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Lisdexamfetamin oder Methylphenidat: die Unterschiede

Lisdexamfetamin und Methylphenidat sind anregende Mittel (Stimulanzien) gegen ADHS und Betäubungsmittel; beide sind für Kinder ab 6 Jahren und für Erwachsene zugelassen, bei denen die ADHS schon in der Kindheit bestand. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem darin, dass aus Lisdexamfetamin erst im Körper der Wirkstoff Dexamfetamin entsteht, dass Lisdexamfetamin bei Kindern nur nach unzureichender Wirkung von Methylphenidat zugelassen ist, in der Halbwertszeit und in den Angaben zu älteren Menschen und zur Stillzeit. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Frau Anfang dreißig mit langen Zöpfen spielt in einem hellen Musikraum konzentriert Schlagzeug
Bild: KI-generiert

Was Lisdexamfetamin und Methylphenidat gemeinsam haben

Lisdexamfetamin und Methylphenidat gehören laut Fachinformation zu den zentral wirkenden Sympathomimetika, also zu den anregenden Mitteln (Stimulanzien). Beide sind zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zugelassen, zu der in der Regel unter anderem psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen gehören, und beide sind nicht bei allen Menschen mit ADHS angezeigt. Beginnen und überwachen muss die Behandlung eine Spezialistin oder ein Spezialist für ADHS beziehungsweise für Verhaltensstörungen. [2, 4, 6]

Beide sind verschreibungspflichtige Betäubungsmittel. Blutdruck und Puls sollten laut Fachinformation von Lisdexamfetamin und sollen laut Fachinformation von Methylphenidat bei jeder Dosisanpassung und mindestens alle 6 Monate dokumentiert werden. Bessern sich die Beschwerden nach einer geeigneten Dosisanpassung über einen Monat nicht, muss die Behandlung laut beiden Fachinformationen beendet werden. Als Produktnamen nennt Embryotox für Lisdexamfetamin unter anderem Elvanse adult, für Methylphenidat unter anderem Concerta, Kinecteen, Medikinet adult und Ritalin Adult. Weitere Wirkstoffe zeigt die Seite ADHS-Medikamente. [2, 4, 7, 8, 9]

Lisdexamfetamin und Methylphenidat im Überblick

Lisdexamfetamin und Methylphenidat laut Fachinformation, Packungsbeilage, Embryotox und Betäubungsmittelgesetz
LisdexamfetaminMethylphenidat
Wirkstoffunwirksame Vorstufe, aus der im Körper Dexamfetamin entsteht [2]leichtes Stimulans des zentralen Nervensystems, Gemisch aus D- und L-Form [4]
Kinder ab 6 Jahrenwenn das Ansprechen auf eine vorherige Behandlung mit Methylphenidat als klinisch unzureichend angesehen wird [2]wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben [4, 6]
Erwachsenebei ADHS-Symptomen, die bereits in der Kindheit bestanden [2]wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben; ADHS in der Kindheit ist Voraussetzung; laut Fachinformation der Hartkapseln nur die Formulierung mit veränderter Wirkstofffreisetzung [4, 6]
Ältere Menschennur begrenzte Daten; gründliche Beurteilung vorher, fortlaufende Überwachung von Blutdruck und Herz-Kreislauf-Zustand [2]darf laut Fachinformation der Retardtabletten nicht angewendet werden, laut Fachinformation der Hartkapseln "sollte nicht" (Abschnitt 4.2) und "darf nicht" (Abschnitt 4.4); über 65 Jahren (Retardtabletten) bzw. 60 Jahren (Hartkapseln) nicht untersucht [4, 6]
Formen laut ausgewerteter FachinformationHartkapseln [2]Retardtabletten; Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung [4, 6]
HalbwertszeitDexamfetamin 11 Stunden; Lisdexamfetamin selbst in der Regel unter einer Stunde [2]bei Erwachsenen ungefähr 3,5 Stunden (Retardtabletten); durchschnittlich 2 Stunden (Hartkapseln) [4, 6]
Alkoholzu Wechselwirkungen liegen laut Fachinformation begrenzte Daten vor [2]laut Packungsbeilage während der Einnahme kein Alkohol [3, 5]
Schwangerschaft laut Fachinformationnur, wenn der mögliche Nutzen das mögliche Risiko für das Ungeborene rechtfertigt [2]nicht empfohlen, es sei denn, ein Aufschieben der Behandlung bedeutet nach klinischer Entscheidung ein größeres Risiko [4, 6]
Stillzeit laut Fachinformationdarf nicht angewendet werden [2]Entscheidung, ob abgestillt oder die Behandlung unterbrochen oder beendet wird [4, 6]
Schwangerschaft laut EmbryotoxErfahrungsumfang sehr hoch für Amfetaminpräparate insgesamt; Verordnung kritisch prüfen [7]Erfahrungsumfang sehr hoch; Verordnung, vor allem im ersten Drittel, kritisch prüfen [8]
Stillzeit laut EmbryotoxErfahrungen zu 19 Mutter-Kind-Paaren mit Amfetaminen; besonders in höheren Dosierungen kritisch [7]Erfahrungen zu 9 Mutter-Kind-Paaren; bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel [8]

