ErkrankungenErkrankung

ADHS bei Erwachsenen

Eine ADHS beginnt in der Kindheit; bei vielen Betroffenen bleiben Beschwerden bis ins Erwachsenenalter bestehen, und im Vordergrund stehen dann oft Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle zu regulieren. Behandelt wird mit Aufklärung (Psychoedukation), Psychotherapie und Medikamenten; für Erwachsene zugelassen sind laut Fachinformation bestimmte Methylphenidat-Präparate, Lisdexamfetamin und Atomoxetin, jeweils nur, wenn die ADHS schon in der Kindheit bestand. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Frau Mitte dreißig sitzt mit einer Tasse Tee an einem aufgeräumten Holztisch an einem hellen Fenster und blickt ruhig nach vorn
Bild: KI-generiert

Eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beginnt laut IQWiG im Kindes- und Jugendalter. Bei vielen sind die Beschwerden im Erwachsenenalter schwächer ausgeprägt, bei einigen wird die ADHS erst als Erwachsene festgestellt [4]. Etwa 50 bis 80 Prozent der in der Kindheit Betroffenen haben laut S3-Leitlinie auch als Erwachsene noch ADHS-Symptome, ein Drittel zeigt noch das Vollbild der Störung [1]. Das IQWiG schätzt, dass etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit ADHS die Diagnosekriterien als Erwachsene noch vollständig erfüllen [4].

Für das Erwachsenenalter ergab eine Auswertung von sechs Studien laut Leitlinie eine Häufigkeit von 2,5 Prozent; in einer einzelnen niederländischen Studie mit Menschen ab 60 Jahren hatten 2,8 Prozent eine ADHS [1]. Weil ADHS lange als Problem des Kindesalters galt, sind Beratungs- und Behandlungsangebote für Erwachsene laut IQWiG noch nicht so verbreitet wie für Kinder und Jugendliche [4]. Wie ADHS bei Kindern verläuft und behandelt wird, steht auf der Seite ADHS bei Kindern und Jugendlichen.

Grundlage dieser Seite ist unter anderem die S3-Leitlinie ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 1.0 vom Mai 2017. Laut DGPPN war sie bis zum 1. Mai 2022 gültig; ihre Gültigkeit ist abgelaufen, die Leitlinie wird überarbeitet [1, 2, 3]. Welche Medikamente für Erwachsene zugelassen sind, steht hier nach aktuellen Fachinformationen [8, 9, 10, 11, 12].

Anzeichen einer ADHS im Erwachsenenalter

Bei Erwachsenen ist eine ADHS laut IQWiG weniger offensichtlich als bei hyperaktiven Kindern. Erwachsene mit ADHS haben vor allem Probleme, ihren Alltag oder ihre Arbeit zu organisieren, sich über längere Zeit auf Aufgaben zu konzentrieren oder Termine einzuhalten. Die Hyperaktivität geht oft zurück; im Vordergrund stehen dann die Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und Probleme, die eigenen Gefühle zu regulieren [4]. Die innere Unruhe, die sich ab dem Jugendalter statt der körperlichen Hyperaktivität zeigt, bleibt laut S3-Leitlinie auch im Erwachsenenalter bestehen [1]. Die Fachinformation von Methylphenidat beschreibt das Bild bei Erwachsenen mit Unruhe, Ungeduld und Unaufmerksamkeit; die Unaufmerksamkeit ist bei Erwachsenen stärker ausgeprägt und wirkt sich stärker aus [8].

Erwachsene mit ADHS können laut IQWiG auch sehr impulsiv sein. Sie reden zum Beispiel viel und unterbrechen andere oft; manche bekommen schnell Ärger, beenden voreilig Beziehungen, wechseln von jetzt auf gleich den Job oder kündigen, bevor sie eine neue Stelle haben. Auch im Straßenverkehr kann es zu Schwierigkeiten kommen, etwa durch rücksichtsloses Fahren [4]. Viele sind leicht reizbar und haben eine niedrige Frustrationstoleranz; unter Stress fällt es ihnen schwer, ihre Pflichten zu erfüllen, und manche tun sich schwer, sich Ziele zu setzen und sie zu erreichen [4].

Längsschnittstudien haben laut Leitlinie gezeigt, dass Erwachsene mit ADHS einen niedrigeren Ausbildungsstand und ein geringeres Einkommen erreichen und häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt sind. Ihre Lebensqualität ist niedriger, am deutlichsten bei der schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit und im psychosozialen Bereich [1]. Wenn psychische Probleme die Lebensqualität deutlich und über längere Zeit beeinträchtigen, ist es laut IQWiG sinnvoll, professionellen Rat einzuholen [4].

