ErkrankungenErkrankung
Tourette-Syndrom und Tics
Tics sind plötzliche, unwillkürliche, sich wiederholende Bewegungen oder Laute; beim Tourette-Syndrom kommen mehrere motorische und mindestens ein vokaler Tic vor, nicht unbedingt gleichzeitig. Am Anfang der Behandlung steht laut europäischer Leitlinie die Aufklärung (Psychoedukation); reicht sie nicht, wird eine Verhaltenstherapie empfohlen, und Medikamente kommen bei deutlicher Beeinträchtigung infrage; von den Mitteln, die die Leitlinie nennt, ist laut Fachinformation nur Haloperidol für Tics zugelassen, bei starker Beeinträchtigung ab 10 Jahren und erst nach Versagen anderer Behandlungen. Wenn Sie oder Ihr Kind daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Ein Tic ist laut der in Deutschland verwendeten Klassifikation ICD-10-GM eine unwillkürliche, rasche, wiederholte, nicht rhythmische Bewegung meist umschriebener Muskelgruppen oder eine Lautäußerung, die plötzlich einsetzt und keinem erkennbaren Zweck dient. Tics werden normalerweise als nicht willkürlich beeinflussbar erlebt, lassen sich aber meist für unterschiedlich lange Zeit unterdrücken; Belastungen können sie verstärken, im Schlaf verschwinden sie [1].
Die ICD-10-GM unterscheidet mehrere Ticstörungen (F95): Bei der vorübergehenden Ticstörung halten die Tics nicht länger als 12 Monate an. Bei der chronischen motorischen oder vokalen Ticstörung treten motorische oder vokale Tics auf, aber nicht beide, und dauern länger als ein Jahr. Beim Tourette-Syndrom (F95.2) sind gegenwärtig oder früher mehrere motorische Tics und ein oder mehrere vokale Tics vorgekommen, die nicht gleichzeitig auftreten müssen [1]. Nach den Kriterien des US-amerikanischen Diagnosehandbuchs DSM-5 bestehen die Tics beim Tourette-Syndrom seit mindestens einem Jahr und haben vor dem 18. Lebensjahr begonnen [2]. Die europäische Leitlinie verweist darauf, dass all diese Störungen zu einem Spektrum gehören könnten, mit dem Tourette-Syndrom als schwerster Form [2].
Das Tourette-Syndrom betrifft laut europäischer Leitlinie zwischen 0,3 und 1 Prozent der Bevölkerung, je nach Alter der untersuchten Gruppe und Methode der Studie. Tics treten vor allem bei jungen Menschen unter 18 Jahren auf. Jungen sind drei- bis etwa viermal so oft betroffen wie Mädchen; bei Erwachsenen ist dieser Unterschied geringer [2].
Grundlage dieser Seite sind die ICD-10-GM und die europäische Leitlinie der European Society for the Study of Tourette Syndrome (ESSTS), Version 2.0, die 2021 und 2022 in Teilen zu Diagnostik, psychologischer und medikamentöser Behandlung erschienen ist; ein Ablaufdatum nennt sie nicht [2, 3, 4]. Ihre Aussagen zu Medikamenten beruhen neben Studien auch auf einer Befragung europäischer Fachleute [4]. Ob ein Mittel in Deutschland für Tics zugelassen ist, steht hier nach den Fachinformationen [5, 7, 8, 9, 10].
Anzeichen von Tics und Tourette-Syndrom
Tics werden in motorische und vokale sowie in einfache und komplexe Tics eingeteilt. Die ICD-10-GM und die europäische Leitlinie nennen unter anderem diese Beispiele [1, 2]:
| Form | Beispiele |
|---|---|
| einfache motorische Tics | Blinzeln, Kopfwerfen, Schulterzucken, Grimassieren, Nasenzucken, Herausstrecken der Zunge [1, 2] |
| einfache vokale Tics | Räuspern, Bellen, Schnüffeln, Zischen, Grunzen, Husten [1, 2] |
| komplexe motorische Tics | Sich-selbst-Schlagen, Springen und Hüpfen, wiederholtes Berühren von Gegenständen oder Menschen, Nachahmen der Bewegungen anderer (Echopraxie) [1, 2] |
| komplexe vokale Tics | Wiederholen bestimmter Wörter, Gebrauch sozial unangebrachter, oft obszöner Wörter (Koprolalie), Wiederholen eigener Laute oder Wörter (Palilalie), Nachsprechen der Wörter anderer (Echolalie) [1, 2] |
Typisch für Tics ist laut europäischer Leitlinie unter anderem, dass sie sich durch Reize aus der Umgebung anregen lassen, dass ihnen oft ein Drang oder eine Anspannung vorausgeht (Vorgefühl) und dass sie sich vorübergehend unterdrücken lassen, was oft mit innerer Anspannung einhergeht [2]. Tics kommen in Schüben und wechseln in Häufigkeit, Stärke, Zahl und Art. Viele Menschen bemerken nicht alle ihre Tics, vor allem leichte einfache Tics wie Augentics [2]. Komplexe Tics treten meist später auf als einfache, und vokale Tics zeigen sich oft ein bis zwei Jahre nach den motorischen, manchmal auch zuerst [2].