Zulassung bei Kindern, Erwachsenen und im Alter

Bei Kindern ab 6 Jahren ist Lisdexamfetamin nur nach unzureichendem Ansprechen auf eine Behandlung mit Methylphenidat zugelassen; bei Kindern unter 6 Jahren dürfen beide nicht angewendet werden. Mehr für Eltern unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 4, 6]

Lisdexamfetamin ist laut Fachinformation auch "im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bei Erwachsenen mit bereits in der Kindheit bestehenden ADHS-Symptomen indiziert". Methylphenidat ist bei Erwachsenen angezeigt, wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben; eine ADHS in der Kindheit ist Voraussetzung und muss im Nachhinein ermittelt werden. Zu den Formen schreibt die Fachinformation der Hartkapseln in Abschnitt 4.2: "Nur die Formulierung mit veränderter Wirkstofffreisetzung ist zur Anwendung bei Erwachsenen mit ADHS zugelassen." Die Fachinformation der Retardtabletten hält in Abschnitt 4.2 bei Kindern und Erwachsenen, die erstmalig Methylphenidat erhalten, auch niedrigere Dosen einer kurz wirksamen Form für möglicherweise ausreichend. Ob ein Präparat für Erwachsene zugelassen ist, steht in Abschnitt 4.1 seiner Fachinformation und in Abschnitt 1 der Packungsbeilage. Mehr unter Lisdexamfetamin bei Erwachsenen und Methylphenidat bei Erwachsenen. [2, 3, 4, 5, 6]

Für ältere Menschen liegen bei Lisdexamfetamin nur begrenzte Daten vor; deshalb sind laut Fachinformation eine gründliche Beurteilung vorher und eine fortlaufende Überwachung von Blutdruck und Herz-Kreislauf-Zustand erforderlich. Methylphenidat darf laut Fachinformation der Retardtabletten bei älteren Menschen nicht angewendet werden; die Fachinformation der Hartkapseln schreibt dazu in Abschnitt 4.2 "sollte nicht", in Abschnitt 4.4 "darf nicht". Mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 4, 6]

Wirkweise, Wirkdauer und Einnahme

Lisdexamfetamin ist laut Fachinformation eine pharmakologisch unwirksame Vorstufe (Prodrug), die vor allem in den roten Blutkörperchen zu Dexamfetamin umgewandelt wird. Für Amfetamin wird angenommen, dass es die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzelle blockiert und ihre Freisetzung verstärkt. Methylphenidat gilt als Hemmer der Wiederaufnahme dieser Botenstoffe und erhöht ihre Freisetzung; wie es bei ADHS wirkt, ist nicht bekannt. Mehr unter Dexamfetamin. [2, 4]

Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich der Spiegel im Blut halbiert, liegt für Dexamfetamin bei 11 Stunden, für Methylphenidat laut Fachinformation der Retardtabletten bei Erwachsenen bei ungefähr 3,5 Stunden. In Studien hielt die Wirkung von Lisdexamfetamin nach der Einnahme am Morgen bei Kindern 13 und bei Erwachsenen 14 Stunden an, die der Methylphenidat-Retardtabletten in Studien mit Kindern bis 12 Stunden. Die Angaben stammen aus getrennten Studien und sind kein direkter Vergleich. Welche Methylphenidat-Form gewählt wird, entscheidet laut Fachinformation die Fachärztin oder der Facharzt je nach gewünschter Wirkdauer. [2, 4]

Die Lisdexamfetamin-Kapsel kann geöffnet und ihr ganzer Inhalt in Joghurt, Wasser oder Orangensaft eingerührt werden. Die Methylphenidat-Retardtabletten müssen im Ganzen geschluckt werden; den Inhalt der Methylphenidat-Hartkapseln kann man bei Schluckproblemen auf nicht warmen Brei wie Apfelmus streuen, ohne die Kügelchen zu zerkauen. [1, 3, 5]

