe nennt die Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial: Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit Dosis und Dauer. Bei Lorazepam ist es laut Fachinformation höher bei Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch in der Vorgeschichte und bei schweren Persönlichkeitsstörungen, bei Diazepam bei einer Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit in der Vorgeschichte. Eine frühere Abhängigkeit ist bei beiden eine Gegenanzeige. [1, 2, 3, 4]
Laut Fachinformation von Lorazepam gibt es Hinweise auf eine Gewöhnung (Toleranz) gegenüber der beruhigenden Wirkung; bei Diazepam kann es nach wiederholter Einnahme über wenige Wochen zu einem Verlust an Wirksamkeit kommen. Die Packungsbeilage von Diazepam bittet, die Dosis auf keinen Fall selbst zu erhöhen und die Abstände zwischen den Einnahmen nicht zu verkürzen, auch wenn die Wirkung nachlässt; das kann ein erstes Zeichen einer entstehenden Abhängigkeit sein. [2, 3, 4]
Im Abhängigkeitsrisiko unterscheiden sich die Benzodiazepine laut S3-Leitlinie nur graduell; es steigt mit höheren Dosen und längerer Einnahme. Die in der Fachinformation von Diazepam abgedruckten Empfehlungen des Sachverständigenausschusses der Bundesregierung weisen darauf hin, dass es Abhängigkeit auch ohne Dosissteigerung gibt, außerdem die sogenannte Niedrigdosis-Abhängigkeit. [4, 8]
Lorazepam hat laut Fachinformation außerdem ein Missbrauchspotenzial; Behandelte sollten entsprechend überwacht und über die sichere Aufbewahrung und Entsorgung nicht verwendeter Tabletten aufgeklärt werden. Auch die in der Fachinformation von Diazepam abgedruckten Empfehlungen des Sachverständigenausschusses nennen den Missbrauch von Benzodiazepinen als Anlass zur Besorgnis. Beide Packungsbeilagen bitten, das Mittel nicht an andere weiterzugeben. Mehr unter Lorazepam und Abhängigkeit und Machen Psychopharmaka abhängig? [1, 2, 3, 4]
Absetzen und Entzugserscheinungen
Nach einer Anwendung über mehr als 1 Woche sollte die Behandlung laut beiden Fachinformationen durch schrittweise Verringerung der Dosis beendet werden; auch laut S3-Leitlinie soll das Absetzen nach regelmäßiger, längerer Einnahme schrittweise erfolgen. Wie das bei Ihnen aussieht, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest. [2, 4, 8]
Bei Lorazepam können laut Fachinformation schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme nach dem Absetzen Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird. Ein plötzliches Absetzen oder eine schnelle Verringerung der Dosis nach Langzeitanwendung kann Entzugssymptome auslösen, die lebensbedrohlich sein können. Zu den schwereren zählt die Fachinformation Delirium tremens, Depression, Halluzinationen, Manie, Psychose, Krampfanfälle und Suizidalität; die Packungsbeilage nennt ausdrücklich Suizidgedanken und Suizidversuche. Haben Sie solche Gedanken, holen Sie sich sofort Hilfe. [1, 2]
Hat sich bei Diazepam eine körperliche Abhängigkeit entwickelt, treten laut Fachinformation beim plötzlichen Abbruch Entzugssymptome auf, zum Beispiel Schlafstörungen, Kopf- und Muskelschmerzen, Angst, innere Unruhe, Schwitzen, Zittern, Verwirrtheit und Reizbarkeit, in schweren Fällen unter anderem Halluzinationen oder epileptische Anfälle. Absetzerscheinungen können laut Packungsbeilage nach längerem Gebrauch oft mit einigen Tagen Verzögerung auftreten. [3, 4]
Bei beiden können die ursprünglichen Beschwerden beim Absetzen vorübergehend verstärkt zurückkehren (Rebound). Für Benzodiazepine allgemein beschreibt die S3-Leitlinie, dass sich eigentliche Entzugssymptome zu schweren, bedrohlichen Zuständen mit Krampfanfällen, schwerer Depression, einem Delir oder Psychosen entwickeln können. Zählt die Fachinformation eines Mittels eine Entzugserscheinung nicht auf, die bei dem anderen genannt ist, heißt das also nicht, dass sie bei diesem Mittel ausgeschlossen ist. Ausführlich: Benzodiazepine und Z-Substanzen absetzen. [2, 4, 8]
Worauf Sie bei beiden achten sollten
Bei Menschen mit Depression können die depressiven Beschwerden unter beiden Mitteln hervortreten oder sich verstärken. Eine Behandlung mit Benzodiazepinen kann laut Fachinformation von Lorazepam bei ihnen suizidale Tendenzen zum Vorschein bringen und sollte nicht ohne angemessene antidepressive Behandlung erfolgen; die Fachinformation von Diazepam nennt eine Suizidgefahr, wenn die Depression nicht geeignet mit Antidepressiva behandelt wird. Die Packungsbeilage von Lorazepam zählt Suizidgedanken und Suizidversuche zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen, bei denen die Behandlung sofort beendet werden muss; informieren Sie dann umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder wenden Sie sich an den medizinischen Notdienst. [1, 2, 4]