Schimpfwörter als Tic, also die Koprolalie, für die das Tourette-Syndrom bekannt ist, kommen laut europäischer Leitlinie nur bei 15 bis 20 Prozent der Betroffenen vor [2]. Für das Tourette-Syndrom beschreibt die ICD-10-GM vokale Tics, die häufig vielfältig sind, mit explosiven, wiederholten Lauten, Räuspern und Grunzen und dem Gebrauch obszöner Wörter oder Ausdrücke; manchmal kommt ein Nachahmen von Gesten hinzu, das ebenfalls obszön sein kann (Kopropraxie) [1].
Begleiterkrankungen
Zwanghafte Gedanken und Handlungen kommen laut europäischer Leitlinie bei 22 bis 66 Prozent der Menschen mit Tourette-Syndrom in ärztlicher Behandlung vor, eine ADHS bei 55 bis 60 Prozent; beide sind die häufigsten Begleiterkrankungen. Bei gleichzeitiger ADHS sind auch Zwangsstörungen, Ängste, Probleme mit der Kontrolle von Ärger sowie Persönlichkeits- und affektive Störungen häufiger [2]. Menschen mit Tourette-Syndrom haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Depressionen, Angststörungen, oppositionelles Trotzverhalten, Wutanfälle und affektive Störungen; affektive Störungen sind bei Jugendlichen und Erwachsenen und bei stärkeren Tics häufiger als bei Kindern [4]. Plötzliche Ausbrüche von Wut mit Worten oder Handgreiflichkeiten werden bei 25 bis 75 Prozent der Menschen mit Ticstörungen beschrieben [2].
Kinder mit Tourette-Syndrom haben laut Leitlinie ein erhöhtes Risiko, in der Schule hinter ihren Möglichkeiten zu bleiben, und brauchen häufiger zusätzliche Unterstützung, vor allem bei stärkeren Tics und Begleiterkrankungen; Lernstörungen, vor allem beim Rechnen und mit der Handschrift, sind häufig. Die Intelligenz liegt in der Regel im Durchschnittsbereich [2]. Die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit Tics hängt mit der Stärke der Tics und vor allem mit einer begleitenden ADHS oder Zwangsstörung zusammen, bei Erwachsenen vor allem mit einer begleitenden Zwangsstörung oder Depression [2]. Mehr unter ADHS bei Kindern und Jugendlichen und Zwangsstörung.
Ursachen und Risiken
Beim Tourette-Syndrom tragen laut europäischer Leitlinie sowohl genetische als auch Umweltfaktoren zu Beginn und Fortbestehen der Erkrankung bei [2]. Tics oder Tics in der Vorgeschichte finden sich bei einem beträchtlichen Teil der Eltern, und Verwandte ersten Grades haben ein höheres Risiko für Tics, Zwangssymptome oder ADHS als andere Familien. Nach Zwillings-, Familien- und genetischen Studien wird die Erblichkeit auf 28 bis 56 Prozent geschätzt [2]. Einzelne bekannte Risikogene erklären die Anfälligkeit nur bei etwa 1 Prozent der Betroffenen, und bestimmte genetische Marker für die Diagnose gibt es bisher nicht [2].
Ein Zusammenhang zwischen Streptokokken-Infektionen und dem Beginn oder der Verstärkung von Tics wird seit Langem diskutiert (unter den Abkürzungen PANS und PANDAS). Eine große europäische Untersuchung fand laut Leitlinie bei Kindern und Jugendlichen mit Tourette-Syndrom keinen bestimmten Zusammenhang zwischen diesen Infektionen und einer Verstärkung der Tics; eine Behandlung mit Antibiotika oder immunologischen Verfahren hat bei Kindern, bei denen ein solcher Zusammenhang angenommen wurde, bisher keine Wirksamkeit gezeigt [2]. Allgemein gibt es laut Leitlinie deutliche Hinweise darauf, dass Faktoren des Immunsystems am Beginn und Fortbestehen von Tics beteiligt sind [2]. Belastungen können Tics laut ICD-10-GM verstärken [1].
