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Venlafaxin oder Duloxetin: die Unterschiede
Venlafaxin und Duloxetin gehören beide zu den SNRI und hemmen die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem bei den zugelassenen Anwendungsgebieten, bei den Vorgaben zum Blutdruck, bei den Gegenanzeigen und beim Abbau in der Leber. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was Venlafaxin und Duloxetin gemeinsam haben
Venlafaxin und Duloxetin gehören zu den Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmern (SNRI), einer Gruppe der Antidepressiva. Beide hemmen, dass Nervenzellen die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin wieder aufnehmen; die Wiederaufnahme von Dopamin hemmen sie laut Fachinformation nur in geringem Maß. [2, 4, 5, 6]
Beide sind verschreibungspflichtig und bei Erwachsenen zur Behandlung einer Depression und der generalisierten Angststörung zugelassen. Laut beiden Packungsbeilagen brauchen Antidepressiva einige Zeit, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger. Bei einer Depression soll laut NVL Unipolare Depression (Version 3.2 vom Juli 2023, gültig bis spätestens September 2027) für die Prüfung des Ansprechens ein Zeitpunkt 3 bis 4 Wochen nach Erreichen der Standarddosis gewählt werden. [1, 2, 3, 4, 7]
Für die Behandlung einer Depression legt die Studienlage laut NVL eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der verschiedenen Antidepressiva nahe. Das Mittel soll nach dem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, Ihren Wünschen, der Erfahrung der Behandelnden und weiteren Kriterien ausgewählt werden, darunter Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und der Aufwand für Kontrollen. [7]
Venlafaxin und Duloxetin im Überblick
| Venlafaxin | Duloxetin | |
|---|---|---|
| Gruppe | SNRI [1] | SNRI [4] |
| Zugelassen bei Erwachsenen | Episoden einer Major Depression und Vorbeugung erneuter Episoden, generalisierte Angststörung, soziale Angststörung, Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie [2] | depressive Erkrankungen (Major Depression), Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie, generalisierte Angststörung [4, 8] |
| Kinder und Jugendliche | sollte unter 18 Jahren nicht angewendet werden [2] | darf unter 18 Jahren nicht angewendet werden [4] |
| Wirkweise | hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, schwach auch von Dopamin; das wirksame Abbauprodukt O-Desmethylvenlafaxin hemmt sie ebenfalls [2] | hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, gering auch von Dopamin; die im Blut kreisenden Abbauprodukte sind laut Laborstudien als unwirksam anzusehen [4] |
| Halbwertszeit | im Mittel 5 Stunden, beim wirksamen Abbauprodukt 11 Stunden; gleichbleibende Spiegel innerhalb von 3 Tagen [2] | 8 bis 17 Stunden, im Mittel 12 Stunden [4] |
| Abbau in der Leber | über CYP2D6 zum wirksamen Hauptabbauprodukt, über CYP3A4 zu einem weniger aktiven Nebenprodukt; hemmt CYP2D6 relativ schwach [2] | über CYP1A2 und CYP2D6; hemmt CYP2D6 mäßig [4] |
| Gegenanzeigen laut Fachinformation | Überempfindlichkeit; Behandlung mit irreversiblen MAO-Hemmern [2] | Überempfindlichkeit; nicht-selektive, irreversible MAO-Hemmer; Lebererkrankung mit eingeschränkter Leberfunktion; schwere Einschränkung der Nierenfunktion; Fluvoxamin, Ciprofloxacin oder Enoxacin; Behandlungsbeginn bei unkontrolliertem Bluthochdruck [4] |
| Blutdruck laut Fachinformation | bei allen vor Beginn prüfen, bestehenden Bluthochdruck vorher einstellen, danach regelmäßig kontrollieren [2] | Überwachung bei bekanntem Bluthochdruck oder anderen Herzerkrankungen, besonders im ersten Behandlungsmonat [4] |
