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Haloperidol oder Risperidon: die Unterschiede
Haloperidol und Risperidon sind verschreibungspflichtige Antipsychotika; beide blockieren im Gehirn Andockstellen für den Botenstoff Dopamin, Risperidon außerdem für Serotonin. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem bei den Anwendungsgebieten, bei den Gegenanzeigen für Herz und Parkinson-Krankheit und beim Abbau in der Leber. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was Haloperidol und Risperidon gemeinsam haben
Haloperidol und Risperidon gehören zu den Antipsychotika. Haloperidol ist laut Fachinformation ein Antipsychotikum aus der Gruppe der Butyrophenone und ein starker, zentral wirksamer Gegenspieler an den Andockstellen (Rezeptoren) für den Botenstoff Dopamin vom Typ D2. Risperidon hat laut Fachinformation eine hohe Affinität zu Rezeptoren für Serotonin (5-HT2) und Dopamin (D2) und blockiert sie; Embryotox nennt es ein atypisches Antipsychotikum, Haloperidol ein konventionelles. [2, 4, 5, 6]
Beide sind verschreibungspflichtig und bei Erwachsenen bei Schizophrenie sowie bei manischen Episoden einer bipolaren Störung zugelassen. Bei beiden wird die Dosis laut Fachinformation zu Beginn schrittweise angepasst, und ältere Menschen beginnen mit einer niedrigeren Dosis. Aus Risperidon entsteht im Körper der ähnlich wirkende Abbaustoff 9-Hydroxy-Risperidon; beide zusammen bilden die wirksame Fraktion. Diesen Abbaustoff gibt es als Paliperidon auch als eigenes Arzneimittel. [2, 4, 6]
Bei einer ersten Erkrankung an Schizophrenie soll die Auswahl des Antipsychotikums laut S3-Leitlinie Schizophrenie (Version 5.0, Stand 13. Juni 2026) wegen geringer Wirksamkeitsunterschiede der einzelnen Präparate primär an den Nebenwirkungen ausgerichtet werden (Empfehlung 33). Für die Rückfallvorbeugung sollen laut Leitlinie die Präferenz und die Vorerfahrungen der betroffenen Person sowie das unterschiedliche Risiko für Nebenwirkungen beachtet werden, etwa für Spätdyskinesien, Sedierung sowie Wirkungen auf Herz, Stoffwechsel und Hormone (Empfehlung 36b). Die Leitlinienübersicht der DGPPN gibt die Gültigkeit der Leitlinie bis 12.07.2027 an. [7, 8]
Haloperidol und Risperidon im Überblick
| Haloperidol | Risperidon | |
|---|---|---|
| Gruppe | Butyrophenon-Derivat [2]; laut Embryotox konventionelles Antipsychotikum [5] | laut Fachinformation "andere Antipsychotika" [4]; laut Embryotox atypisches Antipsychotikum [6] |
| Zugelassen bei Erwachsenen | Schizophrenie, schizoaffektive Störung, manische Episoden, akute Erregungszustände, akutes Delir, anhaltende Aggression und psychotische Beschwerden bei Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz, Tics, Chorea Huntington; teils erst nach anderen Behandlungen [2] | Schizophrenie, manische Episoden, Kurzzeitbehandlung (bis zu 6 Wochen) anhaltender Aggression bei Alzheimer-Demenz [4] |
| Kinder und Jugendliche | Schizophrenie ab 13, schwere Aggression bei Autismus oder tiefgreifenden Entwicklungsstörungen ab 6, Tics ab 10 Jahren, jeweils erst nach anderen Behandlungen [2] | bis zu 6 Wochen bei anhaltender Aggression bei Verhaltensstörung ab 5 Jahren mit unterdurchschnittlicher intellektueller Funktion oder geistiger Behinderung [4] |
| Wirkprinzip | blockiert stark Dopamin-D2-Rezeptoren; keine Wirkung auf Histamin- und Acetylcholin-Rezeptoren in den empfohlenen Dosen [2] | blockiert Serotonin-5-HT2- und Dopamin-D2-Rezeptoren; bindet auch an alpha1-, schwächer an H1- und alpha2-Rezeptoren [4] |
| Halbwertszeit | durchschnittlich 24 Stunden (Mittelwerte 15 bis 37 Stunden) [2] | Risperidon etwa 3 Stunden, wirksame Fraktion 24 Stunden [4] |
| Abbau in der Leber | auf mehreren Wegen, unter anderem über CYP3A4 und in geringerem Ausmaß CYP2D6 [2] | hauptsächlich über CYP2D6, in geringerem Maß über CYP3A4 [4] |
| Wirkung auf den Abbau anderer Mittel | hemmt CYP2D6, zum Beispiel beim Abbau trizyklischer Antidepressiva [2] | hemmt den Abbau über CYP-Enzyme laut Laborstudien nicht wesentlich [4] |
