ErkrankungenErkrankung
Anpassungsstörung
Eine Anpassungsstörung ist ein Zustand von seelischer Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, der nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder einem belastenden Ereignis auftritt und im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindert; die ICD-10-GM führt sie unter F43.2. Eine eigene Leitlinie zur Anpassungsstörung führt die Leitlinienübersicht der DGPPN nicht; Psychotherapie kann bei Anpassungsstörungen als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung angewendet werden, und wichtig ist die Abgrenzung von einer Depression. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Eine Anpassungsstörung ist eine seelische Reaktion auf eine einschneidende Veränderung im Leben. Die ICD-10-GM, die deutsche Fassung der internationalen Klassifikation der Krankheiten, beschreibt sie als Zustand von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, der im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindert. Er tritt während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auf [1]. Die Klassifikation führt die Anpassungsstörungen unter dem Schlüssel F43.2 in der Gruppe "Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen" (F43), zusammen mit der akuten Belastungsreaktion (F43.0) und der posttraumatischen Belastungsstörung (F43.1) [1].
Gemeinsam ist diesen Störungen laut ICD-10-GM, dass ein oder zwei ursächliche Faktoren benannt werden können: ein außergewöhnlich belastendes Ereignis oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat. Das Ereignis oder die andauernden Umstände sind die primären und ausschlaggebenden Ursachen; ohne ihre Einwirkung wäre die Störung nicht entstanden [1]. In der neuen ICD-11 werden Anpassungsstörungen laut NVL Unipolare Depression unter den stressbezogenen Erkrankungen eingeordnet (6B43) [2]. Verschlüsselt wird in Deutschland mit der ICD-10-GM, Version 2026 [1].
Eine eigene Leitlinie zur Anpassungsstörung führt die Leitlinienübersicht der DGPPN nicht [5]. Aussagen zur Abgrenzung enthalten die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression, Version 3.2, gültig bis zum 29. September 2027, und die S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Version 7.0 vom 27. Februar 2026, laut DGPPN-Übersicht gültig bis 26. Februar 2031 [2, 4, 5]. Empfehlungen zur Behandlung der Anpassungsstörung geben beide nicht, und Zahlen zur Häufigkeit nennen sie für die Anpassungsstörung nicht [2, 4].
Anzeichen einer Anpassungsstörung
Die Anzeichen sind laut ICD-10-GM unterschiedlich. Sie umfassen depressive Stimmung, Angst oder Sorge oder eine Mischung davon. Dazu kann das Gefühl kommen, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, sie nicht vorausplanen oder nicht fortsetzen zu können [1]. Im Vordergrund kann eine kurze oder längere depressive Reaktion stehen oder eine Störung anderer Gefühle und des Sozialverhaltens [1].
Depressive Anpassungsstörungen sind laut NVL gekennzeichnet durch wiederkehrende belastende Gedanken oder anhaltende Sorgen (Präokkupation) und durch Schwierigkeiten, sich an die neue Situation anzupassen. Das kann zum Beispiel zu Interessenverlust, Konzentrations- und Schlafproblemen führen [2]. Als Beispiele nennt die NVL Trauerreaktionen nach dem Verlust des Partners oder der Partnerin und Reaktionen auf die Diagnose einer körperlichen Erkrankung [2].
Mögliche Auslöser
Die ICD-10-GM beschreibt drei Arten von Belastungen, die zu einer Anpassungsstörung führen können [1]:
- Belastungen, die das eigene soziale Netz beschädigt haben, wie ein Trauerfall oder eine Trennung [1]
- Belastungen, die das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte betreffen, wie eine Auswanderung oder eine Flucht [1]
- ein größerer Entwicklungsschritt oder eine Krise, zum Beispiel der Schulbesuch, die Elternschaft, ein Misserfolg, das Erreichen eines ersehnten Ziels oder der Ruhestand [1]
Zu den Anpassungsstörungen zählt die ICD-10-GM auch die Trauerreaktion, den Kulturschock und den Hospitalismus bei Kindern [1]. Die Patientenleitlinie zur NVL nennt als Beispiele für Belastungsfaktoren familiäre Probleme, Todesfälle oder eine schwere Krankheit [3].