| Schwangerschaft laut Embryotox | Erfahrungsumfang sehr hoch; besser geeignet: Sertralin, Citalopram bzw. Escitalopram [5] | Erfahrungsumfang sehr hoch; bei depressiven Erkrankungen besser geeignet: Sertralin, Citalopram bzw. Escitalopram [6] |
| Abgabe | verschreibungspflichtig [2] | verschreibungspflichtig [4] |
Zu den Angaben von Embryotox: Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Bei Erwachsenen sind beide für die Depression und die generalisierte Angststörung zugelassen, also ein dauerhaftes Gefühl von Angst oder Nervosität. Nur Venlafaxin ist außerdem bei der sozialen Angststörung und der Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie zugelassen. Nur Duloxetin ist zur Behandlung von Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie zugelassen, einer Nervenschädigung durch Diabetes; seine schmerzhemmende Wirkung erklärt man sich laut Fachinformation damit, dass es absteigende, schmerzhemmende Nervenbahnen im zentralen Nervensystem verstärkt. [1, 2, 3, 4]
Die Vorbeugung erneuter depressiver Episoden (Rezidivprophylaxe) führt nur die Fachinformation von Venlafaxin als eigenes Anwendungsgebiet; die Fachinformation von Duloxetin nennt sie nicht als eigenes Anwendungsgebiet. Für Antidepressiva allgemein soll laut NVL bei einer Depression empfohlen werden, das Mittel 6 bis 12 Monate über das Abklingen der Episode hinaus in gleicher Dosierung weiter einzunehmen. Mehr dazu unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? [2, 4, 7]
Grundlage sind die Fachinformationen der Präparate, die unter den Quellen stehen; die Produktinformation der Europäischen Arzneimittel-Agentur nennt für ein weiteres Duloxetin-Präparat dieselben drei Anwendungsgebiete. Unter verschiedenen Handelsnamen wird Duloxetin laut Fachinformation in verschiedenen Anwendungsgebieten angewendet, darunter auch bei Belastungsharninkontinenz; mehr als eines dieser Arzneimittel gleichzeitig anzuwenden, sollte vermieden werden. [4, 8]
Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren darf Duloxetin laut Fachinformation nicht angewendet werden, Venlafaxin sollte es nicht. Hinweise für Eltern: Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 4]
Nebenwirkungen im Vergleich
Übelkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit und Schläfrigkeit sind bei beiden sehr häufig. Bei anderen Beschwerden nennen die Packungsbeilagen unterschiedliche Häufigkeiten. [1, 3]
| Beschwerde | Venlafaxin | Duloxetin |
|---|---|---|
| Übelkeit | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Kopfschmerzen | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Mundtrockenheit | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Schläfrigkeit | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Schwindel | sehr häufig [1] | häufig [3] |
| Verstopfung | sehr häufig [1] | häufig [3] |
| Vermehrtes Schwitzen | sehr häufig, auch nachts [1] | häufig; nächtliches Schwitzen gelegentlich [3] |
| Weniger Lust auf Sex | häufig [1] | häufig [3] |
| Orgasmus | ausbleibender Orgasmus: häufig [1] | Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu bekommen: häufig [3] |
| Blutdruckanstieg | häufig [1] | häufig [3] |
| Innere Unruhe, nicht still sitzen können | häufig [1] | gelegentlich [3] |
| Gewichtszunahme | häufig [1] | gelegentlich [3] |
| Gewichtsabnahme | häufig [1] | häufig [3] |
| Natriummangel | selten [1, 2] | selten [3, 4] |
| Absetzsymptome beim Beenden | häufig [2] | häufig [4] |
Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; selten: bis zu 1 von 1.000.
