Behandlung
Ketamin und Esketamin bei Depression
Esketamin ist als Nasenspray gegen Depressionen zugelassen, für Erwachsene und nur zusammen mit einem anderen Antidepressivum: bei einer therapieresistenten Depression und als Kurzzeitbehandlung im psychiatrischen Notfall. Ketamin, ein Gemisch aus Esketamin und seiner spiegelbildlichen Form, ist als Narkosemittel zugelassen, für die Behandlung einer Depression nicht; laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression soll es dafür über die Vene nicht außerhalb einer stationären psychiatrischen Behandlung angewendet werden. Das Nasenspray wenden Sie unter Aufsicht in einer Praxis oder Klinik an und werden danach überwacht, bis Sie stabil genug sind, um nach Hause zu gehen.

Ketamin wird seit Jahrzehnten als Narkosemittel eingesetzt, zum Beispiel bei Operationen, und hat laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression vermutlich auch eine antidepressive Wirkung. Esketamin ist eine der beiden Formen, aus denen Ketamin besteht, und laut NVL seit 2020 als Antidepressivum verfügbar [1]. Zugelassen ist es als Nasenspray für Erwachsene, und zwar nur zusammen mit einem anderen Antidepressivum [3]. Ketamin selbst ist für die Behandlung einer Depression nicht zugelassen [1, 6]. Die Entscheidung zur Verordnung von Esketamin muss laut Fachinformation eine Psychiaterin oder ein Psychiater treffen, und Sie wenden das Nasenspray unter der direkten Aufsicht von Fachpersonal an [3].
Was Ketamin und Esketamin unterscheidet
Ketamin ist ein Gemisch (Racemat) aus zwei spiegelbildlichen Formen, R-Ketamin und Esketamin. Esketamin ist die S-Form, in der Fachsprache das S-Enantiomer [1, 3]. Laut Fachinformation blockiert Esketamin im Gehirn eine Andockstelle des Botenstoffs Glutamat, den NMDA-Rezeptor. Dadurch wird vorübergehend mehr Glutamat ausgeschüttet, und über weitere Schritte kann das dazu beitragen, die Funktion der Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen in Hirnregionen für Stimmung und Gefühle wiederherzustellen [3]. Die NVL und ihre Patientenleitlinie beschreiben die Folge der Blockade anders, nämlich als Hemmung der Glutamatfreisetzung [1, 2].
| Merkmal | Esketamin-Nasenspray | Ketamin |
|---|---|---|
| Form | Nasenspray, das Sie unter Aufsicht selbst anwenden [3] | Injektionslösung zur Anwendung in die Vene oder in den Muskel [6] |
| Zugelassen | bei Erwachsenen mit Major Depression, nur zusammen mit einem anderen Antidepressivum: bei Therapieresistenz und als Kurzzeitbehandlung im psychiatrischen Notfall [3] | bei Kindern und Erwachsenen nur als Mittel zur Narkosedurchführung, darunter Narkose und Schmerzbekämpfung [6] |
| Bei Depression | außerhalb dieser beiden Situationen nicht zugelassen [1] | nicht zugelassen [1, 6] |
| NVL Unipolare Depression | "kann" im stationären oder teilstationären Rahmen zusätzlich zu einem Antidepressivum angeboten werden [1] | über die Vene "soll nicht" außerhalb einer stationären psychiatrischen Behandlung angewendet werden [1] |
Die Fachinformation des Nasensprays erwähnt, dass Esketamin und Ketamin auch als Narkosemittel in die Vene gespritzt werden [3]. Mehr zu Wirkung, Nebenwirkungen und Alltag mit dem Nasenspray steht auf der Seite Esketamin. In der Fachinformation zählt Esketamin zu den anderen Antidepressiva, einen Überblick gibt die Seite Weitere Antidepressiva [3].
Wofür die beiden Mittel zugelassen sind
Esketamin als Nasenspray
Esketamin-Nasenspray ist für Erwachsene mit einer Major Depression in zwei Situationen zugelassen, jeweils nur zusammen mit einem anderen Antidepressivum [3]:
- bei einer therapieresistenten Major Depression, wenn die aktuelle mittelgradige bis schwere Episode auf mindestens zwei unterschiedliche Behandlungen mit Antidepressiva nicht angesprochen hat; Esketamin kommt dann zu einem SSRI oder SNRI hinzu [3]
- als akute Kurzzeitbehandlung bei einer mittelgradigen bis schweren Episode, um depressive Beschwerden schnell zu verringern, die nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen; hier wird es mit einem Antidepressivum zum Einnehmen kombiniert [3]
Außerhalb von Notfallsituationen und Therapieresistenz ist Esketamin laut NVL für die Behandlung einer unipolaren Depression nicht zugelassen; die Patientenleitlinie betont, dass es nicht als erste Behandlung zugelassen ist [1, 2]. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wenden Sie es laut Packungsbeilage nicht an [4]. Laut EMA-Produktinformation unterliegt das Nasenspray der besonderen und eingeschränkten ärztlichen Verschreibung; sein Handelsname ist Spravato [3, 5]. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosierung stehen auf der Seite Esketamin.
