WirkstoffgruppenWirkstoffgruppe
Substitutionsmittel bei Opioidabhängigkeit
Substitutionsmittel sind laut Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung ärztlich verschriebene Betäubungsmittel, die opioidabhängige Menschen im Rahmen eines Therapiekonzepts zur Behandlung ihrer Abhängigkeit erhalten. Laut S3-Leitlinie soll die Substitution, auch Opioid-Agonisten-Therapie genannt, jedem Menschen mit Störungen durch illegale Opioide angeboten werden; eingesetzt werden sollen Methadon, Buprenorphin, Buprenorphin mit Naloxon, retardiertes Morphin oder Diamorphin, und Methadon und Levomethadon können gleichermaßen erwogen werden. Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen können Levomethadon und Buprenorphin laut Produktinformation zu Dämpfung, Atemdepression und Koma führen, das kann lebensbedrohlich sein.

Substitutionsmittel sind laut Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) ärztlich verschriebene Betäubungsmittel, die bei opioidabhängigen Menschen im Rahmen eines Therapiekonzepts zur medizinischen Behandlung der Abhängigkeit angewendet werden. Im Rahmen der ärztlichen Therapie soll eine Opioidabstinenz angestrebt werden. Als wesentliche Ziele nennt die Verordnung unter anderem die Sicherstellung des Überlebens, die Besserung und Stabilisierung des Gesundheitszustands, die Abstinenz von unerlaubt erworbenen Opioiden und die Unterstützung der Behandlung von Begleiterkrankungen. [3]
Die S3-Leitlinie Opioidbezogene Störungen nennt diese Behandlung Opioid-Agonisten-Therapie (OAT). Sie soll jedem Menschen mit Störungen durch illegale, also nicht ärztlich verschriebene Opioide angeboten werden. Eingesetzt werden sollen Methadon, Buprenorphin, Buprenorphin mit Naloxon, retardiertes Morphin oder Diamorphin. Methadon und Levomethadon können laut Leitlinie gleichermaßen erwogen werden, ebenso der Ersatz des einen durch das andere, und die Auswahl des Arzneimittels sollte sich nach der Form der Anwendung richten, die die Betroffenen bevorzugen und die zugelassen ist. [1]
Im Jahr 2022 waren laut Leitlinie in Deutschland 81.200 Menschen in einer Opioid-Agonisten-Therapie. Grundlage dieser Seite ist die Leitlinie in der Version 1.0 vom 30.06.2025; laut Übersicht der DGPPN ist sie bis 06.07.2030 gültig. Die Zulassungen von Levomethadon und Buprenorphin stehen hier nach Fachinformation, Packungsbeilage und EMA-Produktinformation, die der übrigen Mittel nach Leitlinie und BtMVV. Mehr zur Erkrankung unter Opioidabhängigkeit und Substitution. [1, 2]
Die Mittel im Überblick
Zur Substitution zugelassen sind in Deutschland laut Leitlinie Methadon, Levomethadon, retardiertes Morphin, Diamorphin (mit besonderen Voraussetzungen), Buprenorphin und als Mittel zweiter Wahl in begründeten Ausnahmefällen Codein. [1]
| Wirkstoff | Form und Zulassung | Hinweise |
|---|---|---|
| Buprenorphin | Tabletten, die unter der Zunge zergehen (Sublingualtabletten, Grundlage hier: Buprenorphin-neuraxpharm), zur Behandlung der Opioidabhängigkeit im Rahmen medizinischer, sozialer und psychotherapeutischer Maßnahmen bei Erwachsenen über 18 Jahren, die einer Suchtbehandlung zugestimmt haben [7]; mit Naloxon (unter anderem enthalten in Suboxone) für Erwachsene und Jugendliche über 15 Jahren [8]; als Depot-Injektionslösung (unter anderem enthalten in Buvidal) ab 16 Jahren [9] | der Naloxon-Anteil soll einen Missbrauch über die Vene verhindern [8]; das Depot spritzt nur medizinisches Fachpersonal, eine Anwendung zu Hause ist nicht zulässig [9] |
| Codein, Dihydrocodein | laut BtMVV nur in begründeten Ausnahmefällen als Substitutionsmittel [3] | laut Leitlinie Mittel zweiter Wahl (Codein) [1] |
