ErkrankungenErkrankung

Burnout

Burnout ist keine eigene Diagnose: Die ICD-11 der WHO beschreibt es als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz und ordnet es den Faktoren zu, die den Gesundheitszustand beeinflussen, die deutsche ICD-10-GM führt es als Zusatzangabe. Burnout-Beschwerden können laut Nationaler VersorgungsLeitlinie auf eine Depression hinweisen; ob das so ist, klären Sie im Gespräch mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Psychotherapeutin. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Mann Ende dreißig sitzt in der Mittagspause auf einer Parkbank unter Bäumen und schaut ruhig vor sich hin, die Jacke liegt neben ihm
Bild: KI-generiert

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression beschreibt das Burnout-Syndrom als körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund beruflicher oder anderweitiger Überlastung bei der Lebensbewältigung. Ausgelöst wird es laut NVL meist durch Stress, der wegen der verminderten Belastbarkeit nicht bewältigt werden kann. Als eigene Krankheit ist Burnout wissenschaftlich nicht kodiert [1].

In der Klassifikation ICD-10 erscheint Burnout laut NVL als "Ausgebranntsein" und "Zustand der totalen Erschöpfung" mit dem zusätzlichen Schlüssel Z73.0. Er gehört zur übergeordneten Kategorie Z73, "Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung". Damit ist Burnout eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose und keine Behandlungsdiagnose, die zum Beispiel eine Therapie erforderlich macht [1]. In der deutschen Fassung ICD-10-GM, Version 2026, steht der Eintrag "Ausgebranntsein" mit dem Zusatz Burn-out unter dem Schlüssel Z73, zusammen mit Einträgen wie "Zustand der totalen Erschöpfung", "Stress, anderenorts nicht klassifiziert" und "Mangel an Entspannung oder Freizeit". Z73 gehört zum Kapitel XXI, das Faktoren erfasst, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen [3].

Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Burnout unter dem Schlüssel QD85 im Kapitel 24 ("Factors influencing health status or contact with health services", also Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen oder zum Kontakt mit dem Gesundheitswesen führen), dort bei den Problemen im Zusammenhang mit Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit [4]. Die WHO stellt klar, dass Burnout damit als berufsbezogenes Phänomen gilt und nicht als Krankheit eingestuft ist. Das Kapitel umfasst Gründe, aus denen Menschen das Gesundheitswesen aufsuchen, die aber nicht als Krankheiten oder Gesundheitsstörungen gelten [5]. Laut NVL wird Burnout auch in der ICD-11 nicht als Behandlungsdiagnose gelistet, sondern als Risikofaktor für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Abhängigkeitserkrankungen. Die ICD-11 tritt in Deutschland laut NVL erst nach einer Übergangszeit von mehreren Jahren in Kraft [1]; das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt die ICD-10-GM in der Version 2026 heraus [3].

Längerfristige Arbeitsüberforderung kann laut NVL das Risiko für eine psychische Störung wie eine Depression erhöhen, und Burnout oder Burnout-ähnliche Beschwerden können ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Depression sein. Anzeichen von Burnout sollten deshalb ernst genommen werden [1].

Anzeichen von Burnout

Die ICD-11 beschreibt Burnout als Syndrom, das als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz verstanden wird, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es ist durch drei Merkmale gekennzeichnet [4, 5]:

  • das Gefühl, keine Energie mehr zu haben oder erschöpft zu sein
  • eine größere innere Distanz zur eigenen Arbeit oder negative, zynische Gefühle ihr gegenüber
  • das Gefühl, wenig auszurichten, und fehlende Erfolgserlebnisse

Den Begriff bezieht die ICD-11 ausdrücklich auf den beruflichen Zusammenhang; für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen soll er nicht verwendet werden [4]. Die NVL fasst ihn weiter und spricht von beruflicher oder anderweitiger Überlastung [1]. Die Patientenleitlinie zur NVL beschreibt Burnout als verschiedene Beschwerden nach dauerhafter beruflicher oder anderer Überlastung, darunter Erschöpfung, verringerte Leistungsfähigkeit und Entfremdung von der Tätigkeit: Die Arbeit wird zum Beispiel als frustrierend erlebt, oder man stumpft ab [2].