Wie die Diagnose gestellt wird
Ticstörungen werden laut europäischer Leitlinie oft nicht erkannt, und viele Betroffene erhalten die richtige Diagnose erst viele Jahre nach Beginn der Beschwerden. Das kann den Zugang zu Behandlungen für die Tics und für häufige Begleiterkrankungen wie Zwangsstörung und ADHS verzögern [2]. Die Diagnose wird anhand der Kriterien der Klassifikationssysteme gestellt. Um die Stärke der Tics zu beurteilen, gilt die Yale Global Tic Severity Scale (YGTSS) laut Leitlinie weiterhin als Goldstandard; zusätzlich empfiehlt sie Verfahren, um Begleiterkrankungen und die geistige Leistungsfähigkeit einzuschätzen [2].
Abzugrenzen sind laut Leitlinie unter anderem andere Bewegungsstörungen wie Dystonie, Myoklonien oder Chorea und epileptische Anfälle. Stereotypien, also gleichförmige, oft fast rhythmische Bewegungen, beginnen meist früher als Tics, schon im Alter von null bis drei Jahren, betreffen in der Regel mehr Muskelgruppen und gehen in der Regel nicht mit einem Vorgefühl einher [2]. Funktionelle, ticähnliche Bewegungen und Laute beginnen häufiger im Erwachsenenalter, oft ohne Vorgefühl und ohne die Fähigkeit, sie zu unterdrücken; sie werden häufiger bei Frauen beschrieben und zuletzt auch im Zusammenhang mit sozialen Medien. Weil beides bei denselben Menschen vorkommen kann, ist dann laut Leitlinie eine gründliche Untersuchung in einem auf Tics spezialisierten Zentrum angezeigt [2].
Manchmal werden Tics zunächst für etwas anderes gehalten: Augentics etwa für eine Augenerkrankung, eine Bindehautentzündung oder trockene Augen, Räuspern oder Schniefen für eine Allergie oder einen Rückfluss von Magensäure. Vokale Tics können das Sprechen blockieren und wie Stottern wirken [2].
Behandlung im Überblick
Nach klinischem Konsens der europäischen Leitlinie wird allen Menschen mit Tourette-Syndrom zuerst eine Psychoedukation empfohlen: verständliche, aktuelle Informationen über die Beschwerden, ihre Ursachen, den Verlauf, die Behandlung und den Alltag mit der Erkrankung, für die betroffene Person und ihr Umfeld [3]. Sie soll helfen, die Erkrankung zu verstehen und gut informierte Entscheidungen zu treffen, sie kann ohne psychotherapeutische Fachausbildung vermittelt werden und sollte auf die Person und ihre Familie zugeschnitten sein. Reicht die Psychoedukation aus, ist laut Leitlinie ein beobachtendes Abwarten angemessen; typischerweise nehmen Tics laut Leitlinie in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter von selbst ab [3]. Nach einer Übersichtsarbeit erhöht Aufklärung von Lehrkräften und Mitschülern das Wissen über das Tourette-Syndrom und eine positive Haltung gegenüber Betroffenen [3].
Reicht Psychoedukation allein nicht aus, empfiehlt die Leitlinie für Kinder und Erwachsene eine Verhaltenstherapie als erste Behandlung, und zwar Habit Reversal Training (HRT) beziehungsweise dessen erweiterte Form CBIT oder Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP), wenn sie verfügbar sind. Für HRT und CBIT sind die Belege am stärksten, für ERP gibt es weniger Studien; wann welches Verfahren besser passt, lässt sich nach den bisherigen Studien nicht sagen [3].