| QT-Zeit im EKG | Gegenanzeige bei bekannter QT-Verlängerung und zusammen mit QT-verlängernden Mitteln; EKG vor Beginn empfohlen [2] | Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, QT-Verlängerung in der Familie und zusammen mit QT-verlängernden Mitteln [4] |
| Parkinson-Krankheit, Lewy-Körper-Demenz | Gegenanzeige [2] | Nutzen und Risiken abwägen; die Parkinson-Krankheit kann sich verschlechtern [4] |
| Ältere Menschen mit Demenz | erhöhtes Sterblichkeitsrisiko unter Antipsychotika [2] | erhöhtes Sterblichkeitsrisiko unter atypischen Antipsychotika; nicht bei anderen Demenzformen als Alzheimer [4] |
| Alkohol laut Packungsbeilage | nicht zu viel trinken, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber sprechen [1] | vermeiden [3] |
| Schwangerschaft laut Embryotox | Erfahrungsumfang hoch; falls ein atypisches Antipsychotikum möglich ist, besser geeignet laut Embryotox: Quetiapin, oder auch Risperidon oder Aripiprazol [5] | Erfahrungsumfang hoch; bei Neueinstellung laut Embryotox Quetiapin vorziehen, falls ebenso geeignet [6] |
| Stillzeit laut Embryotox | bei eher niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel; Erfahrungen mit 20 Mutter-Kind-Paaren [5] | bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel; Erfahrungen mit 8 Mutter-Kind-Paaren [6] |
| Formen | Tabletten, Lösung zum Einnehmen, Injektionslösung; als Depotspritze Haloperidoldecanoat [2, 7] | Filmtabletten, Lösung zum Einnehmen; Depotspritzen [4, 7] |
| Abgabe | verschreibungspflichtig [2] | verschreibungspflichtig [4] |
Zu den Angaben von Embryotox: Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Zugelassene Anwendungsgebiete
Haloperidol ist laut Fachinformation außer bei Schizophrenie und Manie auch bei der schizoaffektiven Störung, bei akuten Erregungszuständen im Rahmen einer Psychose oder Manie, zur Akutbehandlung eines Delirs, bei Tics einschließlich des Tourette-Syndroms und bei einer leichten bis mittelschweren Chorea Huntington zugelassen; beim Delir erst, wenn Behandlungen ohne Arzneimittel versagt haben, bei Tics erst nach dem Versagen anderer Behandlungen, bei der Chorea Huntington, wenn andere Arzneimittel unwirksam sind oder nicht vertragen werden. Risperidon ist laut Fachinformation nur bei Schizophrenie, bei mäßigen bis schweren manischen Episoden und für jeweils höchstens 6 Wochen bei anhaltender Aggression zugelassen, nämlich bei Alzheimer-Demenz und bei Verhaltensstörung von Kindern ab 5 Jahren und Jugendlichen mit unterdurchschnittlicher intellektueller Funktion oder geistiger Behinderung. Mehr unter Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen. [2, 4]
Bei Demenz ist Haloperidol bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz gegen anhaltende Aggression und psychotische Beschwerden zugelassen, wenn Behandlungen ohne Medikamente versagt haben und ein Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung besteht; die Notwendigkeit einer Weiterbehandlung ist nach spätestens 6 Wochen zu überprüfen. Risperidon ist bei Demenz nur zur Kurzzeitbehandlung bis zu 6 Wochen gegen anhaltende Aggression bei mäßiger bis schwerer Alzheimer-Demenz zugelassen, bei Menschen, die auf nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ansprechen und bei denen ein Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung besteht. Menschen mit anderen Demenzformen sollen laut Fachinformation nicht mit Risperidon behandelt werden. [2, 4]
Nebenwirkungen im Vergleich
Bewegungsstörungen, Schlafprobleme und Kopfschmerzen sind bei beiden sehr häufig. Die Packungsbeilage von Haloperidol fasst unkontrollierte Bewegungen als extrapyramidale Erkrankung zusammen und gibt für die ganze Gruppe eine Häufigkeit an. Die Fachinformationen beider Mittel führen die einzelnen Formen mit eigenen Häufigkeiten auf, etwa Parkinson-ähnliche Beschwerden (Parkinsonismus), Muskelverkrampfungen (Dystonie), unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesie), Sitzunruhe (Akathisie) und Spätdyskinesien. Laut beiden Fachinformationen können Bewegungsstörungen bei höheren Dosen häufiger auftreten. [1, 2, 4]