Nebenwirkungen im Vergleich

Bei beiden nennen die Packungsbeilagen Kopfschmerzen und Schlafprobleme als sehr häufig. Die Packungsbeilagen der Methylphenidat-Retardtabletten und der Hartkapseln weichen bei einigen Angaben voneinander ab; dann stehen beide in der Tabelle. [1, 3, 5]

Ausgewählte Nebenwirkungen von Lisdexamfetamin und Methylphenidat mit Häufigkeitsangabe der Packungsbeilage
BeschwerdeLisdexamfetaminMethylphenidat
Verminderter Appetitsehr häufig [1]Retardtabletten: häufig; Hartkapseln: sehr häufig [3, 5]
SchlafproblemeSchlafstörungen: sehr häufig [1]Schlaflosigkeit: sehr häufig [3, 5]
Kopfschmerzensehr häufig [1]sehr häufig [3, 5]
Mundtrockenheitsehr häufig [1]Retardtabletten: häufig; Hartkapseln: sehr häufig [3, 5]
Übelkeithäufig [1]Retardtabletten: häufig; Hartkapseln: sehr häufig [3, 5]
Gewichtsabnahmehäufig; bei Kindern und Jugendlichen sehr häufig [1]häufig [3, 5]
Schneller Herzschlaghäufig [1]häufig [3, 5]
Hoher Blutdruckhäufig [1]häufig [3, 5]
Angsthäufig [1]Ängstlichkeit: häufig [3, 5]
Depressive StimmungDepression: häufig [1]häufig [3, 5]
Müdigkeithäufig [1]häufig [3, 5]
Erektionsstörungenhäufig [1]Retardtabletten: häufig; Hartkapseln: nicht bekannt [3, 5]

Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Die Häufigkeiten beruhen auf unterschiedlichen Datengrundlagen: bei Lisdexamfetamin führt die Fachinformation sie getrennt nach Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf, die Packungsbeilage fasst sie zusammen; bei Methylphenidat sind sie für mehrere Methylphenidat-Arzneimittel zusammengefasst, mit der jeweils höheren Häufigkeit. Eine andere Häufigkeitsklasse belegt deshalb nicht, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst. [1, 2, 4, 6]

Bei Kindern und Jugendlichen nennen beide Fachinformationen eine langsamere Gewichtszunahme und ein verzögertes Wachstum, bei Erwachsenen einen Gewichtsverlust; bei Erwachsenen sollte das Gewicht regelmäßig kontrolliert werden. Mehr zu einzelnen Beschwerden: sexuelle Probleme und Müdigkeit. [2, 4, 6]

Herz und Kreislauf

Junger Mann in den Zwanzigern mit roten Haaren spielt in einem sonnigen Park mit einem bunten Ball
Bild: KI-generiert

In ihren Abschnitten zu Erwachsenen schreiben die Fachinformationen von Lisdexamfetamin und der Methylphenidat-Retardtabletten: Bei Erwachsenen, die Stimulanzien in üblichen Dosen gegen ADHS einnahmen, wurde über lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Ereignisse, Schlaganfall und Herzinfarkt berichtet; welche Rolle die Stimulanzien dabei spielten, ist nicht bekannt. Erwachsene haben mit höherer Wahrscheinlichkeit als Kinder schwerwiegende Herzerkrankungen. Mit solchen Erkrankungen sollten Erwachsene laut Fachinformation von Lisdexamfetamin generell nicht mit Stimulanzien behandelt werden; laut Fachinformation der Methylphenidat-Retardtabletten dürfen sie generell nicht damit behandelt werden. [2, 4]

Vor Beginn fragt die Ärztin oder der Arzt nach Herzerkrankungen, auch nach plötzlichen Herztodesfällen oder unerwarteten Todesfällen in der Familie, und untersucht das Herz. Bei Erwachsenen, die die Methylphenidat-Retardtabletten zum ersten Mal erhalten, ist laut deren Fachinformation kardiologischer Rat einzuholen, wenn die örtlichen Leitlinien es erfordern. Stimulanzien lassen Blutdruck und Herzfrequenz laut Fachinformation von Lisdexamfetamin im Durchschnitt geringfügig, im Einzelfall stärker ansteigen; bei wiederholt schnellem Herzschlag, Herzrhythmusstörungen oder erhöhtem oberen Blutdruckwert sollte Methylphenidat laut Fachinformation der Retardtabletten abgesetzt werden. Die Fachinformation von Lisdexamfetamin nennt außerdem eine Verlängerung der QTc-Zeit im EKG bei einigen Behandelten. [2, 4]

