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Diazepam oder Oxazepam: die Unterschiede
Diazepam und Oxazepam gehören beide zu den Benzodiazepinen, verstärken im Gehirn die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA und können schon im üblichen Dosisbereich abhängig machen. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem bei den zugelassenen Anwendungsgebieten, bei der Halbwertszeit und beim Abbau: Diazepam wird vor allem zu wirksamen Abbauprodukten umgewandelt, darunter Oxazepam; Oxazepam selbst wird zu einem unwirksamen umgewandelt. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was Diazepam und Oxazepam gemeinsam haben
Diazepam und Oxazepam gehören zu den Benzodiazepinen. Laut Fachinformation dämpfen beide Angst, Spannung und Erregung und wirken beruhigend und schlaffördernd, in höheren Dosen auch muskelentspannend und gegen Krampfanfälle. Sie binden an Benzodiazepin-Rezeptoren im Gehirn, die eng mit dem System des Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure) verbunden sind, und verstärken dessen hemmende Wirkung. Oxazepam entsteht auch beim Abbau von Diazepam: Diazepam wird in der Leber vor allem zu Abbauprodukten umgewandelt, die selbst wirksam sind, darunter N-Desmethyldiazepam, Temazepam und Oxazepam. [1, 2, 7]
Beide sind verschreibungspflichtig und stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Ausgenommen sind Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilte Form, zum Beispiel je Tablette, bis zu einer bestimmten Menge des Wirkstoffs enthalten, bei Diazepam auch Sirup oder Tropflösung bis zu einem bestimmten Gehalt; solche Zubereitungen sind nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung verschreibungspflichtig, für ihre Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr gilt aber das Betäubungsmittelrecht. Die genaue Angabe steht im Steckbrief der Wirkstoffseiten, mehr zu Reisen unter Reisen mit Psychopharmaka. [2, 7, 9, 10]
Diazepam und Oxazepam im Überblick
| Diazepam | Oxazepam | |
|---|---|---|
| Zugelassen bei (Tabletten) | akute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände; vor und nach Eingriffen; erhöhte Muskelspannung; als Schlafmittel nur, wenn die Wirkung auch am Tag erwünscht ist [2] | akute und chronische Angst-, Spannungs- und Erregungszustände; Durchschlafstörungen [7] |
| Darreichungsformen | Tabletten, Tropfen zum Einnehmen, Zäpfchen, Injektionslösung [2, 3, 4, 5] | Tabletten [7] |
| Kinder und Jugendliche | nicht bei Neugeborenen und Säuglingen bis 6 Monate; sonst nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko [2] | unter 18 Jahren nur nach besonders sorgfältiger Abwägung, weil ausreichende Studien fehlen; Kinder unter 7 Jahren sollten es nicht erhalten [7] |
| Höchster Blutspiegel | nach 30 bis 90 Minuten [2] | meist nach 1 bis 3 Stunden [7] |
| Halbwertszeit | bis zu 48 Stunden; wirksames Abbauprodukt N-Desmethyldiazepam bis zu 100 Stunden [2] | 6 bis 25 Stunden [7] |
| Abbau | in der Leber über CYP3A und CYP2C19, vor allem zu wirksamen Abbauprodukten [1, 2] | in der Leber zu einem unwirksamen Abbauprodukt; Ausscheidung fast ausschließlich über die Nieren [7] |
| Abhängigkeit | primäres Abhängigkeitspotenzial; Gefahr schon bei täglicher Anwendung über wenige Wochen [2] | primäres Abhängigkeitspotenzial; Gefahr schon bei täglicher Einnahme über wenige Wochen [7] |
| Dauer der Behandlung | so kurz wie möglich; sollte einschließlich der schrittweisen Absetzphase 4 Wochen nicht überschreiten [2] | so kurz wie möglich; sollte 4 Wochen nicht überschreiten [7] |
| Fahrzeuge und Maschinen | sollten ganz, zumindest aber in den ersten Tagen der Behandlung unterbleiben [1, 2] | sollten ganz, zumindest aber in den ersten Tagen der Behandlung unterbleiben [6, 7] |
