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Pregabalin oder Gabapentin: die Unterschiede

Pregabalin und Gabapentin binden beide an eine Untereinheit bestimmter Calciumkanäle im Nervensystem und werden unverändert über die Nieren ausgeschieden, Pregabalin hauptsächlich und Gabapentin ausschließlich auf diesem Weg. Unterschiede beschreiben die Fachinformationen unter anderem bei den Anwendungsgebieten, beim Mindestalter, bei der Aufnahme ins Blut und in der Schwangerschaft; beide können abhängig machen. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Mann in den Fünfzigern mit grauem Zopf liegt auf einer Liege, eine Physiotherapeutin behandelt behutsam seine Schulter
Bild: KI-generiert

Was Pregabalin und Gabapentin gemeinsam haben

Pregabalin und Gabapentin binden laut ihren Fachinformationen an die Alpha-2-Delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle im zentralen Nervensystem. Beide Fachinformationen ordnen sie den Schmerzmitteln (Analgetika) zu, die von Gabapentin ausdrücklich der Untergruppe der Gabapentinoide. Pregabalin ist laut seiner Fachinformation ein Abkömmling (Analogon) der Gamma-Aminobuttersäure. Die S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen beschreibt Pregabalin als eine Substanz, die dem Mittel gegen Krampfanfälle (Antikonvulsivum) Gabapentin ähnlich ist. [1, 2, 3]

Beide sind verschreibungspflichtig und binden nicht an Eiweiße im Blut. Pregabalin wird laut Fachinformation praktisch nicht verstoffwechselt und hauptsächlich unverändert über die Nieren ausgeschieden; für Gabapentin gibt es keinen Hinweis auf eine Verstoffwechselung, es wird ausschließlich unverändert über die Nieren ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion passt die Ärztin oder der Arzt laut beiden Fachinformationen die Dosis an; bei älteren Menschen kann das wegen der mit dem Alter abnehmenden Nierenfunktion nötig sein. Eine routinemäßige Kontrolle der Spiegel im Blut ist laut beiden Fachinformationen nicht notwendig. [1, 2]

Pregabalin und Gabapentin im Überblick

Pregabalin und Gabapentin laut den Fachinformationen
PregabalinGabapentin
Einordnung laut FachinformationSchmerzmittel (Analgetika); Abkömmling der Gamma-Aminobuttersäure [1]Schmerzmittel (Analgetika), Untergruppe Gabapentinoide [2]
Zugelassen bei Erwachsenenperiphere und zentrale neuropathische Schmerzen; partielle epileptische Anfälle als Zusatzbehandlung; generalisierte Angststörung [1]periphere neuropathische Schmerzen wie schmerzhafte diabetische Neuropathie und postherpetische Neuralgie; partielle epileptische Anfälle als Zusatzbehandlung und als alleinige Behandlung [2]
Kinder und Jugendlichenicht zugelassen; Sicherheit und Wirksamkeit unter 18 Jahren nicht nachgewiesen [1]partielle Anfälle: als Zusatzbehandlung ab 6 Jahren, als alleinige Behandlung ab 12 Jahren [2]
Wirkprinzipbindet an die Alpha-2-Delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle [1]bindet an die Alpha-2-Delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle [2]
Aufnahme ins Bluthöchste Konzentration innerhalb von 1 Stunde (nüchtern); der aufgenommene Anteil hängt nicht von der Dosis ab [1]höchste Konzentration innerhalb von 2 bis 3 Stunden; der aufgenommene Anteil nimmt mit steigender Dosis tendenziell ab [2]
Halbwertszeitim Mittel 6,3 Stunden [1]durchschnittlich 5 bis 7 Stunden, unabhängig von der Dosis [2]
Ausscheidunghauptsächlich unverändert über die Nieren [1]ausschließlich unverändert über die Nieren [2]
Einnahmemit oder ohne Nahrung [1]mit oder ohne Nahrung, unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit [2]
Wirkstoffspiegel und andere MittelWechselwirkungen über die Spiegel laut Fachinformation unwahrscheinlich [1]Morphin kann den Gabapentin-Spiegel erhöhen; aluminium- und magnesiumhaltige Antazida können die Aufnahme verringern [2]
Opioide und andere dämpfende MittelVorsicht; Atemschwäche und Koma berichtet [1]sorgfältige Beobachtung auf Dämpfung und Atemdepression; Atemdepression und Sedierung berichtet [2]
Abhängigkeitmöglich, auch bei üblichen Dosen; Häufigkeit nicht bekannt [1]möglich, auch bei üblichen Dosen; Häufigkeit nicht bekannt [2]
Schwangerschaft laut Fachinformationnicht anwenden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich; im ersten Drittel schwere Fehlbildungen möglich; wirksame Verhütung nötig [1]bei klinischer Notwendigkeit im ersten Drittel anwendbar; Entzugssyndrom beim Neugeborenen berichtet [2]
Stillzeit laut FachinformationEntscheidung, ob das Stillen oder die Behandlung unterbrochen wird [1]nur, wenn der Nutzen eindeutig größer ist als die Risiken [2]
Verkehrstüchtigkeitgeringer oder mäßiger Einfluss [1]geringer oder mäßiger Einfluss [2]
Absetzenschrittweise über mindestens 1 Woche [1]schrittweise über mindestens 1 Woche [2]
Abgabeverschreibungspflichtig [1]verschreibungspflichtig [2]

