ErkrankungenErkrankung
Depression nach der Geburt (Wochenbettdepression)
Eine Wochenbettdepression, auch postpartale Depression genannt, ist eine Depression, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung beginnt, unter anderem mit gedrückter Stimmung, Verlust von Interesse, Schlafstörungen, Angst und Gefühlen der Wertlosigkeit. Behandelt wird sie mit Psychotherapie, Antidepressiva oder beidem; eine bestehende Behandlung mit einem einzelnen Antidepressivum lässt sich laut Embryotox in den meisten Fällen fortführen, während voll gestillt wird. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Eine Wochenbettdepression, auch postpartale Depression genannt, ist eine Form der Depression, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung beginnt; so beschreibt es die Packungsbeilage von Zuranolon, einem Arzneimittel zur Behandlung dieser Erkrankung [11]. Nach Embryotox, dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité in Berlin, kann eine postpartale Depression eine Depression aus der Schwangerschaft fortsetzen oder völlig unabhängig davon auftreten [3].
Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression zählt Depressionen in der Zeit rund um die Geburt (Peripartalzeit) zu ihrem Geltungsbereich. Ein eigenes Kapitel mit Empfehlungen zu peripartalen Depressionen ist in Version 3.2 noch in Bearbeitung [1]. Frauen erkranken laut NVL insgesamt etwa doppelt so häufig an Depressionen wie Männer; eigene Zahlen zur Häufigkeit der Wochenbettdepression enthält die NVL in Version 3.2 nicht [1].
In der Klassifikation ICD-10-GM gibt es für psychische Störungen im Wochenbett den Schlüssel F53. Darunter fallen nur Störungen, die innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt beginnen und nicht die Kriterien einer anderswo im Kapitel der psychischen Störungen eingeordneten Erkrankung erfüllen; die postnatale oder postpartale Depression ohne nähere Angabe steht unter F53.0 [12]. Erfüllt eine Depression nach der Geburt die Kriterien einer depressiven Episode, wird sie demnach als depressive Episode verschlüsselt (F32 bzw. F33) [1, 12].
Anzeichen einer Wochenbettdepression
Für die Diagnose gelten laut NVL die Kriterien einer depressiven Episode. Hauptsymptome sind eine gedrückte Stimmung, der Verlust von Interesse oder Freude und ein verminderter Antrieb oder rasche Ermüdbarkeit. Dazu kommen Zusatzsymptome wie Verlust des Selbstvertrauens, Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle, Konzentrationsstörungen, innere Unruhe oder Verlangsamung, Schlafstörungen jeder Art, Appetitveränderungen und wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid [1]. Von einer Depression sprechen Fachleute laut Patientenleitlinie, wenn mindestens vier dieser Anzeichen vorliegen, davon mindestens zwei Hauptsymptome, und die Beschwerden mindestens zwei Wochen anhalten [2]. Ein besonderes diagnostisches Vorgehen für Depressionen rund um die Geburt soll ein eigenes Kapitel der NVL beschreiben, das noch nicht veröffentlicht ist [1].
Die Packungsbeilage von Zuranolon nennt als mögliche Symptome einer Wochenbettdepression unter anderem eine getrübte Stimmung oder Traurigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsveränderungen, Konzentrationsschwierigkeiten, ein Gefühl der Wertlosigkeit, den Verlust des Interesses an Lieblingstätigkeiten und ein Gefühl der Verlangsamung oder Angst [11]. Menschen mit Depressionen berichten laut NVL selten von sich aus über die Kernsymptome, eher über unspezifische Beschwerden wie Kraftlosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Appetitverlust, Kopfschmerzen oder Magendruck [1].