Zusammen mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln, erhöhen beide Mittel das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden und Koma, und das kann lebensbedrohlich sein. Die gleichzeitige Anwendung sollte laut beiden Packungsbeilagen nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Alkohol ist laut Packungsbeilage von Lorazepam zu vermeiden, bei Diazepam sollten Sie ihn meiden; er kann die Wirkung beider Mittel auf nicht vorhersehbare Weise verändern und verstärken. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 3]
Beide Fachinformationen nennen außerdem eigene Wechselwirkungen: bei Diazepam unter anderem Hemmer der Leberenzyme CYP3A oder CYP2C19 wie Cimetidin, Omeprazol und die Antidepressiva Fluvoxamin und Fluoxetin, die die Beruhigung vertiefen und verlängern können; bei Lorazepam unter anderem Valproinsäure, die die Konzentration im Blut erhöhen kann. Was für Ihre Arzneimittel gilt, prüfen Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder die Apotheke. [2, 4]
Beide können auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen, verstärkt zusammen mit Alkohol. Laut Fachinformation von Lorazepam sollten Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen, solange sich nicht gezeigt hat, dass Lorazepam Ihre Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Bei Diazepam sollten Fahren, die Bedienung von Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten laut Fachinformation ganz, zumindest jedoch in den ersten Tagen der Behandlung unterbleiben. Die Entscheidung im Einzelfall trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [2, 4]
Schwangerschaft und Stillzeit
In der Schwangerschaft sollte Lorazepam laut Fachinformation nicht angewendet werden, besonders im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel; Diazepam darf laut seiner Fachinformation nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist. Wer schwanger werden möchte oder eine Schwangerschaft vermutet, sollte sich laut beiden Fachinformationen an die Ärztin oder den Arzt wenden. Kinder können nach regelmäßiger Einnahme gegen Ende der Schwangerschaft (Lorazepam) bzw. nach längerer Einnahme in der Schwangerschaft (Diazepam) eine körperliche Abhängigkeit entwickeln und nach der Geburt Entzugssymptome zeigen. [2, 4]
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft für Lorazepam mit mittel und für Diazepam mit sehr hoch an. Wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen wie Krampfanfällen und Delirien muss laut Embryotox auf ein abruptes Absetzen in der Schwangerschaft in jedem Fall verzichtet werden. Bei der Planung einer Behandlung oder einer Schwangerschaft sollten laut Embryotox je nach Grund der Behandlung besser geeignete Psychopharmaka eingesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [5, 6]
In der Stillzeit sollte Lorazepam laut Fachinformation nicht eingenommen werden, es sei denn, der zu erwartende Nutzen für die Mutter überwiegt das mögliche Risiko für den Säugling. Unter Diazepam sollte laut Fachinformation nicht gestillt werden; ist die Behandlung zwingend nötig, ist abzustillen. Mehr unter Schwangerschaft und Stillzeit. [2, 4]
Wechsel nur ärztlich
Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Fachinformation von Diazepam kann sich eine Entzugssymptomatik einstellen, wenn auf ein Benzodiazepin mit deutlich kürzerer Eliminationshalbwertszeit gewechselt wird. Wie Umstellungen grundsätzlich ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln. [4]
Weitere Vergleiche: Lorazepam oder Alprazolam und Diazepam oder Oxazepam.
Quellen
- Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Diazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand 14.11.2023 (letzte Änderung). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen, Langfassung, Version 1.1 (AWMF-Register-Nr. 038-025), Kapitel 3.2 (Benzodiazepine und verwandte Substanzen). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand Version 1.1, Stand 14.01.2021 (gültig bis Ende Juli 2025, abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Langfassung, Version 2 (AWMF-Register-Nr. 051-028). Bandelow B., Beutel M. E. u. a. (Textredaktion B. Bandelow); Federführung laut DGPPN-Übersicht: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Stand Version 2.0, Stand 06.04.2021 (nächste Überprüfung geplant 04/2026; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 05.04.2026, abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lorazepam und Diazepam?
