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Medikamente bei Alkoholabhängigkeit

Nach dem Entzug können Medikamente die Weiterbehandlung einer Alkoholabhängigkeit ergänzen: Laut S3-Leitlinie sollten außerhalb der stationären Rehabilitation Acamprosat oder Naltrexon im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden, Nalmefen kann angeboten werden. Zugelassen ist Naltrexon laut Fachinformation zur Unterstützung der Abstinenz bei entwöhnten Erwachsenen, Nalmefen laut EMA-Produktinformation zur Verringerung des Alkoholkonsums; Disulfiram ist laut Leitlinie in Deutschland für diese Indikation nicht mehr zugelassen. Naltrexon und Nalmefen sind laut Produktinformation für eine Behandlung zusammen mit psychologischer bzw. psychosozialer Begleitung bestimmt.

Mann Mitte fünfzig und Frau Ende vierzig gehen an einem klaren Herbstmorgen nebeneinander einen sonnigen Uferweg entlang
Bild: KI-generiert

Medikamente bei Alkoholabhängigkeit kommen nach dem Entzug zum Einsatz, in dem Abschnitt, den die S3-Leitlinie Postakutbehandlung nennt. Diese Weiterbehandlung soll laut Leitlinie im Anschluss an den Entzug nahtlos angeboten werden. Bei einer Abhängigkeit ist die Abstinenz das primäre Ziel; ist sie zurzeit nicht erreichbar, soll eine Verringerung des Konsums im Sinne einer Schadensminimierung angestrebt werden. [2]

Für diesen Abschnitt gibt die Leitlinie Empfehlungen zu vier Wirkstoffen. Acamprosat oder Naltrexon sollten im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden, Nalmefen kann angeboten werden. Disulfiram kann angeboten werden, wenn andere zugelassene Behandlungen nicht zum Erfolg geführt haben. Alle vier Empfehlungen gelten für die Postakutbehandlung außerhalb der stationären Rehabilitation. [2]

Zugelassen sind die Mittel für unterschiedliche Ziele. Naltrexon ist laut Fachinformation als zusätzliche Behandlung innerhalb eines umfassenden Therapieprogramms mit psychologischer Begleitung zugelassen, um entwöhnte Patientinnen und Patienten, die opioid- bzw. alkoholabhängig waren, in der Abstinenz zu unterstützen. [4] Nalmefen ist laut EMA-Produktinformation zur Verringerung des Alkoholkonsums bei Erwachsenen mit Alkoholabhängigkeit zugelassen, deren Konsum auf einem hohen Risikoniveau liegt, die keine körperlichen Entzugserscheinungen haben und keine sofortige Entgiftung brauchen; für Menschen, deren Ziel eine sofortige Abstinenz ist, ist es nicht bestimmt. [5] Disulfiram ist laut Leitlinie in Deutschland für diese Indikation nicht mehr zugelassen. [2] Ob Acamprosat in Deutschland derzeit im Handel ist, ist nicht belegt.

Grundlage dieser Seite ist die S3-Leitlinie "Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen" der DGPPN und der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie in der aktualisierten Version von 2020. Laut Übersicht der DGPPN war sie bis 31.12.2025 gültig, ihre Gültigkeit ist also abgelaufen. Wie eine Alkoholabhängigkeit erkannt und behandelt wird, steht auf der Seite Alkoholabhängigkeit und Alkoholentzug. [1, 3]