| Diamorphin | laut Leitlinie unter bestimmten Bedingungen zur Substitution zugelassen [1]; laut BtMVV zur Behandlung einer schweren Opioidabhängigkeit [4] | Behandlung laut BtMVV nur in Einrichtungen mit Erlaubnis der zuständigen Landesbehörde und nur durch dafür qualifizierte Ärztinnen und Ärzte [4] |
| Levomethadon | Lösung zum Einnehmen, zugelassen in der Substitutionstherapie bei Opiat- bzw. Opioidabhängigkeit bei Erwachsenen im Rahmen eines integrierten Behandlungskonzepts mit medizinischer, sozialer und psychologischer Versorgung [6] | darf laut Fachinformation nur bei opioidabhängigen Menschen durch zur Substitution ermächtigte Ärztinnen und Ärzte angewendet werden [6] |
| Methadon | laut Leitlinie zur Substitution zugelassen [1] | laut Leitlinie können Methadon und Levomethadon gleichermaßen erwogen werden [1] |
| Retardiertes Morphin | laut Leitlinie seit 2015 zur Substitution zugelassen [1] | steht laut Betäubungsmittelgesetz unter den verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln [5] |
Als Substitutionsmittel darf die Ärztin oder der Arzt laut § 5 BtMVV nur ein zur Substitution zugelassenes Arzneimittel ohne Diamorphin, eine Zubereitung von Levomethadon, Methadon oder Buprenorphin oder in begründeten Ausnahmefällen Codein oder Dihydrocodein verschreiben. Diese Mittel dürfen nicht zur Anwendung in die Vene bestimmt sein, und das Rezept wird mit dem Buchstaben "S" gekennzeichnet; für Arzneimittel mit Diamorphin gilt § 5a. [3] Levomethadon, Methadon, Buprenorphin und Morphin stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, also unter den verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln, Diamorphin nur in Zubereitungen, die zur Substitutionsbehandlung zugelassen sind. [5]
Wirkstoffe der Gruppe
Buprenorphinz. B. Buprenorphin-ratiopharm Transdermales Pflaster, Subutex, TemgesicStarke Schmerzen; Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit
Levomethadonz. B. L-Polamidon, Levomethadon-neuraxpharmSubstitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit
Methadonz. B. Methadon-neuraxpharm, Methaddict, MethaliqSubstitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit
Der Substitution dienen bei Buprenorphin laut Packungsbeilage bzw. EMA-Produktinformation die Sublingualtabletten (Grundlage hier: Buprenorphin-neuraxpharm), die Sublingualtabletten mit Naloxon (unter anderem enthalten in Suboxone) und die Depot-Injektionslösung (unter anderem enthalten in Buvidal). Welche Buprenorphin-Präparate wofür zugelassen sind, steht auf der Wirkstoffseite unter Wofür wird Buprenorphin eingesetzt? [7, 8, 9]
Levomethadon und Buprenorphin wirken beide an den Opioid-Rezeptoren. Levomethadon erzeugt laut Fachinformation als Opioid-Agonist, also als Stoff, der diese Rezeptoren anregt, morphinartige Wirkungen und unterdrückt so bei opioidabhängigen Menschen die Entzugsbeschwerden. Bei längerer Einnahme kann sich, abhängig von Dosis und Dauer der Substitution, eine Gewöhnung (Toleranz) entwickeln, die die als euphorisierend empfundene Wirkung gespritzter Opiate blockiert. Die Wirkung setzt 1 bis 2 Stunden nach der Einnahme ein und hält bei wiederholter Gabe 22 bis 48 Stunden an; die atemdämpfende Wirkung kann bis zu 75 Stunden andauern. [6]
Buprenorphin ist laut EMA-Produktinformation ein teilweiser Opioid-Agonist und Antagonist. Es bindet langsam umkehrbar an bestimmte Opioid-Rezeptoren im Gehirn (µ) und kann so das Bedürfnis nach Drogen über einen längeren Zeitraum gering halten. [8] Wird Buprenorphin früher als sechs Stunden nach einem kurz wirkenden Opioid wie Heroin oder früher als 24 Stunden nach einem lang wirkenden wie Methadon angewendet, kann es laut Packungsbeilage selbst Entzugserscheinungen auslösen. [7] Während einer Behandlung mit Levomethadon dürfen laut Fachinformation Opioid-Antagonisten und andere Mittel mit zugleich anregender und hemmender Wirkung an den Opioid-Rezeptoren wie Buprenorphin nicht angewendet werden, außer zur Behandlung einer Überdosierung. [6]
