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Mirtazapin oder Trazodon: die Unterschiede
Mirtazapin und Trazodon sind verschreibungspflichtige Antidepressiva mit dämpfender Wirkung; zugelassen sind beide zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen, nicht aber zur Behandlung von Schlafstörungen. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem im Wirkprinzip, in der Halbwertszeit, in der Einnahme und beim akuten Herzinfarkt, den die Fachinformation von Trazodon als Gegenanzeige nennt. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was Mirtazapin und Trazodon gemeinsam haben
Mirtazapin und Trazodon sind Antidepressiva, die ihre Fachinformationen der Gruppe "Andere Antidepressiva" zuordnen; auf dieser Website stehen beide unter den weiteren Antidepressiva. Beide sind verschreibungspflichtig und zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen zugelassen. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollten beide laut Fachinformation nicht angewendet werden. [2, 3, 4]
Beide wirken dämpfend (sedierend). Bei Mirtazapin hängt das laut Fachinformation mit der Blockade von Andockstellen für den Botenstoff Histamin (H1-Rezeptoren) zusammen; Trazodon beschreibt seine Fachinformation als Antidepressivum mit einer sedierenden Wirkungskomponente. Zur Behandlung von Schlafstörungen ist keines der beiden zugelassen. [2, 3]
Nach der NVL Unipolare Depression (Version 3.2, gültig bis September 2027) legt die Studienlage eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der verschiedenen Antidepressiva nahe. Die Leitlinie spricht sich deshalb dafür aus, das Mittel nach den Wünschen der Betroffenen, nach klinischen Kriterien und nach praktischen Gesichtspunkten auszuwählen; dazu zählt sie unter anderem Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und den Aufwand für Kontrollen. Spricht eine Depression nicht auf ein einzelnes Antidepressivum an, sollte laut NVL eine Kombination angeboten werden: ein SSRI, ein SNRI oder ein trizyklisches Antidepressivum auf der einen Seite und Mianserin, Mirtazapin oder Trazodon auf der anderen. Die gleichzeitige Gabe trizyklischer Antidepressiva sollte laut Fachinformation von Trazodon allerdings vermieden werden. Mehr dazu unter Wenn Antidepressiva nicht wirken. [3, 6]
Mirtazapin und Trazodon im Überblick
| Mirtazapin | Trazodon | |
|---|---|---|
| Gruppe | andere Antidepressiva; laut NVL ein Alpha-2-Rezeptor-Antagonist [2, 7] | andere Antidepressiva; nicht trizyklisches Antidepressivum mit sedierender Wirkungskomponente, chemisch ein Triazolopyridin [3] |
| Zugelassen bei | depressiven Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen [2] | depressiven Erkrankungen; laut Packungsbeilage von Trazodon HEXAL zur Behandlung der Symptome einer depressiven Erkrankung (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen [3, 4] |
| Schlafstörungen | nicht zugelassen [2] | nicht zugelassen [3, 4] |
| Kinder und Jugendliche | sollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden [2] | sollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden [3] |
| Wirkprinzip | blockiert Alpha-2-Rezeptoren und verstärkt so die Übertragung von Noradrenalin und Serotonin; blockiert außerdem die Serotonin-Rezeptoren 5-HT2 und 5-HT3 [2] | hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin nur schwach; im Tierversuch serotonerge und gegen Dopamin gerichtete Wirkung, relativ starke Bindung an Alpha-1-, schwache an Alpha-2-Adrenorezeptoren [3] |
