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Lorazepam oder Alprazolam: die Unterschiede

Lorazepam und Alprazolam gehören beide zu den Benzodiazepinen und können laut Fachinformation auch in therapeutischer Dosis abhängig machen; ihre Halbwertszeiten geben die Fachinformationen mit 12 bis 16 Stunden (Lorazepam) und im Mittel 12 bis 15 Stunden (Alprazolam) an. Unterschiede beschreiben die Fachinformationen unter anderem bei den zugelassenen Anwendungsgebieten, bei der Höchstdauer der Behandlung, beim Abbau im Körper und bei den Gegenanzeigen. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Frau in den Dreißigern mit kurzen blonden Haaren steht am Morgen mit geschlossenen Augen auf einem begrünten Balkon und atmet ruhig
Bild: KI-generiert

Was Lorazepam und Alprazolam gemeinsam haben

Lorazepam und Alprazolam gehören zu den Benzodiazepinen, die laut Embryotox über eine Verstärkung der hemmenden Signalübertragung durch den Botenstoff GABA im Gehirn wirken. Laut Fachinformation dämpfen beide Angst und wirken beruhigend und schlaffördernd, senken die Muskelspannung und wirken gegen Krampfanfälle. Bekannt ist Lorazepam unter anderem als Tavor, Alprazolam unter anderem als Tafil. [2, 4, 5, 6]

Beide sind verschreibungspflichtig und stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Ausgenommen sind Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilte Form, zum Beispiel je Tablette, bis zu einer bestimmten Menge des Wirkstoffs enthalten; für sie gelten die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr. Mehr unter Reisen mit Psychopharmaka. [2, 4, 7]

Lorazepam und Alprazolam im Überblick

Lorazepam und Alprazolam laut Fachinformation, Packungsbeilage, Embryotox und Betäubungsmittelgesetz
LorazepamAlprazolam
GruppeBenzodiazepin [2]Benzodiazepin [4]
Zugelassen beiKurzzeitbehandlung schwerwiegender Angst-, Spannungs- und Erregungszustände und dadurch bedingter Schlafstörungen; Beruhigung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen [2]nur symptomatische Behandlung von Angstzuständen, wenn die Störung schwer oder behindernd ist oder extreme Beschwerden verursacht [4]
Kinder und Jugendlichesollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden, außer zur Beruhigung vor Eingriffen; unter 6 Jahren nicht [1, 2]unter 18 Jahren nicht empfohlen [4]
Halbwertszeit12 bis 16 Stunden (verschiedene Studien) [2]im Mittel 12 bis 15 Stunden [4]
Halbwertszeit im Alterabgesehen von den ersten Lebenstagen ohne wesentliche Altersabhängigkeit [2]bei älteren Menschen signifikant erhöht [4]
Abbau im Körperfast vollständig zu einem Glukuronid, das im Tierversuch kaum wirksam war [2]Konzentration im Blut hängt vor allem vom Leberenzym CYP3A4 ab; die Abbauprodukte tragen nur wenig zur Wirkung bei [4]
Dauer der Behandlunggrundsätzlich nur kurz, zum Beispiel höchstens 4 Wochen; Langzeitanwendung nicht empfohlen [2]so kurz wie möglich; einschließlich der Absetzphase höchstens 8 bis 12 Wochen [3, 4]
Abhängigkeitprimäres Abhängigkeitspotenzial; Gefahr schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen, auch im therapeutischen Dosisbereich [2]auch bei therapeutischen Dosen und ohne besondere Risikofaktoren möglich; höheres Risiko bei gemeinsamer Anwendung verschiedener Benzodiazepine [4]
Abhängigkeit oder Missbrauch in der VorgeschichteArzneimittel- oder Drogenabhängigkeit: Gegenanzeige [2]Alkohol- oder Drogenmissbrauch: nur mit äußerster Vorsicht [4]
Weitere GegenanzeigenÜberempfindlichkeit, auch gegen andere Benzodiazepine [2]Überempfindlichkeit, auch gegen andere Benzodiazepine; Myasthenia gravis; schwere Ateminsuffizienz; Schlafapnoe-Syndrom; schwere Leberfunktionsstörung; akute Vergiftung mit Alkohol oder anderen auf das Gehirn wirkenden Stoffen [4]
Nur mit VorsichtMyasthenia gravis; spinale und zerebellare Ataxie; akute Vergiftung mit Alkohol oder dämpfenden Arzneimitteln; Atemfunktionsstörungen wie Schlafapnoe; schwere Leberinsuffizienz; Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Herzschwäche oder niedriger Blutdruck; ältere Menschen [1, 2]eingeschränkte Nierenfunktion; leichte bis mittelschwere Leberfunktionsstörung; ältere Menschen [4]
Schwangerschaft laut Produktinformationsollte nicht angewendet werden, besonders im ersten und letzten Drittel [2]nur in Ausnahmefällen und aus zwingenden Gründen (Packungsbeilage 2026) [3]
Schwangerschaft laut EmbryotoxErfahrungsumfang mittel [5]Erfahrungsumfang hoch [6]