Wofür die beiden zugelassen sind

Bei Erwachsenen sind Pregabalin und Gabapentin als Zusatzbehandlung bei Epilepsie mit partiellen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung zugelassen. Gabapentin darf dabei laut Fachinformation ab 12 Jahren auch allein gegeben werden und als Zusatzbehandlung schon bei Kindern ab 6 Jahren. Pregabalin ist in allen Anwendungsgebieten nur für Erwachsene zugelassen; bei Kindern und Jugendlichen wurden Sicherheit und Wirksamkeit nicht nachgewiesen. [1, 2]

Beide sind außerdem zur Behandlung neuropathischer Schmerzen zugelassen, also von lang anhaltenden Schmerzen, die durch Schädigungen der Nerven ausgelöst wurden. Die Zulassung von Pregabalin umfasst periphere und zentrale neuropathische Schmerzen, die von Gabapentin periphere, etwa bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie und postherpetischer Neuralgie. Periphere neuropathische Schmerzen können laut Packungsbeilage von Pregabalin zum Beispiel durch Diabetes oder Gürtelrose verursacht werden. [1, 2, 5]

Für die generalisierte Angststörung ist nur Pregabalin zugelassen, ebenfalls nur bei Erwachsenen; die Notwendigkeit der Behandlung sollte laut Fachinformation regelmäßig überprüft werden. Gabapentin ist laut seiner Fachinformation nur bei Epilepsie und bei peripheren neuropathischen Schmerzen zugelassen. Die S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (Version 2, Stand 6. April 2021) empfiehlt, Menschen mit einer generalisierten Angststörung Pregabalin anzubieten (Empfehlungsgrad B, "sollte"). Die Leitlinienübersicht der DGPPN führt diese Leitlinie mit dem Vermerk "Gültig bis: 05.04.2026"; die Gültigkeit ist abgelaufen. Mehr zum Thema unter Angststörungen. [1, 2, 3, 4]

Nebenwirkungen im Vergleich

Am häufigsten berichtet wurden unter Pregabalin laut Fachinformation Benommenheit und Schläfrigkeit; der Schweregrad der Nebenwirkungen war in der Regel leicht bis mäßig. Unter Gabapentin sind Schläfrigkeit und Schwindelgefühl ebenfalls sehr häufig, außerdem unter anderem Ermüdung. [1, 2]

Ausgewählte Nebenwirkungen von Pregabalin und Gabapentin mit Häufigkeitsangabe der Fachinformationen
BeschwerdePregabalinGabapentin
Schläfrigkeitsehr häufig [1]sehr häufig [2]
Benommenheit, SchwindelgefühlBenommenheit: sehr häufig [1]Schwindelgefühl: sehr häufig [2]
Kopfschmerzensehr häufig [1]häufig [2]
Koordinationsstörungenhäufig [1]häufig [2]
MüdigkeitAbgeschlagenheit: häufig [1]Ermüdung: sehr häufig [2]
Zitternhäufig [1]häufig [2]
Verwirrtheithäufig [1]häufig [2]
Depressiongelegentlich [1]häufig [2]
Doppeltsehenhäufig [1]häufig [2]
Gewichtszunahmehäufig [1]häufig [2]
Gesteigerter Appetithäufig [1]häufig [2]
Ödeme an Armen und Beinenhäufig [1]häufig [2]
Erektionsstörungenhäufig [1]häufig [2]
Suizidgedankenselten [1]nicht bekannt [2]
Flache Atmung (Atemdepression)nicht bekannt [1]selten [2]
Arzneimittelabhängigkeitnicht bekannt [1]nicht bekannt [2]

Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen; häufig: bis zu 1 von 10; gelegentlich: bis zu 1 von 100; selten: bis zu 1 von 1.000; nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Die Häufigkeiten stammen aus unterschiedlichen Studienprogrammen. Die Fachinformation von Pregabalin listet die Nebenwirkungen, die in den Studien häufiger als unter Placebo und bei mehr als einer Person auftraten; die von Gabapentin ordnet eine Nebenwirkung, die in verschiedenen Studien unterschiedlich häufig erfasst wurde, nach ihrem häufigsten Auftreten ein. Aus einer anderen Häufigkeitsklasse lässt sich nicht ablesen, dass ein Mittel eine Beschwerde seltener auslöst, und "nicht bekannt" bedeutet nicht "selten". Mehr zu einzelnen Beschwerden: Müdigkeit, Gewichtszunahme und sexuelle Probleme; was die Angaben bedeuten, zeigt der Häufigkeits-Übersetzer. [1, 2]

Missbrauch und Abhängigkeit

Frau Ende vierzig mit rotbraunen Locken sitzt im Wohnzimmer auf dem Sofa und nimmt ein warmes Fußbad
Bild: KI-generiert

Beide Fachinformationen warnen in fast gleichen Worten: Pregabalin und Gabapentin können eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, die auch bei Dosen auftreten kann, wie sie in der Behandlung verwendet werden, und bei beiden wurde über Missbrauch und nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch berichtet. Vor der Verschreibung sollte das Risiko dafür sorgfältig geprüft werden. Während der Behandlung sollte auf Anzeichen wie nachlassende Wirkung (Toleranz), Dosissteigerung und das Bemühen, an das Mittel zu kommen, geachtet werden. [1, 2]

Bei Drogenmissbrauch (Pregabalin) bzw. Substanzmissbrauch (Gabapentin) in der Vorgeschichte kann laut Fachinformation das Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit erhöht sein; beide Mittel sollten dann mit Vorsicht angewendet werden. Die S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen von 2021, deren Gültigkeit abgelaufen ist, schreibt zu Pregabalin: Bei Menschen mit einer Suchterkrankung in der Vorgeschichte, insbesondere bei Hinweisen auf einen Missbrauch von Opioid-Schmerzmitteln oder auf eine Mehrfachabhängigkeit (Polytoxikomanie), darf Pregabalin nicht angewendet werden. [1, 2, 3, 4]

Nach dem Ende einer Behandlung wurden bei beiden Entzugssymptome beobachtet. Laut beiden Fachinformationen können sie auf eine Arzneimittelabhängigkeit hinweisen, und Behandelte sollten schon zu Beginn der Behandlung darüber informiert werden. Wenn Sie befürchten, abhängig zu werden, sollten Sie laut Packungsbeilage von Pregabalin unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen. Mehr unter Machen Psychopharmaka abhängig? und Medikamentenabhängigkeit. [1, 2, 5]

Worauf Sie bei beiden achten sollten

Über Suizidgedanken und suizidales Verhalten wurde laut beiden Fachinformationen bei Menschen berichtet, die in verschiedenen Anwendungsgebieten mit Mitteln gegen Epilepsie (Antiepileptika) behandelt wurden; eine gemeinsame Auswertung (Metaanalyse) placebokontrollierter Studien mit diesen Mitteln zeigte ein leicht erhöhtes Risiko. Auch unter Pregabalin und unter Gabapentin wurden nach der Markteinführung solche Fälle beobachtet. Die Fachinformation von Pregabalin nennt außerdem eine Studie, die bei denselben Menschen Zeiträume mit und ohne Behandlung verglich; sie gab Hinweise auf ein erhöhtes Risiko, dass suizidales Verhalten erneut auftritt. [1, 2]

Behandelten und ihren Betreuungspersonen sollte laut beiden Fachinformationen geraten werden, medizinische Hilfe zu holen, wenn Anzeichen für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten; dann sollte erwogen werden, die Behandlung zu beenden. Haben Sie solche Gedanken, holen Sie sich Hilfe, etwa bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder bei einer der Stellen im folgenden Kasten. [1, 2]