| Schwangerschaft laut Embryotox | Erfahrungsumfang sehr hoch [8] | keine eigene Seite bei Embryotox [8] |
| Abgabe | verschreibungspflichtig; Anlage III BtMG mit Ausnahmen [2, 9] | verschreibungspflichtig; Anlage III BtMG mit Ausnahmen [7, 9] |
Zugelassene Anwendungsgebiete
Beide sind zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen zugelassen, Oxazepam zusätzlich bei Durchschlafstörungen. Als Schlafmittel ist Diazepam laut Fachinformation nur gerechtfertigt, wenn seine Wirkungen gleichzeitig am Tag erwünscht sind. Die Diazepam-Tabletten sind außerdem zur Beruhigung vor chirurgischen und diagnostischen Eingriffen, zur Behandlung danach und bei erhöhter Muskelspannung zugelassen. Nicht alle Angst-, Spannungs- und Erregungszustände oder Schlafstörungen brauchen laut beiden Fachinformationen ein Medikament; oft sind sie Ausdruck oder Folge körperlicher oder seelischer Erkrankungen. Mehr unter Angststörungen. [2, 7]
Diazepam gibt es auch als Tropfen zum Einnehmen, als Zäpfchen und als Injektionslösung. Die Tropfen haben laut ihrer Fachinformation dieselben Anwendungsgebiete wie die Tabletten; die Injektionslösung ist unter anderem zur akuten klinischen Behandlung akuter Angst-, Erregungs-, Spannungs- und Unruhezustände, beim Status epilepticus und bei Tetanus zugelassen. Wo nichts anderes steht, beziehen sich die Angaben dieser Seite auf die Tabletten. Hinweise für Eltern stehen unter Kinder und Jugendliche. [3, 4, 5]
Halbwertszeit und Abbau im Körper

Die Halbwertszeit ist die Zeit, in der sich der Wirkstoffspiegel im Blut halbiert. Für Diazepam nennt die Fachinformation bis zu 48 Stunden, für sein wirksames Abbauprodukt N-Desmethyldiazepam bis zu 100 Stunden. Bei Neugeborenen, älteren Menschen und bei Lebererkrankungen ist sie möglicherweise verlängert, und die Werte schwanken stark von Mensch zu Mensch. Weil Diazepam nur langsam ausgeschieden wird, ist auch nach dem Ende der Behandlung noch mit möglichen Wechselwirkungen zu rechnen. [2]
Für Oxazepam wird die Halbwertszeit mit 6 bis 25 Stunden angegeben, je nach Person und Messmethode. Oxazepam wird in der Leber zu einem unwirksamen Abbauprodukt umgewandelt und fast ausschließlich über die Nieren ausgeschieden; Lebererkrankungen wie eine Hepatitis oder Zirrhose verändern Abbau und Ausscheidung laut Fachinformation nicht signifikant. [7]
Die S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen führt die unterschiedlichen Halbwertszeiten der Benzodiazepine auf unterschiedliche Abbauwege und wirksame Abbauprodukte zurück; als Beispiel für eine lange Wirkdauer nennt sie Diazepam, für eine kurze Oxazepam. Die Leitlinie (Version 1.1, Stand 14.01.2021) war laut eigener Angabe bis spätestens Ende Juli 2025 gültig und ist abgelaufen. Was die Halbwertszeit für Ihre Behandlung bedeutet, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [11]
Nebenwirkungen im Vergleich
Bei beiden treten Nebenwirkungen laut Fachinformation vor allem zu Beginn der Behandlung auf. Wie stark sie sind, hängt von der Dosis ab, und eine sorgfältige Einstellung der Tagesdosis kann sie vermindern oder vermeiden. Auch am nächsten Tag sind Nachwirkungen möglich, bei Diazepam etwa Konzentrationsstörungen und Restmüdigkeit, bei Oxazepam etwa Schläfrigkeit und eine verlängerte Reaktionszeit. [2, 7]
| Beschwerde | Diazepam | Oxazepam |
|---|---|---|
| Schläfrigkeit, Beruhigung (Sedierung) | sehr häufig [1, 2] | häufig [6, 7] |
| Schwindel | sehr häufig [1, 2] | häufig [6, 7] |
| Kopfschmerzen | sehr häufig [1, 2] | häufig [6, 7] |
| Gang- und Bewegungsstörungen (Ataxie) | sehr häufig [1, 2] | nicht bekannt [7] |
| Gedächtnislücken (anterograde Amnesie) | sehr häufig [1] | nicht bekannt [7] |