Die Mittel im Überblick

Mittel nach dem Alkoholentzug: Zulassung laut Produktinformation und Empfehlung der S3-Leitlinie (aktualisierte Version 2020, abgelaufen; alphabetisch, keine Rangfolge)
WirkstoffZulassungWas die Leitlinie sagt
Acamprosatob es in Deutschland derzeit im Handel ist, ist nicht belegtsollte außerhalb der stationären Rehabilitation im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden ("sollte", Empfehlungsgrad B) [2]
Disulfiramlaut Leitlinie in Deutschland für diese Indikation nicht mehr zugelassen [2]; laut Pharmazeutischer Zeitung (2018) kann es noch aus dem Ausland importiert werden, jedoch stellt die Verordnung einen Off-Label-Gebrauch dar, also einen Einsatz außerhalb der Zulassung [7]kann außerhalb der stationären Rehabilitation im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden, wenn andere zugelassene Behandlungen nicht zum Erfolg geführt haben ("kann", Empfehlungsgrad 0) [2]
NalmefenVerringerung des Alkoholkonsums bei Erwachsenen mit Alkoholabhängigkeit und hohem Risikoniveau des Trinkens, ohne körperliche Entzugserscheinungen und ohne Bedarf einer sofortigen Entgiftung; sollte nur zusammen mit kontinuierlicher psychosozialer Unterstützung verschrieben werden [5]kann außerhalb der stationären Rehabilitation im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden ("kann", Empfehlungsgrad 0) [2]
NaltrexonUnterstützung der Abstinenz bei entwöhnten Patientinnen und Patienten, die alkohol- bzw. opioidabhängig waren, als zusätzliche Behandlung in einem umfassenden Therapieprogramm mit psychologischer Begleitung [4]sollte außerhalb der stationären Rehabilitation im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden ("sollte", Empfehlungsgrad B) [2]

Naltrexon und Nalmefen sind verschreibungspflichtig. [10] Die Behandlung mit Naltrexon muss laut Fachinformation eine Ärztin oder ein Arzt einleiten und überwachen, die oder der in der Behandlung opioid- und alkoholabhängiger Menschen erfahren ist; bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren darf Naltrexon nicht angewendet werden. [4] Nalmefen sollte laut Produktinformation nur bei Menschen begonnen werden, deren Konsum 2 Wochen nach einer ersten Untersuchung weiter auf einem hohen Risikoniveau liegt; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren liegen keine Daten vor. [5] Laut Leitlinie sollte die Behandlung mit Acamprosat bzw. Naltrexon bei entsprechender Indikation, unter Berücksichtigung der möglichen Risiken und nach Aufklärung darüber, im Einzelfall zusätzlich zur psychosozialen Beratung angeboten werden. [1]

Wirkstoffe der Gruppe

  • Naltrexonz. B. Naltrexonhydrochlorid AccordUnterstützung der Abstinenz bei Alkohol- oder Opioidabhängigkeit

Naltrexon und Nalmefen binden beide an Opioid-Rezeptoren, die Andockstellen für Opioide im Nervensystem. Naltrexon ist laut Fachinformation ein Gegenspieler der Opioide (Opioidantagonist) und blockiert den Zugang für Opioide, die von außen zugeführt werden. Wie es bei Alkoholabhängigkeit wirkt, ist laut Fachinformation nicht restlos geklärt; angenommen wird eine Wechselwirkung mit dem körpereigenen Opioidsystem. Die Hauptwirkung scheint ein geringeres Risiko zu sein, nach einer kleinen Menge Alkohol vollständig rückfällig zu werden und unkontrolliert zu trinken, und Naltrexon scheint das Verlangen nach Alkohol (Craving) zu beeinflussen. Nach Alkohol oder Opioiden löst es keine Unverträglichkeitsreaktion aus; die Fachinformation nennt es eine nicht aversive Behandlung. [4]

Nalmefen ist laut EMA-Produktinformation ein Modulator des Opioidsystems: In Laborstudien hemmte es zwei Arten von Opioid-Rezeptoren (µ und δ) und regte eine dritte (κ) teilweise an. In In-vivo-Studien verringerte Nalmefen den Alkoholkonsum, möglicherweise über eine Beeinflussung bestimmter Hirnfunktionen (kortiko-mesolimbisch). Eingenommen wird es laut Produktinformation nach Bedarf, an Tagen, an denen ein Risiko besteht, Alkohol zu trinken. [5]

Naltrexon setzt laut Fachinformation eine Entwöhnung voraus, Nalmefen laut Produktinformation das Fehlen körperlicher Entzugserscheinungen. Welches Mittel infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr zum Wirkstoff unter Naltrexon. [4, 5]

Nebenwirkungen im Vergleich

Die Fachinformation von Naltrexon nennt unter anderem Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Veränderungen der Stimmung und einen Anstieg der Leberwerte. Für Nalmefen nennt die Produktinformation als häufigste unerwünschte Reaktionen in den Studien Übelkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen; die meisten waren leicht oder mittelschwer, traten zu Beginn der Behandlung auf und hielten kurz an. Beobachtet wurden außerdem unter anderem Verwirrtheit und selten Halluzinationen, meist ebenfalls zu Beginn und für kurze Zeit. [4, 5]

Die Tabelle ist keine Rangliste. Was die Häufigkeitsangaben bedeuten, erklärt das Werkzeug Was heißt "häufig"?.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffÜbelkeitKopfschmerzenSchlafstörungenUnruhe und NervositätMüdigkeitAppetitlosigkeitVermehrtes SchwitzenErektionsstörungen
NaltrexonSehr häufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufigHäufigHäufigHäufig

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Mehr zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Unruhe, vermehrtes Schwitzen und sexuelle Funktionsstörungen.