| Dämpfende Wirkung | hängt mit der Blockade der Histamin-H1-Rezeptoren zusammen; eine niedrigere Dosis führt in der Regel nicht zu weniger Schläfrigkeit, gefährdet aber die antidepressive Wirkung [2] | setzt meist unmittelbar in den ersten Tagen ein; Schläfrigkeit, die manchmal in den ersten Tagen auftritt, verschwindet in der Regel, wenn die Behandlung weitergeht [3] |
| Wirkungseintritt gegen die Depression | im Allgemeinen nach 1 bis 2 Wochen; bei ausreichender Dosierung sollte sich innerhalb von 2 bis 4 Wochen ein Behandlungserfolg einstellen [2] | stimmungsaufhellende Wirkung in der Regel nach 1 bis 3 Wochen [3] |
| Halbwertszeit | im Mittel 20 bis 40 Stunden, gelegentlich bis zu 65 Stunden; gleichbleibender Spiegel nach 3 bis 4 Tagen [2] | im Durchschnitt 4,9 Stunden bei jungen und 8,2 Stunden bei älteren Männern, die Werte für Frauen lagen dazwischen [3] |
| Einnahme | eignet sich für die Einnahme einmal am Tag, vorzugsweise am Abend vor dem Schlafengehen; mit oder ohne Nahrung [1, 2] | direkt nach dem Essen; ist eine schlafanstoßende Wirkung besonders gewünscht, kann ein größerer Teil der Tagesdosis oder die ganze Tagesdosis zur Nacht eingenommen werden [3, 4] |
| Abbau in der Leber | unter Beteiligung von CYP2D6, CYP1A2 und CYP3A4; CYP3A4-Hemmer können den Spiegel erhöhen, Carbamazepin und Phenytoin senken ihn [2] | starke CYP3A4-Hemmer können den Spiegel erheblich erhöhen, Carbamazepin senkt ihn [3] |
| Kürzlich erlittener Herzinfarkt | sorgfältige Dosierung sowie regelmäßige und engmaschige Überwachung notwendig [2] | Gegenanzeige (akuter Herzinfarkt) [3, 4] |
| QT-Zeit im EKG | Fälle von QT-Verlängerung nach der Zulassung berichtet; Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und QT-verlängernden Mitteln [2] | sehr selten QT-Verlängerung berichtet; Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und QT-verlängernden Mitteln [3] |
| MAO-Hemmer | nicht gleichzeitig und nicht in den 2 Wochen nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern; umgekehrt sollten etwa 2 Wochen vergehen [2] | Gegenanzeige bei gleichzeitiger Behandlung und innerhalb von 2 Wochen nach deren Absetzen; MAO-Hemmer frühestens eine Woche nach dem Absetzen von Trazodon [3] |
| Abhängigkeit | führt nicht zu einer Abhängigkeit; nach längerer Behandlung kann plötzliches Absetzen manchmal Absetzsymptome auslösen [2] | kein Hinweis auf süchtig machende Eigenschaften; nach abruptem Absetzen Absetzerscheinungen möglich [3] |
| Schwangerschaft | Fachinformation: begrenzte Daten lassen nicht auf ein erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen schließen, Vorsicht geboten; Embryotox: Erfahrungsumfang hoch; kann bei entsprechender Indikation angewendet werden; besser geeignet laut Embryotox: Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram [2, 5] | Fachinformation: Daten von weniger als 200 Schwangeren ohne Hinweise auf Nebenwirkungen in der Schwangerschaft, Vorsicht bei der Verschreibung; Packungsbeilage HEXAL: aus Vorsichtsgründen vermeiden [3, 4] |
| Stillzeit | geht nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über; Entscheidung über Stillen und Behandlung unter Berücksichtigung des Nutzens für Kind und Mutter; laut Embryotox Stillen bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel [2, 5] | geht in geringen Mengen in die Muttermilch über; Entscheidung nach Nutzen und Risiko für Kind und Mutter [3] |