| Verfahren | Wie es funktioniert |
|---|---|
| Habit Reversal Training (HRT) | Zuerst lernen Betroffene, einen Tic und die Signale davor bewusst wahrzunehmen. Danach üben sie eine Gegenbewegung, die mit dem Tic körperlich nicht zusammenpasst, meist mit denselben Muskeln, und setzen sie ein, um den Tic zu verhindern; die Tics werden nacheinander behandelt, beginnend mit dem störendsten, und auch zu Hause geübt [3] |
| CBIT (Comprehensive Behavioral Intervention for Tics) | erweitert HRT um Entspannungstraining, Belohnungsregeln und Maßnahmen gegen Umstände, die Tics verstärken [3] |
| Exposition mit Reaktionsverhinderung (ERP) | Betroffene üben, alle Tics über längere Zeit zu unterdrücken, während sie sich schrittweise dem Vorgefühl und Situationen aussetzen, die Tics auslösen; so soll das Aushalten des Drangs zunehmen [3] |
Kognitive Verfahren und Verfahren der sogenannten dritten Welle empfiehlt die Leitlinie mangels kontrollierter Studien nicht als alleinige Behandlung; Entspannungsverfahren gelten nur als zweite Wahl [3]. Unter den neuen Formen hat eine Verhaltenstherapie per Videoverbindung bisher die meisten Belege [3]. In einer Studie mit Gruppenbehandlung führte das Treffen mit anderen jungen Menschen mit Tics nicht dazu, dass die Tics zunahmen, eine Sorge, die Eltern und Betroffene oft äußern [3]. Wirkt eine Verhaltenstherapie nicht ausreichend, kann laut Leitlinie auf das andere Verfahren oder auf Medikamente gewechselt oder die Verhaltenstherapie mit Medikamenten ergänzt werden; wichtig ist laut Leitlinie, die Wünsche der Betroffenen immer zu berücksichtigen [3].
Medikamente kommen laut Leitlinie nach der Psychoedukation allein oder zusätzlich zur Verhaltenstherapie infrage, wenn die Tics deutlich beeinträchtigen oder Betroffene sie bevorzugen. Das gilt vor allem, wenn Tics die Lebensqualität mindern oder Beschwerden wie Schmerzen oder Verletzungen verursachen, wenn sie zu anhaltenden sozialen Problemen wie Ausgrenzung oder Mobbing führen oder die Leistungen etwa in der Schule beeinträchtigen. Erste Wirkungen von Medikamenten zeigen sich laut Leitlinie oft schon nach wenigen Tagen, bei einer Verhaltenstherapie meist erst nach einigen Wochen [4]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.
Medikamente bei Tics und Tourette-Syndrom
Die meisten Belege sprechen laut europäischer Leitlinie für Mittel, die Dopamin-Rezeptoren blockieren, vorzugsweise für Aripiprazol. Als am besten etablierte Möglichkeiten nennt sie, gestützt auf Studien und klinische Erfahrung, unter anderem Aripiprazol, Tiaprid und Risperidon sowie bei gleichzeitiger ADHS Guanfacin, alle als Anwendung außerhalb der Zulassung; in Deutschland sind diese vier Mittel laut Fachinformation für Tics nicht zugelassen [4, 7, 8, 9, 10]. In behandlungsresistenten Fällen können weitere Mittel mit begrenzter Studienlage oder einem Risiko für Bewegungsstörungen erwogen werden, darunter Haloperidol [4]. Die Behandlung soll laut Leitlinie individuell sein und sich nach den Bedürfnissen und Wünschen der Betroffenen, Begleiterkrankungen, dem aktuellen Wissensstand, der Erfahrung der Behandelnden und den örtlichen Zulassungsbedingungen richten [4].
| Wirkstoff | Was die europäische Leitlinie sagt | Zulassung laut Fachinformation |
|---|---|---|
| Aripiprazol | eine der am besten etablierten Möglichkeiten (Anwendung außerhalb der Zulassung); unter den Dopamin blockierenden Mitteln das bevorzugte; in der Befragung der ESSTS-Fachleute das am häufigsten genannte Mittel, bei Kindern und Jugendlichen wie bei Erwachsenen [4] | in Deutschland für Tics nicht zugelassen: zum Einnehmen zugelassen ist es nur bei Schizophrenie ab 15 Jahren und bei manischen Episoden der Bipolar-I-Störung, bei Jugendlichen ab 13 Jahren nur für bis zu 12 Wochen; für Tics beim Tourette-Syndrom ist die Sicherheit und Wirksamkeit bei 6 bis 18 Jahren laut Fachinformation nicht erwiesen [7] |