Ketamin als Narkosemittel
Laut Fachinformation eines Ketamin-Präparats (Injektionslösung) ist Ketamin bei Kindern und Erwachsenen nur als Mittel zur Narkosedurchführung zugelassen, und zwar für diese Anwendungen [6]:
- Einleitung und Durchführung einer Vollnarkose, gegebenenfalls zusammen mit Schlafmitteln [6]
- Ergänzung einer örtlichen Betäubung (Regionalanästhesie) [6]
- Narkose und Schmerzbekämpfung in der Notfallmedizin [6]
- Behandlung häufiger und dauerhafter Anfälle von Atemnot, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen (therapieresistenter Status asthmaticus) [6]
- Schmerzbekämpfung bei künstlicher Beatmung [6]
Eine Depression gehört nicht zu diesen Anwendungsgebieten [6]. Auch die NVL hält fest, dass die Anwendung von Ketamin über die Vene (intravenös) zur Behandlung depressiver Störungen außerhalb der Zulassung erfolgt, in der Fachsprache off-label [1]. Ketamin ist laut Fachinformation verschreibungspflichtig und sollte nur von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in Anästhesie oder Notfallmedizin eingesetzt werden. Bei Menschen mit schweren psychischen Störungen, auch wenn diese früher bestanden, darf es laut Fachinformation nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden [6].
Was die Leitlinie zu Esketamin und Ketamin sagt
Die NVL Unipolare Depression in der Version 3.2 vom Juli 2023 (gültig bis 29. September 2027) äußert sich zu beiden Mitteln. Ihre Empfehlungen lauten "soll", "sollte" oder "kann", Empfehlungen dagegen "sollte nicht" oder "soll nicht"; ob eine Empfehlung im Einzelfall passt, muss laut NVL in der individuellen Situation geprüft werden [1]:
- Bei einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode, die auf mehrere angemessen durchgeführte Behandlungsversuche nicht angesprochen hat, kann im stationären oder teilstationären Rahmen zusätzlich zu einem Antidepressivum Esketamin als Nasenspray angeboten werden ("kann", Empfehlung 7-24) [1].
- Für Notfallsituationen spricht die NVL dieselbe offene Empfehlung aus ("kann", Empfehlung 12-16). Weil Esketamin nur in Kombination mit Antidepressiva zugelassen ist und es keine Belege für eine alleinige Behandlung gibt, gilt die Empfehlung nur für die Kombination [1].
- Ketamin über die Vene, das dafür nicht zugelassen ist, soll nicht außerhalb einer stationären psychiatrischen Behandlung angewendet werden ("soll nicht", Empfehlung 7-25) [1].
Zu Esketamin fand die Leitliniengruppe eine kurzfristige Wirksamkeit für die Dauer der Behandlung von einem Monat, die aber nicht in allen Studien statistisch gesichert war. Die Aussagesicherheit bewertet sie als niedrig bis moderat: Es ist damit zu rechnen, dass Teilnehmende an den typischen Wirkungen erkannten, ob sie Esketamin bekamen, die Effekte waren nicht einheitlich, und alle relevanten Studien hat der Hersteller finanziert. Als Stärke des neuen Ansatzes sieht sie vor allem den schnellen Wirkungseintritt. Weil die Studien nicht durchgehend statistisch gesicherte Effekte gegenüber einem Scheinmedikament (Placebo) zeigten, hat sie nur eine offene Empfehlung ausgesprochen [1]. Wie viele und welche Behandlungsversuche vorher nötig sind, legt die NVL nicht genau fest. Sie setzt eine Vorbehandlung nach ihren Empfehlungen voraus, gegebenenfalls einschließlich einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie und der anderen Möglichkeiten bei Nichtansprechen [1]. Diese Möglichkeiten beschreibt die Seite Wenn ein Antidepressivum nicht wirkt.