Methadon kommt laut Leitlinie in zwei spiegelbildlichen Formen vor, und international wird meist ein Gemisch beider zu gleichen Teilen verwendet. Levomethadon ist laut Fachinformation eine dieser Formen, das R-Enantiomer. [1, 6] Welches Mittel und welche Form für Sie infrage kommen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; einen Wechsel nehmen Sie nie selbst vor. Mehr zu den Wirkstoffen unter Levomethadon und Buprenorphin. [1]
Nebenwirkungen im Vergleich
Zu Beginn der Substitution treten laut Fachinformation von Levomethadon häufig Opiat-Entzugsbeschwerden auf, etwa Angst, Unruhe, Gähnen, Schwitzen und Zittern. Außerdem nennt die Fachinformation unter anderem Benommenheit, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Verstopfung, eine verlangsamte, abgeflachte Atmung (Atemdepression) und eine eingeschränkte Libido oder Potenz; die Langzeitanwendung von Opioiden kann mit erniedrigten Sexualhormonen und erhöhtem Prolaktin verbunden sein. [6] Für die Sublingualtabletten mit Buprenorphin nennt die Packungsbeilage unter anderem Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, starkes Schwitzen und Entzugserscheinungen; bei der Depotspritze kommen laut Produktinformation Reaktionen an der Einstichstelle hinzu. [7, 9]
Die Tabelle ist keine Rangliste. Was die Häufigkeitsangaben bedeuten, erklärt das Werkzeug Was heißt "häufig"?.
| Wirkstoff | Müdigkeit | Schlafstörungen | Unruhe und Nervosität | Vermehrtes Schwitzen | Übelkeit | Verstopfung | Kopfschmerzen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Buprenorphin | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig |
| Levomethadon | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Methadon | Sehr häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Nicht bekannt |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung mit Häufigkeit auf. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auftreten kann; Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Produktinformation stehen ebenfalls auf der Wirkstoffseite. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Mehr zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, vermehrtes Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen und Herz und QT-Zeit.
Wirkungseintritt und Dauer

Die Dosis von Levomethadon richtet sich laut Fachinformation nach den Entzugsbeschwerden und wird für jede Person einzeln eingestellt; danach ist die niedrigstmögliche Erhaltungsdosis anzustreben. Wie lange behandelt wird, richtet sich im Rahmen des Gesamtkonzepts nach dem Erfolg der Substitution und den persönlichen Bedürfnissen, von einer kurzen Anwendung, etwa während eines Klinikaufenthalts, bis zur Langzeitbehandlung; Ziel ist die Abstinenz von Drogen. [6] Die Leitlinie zitiert die Richtlinie der Bundesärztekammer, nach der die Opioidabhängigkeit in der Regel einer lebenslangen Behandlung bedarf. [1]
Alle Menschen in einer Substitution sollen laut Leitlinie in einem strukturierten Prozess eine individuelle, bedarfsgerechte psychosoziale Betreuung erhalten. Besonders zu Beginn sollte eine Einnahme des Mittels unter Sicht angeboten werden, damit mehr Menschen in Behandlung bleiben. Sinkt der Konsum illegaler Opioide oder anderer illegaler Stoffe nicht ausreichend, sollte laut Leitlinie geprüft werden, ob die Dosis angepasst oder das Mittel gewechselt wird. [1] Ändern Sie nichts selbst; Dosis und Mittel legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen fest. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.