Beide Fachinformationen warnen vor schweren Hautreaktionen, unter anderem dem Stevens-Johnson-Syndrom und der toxischen epidermalen Nekrolyse, die lebensbedrohlich sein können; bei Gabapentin nennt die Fachinformation außerdem ein Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS). Treten Anzeichen auf, sollte die Behandlung unverzüglich beendet werden. Bei Schwellungen im Gesicht, im Mund oder an den oberen Atemwegen (Angioödem) muss Pregabalin laut Fachinformation sofort abgesetzt werden. Bei Anzeichen einer Anaphylaxie wie Schwierigkeiten beim Atmen, Schwellungen von Lippen, Rachen und Zunge oder niedrigem Blutdruck sollten Behandelte Gabapentin laut Fachinformation sofort absetzen und unverzüglich ärztliche Hilfe holen. [1, 2]

Über eine schwere Atemdepression, also eine flache Atmung, wurde unter beiden berichtet. Ein höheres Risiko dafür nennen beide Fachinformationen bei beeinträchtigter Atemfunktion, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen, eingeschränkter Nierenfunktion und bei älteren Menschen; die von Pregabalin außerdem bei gleichzeitiger Einnahme von Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, die von Gabapentin bei gleichzeitiger Einnahme zentral wirkender Antidepressiva. [1, 2, 5]

Zusammen mit Opioiden und anderen Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, ist laut beiden Fachinformationen Vorsicht geboten. Nach der Markteinführung wurden in solchen Kombinationen bei Pregabalin unter anderem Atemschwäche und Koma berichtet, bei Gabapentin Atemdepression und Sedierung; solche Verläufe können lebensbedrohlich sein. Morphin kann laut Fachinformation den Gabapentin-Spiegel erhöhen. Bei Pregabalin zusammen mit Mitteln, die wie Opioid-Schmerzmittel Verstopfung verursachen können, wurden Fälle verringerter Darmtätigkeit berichtet, etwa Verstopfung oder Darmverschluss; bei einer Kombination mit Opioiden empfiehlt die Fachinformation, Maßnahmen gegen Verstopfung zu erwägen. Mehr unter Psychopharmaka kombinieren. [1, 2]

Absetzen und Entzugssymptome

Beide Fachinformationen empfehlen, die Behandlung unabhängig vom Anwendungsgebiet schrittweise über mindestens 1 Woche zu beenden. Setzen Sie keines der Mittel von sich aus ab; wann und wie, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Krampfanfälle nennen beide Fachinformationen im Zusammenhang mit dem Absetzen: Unter Pregabalin können sie während der Anwendung oder kurz nach dem Absetzen auftreten, und bei Menschen mit Epilepsie kann das abrupte Absetzen von Mitteln gegen Krampfanfälle laut Fachinformation von Gabapentin einen Status epilepticus auslösen. [1, 2]

Als Entzugssymptome nach dem Absetzen einer Kurz- oder Langzeitbehandlung nennt die Fachinformation von Pregabalin Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst, Durchfall, Grippesymptome, Nervosität, Depressionen, Suizidgedanken, Schmerzen, Krampfanfälle, starkes Schwitzen und Benommenheit; nach längerer Behandlung können Auftreten und Schweregrad laut den Daten von der Dosis abhängen. Bei Gabapentin gehören laut Fachinformation Angst, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Schmerzen, Schwitzen, Zittern, Kopfschmerzen, Depression, Krankheitsgefühl, Schwindel und Unwohlsein zu den am häufigsten berichteten Entzugssymptomen. Sie wurden nach dem Absetzen oder einer Verringerung der Dosis beobachtet und können kurz danach auftreten, in der Regel innerhalb von 48 Stunden. [1, 2]

Haben Sie Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, setzen Sie sich laut Packungsbeilage von Pregabalin sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung; in einer akuten Krise erreichen Sie Hilfe unter diesen Nummern. [5]

Allgemeines zum Beenden einer Behandlung erklärt die Seite Psychopharmaka absetzen, mögliche Beschwerden beschreibt die Seite Absetzsymptome.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Anwendung von Pregabalin im ersten Schwangerschaftsdrittel kann laut Fachinformation zu schweren Fehlbildungen beim ungeborenen Kind führen. In einer nordeuropäischen Beobachtungsstudie mit mehr als 2.700 Schwangerschaften, in denen Pregabalin im ersten Drittel angewendet wurde, kamen schwere angeborene Fehlbildungen häufiger vor als ohne Pregabalin. Pregabalin darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich, und Frauen, die schwanger werden können, müssen während der Behandlung wirksam verhüten. [1]