| Verwirrtheit | sehr häufig [1, 2] | nicht bekannt [7] |
| Übelkeit | gelegentlich [1, 2] | häufig [6, 7] |
| Mundtrockenheit | gelegentlich [1, 2] | häufig [6, 7] |
| Zu- oder Abnahme des sexuellen Verlangens | gelegentlich [1, 2] | gelegentlich [6, 7] |
| Blutdruckabfall | gelegentlich [1, 2] | gelegentlich [6, 7] |
| Muskelschwäche | nicht bekannt [1, 2] | nicht bekannt [6, 7] |
Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.
Die Häufigkeitsklassen stammen aus zwei verschiedenen Fachinformationen; keine von beiden vergleicht die Häufigkeiten mit dem anderen Mittel. Beide können Gedächtnislücken für die Zeit nach der Einnahme verursachen; das Risiko steigt mit der Dosis und lässt sich durch 7 bis 8 Stunden ununterbrochenen Schlaf verringern. Besonders bei älteren Menschen und Kindern ist eine Wirkungsumkehr möglich (sogenannte paradoxe Reaktionen), etwa Unruhe, Reizbarkeit oder aggressives Verhalten; dann sollte die Behandlung beendet werden. Mehr im Werkzeug Nebenwirkungen vergleichen. [1, 2, 6, 7]
Gewöhnung, Abhängigkeit und Absetzen
Beide Fachinformationen warnen vor Abhängigkeit: Diazepam und Oxazepam besitzen ein primäres Abhängigkeitspotenzial, und schon bei täglicher Anwendung über wenige Wochen besteht die Gefahr, abhängig zu werden, auch im therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit Dosis und Behandlungsdauer und ist erhöht, wenn früher eine Abhängigkeit (Diazepam) bzw. ein Missbrauch (Oxazepam) von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen bestand. Wer früher abhängig war, darf laut Packungsbeilage keines der beiden Mittel einnehmen. Nach wiederholter Einnahme über wenige Wochen (Diazepam) bzw. einige Wochen (Oxazepam) kann die Wirkung nachlassen (Toleranz). [1, 2, 6, 7]
Die Behandlung sollte laut beiden Fachinformationen so kurz wie möglich sein und 4 Wochen nicht überschreiten. Weil das Risiko von Entzugs- und Absetzerscheinungen nach plötzlichem Beenden höher ist, empfehlen beide, die Behandlung durch schrittweise Verringerung der Dosis zu beenden. Hat sich eine körperliche Abhängigkeit entwickelt, treten bei plötzlichem Abbruch Entzugserscheinungen auf, etwa Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Angst, innere Unruhe, Zittern, Verwirrtheit und Reizbarkeit, in schweren Fällen unter anderem Halluzinationen oder epileptische Anfälle. Auch nach einer kürzeren Behandlung können die ursprünglichen Beschwerden beim Beenden vorübergehend verstärkt zurückkehren (Rebound). [2, 7]
Laut S3-Leitlinie soll das Absetzen von Benzodiazepinen nach regelmäßiger, längerer Einnahme schrittweise erfolgen. Wie und wann abgesetzt wird, legen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest. Mehr unter Benzodiazepine absetzen, Absetzsymptome und Medikamentenabhängigkeit. [11]
Wechselwirkungen und Alkohol
Mit anderen dämpfenden Mitteln wie Schlaf-, Beruhigungs- und Narkosemitteln, Mitteln gegen Anfallsleiden, Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium und müde machenden Mitteln gegen Allergien können sich die Wirkungen bei beiden gegenseitig verstärken. Zusammen mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln, steigt laut Packungsbeilage das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden und Koma; das kann lebensbedrohlich sein, und die gleichzeitige Anwendung sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. [1, 2, 6, 7]
Die Fachinformation von Diazepam nennt außerdem Mittel, die die Leberenzyme CYP3A oder CYP2C19 hemmen, etwa Cimetidin, Omeprazol, Ketoconazol, Fluvoxamin und Fluoxetin; sie können die Beruhigung vertiefen und verlängern. Bei Rauchern kann Diazepam schneller ausgeschieden werden, und Theophyllin hebt in niedriger Dosierung seine beruhigende Wirkung auf. Bei beiden sind Art und Umfang von Wechselwirkungen mit einer bestehenden Dauerbehandlung, etwa gegen Bluthochdruck, laut Fachinformation nicht sicher vorhersehbar. Nennen Sie in der Praxis und in der Apotheke alle Arzneimittel, die Sie einnehmen. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [1, 2, 6, 7]