Zum Ort der Behandlung: Die beiden Empfehlungen der NVL nennen den stationären oder teilstationären Rahmen; laut Patientenleitlinie rät die Leitliniengruppe wegen der möglichen Nebenwirkungen dazu, das Nasenspray nur in einem Krankenhaus oder einer Tagesklinik unter Aufsicht anzuwenden [1, 2]. In der Version 3.2 hat die NVL einen Passus gestrichen, nach dem Esketamin nur stationär oder teilstationär verfügbar war, weil sich die Zulassung geändert hatte [1]. Laut Packungsbeilage wenden Sie das Nasenspray in einer medizinischen Umgebung wie einer Praxis oder Klinik an [4]. Mehr zur Behandlung in der Klinik steht unter Klinik und Tagesklinik.
Von Ketamin über die Vene in der ambulanten Versorgung rät die Leitliniengruppe ab, weil die Aussagesicherheit der Studien niedrig ist und dem zu erwartenden kurzzeitigen Nutzen relevante Nebenwirkungen gegenüberstehen. Sie sieht außerdem die Gefahr einer Fehlversorgung aus kommerziellem Interesse, etwa als Selbstzahlerleistung (IGeL), ohne Einbettung in ein psychiatrisches Gesamtkonzept [1]. Für Notfallsituationen spricht die NVL zu Ketamin über die Vene keine Empfehlung aus, weil es dafür nicht zugelassen ist und mit dem Esketamin-Nasenspray ein zugelassenes Mittel in anderer Darreichungsform zur Verfügung steht [1].
Wie sich Esketamin zu den Hirnstimulationsverfahren verhält, etwa zur Elektrokonvulsionstherapie (EKT) und zur repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS), ist laut NVL unklar. Für diese Verfahren ist die Studienlage breiter und die klinische Erfahrung länger, sie bringen aber eigene Probleme mit, zum Beispiel bei der Akzeptanz und der regionalen Verfügbarkeit. Bei der Wahl steht deshalb die gemeinsame Entscheidung mit Ihnen im Vordergrund, nach Abwägung von Nutzen, Risiken und Ihren Vorlieben [1].
So läuft eine Behandlung mit dem Nasenspray ab

Zu jeder Sitzung gehören die Anwendung und eine anschließende Nachbeobachtung; beides muss laut Fachinformation in einem geeigneten medizinischen Umfeld stattfinden [3].
- Vor der ersten VerordnungBei Erkrankungen von Herz, Kreislauf oder Blutgefäßen des Gehirns sollten Sie laut Fachinformation vor der Verordnung sorgfältig untersucht werden, und das persönliche Risiko für Missbrauch oder Abhängigkeit sollte vorher beurteilt werden [3]. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, unter anderem wenn Sie jemals Drogenprobleme hatten oder eine Psychose, eine bipolare Störung oder eine nicht ausreichend behandelte Schilddrüsenüberfunktion [4].
- Vor jeder SitzungVor der Anwendung muss der Blutdruck gemessen werden. Ist er erhöht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob Sie das Nasenspray anwenden können oder warten müssen, bis er gesunken ist [3, 4]. Weil es nach der Anwendung zu Übelkeit oder Erbrechen kommen kann, sollten Sie 2 Stunden vorher nichts mehr essen und 30 Minuten vorher nichts mehr trinken. Kortisonhaltige oder abschwellende Nasensprays vermeiden Sie innerhalb einer Stunde vor der Behandlung [3, 4].
- Anwendung unter AufsichtÄrztin, Arzt oder Fachpersonal zeigen Ihnen, wie Sie den Nasenspray-Applikator anwenden. Wie viele Applikatoren Sie brauchen und wie häufig Sie in die Praxis oder Klinik kommen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt [4]. Die Angaben der Packungsbeilage für die einzelnen Behandlungsphasen stehen im Abschnitt Dosierung der Wirkstoffseite.
- NachbeobachtungEtwa 40 Minuten nach der Anwendung sollte der Blutdruck erneut gemessen werden, danach nach ärztlichem Ermessen. Wegen möglicher Schläfrigkeit, eines Gefühls des Abgespaltenseins und eines erhöhten Blutdrucks müssen Sie überwacht werden, bis Sie nach ärztlicher Einschätzung stabil genug sind, um entlassen zu werden [3]. Wie lange das dauert, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt [4].