| Merkmal | Wochenbettdepression | Wochenbettpsychose |
|---|---|---|
| Beginn | während der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung [11]; als Fortsetzung einer Depression aus der Schwangerschaft oder unabhängig davon [3] | die meisten Wochenbettpsychosen beginnen innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt; oft zeigen sich erste Symptome schon in den Tagen direkt danach [10] |
| Typische Zeichen | gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, verminderter Antrieb, weitere Zusatzsymptome [1] | psychotische Symptome; zu den Kernsymptomen einer akuten Psychose zählt Embryotox eine gestörte Wahrnehmung und Verarbeitung der Realität, die mit Wahn, Sinnestäuschungen wie Stimmenhören oder starken Veränderungen von Stimmung und Antrieb verbunden sein kann [9]; auch postpartale Manien rechnet Embryotox zu den Wochenbettpsychosen [10] |
| Besonderheiten | nach einer früheren depressiven Erkrankung wahrscheinlicher [3] | tritt im Wochenbett erstmals eine Psychose auf, ist sie laut Embryotox oft die erste Episode einer bipolaren Erkrankung [9]; das Risiko scheint deutlich höher zu sein, wenn bei Verwandten ersten Grades eine Wochenbettpsychose aufgetreten ist [10] |
| Schlüssel in der ICD-10-GM, wenn keine andere Diagnose passt | F53.0 (postpartale Depression ohne nähere Angabe) [12] | F53.1 (Puerperalpsychose ohne nähere Angabe) [12] |
| Was zu tun ist | eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis aufsuchen, nach den Ratschlägen aus der Selbsthilfe in der Patientenleitlinie der wichtigste Schritt [2] | rasch ärztliche Hilfe; bei starken Anzeichen einer Psychose kann laut Patientenleitlinie eine Behandlung im Krankenhaus ratsam sein [2] |
Ursachen und Risiken
Erklärungsmodelle der NVL gehen von einem Zusammenspiel biologischer und psychosozialer Faktoren aus, deren Gewicht von Mensch zu Mensch erheblich schwanken kann [1]. Zu den biologischen Risikofaktoren zählt die NVL ausdrücklich die hormonelle Umstellung in Schwangerschaft und Wochenbett [1]. Laut Embryotox ist die Wahrscheinlichkeit einer postpartalen Depression nach einer depressiven Vorerkrankung höher. Depressive Beschwerden aus der Schwangerschaft können nach der Entbindung weiterbestehen oder sich als ausgeprägte postpartale Depression zeigen, mit Auswirkungen auf das Miteinander von Mutter und Kind [3].
Als weitere Risikofaktoren für eine Depression nennt die NVL unter anderem [1]:
- frühere depressive Episoden und Depressionen oder bipolare Störungen in der Familie
- andere psychische Erkrankungen, vor allem Angststörungen, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen
- aktuell belastende Lebensereignisse wie Beziehungskrisen, Trennungen oder Todesfälle
- Vereinsamung, soziale Isolation und ein Mangel an sozialer Unterstützung
- chronischen Stress und Überforderung
- Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung oder Verluste in der Kindheit sowie Gewalt
Nicht selten setzen Frauen laut Embryotox ihre Medikamente ab, sobald sie von einer Schwangerschaft erfahren, meist aus Furcht vor einer Schädigung des Kindes [3]. Auf seinen Seiten zu Sertralin und Citalopram schreibt Embryotox, eine stabil eingestellte Patientin sollte ihre Medikation unverändert fortsetzen, um keine für Mutter und Kind bedrohlichen Krisen zu provozieren [4, 5]. Setzen Sie ein Antidepressivum nicht eigenmächtig ab; besprechen Sie jede Änderung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie die Diagnose gestellt wird
Ob eine Depression vorliegt, klären Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im ausführlichen Gespräch über Haupt- und Zusatzsymptome, Verlauf und Dauer; dieses Gespräch nach festen Kriterien gilt laut NVL als Goldstandard der Diagnostik [1]. An der Versorgung können laut Patientenleitlinie neben Hausarzt- und psychotherapeutischen Praxen auch andere Fachgebiete mitwirken, etwa die Frauenheilkunde und Geburtshilfe [2]. Fragebögen können einen Verdacht stützen; die Diagnose folgt danach im Gespräch [1]. In jedem Gespräch soll laut NVL auch eingeschätzt werden, ob Gedanken an Suizid bestehen [1].