Alkohol verändert und verstärkt die Wirkung beider Mittel laut Packungsbeilage in nicht vorhersehbarer Weise; unter Diazepam sollten Sie ihn meiden, unter Oxazepam möglichst keinen trinken. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 6]
Autofahren, Alter und Gegenanzeigen
Beide können auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fähigkeit beeinträchtigen, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen, verstärkt zusammen mit Alkohol und nach zu kurzem Schlaf. Laut beiden Fachinformationen sollten das Führen von Fahrzeugen, die Bedienung von Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten ganz unterbleiben, zumindest aber während der ersten Tage der Behandlung; im Einzelfall entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [2, 7]
Bei älteren und geschwächten Menschen ist bei beiden Vorsicht geboten, gegebenenfalls mit niedrigerer Dosis, und beide Fachinformationen warnen vor Stürzen, besonders beim nächtlichen Aufstehen. Mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 7]
Nicht eingenommen werden dürfen beide unter anderem bei früherer Abhängigkeit, bei einer akuten Vergiftung mit Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmitteln oder Psychopharmaka und bei Myasthenia gravis, einer schweren krankhaften Muskelschwäche. Zwei Erkrankungen ordnen die Fachinformationen unterschiedlich ein: Bei Störungen der Bewegungskoordination (spinale und zerebellare Ataxien) ist Diazepam nur unter besonderer Vorsicht anzuwenden, Oxazepam gar nicht; beim Schlafapnoe-Syndrom, also kurzzeitigen Atemaussetzern im Schlaf, ist es umgekehrt. Die vollständigen Listen stehen auf den Wirkstoffseiten. [1, 2, 6, 7]
Schwangerschaft und Stillzeit
Diazepam darf laut Fachinformation in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist; Oxazepam sollte nur bei zwingender Indikation angewendet werden. Das Fehlbildungsrisiko nach therapeutischen Dosen in der Frühschwangerschaft scheint laut beiden Fachinformationen gering zu sein, obwohl einige Studien Anhaltspunkte für ein erhöhtes Risiko für Gaumenspalten ergaben. Nach längerer Einnahme kann das Kind eine körperliche Abhängigkeit entwickeln und nach der Geburt Entzugserscheinungen zeigen; nach hohen Dosen in der Spätschwangerschaft oder während der Geburt sind beim Neugeborenen unter anderem Atemschwäche, niedrige Körpertemperatur und Trinkschwäche zu erwarten. Möchten Sie schwanger werden oder vermuten Sie eine Schwangerschaft, wenden Sie sich laut Fachinformation unverzüglich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. [2, 7]
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Diazepam als sehr hoch an; ein in frühen Studien diskutierter Zusammenhang mit Lippen- und Gaumenspalten wurde in nachfolgenden Studien mit mehreren Tausend Schwangerschaften nicht bestätigt. Auf ein abruptes Absetzen muss laut Embryotox wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen in jedem Fall verzichtet werden, und nach einer Anwendung in der Schwangerschaft sollte die Entbindung in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Je nach psychiatrischem Grund der Behandlung, etwa Angst, Unruhe oder Schlafstörungen, sollten laut Embryotox besser geeignete Psychopharmaka zum Einsatz kommen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine eigene Seite zu Oxazepam führt Embryotox nicht; Embryotox bietet eine kostenlose individuelle Beratung an. [8]