Zu den ersten Warnsignalen gehören laut NVL meist körperliche Beschwerden, zum Beispiel Schlafstörungen. Betroffene können nicht einschlafen oder wachen morgens zu früh auf und spüren ihre Probleme bei der Arbeit sofort. Welche Beschwerden noch hinzukommen, hängt von der einzelnen Person ab: Manche reagieren mit Magenbeschwerden, andere mit Rückenproblemen oder Kopfschmerzen. Dazu kommt ein umfassendes Gefühl von Erschöpfung und Energieverlust, das häufig erst deutlich wird, wenn eine Ärztin oder ein Arzt gezielt danach fragt [1].

Burnout und Depression unterscheiden

Erschöpfung kommt in beiden Beschreibungen vor. In der ICD-11 ist sie eines der drei Merkmale von Burnout [4]; bei einer depressiven Episode zählen "verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit" nach der ICD-10-GM zu den Hauptsymptomen [1]. Eine Depression ist eine psychische Erkrankung mit festen Kriterien: Mindestens zwei der drei Hauptsymptome und weitere Zusatzsymptome müssen mindestens zwei Wochen lang bestehen [1]. Als Ausschlüsse nennt die ICD-11 bei QD85 die Anpassungsstörung, speziell mit Stress verbundene Störungen, Angst- oder furchtbezogene Störungen und affektive Störungen ("mood disorders") [4].

Burnout und depressive Episode im Vergleich (nach ICD-11, ICD-10-GM 2026 und NVL Unipolare Depression, Version 3.2)
MerkmalBurnoutDepressive Episode
Einordnungkeine Krankheit; ICD-11: QD85 bei den Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen; ICD-10-GM: Zusatzangabe unter Z73 [3, 4, 5]psychische Erkrankung; ICD-10-GM: F32 bei einer einzelnen, F33 bei einer wiederkehrenden depressiven Episode [1]
KennzeichenErschöpfung, innere Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit, Gefühl der Wirkungslosigkeit [4]Hauptsymptome: gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse oder Freude, verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit; Zusatzsymptome zum Beispiel Verlust des Selbstwertgefühls, unangemessene Schuldgefühle, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Appetitveränderungen, wiederkehrende Gedanken an den Tod [1]
DauerFolge von chronischem Stress am Arbeitsplatz; eine Mindestdauer nennt die ICD-11 nicht [4]Beschwerden mindestens zwei Wochen lang [1]
Behandlunglaut NVL keine Behandlungsdiagnose [1]laut NVL je nach Schweregrad niedrigintensive Angebote, Psychotherapie, Medikamente oder beides [1]

Wie die Abklärung abläuft, steht im Abschnitt Wie die Diagnose gestellt wird.

Ausführlich zu Anzeichen, Schweregraden und Behandlung: Depression; verwandte Themen sind Dysthymie und Anpassungsstörung.

Ursachen und Risiken

Nach der ICD-11 entsteht Burnout aus chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde [4]. Die NVL nennt als Auslöser meist Stress, der wegen verminderter Belastbarkeit nicht bewältigt werden kann, und bezieht neben dem Beruf auch andere Überlastungen ein [1]. In der Patientenleitlinie heißt es, Arbeit könne zu einer Depression beitragen oder sie verschlimmern, zum Beispiel durch Stress, Mobbing oder ständige Überforderung am Arbeitsplatz [2].

Für Depressionen zählt die NVL chronischen Stress, Burnout und Überforderung zu den psychosozialen Risikofaktoren. Weitere Risikofaktoren sind laut NVL unter anderem aktuell belastende Lebensereignisse wie Konflikte, Trennungen, Todesfälle oder berufliche Enttäuschungen, Vereinsamung, andere psychische Störungen und depressive Erkrankungen in der Familie [1]. Nach dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell treten depressive Störungen erst auf, wenn eine Anfälligkeit (Vulnerabilität) mit aktuellen psychosozialen oder körperlichen Auslösern zusammentrifft [1].