Bei Kindern und Jugendlichen
Störungen des Sozialverhaltens können laut ICD-10-GM vor allem bei Jugendlichen ein zusätzliches Anzeichen sein [1]. Die Trennungsangst in der Kindheit ordnet die Klassifikation nicht als Anpassungsstörung ein, sondern unter einem eigenen Schlüssel (F93.0) [1]. Für Kinder und Jugendliche ist die psychotherapeutische Sprechstunde laut Psychotherapie-Richtlinie in mehr Terminen möglich als für Erwachsene [6]. Mehr unter Kinder und Jugendliche.
Ursachen und Risiken
Die Belastung ist laut ICD-10-GM die Voraussetzung: Es ist davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne sie nicht entstanden wäre [1]. Die persönliche Veranlagung oder Anfälligkeit (Vulnerabilität) spielt aber laut ICD-10-GM eine bedeutsame Rolle dabei, ob eine Anpassungsstörung auftritt und welche Form sie annimmt [1].
Die Störungen der Gruppe F43 behindern laut ICD-10-GM erfolgreiche Bewältigungsstrategien und führen aus diesem Grund zu Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit [1]. Nach potenziell traumatischen Ereignissen und schweren Belastungen können laut S3-Leitlinie PTBS akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen auftreten; sie klingen häufig von selbst ab [4].
Wie die Diagnose gestellt wird
Ob eine Anpassungsstörung vorliegt, klären Ärztinnen und Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im Gespräch. Ein niedrigschwelliger Weg ist die psychotherapeutische Sprechstunde: Sie dient laut Psychotherapie-Richtlinie der Abklärung, ob ein Verdacht auf eine krankheitswertige Störung vorliegt und ob weitere Hilfen der gesetzlichen Krankenversicherung nötig sind. Dabei sollen auch Beratung, Information, eine erste Diagnose und Behandlungsempfehlungen erfolgen, bei Bedarf eine kurze psychotherapeutische Intervention und Hinweise auf andere Hilfen [6]. Fragen für den Termin können Sie mit den Fragen fürs Arztgespräch vorbereiten.
Die Grenze zwischen Anpassungsstörungen und depressiven Störungen ist laut NVL nicht trennscharf [2]. Laut Patientenleitlinie ist es wichtig, eine Depression unter anderem von einer Anpassungsstörung abzugrenzen [3]. Als Anhaltspunkte für eine depressive Anpassungsstörung nennt die NVL [2]:
| Bereich | Anhaltspunkt für eine depressive Anpassungsstörung |
|---|---|
| Auslöser | enger zeitlicher Bezug zu einem klar benennbaren Auslöser [2] |
| Dauer | Nachlassen meist innerhalb von sechs Monaten [2] |
| Gefühle | grundsätzlich ansprechbar für positive Ereignisse; negative Gefühle treten eher wellenartig auf [2] |
| Körper | keine vegetativen Symptome, zum Beispiel keine Gewichtsabnahme und kein frühmorgendliches Erwachen [2] |
| Selbstbild | keine Anzeichen für andauernde, schwere Selbstzweifel oder starke Schuldgefühle [2] |
| Alltag | meist keine anhaltenden Einschränkungen der Funktionsfähigkeit in Familie, sozialem Leben oder Beruf [2] |
Ähnlich grenzt die Patientenleitlinie Trauer von einer Depression ab: Bei Trauer gibt es oft einen klaren Auslöser wie den Tod eines geliebten Menschen, die Beschwerden lassen meist innerhalb von sechs Monaten nach, das Selbstwertgefühl bleibt erhalten, es bestehen keine Schuldgefühle, und Trauernde können sich freuen [3]. Anzeichen einer Depression beschreibt die Seite Depression.
Abgegrenzt werden außerdem die anderen Störungen der Gruppe F43. Eine akute Belastungsreaktion entwickelt sich laut ICD-10-GM als Reaktion auf eine außergewöhnliche körperliche oder seelische Belastung und klingt im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen ab. Typisch ist ein gemischtes, wechselndes Bild, das mit einer Art Betäubung beginnt; häufig kommen Herzrasen, Schwitzen und Erröten als Zeichen panischer Angst hinzu. Halten die Beschwerden an, sollte laut ICD-10-GM eine Änderung der Diagnose erwogen werden [1]. Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht als verzögerte oder lang anhaltende Reaktion auf ein Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß; typisch sind sich aufdrängende Erinnerungen, Albträume, Vermeidung und Übererregtheit [1]. Laut S3-Leitlinie PTBS ist eine Entwicklung von einer Belastungsreaktion zu einer PTBS möglich, aber nicht der Regelfall, und bedarf einer sorgfältigen Abklärung [4]. Mehr unter PTBS.