Die Häufigkeiten stammen aus unterschiedlichen Daten: bei Venlafaxin aus klinischen Studien und Meldungen nach der Markteinführung, bei Duloxetin aus placebokontrollierten Studien und Spontanberichten. Eine andere Häufigkeitsklasse belegt deshalb nicht, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst. [2, 4]
SNRI können laut beiden Fachinformationen eine sexuelle Funktionsstörung verursachen; berichtet wurden auch lang anhaltende Beschwerden, die nach dem Absetzen bestehen blieben. Eine Akathisie, also eine als unangenehm oder quälend erlebte Unruhe mit Bewegungsdrang, tritt bei beiden am ehesten in den ersten Behandlungswochen auf; eine Erhöhung der Dosis kann dann schädlich bzw. nachteilig sein. [2, 4]
Ausführlich zu einzelnen Beschwerden: Gewichtszunahme, sexuelle Probleme, vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe (Akathisie) und Natriummangel.
Blutdruck und Herz

Ein Blutdruckanstieg ist laut Packungsbeilage bei beiden häufig. Bei Venlafaxin wurde laut Fachinformation häufig über einen von der Dosis abhängigen Anstieg berichtet, nach der Markteinführung auch über einige Fälle von stark erhöhtem Blutdruck, der sofort behandelt werden musste. Duloxetin stand laut seiner Fachinformation bei einigen Behandelten mit klinisch bedeutsamem Bluthochdruck in Zusammenhang; hypertensive Krisen, also krisenhafte Blutdruckanstiege, wurden besonders bei schon bestehendem Bluthochdruck berichtet. [1, 2, 3, 4]
Die Kontrollen beschreiben die Fachinformationen unterschiedlich. Bei Venlafaxin sollten alle Behandelten vor Beginn auf Bluthochdruck untersucht, ein bestehender Bluthochdruck vorher eingestellt und der Blutdruck nach Behandlungsbeginn und nach Dosiserhöhungen regelmäßig kontrolliert werden. Bei Duloxetin wird für Menschen mit bekanntem Bluthochdruck oder anderen Herzerkrankungen eine Überwachung des Blutdrucks empfohlen, besonders im ersten Behandlungsmonat; bei unkontrolliertem Bluthochdruck darf die Behandlung nicht begonnen werden. Steigt der Blutdruck unter Duloxetin anhaltend, sollte laut Fachinformation erwogen werden, die Dosis zu verringern oder das Mittel schrittweise abzusetzen; das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Bei einer Depression sieht die NVL Kontrollen von Blutdruck und Puls vor Beginn und im Verlauf vor, unter SNRI in hoher Dosierung häufiger. [2, 4, 7]
Unter Venlafaxin wurde nach der Markteinführung über Verlängerungen der QT-Zeit im EKG und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen berichtet, unter anderem bei Menschen mit erhöhtem Risiko dafür. Bei hohem Risiko sollten Nutzen und Risiko vor der Verordnung abgewogen werden, und Mittel, die die QT-Zeit verlängern, sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden. In einer großen Studie an Gesunden verlängerte Venlafaxin die QT-Zeit nicht in klinisch relevantem Ausmaß. Bei Duloxetin unterschied sich die QT-Zeit in Studien nicht von der unter einem Scheinmedikament (Placebo). [2, 4]
Ein EKG vor Beginn und im ersten Monat nennt die NVL bei einer Depression für Venlafaxin und für Menschen mit einem Risiko für oder einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung. Mehr unter Herz und QT-Zeit und Kontrollen während der Behandlung. [7]
Wechselwirkungen und Abbau in der Leber
Venlafaxin wird in der Leber über das Enzym CYP2D6 zu seinem wirksamen Hauptabbauprodukt umgebaut und über CYP3A4 zu einem weniger aktiven Nebenprodukt. Hemmstoffe von CYP3A4, etwa das Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin oder Ritonavir, können die Spiegel erhöhen; die Fachinformation rät dann zur Vorsicht. [1, 2]
Duloxetin wird über CYP1A2 und CYP2D6 abgebaut. Zusammen mit dem Antidepressivum Fluvoxamin und den Antibiotika Ciprofloxacin und Enoxacin, die CYP1A2 stark hemmen, darf es nicht angewendet werden, weil die Kombination den Duloxetin-Spiegel erhöht. Bei Rauchenden war die Konzentration von Duloxetin im Blut laut Fachinformation deutlich niedriger als bei Nichtrauchenden. Duloxetin hemmt seinerseits CYP2D6 mäßig; Vorsicht ist laut Fachinformation bei Mitteln geboten, die vorwiegend über dieses Enzym abgebaut werden, etwa Risperidon, Amitriptylin, Flecainid, Propafenon oder Metoprolol. Mehr dazu unter Psychopharmaka und Rauchen. [3, 4]