Verschreibung und Abgabe nach der BtMVV
Substitutionsmittel verschreibt laut § 5 BtMVV eine Ärztin oder ein Arzt, die oder der die Mindestanforderungen der Ärztekammern an eine suchtmedizinische Qualifikation erfüllt. Ohne diese Qualifikation muss sie oder er sich zu Beginn der Behandlung mit einer suchtmedizinisch qualifizierten Ärztin oder einem solchen Arzt abstimmen, sicherstellen, dass sich die Patientin oder der Patient zu Beginn und mindestens einmal im Quartal dort vorstellt, und darf höchstens zehn Menschen gleichzeitig behandeln. [3]
Grundsätzlich wird das Substitutionsmittel zum unmittelbaren Verbrauch überlassen, verabreicht oder angewendet, etwa in der Praxis, in einer Apotheke, in einem Krankenhaus oder bei einem Hausbesuch, jeweils durch Personen, die die Verordnung dafür vorsieht. Abweichend davon darf die Ärztin oder der Arzt es nach den Feststellungen der Bundesärztekammer zur eigenverantwortlichen Einnahme verschreiben, für bis zu sieben aufeinanderfolgende Tage, in begründeten Einzelfällen für bis zu 30 Tage. Die fachlichen Einzelheiten legt die Bundesärztekammer in einer Richtlinie fest. [3] Diamorphin dürfen laut § 5a BtMVV nur suchtmedizinisch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte verschreiben, deren Qualifikation sich auf die Behandlung mit Diamorphin erstreckt oder die mindestens sechs Monate im Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung tätig waren; die Behandlung darf nur in Einrichtungen stattfinden, denen die zuständige Landesbehörde eine Erlaubnis erteilt hat. [4] Was auf Reisen gilt, steht unter Reisen mit Psychopharmaka und Betäubungsmitteln.
Absetzen
Ob ein Entzug angezeigt ist, ob vom Substitutionsmittel oder von illegalen Opioiden, ist laut Leitlinie im Einzelfall kritisch zu prüfen. Versuche, die Dosis zu verringern, können mit einem erhöhten Risiko für Rückfälle und lebensbedrohliche Folgen verbunden sein, und in vielen Fällen ist es laut Leitlinie vorzuziehen, die Substitution fortzuführen. Ist ein Entzug angezeigt, soll er langsam ausschleichend erfolgen. [1]
Bei abruptem Absetzen von Levomethadon sind laut Fachinformation schwere, zum Teil lebensbedrohliche Entzugsbeschwerden zu erwarten. [6] Die Behandlung mit Buprenorphin dürfen Sie laut Packungsbeilage ohne Zustimmung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes auf keine Weise ändern oder abbrechen; ein plötzlicher Abbruch kann Entzugserscheinungen auslösen. [7] Zu Beginn, bei einem Abbruch und nach einem vollständigen oder teilweisen Entzug sollen Betroffene laut Leitlinie erfahren, dass die Gewöhnung an die entzogene Substanz vermindert ist; ein Rückfall kann dann, abhängig von der Dosis, lebensbedrohlich sein. [1]
Absetzen und Wechsel geschehen immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Psychopharmaka absetzen und Absetzsymptome. [1]
Worauf Sie achten sollten
Suizidversuche mit Opiaten gehören laut Fachinformation von Levomethadon zum Krankheitsbild einer Substanzabhängigkeit. Zeigen Betroffene trotz angemessener Behandlung unkontrollierten Drogenkonsum und anhaltend selbstgefährdendes Verhalten, sollten eine individuelle Einschätzung und eine Behandlungsplanung in Betracht gezogen werden, die eine stationäre Versorgung einschließt. [6] Haben Sie Gedanken, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder wenden Sie sich sofort an eines der folgenden Hilfsangebote.