| Risperidon | eine der am besten etablierten Möglichkeiten (Anwendung außerhalb der Zulassung), mit guter Studienlage, aber mit Gewichtszunahme und Nebenwirkungen auf den Stoffwechsel verbunden [4] | in Deutschland für Tics nicht zugelassen: zugelassen ist es nur bei Schizophrenie, manischen Episoden bei bipolaren Störungen und zur Kurzzeitbehandlung anhaltender Aggression bei Alzheimer-Demenz bzw. bei Verhaltensstörung von Kindern ab 5 Jahren und Jugendlichen mit intellektueller Beeinträchtigung [8] |
| Tiaprid | eine der am besten etablierten Möglichkeiten (Anwendung außerhalb der Zulassung); vor allem im deutschsprachigen Raum häufig verwendet, die Belege aus kontrollierten Studien sind aber spärlich [4] | in Deutschland für Tics nicht zugelassen: laut Fachinformation eines Präparats ist es nur bei Spätdyskinesien zugelassen, die durch Neuroleptika ausgelöst wurden; zur Behandlung von Kindern nicht vorgesehen [9] |
| Guanfacin | bei gleichzeitiger ADHS eine der am besten etablierten Möglichkeiten (Anwendung außerhalb der Zulassung); noradrenerg wirkende Mittel wie Guanfacin empfiehlt die Leitlinie als erste Wahl bei leichten bis mittelschweren Tics mit gleichzeitiger ADHS, bei Tics ohne ADHS bringen sie nur geringen Nutzen [4] | in Deutschland für Tics nicht zugelassen; zugelassen ist es nur zur Behandlung der ADHS bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren, wenn Stimulanzien nicht infrage kommen, nicht vertragen werden oder unwirksam waren [10] |
| Haloperidol | das einzige in Europa offiziell für das Tourette-Syndrom und Tics zugelassene Mittel; die Leitlinie nennt es unter den Mitteln, die in behandlungsresistenten Fällen erwogen werden können; bei Erwachsenen noch relativ oft verwendet, für Kinder und Jugendliche von den Fachleuten kaum genannt; den Rückgang seiner Verwendung erklärt die Leitlinie mit seinen Nebenwirkungen [4] | zugelassen zur Behandlung von Tics einschließlich Tourette-Syndrom bei stark beeinträchtigten Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen von 10 bis 17 Jahren, wenn edukative, psychologische und andere medikamentöse Behandlungen versagt haben [5] |
Haloperidol kann laut Packungsbeilage sehr häufig (bei mehr als 1 von 10 Behandelten) unkontrollierte Bewegungen auslösen, etwa Bewegungen von Mund, Zunge und Kiefer (Spätdyskinesie), Rastlosigkeit, verlangsamte, ruckartige oder drehende Bewegungen, Muskelzittern oder Muskelsteife und einen Verlust der normalen Mimik; ebenfalls sehr häufig sind Unruhe (Agitiertheit), Schlafstörungen und Kopfschmerzen [6]. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels; weitere Angaben stehen auf den Wirkstoffseiten und unter Bewegungsstörungen.
Die Leitlinie empfiehlt, mit der niedrigsten möglichen Dosis zu beginnen und langsam zu steigern; die Dosen von Antipsychotika bei Tics liegen deutlich niedriger als bei Psychosen [4]. Weil die meisten dieser Mittel bekannte Nebenwirkungen haben, etwa Gewichtszunahme, medikamentenbedingte Bewegungsstörungen, erhöhte Prolaktinwerte, Müdigkeit und Wirkungen auf Herzfrequenz, Blutdruck und EKG, empfiehlt die Leitlinie eine sorgfältige Überwachung [4]. Wird ein Antipsychotikum beendet, empfiehlt sie, es schrittweise auszuschleichen, um Bewegungsstörungen beim Absetzen zu vermeiden [4]. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wie lange eine Behandlung dauern sollte und welche Dosis am besten passt, ist laut Leitlinie nicht systematisch untersucht [4].
Tics und ADHS
Treffen Tics und ADHS zusammen, empfiehlt die europäische Leitlinie bei leichten bis mittelschweren Tics als erste Wahl noradrenerg wirkende Mittel wie Guanfacin [4]. In Studien verringerten laut Leitlinie unter anderem auch Methylphenidat und Atomoxetin in üblichen Dosen sowohl die ADHS-Beschwerden als auch die Tics. Frühere Studien beschrieben, dass Stimulanzien Tics verstärken oder erstmals auslösen können; neuere Studien zeigten laut Leitlinie, dass Tics unter Stimulanzien nicht neu auftreten oder zunehmen, eine vorübergehende Zunahme aber möglich ist. Nehmen die Tics in seltenen Fällen nach Beginn eines Stimulans anhaltend zu, kann Atomoxetin eine Alternative sein [4].