Zusammen mit irreversiblen MAO-Hemmern dürfen beide nicht angewendet werden, und für die Zeit zwischen den Behandlungen schreiben die Fachinformationen Wartezeiten vor; von Moclobemid und dem Antibiotikum Linezolid raten beide Fachinformationen ab, und die Packungsbeilage von Duloxetin nennt beide unter den MAO-Hemmern, mit denen Duloxetin nicht eingenommen werden darf. Mit anderen Mitteln, die auf Serotonin wirken, etwa Triptanen gegen Migräne, anderen Antidepressiva, Tramadol oder Johanniskraut, kann ein Serotonin-Syndrom auftreten, ein möglicherweise lebensbedrohlicher Zustand. Mittel zur Blutverdünnung und Hemmer der Blutplättchen können das Blutungsrisiko erhöhen. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [1, 2, 3, 4]
Leber, Nieren und weitere Vorsichtsmaßnahmen
Bei einer Lebererkrankung, die zu einer eingeschränkten Leberfunktion führt, und bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion darf Duloxetin laut Fachinformation nicht angewendet werden. Bei Venlafaxin sollte laut Fachinformation in diesen Fällen eine niedrigere Dosis erwogen bzw. gegeben werden; bei schwerer Einschränkung der Leberfunktion sollten zudem Nutzen und Risiko abgewogen werden. Für ältere Menschen sehen beide Fachinformationen keine Dosisanpassung allein wegen des Alters vor, die Behandlung sollte aber mit Vorsicht erfolgen. Vorsicht nennen beide außerdem unter anderem bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte, bei Manie oder bipolarer Störung, bei einem Risiko für ein Engwinkelglaukom und bei Neigung zu Blutungen. Mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 4]
Schwangerschaft und Stillzeit
Für Venlafaxin und für Duloxetin gibt Embryotox den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft mit "sehr hoch" an; die Auswertung von mehr als 4.000 bzw. etwa 4.500 Schwangerschaftsverläufen ergab keinen Hinweis auf ein erhöhtes Gesamtfehlbildungsrisiko. Eine stabile Einstellung kann laut Embryotox jeweils fortgesetzt werden. Bei einer Neueinstellung sollte zunächst geprüft werden, ob die am besten untersuchten Antidepressiva Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram eingesetzt werden können; Embryotox nennt sie als besser geeignete Alternativen, bei Duloxetin für depressive Erkrankungen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [5, 6]
In den ersten Lebenstagen ist beim Neugeborenen laut Embryotox auf mögliche Anpassungsstörungen zu achten, die Entbindung sollte daher in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Laut Fachinformation darf Venlafaxin in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen die möglichen Risiken überwiegt; Duloxetin darf nur eingenommen werden, wenn der mögliche Nutzen das mögliche Risiko für das ungeborene Kind rechtfertigt. [2, 4, 5, 6]
Zur Stillzeit nennt Embryotox publizierte Erfahrungen mit mehr als 40 Mutter-Kind-Paaren unter Venlafaxin und mit fünf unter Duloxetin; bei beiden hält Embryotox das Stillen bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel. Die Fachinformation von Duloxetin empfiehlt die Anwendung in der Stillzeit nicht; bei Venlafaxin muss laut Fachinformation entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung unterbrochen wird. Allgemeines dazu unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [2, 4, 5, 6]
Unterschiede im Alltag
Venlafaxin-Retardkapseln nehmen Sie laut Packungsbeilage jeden Tag etwa zur gleichen Zeit ein, morgens oder abends, und sie sollten mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Kapseln müssen im Ganzen geschluckt werden und dürfen nicht geöffnet, zerdrückt, zerkaut oder aufgelöst werden. Duloxetin-Kapseln schlucken Sie im Ganzen mit Wasser, unabhängig von den Mahlzeiten. [1, 3]
Trinken Sie laut Packungsbeilage von Venlafaxin keinen Alkohol, während Sie behandelt werden; zusammen kann das zu extremer Müdigkeit und Bewusstlosigkeit führen. Bei Duloxetin sollten Sie laut Packungsbeilage besonders vorsichtig sein, wenn Sie Alkohol trinken. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 3]