Beruhigungsmittel, Alkohol und andere Medikamente
Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen kann Levomethadon laut Fachinformation zu Dämpfung (Sedierung), Atemdepression und Koma führen; das kann lebensbedrohlich sein. Die gleichzeitige Verschreibung ist nur angebracht, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt, und es wird dringend empfohlen, Behandelte und ihre Bezugspersonen über die Anzeichen zu informieren. Alkohol soll während der Behandlung vermieden werden. [6] Bei Buprenorphin erhöhen Benzodiazepine und andere zentral dämpfende Mittel laut Packungsbeilage das Risiko für Schläfrigkeit, Atemdepression und Koma, und Alkohol kann das Risiko eines Atemstillstands erhöhen. [7] Menschen mit opioidbezogenen Störungen und einer Angsterkrankung sollen laut Leitlinie keine Benzodiazepine erhalten; in Ausnahmefällen können sie nach sorgfältiger Abwägung zeitlich befristet angewendet werden. [1]
Naltrexon und Nalmefen dürfen laut Packungsbeilage nicht zusammen mit Buprenorphin angewendet werden; sie können plötzlich lang anhaltende und starke Entzugserscheinungen auslösen. [7] Auch die Fachinformation von Naltrexon schließt die Kombination mit Methadon aus. [14] Zusammen mit Antidepressiva kann Buprenorphin ein Serotonin-Syndrom auslösen, eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, und während und bis zwei Wochen nach einer Behandlung mit MAO-Hemmern darf Levomethadon nicht angewendet werden. [6, 7] Was beim Kombinieren gilt, erklärt Psychopharmaka kombinieren.
Herz und Kontrollen
Unter Opioid-Agonisten wie Levomethadon muss laut Fachinformation mit einer Verlängerung der QT-Zeit im EKG und folglich mit einer bestimmten Herzrhythmusstörung (Torsade de pointes) gerechnet werden. Vor Therapiebeginn und nach zwei Behandlungswochen ist ein EKG abzuleiten, vor einer Dosiserhöhung und mindestens einmal im Jahr wird es angeraten. Regelmäßige Harnkontrollen sind durchzuführen, um zusätzlichen Drogenkonsum festzustellen. [6] Bei bestimmten Herzrisiken unter Buprenorphin sollte die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage regelmäßig ein EKG erstellen, und mit Blutuntersuchungen kann sie oder er den Zustand der Leber überwachen. [7] Mehr unter Herz und QT-Zeit und Kontrollen während der Behandlung.
Sicher aufbewahren und im Notfall handeln
Für Menschen, die nicht an Opiate gewöhnt sind, ist die Einnahme von Levomethadon laut Fachinformation lebensgefährlich; es muss sicher und vor allem außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. [6] Buprenorphin sollte laut Packungsbeilage diebstahlsicher aufbewahrt und nicht an andere weitergegeben werden; bei Menschen mit niedriger Verträglichkeitsschwelle, vor allem bei Kindern, können schon niedrigere als in der Substitution übliche Mengen zu bedrohlichen Vergiftungen führen. [7] Bei Verdacht auf eine Überdosierung rufen Sie sofort den Notruf 112.