| Abgabe | verschreibungspflichtig [2] | verschreibungspflichtig [3] |
Zu den Angaben von Embryotox: Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Mirtazapin und Trazodon zum Schlafen
Beide können müde machen, und für beide beschreiben Fach- und Gebrauchsinformation eine Einnahme am Abend im Rahmen der Depressionsbehandlung: Mirtazapin am besten als Einmaldosis vor dem Zubettgehen; bei Trazodon kann ein größerer Teil der Tagesdosis oder die ganze Tagesdosis zur Nacht eingenommen werden, wenn eine schlafanstoßende Wirkung besonders gewünscht ist. [1, 3, 4]
Bei hartnäckigen Schlafstörungen im Zusammenhang mit depressiven Episoden kommen aus Sicht der Leitliniengruppe der NVL anstelle von Benzodiazepinen eher Schulungen zur Schlafhygiene und Antidepressiva mit dämpfender Wirkung infrage, zum Beispiel Mirtazapin, gegebenenfalls auch niedrig dosierte Antipsychotika. [6]
Werden Antidepressiva wie Mirtazapin oder Trazodon gegen Schlafprobleme verordnet, ist das laut IQWiG ein Einsatz außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use). Über Nutzen und Schaden von Mirtazapin und anderen Antidepressiva, die gelegentlich bei Schlafstörungen eingesetzt werden, ist laut IQWiG wenig bekannt, weil es dazu kaum aussagekräftige Studien gibt. Die Nebenwirkungen von Trazodon sind bei dieser Anwendung laut IQWiG nicht ausreichend untersucht, und zur Langzeitanwendung fehlen Studien. Mehr unter Mirtazapin zum Schlafen, Schlafstörungen und Schlafmittel. [8]
Nebenwirkungen im Vergleich
Am häufigsten berichtet wurden unter Mirtazapin laut Fachinformation Schläfrigkeit, Beruhigung (Sedierung), trockener Mund, Gewichtszunahme, verstärkter Appetit, Schwindel und Erschöpfung. Bei Trazodon ist laut Fachinformation besonders zu Beginn der Behandlung häufig mit Müdigkeit, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden, Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall, auch beim Aufstehen, und Unruhe zu rechnen; wird Trazodon vor dem Essen eingenommen, können diese Beschwerden zunehmen. [2, 3]
| Beschwerde | Mirtazapin | Trazodon |
|---|---|---|
| Schläfrigkeit, Müdigkeit | Schläfrigkeit oder Müdigkeit: sehr häufig [1] | Müdigkeit: häufig; Schläfrigkeit: nicht bekannt [3] |
| Gewichtszunahme | mit verstärktem Appetit: sehr häufig [1] | gelegentlich; erhöhter Appetit: nicht bekannt [3] |
| Mundtrockenheit | sehr häufig [1] | häufig [3] |
| Kopfschmerzen | sehr häufig [1] | häufig [3] |
| Schwindel | häufig [1] | häufig [3] |
| Blutdruckabfall beim Aufstehen | häufig [1] | häufig [3] |
| Übelkeit | häufig [1] | häufig [3] |
| Schlafstörungen | häufig [1] | häufig [3] |
| Träume | lebhafte Träume: häufig; Alpträume: gelegentlich [1] | Albträume: nicht bekannt [3] |
| Verwirrtheit | häufig [1] | gelegentlich [3] |
| Zittern | häufig [1] | gelegentlich [3] |
| Störungen des Blutbilds | nicht bekannt [1] | sehr selten [3] |
| Krampfanfälle | nicht bekannt [1] | sehr selten [3] |
| Anhaltende, schmerzhafte Erektion (Priapismus) | nicht bekannt [1] | selten [3] |
| Natriummangel | nicht bekannt [1] | nicht bekannt [3] |
Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; selten: bis zu 1 von 1.000; sehr selten: weniger als 1 von 10.000; nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.