Häufige Begleiterkrankungen

Viele Menschen mit ADHS haben laut IQWiG zusätzlich weitere Probleme oder Erkrankungen, etwa soziale Verhaltensstörungen, Depressionen, eine Tic-Störung oder eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit; solche Begleiterkrankungen können unter Umständen eine Folge der ADHS sein. Viele Erwachsene mit ADHS berichten über wenig Selbstbewusstsein, manche entwickeln deshalb eine Depression. Alkohol oder Drogen können für Betroffene ein Versuch sein, die Probleme einer ADHS zu bewältigen oder Beschwerden zu lindern [4]. Nach Auswertungen von Kohortenstudien haben Menschen mit ADHS laut Leitlinie ein etwa 1,5-fach erhöhtes Risiko für eine Substanzmissbrauchsstörung (außer Nikotin) und ein etwa dreifach höheres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit [1]. Mehr dazu unter Depression, Alkoholabhängigkeit und Tourette-Syndrom und Tics.

Ursachen und Risiken

Die Entstehung ist laut S3-Leitlinie noch nicht vollständig geklärt. Mehrere Faktoren wirken zusammen, vor allem eine genetische Veranlagung und Einflüsse vor, während und kurz nach der Geburt, die die Entwicklung des Gehirns beeinflussen [1]. ADHS tritt in Familien gehäuft auf; Verwandte ersten Grades haben laut Leitlinie ein doppelt bis achtfach erhöhtes Risiko, und Zwillings- und Adoptionsstudien zeigen, dass diese Häufung wesentlich auf genetische Faktoren zurückgeht [1]. Als mögliche Umweltfaktoren nennt die Leitlinie unter anderem Rauchen und Alkohol in der Schwangerschaft der Mutter, Frühgeburt, ein geringes Geburtsgewicht und eine schwere Vernachlässigung in der frühen Kindheit; ob solche Faktoren eine ADHS tatsächlich verursachen, lässt sich insgesamt nur vorläufig beurteilen [1].

Eine ADHS beginnt laut IQWiG im Kindes- und Jugendalter; manche Menschen erhalten die Diagnose aber erst als Erwachsene [4]. Dass Symptome wie die Hyperaktivität mit dem Alter abnehmen, führt die Fachinformation von Methylphenidat möglicherweise auf Anpassung, die Entwicklung des Nervensystems und Selbstmedikation zurück [8].

Wie die Diagnose gestellt wird

Bei Erwachsenen sollte die Abklärung laut S3-Leitlinie von einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, für Neurologie oder für psychosomatische Medizin oder von ärztlichen oder Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vorgenommen werden [2]. Werden junge Menschen mit ADHS volljährig, ist es laut IQWiG sinnvoll, frühzeitig nach einer neuen Praxis zu suchen, weil es eine Weile dauern kann, bis man einen Termin bekommt [4].

Die Beurteilung beruht bei Erwachsenen laut Leitlinie wie bei anderen psychischen Störungen überwiegend auf dem diagnostischen Gespräch; die Angaben sollten, wenn möglich, mit denen enger Bezugspersonen abgeglichen werden [2]. Grundlage sollen eine ausführliche strukturierte Befragung zu den aktuellen Beschwerden, zu Einschränkungen im Alltag, zu weiteren Erkrankungen, zur Entwicklung seit der Kindheit und zu ADHS in der Familie sein, dazu die psychopathologische Beurteilung und eine körperliche und neurologische Untersuchung [2]. Die Diagnose soll laut Leitlinie weder ausschließlich auf Fragebögen noch ausschließlich auf psychologischen Tests beruhen [2].

Die Diagnosekriterien sind bei Erwachsenen laut IQWiG im Prinzip dieselben wie bei Kindern: Die Auffälligkeiten haben in der Kindheit begonnen, es bestehen mindestens sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder Impulsivität, die Probleme zeigen sich in mehr als einem Lebensbereich, und das soziale oder berufliche Leben ist stark beeinträchtigt [4]. Für Menschen, die in der Kindheit nie eine Diagnose erhalten haben, gibt es spezielle Fragebögen wie die Wender-Utah-Rating-Scale, die helfen, die Diagnose rückblickend zu stellen; das ist laut IQWiG eine Voraussetzung dafür, dass Medikamente verordnet werden dürfen [4].