Take-home-Naloxon soll laut Leitlinie opioidabhängigen Menschen zur Verfügung gestellt werden. [1] Naloxon ist ein Gegenspieler der Opioide; als Nasenspray ist es laut EMA-Produktinformation für die sofortige Notfallbehandlung bei bekannter oder vermuteter Opioidüberdosierung mit Atemdepression oder Dämpfung des Zentralnervensystems bestimmt, bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 14 Jahren, und ersetzt nicht die Behandlung durch einen Notarzt. [15]
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangere, Gebärende und Stillende mit opioidbezogenen Störungen sollen laut Leitlinie ausführlich über Risiken, Nebenwirkungen und Nutzen einer Substitution und einer abstinenzorientierten Behandlung aufgeklärt werden und gemeinsam mit der behandelnden Person eine Behandlungsstrategie festlegen. [1] Embryotox gibt den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft für Levomethadon als hoch und für Buprenorphin als mittel an. Eine Substitution sollte laut Embryotox idealerweise schon vor der Schwangerschaft begonnen werden, ist aber zu jedem späteren Zeitpunkt möglich; ein akuter Opiatentzug ist zu vermeiden. Entbunden werden muss laut Embryotox in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Levomethadon) bzw. in einem perinatologischen Zentrum (Buprenorphin bis zur Geburt). [10, 11] In der Schwangerschaft darf Levomethadon laut Fachinformation nur bei strenger Indikationsstellung und unter angemessener Überwachung angewendet werden. [6]
Zum Stillen äußern sich die Quellen unterschiedlich. Die Packungsbeilage der Buprenorphin-Sublingualtabletten von neuraxpharm sagt: "Stillen Sie nicht während der Behandlung mit diesem Arzneimittel, da Buprenorphin in die Muttermilch übergeht." Bei Levomethadon sollte laut Fachinformation vor der Entscheidung, ob das Stillen empfohlen werden kann, der Rat einer klinischen Spezialistin oder eines klinischen Spezialisten eingeholt werden. [6, 7] Laut Embryotox liegen zu Buprenorphin Erfahrungen zu mehr als 40 Mutter-Kind-Paaren vor, überwiegend aus der Substitution; Frauen, die schon in der Schwangerschaft Buprenorphin oder Levomethadon erhalten haben und stabil sind, können laut Embryotox im Rahmen eines Gesamtbetreuungskonzepts unter bestimmten Voraussetzungen stillen. [10, 11] Besprechen Sie das Stillen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr unter Schwangerschaft und Kinderwunsch und Stillzeit.
Autofahren
Levomethadon kann laut Fachinformation auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist, verstärkt zusammen mit Alkohol; die Entscheidung über die Fahrtüchtigkeit trifft im Einzelfall die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. [6] Mit Buprenorphin-Sublingualtabletten sollten Sie laut Packungsbeilage kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen, solange Sie nicht auf eine gleichbleibende Dosis eingestellt sind; danach sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt darüber befinden. [7] Die Produktinformationen sprechen dabei von der Fahrtüchtigkeit; zur Fahrerlaubnis machen sie keine Angabe. Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen; das gilt auch bei Fahrlässigkeit. [12] Die Ausnahme für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel in § 24a Abs. 4 StVG bezieht sich nur auf bestimmte Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG. [13] Mehr dazu unter Psychopharmaka und Autofahren.
Abgrenzung zu verwandten Mitteln
Naltrexon ist ein Gegenspieler der Opioide (Opioidantagonist) und gehört nicht zu den Substitutionsmitteln. Laut Fachinformation ist es zur Unterstützung der Abstinenz bei entwöhnten Menschen zugelassen, die opioid- bzw. alkoholabhängig waren, und bei Menschen, die opioidabhängig sind, kann es lebensbedrohliche Entzugserscheinungen auslösen. [14] Laut Leitlinie kann Menschen, die wegen einer Opioidabhängigkeit behandelt wurden, zur Unterstützung einer zuvor erreichten Abstinenz Naltrexon im Rahmen eines suchtmedizinischen Behandlungskonzepts angeboten werden. [1] Mittel nach einer Alkoholabhängigkeit stehen unter Medikamente bei Alkoholabhängigkeit.