Wirkungseintritt und Dauer

Vier Erwachsene sitzen in einem hellen Gemeinschaftsraum im Stuhlkreis, eine Frau spricht, die anderen hören zu
Bild: KI-generiert

Einen Zeitpunkt, ab dem Naltrexon wirkt, nennt die Fachinformation nicht. Eine übliche Behandlungsdauer lässt sich laut Fachinformation nicht festlegen, weil Naltrexon eine begleitende Behandlung ist und die Genesung individuell verläuft; empfohlen werden mindestens 3 Monate, unter Umständen auch länger. Beginnen darf die Behandlung erst, wenn ein Opioid ausreichend lange abgesetzt ist. [4]

Bei Nalmefen wurde in den entscheidenden Zulassungsstudien die stärkste Verbesserung in den ersten 4 Wochen festgestellt. Ob die Behandlung anspricht und fortgesetzt werden muss, sollte laut Produktinformation regelmäßig erhoben werden, zum Beispiel monatlich. Daten aus kontrollierten Studien liegen für einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten vor; wird Nalmefen länger als ein Jahr verordnet, ist Vorsicht geboten. [5]

Damit der Erfolg der Weiterbehandlung anhält, soll sich laut Leitlinie nahtlos eine aufeinander abgestimmte Versorgung über mindestens 12 Monate erstrecken; neben suchttherapeutischen Hilfen gehören je nach Bedarf psychotherapeutische und psychiatrische Angebote dazu. [2] Mehr unter Wie lange werden Psychopharmaka genommen? und Psychotherapie und Medikamente.

Absetzen

Naltrexon führt laut Fachinformation weder zu körperlicher noch zu seelischer Abhängigkeit, und Absetzbeschwerden beschreibt sie nicht. Nach dem Ende der Behandlung können Betroffene aber empfindlicher auf opioidhaltige Arzneimittel reagieren. [4] Für Nalmefen deuten die Daten laut Produktinformation nicht auf ein Abhängigkeits- oder Missbrauchspotenzial hin. [5]

Ist absehbar, dass Opioide angewendet werden, etwa als Schmerzmittel bei einer geplanten Operation, muss Nalmefen laut Produktinformation rechtzeitig vorher vorübergehend abgesetzt werden; das legt das Behandlungsteam fest, setzen Sie es nicht von sich aus ab. Wird ein Opioid nötig, ist es laut Produktinformation wichtig, die Behandelnden über die letzte Einnahme von Nalmefen zu informieren. [5] Wann eine Behandlung endet, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Psychopharmaka absetzen und Psychopharmaka vor einer Operation. [4, 5]

Worauf Sie achten sollten

Menschen mit Alkohol- und Substanzmissbrauch haben laut Produktinformation von Nalmefen ein erhöhtes Suizidrisiko, mit oder ohne begleitende Depression, und Nalmefen verringert dieses Risiko nicht. Ähnlich schreibt die Fachinformation von Naltrexon, dass das erhöhte Suizidrisiko bei Menschen mit einer Drogenabhängigkeit durch Naltrexon nicht gesenkt wird; Suizidgedanken und Suizidversuche nennt sie als seltene Nebenwirkungen. Wenn Ihre Stimmung sinkt oder Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; in einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern. [4, 5]

Opioide und andere Medikamente

Opioidhaltige Arzneimittel dürfen laut Fachinformation nicht zusammen mit Naltrexon angewendet werden, etwa Opioide in Schmerz-, Husten-, Erkältungs- und Durchfallmitteln oder Mittel der Substitution wie Methadon. Bei Menschen, die opioidabhängig sind, kann Naltrexon lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auslösen. Wer versucht, die Blockade mit großen Opioidmengen zu überwinden, kann nach dem Ende der Naltrexonwirkung in Lebensgefahr geraten. In einer Studie stieg der Spiegel von Acamprosat signifikant an, wenn es zusammen mit Naltrexon angewendet wurde. [4]