Auch die Fachinformation von Methylphenidat nennt eine ADHS in der Kindheit als Voraussetzung. Sie muss rückblickend ermittelt werden, anhand von Patientenakten oder, wenn keine vorliegen, mit geeigneten strukturierten Instrumenten oder Befragungen; eine Bestätigung durch Dritte ist wünschenswert, und ist die Bestätigung unsicher, soll die Behandlung nicht begonnen werden [8]. Für Verordnungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verlangt die Arzneimittel-Richtlinie, dass das Vorbestehen der ADHS im Kindesalter mit der Kurzform der Wender-Utah-Rating-Scale (WURS-k) erfasst wird und die Diagnose ein strukturiertes Interview einschließlich Selbstbeurteilungsskalen umfasst [7].

Wichtig ist, andere Erkrankungen auszuschließen, die die Beschwerden erklären könnten. Manchmal wird eine ADHS laut IQWiG für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung gehalten, und auch eine bipolare Störung kann mit ADHS verwechselt werden [4]. Die Leitlinie nennt außerdem unter anderem depressive Störungen und Angststörungen, Substanzkonsumstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen einschließlich einer Schlafapnoe, Schilddrüsenerkrankungen und die Übererregung bei einer posttraumatischen Belastungsstörung [2]. Mehr unter Borderline, Bipolare Störung und Schlafstörungen.

Behandlung im Überblick

Die Behandlung soll laut S3-Leitlinie in einem Gesamtkonzept erfolgen, das je nach Beschwerden, Alltag und Ihren Wünschen psychosoziale und psychotherapeutische Hilfen, Medikamente und ergänzende Maßnahmen kombinieren kann [2]. Allen, die die Diagnose im Erwachsenenalter erhalten, soll eine Psychoedukation angeboten werden: Sie soll ein angemessenes Verständnis der Erkrankung vermitteln, Ursachen, Beschwerden und Einschränkungen erklären und zeigen, mit welchen Strategien sich die Folgen mildern lassen und welche Behandlungen es gibt [2]. Anders als bei Kindern wird im Erwachsenenalter laut Leitlinie eine Behandlung mit Medikamenten neben der Psychoedukation auch bei leichter und mittlerer Ausprägung als erste Möglichkeit angesehen, wenn das Ihrem Wunsch entspricht [2].

Psychosoziale und psychotherapeutische Hilfen für Erwachsene laut S3-Leitlinie ADHS, Version 1.0 (abgelaufen; eigene Zusammenfassung, Modalverben wie in der Leitlinie)
ThemaWas die Leitlinie sagt
ZieleDie Hilfen "sollen" über ADHS aufklären, die Akzeptanz der Störung erhöhen, Bewältigungsstrategien entwickeln und die Alltagsfunktionen verbessern; angestrebt werden "soll" eine Verringerung der ADHS-Beschwerden und häufiger Begleitbeschwerden wie Depressivität, Angst oder Selbstwertprobleme [2]
Für wen"soll" insbesondere angeboten werden, wenn die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt wurde, wenn Sie sich nach Aufklärung gegen Medikamente entscheiden, wenn unter Medikamenten noch Beschwerden bestehen, wenn Gegenanzeigen gegen Medikamente bestehen, wenn es schwerfällt, die Diagnose anzunehmen oder Medikamente regelmäßig einzunehmen, oder wenn bei wenigen Symptomen psychosoziale Hilfen ausreichen [2]
Psychoedukation"soll" allen angeboten werden, die die Diagnose im Erwachsenenalter erhalten, als Grundlage aller weiteren Maßnahmen [2]
Kognitive Verhaltenstherapie"sollte" angewendet werden, wenn eine Psychotherapie angezeigt ist; sie soll Strategien und praktische Techniken vermitteln, etwa zum Lösen von Problemen, gegen Ablenkbarkeit und zum Umgang mit Stress, und ungünstige Denkmuster erkennen und überprüfen helfen [2]
Form"sollte" als Gruppen- oder Einzelbehandlung angeboten werden [2]

Viele Erwachsene mit ADHS suchen sich laut IQWiG eigene Strategien, probieren Entspannungstechniken aus, suchen Unterstützung in Selbsthilfegruppen oder empfinden Sport als Ausgleich; wer mehr Unterstützung braucht, für den können Medikamente, Psychotherapie oder beides sinnvoll sein [5]. Eine Psychotherapie kann laut IQWiG bei Problemen helfen, gegen die Medikamente nichts ausrichten, eine Alternative sein, wenn Medikamente nicht wirken oder nicht gewünscht sind, und nach einer späten Diagnose helfen, die Erkrankung zu verstehen und zu verarbeiten [5]. Zum Nutzen gibt es weniger Studien als zu Medikamenten, die vorhandenen deuten aber darauf hin, dass sie wirksam sein kann; es gibt bislang nicht so viele Psychotherapeutinnen und -therapeuten, die sich auf ADHS im Erwachsenenalter spezialisiert haben, und bis ein Platz frei wird, kann es mehrere Wochen oder Monate dauern [5]. Andere Behandlungen als Medikamente und Psychotherapie sind laut IQWiG für Erwachsene bislang nicht in aussagekräftigen Studien untersucht [5]. Diagnostik und Behandlung sollten laut Leitlinie in der Regel ambulant erfolgen [2]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.