Die Fachinformation von Methylphenidat hält fest, dass Methylphenidat mit der Entstehung oder Verschlimmerung von motorischen und verbalen Tics in Verbindung gebracht wurde und auch eine Verschlimmerung eines Tourette-Syndroms beobachtet wurde; vor der Anwendung sollten Betroffene auf Tics untersucht und während der Behandlung regelmäßig überwacht werden [11]. Ob Methylphenidat Tics auslöst, ist laut IQWiG umstritten, weil Tic-Störungen bei ADHS ohnehin häufig sind [14]. Bei ADHS mit Tic-Störung sollen laut abgelaufener S3-Leitlinie ADHS Stimulanzien oder alternativ Atomoxetin oder Guanfacin gewählt werden; treten unter Stimulanzien Tics auf, sollten die Behandelnden abwägen, ob ein Zusammenhang mit dem Mittel besteht und ob die Beeinträchtigung durch die Tics den Nutzen überwiegt [13]. Für ADHS zugelassen sind Methylphenidat und Atomoxetin ab 6 Jahren, Guanfacin von 6 bis 17 Jahren unter den genannten Bedingungen [10, 11, 12]. Mehr unter ADHS bei Kindern und Jugendlichen.
Tics und Zwangsstörung
Die Kriterien einer Zwangsstörung erfüllen laut europäischer Leitlinie bis zu 50 Prozent der Menschen mit Tics. Kommt eine Zwangsstörung zum Tourette-Syndrom hinzu, ist eine Verhaltenstherapie die erste Behandlung; wer darauf nicht ausreichend anspricht, kann nach kleinen Beobachtungsstudien von einem zusätzlichen Medikament profitieren [4]. Welche Medikamente bei einer Zwangsstörung zugelassen sind, steht auf der Seite Zwangsstörung.
Verlauf und Behandlungsdauer
Tics beginnen laut europäischer Leitlinie im Mittel mit etwa 5 Jahren, bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen auch früher. Bei Kindern und Jugendlichen ist das Auf und Ab der Tics die Regel, bei Erwachsenen verlaufen sie eher gleichbleibend. Am stärksten sind die Tics bei den meisten zwischen 8 und 12 Jahren [2]. Der Verlauf ist laut Leitlinie insgesamt eher günstig: Bis zu 80 Prozent derjenigen, bei denen eine Ticstörung vor dem 10. Lebensjahr auftrat, erleben in der Jugend eine deutliche Abnahme. Mit 18 Jahren sind Häufigkeit und Stärke der Tics bei den meisten so weit zurückgegangen, dass sie nicht mehr wesentlich beeinträchtigen, auch wenn leichte Tics meist bleiben. Bei einem kleinen Teil nehmen die Tics nicht spürbar ab, andere haben weiter eine schwere, belastende Form [2].
Die ICD-10-GM beschreibt beim Tourette-Syndrom dagegen, dass es sich meist während der Jugend verschlechtert und dazu neigt, bis ins Erwachsenenalter anzuhalten [1]. Ob bestimmte Tics in der Kindheit vorhersagen, wie es im Erwachsenenalter weitergeht, dazu sind die Berichte laut Leitlinie widersprüchlich, und Langzeitstudien sind selten [2]. Wird die Psychoedukation als ausreichend beurteilt, ist laut Leitlinie ein beobachtendes Abwarten angemessen [3].
Selbsthilfe und Alltag

Belastungen können Tics laut ICD-10-GM verstärken [1], und Reize aus der Umgebung können sie laut europäischer Leitlinie anregen [2]. Viele Menschen bemerken leichte Tics bei sich selbst gar nicht [2]. Zur Verhaltenstherapie gehört, die erlernten Techniken auch zwischen den Sitzungen zu Hause zu üben [3]. Bei Kindern mit stärkeren Tics und Begleiterkrankungen ist laut Leitlinie häufiger zusätzliche Unterstützung in der Schule nötig [2], und eine Aufklärung von Lehrkräften und Mitschülern kann das Wissen und eine positive Haltung fördern [3].
Für Eltern und Angehörige
Die Psychoedukation richtet sich laut europäischer Leitlinie an die betroffene Person und ihr Umfeld, damit alle die Erkrankung verstehen und gemeinsam gut informierte Entscheidungen treffen können; sie sollte auf die Bedürfnisse der Familie zugeschnitten sein [3]. Tics werden laut ICD-10-GM in der Regel als nicht willkürlich beeinflussbar erlebt [1], und das Unterdrücken geht laut europäischer Leitlinie oft mit innerer Anspannung einher [2]. Nicht alle Betroffenen möchten eine Verhaltenstherapie machen; die Leitlinie betont, die Wünsche der Betroffenen immer zu berücksichtigen [3].