In der Stillzeit sollte unter Diazepam laut Fachinformation nicht gestillt werden, weil Neugeborene Diazepam wesentlich langsamer abbauen; bei zwingender Behandlung ist abzustillen. Embryotox nennt publizierte Erfahrungen zu mehr als 40 Mutter-Kind-Paaren, hält nach Einzeldosen keine Stillpause für nötig und bei einer Langzeitbehandlung mit Diazepam allein in niedriger Dosierung das Stillen unter Vorbehalt für akzeptabel; dabei muss unbedingt auf Schläfrigkeit, Trinkschwäche und eine unzureichende Gewichtszunahme des Kindes geachtet werden. Bei wiederholter Gabe von Oxazepam muss laut Fachinformation abgestillt oder das Stillen unterbrochen werden, weil es sich im Säugling anreichern kann. Mehr unter Schwangerschaft und Stillzeit. [2, 7, 8]
Worauf Sie bei beiden achten sollten
Benzodiazepine sollten laut beiden Fachinformationen nicht allein zur Behandlung von Depressionen oder von Angstzuständen mit Depression angewendet werden. Die depressive Symptomatik kann sich unter Umständen verstärken, laut Fachinformation von Diazepam, wenn die Grunderkrankung nicht geeignet mit Antidepressiva behandelt wird, und beide nennen dabei die Suizidgefahr. Eine bestehende Depression kann während der Behandlung zutage treten. Die Fachinformationen von Oxazepam und der Diazepam-Tropfen zählen auch Suizidalität zu den paradoxen Reaktionen, bei denen die Behandlung beendet werden sollte. Wenden Sie sich bei verstärkten depressiven Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, sind auch die folgenden Hilfsangebote sofort erreichbar. [2, 3, 6, 7]
Anzeichen einer leichten Überdosierung können laut Packungsbeilage unter anderem Schläfrigkeit, Verwirrtheit, undeutliches Sprechen, Gang- und Bewegungsunsicherheit, Muskelschwäche und ein Blutdruckabfall sein, bei schwerer Vergiftung Bewusstlosigkeit und eine Dämpfung von Atmung und Kreislauf. Rufen Sie bei Verdacht sofort den Notruf 112 oder einen Giftnotruf an. [1, 6]
Wechsel nur ärztlich
Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig. Laut Fachinformation von Diazepam können sich Entzugserscheinungen einstellen, wenn auf ein Benzodiazepin mit deutlich kürzerer Eliminationshalbwertszeit gewechselt wird. Wie Umstellungen ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln. [1, 2]
Weitere Vergleiche: Lorazepam oder Diazepam und Lorazepam oder Alprazolam; weitere Mittel zeigt die Seite Beruhigungsmittel.
Quellen
- Gebrauchsinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Diazepam-ratiopharm 10 mg/ml Tropfen zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Diazepam-ratiopharm 10 mg Zäpfchen. ratiopharm GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Diazepam-ratiopharm 10 mg/2 ml Injektionslösung. ratiopharm GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Oxazepam-ratiopharm 10 mg Tabletten (Versionscode Z10). ratiopharm GmbH. Stand 11/2022. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Oxazepam-ratiopharm 10 mg Tabletten (Version 2). ratiopharm GmbH. Stand 09/2018. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Diazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel, Einträge Diazepam und Oxazepam. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag "Betäubungsmittel, soweit sie Zubereitungen nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 des Betäubungsmittelgesetzes sind". Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen, Langfassung, Version 1.1 (AWMF-Register-Nr. 038-025), Kapitel 3.2 (Benzodiazepine und verwandte Substanzen). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand 14.01.2021 (Version 1.1, gültig bis Ende Juli 2025, abgelaufen). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Diazepam und Oxazepam?