Beide erhöhen laut Fachinformation den Spiegel des Hormons Prolaktin, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird. Ein hoher Prolaktinwert kann unter anderem Milchfluss aus der Brust, eine Vergrößerung der Brust beim Mann und Störungen der Regelblutung verursachen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. [2, 4]
| Beschwerde | Haloperidol | Risperidon |
|---|---|---|
| Bewegungsstörungen (extrapyramidale Beschwerden) | laut Packungsbeilage als Gruppe sehr häufig, unter anderem Rastlosigkeit, verlangsamte oder ruckartige Bewegungen, Muskelzittern, Muskelsteife und Spätdyskinesie [1]; laut Fachinformation extrapyramidale Erkrankung sehr häufig, einzeln unter anderem Akathisie, Dystonie, Dyskinesie, Zittern und Spätdyskinesie häufig [2] | Parkinsonismus sehr häufig; Dystonie, Dyskinesie, Zittern und Akathisie häufig; Spätdyskinesie gelegentlich [3, 4] |
| Unruhe (Agitiertheit) | sehr häufig [1] | häufig [4] |
| Schlafstörungen, Schlaflosigkeit | sehr häufig [1, 2] | sehr häufig [3, 4] |
| Kopfschmerzen | sehr häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Schläfrigkeit | häufig [1] | sehr häufig [3] |
| Schwindel | häufig [1] | häufig [3] |
| Niedriger Blutdruck, auch beim Aufstehen | häufig [1, 2] | gelegentlich [3, 4] |
| Depression | häufig [1] | häufig [3] |
| Gewichtszunahme | Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust: häufig [1] | häufig [3] |
| Erhöhter Prolaktinwert | selten [1] | häufig [3] |
| Erektionsstörungen | häufig [1] | gelegentlich [3] |
| Weniger Lust auf Sex | gelegentlich [1] | gelegentlich [3] |
| Krampfanfälle | gelegentlich [1] | gelegentlich [3] |
| Malignes neuroleptisches Syndrom | selten [1] | selten [3] |
Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; selten: bis zu 1 von 1.000.
Die Häufigkeiten beruhen auf unterschiedlichen Daten: Bei Haloperidol stützen sie sich laut Fachinformation auf klinische oder epidemiologische Studien, bei Risperidon wurde die Häufigkeitskategorie nach klinischen Studien berechnet. Aus einer anderen Häufigkeitsklasse lässt sich nicht ablesen, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst. Ausführlich zu einzelnen Beschwerden: Bewegungsstörungen, Spätdyskinesien, Unruhe und Akathisie, Prolaktin und Gewichtszunahme. [2, 4]
Herz, QT-Zeit und Blutdruck

Eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG geht laut S3-Leitlinie Schizophrenie mit einem erhöhten Risiko für schnelle Rhythmusstörungen der Herzkammern (ventrikuläre Tachykardien) einher, die in Kammerflimmern übergehen können. Haloperidol darf laut Fachinformation unter anderem bei bekannter QT-Verlängerung, nach einem kürzlichen Herzinfarkt, bei unbehandeltem Kaliummangel und zusammen mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, nicht genommen werden, etwa mit Citalopram, Escitalopram oder Ziprasidon. Empfohlen werden vor Beginn ein EKG und eine Kontrolle von Kalium und Magnesium, die Kontrolle der Blutsalze auch in regelmäßigen Abständen während der Behandlung. [2, 7]
Bei Risperidon ist laut Fachinformation Vorsicht geboten bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einer QT-Verlängerung in der Familie, langsamem Herzschlag oder Störungen der Blutsalze und zusammen mit anderen Mitteln, die das QT-Intervall verlängern. Wegen seiner alpha-blockierenden Wirkung kann Risperidon besonders in der ersten Phase der Dosissteigerung den Blutdruck senken, auch beim Aufstehen. Auch unter Haloperidol wurden schneller Herzschlag und niedriger Blutdruck, auch beim Aufstehen, beschrieben. Mehr unter Herz und QT-Zeit und Kontrollen während der Behandlung. [2, 4]
Ältere Menschen mit Demenz
Beide Fachinformationen warnen: Bei älteren Menschen mit Demenz, die Antipsychotika erhalten, ist das Sterblichkeitsrisiko erhöht. Laut Fachinformation von Haloperidol lassen Beobachtungsstudien den Schluss zu, dass auch die Behandlung mit Haloperidol bei älteren Menschen mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden ist; der Zusammenhang ist in den ersten 30 Tagen am stärksten, und wie weit er auf das Arzneimittel zurückgeht, ist nicht aufgeklärt. Die Fachinformation von Risperidon nennt eine Auswertung kontrollierter Studien mit atypischen Antipsychotika einschließlich Risperidon, in der die Sterblichkeit höher war als unter Placebo. [2, 4]