Wutanfälle sind laut Leitlinie bei Ticstörungen häufig, kommen oft zusammen mit Begleiterkrankungen wie ADHS oder Zwangsstörung vor, aber auch ohne sie, und mindern die Lebensqualität [2]. Sprechen Sie solche Belastungen bei der behandelnden Ärztin, dem Arzt oder in der psychotherapeutischen Praxis an. Weitere Hinweise stehen unter Kinder und Jugendliche und Angehörige.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Bei Menschen mit Tourette-Syndrom ist laut europäischer Leitlinie das Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche erhöht, auch wenn man andere gleichzeitig bestehende psychische Erkrankungen berücksichtigt. Depressionen und andere affektive Störungen sind bei Jugendlichen und Erwachsenen und bei stärkeren Tics häufiger [4]. Selbstverletzendes Verhalten hängt laut Leitlinie eng mit komplexen motorischen Tics zusammen, kann aber auch mit anderen Beschwerden wie Unruhe und Unfällen bei ADHS, Wutanfällen oder Zwängen zusammenhängen [2].
Unter Haloperidol informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Herzrhythmusstörungen, Herzrasen oder Herzstolpern auftreten, bei hohem Fieber mit ausgeprägter Muskelsteife und Verwirrtheit (Anzeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms), bei unkontrollierten Bewegungen, bei Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen mit Schluck- oder Atembeschwerden und bei Anzeichen eines Blutgerinnsels in einer Beinvene wie Schwellung, Schmerzen und Rötung [6]. Verursachen Tics Schmerzen oder Verletzungen, ist das laut Leitlinie ein Grund für eine Behandlung [4].
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Quellen
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F90 bis F98: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F95 Ticstörungen). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026 (Stand der Seite 12.09.2025). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie European clinical guidelines for Tourette syndrome and other tic disorders, version 2.0. Part I: assessment (Szejko N. u. a.), European Child and Adolescent Psychiatry 31: 383 bis 402, DOI 10.1007/s00787-021-01842-2. European Society for the Study of Tourette Syndrome (ESSTS), Arbeitsgruppe Leitlinien; Springer, Open Access (CC BY 4.0). Stand Version 2.0, online veröffentlicht 18.10.2021, Heft 2022; ohne Angabe zur Gültigkeit. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie European clinical guidelines for Tourette syndrome and other tic disorders, version 2.0. Part II: psychological interventions (Andrén P. u. a.), European Child and Adolescent Psychiatry 31: 403 bis 423, DOI 10.1007/s00787-021-01845-z. European Society for the Study of Tourette Syndrome (ESSTS), Arbeitsgruppe Leitlinien; Springer, Open Access (CC BY 4.0). Stand Version 2.0, online veröffentlicht 27.07.2021, Heft 2022; ohne Angabe zur Gültigkeit. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie European clinical guidelines for Tourette syndrome and other tic disorders, version 2.0. Part III: pharmacological treatment (Roessner V. u. a.), European Child and Adolescent Psychiatry, DOI 10.1007/s00787-021-01899-z. European Society for the Study of Tourette Syndrome (ESSTS), Arbeitsgruppe Leitlinien; Springer, Open Access (CC BY 4.0). Stand Version 2.0, angenommen 24.10.2021 (Online-Veröffentlichung); ohne Angabe zur Gültigkeit. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation ABILIFY (Aripiprazol, EPAR), Anhang I: Fachinformation ABILIFY Tabletten (Abschnitte 4.1 und 4.2). Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026 (zuletzt aktualisiert 12.01.2026). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026 (Version 3). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Tiaprid STADA 100 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Intuniv (Guanfacin, EPAR), Anhang I: Fachinformation. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026 (zuletzt aktualisiert 13.10.2026). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024 (Version 4). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Kurzfassung der S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 1.0 (AWMF-Registernummer 028-045), Empfehlungen. Federführung laut DGPPN-Übersicht: DGPPN, DGKJP, DGSPJ; Koordination T. Banaschewski, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim. Stand Version 1.0 (PDF 06/2018); nächste Überprüfung geplant 05/2022; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 01.05.2022, abgelaufen. abgerufen am 23.10.2026
- Was kann Kindern und Jugendlichen mit ADHS helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 04.05.2022. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist das Tourette-Syndrom?