Treten Brustschmerzen bei Belastung, eine unklare Ohnmacht oder andere Zeichen einer Herzerkrankung auf, sollte laut beiden Fachinformationen umgehend eine Herzuntersuchung erfolgen. Herzklopfen oder einen unregelmäßigen Herzschlag melden Sie laut beiden Packungsbeilagen umgehend Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Herz und QT-Zeit und Kontrollen während der Behandlung. [1, 2, 3, 4]

Seelische Warnzeichen bei beiden

Laut beiden Fachinformationen können Stimulanzien in üblicher Dosierung neue psychotische Beschwerden wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen oder eine Manie hervorrufen, bei Lisdexamfetamin für Kinder und Jugendliche beschrieben, außerdem aggressives oder feindseliges Verhalten. Unter beiden wurde über eine Verschlimmerung von Tics berichtet, und bei einer bipolaren Begleiterkrankung ist besondere Vorsicht geboten. [2, 4]

Vor Beginn fragt die Ärztin oder der Arzt laut beiden Packungsbeilagen auch, ob es in der Familie einen Suizid, eine bipolare Störung oder eine Depression gab. Suizidgedanken oder Suizidabsichten nennt die Packungsbeilage von Methylphenidat als gelegentliche Nebenwirkung, sie können also bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen; wenden Sie sich dann sofort an eine Ärztin oder einen Arzt. Laut Fachinformation von Methylphenidat sollte in diesem Fall sofort ärztlich beurteilt und eine Beendigung der Behandlung erwogen werden. Haben Sie Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, auch über eines dieser Angebote. [1, 3, 4]

Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie laut beiden Packungsbeilagen unter anderem auch bei Krampfanfällen, Zeichen einer allergischen Reaktion, Halluzinationen und einer Manie, also ungewöhnlicher Erregung, übermäßiger Aktivität oder Enthemmung. [1, 3]

Betäubungsmittel, Missbrauch und Verordnung

Beide stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, bei den verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln. Nach § 8 der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung dürfen sie nur auf einem dreiteiligen amtlichen Formblatt verschrieben werden, dem Betäubungsmittelrezept. [9, 10]

Beide haben laut Fachinformation ein Potenzial für Missbrauch, Fehlgebrauch und Zweckentfremdung. Das Risiko für Fehlgebrauch kann laut Fachinformation von Lisdexamfetamin bei Erwachsenen, insbesondere jungen Erwachsenen, größer sein als bei Kindern und Jugendlichen. Missbrauch von Amfetaminen kann laut dieser Fachinformation zu Toleranz und seelischer Abhängigkeit führen, chronischer Missbrauch von Methylphenidat laut dessen Fachinformation zu ausgeprägter Toleranz und seelischer Abhängigkeit. Geben Sie keines der Mittel an andere weiter. Mehr unter Machen Psychopharmaka abhängig? [1, 2, 3, 4]

Für die Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung sieht die Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für Stimulanzien eine Verordnungseinschränkung vor (Anlage III Nr. 44). Für Erwachsene lautet die Ausnahme: "ausgenommen bei Erwachsenen ab einem Alter von 18 Jahren mit Hyperkinetischer Störung bzw. Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADS / ADHS), sofern die Erkrankung bereits im Kindesalter bestand, im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben." Dass die ADHS schon im Kindesalter bestand, muss mit einem validierten Instrument erfasst werden, der Kurzform der Wender-Utah-Rating-Scale (WURS-k). Verordnen dürfen Spezialistinnen und Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Erwachsenen; zur Hausarztpraxis heißt es: "In Ausnahmefällen dürfen auch Hausärztinnen/Hausärzte Folgeverordnungen vornehmen, wenn gewährleistet ist, dass die Aufsicht durch einen Spezialisten für Verhaltensstörungen erfolgt." Mehr unter Wer verschreibt Psychopharmaka? und Kosten und Rezept. [11]

Wechselwirkungen

Beide dürfen nicht zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen werden, einer Gruppe von Antidepressiva, auch nicht in den 14 Tagen danach, weil der Blutdruck plötzlich ansteigen kann. Zusammen mit Mitteln, die auf Serotonin wirken, etwa SSRI und SNRI, wurde bei beiden über ein Serotonin-Syndrom berichtet, und beide können die Wirkung blutdrucksenkender Mittel abschwächen. Weitere Wechselwirkungen stehen auf den Seiten der beiden Wirkstoffe. Ist eine Operation geplant, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mit bestimmten Narkosemitteln sollte Methylphenidat laut Fachinformation am Tag der Operation nicht angewendet werden. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren und Psychopharmaka vor einer Operation. [1, 2, 3, 4]