Nach § 5 Arbeitsschutzgesetz hat der Arbeitgeber durch eine Beurteilung der Gefährdungen zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. Eine Gefährdung kann sich laut Gesetz unter anderem ergeben aus der Gestaltung von Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und aus psychischen Belastungen bei der Arbeit [6].

Wie die Diagnose gestellt wird

Wenn Ihnen selbst oder anderen Veränderungen auffallen, die auf eine Depression hindeuten könnten, rät die Patientenleitlinie, den Verdacht frühzeitig abklären zu lassen [2]. Für die Diagnose einer Depression gilt laut NVL das ausführliche Gespräch nach festen Kriterien (diagnostisches Interview) als klinischer Goldstandard [1]. Im Gespräch kann es laut Patientenleitlinie zum Beispiel darum gehen, ob sich am Schlaf etwas geändert hat, ob Sie weniger Appetit hatten oder ob Sie über den Tod nachdenken [2].

Als schnelle erste Einschätzung nennt die NVL zwei Fragen: ob Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos gefühlt haben und ob Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen hatten, die Sie sonst gern tun. Bei auffälligen Ergebnissen folgt die Diagnosestellung nach der ICD. Die NVL zählt solche kurzen Tests zu den Instrumenten für die Verdachtsdiagnostik [1].

Depressive Beschwerden können laut Patientenleitlinie auch durch körperliche Erkrankungen entstehen, zum Beispiel durch Erkrankungen der Schilddrüse, bestimmte Hirnerkrankungen oder einige Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Abwehrsystem gegen den eigenen Körper richtet [2]. Besteht ein solcher Verdacht, soll laut NVL gemeinsam mit Ihnen abgewogen werden, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind, insbesondere wenn sie sehr aufwendig oder belastend sind; dabei soll berücksichtigt werden, ob sich daraus Folgen für die Behandlung ergeben können [1].

Menschen aus der Selbsthilfe nennen in der Patientenleitlinie den Gang in eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis als wichtigsten Schritt. Es kann helfen, einen vertrauten Menschen mitzunehmen, der Veränderungen noch einmal "von außen" beschreiben kann [2]. Eine Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis [2]. Was Sie fragen möchten, können Sie vorab mit den Fragen fürs Arztgespräch sammeln.

Behandlung im Überblick

Burnout ist laut NVL keine Behandlungsdiagnose, die zum Beispiel eine Therapie erforderlich macht [1]. Wird eine Depression festgestellt, richtet sich die Behandlung nach dem Schweregrad. Diagnostische und therapeutische Entscheidungen sollen laut NVL gemeinsam mit Ihnen getroffen werden (partizipative Entscheidungsfindung) [1]. Für die Akutbehandlung empfiehlt die NVL unter anderem:

  • bei einer leichten depressiven Episode Maßnahmen mit niedriger Intensität wie angeleitete Selbsthilfe oder Gespräche mit psychotherapeutischen Techniken ("soll") und internet- und mobilbasierte Programme in einem therapeutischen Gesamtkonzept ("soll"); eine Psychotherapie soll angeboten werden, wenn zum Beispiel die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen anhalten oder ein Risiko für eine chronische oder schwerere Depression besteht [1]
  • bei einer mittelgradigen Episode Psychotherapie oder Medikamente gleichwertig ("soll") [1]
  • bei einer schweren Episode die Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie ("soll"); wer sie ablehnt, dem sollen Psychotherapie oder Medikamente gleichwertig allein angeboten werden [1]

Mehr zu den Verfahren steht unter Psychotherapie und Medikamente, zur Behandlung im Krankenhaus unter Klinik und Tagesklinik.

Krankschreibung

Vor einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wegen depressiver Störungen sollen laut NVL mögliche Vor- und Nachteile mit Ihnen besprochen werden. Wird eine Bescheinigung ausgestellt, sollen Ihnen immer auch angemessene Behandlungen angeboten werden, und die wiederholte Verlängerung soll mit dem Angebot einer intensivierten Behandlung verbunden sein [1]. Die NVL begründet das so: Eine Krankschreibung kann entlasten, kann aber besonders bei längerer Dauer auch zur Verschlimmerung und Chronifizierung depressiver Störungen beitragen. Für Menschen, die wegen ausgeprägter Beschwerden klar arbeitsunfähig sind, gelten diese Empfehlungen ausdrücklich nicht [1].