Grundlage sind Fachinformation und Packungsbeilage der Lorazepam-Tabletten von neuraxpharm (beide 02/2026) und der Alprazolam-Tabletten mit 1,0 mg von ratiopharm (Packungsbeilage 03/2026, Fachinformation 07/2018). Für andere Präparate gelten ihre eigenen Produktinformationen.

Zugelassene Anwendungsgebiete

Lorazepam ist zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen und dadurch bedingten Schlafstörungen zugelassen, wenn diese Zustände schwerwiegend sind, die Betroffenen beeinträchtigen oder unzumutbar belasten, außerdem zur Beruhigung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen. Als Schlafmittel ist die Anwendung laut Fachinformation nur gerechtfertigt, wenn die Wirkungen auch am Tag erwünscht sind. [1, 2]

Alprazolam ist nur zur symptomatischen Behandlung von Angstzuständen zugelassen. Laut Fachinformation gilt das nur, wenn die Störung schwer oder behindernd ist oder die Betroffenen infolge der Störung unter extremen Beschwerden leiden; laut Packungsbeilage soll Alprazolam nur angewendet werden, wenn die Angstzustände Sie stark im täglichen Leben beeinträchtigen. Mehr unter Angststörungen und Schlafstörungen. [3, 4]

Menschen mit einer Angststörung sollen Benzodiazepine laut S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen trotz ihrer Wirksamkeit wegen der gravierenden Nebenwirkungen, etwa der Entwicklung einer Abhängigkeit, nicht angeboten werden (Empfehlungsgrad A bei Panikstörung und generalisierter Angststörung, Klinischer Konsenspunkt bei sozialer Phobie). In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei schweren Herzerkrankungen oder Gegenanzeigen gegen die Standardmedikamente, können sie nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken zeitlich befristet angewendet werden. Die Leitlinie in der Version 2 von 2021 war laut DGPPN bis 05.04.2026 gültig und ist abgelaufen. Mehr unter Panikstörung. [9]

Halbwertszeit und Abbau im Körper

Für die Halbwertszeit von Lorazepam nennt die Fachinformation Werte von 12 bis 16 Stunden aus verschiedenen Studien, für Alprazolam eine mittlere Halbwertszeit von 12 bis 15 Stunden. Wann die Wirkung einsetzt, geben beide Fachinformationen nicht an. [2, 4]

Lorazepam wird laut Fachinformation fast vollständig in ein Glukuronid umgewandelt, das im Tierversuch kaum wirksam war. Bei Alprazolam hängt die Konzentration im Blut laut Fachinformation von Leberenzymen ab, vor allem von CYP3A4; seine Abbauprodukte tragen nur wenig zur Wirkung bei. [2, 4]

Bei älteren Menschen wird Alprazolam laut Fachinformation langsamer aus dem Körper entfernt, und die Halbwertszeit ist signifikant erhöht. Die Halbwertszeit von Lorazepam zeigt laut Fachinformation, abgesehen von den ersten Lebenstagen, keine wesentliche Altersabhängigkeit. Für ältere oder geschwächte Menschen sehen beide Fachinformationen Vorsicht und eine niedrigere Dosis vor, und beide nennen ein erhöhtes Sturzrisiko durch Beruhigung oder Muskelschwäche; mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 4]

Wie lange behandelt wird

Grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut Fachinformation von Lorazepam nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen; eine fortgesetzte Anwendung sollte nur bei zwingendem Grund nach sorgfältiger Abwägung erfolgen, und eine Langzeitanwendung von Lorazepam wird nicht empfohlen. Vor Beginn sollten Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt laut Packungsbeilage vereinbaren, wie lange Sie Lorazepam einnehmen. [1, 2]