Medikamente bei ADHS im Erwachsenenalter

Ist eine Behandlung mit Medikamenten angezeigt, sollen laut S3-Leitlinie Stimulanzien (Methylphenidat, Amfetamin und Lisdexamfetamin), Atomoxetin und Guanfacin als mögliche Optionen in Betracht gezogen werden; der aktuelle Zulassungsstatus sollte beachtet werden [2]. Bei Erwachsenen soll die Behandlung laut Leitlinie von Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden, die über fundierte Kenntnisse zu ADHS, zu Psychopharmaka und zu den im Erwachsenenalter häufigen Begleiterkrankungen verfügen [2]. Ohne relevante Begleiterkrankungen soll zuerst ein Stimulans gewählt werden [2].

Zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung werden Stimulanzien bei Erwachsenen ab 18 Jahren laut Arzneimittel-Richtlinie nur verordnet, wenn die ADHS bereits im Kindesalter bestand, im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie und wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben. Verordnen dürfen sie Spezialistinnen und Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Erwachsenen, also Fachärztinnen und Fachärzte für Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie oder psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten; bis zum vollendeten 21. Lebensjahr auch Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin und für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Folgeverordnungen der Hausarztpraxis sind in Ausnahmefällen möglich, wenn die Aufsicht durch eine Spezialistin oder einen Spezialisten gewährleistet ist [7].

ADHS-Medikamente bei Erwachsenen: Zulassung laut Fachinformation bzw. Packungsbeilage und Beispiele für Nebenwirkungen aus je einer Packungsbeilage (keine Rangfolge)
WirkstoffZulassung bei ErwachsenenAbgabeTypische Nebenwirkungen (Beispiel)
Methylphenidat (Stimulans)laut den Fachinformationen zweier Präparate mit veränderter Wirkstofffreisetzung für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben; bei Erwachsenen sollte laut einer der beiden nur eine Form mit veränderter Wirkstofffreisetzung angewendet werden. Bei älteren Menschen darf es laut der einen nicht angewendet werden (über 65 Jahren nicht untersucht), laut der anderen sollte es nicht angewendet werden (über 60 Jahren nicht erwiesen) [8, 9]verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel [8, 18]laut Packungsbeilage sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten): Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit [14]
Lisdexamfetamin (Stimulans)Erwachsene mit bereits in der Kindheit bestehenden ADHS-Symptomen, im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie; die ADHS sollte mindestens mittelgradig sein und das Leben in zwei oder mehr Bereichen mindestens mittelgradig beeinträchtigen. Für ältere Menschen liegen nur begrenzte Daten vor [10]verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel [10, 18]laut Packungsbeilage sehr häufig: verminderter Appetit, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen [15]
AtomoxetinErwachsene als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms; ADHS-Symptome in der Kindheit müssen bestätigt sein, und die ADHS sollte zumindest mittelgradig ausgeprägt sein. Über 65 Jahren wurde die Anwendung nicht systematisch untersucht [11]verschreibungspflichtig [11]laut Packungsbeilage bei Erwachsenen sehr häufig: Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, verminderter Appetit, Ein- und Durchschlafstörungen und frühes Erwachen, erhöhter Blutdruck, erhöhter Puls [16]
Guanfacinfür Erwachsene nicht zugelassen: zugelassen ist es nur für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren; bei Erwachsenen ist die Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen, deshalb sollte es laut Fachinformation bei ihnen nicht angewendet werden [12]verschreibungspflichtig [12]siehe Wirkstoffseite
Dexamfetamin (Stimulans)für Erwachsene nicht zugelassen: zugelassen ist es nur für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren, wenn eine vorangegangene Behandlung mit Methylphenidat nicht ausreichend gewirkt hat; bei älteren Menschen darf es laut Fachinformation nicht angewendet werden [13, 21]verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel [18, 21]siehe Wirkstoffseite

Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels; ob ein bestimmtes Präparat für Erwachsene zugelassen ist, steht in Abschnitt 4.1 seiner Fachinformation [8, 9]. Dosierung und weitere Angaben stehen auf den Wirkstoffseiten und unter Methylphenidat bei Erwachsenen und Lisdexamfetamin bei Erwachsenen.