- Heimweg und restlicher TagÜben Sie bis zum nächsten Tag nach einem erholsamen Schlaf keine Tätigkeiten aus, die Ihre volle Aufmerksamkeit fordern: Führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Maschinen [4]. Esketamin hat laut Fachinformation großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit; in Studien wurde unter anderem über Schläfrigkeit, Schwindel und dissoziative Beschwerden berichtet [3]. Klären Sie vor dem Termin, wie Sie nach Hause kommen; mehr unter Psychopharmaka und Autofahren.
- Verlauf und EndeBei einer therapieresistenten Depression soll am Ende der vierwöchigen Anfangsphase (Induktionsphase) der Nutzen beurteilt werden, um über die weitere Behandlung zu entscheiden [3]. Laut Packungsbeilage ist es wichtig, dass Sie zu allen vorgesehenen Terminen kommen [4]. Ein Ausschleichen ist beim Beenden laut Fachinformation nicht nötig; ob und wann die Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3]. Für das Antidepressivum, das Sie zusätzlich einnehmen, gelten dessen eigene Hinweise, siehe Antidepressiva absetzen.
Nach den Bedingungen der Zulassung soll das Nasenspray an die medizinischen Einrichtungen geliefert werden, in denen die Anwendung erfolgt. Findet sie nicht stationär statt, darf sie nur in einem Umfeld erfolgen, in dem Sie angemessen überwacht werden können. In jedem EU-Mitgliedstaat, in dem das Nasenspray auf dem Markt ist, muss ein Programm für einen kontrollierten Zugang bestehen, um das Risiko des Missbrauchs zu verhindern oder zu verringern [5].
Nebenwirkungen und Risiken
Esketamin-Nasenspray
Am häufigsten beobachtet wurden unter Esketamin laut Fachinformation Schwindelgefühl, ein Gefühl des Abgespaltenseins (Dissoziation), Übelkeit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, ein verändertes Geschmacksempfinden, Drehschwindel, ein vermindertes Empfinden, Erbrechen und ein erhöhter Blutdruck [3]. Die Dissoziation beschreibt die Packungsbeilage als Gefühl, von sich selbst, den eigenen Gedanken, Gefühlen oder von Raum und Zeit abgespalten zu sein [4]. Der Blutdruck kann vorübergehend steigen; die Spitzenwerte werden etwa 40 Minuten nach der Anwendung erreicht und halten etwa 1 bis 2 Stunden an [3]. Laut Patientenleitlinie sind die Nebenwirkungen oft nur von kurzer Dauer, können aber schwer sein; in einer Studie traten sie kurz nach der Anwendung auf und klangen meist innerhalb eines Tages ab [2]. Alle Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit zeigt die Seite Esketamin.
Laut Fachinformation wurden seltene Fälle einer tiefen Sedierung berichtet. Nach der Markteinführung wurden außerdem seltene Fälle von Atemproblemen (Atemdepression) beobachtet; die meisten davon traten zusammen mit anderen dämpfenden Mitteln oder bei Menschen mit Begleiterkrankungen auf, waren vorübergehend und klangen nach Ansprache, Berührung oder zusätzlichem Sauerstoff ab [3]. Zusammen mit dämpfenden Mitteln wie Benzodiazepinen, Opioiden oder Alkohol kann die beruhigende Wirkung stärker werden; dann ist laut Fachinformation eine engmaschige Überwachung notwendig [3]. Auch über Beschwerden der Harnwege und der Harnblase wurde berichtet. Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin melden Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3, 4].
Missbrauch und Abhängigkeit beschreibt die Fachinformation als Risiko. Wer früher Arzneimittel missbraucht hat oder abhängig war, kann ein erhöhtes Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit von Esketamin haben. Vor der Verordnung sollte das persönliche Risiko beurteilt werden, und während der Behandlung soll auf Anzeichen von Abhängigkeit oder Missbrauch geachtet werden [3]. Bei langfristiger Anwendung von Ketamin wurden Abhängigkeit und Gewöhnung (Toleranz) berichtet; bei Menschen, die von Ketamin abhängig waren, wurde nach dem Absetzen über Entzugsbeschwerden wie starkes Verlangen, Angst, Zittern, Schweißausbrüche und Herzrasen berichtet [3]. Weil das Nasenspray unter der direkten Aufsicht von Fachpersonal angewendet wird, schätzt die Fachinformation das Risiko für Missbrauch und missbräuchliche Weitergabe als minimal ein. Zugleich hält sie fest, dass das Nasenspray missbräuchlich angewendet oder entwendet werden könnte [3]. Allgemeines zum Thema steht unter Abhängigkeit.