Bei Alprazolam sollte die Gesamtdauer einschließlich der schrittweisen Absetzphase laut Packungsbeilage 8 bis 12 Wochen nicht übersteigen, letztlich entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Die Fachinformation von 2018 schreibt, die Gesamtdauer einschließlich der Absetzphase dürfe 8 bis 12 Wochen nicht überschreiten; in bestimmten Fällen könne eine längere Behandlung nötig werden, der Zustand sollte dann vor einer Fortführung erneut beurteilt werden. Bedarf und Dosis sind regelmäßig zu überprüfen. Mehr unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [3, 4]

Nebenwirkungen im Vergleich

Bei Lorazepam sind Nebenwirkungen laut Fachinformation vor allem zu Beginn der Behandlung zu erwarten und können im weiteren Verlauf abklingen. Bei Alprazolam nennen Fachinformation und Packungsbeilage das für einen Teil der Nebenwirkungen, etwa Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Schwindelgefühl und Muskelschwäche: Sie treten vorwiegend zu Beginn oder bei höherer Dosis auf und bilden sich in der Regel im weiteren Verlauf zurück. Paradoxe Reaktionen, also Wirkungen entgegen der erwarteten Beruhigung wie Ruhelosigkeit, Erregung oder aggressives Verhalten, sind bei beiden besonders bei Kindern und älteren Menschen möglich. Dann muss die Behandlung laut Fachinformation von Lorazepam (Abschnitt 4.4) beendet werden, in Abschnitt 4.8 heißt es "sollte"; laut Fachinformation von Alprazolam sollte sie beendet werden. [1, 2, 3, 4]

Ausgewählte Nebenwirkungen von Lorazepam und Alprazolam mit Häufigkeitsangabe der Produktinformation
BeschwerdeLorazepamAlprazolam
Beruhigung, Schläfrigkeit, MüdigkeitBeruhigung, Müdigkeit, Benommenheit: sehr häufig [1, 2]Beruhigung, Schläfrigkeit: sehr häufig; Ermüdung: nicht bekannt [3, 4]
Schwindelgefühlhäufig [1, 2]häufig [3, 4]
Verwirrtheithäufig [1, 2]häufig [3, 4]
Bewegungs- und Koordinationsstörungen (Ataxie)häufig [1, 2]häufig [3, 4]
Depressionhäufig, auch Hervortreten einer verdeckten Depression [1, 2]häufig [3, 4]
Kopfschmerzennicht bekannt [1, 2]häufig [3, 4]
Gedächtnislücken (Amnesie)nicht bekannt [1, 2]gelegentlich; eingeschränktes Erinnerungsvermögen: häufig [3, 4]
Übelkeitgelegentlich [1, 2]häufig [3, 4]
Veränderungen des sexuellen Verlangensgelegentlich [1, 2]gelegentlich [3, 4]
Zitternnicht bekannt [1, 2]gelegentlich [3, 4]
Niedriger Blutdrucknicht bekannt [1, 2]nicht bekannt [3, 4]

Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Die Tabelle ist keine Rangfolge: Die Klassen stammen aus zwei getrennten Produktinformationen verschiedener Hersteller, und keine der beiden Fachinformationen beschreibt einen direkten Vergleich mit dem anderen Mittel. Eine andere Klasse belegt deshalb nicht, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst. [2, 4]

Gewöhnung, Abhängigkeit und Missbrauch

Mann in den Fünfzigern mit grauem Bartschatten malt am Küchentisch mit Wasserfarben ein kleines Bild
Bild: KI-generiert

Lorazepam hat laut Fachinformation ein primäres Abhängigkeitspotenzial: Schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich, und das Risiko steigt mit Dosis und Dauer. Bei Alprazolam kann der Gebrauch laut Fachinformation zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen; das Risiko steigt mit der Dosis und der Behandlungsdauer, und eine Abhängigkeit kann auch bei therapeutischen Dosen und bei Menschen ohne besondere Risikofaktoren entstehen. Werden verschiedene Benzodiazepine gemeinsam angewendet, ist das Risiko laut Fachinformation von Alprazolam erhöht. [2, 4]

Eine frühere Abhängigkeit von Arzneimitteln, Alkohol oder Drogen ist bei Lorazepam eine Gegenanzeige; bei Alprazolam sollten Benzodiazepine nach Alkohol- oder Drogenmissbrauch laut Fachinformation nur mit äußerster Vorsicht angewendet werden. Ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko nennen beide Fachinformationen bei Missbrauch in der Vorgeschichte, die von Lorazepam auch bei schweren Persönlichkeitsstörungen. [1, 2, 4]