Venlafaxin kann laut Fachinformation Urteilsvermögen, Denkvermögen und motorische Fähigkeiten beeinträchtigen; Duloxetin kann laut Packungsbeilage dazu führen, dass Sie sich müde oder schwindlig fühlen. Beide Packungsbeilagen sagen: Führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen, solange Sie nicht wissen, wie das Mittel bei Ihnen wirkt. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [1, 2, 3]
Worauf Sie bei beiden achten sollten
Wer depressiv ist oder an einer Angststörung leidet, kann manchmal Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Bei der ersten Anwendung von Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, denn diese Mittel brauchen einige Zeit, bis sie wirken. Wahrscheinlicher ist das bei Menschen, die solche Gedanken schon früher hatten, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken, gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf. [1, 3]
In beiden Packungsbeilagen stehen außerdem Warnzeichen, bei denen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren sollen. Dazu gehören eine innere Unruhe, bei der Sie nicht still sitzen oder still stehen können, und Zeichen eines Serotonin-Syndroms wie Unruhe, Halluzinationen, Koordinationsverlust, schneller Herzschlag, erhöhte Körpertemperatur, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Bei Zeichen eines Serotonin-Syndroms nehmen Sie Venlafaxin laut Packungsbeilage nicht mehr ein und sprechen unverzüglich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen die Notfallambulanz auf. [1, 3]
Wechsel und Absetzen nur ärztlich
Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Beide Packungsbeilagen sagen: Beenden Sie die Behandlung nicht und ändern Sie die Dosis nicht ohne Rücksprache, auch wenn Sie sich besser fühlen. Absetzsymptome sind bei beiden häufig, besonders nach einem plötzlichen Absetzen; dieses sollte laut Fachinformation von Venlafaxin vermieden werden, bei Duloxetin muss es laut Fachinformation vermieden werden. Soll die Behandlung enden, verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis schrittweise. [1, 2, 3, 4]
Als häufigste Absetzsymptome nennen beide Fachinformationen unter anderem Schwindel, Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Schlafstörungen, Unruhe oder Angst, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen. Unter Venlafaxin wurden bei Änderungen der Dosis, auch während des Absetzens, Suizidgedanken und Aggression beobachtet; Behandelte sollten deshalb laut Fachinformation beim Verringern der Dosis und beim Absetzen engmaschig überwacht werden. Auch unter Duloxetin wurden Suizidgedanken und suizidales Verhalten während der Behandlung oder kurz nach ihrem Ende berichtet. Haben Sie solche Gedanken, gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf. [1, 2, 3, 4]
Wie Umstellungen ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln; zum Beenden: Antidepressiva absetzen und Absetzsymptome.
Weitere Vergleiche: Venlafaxin oder Sertralin und Sertralin oder Escitalopram.
Quellen
- Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Venlafaxin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Duloxetin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kurzfassung, Version 3.2. NVL-Programm von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Cymbalta (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist besser, Venlafaxin oder Duloxetin?
Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Für die Behandlung einer Depression legt die Studienlage laut NVL Unipolare Depression eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der verschiedenen Antidepressiva nahe. Das Mittel soll nach dem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, Ihren Wünschen, der Erfahrung der Behandelnden und weiteren Kriterien ausgewählt werden, etwa Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und dem Aufwand für Kontrollen. Die Wahl treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was ist der Unterschied zwischen Venlafaxin und Duloxetin?