In Beobachtungsstudien war die Schlaganfallrate älterer Menschen unter Antipsychotika laut Fachinformation von Haloperidol höher als ohne solche Mittel. Unter Risperidon traten in Studien bei Demenz unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse, also Probleme mit den Blutgefäßen im Gehirn, häufiger auf als unter Placebo, bei gemischter oder vaskulärer Demenz häufiger als bei Alzheimer-Demenz. Anzeichen wie plötzliche Schwäche oder Taubheit in Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- und Sehstörungen sollen Behandelte oder Pflegende laut Fachinformation von Risperidon unverzüglich melden. Bei Risperidon zusammen mit dem Entwässerungsmittel Furosemid war die Sterblichkeit in diesen Studien laut Fachinformation höher als unter einem der beiden Mittel allein; Nutzen und Risiken dieser Kombination sind vorher abzuwägen. Mehr unter Psychopharmaka im Alter. [2, 3, 4]
Wechselwirkungen und Abbau in der Leber
Mittel, die den Abbau von Haloperidol über CYP3A4 oder CYP2D6 hemmen, etwa Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin oder Itraconazol, können laut Fachinformation den Haloperidol-Spiegel erhöhen und damit das Risiko für Nebenwirkungen einschließlich einer QT-Verlängerung. Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin und Johanniskraut können den Spiegel senken. Zusammen mit Lithium wurden in seltenen Fällen unter anderem Bewegungsstörungen, ein malignes neuroleptisches Syndrom und Koma berichtet; treten solche Beschwerden auf, sollte die Behandlung sofort beendet werden. [2]
Bei Risperidon können starke Hemmer von CYP3A4 oder des Transportproteins P-Glykoprotein wie Itraconazol die wirksame Fraktion laut Fachinformation erheblich erhöhen; auch höhere Dosen starker CYP2D6-Hemmer wie Paroxetin können sie erhöhen; Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital und Rifampicin können sie vermindern. Zusammen mit Paliperidon wird Risperidon nicht empfohlen. [4]
Beide können laut Fachinformation bzw. Packungsbeilage die dämpfende Wirkung anderer zentral wirksamer Mittel verstärken und die Wirkung von Levodopa und anderen Dopamin-Agonisten abschwächen. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [2, 3, 4]
Schwangerschaft und Stillzeit
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang mit Haloperidol in der Schwangerschaft mit "hoch" an: Bei mehr als 1.100 dokumentierten Schwangerschaftsverläufen ergaben sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Haloperidol kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation verordnet werden, wenn keine besser verträglichen Antipsychotika infrage kommen; ist eine Behandlung mit einem atypischen Antipsychotikum möglich, nennt Embryotox Quetiapin oder auch Risperidon oder Aripiprazol als besser geeignete Alternativen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. [5]
Für Risperidon gibt Embryotox den Erfahrungsumfang ebenfalls mit "hoch" an. Bei fast 2.000 veröffentlichten Schwangerschaftsverläufen zeigte sich keine eindeutig erhöhte Fehlbildungsrate, auch wenn eine große US-amerikanische Registerstudie ein gering erhöhtes Risiko diskutierte, ohne Hinweis auf ein bestimmtes Fehlbildungsmuster. Bei einer Neueinstellung sollte laut Embryotox Quetiapin vorgezogen werden, falls es ebenso geeignet ist. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei beiden sollte die Entbindung laut Embryotox in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen. [5, 6]
Laut Fachinformation soll eine Anwendung von Haloperidol in der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermieden werden, obwohl Daten aus mehr als 400 Schwangerschaften nicht auf ein Fehlbildungsrisiko hindeuten; Risperidon sollte nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist, und ein nötiges Absetzen sollte nicht abrupt geschehen. Setzen Sie keines der beiden Mittel in der Schwangerschaft selbst ab. Mehr unter Psychopharmaka in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. [2, 4]
Unterschiede im Alltag