Bei Lorazepam gibt es laut Fachinformation Hinweise auf eine Gewöhnung (Toleranz) gegenüber der beruhigenden Wirkung. Bei Alprazolam kann die Wirkung laut Packungsbeilage nachlassen, wenn es über einige Wochen ohne Unterbrechung eingenommen wird. Auch Missbrauch nennen beide Fachinformationen. Zusammen mit Opioiden kann es laut Fachinformation von Alprazolam zu einer gesteigerten Euphorie kommen, die eine psychische Abhängigkeit verstärken kann. [2, 3, 4]

Im Abhängigkeitsrisiko unterscheiden sich die Benzodiazepine laut S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen nur graduell; es steigt mit höheren Dosen und längerer Einnahme. Die Leitlinie in der Version 1.1 von 2021 war bis Ende Juli 2025 gültig und ist abgelaufen. Beide Packungsbeilagen bitten, das Mittel nicht an andere weiterzugeben. Mehr unter Lorazepam und Abhängigkeit und Machen Psychopharmaka abhängig? [1, 3, 8]

Absetzen und Entzugserscheinungen

Beide Fachinformationen sehen vor, die Behandlung durch schrittweise Verringerung der Dosis zu beenden, weil nach plötzlichem Absetzen Rebound- und Entzugserscheinungen auftreten können. Auch laut S3-Leitlinie soll das Absetzen nach regelmäßiger, längerer Einnahme schrittweise erfolgen. Wie das bei Ihnen aussieht, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest. [2, 4, 8]

Bei Lorazepam können laut Fachinformation schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme nach dem Absetzen Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird. Ein plötzliches Absetzen oder eine schnelle Verringerung der Dosis nach Langzeitanwendung kann Entzugssymptome auslösen, die lebensbedrohlich sein können. Zu den schwereren zählt die Fachinformation Delirium tremens, Depression, Halluzinationen, Manie, Psychose, Krampfanfälle und Suizidalität; die Packungsbeilage nennt ausdrücklich Suizidgedanken und Suizidversuche. Haben Sie solche Gedanken, holen Sie sich sofort Hilfe. [1, 2]

Ist es bei Alprazolam zu einer körperlichen Abhängigkeit gekommen, entwickeln sich laut Fachinformation beim plötzlichen Absetzen Entzugserscheinungen wie Kopf- und Muskelschmerzen, außergewöhnliche Angstzustände, Anspannung, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, Verwirrung und Reizbarkeit, in schweren Fällen unter anderem Halluzinationen oder epileptische Anfälle. Entzugserscheinungen können auch erst mehrere Tage nach dem Ende der Behandlung auftreten. [3, 4]

Bei beiden können die ursprünglichen Beschwerden beim Absetzen vorübergehend verstärkt zurückkehren (Rebound). Für Benzodiazepine allgemein beschreibt die S3-Leitlinie, dass sich eigentliche Entzugssymptome zu schweren, bedrohlichen Zuständen mit Krampfanfällen, schwerer Depression, einem Delir oder Psychosen entwickeln können. Zählt die Fachinformation eines Mittels eine Entzugserscheinung nicht auf, die bei dem anderen genannt ist, heißt das also nicht, dass sie bei diesem Mittel ausgeschlossen ist. Ausführlich: Benzodiazepine und Z-Substanzen absetzen. [2, 3, 8]

Worauf Sie bei beiden achten sollten

Bei Menschen mit Depression kann eine Behandlung mit Benzodiazepinen laut Fachinformation von Lorazepam suizidale Tendenzen zum Vorschein bringen und sollte nicht ohne angemessene antidepressive Behandlung erfolgen. Laut Fachinformation von Alprazolam sollten Benzodiazepine bei schwerer Depression oder bei Angstzuständen mit Depression nicht allein gegen die Depression eingesetzt werden, weil sie das Risiko eines Suizids erhöhen können. Haben Sie sich jemals so nutzlos oder wertlos gefühlt, dass Sie darüber nachgedacht haben, sich das Leben zu nehmen, ist es laut Packungsbeilage von Alprazolam sehr wichtig, mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Familie darüber zu sprechen. Bei Suizidgedanken unter Lorazepam muss die Behandlung laut Packungsbeilage sofort beendet werden; wenden Sie sich dann umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder an den medizinischen Notdienst. [1, 2, 3, 4]

Zusammen mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln, erhöhen beide Mittel das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden und Koma, und das kann lebensbedrohlich sein. Die gleichzeitige Anwendung sollte laut beiden Packungsbeilagen nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Alkohol ist bei Lorazepam laut Packungsbeilage zu vermeiden; bei Alprazolam sagt die Packungsbeilage: Trinken Sie während der Behandlung keinen Alkohol. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 3]