Beide sind SNRI. Unterschiede gibt es bei der Zulassung (nur Venlafaxin bei sozialer Angststörung, Panikstörung und zur Vorbeugung neuer depressiver Episoden, nur Duloxetin bei Nervenschmerzen durch Diabetes), bei den Vorgaben zum Blutdruck, bei den Gegenanzeigen (Duloxetin nicht bei eingeschränkter Leberfunktion und schwerer Einschränkung der Nierenfunktion), beim Abbau in der Leber und bei der Einnahme: Venlafaxin mit den Mahlzeiten, Duloxetin unabhängig davon.
Welches Mittel ist bei Nervenschmerzen zugelassen?
Zur Behandlung von Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie, also bei Nervenschäden durch Diabetes, ist von beiden nur Duloxetin zugelassen. Venlafaxin ist laut Fachinformation nur bei Depression, zur Vorbeugung neuer depressiver Episoden und bei generalisierter Angststörung, sozialer Angststörung und Panikstörung zugelassen. Bei den Nervenschmerzen sollte die Wirksamkeit von Duloxetin laut Fachinformation nach 2 Monaten beurteilt werden.
Kann man Venlafaxin und Duloxetin zusammen nehmen?
Beide wirken auf Serotonin. Die Packungsbeilage von Duloxetin nennt SNRI wie Venlafaxin unter den Mitteln, die den Serotoninspiegel erhöhen und die Möglichkeit von Nebenwirkungen erhöhen. Laut Fachinformation von Venlafaxin kann zusammen mit anderen SNRI ein Serotonin-Syndrom auftreten, ein möglicherweise lebensbedrohlicher Zustand; ist eine solche Kombination aus ärztlichen Gründen nötig, wird zu sorgfältiger Beobachtung geraten. Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich ein, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat.
Kann ich von Venlafaxin auf Duloxetin umstellen?
Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung. Beenden Sie Ihr Mittel nicht selbst und ändern Sie die Dosis nicht ohne Rücksprache; bei beiden sind Absetzsymptome häufig. Wie Umstellungen grundsätzlich ablaufen, erklärt die Seite "Ein Psychopharmakon wechseln".
Erhöhen Venlafaxin und Duloxetin den Blutdruck?
Ein Blutdruckanstieg ist laut Packungsbeilage bei beiden häufig, er kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Bei Venlafaxin sollte der Blutdruck laut Fachinformation vor Beginn geprüft und nach Behandlungsbeginn und Dosiserhöhungen regelmäßig kontrolliert werden. Bei Duloxetin wird bei bekanntem Bluthochdruck oder einer Herzerkrankung eine Überwachung besonders im ersten Behandlungsmonat empfohlen; bei unkontrolliertem Bluthochdruck darf die Behandlung nicht begonnen werden.
Nimmt man mit Venlafaxin oder Duloxetin eher zu?
Laut Packungsbeilage ist eine Gewichtszunahme unter Venlafaxin häufig, unter Duloxetin gelegentlich; eine Gewichtsabnahme ist bei beiden häufig. Die Häufigkeiten stammen aus unterschiedlichen Studien und Meldungen und erlauben keine Aussage, dass ein Mittel seltener zu Gewichtszunahme führt. Bei einer Depression sieht die NVL Kontrollen des Körpergewichts vor.
Was gilt in der Schwangerschaft?
Embryotox gibt für beide den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft mit "sehr hoch" an. Eine stabile Einstellung kann laut Embryotox fortgesetzt werden; bei einer Neueinstellung sollte zunächst geprüft werden, ob die am besten untersuchten Antidepressiva Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram eingesetzt werden können, die Embryotox als besser geeignete Alternativen nennt, bei Duloxetin für depressive Erkrankungen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
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Vergleiche Sertralin oder FluoxetinSertralin und Fluoxetin sind Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI.
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Vergleiche Mirtazapin oder TrazodonMirtazapin und Trazodon sind Antidepressiva mit dämpfender Wirkung.
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