Für Gabapentin beschreibt die Fachinformation eine skandinavische Beobachtungsstudie mit mehr als 1.700 Schwangeren, die Gabapentin im ersten Drittel angewendet hatten. Im Vergleich zu Kindern ohne Gabapentin zeigte sich kein erhöhtes Risiko für schwere angeborene Fehlbildungen und auch keines für Störungen der neurologischen Entwicklung; es gab begrenzte Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburten. Gabapentin kann laut Fachinformation bei klinischer Notwendigkeit im ersten Schwangerschaftsdrittel angewendet werden. Bei Neugeborenen, die im Mutterleib Gabapentin ausgesetzt waren, wurde über ein Entzugssyndrom berichtet; zusammen mit Opioiden kann das Risiko dafür steigen. [2]

Bei Epilepsie sollte die Behandlung laut Fachinformation von Gabapentin in der Schwangerschaft nicht abrupt abgebrochen werden. Setzen Sie keines der beiden Mittel in der Schwangerschaft von sich aus ab; wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was Embryotox zu Pregabalin schreibt, steht auf der Seite Pregabalin; allgemein informieren die Seiten Psychopharmaka in der Schwangerschaft und Verhütung. [2]

Beide gehen in die Muttermilch über. Ob Pregabalin Neugeborene oder Säuglinge beeinflusst, ist laut Fachinformation nicht bekannt; es muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung unterbrochen wird. Gabapentin sollte laut Fachinformation bei stillenden Müttern nur angewendet werden, wenn der Nutzen eindeutig größer ist als die Risiken. Mehr unter Psychopharmaka in der Stillzeit. [1, 2]

Unterschiede im Alltag

Beide können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden; Gabapentin wird laut Fachinformation unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit geschluckt. Aluminium- und magnesiumhaltige säurebindende Mittel (Antazida) können die Aufnahme von Gabapentin verringern; Gabapentin sollte deshalb laut Fachinformation frühestens 2 Stunden nach einem solchen Mittel eingenommen werden. [1, 2]

Laut beiden Fachinformationen haben die Mittel einen geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, weil sie Benommenheit, Schwindel oder Schläfrigkeit verursachen können; bei Gabapentin gilt das laut Fachinformation in verstärktem Maß zu Beginn der Behandlung und nach einer Dosiserhöhung. Die Fachinformation von Pregabalin empfiehlt, kein Fahrzeug zu führen, keine komplexen Maschinen zu bedienen und keine anderen möglicherweise gefährlichen Tätigkeiten auszuüben, solange nicht bekannt ist, ob das Mittel diese Fähigkeiten beeinträchtigt. Fragen zum Fahren besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr unter Psychopharmaka und Autofahren. [1, 2]

Pregabalin kann laut Fachinformation die Wirkung von Alkohol verstärken. Die Fachinformation von Gabapentin nennt Alkohol nicht eigens; sie mahnt zur Vorsicht bei Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen. Was für Sie gilt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Psychopharmaka und Alkohol. [1, 2]

Benommenheit und Schläfrigkeit könnten laut Fachinformation von Pregabalin bei älteren Menschen zu häufigeren sturzbedingten Verletzungen führen; unter Gabapentin kann es laut Fachinformation durch Schwindelgefühl und Schläfrigkeit häufiger zu Stürzen mit Verletzungen kommen. Behandelte sollten laut beiden Fachinformationen vorsichtig sein, bis sie mit den möglichen Wirkungen vertraut sind. Mehr unter Psychopharmaka im Alter. [1, 2]

Wechsel nur ärztlich

Ob statt des einen Mittels das andere infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Keine der beiden Fachinformationen beschreibt einen Wechsel zwischen Pregabalin und Gabapentin. Setzen Sie Ihr Mittel nicht plötzlich ab: Für beide empfehlen die Fachinformationen, sie schrittweise über mindestens 1 Woche zu beenden, und nach dem Absetzen können Entzugssymptome auftreten. Wie Umstellungen grundsätzlich ablaufen, erklärt die Seite Ein Psychopharmakon wechseln. [1, 2]

Weitere Gegenüberstellungen finden Sie in der Übersicht Vergleiche.