Beide Fachinformationen nennen eigene Wechselwirkungen. Bei Alprazolam sind es unter anderem starke Hemmer des Leberenzyms CYP3A4, etwa bestimmte Pilzmittel, die Antidepressiva Fluvoxamin, Fluoxetin und Sertralin und hormonelle Verhütungsmittel, die die Konzentration von Alprazolam im Blut erhöhen können; Carbamazepin und eine Daueranwendung von Johanniskraut können die Wirkung verringern. Zusammen mit Clozapin ist laut Fachinformation von Alprazolam das Risiko eines Atem- oder Herzstillstands erhöht; laut Fachinformation von Lorazepam kann es zu ausgeprägter Dämpfung, vermehrtem Speichelfluss und Störungen der Bewegungskoordination kommen. Was für Ihre Arzneimittel gilt, prüfen Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder die Apotheke. [2, 4]

Beide können die Fähigkeit beeinträchtigen, ein Fahrzeug zu führen und Maschinen zu bedienen, verstärkt durch Alkohol. Laut Fachinformation von Lorazepam sollten Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen, solange sich nicht gezeigt hat, dass Lorazepam Ihre Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Die Packungsbeilage von Alprazolam sagt: Führen Sie während der Behandlung kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Maschinen. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [2, 3]

Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft sollte Lorazepam laut Fachinformation nicht angewendet werden, besonders im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel. Alprazolam sollte laut Packungsbeilage von 2026 nur in Ausnahmefällen und aus zwingenden Gründen verordnet werden. Bei beiden können Neugeborene nach einer Einnahme gegen Ende der Schwangerschaft Entzugssymptome zeigen; wer schwanger werden möchte oder eine Schwangerschaft vermutet, sollte sich an die Ärztin oder den Arzt wenden. [2, 3, 4]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft für Lorazepam mit mittel und für Alprazolam mit hoch an. Wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen wie Krampfanfällen und Delirien muss laut Embryotox auf ein abruptes Absetzen in der Schwangerschaft in jedem Fall verzichtet werden. Bei der Planung einer Behandlung oder einer Schwangerschaft sollten laut Embryotox je nach Grund der Behandlung besser geeignete Psychopharmaka eingesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [5, 6]

In der Stillzeit sollte Lorazepam laut Fachinformation nicht eingenommen werden, es sei denn, der zu erwartende Nutzen für die Mutter überwiegt das mögliche Risiko für den Säugling. Unter Alprazolam sollen Sie laut Packungsbeilage nicht stillen. Mehr unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [2, 3]

Wechsel nur ärztlich

Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Fachinformation von Alprazolam ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass nach Benzodiazepinen mit langer Wirkungsdauer ein Wechsel zu solchen mit kurzer Wirkungsdauer wegen möglicher Entzugssymptome vermieden werden sollte. Wie Umstellungen grundsätzlich ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln. [4]

Weitere Vergleiche: Lorazepam oder Diazepam und Diazepam oder Oxazepam.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Alprazolam-ratiopharm 1,0 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Alprazolam-ratiopharm 1,0 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2018. abgerufen am 23.10.2026
  5. Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  6. Embryotox: Alprazolam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  7. Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  8. Leitlinie S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen, Langfassung, Version 1.1 (AWMF-Register-Nr. 038-025), Kapitel 3.2 (Benzodiazepine und verwandte Substanzen). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand Version 1.1, Stand 14.01.2021 (gültig bis Ende Juli 2025, abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026
  9. Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Langfassung, Version 2 (AWMF-Register-Nr. 051-028). Bandelow B., Beutel M. E. u. a. (Textredaktion B. Bandelow); Federführung laut DGPPN-Übersicht: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Stand Version 2.0, Stand 06.04.2021 (nächste Überprüfung geplant 04/2026; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 05.04.2026, abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lorazepam und Alprazolam?

Beide sind Benzodiazepine; ihre Halbwertszeiten geben die Fachinformationen mit 12 bis 16 Stunden (Lorazepam) und im Mittel 12 bis 15 Stunden (Alprazolam) an. Zugelassen ist Alprazolam nur zur Behandlung von Angstzuständen, Lorazepam außerdem bei dadurch bedingten Schlafstörungen und zur Beruhigung vor Eingriffen. Die Behandlung mit Alprazolam sollte laut Packungsbeilage einschließlich der Absetzphase 8 bis 12 Wochen nicht übersteigen, bei Lorazepam nennt die Fachinformation als Beispiel höchstens 4 Wochen. Die Konzentration von Alprazolam im Blut hängt vor allem vom Leberenzym CYP3A4 ab, Lorazepam wird fast vollständig zu einem Glukuronid umgewandelt.