Opioide aus der Schmerzbehandlung und eine Abhängigkeit von ihnen behandelt die Seite Medikamentenabhängigkeit; die S3-Leitlinie Opioidbezogene Störungen gilt für Erwachsene mit Störungen durch illegale Opioide. [1] Welche Psychopharmaka abhängig machen können, erklärt Machen Psychopharmaka abhängig?.
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Opioidbezogene Störungen, Langfassung, Version 1.0 (AWMF-Register-Nr. 076-012). Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) und Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Stand Version 1.0, 30.06.2025, gültig bis 06.07.2030. abgerufen am 23.10.2026
- Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Opioidbezogene Störungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 5 Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV): Substitution, Verschreiben von Substitutionsmitteln. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 5a Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV): Verschreiben von Substitutionsmitteln mit dem Stoff Diamorphin. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Levomethadon-neuraxpharm 5 mg/ml Lösung zum Einnehmen. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 23.10.2026
- Gebrauchsinformation Buprenorphin-neuraxpharm 0,4 mg, 2 mg und 8 mg Sublingualtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH (Pharmazeutischer Unternehmer). Stand 08/2024. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Suboxone (Buprenorphin/Naloxon, EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Indivior Europe Limited (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026 (zuletzt aktualisiert 25.09.2026). abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Buvidal (Buprenorphin, EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Camurus AB (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2025 (zuletzt aktualisiert 21.03.2025). abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Buprenorphin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Embryotox: Levomethadon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 316 Strafgesetzbuch (StGB): Trunkenheit im Verkehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Gesetz § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG): 0,5 Promille-Grenze, Tetrahydrocannabinol-Grenzwert. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
- Fachinformation Naltrexonhydrochlorid Accord 50 mg Filmtabletten. Accord Healthcare B.V.. Stand 06/2024. abgerufen am 23.10.2026
- EMA-Produktinformation Nyxoid (Naloxon, Nasenspray, EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Mundipharma Corporation (Ireland) Limited (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 06/2025 (zuletzt aktualisiert 12.06.2025). abgerufen am 23.10.2026
Häufige Fragen
Welche Substitutionsmittel gibt es?
Zur Substitution sollen laut S3-Leitlinie Methadon, Buprenorphin, Buprenorphin mit Naloxon, retardiertes Morphin oder Diamorphin eingesetzt werden; Methadon und Levomethadon können gleichermaßen erwogen werden. Die Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung nennt zur Substitution zugelassene Arzneimittel ohne Diamorphin, Zubereitungen von Levomethadon, Methadon oder Buprenorphin und in begründeten Ausnahmefällen Codein oder Dihydrocodein; für Diamorphin gelten eigene Regeln. Die Auswahl des Mittels sollte sich laut Leitlinie nach der Form der Anwendung richten, die Sie bevorzugen und die zugelassen ist.
Was ist der Unterschied zwischen Methadon und Levomethadon?
Methadon kommt laut S3-Leitlinie in zwei spiegelbildlichen Formen vor; international wird meist ein Gemisch beider zu gleichen Teilen verwendet. Levomethadon ist laut Fachinformation eine dieser Formen, das R-Enantiomer. In der Substitution können laut Leitlinie Methadon und Levomethadon gleichermaßen erwogen werden, ebenso der Ersatz des einen durch das andere. Ein Wechsel geschieht nur ärztlich; ändern Sie nichts selbst.
Was ist der Unterschied zwischen Buprenorphin mit und ohne Naloxon?