Behandlung im Überblick
Weil es keine eigene Leitlinie gibt, fehlen Empfehlungen, die speziell für die Anpassungsstörung geprüft sind [5]. Die ambulante Psychotherapie regelt die Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen gehören zu den Erkrankungen, bei denen Psychotherapie als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung angewendet werden kann [6]. Die Richtlinie sieht mehrere Schritte vor [6]:
- Psychotherapeutische SprechstundeSie ist laut Richtlinie ein zeitnaher, niedrigschwelliger Zugang zur ambulanten Psychotherapie und in der Regel der erste Schritt vor einer weiteren Behandlung. Erwachsene können sie bis zu sechsmal je Krankheitsfall in Einheiten von mindestens 25 Minuten nutzen, Kinder und Jugendliche bis zu zehnmal [6].
- Psychotherapeutische AkutbehandlungSie schließt sich zeitnah an die Sprechstunde an, um zu vermeiden, dass sich Beschwerden verfestigen und chronisch werden, und hat zum Ziel, von akuten Beschwerden mit ambulanten Mitteln zu entlasten. Sie dient der Besserung akuter seelischer Krisen- und Ausnahmezustände und umfasst bis zu 24 Einheiten von mindestens 25 Minuten [6].
- Weitere BehandlungReicht die Akutbehandlung nicht aus, sollen Betroffene laut Richtlinie so stabilisiert werden, dass sie auf eine Psychotherapie in einem der anerkannten Verfahren vorbereitet sind oder andere ambulante, teilstationäre oder stationäre Hilfen empfohlen werden können [6].
Auch Hausärztinnen und Hausärzte und andere Ärztinnen und Ärzte können helfen: Die psychosomatische Grundversorgung umfasst laut Richtlinie seelische Krankenbehandlung durch Gespräche und durch übende und suggestive Verfahren bei akuten seelischen Krisen, auch im Verlauf chronischer Krankheiten [6]. Wenn es für die Behandlung nötig ist, können relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld einbezogen werden [6]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.
Die Richtlinie nennt als anerkannte Verfahren für eine weitere Behandlung die psychoanalytisch begründeten Verfahren, also die tiefenpsychologisch fundierte und die analytische Psychotherapie, außerdem die Verhaltenstherapie und die Systemische Therapie [6]. Vor einer solchen Behandlung finden mindestens zwei und bis zu vier probatorische Sitzungen statt. Sie dienen der weiteren Klärung der Diagnose und der Frage, welches Verfahren passt, und sollen zeigen, ob eine tragfähige Arbeitsbeziehung entsteht; Entscheidungen zur weiteren Behandlung sollten nach Information gemeinsam mit Ihnen getroffen werden [6]. Eine Kurzzeittherapie ist in zwei Abschnitten von jeweils bis zu 12 Stunden als Einzeltherapie möglich; Stunden der Akutbehandlung werden auf den ersten Abschnitt angerechnet. Umfang und Häufigkeit der Behandlung werden vor ihrem Beginn festgelegt [6].
Stellt sich heraus, dass eine depressive Episode vorliegt, gelten die Empfehlungen der NVL Unipolare Depression; sie stehen auf der Seite Depression. Für eine posttraumatische Belastungsstörung gilt die S3-Leitlinie PTBS (siehe PTBS) [2, 4].
Medikamente bei einer Anpassungsstörung
Eine Leitlinie mit Empfehlungen zu Medikamenten bei Anpassungsstörungen führt die DGPPN-Übersicht nicht [5]. Die NVL Unipolare Depression und die S3-Leitlinie PTBS beschreiben die Anpassungsstörung nur zur Abgrenzung; ihre Empfehlungen zu Medikamenten gelten für die Depression beziehungsweise die PTBS [2, 4]. Wofür ein Mittel zugelassen ist, steht in seiner Fachinformation und auf der jeweiligen Wirkstoffseite unter Anwendungsgebiet.