Nalmefen darf laut Produktinformation nicht angewendet werden, wenn jemand Opioid-Agonisten nimmt, etwa Opioid-Schmerzmittel oder Mittel der Substitution wie Methadon oder Buprenorphin, und nicht bei bestehender oder kurz zurückliegender Opioidabhängigkeit. Muss in einem Notfall ein Opioid gegeben werden, kann eine höhere Dosis als üblich nötig sein, und die Person soll engmaschig auf Zeichen einer Atemdepression überwacht werden. [5] Was beim Kombinieren gilt, erklärt Psychopharmaka kombinieren.

Leber, Nieren und Kontrollen

Bei schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen und bei einer akuten Leberentzündung darf Naltrexon laut Fachinformation nicht angewendet werden. Bei Menschen mit Alkoholabhängigkeit ist die Leberfunktion laut Fachinformation nicht selten beeinträchtigt, und Leberfunktionstests sollten vor und während der Behandlung durchgeführt werden. [4] Nalmefen ist laut Produktinformation bei schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung gegenangezeigt; bei leichten oder mittelschweren Störungen sollten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel eine häufigere Überwachung. [5] Mehr unter Kontrollen während der Behandlung.

Schwangerschaft und Stillzeit

Zu Naltrexon in der Schwangerschaft gibt es laut Fachinformation keine klinischen Daten; es sollte nur angewendet werden, wenn der Nutzen nach ärztlicher Einschätzung das mögliche Risiko überwiegt, und in der Stillzeit wird das Stillen nicht empfohlen. [4] Die Anwendung von Nalmefen in der Schwangerschaft wird laut Produktinformation nicht empfohlen. [5] Alle Schwangeren sollen laut Leitlinie darüber beraten werden, dass jeglicher Alkoholkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit schädlich für das Ungeborene ist. [2] Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten; mehr unter Schwangerschaft und Kinderwunsch.

Autofahren

Naltrexon kann sich laut Fachinformation auf die körperlichen und psychischen Fähigkeiten auswirken, die für potenziell gefährliche Tätigkeiten wie das Führen von Kraftfahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen nötig sind. [4] Nalmefen kann laut Produktinformation einen geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit haben; besonders zu Beginn der Behandlung sollten Behandelte vorsichtig sein. [5] Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [9] Mehr unter Psychopharmaka und Autofahren.

Rezept und Kosten

Zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung sind Mittel zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit laut Arzneimittel-Richtlinie nur eingeschränkt verordnungsfähig: zur Unterstützung der Abstinenz im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts mit begleitenden psychosozialen und soziotherapeutischen Maßnahmen, außerdem zur Unterstützung der Verringerung des Konsums bei Menschen, die auf eine Abstinenztherapie hingeführt werden, für die aber entsprechende Behandlungsmöglichkeiten nicht zeitnah zur Verfügung stehen. Im zweiten Fall ist die Verordnung bis zu drei Monate möglich, in begründeten Ausnahmefällen um höchstens weitere drei Monate, und einleiten dürfen sie nur Ärztinnen und Ärzte mit Erfahrung in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit. [6] Allgemeines unter Psychopharmaka: Kosten und Rezept.

Abgrenzung zu verwandten Mitteln

Für den Entzug selbst nennt die Leitlinie andere Medikamente. Benzodiazepine sollen zur Behandlung des akuten Alkoholentzugssyndroms zeitlich begrenzt eingesetzt werden, Clomethiazol sollte unter stationären Bedingungen eingesetzt werden. Baclofen sollte laut Leitlinie nicht zur Behandlung des Alkoholentzugssyndroms eingesetzt werden; es ist weder für den Entzug noch für die Alkoholabhängigkeit zugelassen. Einen Überblick über die Mittel im Entzug gibt der Abschnitt Medikamente bei Alkoholabhängigkeit, mehr zur Gruppe unter Benzodiazepine. [1, 2]