Methylphenidat ist laut IQWiG bei Erwachsenen weniger gut untersucht als bei Kindern und Jugendlichen; die Studien hatten nur geringe Teilnehmerzahlen und liefen über wenige Wochen [5]. Atomoxetin kann laut IQWiG Erektionsstörungen oder sexuelle Lustlosigkeit auslösen [5]; bei Jugendlichen und Erwachsenen, die Atomoxetin einnehmen, sollten laut Leitlinie Erektions- und Ejakulationsstörungen sowie Menstruationsschmerzen regelmäßig erfragt werden [2]. ADHS-Medikamente können laut IQWiG manchmal auch den Blutdruck erhöhen und den Puls beschleunigen; vor einer Verordnung wird deshalb die Herzgesundheit überprüft [5]. Für weitere Wirkstoffe ist laut Leitlinie derzeit keine Empfehlung möglich [2].

Missbrauch und Abhängigkeit

Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Dexamfetamin stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, der Liste der verkehrs- und verschreibungsfähigen Betäubungsmittel [18]. Stimulanzien haben laut Fachinformation von Lisdexamfetamin ein Potenzial für Missbrauch, Fehlgebrauch, Abhängigkeit und Weitergabe an andere; das Risiko für Fehlgebrauch kann bei Erwachsenen, insbesondere jungen Erwachsenen, größer sein als bei Kindern und Jugendlichen. Der Missbrauch von Amfetaminen kann laut dieser Fachinformation zu Toleranz und psychischer Abhängigkeit führen [10]. Bei bekannter Drogen- oder Alkoholabhängigkeit sollte Methylphenidat laut Fachinformation mit Vorsicht angewendet werden [8]. In einer Studie mit Erwachsenen zeigte Atomoxetin laut Fachinformation keine Wirkungen, die auf stimulierende oder euphorisierende Eigenschaften hindeuteten [11].

Besteht neben der ADHS ein Substanzmissbrauch oder eine Abhängigkeit, sollte die Behandlung laut Leitlinie durch Spezialistinnen und Spezialisten mit Kenntnissen zu ADHS und Sucht erfolgen; bei erhöhtem Risiko für einen nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch sollen lang wirksame Stimulanzien oder alternativ Atomoxetin oder Guanfacin gewählt werden [2]. Guanfacin ist für Erwachsene nicht zugelassen [12]. Mehr unter Abhängigkeit.

Kontrollen während der Behandlung

Vor einer Verordnung von Methylphenidat ist laut Fachinformation der Zustand von Herz und Kreislauf zu beurteilen, einschließlich Blutdruck und Herzfrequenz; erfragt werden auch Begleitmedikamente, frühere und aktuelle Erkrankungen und plötzliche Herzerkrankungen in der Familie. Wenn es die örtlichen Leitlinien erfordern, ist bei Erwachsenen vor der ersten Behandlung kardiologischer Rat einzuholen [8]. Während der Behandlung sollen Blutdruck und Puls bei jeder Dosisänderung und mindestens alle 6 Monate dokumentiert, das Gewicht regelmäßig kontrolliert und neue oder sich verschlechternde psychische Beschwerden erfasst werden [8]. Laut Leitlinie soll mindestens alle sechs Monate geprüft werden, ob die Behandlung weiter nötig ist, und einmal im Jahr in einer behandlungsfreien Zeit [2]. Die Fachinformation von Lisdexamfetamin nennt dafür vorzugsweise Schulferien oder arbeitsfreie Zeiten [10]. Ob eine Pause sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Kontrollen und Blutwerte.

Wie lange behandeln

Die Behandlung mit Methylphenidat sollte und muss laut Fachinformation nicht unbegrenzt erfolgen. Bei einer Anwendung über 12 Monate muss die Ärztin oder der Arzt den langfristigen Nutzen regelmäßig neu bewerten und dafür behandlungsfreie Zeitabschnitte einlegen; eine Besserung kann möglicherweise erhalten bleiben, wenn das Mittel vorübergehend oder vollständig abgesetzt wurde [8]. Beim Absetzen ist laut Fachinformation eine sorgfältige Überwachung nötig, weil Depressionen oder eine anhaltende Überaktivität zum Vorschein kommen können [8]. Beenden oder unterbrechen Sie eine Behandlung nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wechseln junge Menschen mit ADHS in die Erwachsenenversorgung, soll laut Leitlinie eine Überweisung an qualifizierte Weiterbehandelnde angeboten werden, wenn weiter beeinträchtigende Beschwerden oder andere behandlungsbedürftige Störungen bestehen. Dort sollte zunächst eine umfassende Untersuchung erfolgen, die Ausbildung, Beruf und soziales Leben einschließt; abgeklärt werden sollten vor allem Persönlichkeitsstörungen, Substanzmissbrauch und Störungen der Gefühlsregulation [2]. Manche Volljährige können laut IQWiG bis zum Alter von 21 Jahren in ihrer bisherigen kinder- und jugendpsychiatrischen oder -psychotherapeutischen Praxis bleiben [4].