Wichtig ist die Abgrenzung zu einer bipolaren Störung. Wechseln sich depressive Phasen mit Phasen auffällig gehobener oder gereizter Stimmung ab, liegt laut NVL mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bipolare Störung vor [1]. Nach der Geburt ist laut Embryotox das Risiko für psychotische Episoden deutlich erhöht [9]. Depressive Beschwerden können außerdem mit körperlichen Erkrankungen verbunden sein oder durch Medikamente ausgelöst oder verstärkt werden; die Patientenleitlinie rät, eine Liste aller Medikamente mitzubringen, auch der Mittel ohne Rezept [2]. Besteht der Verdacht auf eine körperliche Ursache, soll laut NVL gemeinsam mit Ihnen abgewogen werden, welche Untersuchungen sinnvoll sind [1].
Behandlung im Überblick
Laut Embryotox richtet sich die Behandlung einer Depression nach Art und Schwere der Beschwerden und danach, in welchem Zusammenhang sie auftritt; eingesetzt werden Psychotherapie und Antidepressiva, allein oder zusammen [3]. Für Depressionen allgemein empfiehlt die NVL ein Vorgehen nach dem Schweregrad [1]:
- Bei einer leichten Episode sollen Maßnahmen mit niedriger Intensität angeboten werden, etwa angeleitete Selbsthilfe oder Gespräche mit psychotherapeutischen Techniken. Eine Psychotherapie soll unter anderem dann angeboten werden, wenn die Beschwerden trotzdem anhalten oder ein Risiko für einen schwereren oder chronischen Verlauf besteht. Antidepressiva sollten nicht zur Erstbehandlung vor einer solchen Maßnahme eingesetzt werden.
- Bei einer mittelgradigen Episode soll gleichwertig eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Behandlung angeboten werden.
- Bei einer schweren Episode soll eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie empfohlen werden; wird sie abgelehnt, soll eines von beiden gleichwertig allein angeboten werden.
Die Entscheidungen sollen laut NVL gemeinsam mit Ihnen getroffen werden [1]. Eine ausreichende Behandlung einer Depression in der Schwangerschaft liegt laut Embryotox auch im Interesse des werdenden Kindes [3]. Wer bisher nur hausärztlich oder psychotherapeutisch behandelt wurde, Antidepressiva einnimmt und eine Schwangerschaft plant oder schwanger ist, für den nennt die NVL eine Überweisung in die Psychiatrie, Psychotherapie oder Psychosomatik sowie in die Gynäkologie und Geburtshilfe [1]. Bei einer Depression in der Schwangerschaft sollte laut Embryotox zunächst geklärt werden, ob eine Psychotherapie möglich und ausreichend ist oder ob, eventuell zusätzlich, Antidepressiva eingesetzt werden sollten [3].
Eine Behandlung im Krankenhaus kann laut Patientenleitlinie unter anderem ratsam sein, wenn die Gefahr besteht, sich oder andere zu verletzen, wenn das Krankheitsbild so schwer ist, dass die ambulante Behandlung nicht ausreicht, wenn Unruhe und Anspannung sehr stark sind oder sich starke Anzeichen einer Psychose zeigen [2]. Mehr dazu unter Klinik und Tagesklinik und Psychotherapie und Medikamente.
Medikamente bei Wochenbettdepression
Antidepressiva gehen laut Embryotox in gewissem Umfang in die Muttermilch über. Die Stillzeiten an den Einnahmezeitpunkt anzupassen, ist wegen der Eigenschaften der Antidepressiva in der Regel nicht möglich oder nicht sinnvoll. Wer bereits mit einem einzelnen Antidepressivum behandelt wird, kann es laut Embryotox in den meisten Fällen unverändert weiter einnehmen und voll stillen [3].
Bei einer Neueinstellung in der Stillzeit sollten laut Embryotox Antidepressiva vorgezogen werden, die nur in geringem Umfang über die Muttermilch zum Kind gelangen und sich im Körper des Kindes nicht anreichern; unter den SSRI trifft das zum Beispiel auf Sertralin und Citalopram oder Escitalopram zu, unter den beruhigend (sedierend) wirkenden Antidepressiva zum Beispiel auf Amitriptylin und Mirtazapin [3]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine Kombination mehrerer Psychopharmaka beurteilt Embryotox kritischer, sie schließt das Stillen aber nicht unbedingt aus; auch Teilstillen mit Zufüttern kann erwogen werden, zumal Müttern mit depressiven Erkrankungen das Stillen oft sehr wichtig ist [3].