Bei Alkohol unterscheiden sich die Packungsbeilagen. Die von Risperidon sagt: Vermeiden Sie Alkohol, solange Sie Risperidon einnehmen. Unter Haloperidol können Sie sich mit Alkohol schläfrig fühlen und langsamer reagieren; Sie sollten darauf achten, nicht zu viel zu trinken, und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber sprechen, wie viel Sie trinken. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 3]
Führen Sie laut beiden Packungsbeilagen kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen, ohne das vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen zu haben. Die Fachinformationen raten, nicht zu fahren und keine Maschinen zu bedienen, solange die persönliche Empfindlichkeit nicht bekannt ist. Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [1, 2, 3, 4]
Bei eingeschränkter Leberfunktion sieht die Fachinformation von Haloperidol eine niedrigere Anfangsdosis und kleinere Anpassungsschritte vor, bei eingeschränkter Nierenfunktion keine Dosisanpassung, aber Vorsicht; bei stark eingeschränkter Nierenfunktion kann eine niedrigere Anfangsdosis mit kleineren Anpassungsschritten nötig sein. Bei Risperidon sieht die Fachinformation bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion niedrigere Dosen und eine langsamere Steigerung vor. Die Angaben zur Dosierung stehen auf den Seiten Haloperidol und Risperidon. [2, 4]
Worauf Sie bei beiden achten sollten
In beiden Packungsbeilagen stehen Warnzeichen, bei denen Sie sofort bzw. umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren: Fieber mit Muskelsteife und Bewusstseinsstörungen als Zeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms, unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Mund oder Gesicht und Zeichen eines Blutgerinnsels wie Schwellung, Schmerzen und Rötung eines Beins oder Brustschmerzen und Atembeschwerden. Bei Zeichen einer Spätdyskinesie muss laut Fachinformation von Haloperidol und soll laut Fachinformation von Risperidon erwogen werden, alle Antipsychotika abzusetzen; diese Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt. [1, 2, 3, 4]
Bei der Behandlung manischer Episoden mit Haloperidol besteht laut Fachinformation das Risiko, dass die Stimmung in eine depressive Phase wechselt; Behandelte müssen dabei unbedingt auf diesen Wechsel und die damit verbundenen Risiken wie suizidales Verhalten überwacht werden. Bei einer Schizophrenie soll Suizidalität laut S3-Leitlinie offen und einfühlsam angesprochen und das Risiko eingeschätzt werden (Empfehlung 95); als Merkmale, die dabei berücksichtigt werden sollten, nennt die Leitlinie unter anderem depressive Beschwerden und eine durch Medikamente ausgelöste Akathisie. Haben Sie Gedanken, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder wenden Sie sich an eine der Stellen im folgenden Kasten; was Ihnen in einer Krise hilft, können Sie vorab in einem Krisenplan festhalten. [2, 7]
Wechsel nur ärztlich
Ob ein Wechsel von einem Mittel auf das andere sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie keines der beiden Mittel von sich aus ab: Für Haloperidol hält die Fachinformation ein schrittweises Absetzen als Vorsichtsmaßnahme für ratsam, für Risperidon empfiehlt die Fachinformation ein ausschleichendes Absetzen. Nach plötzlichem Absetzen hoch dosierter Antipsychotika wurden laut beiden Fachinformationen sehr selten akute Absetzsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit beschrieben, und die Beschwerden der Grunderkrankung können wiederkehren. [2, 4]
Für eine Umstellung von einem anderen Antipsychotikum auf Risperidon empfiehlt die Fachinformation, wenn medizinisch sinnvoll, das bisherige Mittel ausschleichend abzusetzen, während die Behandlung mit Risperidon beginnt; ob ein bestehendes Mittel gegen Parkinson-Beschwerden weiter nötig ist, wird regelmäßig neu bewertet. Laut Fachinformation von Haloperidol muss ein solches Mittel nach dem Absetzen von Haloperidol gegebenenfalls weiter gegeben werden, wenn es schneller ausgeschieden wird als Haloperidol. Wie Umstellungen ablaufen, erklären die Seiten Ein Psychopharmakon wechseln und Antipsychotika absetzen. [2, 4]
Ein weiterer Vergleich zweier Antipsychotika: Melperon oder Pipamperon.