Die Patientenleitlinie nennt als mögliche Vorteile einer Krankschreibung eine vorübergehende Entlastung und dass Probleme am Arbeitsplatz die Beschwerden dann nicht weiter verschlechtern, etwa bei Mobbing. Als mögliche Nachteile nennt sie unter anderem, dass die unterstützenden Seiten der Arbeit wegfallen, der Tag seine Struktur verliert und Betroffene zunehmend vereinsamen [2]. Krankschreiben kann zum Beispiel die Hausarztpraxis; psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dürfen laut Patientenleitlinie keine Krankschreibung ausstellen. Welche Krankheit vorliegt, steht nicht auf der Bescheinigung [2].

Rehabilitation

Wer trotz Behandlung durch eine Depression so beeinträchtigt ist, dass der private und berufliche Alltag nicht zu bewältigen oder die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben nicht möglich ist, dem soll laut Patientenleitlinie eine stationäre Rehabilitation angeboten werden, etwa in einer Einrichtung mit dem Schwerpunkt psychosomatische Medizin. Dazu können unter anderem Gruppenpsychotherapie, Ergotherapie, Sport- und Bewegungstherapie und eine Belastungserprobung gehören. Beantragt wird die Rehabilitation in der Regel bei der Deutschen Rentenversicherung oder der gesetzlichen Krankenversicherung [2].

Medikamente bei Burnout

Eigene Medikamente gegen Burnout nennt die NVL nicht; Burnout ist dort keine Behandlungsdiagnose [1]. Medikamente kommen infrage, wenn eine Depression festgestellt wird, und dann je nach Schweregrad unterschiedlich. Zu häufig gefragten Mitteln empfiehlt die NVL bei einer Depression [1]:

Empfehlungen der NVL Unipolare Depression, Version 3.2, bei einer festgestellten Depression (Nummer der Empfehlung in Klammern, ohne Rangfolge)
MittelWas die NVL sagtEmpfehlungsgrad
Antidepressivabei einer leichten Episode nicht zur Erstbehandlung vor einer niedrigintensiven Maßnahme; unter besonders kritischer Abwägung von Nutzen und Risiko und eingebunden in ein therapeutisches Gesamtkonzept, etwa wenn die Beschwerden trotz niedrigintensiver Maßnahmen anhalten; bei einer mittelgradigen Episode gleichwertig zur Psychotherapie; bei einer schweren Episode zusammen mit Psychotherapie [1]"sollte nicht" (5-4), "sollte" (5-5), "soll" (5-8, 5-13)
Johanniskrautwenn eine medikamentöse Behandlung erwogen wird, bei einer leichten Episode nach Aufklärung über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen ein erster Therapieversuch mit einem als Arzneimittel zugelassenen Präparat; bei einer mittelschweren Episode mit einem für diesen Bereich zugelassenen Präparat [1]"kann" (5-6, 5-9)
Benzodiazepine und Z-Substanzenbei einer leichten Episode nicht einsetzen; bei einer mittelschweren Episode nicht einsetzen, außer im begründeten Einzelfall zusätzlich zu Antidepressiva oder Psychotherapie bei stark belastenden Schlafstörungen oder starker Unruhe, ohne Suchterkrankung in der Vorgeschichte, unter Beachtung der Risiken und für 2 (höchstens 4) Wochen [1]"sollen nicht" (5-7), "sollten nicht" (5-10)
Nahrungsergänzungsmittelnicht empfehlen, wenn kein Mangel an Mikronährstoffen vorliegt; zu ausgewogener und gesunder Ernährung ermuntern [1]"sollen nicht" (9-13), "soll" (9-14)

Johanniskraut kann laut Patientenleitlinie die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, etwa der Antibabypille; Präparate mit Johanniskraut sollten deshalb auch dann nie ohne ärztliche Absprache eingenommen werden, wenn sie frei verkäuflich sind [2]. Bei Benzodiazepinen tritt laut NVL rasch eine Gewöhnung ein. Bei hartnäckigen Schlafstörungen im Zusammenhang mit einer depressiven Episode kommen aus Sicht der Leitliniengruppe anstelle von Benzodiazepinen eher Schulungen zur Schlafhygiene oder Antidepressiva mit beruhigender Wirkung infrage [1]. Mehr dazu unter Schlafstörungen und Abhängigkeit.