Wird während einer Behandlung mit Psychopharmaka gestillt, sollten laut Embryotox die Kinderärztin oder der Kinderarzt und die betreuende Hebamme informiert sein, damit das Kind gemeinsam mit den Eltern gut beobachtet wird. Treten beim gestillten Kind neue Beschwerden auf, die sich nicht anders erklären lassen, etwa starke Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Trinkschwäche oder Unruhe, kann im Blut des Kindes gemessen werden, ob und wie viel des Medikaments dort ankommt [3]. Die Tabelle nennt die Wirkstoffe, die Embryotox für die Stillzeit als Beispiele anführt, in dessen Reihenfolge; sie ist keine Rangfolge.
| Wirkstoff | Stillzeit laut Embryotox | Stillzeit laut Packungsbeilage | Typische Nebenwirkungen (Beispiel) |
|---|---|---|---|
| Sertralin (SSRI) | sehr umfangreiche Erfahrungen zu etwa 300 stillenden Müttern; bei den meisten gestillten Kindern keine unerwünschten Wirkungen, vereinzelt Berichte über Müdigkeit, Unruhe, Durchfall, Koliken oder Trinkschwäche; Embryotox zählt Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit [4] | Sertralin geht in die Muttermilch über; stillende Frauen sollten es nur anwenden, wenn der Nutzen nach Einschätzung der Ärztin oder des Arztes größer ist als das mögliche Risiko für den Säugling [13] | sehr häufig unter anderem: Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, Müdigkeit [13] |
| Citalopram (SSRI) | umfangreiche Erfahrungen zu etwa 110 stillenden Müttern; bei den meisten gestillten Kindern keine unerwünschten Wirkungen, vereinzelt Unruhe, Schlafstörungen, Trinkschwäche und Koliken; laut Embryotox darf unter Citalopram gestillt werden; bei einer Neueinstellung kann laut Embryotox Sertralin vorgezogen werden, wenn es im Einzelfall vergleichbar wirksam und verträglich ist [5]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | Sie sollten während der Einnahme nicht stillen, weil Citalopram in geringen Mengen in die Muttermilch übergeht; fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat [16] | sehr häufig: Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, vermehrtes Schwitzen, Schwäche oder Kraftlosigkeit, Störungen der Scharfeinstellung des Auges [16] |
| Escitalopram (SSRI) | Erfahrungen zu etwa 50 stillenden Müttern, dazu umfangreiche Erfahrungen mit dem verwandten Citalopram; bei den meisten gestillten Kindern keine unerwünschten Wirkungen; laut Embryotox darf unter Escitalopram gestillt werden; bei einer Neueinstellung kann laut Embryotox Sertralin vorgezogen werden, wenn es im Einzelfall vergleichbar wirksam und verträglich ist [6]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. | es ist davon auszugehen, dass Escitalopram in die Muttermilch übergeht; in der Stillzeit dürfen Sie es nicht einnehmen, es sei denn, Sie haben Nutzen und Risiken mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen [17] | sehr häufig: Übelkeit, Kopfschmerzen [17] |
| Amitriptylin (trizyklisches Antidepressivum) | publizierte Erfahrungen zu mehr als 20 Mutter-Kind-Paaren; die allermeisten gestillten Kinder waren unauffällig; Stillen ist laut Embryotox bei Behandlung mit nur diesem einen Mittel (Monotherapie) und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel [7] | die Ärztin oder der Arzt berät, ob Sie stillen, weiter stillen oder abstillen oder ob die Behandlung unterbrochen wird, und wägt den Nutzen des Stillens für das Kind gegen den Nutzen der Behandlung ab [14] | sehr häufig unter anderem: Schläfrigkeit, Zittern, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit, starkes Schwitzen, Gewichtszunahme [14] |
| Mirtazapin | publizierte Untersuchungen zu 51 Mutter-Kind-Paaren; die meisten gestillten Kinder zeigten keine Auffälligkeiten; Stillen ist laut Embryotox bei Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel [8] | fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob Sie während der Einnahme stillen können [15] | sehr häufig: verstärkter Appetit und Gewichtszunahme, Schläfrigkeit oder Müdigkeit, Kopfschmerzen, trockener Mund [15] |
Packungsbeilagen und Embryotox kommen zum Stillen teils zu unterschiedlichen Aussagen [3, 13, 16, 17]. Was für Sie gilt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr zum Thema steht unter Stillzeit.
