ErkrankungenErkrankung

Narkolepsie

Narkolepsie ist eine seltene Erkrankung des Nervensystems, bei der die Regulation von Schlafen und Wachen gestört ist: Betroffene sind tagsüber übermäßig schläfrig und schlafen ungewollt ein, und bei vielen erschlaffen bei starken Gefühlen plötzlich die Muskeln (Kataplexie). Heilen lässt sie sich laut Patienteninformation des ÄZQ nicht; zur Behandlung gehören geplante Tagesschlafzeiten und Verhaltensregeln, und die meisten Betroffenen brauchen zusätzlich Medikamente; je nach Beschwerden und Alter sind Natriumoxybat, Pitolisant, Solriamfetol und Modafinil für die Narkolepsie zugelassen, Clomipramin bei Erwachsenen für Kataplexie, Schlaflähmung und Halluzinationen beim Einschlafen. Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, gibt es sofort Hilfe, etwa über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge.

Frau Anfang dreißig ruht am frühen Nachmittag entspannt mit geschlossenen Augen auf einem Sofa in einem hellen, ruhigen Wohnzimmer
Bild: KI-generiert

Bei einer Narkolepsie ist laut Patienteninformation des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) die Regulation von Schlafen und Wachen gestört. Normalerweise regeln Botenstoffe im Gehirn das Wachsein am Tag und die Schlafphasen in der Nacht; bei Menschen mit Narkolepsie ist diese geregelte Abfolge gestört. Betroffene haben tagsüber ungewollt Schlafanfälle, und die Muskeln können kurzzeitig erschlaffen [1]. In der Klassifikation ICD-10-GM steht die Narkolepsie unter den Krankheiten des Nervensystems bei den Schlafstörungen, mit dem Schlüssel G47.4 "Narkolepsie und Kataplexie" [2].

Die Packungsbeilage von Natriumoxybat beschreibt die Narkolepsie als Schlafstörung, die sich durch Schlafattacken während der normalen Wachzeiten äußern kann, aber auch durch Kataplexie, Schlaflähmung, Halluzinationen und schlechten Schlaf. Kataplexie ist dort ein plötzliches Einsetzen von Muskelschwäche oder Lähmung ohne Verlust des Bewusstseins, als Reaktion auf ein plötzliches Gefühlserlebnis wie Wut, Angst, Freude, Lachen oder Überraschung [3].

Nach Schätzungen sind laut ÄZQ etwa 3 von 10.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung tritt vor allem zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr auf, manche sind schon im Kindesalter betroffen. Die Beschwerden können schleichend oder schlagartig beginnen, und im Lauf der Jahre können neue Krankheitszeichen hinzukommen. In der Regel bleibt die Narkolepsie ein Leben lang bestehen; die Lebenserwartung ist normal [1].

Anzeichen einer Narkolepsie

Als typische Beschwerden nennt die Patienteninformation des ÄZQ [1]:

Anzeichen einer Narkolepsie (nach Patienteninformation des ÄZQ, eigene Zusammenfassung)
AnzeichenWie es sich zeigt
Übermäßige Schläfrigkeit am Tagvermehrt schläfrig trotz ausreichend Schlaf; als Merkmal der Narkolepsie gilt sie, wenn sie mehr als 3 Monate lang täglich vorkommt [1]
Ungewolltes Einschlafenvor allem in eintönigen Situationen wie Fernsehen, Lesen oder als Beifahrer im Auto, für einige Minuten bis zu etwa einer Stunde [1]
Kataplexiebei etwa 8 von 10 Betroffenen erschlaffen die Muskeln unkontrolliert für einige Sekunden bis zu etwa 2 Minuten, ausgelöst durch Gefühle wie Wut, Angst, Freude oder Lachen; die Betroffenen erleben das bewusst, erschlaffen die Beine, kann das zu Stürzen führen [1]
Schlaflähmungenbeim Einschlafen oder Aufwachen kann man sich vorübergehend gar nicht bewegen [1]
Schlafbedingte Halluzinationenfalsche Wahrnehmungen beim Einschlafen oder Aufwachen, etwa Gestalten sehen oder Geräusche hören [1]
Gestörter Nachtschlafleichter Schlaf, häufiges Aufwachen, stundenlanges Wachliegen, Albträume [1]
Automatisches Verhaltenalltägliche Handlungen wie Essen oder Schreiben werden beim Einnicken unbewusst fortgeführt [1]