Was hilft besser bei Angst, Lorazepam oder Alprazolam?

Eine Rangfolge nennen die Quellen nicht. Beide sind zur Behandlung von Angstzuständen zugelassen, wenn diese schwer sind oder die Betroffenen stark beeinträchtigen. Menschen mit einer Angststörung sollen Benzodiazepine laut der inzwischen abgelaufenen S3-Leitlinie Angststörungen wegen der gravierenden Nebenwirkungen, etwa der Entwicklung einer Abhängigkeit, nicht angeboten werden, außer in Ausnahmefällen. Ob und welches Mittel infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.

Welches Mittel wirkt länger?

Eine Wirkdauer in Stunden nennen die Fachinformationen nicht. Die Halbwertszeit von Lorazepam liegt laut Fachinformation bei 12 bis 16 Stunden, die von Alprazolam im Mittel bei 12 bis 15 Stunden. Bei älteren Menschen ist die Halbwertszeit von Alprazolam laut Fachinformation signifikant erhöht; bei Lorazepam zeigt sie, abgesehen von den ersten Lebenstagen, keine wesentliche Altersabhängigkeit.

Wie lange darf man Lorazepam oder Alprazolam nehmen?

So kurz wie möglich. Grundsätzlich sollten Benzodiazepine laut Fachinformation von Lorazepam nur für kurze Zeiträume verordnet werden, zum Beispiel höchstens 4 Wochen; eine Langzeitanwendung von Lorazepam wird nicht empfohlen. Bei Alprazolam sollte die Gesamtdauer einschließlich der schrittweisen Absetzphase laut Packungsbeilage 8 bis 12 Wochen nicht übersteigen; letztlich entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Kann man Lorazepam und Alprazolam zusammen nehmen?

Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich ein, ohne dass es verordnet ist. Laut Fachinformation von Alprazolam besteht bei gemeinsamer Anwendung verschiedener Benzodiazepine ein erhöhtes Risiko einer Arzneimittelabhängigkeit. Beide Fachinformationen nennen angstlösende Mittel und Schlafmittel unter den Arzneimitteln, mit denen sich die dämpfende Wirkung verstärken kann.

Kann ich von Alprazolam auf Lorazepam wechseln?

Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung; wechseln Sie nicht selbst und beenden Sie die Einnahme nicht auf eigene Faust. Laut Fachinformation von Alprazolam sollte nach Benzodiazepinen mit langer Wirkungsdauer ein Wechsel zu solchen mit kurzer Wirkungsdauer wegen möglicher Entzugssymptome vermieden werden. Wie ein Wechsel abläuft, legt die Praxis mit Ihnen fest.

Sind Tafil und Tavor das Gleiche?

Nein. Tafil ist ein Handelsname für Arzneimittel mit Alprazolam, Tavor einer für Arzneimittel mit Lorazepam. Beide Wirkstoffe gehören zu den Benzodiazepinen; welche Präparate es jeweils gibt, steht auf den Seiten Alprazolam und Lorazepam.

Was gilt in der Schwangerschaft?

Lorazepam sollte laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, besonders im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel. Alprazolam sollte laut Packungsbeilage nur in Ausnahmefällen und aus zwingenden Gründen verordnet werden. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang für Lorazepam mit mittel und für Alprazolam mit hoch an; auf ein abruptes Absetzen muss laut Embryotox in jedem Fall verzichtet werden. Setzen Sie nichts selbst ab und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Vergleiche Diazepam oder Oxazepam

    Diazepam und Oxazepam sind Benzodiazepine gegen Angst- und Spannungszustände.

  • Vergleiche Zolpidem oder Zopiclon

    Zolpidem und Zopiclon sind Schlafmittel aus der Gruppe der Z-Substanzen.

  • Vergleiche Daridorexant oder Zolpidem

    Daridorexant und Zolpidem sind Schlafmittel mit verschiedenem Wirkprinzip.

  • Werkzeuge Fragen fürs Arztgespräch

    Fragen zu Ihrem Psychopharmakon nach Anlass auswählen: Beginn, erste Wochen, Nebenwirkungen, Absetzen, Schwangerschaft.