Die Evidenz legt laut NVL eine weitgehend vergleichbare Wirksamkeit der verschiedenen Antidepressiva nahe. Ausgewählt werden soll das Mittel nach dem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, Ihren Wünschen, der Erfahrung der Behandelnden und weiteren Kriterien [1]. Welche Antidepressiva das sind und welche Nebenwirkungen in den Packungsbeilagen stehen, zeigt die Seite Depression. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie lange behandeln, zurück in den Beruf

Für eine Depression schreiben Menschen aus der Selbsthilfe in der Patientenleitlinie, dass sich bei vielen Betroffenen nach 2 bis 4 Wochen eine erste Besserung einstellt; bis eine depressive Episode abgeklungen ist, kann es bis zu einem halben Jahr dauern [2]. Wie lange Antidepressiva danach weiter eingenommen werden, erklärt die Seite Wie lange behandeln? Absetzen und Wechsel geschehen gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Nach längerer Arbeitsunfähigkeit können Sie sich mit der stufenweisen Wiedereingliederung ("Hamburger Modell") schrittweise wieder an das normale Arbeitspensum gewöhnen. Art und Umfang richten sich unter anderem nach Schwere und Inhalt der Arbeit. Beantragt wird die Wiedereingliederung mit einem Formblatt; Sie, Ihr Arbeitgeber und Ihre Krankenkasse müssen zustimmen, und während der Wiedereingliederung sind Sie weiterhin krankgeschrieben [2]. Einen Plan dafür kann laut Patientenleitlinie auch die Hausarztpraxis erstellen. Nach einer Rehabilitation bietet die Deutsche Rentenversicherung eine psychosomatische Reha-Nachsorge an (Psy-RENA), die meist in Gruppen stattfindet [2].

Sind Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig oder teilweise arbeitsunfähig, klärt der Arbeitgeber nach § 167 Absatz 2 SGB IX mit Zustimmung und Beteiligung der betroffenen Person, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden, erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann. Das Gesetz nennt das betriebliches Eingliederungsmanagement. Beteiligt ist die zuständige Interessenvertretung, bei schwerbehinderten Menschen auch die Schwerbehindertenvertretung. Das Gesetz sieht vor, dass Beschäftigte zusätzlich eine Vertrauensperson eigener Wahl hinzuziehen können; soweit erforderlich, wird der Werks- oder Betriebsarzt hinzugezogen [8].

Selbsthilfe und Alltag

Frau Mitte fünfzig fährt an einem hellen Morgen mit dem Fahrrad einen ruhigen Weg am Feldrand entlang
Bild: KI-generiert

Für Menschen mit einer depressiven Störung empfiehlt die NVL Bewegung: Wer keine Gegenanzeige für körperliche Belastung hat, soll zu sportlicher Aktivität motiviert werden, idealerweise in einer Gruppe, und zur Teilnahme an einem strukturierten, angeleiteten Training [1]. In der Patientenleitlinie raten Betroffene, sich dabei nicht zu quälen und sich kleine, erreichbare Ziele zu setzen, etwa einen Spaziergang an der frischen Luft oder eine kleine Radtour [2].

Weitere Ratschläge aus der Selbsthilfe: kleine Aktivitäten wie ein Telefonat, eine Verabredung oder ein selbst gekochtes Essen als Erfolg sehen, sich einen kleinen Wochenplan mit Aktivitäten aufstellen, nicht als Pflicht, sondern als Erinnerung, und Gesprächs- und Hilfsangebote von Familie und Freundeskreis annehmen [2]. Über Selbsthilfe- und Angehörigenangebote, Beratung durch andere Betroffene (Peer-Counselling) und Genesungsbegleitung sollen Menschen mit Depression und ihre Angehörigen laut NVL informiert und, wenn angebracht, zur Teilnahme motiviert werden [1].