Beide sind Benzodiazepine und verstärken die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA. Laut Fachinformation sind die Diazepam-Tabletten zusätzlich bei erhöhter Muskelspannung zugelassen. Die Halbwertszeit beträgt bei Diazepam bis zu 48 Stunden, bei Lorazepam 12 bis 16 Stunden, und abgebaut werden beide auf verschiedenen Wegen. Myasthenia gravis, Schlafapnoe-Syndrom und schwere Leberinsuffizienz sind bei Diazepam Gegenanzeigen; Lorazepam sollte dann laut Fachinformation nur mit Vorsicht angewendet werden.
Was ist besser, Lorazepam oder Diazepam?
Eine allgemeine Antwort geben die Quellen nicht. Für beide nennen die Fachinformationen ein primäres Abhängigkeitspotenzial, und im Abhängigkeitsrisiko unterscheiden sich Benzodiazepine laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen nur graduell. Menschen mit einer Angststörung sollen Benzodiazepine laut der inzwischen abgelaufenen S3-Leitlinie Angststörungen wegen der gravierenden Nebenwirkungen, etwa einer Abhängigkeit, nicht angeboten werden, außer in Ausnahmefällen. Ob und welches Mittel infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.
Wirkt Diazepam länger als Lorazepam?
Eine Wirkdauer in Stunden nennen die Fachinformationen nicht. Sie nennen die Halbwertszeit: bei Diazepam bis zu 48 Stunden und bei seinem wirksamen Abbauprodukt N-Desmethyldiazepam bis zu 100 Stunden, bei Lorazepam in verschiedenen Studien 12 bis 16 Stunden. Weil Diazepam nur langsam ausgeschieden wird, ist laut Fachinformation auch nach dem Ende der Behandlung noch mit Wechselwirkungen zu rechnen. Die S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen nennt in Kapitel 3.2 Diazepam als Beispiel für eine lange und Lorazepam als Beispiel für eine kurze Wirkdauer; die Fachinformation von Lorazepam zählt es in Abschnitt 4.4 zu den Benzodiazepinen mit mittellanger Halbwertszeit.
Macht Lorazepam oder Diazepam schneller abhängig?
Eine Rangfolge nennen die Fachinformationen nicht. Beide sprechen von einem primären Abhängigkeitspotenzial: Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich. Laut S3-Leitlinie unterscheiden sich die Benzodiazepine im Abhängigkeitsrisiko nur graduell; es steigt mit höheren Dosen und längerer Einnahme.
Kann man Lorazepam und Diazepam zusammen nehmen?
Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich ein, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat. Beide Fachinformationen nennen andere Beruhigungs- und Schlafmittel und angstlösende Mittel (Anxiolytika) unter den Arzneimitteln, mit denen sich die dämpfende Wirkung gegenseitig verstärken kann. Informieren Sie die Praxis und die Apotheke über alle Mittel, die Sie einnehmen.
Kann ich von Lorazepam auf Diazepam wechseln?
Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung; wechseln Sie nicht selbst und setzen Sie Ihr Mittel nicht plötzlich ab. Laut Fachinformation von Diazepam kann sich eine Entzugssymptomatik einstellen, wenn auf ein Benzodiazepin mit deutlich kürzerer Eliminationshalbwertszeit gewechselt wird. Wie ein Wechsel abläuft, legt die Praxis mit Ihnen fest.
Sind Tavor und Valium dasselbe?
Nein. Tavor ist ein Handelsname für Arzneimittel mit Lorazepam, Valium einer für Arzneimittel mit Diazepam. Beide Wirkstoffe gehören zu den Benzodiazepinen; welche Präparate es jeweils gibt, steht auf den Seiten Lorazepam und Diazepam.
Was gilt in der Schwangerschaft?
Lorazepam sollte laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, besonders im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel; Diazepam darf laut seiner Fachinformation nur angewendet werden, wenn es eindeutig erforderlich ist. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang für Lorazepam mit mittel und für Diazepam mit sehr hoch an. Auf ein abruptes Absetzen muss laut Embryotox wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen in jedem Fall verzichtet werden. Setzen Sie nichts selbst ab und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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