In der Schwangerschaft und in der Stillzeit wenden Sie Esketamin laut Packungsbeilage nicht an. Wenn Sie schwanger werden könnten, müssen Sie während der Behandlung verhüten [4]. Mehr dazu unter Schwangerschaft und Verhütung.
Ketamin
Für Ketamin nennt die Fachinformation des Narkosemittels eigene Risiken. Es liegen Berichte über Missbrauch vor; Ketamin kann dabei unter anderem zum Wiedererleben früherer Gefühlszustände führen, zu Halluzinationen, Verstimmungen (Dysphorie), Angst, Schlaflosigkeit und Desorientierung. Wer früher Arzneimittel missbraucht hat oder abhängig war, kann eine Abhängigkeit oder Toleranz gegenüber Ketamin entwickeln [6]. Bei Menschen, die Ketamin über längere Zeit erhielten, wurden Entzündungen der Harnblase, auch mit Blutungen, eine akute Nierenschädigung und weitere Erkrankungen der Nieren und Harnleiter berichtet, vor allem bei Missbrauch und nach einem Monat bis mehreren Jahren Behandlung; bei Anwendung über mehr als 3 Tage auch Leberschäden [6]. Beim Aufwachen aus der Narkose kann es unter anderem zu lebhaften Träumen einschließlich Albträumen, Schwindel und motorischer Unruhe kommen [6].
Für Ketamin über die Vene bei Depressionen nennt die NVL nach ihrer Auswertung der Studien unter anderem Verwirrtheit, emotionale Abstumpfung, Kopfschmerzen, Angst, Übelkeit, dissoziative Wahrnehmungen und einen Blutdruckanstieg als Nebenwirkungen [1].
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Eine Depression geht laut Fachinformation von Esketamin mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und selbstschädigendes Verhalten einher. Das Risiko besteht, bis sich die Beschwerden deutlich bessern, und nach allgemeiner klinischer Erfahrung kann das Suizidrisiko in den frühen Phasen des Ansprechens auf die Behandlung steigen [3]. Dass Esketamin Suizide verhindert oder Suizidgedanken und suizidales Verhalten verringert, ist laut Fachinformation nicht nachgewiesen. Eine Aufnahme ins Krankenhaus kann auch dann nötig sein, wenn es Ihnen nach der ersten Anwendung besser geht [3]. Vor allem zu Beginn und nach Änderungen der Dosis sollte die Behandlung mit einer sorgfältigen Überwachung einhergehen. Sie und Ihre Betreuungspersonen sind laut Fachinformation darauf hinzuweisen, auf jede Verschlechterung, auf Suizidgedanken und auf ungewöhnliche Veränderungen im Verhalten zu achten; treten sie auf, sollten Sie unverzüglich ärztlichen Rat einholen [3]. Die Packungsbeilage sagt: Sprechen Sie sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder gehen Sie sofort in das nächste Krankenhaus, wenn Sie daran denken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen [4].
Informieren Sie laut Packungsbeilage umgehend das Fachpersonal, wenn Sie Schmerzen im Brustraum, Kurzatmigkeit, plötzliche schwere Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Krampfanfälle bekommen, und ebenso, wenn Sie das Gefühl haben, nicht wach bleiben zu können oder ohnmächtig zu werden [4]. Bleibt der Blutdruck nach der Anwendung über längere Zeit erhöht, muss laut Fachinformation unverzüglich eine Ärztin oder ein Arzt mit Erfahrung in der Blutdruckkontrolle hinzugezogen werden [3].
Was Sie selbst tun können
- Sprechen Sie in der Praxis an, wenn Sie von Ketamin oder Esketamin gelesen haben, und fragen Sie, ob es für Sie infrage kommt und welche anderen Möglichkeiten die Leitlinie nennt. Dabei helfen die Fragen fürs Arztgespräch.
- Nennen Sie vor einer Behandlung mit dem Nasenspray alle Arzneimittel, die Sie anwenden, kürzlich angewendet haben oder anwenden möchten, und sagen Sie, wenn Sie alkoholhaltige Arzneimittel oder Getränke zu sich nehmen; darum bittet die Packungsbeilage [4]. Den Überblick behalten Sie mit dem Medikationsplan.
- Bitten Sie Angehörige oder Freunde, Ihnen zu sagen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich Ihre Depression verschlimmert; ein solches Gespräch kann laut Packungsbeilage hilfreich sein [4].