Für Beschäftigte regelt das Arbeitsschutzgesetz eine arbeitsmedizinische Vorsorge auf Wunsch: Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten zu ermöglichen, sich je nach den Gefahren für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit regelmäßig arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen, es sei denn, nach der Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der getroffenen Schutzmaßnahmen ist nicht mit einem Gesundheitsschaden zu rechnen [7]. Zu den Gefährdungen, die der Arbeitgeber beurteilen muss, zählen auch psychische Belastungen bei der Arbeit [6]. Mehr zum Thema steht unter Arbeit und Beruf.

Für Angehörige

Wenn die erkrankte Person einverstanden ist, sollen Angehörige laut NVL in Aufklärung, Information und Behandlung einer Depression eingebunden werden [1]. Die Patientenleitlinie wendet sich in einem eigenen Kapitel an Angehörige und Freunde. Einige ihrer Hinweise [2]:

  • Sie können helfen, aber nicht heilen, und das erwartet auch niemand von Ihnen.
  • Niemand trägt Schuld an der Erkrankung, weder Sie noch der erkrankte Mensch.
  • Nehmen Sie die Beschwerden ernst, ohne zu dramatisieren, und unterstützen Sie die Entscheidung, sich professionelle Hilfe zu suchen.
  • Schlagen Sie kleine gemeinsame Aktivitäten vor, möglichst mit einem festen Termin. Wird Ihr Vorschlag zurückgewiesen, zielt das nicht auf Sie, es ist der Erkrankung geschuldet.
  • Geben Sie auf sich selbst acht. Selbsthilfegruppen für Angehörige, sozialpsychiatrische Dienste und psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen sind mögliche Anlaufstellen.

Was Angehörige sonst wissen sollten, steht unter Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid oder suizidales Verhalten gehören nach der ICD-10-GM zu den Zusatzsymptomen einer depressiven Episode [1], und hinter Burnout-Beschwerden kann laut NVL eine Depression stecken [1]. Laut Patientenleitlinie sind Suizidgedanken auf jeden Fall ernst zu nehmen; die behandelnde Ärztin oder der Psychotherapeut sollte davon erfahren [2].

Ist ein Mensch in akuter Gefahr, rät die Patientenleitlinie Angehörigen: die Person nicht allein lassen, bis Hilfe eintrifft, zuhören und die Lage ernst nehmen, das Gespräch in Gang halten, den Notruf 112 oder die Polizei unter 110 rufen und gefährliche Gegenstände wegräumen [2].

Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise; einen persönlichen Plan für schwierige Tage können Sie mit dem Krisenplan anlegen.

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 07/2023 (verabschiedet 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 23.10.2026
  2. Leitlinie Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3.0. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (NVL-Programm). Stand 2024. abgerufen am 23.10.2026
  3. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel XXI, Gruppe Z70 bis Z76: Personen, die das Gesundheitswesen aus sonstigen Gründen in Anspruch nehmen (darin Z73). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026, Stand 12.09.2025. abgerufen am 23.10.2026
  4. Behörde ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics: QD85 Burnout. Weltgesundheitsorganisation (WHO). abgerufen am 23.10.2026
  5. Behörde Burn-out an "occupational phenomenon": International Classification of Diseases. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 28.05.2019. abgerufen am 23.10.2026
  6. Gesetz Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand zuletzt geändert durch Art. 7 G v. 22.12.2025. abgerufen am 23.10.2026
  7. Gesetz Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 11 Arbeitsmedizinische Vorsorge. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand zuletzt geändert durch Art. 7 G v. 22.12.2025. abgerufen am 23.10.2026
  8. Gesetz Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX), § 167 Prävention. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). Stand zuletzt geändert durch Art. 2b G v. 24.07.2026. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Ist Burnout eine Krankheit?