Ob ein Medikament in Ihrer Lage sinnvoll ist, etwa weil zusätzlich eine Depression, eine Angststörung oder starke Schlafstörungen bestehen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ändern oder beenden Sie eine verordnete Behandlung nicht eigenständig. Was es bei Beruhigungs- und Schlafmitteln zu beachten gibt, steht unter Benzodiazepine und Abhängigkeit.
Wie lange eine Anpassungsstörung dauert
Eine feste Dauer nennt die ICD-10-GM für die Anpassungsstörung nicht [1]. Als Anhaltspunkt nennt die NVL ein Nachlassen meist innerhalb von sechs Monaten (siehe Tabelle oben) [2]. Nach traumatischen Erlebnissen klingen Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen laut S3-Leitlinie PTBS häufig von selbst ab [4].
Halten die Beschwerden deutlich länger an oder kommen anhaltende, schwere Selbstzweifel, starke Schuldgefühle, vegetative Symptome wie frühmorgendliches Erwachen oder anhaltende Einschränkungen im Alltag hinzu, sprechen die Anhaltspunkte der NVL weniger für eine Anpassungsstörung [2]. Sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Psychotherapeutin, damit die Diagnose überprüft wird. Wie lange eine Psychotherapie dauert, legen Sie gemeinsam mit Ihren Behandelnden fest; die Richtlinie unterscheidet Sprechstunde, Akutbehandlung und weitere Behandlungsformen [6]. Mehr unter Wie lange behandeln?
Selbsthilfe und Alltag

Empfehlungen zur Selbsthilfe, die speziell für die Anpassungsstörung geprüft sind, enthalten die hier verwendeten Quellen nicht. Hilfreich für das Gespräch mit Ihren Behandelnden ist, die eigenen Beschwerden und ihren Verlauf zu kennen: Welche Veränderung ging voraus, wann haben die Beschwerden begonnen, und wie haben sie sich seitdem entwickelt? Danach fragt auch die Abgrenzung zur Depression, etwa nach dem zeitlichen Bezug zum Auslöser, nach Freude an positiven Ereignissen und nach Einschränkungen im Alltag [2].
Auf die psychotherapeutische Sprechstunde haben Patientinnen und Patienten laut Psychotherapie-Richtlinie einen Anspruch; sie ist als zeitnaher, niedrigschwelliger Zugang gedacht [6]. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten melden ihr Sprechstundenangebot der Kassenärztlichen Vereinigung, die darüber informiert [6].
Für Angehörige
Eine Anpassungsstörung behindert laut ICD-10-GM im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen; bei Jugendlichen kann sich das auch im Sozialverhalten zeigen [1]. Im Rahmen einer Psychotherapie können relevante Bezugspersonen laut Psychotherapie-Richtlinie in die Behandlung einbezogen werden, wenn das für den Behandlungserfolg nötig ist; auch die Akutbehandlung kann Bezugspersonen einbeziehen [6].
Trauer ist laut Patientenleitlinie eine normale Reaktion auf einen Schicksalsschlag [3]; wie sie sich von einer Depression unterscheidet, steht oben unter Wie die Diagnose gestellt wird. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Beschwerden über Monate nicht nachlassen oder Selbstzweifel und Schuldgefühle zunehmen, ermutigen Sie die betroffene Person, sich ärztlich oder psychotherapeutisch beraten zu lassen. Mehr unter Angehörige.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid oder suizidales Verhalten zählen laut NVL zu den Zusatzsymptomen einer depressiven Episode, die sich von einer Anpassungsstörung nicht immer scharf trennen lässt [2]. Nach einem traumatischen Erlebnis sind laut ICD-10-GM bei einer posttraumatischen Belastungsstörung Suizidgedanken nicht selten [1]. Laut Patientenleitlinie sind Suizidgedanken auf jeden Fall ernst zu nehmen; die behandelnde Ärztin, der Arzt oder die Psychotherapeutin sollte davon erfahren [3].
Ist ein Mensch in akuter Gefahr, rät die Patientenleitlinie Angehörigen: die Person nicht allein lassen, bis Hilfe eintrifft; zuhören und die Lage ernst nehmen; das Gespräch in Gang halten; den Notruf 112 oder die Polizei unter 110 rufen; gefährliche Gegenstände beseitigen [3]. Einen eigenen Plan für Krisen können Sie mit dem Krisenplan anlegen.