Antidepressiva in der Schwangerschaft
Von den länger gebräuchlichen Antidepressiva hat sich laut Embryotox keines als eindeutig fruchtschädigend (teratogen) beim Menschen erwiesen; eine bewährte und notwendige Behandlung kann deshalb in der Regel auch in der Schwangerschaft fortgeführt werden [3]. Für eine Neueinstellung nennt Embryotox als Mittel der Wahl zunächst Sertralin und Citalopram, als beruhigend wirkende Antidepressiva auch Amitriptylin und Mirtazapin; bei einer bestehenden Behandlung sollte zuerst geprüft werden, ob sie in der Schwangerschaft weiter eingenommen werden kann [3]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Werden Antidepressiva bis zur Geburt eingenommen, ist laut Embryotox das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht; auch nach einer Behandlung mit einem einzelnen Antidepressivum können bei Neugeborenen vorübergehend ein oder mehrere Zeichen einer Anpassungsstörung auftreten [7, 8]. Nach SSRI sind diese Beschwerden laut Embryotox meist leicht und klingen von selbst ab; sie dauern im Extremfall einen Monat, meist aber nicht länger als ein bis zwei Wochen [4]. Die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen, und das Kind sollte in den ersten Lebenstagen beobachtet werden [4, 7]. Wird Sertralin gegen Ende der Schwangerschaft eingenommen, kann laut Packungsbeilage das Risiko für schwere vaginale Blutungen kurz nach der Geburt erhöht sein, besonders bei Blutungsstörungen in der Vorgeschichte; Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme sollte von der Einnahme wissen, um Sie entsprechend beraten zu können [13]. Mehr dazu unter Schwangerschaft.
Zuranolon
Zuranolon (enthalten in Zurzuvae) ist seit dem 17. September 2025 in der EU für Erwachsene zur Behandlung einer postpartalen Depression nach der Entbindung zugelassen [11]. Laut Packungsbeilage erhöht es die Aktivität des Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure) an Rezeptoren im Gehirn, der an der Regulierung der Stimmung beteiligt ist. Eingenommen wird es als einmaliger Behandlungszyklus über 14 Tage, jeweils abends mit fetthaltigem Essen, allein oder zusätzlich zu einem Antidepressivum, das bereits stabil eingenommen wird; eine Besserung tritt laut Packungsbeilage typischerweise am dritten Tag ein [11].
Laut Packungsbeilage dürfen Sie nach jeder Einnahme mindestens 12 Stunden lang nicht Auto fahren, und Sie sind möglicherweise nicht in der Lage, selbst zu beurteilen, wie stark Zuranolon Sie beeinträchtigt. Tagsüber kann es Schläfrigkeit, verlangsamtes Denken, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und Schwindelgefühl verursachen, die auch die Versorgung des Kindes beeinträchtigen können [11]. Sehr häufig sind Benommenheit oder Schläfrigkeit und Schwindelgefühl, häufig Durchfall, Energielosigkeit, Schwierigkeiten, sich Dinge zu merken, Zittern und Verwirrtheit [11].
In der Schwangerschaft darf Zuranolon nicht eingenommen werden; während der Behandlung und 7 Tage danach ist eine zuverlässige Verhütung nötig. Zuranolon geht in geringen Mengen in die Muttermilch über, und seine Wirkung auf gestillte Kinder ist nicht bekannt. Laut Fachinformation soll das Stillen während der Behandlung unterbrochen werden, es sei denn, der Nutzen des Stillens überwiegt nach Einschätzung der Ärztin oder des Arztes die möglichen Risiken für das Kind [11]. Die Fachinformation nennt außerdem ein Missbrauchspotenzial; Vorsicht ist bei Menschen geboten, die Alkohol oder andere Substanzen missbraucht haben oder davon abhängig waren. Alkohol und andere dämpfende Mittel können die dämpfende Wirkung verstärken, und die gleichzeitige Anwendung von Mitteln wie Johanniskraut oder Carbamazepin, die die Menge von Zuranolon im Blut verringern und seine Wirkung abschwächen können, muss vermieden werden [11].