Selbsthilfe und Alltag

Mann Anfang vierzig joggt am frühen Morgen auf einem hellen Uferweg, entspannt und konzentriert
Bild: KI-generiert

Viele Erwachsene mit ADHS entwickeln laut IQWiG gute Strategien, um mit Unaufmerksamkeit und Impulsivität umzugehen. Als Beispiele nennt das IQWiG [4]:

  • den Tag genau planen und Erinnerungslisten schreiben, ohne sich zu viel vorzunehmen
  • Aufgaben in kleinere Schritte aufteilen
  • Erinnerungshilfen an wichtigen Stellen anbringen, etwa an der Haustür, am Kühlschrank oder im Auto
  • wichtige Termine und Aufgaben in einem Notizbuch oder einer App festhalten
  • Routinen einführen und wichtige Gegenstände wie den Hausschlüssel immer am selben Ort ablegen

Allgemeingültige Ratschläge gibt es laut IQWiG nicht, weil die Probleme sehr unterschiedlich sind; viele finden mit der Zeit heraus, was ihnen hilft, und die Unterstützung von Freundeskreis und Familie ist dabei hilfreich [4]. Selbsthilfegruppen und Angehörigengruppen können laut Leitlinie zusätzlich hilfreich sein, und Fachleute sollten über regionale Angebote informieren [2].

Ob man am Arbeitsplatz von der Diagnose erzählt, ist laut IQWiG eine schwierige und persönliche Abwägung. Gegen einen offenen Umgang sprechen für viele die Angst vor Nachteilen oder Diskriminierung, dafür etwa, dass Verstecken auf Dauer anstrengend ist, dass man ohne bekannte Erkrankung keine Ansprüche auf Hilfen stellen kann und dass Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte, die Bescheid wissen, eher Verständnis zeigen. In größeren Betrieben kann man sich zunächst vertraulich an den Betriebsrat oder den betriebsärztlichen Dienst wenden [4]. Mehr unter Arbeit und Beruf.

Autofahren, Sport und Reisen

Methylphenidat und Lisdexamfetamin können laut Fachinformation Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen verursachen und einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit haben; treten diese Effekte auf, sollten gefährliche Tätigkeiten wie das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen vermieden werden [8, 10]. Atomoxetin hat laut Fachinformation einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit; unter Atomoxetin traten vermehrt Müdigkeit, Schläfrigkeit und Schwindel auf, und es ist beim Fahren und an Maschinen Vorsicht geboten, solange nicht sicher ist, dass die Leistungsfähigkeit unbeeinträchtigt ist [11]. Was rechtlich gilt, steht unter Autofahren. Methylphenidat und Lisdexamfetamin können bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen [8, 10]. Was beim Reisen mit Betäubungsmitteln zu beachten ist, steht unter Reisen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die therapeutische Einnahme von Amphetaminen in der Schwangerschaft scheint laut Embryotox kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen mit sich zu bringen; diskutiert wird je nach Dauer und Zeitpunkt ein gering erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie und Bluthochdruck, unter Umständen auch Frühgeburt. Bei Methylphenidat wird ein gering erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen und ähnliche Schwangerschaftskomplikationen diskutiert; diese geringen Risikoerhöhungen könnten auch auf die ADHS der Mutter oder ein damit zusammenhängendes Risikoverhalten zurückgehen. Zu Atomoxetin reichen die Daten für eine genauere Einschätzung des Risikos noch nicht aus [17]. Der Nutzen sollte laut Embryotox sorgfältig im Einzelfall gegen mögliche Risiken abgewogen werden; auch die Stabilität der Mutter ist für einen möglichst komplikationsarmen Verlauf wichtig [17].