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Quellen
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F40 bis F48: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (publiziert 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Langversion, Version 7.0 (AWMF-Register-Nr. 155-001). Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). Stand Fassung vom 27.02.2026; laut DGPPN-Übersicht gültig bis 26.02.2031. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Behörde Richtlinie über die Durchführung der Psychotherapie (Psychotherapie-Richtlinie). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand zuletzt geändert am 19.03.2026, in Kraft getreten am 17.06.2026. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Sertralin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Was ist eine Anpassungsstörung nach ICD-10 (F43.2)?
Die ICD-10-GM beschreibt Anpassungsstörungen als Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern. Sie treten während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auf, etwa nach einem Trauerfall, einer Trennung, einer Flucht oder dem Ruhestand. Ohne die Belastung wäre das Krankheitsbild laut ICD-10-GM nicht entstanden.
Welche Symptome hat eine Anpassungsstörung bei Erwachsenen?
Laut ICD-10-GM gehören dazu depressive Stimmung, Angst oder Sorge oder eine Mischung davon, außerdem das Gefühl, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen und sie nicht vorausplanen oder fortsetzen zu können. Bei depressiven Anpassungsstörungen nennt die NVL wiederkehrende belastende Gedanken oder anhaltende Sorgen, die zu Interessenverlust, Konzentrations- und Schlafproblemen führen können.
Wie lange dauert eine Anpassungsstörung?
Als Anhaltspunkt für eine depressive Anpassungsstörung nennt die NVL Unipolare Depression, dass die Beschwerden meist innerhalb von sechs Monaten nachlassen. Nach traumatischen Erlebnissen klingen Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen laut S3-Leitlinie PTBS häufig von selbst ab. Halten die Beschwerden deutlich länger an, lassen Sie die Diagnose ärztlich oder psychotherapeutisch überprüfen.
Was ist der Unterschied zwischen Anpassungsstörung und Depression?
Die Grenze ist laut NVL nicht trennscharf. Für eine depressive Anpassungsstörung sprechen ein enger zeitlicher Bezug zu einem klar benennbaren Auslöser, ein Nachlassen meist innerhalb von sechs Monaten, die Ansprechbarkeit für positive Ereignisse, eher wellenartig auftretende negative Gefühle, keine vegetativen Symptome wie Gewichtsabnahme oder frühmorgendliches Erwachen, keine schweren Selbstzweifel oder starken Schuldgefühle und meist keine anhaltenden Einschränkungen im Alltag.
Gibt es Medikamente gegen eine Anpassungsstörung?
Eine Leitlinie mit Empfehlungen zu Medikamenten bei Anpassungsstörungen führt die Leitlinienübersicht der DGPPN nicht. Die NVL Unipolare Depression und die S3-Leitlinie PTBS beschreiben die Anpassungsstörung nur zur Abgrenzung. Ob wegen zusätzlicher Beschwerden wie einer Depression ein Medikament infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie zeigt sich eine Anpassungsstörung bei Kindern und Jugendlichen?
Die Anzeichen ähneln denen bei Erwachsenen: depressive Stimmung, Angst oder Sorge. Störungen des Sozialverhaltens können laut ICD-10-GM vor allem bei Jugendlichen hinzukommen. Auslöser kann auch ein Entwicklungsschritt wie der Schulbesuch sein. Die Trennungsangst in der Kindheit ordnet die ICD-10-GM nicht als Anpassungsstörung ein. Für Kinder und Jugendliche ist die psychotherapeutische Sprechstunde in mehr Terminen möglich als für Erwachsene.
Was bedeutet Anpassungsstörung beim Neugeborenen?
Hier ist etwas anderes gemeint als die seelische Anpassungsstörung. Embryotox spricht von Anpassungsstörungen beim Neugeborenen, wenn die Mutter Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI bis zur Geburt eingenommen hat. Beschrieben werden unter anderem Übererregbarkeit, Zittern, erhöhte Muskelspannung, Trinkstörungen und Atemnot; die Beschwerden sind meist leicht und klingen von selbst ab. Laut Embryotox sollte das Neugeborene dann in den ersten Lebenstagen beobachtet werden und die Entbindung in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) stattfinden.
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