Wie lange behandeln, Rückfall vorbeugen
Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die NVL, das Mittel 6 bis 12 Monate über das Abklingen (Remission) einer depressiven Episode hinaus in gleicher Dosis weiter einzunehmen ("soll") und es danach auszuschleichen, also schrittweise abzusetzen, wenn keine längere Rückfallvorbeugung nötig ist ("soll"). Wer zwei bis drei oder mehr depressive Episoden und in den letzten fünf Jahren bedeutsame Einschränkungen im Alltag hatte, dem sollte empfohlen werden, das Antidepressivum mindestens zwei Jahre weiter einzunehmen [1]. Nach einer Psychotherapie soll eine angemessene Weiterführung angeboten werden [1]. Zuranolon wird dagegen laut Fachinformation nur für einen einmaligen Zyklus über 14 Tage verordnet; zu einer weiteren Behandlung bei einem Rückfall liegen keine Daten vor [11].
Nach einer ersten depressiven Episode erkranken laut NVL etwa 40 bis 60 von 100 Menschen erneut; das Risiko sinkt, je länger jemand ohne neue Episode bleibt [1]. In den Ratschlägen aus der Selbsthilfe in der Patientenleitlinie heißt es, dass sich bei vielen Betroffenen nach 2 bis 4 Wochen Behandlung eine erste Besserung einstellt und es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis eine depressive Episode abgeklungen ist [2]. Kontrolltermine sollten laut NVL in den ersten 4 Wochen einer Behandlung wöchentlich stattfinden, im 2. und 3. Monat alle 2 bis 4 Wochen, danach in längeren Abständen [1].
Wer schon einmal eine Depression hatte und eine weitere Schwangerschaft plant, kann das früh ansprechen: Laut Embryotox ist eine postpartale Depression nach einer depressiven Vorerkrankung wahrscheinlicher [3]. Ob und wann Sie ein Antidepressivum absetzen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt (siehe Antidepressiva absetzen).
Selbsthilfe und Alltag

Den wichtigsten Schritt sehen Menschen aus der Selbsthilfe in der Patientenleitlinie im Gang in eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis; es kann helfen, eine vertraute Person mitzunehmen, die Veränderungen der Stimmung von außen beschreiben kann [2]. Weitere Ratschläge: Gesprächs- und Hilfsangebote von Familie und Freunden annehmen, kleine Aktivitäten als Erfolg sehen und sich kleine, erreichbare Ziele setzen, etwa einen Spaziergang an der frischen Luft [2].
Menschen mit einer depressiven Störung, bei denen nichts gegen körperliche Belastung spricht, sollen laut NVL zu sportlicher Aktivität motiviert werden, idealerweise in einer Gruppe [1]. Über Selbsthilfe- und Angehörigengruppen, Beratung durch andere Betroffene und Genesungsbegleitung sollen Sie laut NVL informiert werden [1].
Für Frauen mit einer Psychose oder einer bipolaren Erkrankung empfiehlt Embryotox, die Entbindung und die Zeit danach gut vorzubereiten, unter anderem mit gesichertem Schlaf, Abschirmung von Reizen, weniger Stress und geplanter Unterstützung durch Partner, Familie oder andere Helfer. Um ihr Rückfallrisiko gering zu halten, sollten Stress und Belastungen laut Embryotox möglichst reduziert werden; unterstützend kann eine Familienhebamme beantragt werden, die die Familie von der Schwangerschaft bis zu einem Jahr nach der Entbindung begleitet. Über weitere Möglichkeiten informieren zum Beispiel Schwangerenberatungsstellen; Ansprechpartner sind auch die Frühen Hilfen, die in vielen Regionen Netzwerke für Schwangere und junge Familien aufgebaut haben [9, 10].