Quellen
- Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Haloperidol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Risperidon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schizophrenie, Living Guideline, Langfassung, Version 5.0 (AWMF-Registernummer 038-009). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Version 5.0, Fassung vom 13.06.2026 (PDF Juli 2026). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Schizophrenie. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Haloperidol und Risperidon?
Beide sind Antipsychotika und blockieren Andockstellen für Dopamin, Risperidon zusätzlich für Serotonin. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem bei den Anwendungsgebieten (nur Haloperidol zum Beispiel beim akuten Delir, bei Tics und bei der Huntington-Krankheit), bei den Gegenanzeigen (Haloperidol nicht bei bekannter QT-Verlängerung und nicht bei Parkinson-Krankheit) und beim Abbau in der Leber. Embryotox nennt Haloperidol ein konventionelles, Risperidon ein atypisches Antipsychotikum.
Was ist besser, Haloperidol oder Risperidon?
Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Bei einer ersten Erkrankung an Schizophrenie soll die Auswahl laut S3-Leitlinie Schizophrenie wegen geringer Wirksamkeitsunterschiede der einzelnen Präparate vor allem an den Nebenwirkungen ausgerichtet werden. Für die Rückfallvorbeugung sollen laut Leitlinie die Vorlieben und Vorerfahrungen der betroffenen Person und das unterschiedliche Risiko für Nebenwirkungen beachtet werden. Diese Abwägung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Welches Mittel ist bei Demenz zugelassen?
Beide, aber mit Einschränkungen. Haloperidol ist bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz gegen anhaltende Aggression und psychotische Beschwerden zugelassen, wenn Behandlungen ohne Medikamente versagt haben und ein Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung besteht. Risperidon ist nur bei mäßiger bis schwerer Alzheimer-Demenz zur Kurzzeitbehandlung bis zu 6 Wochen gegen anhaltende Aggression zugelassen; bei anderen Demenzformen soll es laut Fachinformation nicht angewendet werden. Für ältere Menschen mit Demenz warnen beide Fachinformationen vor einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko unter Antipsychotika.
Verursachen Haloperidol und Risperidon Bewegungsstörungen?
Ja, bei beiden sind Bewegungsstörungen sehr häufig, sie können also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Dazu gehören unter anderem Parkinson-ähnliche Beschwerden wie Muskelsteife und Zittern, innere Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie) und Muskelverkrampfungen; unter langer Behandlung oder nach dem Absetzen kann es zu einer Spätdyskinesie kommen. Bemerken Sie unwillkürliche Bewegungen von Zunge, Mund oder Gesicht, informieren Sie laut beiden Packungsbeilagen sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Nimmt man mit Haloperidol oder Risperidon zu?
Gewichtszunahme ist laut Packungsbeilage bei beiden häufig, sie kann also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen; bei Haloperidol nennt die Packungsbeilage in derselben Klasse auch Gewichtsverlust. Laut Fachinformation von Risperidon wurde über eine signifikante Gewichtszunahme berichtet, und das Gewicht sollte regelmäßig überprüft werden. Sprechen Sie Veränderungen Ihres Gewichts bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Darf ich mit Haloperidol oder Risperidon Alkohol trinken?
Die Packungsbeilage von Risperidon sagt: Vermeiden Sie Alkohol, solange Sie Risperidon einnehmen. Die Packungsbeilage von Haloperidol schreibt, dass Sie sich mit Alkohol schläfrig fühlen und langsamer reagieren können; Sie sollten darauf achten, nicht zu viel zu trinken, und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber sprechen, wie viel Sie trinken. Beide Fachinformationen weisen auf eine stärkere Dämpfung zusammen mit Alkohol hin.
Was gilt in der Schwangerschaft?
Embryotox gibt den Erfahrungsumfang bei beiden mit "hoch" an. Für Haloperidol nennt Embryotox, falls eine Behandlung mit einem atypischen Antipsychotikum möglich ist, Quetiapin oder auch Risperidon oder Aripiprazol als besser geeignete Alternativen; bei einer Neueinstellung mit Risperidon sollte laut Embryotox Quetiapin vorgezogen werden, falls es ebenso geeignet ist. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann ich von Haloperidol auf Risperidon wechseln?
Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung. Für eine Umstellung von einem anderen Antipsychotikum auf Risperidon empfiehlt die Fachinformation, wenn medizinisch sinnvoll, das bisherige Mittel ausschleichend abzusetzen, während die Behandlung mit Risperidon beginnt. Setzen Sie Haloperidol nicht selbst ab; laut Packungsbeilage wird es schrittweise abgesetzt, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nicht anders entscheidet.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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