Burnout gilt nicht als eigene Krankheit. Die ICD-11 der WHO führt es unter QD85 als berufsbezogenes Phänomen bei den Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen; die deutsche ICD-10-GM erfasst es als Zusatzangabe unter Z73. Laut NVL ist Burnout keine Behandlungsdiagnose. Längere Überforderung bei der Arbeit kann aber das Risiko für eine Depression erhöhen, und Burnout-Beschwerden können auf eine Depression hinweisen.

Welche körperlichen Anzeichen kann ein Burnout haben?

Zu den ersten Warnsignalen gehören laut NVL meist körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, also Probleme beim Einschlafen oder zu frühes Erwachen. Manche Menschen reagieren mit Magenbeschwerden, andere mit Rückenproblemen oder Kopfschmerzen; dazu kommt ein umfassendes Gefühl von Erschöpfung und Energieverlust. Solche Beschwerden können auch zu einer Depression oder einer körperlichen Erkrankung gehören und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Kann man sich wegen Burnout krankschreiben lassen?

Ob Sie arbeitsunfähig sind, beurteilt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Bei depressiven Störungen sollen laut NVL vor einer Krankschreibung Vor- und Nachteile besprochen und immer auch passende Behandlungen angeboten werden. Krankschreiben kann zum Beispiel die Hausarztpraxis; psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dürfen laut Patientenleitlinie keine Krankschreibung ausstellen. Die Diagnose steht nicht auf der Bescheinigung.

Welche Medikamente helfen bei Burnout?

Eigene Medikamente gegen Burnout nennt die NVL nicht, weil Burnout keine Behandlungsdiagnose ist. Wird eine Depression festgestellt, kommen je nach Schweregrad Antidepressiva infrage: bei einer leichten Episode nicht zur Erstbehandlung vor einer niedrigintensiven Maßnahme, bei einer mittelgradigen gleichwertig zur Psychotherapie, bei einer schweren zusammen mit Psychotherapie. Welches Mittel passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es pflanzliche oder rezeptfreie Mittel gegen Burnout?

Gegen Burnout nennt die NVL keine. Wird bei einer leichten oder mittelgradigen Depression eine medikamentöse Behandlung erwogen, kann laut NVL nach Aufklärung ein erster Versuch mit einem als Arzneimittel zugelassenen Johanniskraut-Präparat angeboten werden, bei einer mittelgradigen Depression mit einem dafür zugelassenen. Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, etwa der Antibabypille; die Patientenleitlinie rät deshalb, es nie ohne ärztliche Absprache einzunehmen. Nahrungsergänzungsmittel sollen laut NVL nicht empfohlen werden, wenn kein Mangel an Mikronährstoffen vorliegt.

Gibt es einen Burnout-Test?

Burnout ist keine eigene Diagnose; die ICD-11 beschreibt es mit drei Merkmalen: Erschöpfung, innere Distanz zur Arbeit und das Gefühl, wenig auszurichten. Für eine Depression nennt die NVL zwei Fragen als schnelle erste Einschätzung, nach gedrückter Stimmung und nach weniger Freude im letzten Monat. Solche Tests dienen laut NVL dem Verdacht; die Diagnose entsteht im ausführlichen Gespräch in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis.

Wie lange dauert die Behandlung bei Burnout?

Für Burnout selbst gibt die NVL keine Behandlungsdauer an. Bei einer Depression stellt sich laut den Ratschlägen aus der Selbsthilfe in der Patientenleitlinie bei vielen nach 2 bis 4 Wochen eine erste Besserung ein; bis eine Episode abgeklungen ist, kann es bis zu einem halben Jahr dauern. Nach längerer Krankschreibung kann eine stufenweise Wiedereingliederung den Wiedereinstieg in die Arbeit erleichtern.

Was kann ich selbst bei Burnout tun?

Lassen Sie anhaltende Beschwerden in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis abklären. Bei einer Depression empfiehlt die NVL Bewegung, wenn nichts gegen körperliche Belastung spricht, am besten in einer Gruppe. Betroffene raten in der Patientenleitlinie zu kleinen, erreichbaren Zielen und kleinen geplanten Aktivitäten. Selbsthilfe-Angebote und die Unterstützung durch Familie und Freunde können ebenfalls helfen.

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