Für Angehörige
Eine Depression betrifft laut Patientenleitlinie auch Partnerschaft, Familie und Freundschaften [2]. Wenn die erkrankte Person einverstanden ist, sollen Angehörige laut NVL in Aufklärung, Information und Behandlung eingebunden werden [1]. Die Depression eines Elternteils wirkt sich laut NVL auch auf die Entwicklung des Kindes aus; eine gute soziale Einbindung, das Selbstvertrauen des Kindes und die Unterstützung durch den anderen Elternteil beeinflussen diesen Zusammenhang [1]. Für Mütter mit bipolarer Erkrankung kann laut Embryotox eine Mischform aus Stillen und Zufüttern sinnvoll sein, bei der nachts zum Beispiel der Partner das Kind versorgt, weil Schlafmangel bei bipolaren Störungen nachweislich das Rückfallrisiko erhöht und volles Stillen zu Schlafmangel nach der Geburt beiträgt [10].
Die Patientenleitlinie gibt Angehörigen und Freunden unter anderem diese Hinweise [2]:
- Niemand trägt Schuld an der Erkrankung, weder Sie noch der erkrankte Mensch. Eine Depression ist kein Ausdruck von Unvermögen oder Nichtwollen.
- Nehmen Sie die Erkrankung ernst, ohne zu dramatisieren, vermitteln Sie, dass Hilfe möglich ist, und unterstützen Sie die Entscheidung, sich professionelle Hilfe zu suchen.
- Unterstützen Sie bei kleinen Schritten, etwa einem Spaziergang oder einem Gespräch zu einem festen Termin.
- Verzichten Sie darauf, die Erkrankung zu erklären, sie herunterzuspielen oder gut gemeinte Ratschläge zu geben.
- Achten Sie auch auf sich selbst und nehmen Sie Hilfe an, etwa in Selbsthilfegruppen für Angehörige oder bei psychosozialen Beratungsstellen.
Mehr dazu unter Angehörige.
Wann Sie sofort Hilfe brauchen
Gedanken an den Tod oder an Suizid gehören zu den Zusatzsymptomen einer Depression [1]. Laut Patientenleitlinie sind Suizidgedanken auf jeden Fall ernst zu nehmen, und die behandelnde Praxis sollte davon erfahren [2]. Bei akuter Gefahr soll laut NVL gemeinsam ein Notfallplan erstellt werden [1]; dabei hilft der Krisenplan. Die Packungsbeilage von Sertralin fordert dazu auf, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen oder unverzüglich ein Krankenhaus aufzusuchen, wenn Gedanken auftreten, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen [13]. Wer Zuranolon erhalten soll und schon einmal Suizidgedanken hatte, spricht laut Packungsbeilage vorher mit der Ärztin oder dem Arzt darüber [11].
Nach der Geburt ist laut Embryotox das Risiko für psychotische Episoden deutlich erhöht, und die meisten Wochenbettpsychosen beginnen in den ersten zwei Wochen; auch postpartale Manien rechnet Embryotox dazu [9, 10]. Zeichen einer Manie sind laut NVL unter anderem eine auffällig gehobene oder gereizte Stimmung, vermehrter Antrieb und ein vermindertes Schlafbedürfnis [1]. Zu einer Depression können laut NVL psychotische Symptome hinzukommen, etwa Wahnideen wie die Überzeugung, an allem schuld oder unheilbar krank zu sein, oder Halluzinationen; bei ausgeprägten psychotischen Symptomen, zum Beispiel bei selbstgefährdendem Verhalten, kann eine Notfalleinweisung sinnvoll sein [1]. Laut Patientenleitlinie kann eine Behandlung im Krankenhaus ratsam sein, wenn sich starke Anzeichen einer Psychose zeigen [2].
Ist ein Mensch in akuter Gefahr, rät die Patientenleitlinie Angehörigen: die Person nicht allein lassen, bis Hilfe eintrifft; zuhören und die Situation ernst nehmen; das Gespräch in Gang halten; den Notruf 112 oder die Polizei unter 110 rufen; gefährliche Gegenstände beseitigen [2].
Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Depressive Krankheitsbilder. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Sertralin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Citalopram. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Escitalopram. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Amitriptylin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Mirtazapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Psychosen. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Bipolare affektive Störung. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Zurzuvae (Zuranolon, EPAR), Anhang I: Fachinformation, und Anhang III B: Packungsbeilage. Biogen Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025 (zuletzt aktualisiert 31.10.2025). abgerufen am 23.10.2026
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Gruppe F50 bis F59: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Wochenbettdepression?