Bei einer begleitenden mittelschweren bis schweren Depression sollen laut Leitlinie Antidepressiva zur Besserung der depressiven Beschwerden angeboten werden; SSRI sollen dabei nicht als alleinige Behandlung eingesetzt werden, um den Alkoholkonsum zu verringern (siehe Depression). Wer zusätzlich raucht, dem soll laut Leitlinie eine Beratung und Unterstützung zum Rauchstopp angeboten werden, mit denselben Behandlungen wie für Rauchende ohne alkoholbezogene Störung. [2] Vareniclin ist laut EMA-Produktinformation zur Raucherentwöhnung bei Erwachsenen zugelassen. [8] Naltrexon ist außerdem nach einer Opioidabhängigkeit zugelassen; Mittel, die eine Opioidabhängigkeit behandeln, stehen unter Substitutionsmittel. [4]

Disulfiram: in Deutschland nicht mehr zugelassen

Disulfiram ist laut S3-Leitlinie in Deutschland für die Behandlung der Alkoholabhängigkeit nicht mehr zugelassen. Wegen der fehlenden Zulassung formuliert die Leitlinie nur eine Kann-Empfehlung, für den Fall, dass andere zugelassene Behandlungen nicht zum Erfolg geführt haben. [1, 2] Laut einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung von 2018 hat Disulfiram (Antabus) in Deutschland keine Zulassung mehr, kann aber noch aus dem Ausland importiert werden; jedoch stellt die Verordnung nach dem Bericht einen Off-Label-Gebrauch dar, also einen Einsatz außerhalb der Zulassung. [7] Ob und wie eine solche Behandlung infrage kommt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen, Langfassung, aktualisierte Version 2020 (AWMF-Register-Nr. 076-001). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand aktualisierte Version 2020 (laut DGPPN-Übersicht Version 3.1, 2021); gültig bis Dezember 2025 (laut DGPPN-Übersicht bis 31.12.2025), abgelaufen. abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen, Kurzfassung, aktualisierte Version 2020 (AWMF-Register-Nr. 076-001). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand aktualisierte Version 2020; gültig bis Dezember 2025 (laut DGPPN-Übersicht bis 31.12.2025), abgelaufen. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Alkoholbezogene Störungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  4. Fachinformation Naltrexonhydrochlorid Accord 50 mg Filmtabletten. Accord Healthcare B.V.. Stand 06/2024. abgerufen am 23.10.2026
  5. EMA-Produktinformation Selincro (Nalmefen, EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). H. Lundbeck A/S (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025 (zuletzt aktualisiert 07.10.2025). abgerufen am 23.10.2026
  6. Behörde Arzneimittel-Richtlinie, Anlage III: Übersicht über Verordnungseinschränkungen und -ausschlüsse, Nummer 2 (Mittel zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand Stand der Anlage III (letzte Änderung in Kraft getreten am): 03.10.2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Alkoholentzug: Wenige Pharmaka zugelassen (Bericht zu Disulfiram, Acamprosat, Naltrexon und Nalmefen). Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 07/2018 (Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH). Stand 14.02.2018. abgerufen am 23.10.2026
  8. EMA-Produktinformation CHAMPIX (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Pfizer Europe MA EEIG. Stand 09/2025. abgerufen am 23.10.2026
  9. Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  10. Gesetz Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Einträge Naltrexon und Nalmefen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente gibt es gegen Alkoholabhängigkeit?

Für die Zeit nach dem Entzug außerhalb der stationären Rehabilitation gibt die S3-Leitlinie Empfehlungen zu vier Wirkstoffen: Acamprosat oder Naltrexon sollten im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden, Nalmefen kann angeboten werden, Disulfiram nur dann, wenn andere zugelassene Behandlungen nicht zum Erfolg geführt haben. Zugelassen sind laut Fachinformation bzw. EMA-Produktinformation Naltrexon zur Unterstützung der Abstinenz und Nalmefen zur Verringerung des Alkoholkonsums; Disulfiram ist laut Leitlinie in Deutschland für diese Indikation nicht mehr zugelassen. Für den Entzug selbst nennt die Leitlinie andere Mittel, etwa Benzodiazepine.

Was ist der Unterschied zwischen Naltrexon und Nalmefen?