Unterschiede im Alltag

Lisdexamfetamin sollte laut Fachinformation wegen möglicher Schlafstörungen nicht am Nachmittag eingenommen werden, die Methylphenidat-Hartkapseln aus demselben Grund nicht zu spät am Vormittag. Unter Methylphenidat darf laut Packungsbeilage kein Alkohol getrunken werden, weil Alkohol die Nebenwirkungen verstärken kann. Zu Lisdexamfetamin und Alkohol liegen laut Fachinformation begrenzte Daten vor; fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, was für Sie gilt. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [2, 3, 5]

Beide können laut Fachinformation Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen verursachen und die Verkehrstüchtigkeit mäßig beeinflussen; treten diese Wirkungen auf, sollten Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen. Nach § 24a Abs. 2 StVG handelt ordnungswidrig, wer unter der Wirkung eines in der Anlage genannten Mittels ein Kraftfahrzeug führt; als Wirkung gilt schon der Nachweis im Blutserum. Nach § 24a Abs. 4 ist unter anderem Absatz 2 Satz 1 nicht anzuwenden, wenn die Substanz "aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt". Nach § 316 StGB macht sich unabhängig davon strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen, auch bei Fahrlässigkeit. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [2, 4, 12, 13, 14]

Bei Drogentests und Dopingkontrollen können beide laut Packungsbeilage zu positiven Ergebnissen führen. Bei einer Behandlung über 12 Monate legt die Ärztin oder der Arzt laut beiden Fachinformationen behandlungsfreie Zeiten ein, um den Nutzen neu zu bewerten; bei Lisdexamfetamin nennt die Fachinformation dafür vorzugsweise Schulferien oder arbeitsfreie Zeit. Mehr unter Arbeit und Beruf. [1, 2, 3, 4]

Schwangerschaft und Stillzeit

Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang mit Methylphenidat in der Schwangerschaft sehr hoch, mit etwa 4.000 dokumentierten Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Drittel; bei Lisdexamfetamin gilt das für Amfetaminpräparate insgesamt, Lisdexamfetamin selbst wurde in der Regel nicht getrennt ausgewertet. Bei beiden sollte die Verordnung kritisch geprüft werden, bei Methylphenidat vor allem im ersten Drittel. Führt das Absetzen zu einer eindeutigen und alltagsrelevanten Verschlechterung der ADHS, ist die Anwendung laut Embryotox in allen Phasen der Schwangerschaft akzeptabel. Nach einer Einnahme von Methylphenidat bis zur Geburt können beim Neugeborenen Anpassungsstörungen auftreten, bei Amfetaminen muss damit gerechnet werden; entbunden werden sollte bei beiden in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin. [7, 8]

In der Stillzeit darf Lisdexamfetamin laut Fachinformation nicht angewendet werden; bei Methylphenidat ist abzuwägen, ob abgestillt oder die Behandlung unterbrochen oder beendet wird. Embryotox hält das Stillen unter Methylphenidat bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel; unter Lisdexamfetamin beurteilt es das Stillen besonders in höheren Dosierungen kritisch und hält es allenfalls bei niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel. Setzen Sie keines der Mittel selbst ab; wenn Sie schwanger sind, stillen oder schwanger werden möchten, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [2, 4, 6, 7, 8]

Wechsel nur ärztlich

Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei Kindern und Jugendlichen setzt die Zulassung von Lisdexamfetamin voraus, dass eine vorherige Behandlung mit Methylphenidat als klinisch unzureichend angesehen wurde. Brechen Sie keines der beiden Mittel eigenmächtig ab; nach einem Abbruch können laut den Packungsbeilagen die ADHS-Beschwerden zurückkehren. Laut Packungsbeilage von Methylphenidat können nach einem plötzlichen Abbruch auch unerwünschte Wirkungen wie eine Depression auftreten. Wie Umstellungen ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln. [1, 2, 3]

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm 20 mg bis 70 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026 (Version 8). abgerufen am 23.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Methylphenidat-ratiopharm 10 mg bis 60 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Methylphenidat-ratiopharm Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 08/2025 (Version 14). abgerufen am 23.10.2026
  7. Embryotox: Lisdexamfetamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  8. Embryotox: Methylphenidat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
  9. Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel (Einträge Lisdexamfetamin, Methylphenidat). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  10. Gesetz § 8 Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV): Betäubungsmittelrezept (Abs. 1 und 2). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  11. Behörde Arzneimittel-Richtlinie, Anlage III: Übersicht über Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse (Nr. 44 Stimulantien). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand letzte Änderung in Kraft getreten am 03.10.2026. abgerufen am 23.10.2026
  12. Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  13. Gesetz Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): Liste der berauschenden Mittel und Substanzen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  14. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist besser, Lisdexamfetamin oder Methylphenidat?

Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Vor dem Einsatz von Lisdexamfetamin sind laut Fachinformation unter anderem die Schwere und Dauer der Beschwerden, das Potenzial für Missbrauch und das Ansprechen auf frühere Behandlungen zu bewerten; bei Methylphenidat wählt die behandelnde Fachärztin oder der Facharzt die Form unter anderem nach der gewünschten Wirkdauer. Bei Kindern ist Lisdexamfetamin nur zugelassen, wenn Methylphenidat nicht ausreichend gewirkt hat. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was ist der Unterschied zwischen Lisdexamfetamin und Methylphenidat?

Beide sind Stimulanzien und Betäubungsmittel. Lisdexamfetamin ist eine unwirksame Vorstufe, aus der im Körper Dexamfetamin entsteht; Methylphenidat gilt als Hemmer der Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin. Unterschiede nennen die Fachinformationen unter anderem bei der Zulassung für Kinder, bei der Halbwertszeit, bei älteren Menschen, in der Stillzeit und bei den Darreichungsformen.

Welches Mittel wirkt länger?

In Studien hielt die Wirkung von Lisdexamfetamin nach der Einnahme am Morgen laut Fachinformation bei Kindern 13 und bei Erwachsenen 14 Stunden an. Für die Methylphenidat-Retardtabletten nennt die Fachinformation aus Studien mit Kindern eine Wirkung bis 12 Stunden. Die Angaben stammen aus getrennten Studien und sind kein direkter Vergleich; bei Methylphenidat hängt die Wirkdauer außerdem von der Form ab.

Sind beide für Erwachsene zugelassen?

Ja. Lisdexamfetamin ist bei Erwachsenen mit bereits in der Kindheit bestehenden ADHS-Symptomen zugelassen. Methylphenidat ist bei Erwachsenen zugelassen, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben und die ADHS schon in der Kindheit bestand; laut Fachinformation der Hartkapseln ist dafür nur die Formulierung mit veränderter Wirkstofffreisetzung zugelassen. Mehr unter Lisdexamfetamin bei Erwachsenen und Methylphenidat bei Erwachsenen.

Hat eines der beiden Mittel weniger Nebenwirkungen?

Das lässt sich aus den Packungsbeilagen nicht ablesen. Bei beiden sind Kopfschmerzen und Schlafprobleme sehr häufig, häufig sind unter anderem Gewichtsabnahme, schneller Herzschlag und hoher Blutdruck. Die Häufigkeiten stammen aus unterschiedlichen Datengrundlagen; eine andere Häufigkeitsklasse belegt nicht, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst.

Kann man Lisdexamfetamin und Methylphenidat zusammen nehmen?

Beide gehören laut Fachinformation zu den zentral wirkenden Sympathomimetika. Laut Fachinformation von Lisdexamfetamin sollte es bei Menschen, die andere Sympathomimetika anwenden, nur mit Vorsicht angewendet werden. Nehmen Sie keines der beiden zusätzlich ein, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet hat.

Was ist der Unterschied zwischen Elvanse adult, Medikinet adult und Ritalin Adult?

Elvanse adult enthält einen anderen Wirkstoff als Medikinet adult und Ritalin Adult. Embryotox nennt Elvanse adult unter den Präparaten mit Lisdexamfetamin, Medikinet adult und Ritalin Adult unter denen mit Methylphenidat. Was für Ihr Präparat gilt, steht in seiner Packungsbeilage; ob es für Erwachsene zugelassen ist, steht dort in Abschnitt 1.

Kann ich von Methylphenidat auf Lisdexamfetamin wechseln?

Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung. Brechen Sie Ihr Mittel nicht eigenmächtig ab; nach einem Abbruch können laut den Packungsbeilagen die ADHS-Beschwerden zurückkehren. Mehr unter Ein Psychopharmakon wechseln.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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