Typisch sind eine gedrückte Stimmung, der Verlust von Interesse und Freude und ein verminderter Antrieb über mindestens zwei Wochen, dazu zum Beispiel Schuldgefühle, Konzentrations- und Schlafstörungen, Gefühle der Wertlosigkeit oder Angst. Ob es eine Depression ist, klärt das Gespräch in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis. Wenn nach der Geburt Wahnideen, Halluzinationen oder eine auffällig gehobene Stimmung auftreten, brauchen Sie rasch ärztliche Hilfe.
Wann beginnt eine Wochenbettdepression?
Laut Packungsbeilage von Zuranolon beginnt sie während der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung. Nach Embryotox kann sie eine Depression aus der Schwangerschaft fortsetzen oder unabhängig davon auftreten. Den Schlüssel F53 der ICD-10-GM verwenden Ärztinnen und Ärzte nur für Störungen, die innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt beginnen und keine andere Diagnose erfüllen.
Wie lange dauert eine Wochenbettdepression?
Eine eigene Angabe zur Dauer der Wochenbettdepression enthält die NVL in Version 3.2 nicht. Für depressive Episoden allgemein heißt es in den Ratschlägen aus der Selbsthilfe in der Patientenleitlinie, dass sich unter Behandlung bei vielen nach 2 bis 4 Wochen eine erste Besserung einstellt und es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis die Episode abgeklungen ist. Antidepressiva sollen laut NVL danach noch 6 bis 12 Monate weiter eingenommen werden.
Welche Antidepressiva sind in der Stillzeit möglich?
Laut Embryotox lässt sich eine bestehende Behandlung mit einem einzelnen Antidepressivum in den meisten Fällen fortführen, während voll gestillt wird. Für eine Neueinstellung nennt Embryotox als Beispiele Sertralin und Citalopram oder Escitalopram sowie als beruhigend wirkende Mittel Amitriptylin und Mirtazapin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Packungsbeilagen kommen zum Stillen teils zu anderen Aussagen; die von Citalopram etwa rät vom Stillen ab.
Darf ich mit Sertralin stillen?
Embryotox zählt Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit und stützt sich auf Erfahrungen mit etwa 300 stillenden Müttern. Laut Packungsbeilage geht Sertralin in die Muttermilch über und sollte von stillenden Frauen nur angewendet werden, wenn der Nutzen nach ärztlicher Einschätzung größer ist als das mögliche Risiko. Treten beim gestillten Kind neue Beschwerden wie Trinkschwäche oder Unruhe auf, die sich nicht anders erklären lassen, sollte es laut Embryotox in einer kinderärztlichen Praxis vorgestellt werden.
Was ist Zuranolon?
Zuranolon (enthalten in Zurzuvae) ist seit September 2025 in der EU für Erwachsene zur Behandlung einer postpartalen Depression nach der Entbindung zugelassen und wird einmalig über 14 Tage abends eingenommen. Nach jeder Einnahme dürfen Sie laut Packungsbeilage mindestens 12 Stunden nicht Auto fahren. In der Schwangerschaft darf es nicht eingenommen werden; das Stillen soll laut Fachinformation während der Behandlung unterbrochen werden, es sei denn, der Nutzen des Stillens überwiegt nach ärztlicher Einschätzung die möglichen Risiken für das Kind.
Gibt es einen Test auf Wochenbettdepression?
Einen Test, der die Diagnose stellt, gibt es nicht. Fragebögen können laut NVL einen Verdacht stützen; die Diagnose entsteht im ausführlichen Gespräch in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis. Ansprechpartner können auch die hausärztliche Praxis oder die Frauenheilkunde und Geburtshilfe sein.
Was können Angehörige bei einer Wochenbettdepression tun?
Laut Patientenleitlinie hilft es, die Erkrankung ernst zu nehmen, ohne zu dramatisieren, zu vermitteln, dass Hilfe möglich ist, und die Entscheidung für professionelle Hilfe zu unterstützen. Niemand trägt Schuld an der Erkrankung. Wenn die Mutter einverstanden ist, sollen Angehörige laut NVL in die Behandlung eingebunden werden. Achten Sie auch auf Ihre eigenen Kräfte und nehmen Sie selbst Unterstützung an.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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