Quellen

  1. Fachinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026
  2. Fachinformation Gabapentin-ratiopharm 100 mg/300 mg/400 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026
  3. Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2 (AWMF-Registernummer 051-028), Langfassung. Bandelow B., Beutel M. E. u. a. (Textredaktion B. Bandelow), über die DGPPN veröffentlicht. Stand Version 2, Stand 06.04.2021. abgerufen am 23.10.2026
  4. Leitlinien (Übersicht der S3-Leitlinien mit Gültigkeit), Eintrag Angststörungen. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). abgerufen am 23.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pregabalin und Gabapentin?

Beide binden an dieselbe Untereinheit von Calciumkanälen im Nervensystem und werden unverändert über die Nieren ausgeschieden, Pregabalin hauptsächlich und Gabapentin ausschließlich auf diesem Weg. Laut Fachinformation unterscheiden sie sich unter anderem bei der Zulassung (nur Pregabalin bei generalisierter Angststörung, nur Gabapentin bei Epilepsie auch als Zusatzbehandlung für Kinder ab 6 Jahren und als alleinige Behandlung ab 12 Jahren), bei der Aufnahme ins Blut (bei Gabapentin nimmt der aufgenommene Anteil mit steigender Dosis tendenziell ab) und bei den Angaben zur Schwangerschaft.

Was ist besser, Pregabalin oder Gabapentin?

Eine allgemeine Antwort geben die Fachinformationen nicht. Sie nennen unterschiedliche Anwendungsgebiete und Altersgrenzen, und bei beiden sind unter anderem die Nierenfunktion, ein Missbrauch von Drogen oder anderen Substanzen in der Vorgeschichte und andere dämpfende Medikamente zu beachten. Welches Mittel infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Ist Gabapentin bei Angst zugelassen?

Nein. Gabapentin ist laut Fachinformation nur bei Epilepsie mit partiellen Anfällen und bei peripheren neuropathischen Schmerzen zugelassen. Von den beiden ist nur Pregabalin bei der generalisierten Angststörung zugelassen, und zwar bei Erwachsenen. Welche Behandlung bei einer Angststörung infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Machen Pregabalin und Gabapentin abhängig?

Beide können laut Fachinformation eine Arzneimittelabhängigkeit verursachen, auch bei Dosen, wie sie in der Behandlung verwendet werden; bei beiden wurde über Missbrauch berichtet. Bei Drogen- bzw. Substanzmissbrauch in der Vorgeschichte kann das Risiko erhöht sein. Für Pregabalin schreibt die S3-Leitlinie Angststörungen von 2021, deren Gültigkeit abgelaufen ist, dass es bei einer Suchterkrankung in der Vorgeschichte, insbesondere bei Hinweisen auf einen Missbrauch von Opioid-Schmerzmitteln oder auf eine Mehrfachabhängigkeit, nicht angewendet werden darf. Wenn Sie befürchten, abhängig zu werden, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann man Pregabalin und Gabapentin zusammen nehmen?

Nur, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es verordnet. Laut Fachinformation von Pregabalin zeigten sich in Studien keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen auf die Wirkstoffspiegel, wenn Pregabalin und Gabapentin zusammen gegeben wurden. Beide Fachinformationen mahnen zur Vorsicht, wenn zusätzlich Opioide oder andere Mittel genommen werden, die das zentrale Nervensystem dämpfen.

Nimmt man mit Pregabalin oder Gabapentin zu?

Gewichtszunahme und gesteigerter Appetit sind laut Fachinformation bei beiden häufig, sie können also bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Bei Menschen mit Diabetes, die unter Pregabalin zunehmen, kann laut dessen Fachinformation eine Anpassung der blutzuckersenkenden Mittel nötig werden. Sprechen Sie Veränderungen Ihres Gewichts bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Darf ich mit Pregabalin oder Gabapentin Auto fahren?

Beide haben laut Fachinformation einen geringen oder mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit, etwa durch Benommenheit, Schwindel oder Schläfrigkeit, bei Gabapentin besonders zu Beginn und nach einer Dosiserhöhung. Die Fachinformation von Pregabalin empfiehlt, kein Fahrzeug zu führen, solange nicht bekannt ist, ob das Mittel diese Fähigkeit beeinträchtigt. Fragen zum Fahren besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann ich von Pregabalin auf Gabapentin wechseln?

Ein Wechsel ist eine ärztliche Entscheidung; keine der beiden Fachinformationen beschreibt ihn. Setzen Sie Ihr Mittel nicht selbst ab: Für beide empfehlen die Fachinformationen, sie schrittweise über mindestens 1 Woche zu beenden, und nach dem Absetzen können Entzugssymptome auftreten.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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