Die Häufigkeiten stammen aus unterschiedlichen Auswertungen: Bei Mirtazapin beruht die Tabelle der Fachinformation auf placebokontrollierten Studien, ergänzt um Spontanberichte, bei Trazodon auf Spontanberichten und klinischen Prüfungen. Eine andere Häufigkeitsklasse belegt deshalb nicht, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst. Ausführlich zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Veränderungen des Blutbilds und Natriummangel. [2, 3]
Herz und Kreislauf

Bei einem akuten Herzinfarkt darf Trazodon laut Fachinformation nicht genommen werden. Bei Mirtazapin sind laut Fachinformation nach einem kürzlich vorausgegangenen Herzinfarkt und bei Herzerkrankungen wie Erregungsleitungsstörungen oder Angina pectoris eine sorgfältige Dosierung sowie eine regelmäßige und engmaschige Überwachung notwendig. Für Trazodon empfiehlt die Fachinformation bei Herzerkrankungen wie Angina pectoris, AV-Block oder einem kürzlich aufgetretenen Herzinfarkt eine vorsichtige Dosierung und eine regelmäßige Überwachung. [2, 3]
Herzrhythmusstörungen, etwa ein verlangsamter oder beschleunigter Herzschlag, sind unter Trazodon laut Fachinformation häufig, insbesondere bei Menschen mit schon bestehenden Rhythmusstörungen; über eine Verlängerung der QT-Zeit, eines Abschnitts der elektrischen Herzaktivität im EKG, wurde sehr selten berichtet. Unter Mirtazapin wurden nach der Zulassung Fälle von QT-Verlängerung und Rhythmusstörungen der Herzkammern berichtet, die meisten im Zusammenhang mit einer Überdosierung oder bei weiteren Risikofaktoren. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zusammen mit Mitteln, die die QT-Zeit verlängern, ist laut beiden Fachinformationen Vorsicht geboten. [2, 3]
Ein Blutdruckabfall beim Aufstehen ist bei beiden häufig. Wird Trazodon zusammen mit Mitteln gegen Bluthochdruck genommen, kann eine geringere Dosis des Blutdruckmittels erforderlich sein. Bei der Behandlung einer Depression sieht die NVL Kontrollen von Blutdruck und Puls vor, für Mirtazapin häufigere, außerdem ein EKG vor Beginn und im ersten Monat bei Menschen mit einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer solchen Erkrankung. Mehr unter Herz und QT-Zeit und Kontrollen während der Behandlung. [1, 3, 6]
Wechselwirkungen
Mit MAO-Hemmern dürfen beide nicht gleichzeitig genommen werden und auch nicht in den zwei Wochen nach dem Ende einer Behandlung mit MAO-Hemmern; für den umgekehrten Weg nennen die Fachinformationen unterschiedliche Abstände (siehe Tabelle). Zusammen mit anderen Mitteln, die auf Serotonin wirken, etwa SSRI oder Triptanen gegen Migräne, kann bei beiden ein Serotonin-Syndrom auftreten; Vorsicht ist dann geboten, und eine engmaschigere ärztliche Überwachung ist erforderlich. Zusammen mit Neuroleptika kann bei Trazodon außerdem ein malignes neuroleptisches Syndrom auftreten, das lebensbedrohlich sein kann. [2, 3]
Beide können dämpfende Wirkungen verstärken: Mirtazapin die von Benzodiazepinen und anderen beruhigenden Mitteln, etwa der meisten Neuroleptika, von Antihistaminika und Opioiden; Trazodon die von Neuroleptika, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, angstlösenden Mitteln und Antihistaminika. Die NVL zählt bei Trazodon dämpfende Mittel und Mittel, die Alpha-2-Rezeptoren blockieren, zu den wichtigen Wechselwirkungen. Bei gleichzeitiger Einnahme des Gerinnungshemmers Warfarin sehen beide Fachinformationen Kontrollen der Gerinnungswerte (INR) vor. Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich zu einem anderen Mittel ein, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat; mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [2, 3, 7]
Schwangerschaft und Stillzeit
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Mirtazapin in der Schwangerschaft mit "hoch" an: In etwa 2.000 ausgewerteten Schwangerschaftsverläufen ergab sich kein Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Mirtazapin kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden; als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram, als dämpfendes Antidepressivum keines. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [5]
Zu Trazodon ergaben laut Fachinformation Daten von weniger als 200 Schwangeren keine Hinweise auf Nebenwirkungen in der Schwangerschaft oder auf eine beeinträchtigte Gesundheit des Ungeborenen oder Neugeborenen; bei der Verschreibung an Schwangere ist Vorsicht geboten. Auch für Mirtazapin ist laut Fachinformation bei der Anwendung in der Schwangerschaft Vorsicht geboten. Laut Packungsbeilage von Trazodon HEXAL soll eine Anwendung in der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermieden werden. Setzen Sie keines der beiden Mittel selbst ab, wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten. Allgemeines dazu unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [2, 3, 4]