Das Tourette-Syndrom ist laut ICD-10-GM eine Ticstörung, bei der mehrere motorische Tics und ein oder mehrere vokale Tics vorkommen oder vorgekommen sind, nicht unbedingt gleichzeitig. Tics sind plötzliche, rasche, wiederholte Bewegungen oder Laute ohne erkennbaren Zweck. Laut europäischer Leitlinie beginnen sie im Mittel mit etwa 5 Jahren und sind bei den meisten zwischen 8 und 12 Jahren am stärksten.
Wann sollte man mit Tics bei Kindern zum Arzt?
Ticstörungen werden laut europäischer Leitlinie oft nicht erkannt, und viele Betroffene erhalten die richtige Diagnose erst Jahre nach Beginn; das kann den Zugang zu Behandlungen für die Tics und für Begleiterkrankungen wie ADHS oder Zwangsstörung verzögern. Am Anfang steht laut Leitlinie die Aufklärung über die Erkrankung; reicht sie aus, ist ein beobachtendes Abwarten angemessen. Medikamente kommen vor allem infrage, wenn Tics die Lebensqualität mindern, Schmerzen oder Verletzungen verursachen, zu Ausgrenzung oder Mobbing führen oder die Leistungen in der Schule beeinträchtigen. Sprechen Sie bei Unsicherheit mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.
Geht das Tourette-Syndrom wieder weg?
Bei bis zu 80 Prozent derjenigen, deren Ticstörung vor dem 10. Lebensjahr begann, nehmen die Tics laut europäischer Leitlinie in der Jugend deutlich ab; mit 18 Jahren beeinträchtigen sie die meisten nicht mehr wesentlich, leichte Tics bleiben aber meist. Ein kleiner Teil behält starke Tics. Die ICD-10-GM beschreibt dagegen, dass das Tourette-Syndrom dazu neigt, bis ins Erwachsenenalter anzuhalten.
Welche Medikamente helfen bei Tourette?
Als am besten etablierte Möglichkeiten nennt die europäische Leitlinie unter anderem Aripiprazol, Tiaprid und Risperidon und bei gleichzeitiger ADHS Guanfacin, alle als Anwendung außerhalb der Zulassung; in Deutschland sind sie laut Fachinformation für Tics nicht zugelassen. Zugelassen ist laut Fachinformation Haloperidol für Tics einschließlich Tourette-Syndrom, bei stark beeinträchtigten Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen von 10 bis 17 Jahren nach Versagen edukativer, psychologischer und anderer medikamentöser Behandlungen. Welches Mittel infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Gibt es eine Behandlung ohne Medikamente?
Ja. Laut europäischer Leitlinie steht für alle zuerst die Psychoedukation, also Aufklärung über die Erkrankung. Reicht sie nicht, wird für Kinder und Erwachsene eine Verhaltenstherapie als erste Behandlung empfohlen, vor allem Habit Reversal Training beziehungsweise CBIT oder Exposition mit Reaktionsverhinderung. Dabei lernen Betroffene unter anderem, das Vorgefühl wahrzunehmen und mit einer Gegenbewegung oder durch Unterdrücken auf den Tic zu reagieren.
Können ADHS-Medikamente Tics auslösen?
Laut Fachinformation wurde Methylphenidat mit der Entstehung oder Verschlimmerung von Tics in Verbindung gebracht; vor und während der Behandlung sollte auf Tics geachtet werden. Neuere Studien zeigten laut europäischer Leitlinie, dass Tics unter Stimulanzien nicht neu auftreten oder zunehmen, eine vorübergehende Zunahme ist aber möglich; das IQWiG nennt die Frage umstritten. Ändern Sie die Behandlung nicht eigenmächtig; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Sagen Menschen mit Tourette immer Schimpfwörter?
Nein. Schimpfwörter als Tic, die sogenannte Koprolalie, kommen laut europäischer Leitlinie nur bei 15 bis 20 Prozent der Menschen mit Tourette-Syndrom vor. Typische einfache Tics sind laut ICD-10-GM zum Beispiel Blinzeln, Kopfwerfen, Schulterzucken, Räuspern oder Schnüffeln.
Was verstärkt Tics?
Belastungen können Tics laut ICD-10-GM verstärken, im Schlaf verschwinden sie. Laut europäischer Leitlinie lassen sich Tics auch durch Reize aus der Umgebung anregen, und sie schwanken von selbst in Häufigkeit und Stärke. Ein Zusammenhang mit Streptokokken-Infektionen hat sich in einer großen europäischen Untersuchung nicht bestätigt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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