Beide binden an Opioid-Rezeptoren, zugelassen sind sie für verschiedene Ziele. Naltrexon ist laut Fachinformation zur Unterstützung der Abstinenz bei entwöhnten Erwachsenen zugelassen, als zusätzliche Behandlung in einem umfassenden Therapieprogramm mit psychologischer Begleitung. Nalmefen ist laut EMA-Produktinformation zur Verringerung des Alkoholkonsums bei Erwachsenen mit hohem Risikoniveau des Trinkens zugelassen, die keine körperlichen Entzugserscheinungen haben, und wird nach Bedarf eingenommen. Welches Mittel infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es Antabus noch?

Disulfiram (Antabus) hat laut einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung von 2018 in Deutschland keine Zulassung mehr; es kann laut dem Bericht noch aus dem Ausland importiert werden, jedoch stellt die Verordnung einen Off-Label-Gebrauch dar, also einen Einsatz außerhalb der Zulassung. Auch die S3-Leitlinie schreibt, dass Disulfiram für diese Indikation in Deutschland nicht mehr zugelassen ist, und formuliert deshalb nur eine Kann-Empfehlung für den Fall, dass andere zugelassene Behandlungen nicht zum Erfolg geführt haben.

Acamprosat oder Naltrexon: Was empfiehlt die Leitlinie?

Die S3-Leitlinie nennt beide in derselben Empfehlung: In der Weiterbehandlung nach dem Entzug außerhalb der stationären Rehabilitation sollte Acamprosat oder Naltrexon im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans angeboten werden. Eine Rangfolge zwischen beiden gibt diese Seite nicht. Naltrexon ist laut Fachinformation zur Unterstützung der Abstinenz zugelassen; ob Acamprosat in Deutschland derzeit im Handel ist, ist nicht belegt.

Kann ich mit Naltrexon oder Nalmefen Alkohol trinken?

Zwischen Naltrexon und Alkohol sind laut Fachinformation zurzeit keine Wechselwirkungen bekannt, und Naltrexon löst nach Alkohol keine Unverträglichkeitsreaktion aus; zugelassen ist es zur Unterstützung der Abstinenz. Nalmefen ist zur Verringerung des Alkoholkonsums zugelassen. Laut Produktinformation verändern sich Nalmefen und Alkohol im Körper nicht in klinisch bedeutsamer Weise gegenseitig; nach der Einnahme von Nalmefen scheint aber eine leichte Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Reaktionsfähigkeit aufzutreten. Wie Sie mit Alkohol umgehen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Zahlt die Krankenkasse Medikamente gegen Alkoholabhängigkeit?

Laut Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sind Mittel zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung nur eingeschränkt verordnungsfähig: zur Unterstützung der Abstinenz im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts mit begleitenden psychosozialen und soziotherapeutischen Maßnahmen und zur Unterstützung der Verringerung des Konsums bei Menschen, die auf eine Abstinenztherapie hingeführt werden, für die aber entsprechende Behandlungsmöglichkeiten nicht zeitnah zur Verfügung stehen. Im zweiten Fall ist die Verordnung bis zu drei Monate möglich, in begründeten Ausnahmefällen um höchstens weitere drei Monate.

Braucht man für Naltrexon oder Nalmefen ein Rezept?

Ja, beide Wirkstoffe sind laut Arzneimittelverschreibungsverordnung verschreibungspflichtig. Die Behandlung mit Naltrexon muss laut Fachinformation eine Ärztin oder ein Arzt mit Erfahrung in der Behandlung opioid- und alkoholabhängiger Menschen einleiten und überwachen. Nalmefen sollte laut Produktinformation nur zusammen mit kontinuierlicher psychosozialer Unterstützung verschrieben werden.

Darf man Naltrexon oder Nalmefen zusammen mit Methadon oder Buprenorphin nehmen?

Nein. Opioidhaltige Arzneimittel dürfen laut Fachinformation nicht zusammen mit Naltrexon angewendet werden, ausdrücklich auch Methadon nicht; bei Menschen, die opioidabhängig sind, kann Naltrexon lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auslösen. Nalmefen darf laut Produktinformation nicht angewendet werden, wenn jemand Opioid-Agonisten wie Opioid-Schmerzmittel oder Mittel der Substitution nimmt, zum Beispiel Methadon oder Buprenorphin. Mehr dazu unter Substitutionsmittel.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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