Beide sind Tabletten, die unter der Zunge zergehen, und zur Substitution zugelassen: ohne Naloxon unter anderem als Subutex, mit Naloxon unter anderem als Suboxone. Der Naloxon-Anteil soll laut EMA-Produktinformation einen Missbrauch über die Vene verhindern. Unter der Zunge hat Naloxon in den üblichen Dosen laut Produktinformation eine geringe oder keine Wirkung. Die Kombination ist laut Produktinformation für Erwachsene und Jugendliche über 15 Jahren zugelassen, die Sublingualtabletten ohne Naloxon von neuraxpharm laut Packungsbeilage für Erwachsene über 18 Jahren.
Was ist die Depotspritze mit Buprenorphin?
Buprenorphin gibt es auch als Depot-Injektionslösung, unter anderem als Buvidal. Sie ist laut EMA-Produktinformation zur Behandlung der Opioidabhängigkeit bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren zugelassen, im Rahmen medizinischer, sozialer und psychotherapeutischer Maßnahmen. Gespritzt wird sie nur von medizinischem Fachpersonal; eine Anwendung zu Hause oder eine Selbstinjektion ist nicht zulässig.
Wer darf Substitutionsmittel verschreiben?
Nach § 5 der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung verschreibt eine Ärztin oder ein Arzt Substitutionsmittel, wenn sie oder er die Mindestanforderungen der Ärztekammern an eine suchtmedizinische Qualifikation erfüllt. Ohne diese Qualifikation muss sie oder er sich zu Beginn mit einer suchtmedizinisch qualifizierten Ärztin oder einem solchen Arzt abstimmen und darf höchstens zehn Menschen gleichzeitig substituieren. Das Rezept wird mit dem Buchstaben "S" gekennzeichnet.
Kann ich das Substitutionsmittel mit nach Hause bekommen?
In der Regel wird das Substitutionsmittel laut BtMVV zum unmittelbaren Verbrauch überlassen, etwa in der Praxis oder in einer Apotheke. Abweichend davon kann die Ärztin oder der Arzt es nach den Feststellungen der Bundesärztekammer zur eigenverantwortlichen Einnahme verschreiben, für bis zu sieben aufeinanderfolgende Tage, in begründeten Einzelfällen für bis zu 30 Tage. Ob das für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Praxis.
Kann man eine Substitution beenden?
Ob ein Entzug vom Substitutionsmittel angezeigt ist, ist laut S3-Leitlinie im Einzelfall kritisch zu prüfen; in vielen Fällen ist es laut Leitlinie vorzuziehen, die Substitution fortzuführen. Ist ein Entzug angezeigt, soll er langsam ausschleichend erfolgen. Ein plötzlicher Abbruch kann laut Packungsbeilage bzw. Fachinformation Entzugserscheinungen auslösen, bei Levomethadon schwere, zum Teil lebensbedrohliche. Ändern oder beenden Sie eine Substitution nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann ich mit einer Substitution Auto fahren?
Levomethadon kann laut Fachinformation auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigt ist; die Entscheidung über die Fahrtüchtigkeit trifft im Einzelfall die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Mit Buprenorphin-Sublingualtabletten sollten Sie laut Packungsbeilage kein Fahrzeug führen, solange Sie nicht auf eine gleichbleibende Dosis eingestellt sind. Nach § 316 StGB macht sich strafbar, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er wegen alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, es sicher zu führen. Was rechtlich gilt, steht auf der Seite Autofahren.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
Wirkstoffgruppen Pflanzliche MittelJohanniskraut, Baldrian, Lavendelöl und Ginkgo sind pflanzliche Arzneimittel.
-
Wirkstoffgruppen Weitere PsychopharmakaMittel bei Demenz und Abhängigkeit, pflanzliche Präparate und Wirkstoffe ohne eigene Gruppe.
-
Wirkstoffgruppen WirkstoffgruppenAntidepressiva, Antipsychotika, Beruhigungsmittel, Stimmungsstabilisierer und ADHS-Medikamente: was Wirkstoffe einer Gruppe …
-
Erkrankungen PanikstörungBei einer Panikstörung kommen Angstanfälle plötzlich und wiederholt, oft mit Agoraphobie.