Bei eindeutiger Behandlungsnotwendigkeit kommt laut Embryotox am ehesten Methylphenidat infrage, gegebenenfalls auch therapeutische Amphetamine; in bestimmten Fällen, vor allem bei Begleiterkrankungen, könnten auch die Antidepressiva Bupropion und Venlafaxin erwogen werden, die Embryotox als in der Schwangerschaft gut untersucht beschreibt (Erfahrungsumfang jeweils "sehr hoch"; ausgewertet sind etwa 11.000 bzw. mehr als 4.000 Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Drittel) [17, 22, 23]. Für ADHS sind diese beiden nicht zugelassen: Bupropion ist laut Fachinformation zur Behandlung einer depressiven Erkrankung zugelassen, Venlafaxin bei Depressionen und bestimmten Angststörungen [19, 20]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Während das Stillen eines gesunden Kindes unter Methylphenidat laut Embryotox bei alleiniger Einnahme und guter Beobachtung akzeptabel ist, ist volles Stillen unter Amphetaminen oder Atomoxetin kritisch zu beurteilen [17]. Mehr unter Schwangerschaft und Stillzeit.

Für Partnerinnen, Partner und Angehörige

ADHS kann laut IQWiG bei Erwachsenen zu Problemen in Beziehungen oder bei der Arbeit führen [6]. Die Unterstützung von Freundeskreis und Familie ist laut IQWiG hilfreich, wenn Betroffene herausfinden, was ihnen im Alltag hilft [4]. Bei der Diagnose sollten die Angaben der Betroffenen laut Leitlinie, wenn möglich, mit denen enger Bezugspersonen abgeglichen werden, und psychosoziale Hilfen können auch Partnerinnen und Partner einbeziehen [2]. Für Angehörige kann der Besuch einer Angehörigengruppe hilfreich sein [2]. Weitere Hinweise stehen unter Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Viele Erwachsene mit ADHS haben laut IQWiG wenig Selbstbewusstsein, und manche entwickeln eine Depression [4]. Treten während einer Behandlung mit Methylphenidat Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auf, sollte laut Fachinformation sofort eine ärztliche Beurteilung erfolgen; zu prüfen ist, ob sich eine zugrunde liegende psychische Erkrankung verschlechtert hat oder ob ein Zusammenhang mit dem Medikament besteht [8]. Unter Atomoxetin wurden laut Fachinformation Suizidversuche und Suizidgedanken berichtet; in Studien mit Erwachsenen traten sie nicht häufiger auf als unter einem Scheinmedikament, trotzdem müssen alle, die wegen ADHS behandelt werden, sorgfältig auf solche Verhaltensweisen überwacht werden [11].

Treten unter Stimulanzien psychotische Beschwerden wie Wahn oder Halluzinationen auf, sollte die Ärztin oder der Arzt laut S3-Leitlinie das Mittel absetzen und erneut ausführlich psychiatrisch untersuchen; treten unter Stimulanzien oder Atomoxetin neu Krampfanfälle auf oder verschlechtert sich ein bekanntes Anfallsleiden, soll die Ärztin oder der Arzt das Mittel laut Leitlinie sofort absetzen und das weitere Vorgehen mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Neurologie besprechen [2]. Unter Atomoxetin muss die Behandlung laut Packungsbeilage abgebrochen und unverzüglich die Ärztin oder der Arzt benachrichtigt werden, wenn Zeichen einer Leberschädigung auftreten, etwa dunkler Urin, gelbliche Haut oder gelbliche Augen, Bauchschmerzen bei Druck unterhalb des rechten Rippenbogens, Übelkeit ohne erkennbaren Grund, Müdigkeit, Juckreiz oder grippeähnliche Beschwerden [16].

Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Langfassung, Version 1.0 (AWMF-Registernummer 028-045). Federführung laut DGPPN-Übersicht: DGPPN, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ); Koordination T. Banaschewski, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim. Stand Version 1.0, Erstveröffentlichung 05/2017 (PDF 2018); nächste Überprüfung geplant 05/2022; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.05.2022, abgelaufen. abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Kurzfassung der S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 1.0 (AWMF-Registernummer 028-045), Empfehlungen. Federführung laut DGPPN-Übersicht: DGPPN, DGKJP, DGSPJ; Koordination T. Banaschewski, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim. Stand Version 1.0 (PDF 06/2018); nächste Überprüfung geplant 05/2022; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.05.2022, abgelaufen. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag ADHS. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  4. ADHS bei Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
  5. Behandlung von ADHS bei Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
  6. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Überblick. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
  7. Behörde Arzneimittel-Richtlinie, Anlage III: Übersicht über Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse, Nummer 44 (Stimulantien). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand Stand der Anlage III (letzte Änderung in Kraft getreten am): 03.10.2026. abgerufen am 23.10.2026
  8. Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Methylphenidat-ratiopharm Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung (10 bis 60 mg). ratiopharm GmbH. Stand 08/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
  10. Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  11. Fachinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024 (Version 4). abgerufen am 23.10.2026
  12. EMA-Produktinformation Intuniv (Guanfacin, EPAR), Anhang I: Fachinformation, und Anhang III B: Packungsbeilage. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026 (zuletzt aktualisiert 13.10.2026). abgerufen am 23.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Attentin 10 mg/20 mg Tabletten (Dexamfetamin). MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm 20 mg bis 70 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 23.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 23.10.2026
  17. Embryotox: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  18. Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel (Einträge Dexamfetamin, Lisdexamfetamin, Methylphenidat). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  19. Fachinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
  20. Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026 (Version 9). abgerufen am 23.10.2026
  21. Fachinformation Attentin 10 mg/20 mg Tablette (Dexamfetamin). MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
  22. Embryotox: Bupropion. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  23. Embryotox: Venlafaxin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Wie äußert sich ADHS bei Erwachsenen?