- Halten Sie Stimmung und Beschwerden zwischen den Terminen im Stimmungs- und Nebenwirkungstagebuch fest.
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Spravato 28 mg Nasenspray, Lösung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Spravato 28 mg Nasenspray, Lösung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Spravato (EPAR), Anhang II: Bedingungen oder Einschränkungen für die Abgabe und den Gebrauch, Bedingungen für die sichere und wirksame Anwendung. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Ketamin-hameln 50 mg/ml Injektionslösung. hameln pharma gmbh (Zulassungsinhaber). Stand 04/2020. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Ketamin und Esketamin?
Ketamin ist ein Gemisch aus zwei spiegelbildlichen Formen, R-Ketamin und Esketamin. Esketamin ist als Nasenspray gegen Depressionen zugelassen, für Erwachsene und nur zusammen mit einem anderen Antidepressivum: bei einer therapieresistenten Depression und als Kurzzeitbehandlung im psychiatrischen Notfall. Ketamin ist laut Fachinformation nur als Mittel zur Narkosedurchführung zugelassen, darunter Narkose und Schmerzbekämpfung; für die Behandlung einer Depression ist es nicht zugelassen.
Hilft Ketamin gegen Depressionen?
Ketamin hat laut NVL Unipolare Depression vermutlich auch eine antidepressive Wirkung, ist zur Behandlung einer Depression aber nicht zugelassen. Für Ketamin über die Vene bewertet die Leitliniengruppe die Aussagesicherheit der Studien als niedrig, und dem zu erwartenden kurzzeitigen Nutzen stehen relevante Nebenwirkungen gegenüber. Laut NVL soll es deshalb nicht außerhalb einer stationären psychiatrischen Behandlung angewendet werden.
Wie schnell wirkt Esketamin?
Die NVL sieht die Stärke von Esketamin vor allem im schnellen Wirkungseintritt; laut Patientenleitlinie fängt es sehr schnell an zu wirken. Bei einer therapieresistenten Depression soll laut Fachinformation am Ende der vierwöchigen Anfangsphase der Nutzen beurteilt werden, um über die weitere Behandlung zu entscheiden.
Wie oft wird das Esketamin-Nasenspray angewendet?
Wie viele Applikatoren Sie brauchen und wie häufig Sie in die Praxis oder Klinik kommen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Die Angaben der Packungsbeilage für die einzelnen Behandlungsphasen stehen auf der Seite Esketamin im Abschnitt zur Dosierung. Laut Packungsbeilage ist es wichtig, dass Sie zu allen vorgesehenen Terminen kommen.
Kann ich das Esketamin-Nasenspray zu Hause anwenden?
Nein. Sie wenden das Nasenspray selbst an, aber unter der direkten Aufsicht von Fachpersonal in einer Praxis oder Klinik, und werden danach überwacht, bis Sie stabil genug sind, um entlassen zu werden. Nach den Bedingungen der Zulassung soll das Nasenspray an die medizinischen Einrichtungen geliefert werden, in denen es angewendet wird.
Darf ich nach der Behandlung mit Esketamin Auto fahren?
Laut Packungsbeilage nicht: Führen Sie bis zum nächsten Tag nach einem erholsamen Schlaf kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Maschinen. Esketamin hat laut Fachinformation großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit; in Studien wurde unter anderem über Schläfrigkeit, Schwindel und dissoziative Beschwerden berichtet. Klären Sie vor dem Termin, wie Sie nach Hause kommen.
Kann man von Ketamin oder Esketamin abhängig werden?
Die Fachinformation von Esketamin nennt ein Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit; wer früher Arzneimittel missbraucht hat oder abhängig war, kann ein erhöhtes Risiko haben. Bei langfristiger Anwendung von Ketamin wurden Abhängigkeit und Gewöhnung berichtet, und die Fachinformation von Ketamin nennt Berichte über Missbrauch. Weil das Nasenspray unter der direkten Aufsicht von Fachpersonal angewendet wird, schätzt seine Fachinformation das Risiko für Missbrauch als minimal ein; zugleich hält sie fest, dass es missbräuchlich angewendet werden könnte.
Darf ich während der Behandlung mit Esketamin Alkohol trinken?
Alkohol kann laut Fachinformation wie andere dämpfende Mittel die beruhigende Wirkung von Esketamin verstärken; dann ist eine engmaschige Überwachung notwendig. Die Packungsbeilage bittet Sie, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt zu informieren, wenn Sie alkoholhaltige Arzneimittel oder Getränke zu sich nehmen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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