Beide sind Benzodiazepine gegen Angst-, Spannungs- und Erregungszustände. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem bei den weiteren Anwendungsgebieten (Oxazepam bei Durchschlafstörungen, Diazepam vor und nach Eingriffen und bei erhöhter Muskelspannung), bei der Halbwertszeit und beim Abbau: Diazepam wird vor allem zu wirksamen Abbauprodukten umgewandelt, Oxazepam zu einem unwirksamen. Vor Abhängigkeit warnen beide Fachinformationen.
Was ist stärker, Diazepam oder Oxazepam?
Eine Rangfolge nach Stärke nennen die Fachinformationen nicht. Welches Mittel infrage kommt und in welcher Dosis, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilagen stehen auf den Seiten zu Diazepam und Oxazepam. Unterschiedlich sind laut Fachinformation unter anderem Halbwertszeit und Abbau.
Ist Oxazepam ein Abbauprodukt von Diazepam?
Ja. Laut Fachinformation von Diazepam wird es in der Leber vor allem zu wirksamen Abbauprodukten umgewandelt, darunter N-Desmethyldiazepam, Temazepam und Oxazepam. Oxazepam selbst wird laut seiner Fachinformation zu einem unwirksamen Abbauprodukt umgewandelt und fast ausschließlich über die Nieren ausgeschieden.
Wie lange wirken Diazepam und Oxazepam?
Eine Wirkdauer in Stunden nennen die Fachinformationen nicht, wohl aber die Halbwertszeit: bei Diazepam bis zu 48 Stunden, bei seinem wirksamen Abbauprodukt N-Desmethyldiazepam bis zu 100 Stunden, bei Oxazepam 6 bis 25 Stunden. Die inzwischen abgelaufene S3-Leitlinie Medikamentenbezogene Störungen nennt Diazepam als Beispiel für eine lange und Oxazepam als Beispiel für eine kurze Wirkdauer. Bei beiden können Müdigkeit und Konzentrationsstörungen am nächsten Tag noch bestehen.
Welches Mittel ist bei Schlafstörungen zugelassen?
Oxazepam ist zur symptomatischen Behandlung von Durchschlafstörungen zugelassen; bei akuten Schlafstörungen ist die Anwendung laut Packungsbeilage auf Einzelgaben oder wenige Tage zu beschränken. Bei Diazepam ist die Anwendung bei Schlafstörungen, die durch Angst, Spannung und Erregung bedingt sind, laut Packungsbeilage nur gerechtfertigt, wenn gleichzeitig tagsüber die Wirkungen von Diazepam erwünscht sind. Mehr unter Schlafmittel.
Kann man Diazepam und Oxazepam zusammen nehmen?
Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Beide Fachinformationen nennen andere angstlösende Mittel sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel unter den Mitteln, mit denen sich die dämpfende Wirkung gegenseitig verstärken kann. Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich ein, ohne dass es verordnet wurde.
Kann ich von Diazepam auf Oxazepam wechseln?
Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung; beenden Sie die Einnahme nicht eigenmächtig. Laut Fachinformation von Diazepam können sich Entzugserscheinungen einstellen, wenn auf ein Benzodiazepin mit deutlich kürzerer Eliminationshalbwertszeit gewechselt wird. Mehr unter Ein Psychopharmakon wechseln.
Was gilt in Schwangerschaft und Stillzeit?
Diazepam darf in der Schwangerschaft laut Fachinformation nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist; Oxazepam sollte nur bei zwingender Indikation angewendet werden. Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Diazepam als sehr hoch an; auf ein abruptes Absetzen von Diazepam muss in der Schwangerschaft laut Embryotox in jedem Fall verzichtet werden. Zu Oxazepam führt Embryotox keine eigene Seite. Setzen Sie kein Mittel selbst ab und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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