Erwachsene mit ADHS haben laut IQWiG vor allem Probleme, Alltag oder Arbeit zu organisieren, sich über längere Zeit zu konzentrieren und Termine einzuhalten. Die Hyperaktivität geht oft zurück, im Vordergrund stehen Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle zu regulieren. Manche sind sehr impulsiv, leicht reizbar und haben eine niedrige Frustrationstoleranz.

Wie wird ADHS bei Erwachsenen festgestellt?

Die Abklärung sollte laut der abgelaufenen S3-Leitlinie in einer Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie oder psychosomatische Medizin oder bei ärztlichen oder Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erfolgen. Grundlage ist ein ausführliches Gespräch, möglichst ergänzt durch Angaben naher Bezugspersonen. Dass die ADHS schon in der Kindheit bestand, wird rückblickend festgestellt, etwa mit der Wender-Utah-Rating-Scale; allein auf Fragebögen oder Tests soll die Diagnose laut Leitlinie nicht beruhen.

Kann ADHS erst im Erwachsenenalter entstehen?

Eine ADHS beginnt laut IQWiG im Kindes- und Jugendalter. Bei manchen Menschen wird sie aber erst im Erwachsenenalter festgestellt. Für die Diagnose müssen die Auffälligkeiten laut IQWiG in der Kindheit begonnen haben, und eine Behandlung mit Medikamenten setzt laut Fachinformation voraus, dass das rückblickend bestätigt ist.

Welche ADHS-Medikamente sind für Erwachsene zugelassen?

Für Erwachsene zugelassen sind laut Fachinformation bestimmte Methylphenidat-Präparate mit veränderter Wirkstofffreisetzung, Lisdexamfetamin bei bereits in der Kindheit bestehenden Symptomen und Atomoxetin. Guanfacin ist nur für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren zugelassen, Dexamfetamin laut Packungsbeilage eines Präparats ebenfalls. Welches Mittel infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es ADHS-Medikamente ohne Rezept oder pflanzliche Mittel?

Die zugelassenen ADHS-Medikamente sind laut Fachinformation verschreibungspflichtig, Methylphenidat und Lisdexamfetamin außerdem Betäubungsmittel. Andere Behandlungen als Medikamente und Psychotherapie sind laut IQWiG für Erwachsene bislang nicht in aussagekräftigen Studien untersucht. Für Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren gibt die abgelaufene S3-Leitlinie keine Empfehlung.

Hilft Psychotherapie bei ADHS im Erwachsenenalter?

Ist eine Psychotherapie angezeigt, sollte laut der abgelaufenen S3-Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie angewendet werden; sie vermittelt zum Beispiel Techniken gegen Ablenkbarkeit und zum Umgang mit Stress. Laut IQWiG gibt es weniger Studien als zu Medikamenten, die vorhandenen deuten aber darauf hin, dass eine Psychotherapie wirksam sein kann. Sie ist auch eine Alternative, wenn Medikamente nicht wirken oder nicht gewünscht sind.

Was gilt beim Autofahren mit ADHS-Medikamenten?

Methylphenidat und Lisdexamfetamin können laut Fachinformation Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen verursachen und die Verkehrstüchtigkeit mäßig beeinflussen; treten diese Effekte auf, sollten Sie kein Fahrzeug führen. Bei Atomoxetin ist Vorsicht geboten, solange nicht sicher ist, dass Ihre Leistungsfähigkeit unbeeinträchtigt ist. Was rechtlich gilt, steht auf der Seite Autofahren.

Kann ich ADHS-Medikamente in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Embryotox scheint die therapeutische Einnahme von Amphetaminen kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen mit sich zu bringen; bei Methylphenidat wird ein gering erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen diskutiert, bei Methylphenidat und Amphetaminen außerdem gering erhöhte Risiken für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen. Der Nutzen sollte im Einzelfall sorgfältig gegen mögliche Risiken abgewogen werden. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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