Einnahme, Alkohol und Autofahren
Mirtazapin kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Trazodon wird direkt nach dem Essen eingenommen; das kann laut Packungsbeilage Nebenwirkungen weniger wahrscheinlich machen. [1, 4]
Mirtazapin kann laut Fachinformation die dämpfende Wirkung von Alkohol verstärken; laut Packungsbeilage sollten Sie überhaupt keinen Alkohol trinken. Trazodon verstärkt laut Fachinformation die dämpfende Wirkung von Alkohol, und Alkohol sollte während der Behandlung vermieden werden; die Giftigkeit von Trazodon nimmt bei gleichzeitigem Alkoholkonsum zu. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2, 3]
Beide haben laut Fachinformation einen geringen bis mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Mirtazapin kann Konzentration und Wachsamkeit beeinträchtigen, besonders zu Beginn der Behandlung; wer davon betroffen ist, sollte laut Fachinformation kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen. Ruft Trazodon bei Ihnen Schläfrigkeit, Benommenheit, Schwindel, Verwirrtheit oder verschwommenes Sehen hervor, dürfen Sie laut Packungsbeilage kein Fahrzeug führen und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [2, 3, 4]
Ältere Menschen reagieren laut Fachinformation von Mirtazapin häufig empfindlicher auf die Nebenwirkungen von Antidepressiva; unter Trazodon zeigen sie laut Fachinformation häufiger unter anderem einen Blutdruckabfall beim Aufstehen und Schläfrigkeit. Mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 3]
Worauf Sie bei beiden achten sollten
Wer depressiv ist, kann manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, weil diese Arzneimittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal länger. Wahrscheinlicher ist das bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf. [1, 4]
Bei einer manisch-depressiven Erkrankung kann unter beiden eine depressive in eine manische Phase übergehen; dann muss das Mittel laut Fachinformation abgesetzt werden. Bei Schizophrenie oder anderen psychotischen Erkrankungen können sich die psychotischen Beschwerden unter Antidepressiva verschlechtern. [2, 3]
Bei Anzeichen einer Infektion wie unerklärlich hohem Fieber, Halsschmerzen und Geschwüren im Mund beenden Sie Mirtazapin laut Packungsbeilage und wenden sich für eine Blutuntersuchung sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Unter Trazodon wenden Sie sich bei Halsschmerzen, Fieber oder grippeähnlichen Beschwerden umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; eine Blutuntersuchung wird dann empfohlen. Bei einer Gelbfärbung von Haut oder Augen beenden Sie laut Packungsbeilage beide Mittel und wenden sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; bei Trazodon gilt das auch für Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen und für eine anhaltende, schmerzhafte Erektion ohne sexuelle Aktivität (Priapismus). [1, 4]
Wechsel nur ärztlich
Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Spricht eine Depression nicht auf ein Antidepressivum an, kann laut NVL ein einmaliger Wechsel auf ein Antidepressivum mit anderem Wirkmechanismus angeboten werden. Setzen Sie keines der beiden Mittel plötzlich ab: Mirtazapin beenden Sie laut Packungsbeilage nur nach Rücksprache und nicht abrupt, bei Trazodon sollte die Einnahme laut Fachinformation nicht plötzlich abgebrochen und die Tagesdosis langsam verringert werden. Nach einem abrupten Ende können bei beiden Absetzbeschwerden auftreten, unter anderem Übelkeit. Wie Umstellungen ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln, mehr zum Beenden unter Antidepressiva absetzen. [1, 3, 6]
Quellen
- Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Trazodon-neuraxpharm 100 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Trazodon HEXAL 100 mg Tabletten. Hexal AG. Stand 10/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Mirtazapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023 (gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (publiziert 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Schlafstörung: Behandlung mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand aktualisiert am 03.07.2024. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist besser, Mirtazapin oder Trazodon?
Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Nach der NVL Unipolare Depression legt die Studienlage eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der verschiedenen Antidepressiva nahe; ausgewählt wird nach den Wünschen der Betroffenen, nach klinischen Kriterien wie Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und Wechselwirkungen und nach praktischen Gesichtspunkten. Diese Abwägung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was ist der Unterschied zwischen Mirtazapin und Trazodon?
Beide sind dämpfende Antidepressiva für Erwachsene mit Depression. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem im Wirkprinzip (Mirtazapin blockiert Alpha-2-Rezeptoren, Trazodon hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin nur schwach), in der Halbwertszeit (Mirtazapin im Mittel 20 bis 40 Stunden, Trazodon im Durchschnitt 4,9 bis 8,2 Stunden) und in der Einnahme (Mirtazapin mit oder ohne Nahrung, Trazodon direkt nach dem Essen). Bei einem akuten Herzinfarkt darf Trazodon nicht genommen werden; bei Mirtazapin sind nach einem kürzlichen Herzinfarkt eine sorgfältige Dosierung und eine engmaschige Überwachung notwendig.
Was hilft beim Schlafen, Mirtazapin oder Trazodon?
Zur Behandlung von Schlafstörungen ist keines der beiden zugelassen. Bei hartnäckigen Schlafstörungen im Zusammenhang mit einer Depression kommen laut NVL anstelle von Benzodiazepinen eher Schulungen zur Schlafhygiene und dämpfende Antidepressiva wie Mirtazapin infrage. Über Nutzen und Schaden von Mirtazapin gegen Schlafprobleme ist laut IQWiG wenig bekannt; die Nebenwirkungen von Trazodon bei dieser Anwendung sind laut IQWiG nicht ausreichend untersucht. Was für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Nimmt man mit Mirtazapin oder mit Trazodon eher zu?
Verstärkter Appetit und Gewichtszunahme sind laut Packungsbeilage von Mirtazapin sehr häufig, sie können also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Für Trazodon nennt die Fachinformation Gewichtszunahme und Gewichtsabnahme als gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten. Die Angaben stammen aus unterschiedlichen Auswertungen und sind kein Ergebnis eines direkten Vergleichs beider Mittel. Sprechen Sie Veränderungen Ihres Gewichts bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Kann man Mirtazapin und Trazodon zusammen nehmen?
Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich ein, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat. Laut Fachinformation kann Mirtazapin die dämpfende Wirkung anderer beruhigender Mittel verstärken, und bei Trazodon kann die dämpfende Wirkung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln verstärkt werden. Die NVL zählt bei Trazodon dämpfende Mittel und Mittel, die Alpha-2-Rezeptoren blockieren, zu den wichtigen Wechselwirkungen; Mirtazapin zählt die NVL zu den Alpha-2-Rezeptor-Antagonisten.
Kann ich von Mirtazapin auf Trazodon wechseln?
Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung. Setzen Sie Ihr Mittel nicht selbst ab: Laut Packungsbeilage beenden Sie die Einnahme von Mirtazapin nur nach Rücksprache und nicht abrupt, und bei Trazodon sollte die Einnahme laut Fachinformation nicht plötzlich abgebrochen werden. Bei beiden können nach einem plötzlichen Absetzen Absetzbeschwerden auftreten.
Darf ich mit Mirtazapin oder Trazodon Alkohol trinken?
Laut Packungsbeilage von Mirtazapin können Sie sich schläfrig fühlen, wenn Sie während der Einnahme Alkohol trinken; Sie sollten überhaupt keinen Alkohol trinken. Laut Packungsbeilage von Trazodon verstärkt das Mittel Schläfrigkeit, verringerte Wachsamkeit und andere Wirkungen von Alkohol, und Sie sollten während der Einnahme darauf verzichten.
Was ist in der Schwangerschaft zu beachten?
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Mirtazapin in der Schwangerschaft mit "hoch" an; Mirtazapin kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft angewendet werden, als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut beiden Fachinformationen ist in der Schwangerschaft Vorsicht geboten; laut Packungsbeilage von Trazodon HEXAL soll eine Anwendung in der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermieden werden.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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