Das ungewollte Einnicken wirkt sich laut ÄZQ auf Schule und Beruf aus. Andere halten Betroffene dann manchmal fälschlich für faul, unkonzentriert oder unzuverlässig, was Menschen mit Narkolepsie seelisch sehr belasten kann [1].

Ursachen und Risiken

Die genaue Ursache der Narkolepsie ist laut ÄZQ unklar. Bekannt ist, dass die körpereigene Abwehr eine Rolle spielt; gestört ist die Steuerung von Schlafen und Wachen durch Botenstoffe im Gehirn [1]. Zusätzlich kann eine andere Schlafstörung vorliegen: Laut Fachinformation von Natriumoxybat kommt eine Schlafapnoe, also Atemaussetzer im Schlaf, bei bis zu 50 Prozent der Menschen mit Narkolepsie vor [3]. Mehr zu anderen Formen gestörten Schlafs unter Schlafstörungen.

Wie die Diagnose gestellt wird

Eine Narkolepsie lässt sich laut ÄZQ mit ausführlichen Gesprächen, zusätzlichen Fragebögen und Untersuchungen im Schlaflabor erkennen. Weitere Untersuchungen helfen, andere Gründe für eine Schlafstörung auszuschließen [1]. Am besten mit der Erkrankung kennen sich laut ÄZQ Fachärztinnen und Fachärzte aus, insbesondere für Neurologie, mit der Zusatzbezeichnung Schlafmedizin [1]. Laut Fachinformation von Modafinil sollte die Narkolepsie nach der internationalen Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD) diagnostiziert werden [6].

Vor einer Behandlung mit Natriumoxybat sollte laut Fachinformation untersucht werden, ob eine Schlafapnoe vorliegt [3]. Es kann hilfreich sein, sich selbst zu beobachten und die eigenen Schlafzeiten zu notieren; so entsteht ein Überblick über den eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus [1].

Behandlung im Überblick

Heilen lässt sich die Narkolepsie laut ÄZQ nicht; die Behandlung soll Beschwerden lindern und den Alltag erleichtern. Wichtig ist, Tagesschlafzeiten einzuplanen und in ärztlicher Absprache bestimmte Verhaltensweisen zu erlernen, um den Alltag besser zu bewältigen; dabei kann eine Verhaltenstherapie helfen. Auch bei seelischen Belastungen gibt es Unterstützung [1]. Reichen die Verhaltensänderungen nicht aus, können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden. Welches Mittel infrage kommt, richtet sich vor allem nach den Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen. Die Mittel wirken nicht bei allen gleich: Dasselbe Mittel kann bei einer Person vor allem die Schläfrigkeit bessern, bei einer anderen vor allem die Kataplexien [1].

Bei erhöhter Tagesschläfrigkeit empfehlen laut ÄZQ Fachleute wachheitsfördernde Mittel. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind ratsam, weil die Mittel Nebenwirkungen haben können und bei manchen die Wirkung mit der Zeit nachlassen kann [1]. Bei Kataplexien, Schlaflähmungen und Halluzinationen können laut ÄZQ auch Antidepressiva infrage kommen; die meisten davon sind laut ÄZQ zur Behandlung der Narkolepsie nicht zugelassen [1]. Zugelassen ist laut Fachinformation Clomipramin bei Erwachsenen bei Schlaflähmung, Kataplexie und Halluzinationen beim Einschlafen (hypnagoge Halluzinationen) bei Narkolepsie [9]. Mehr unter Psychotherapie und Medikamente.

Medikamente bei Narkolepsie

Für die Narkolepsie zugelassen sind laut Fach- bzw. EMA-Produktinformation diese Wirkstoffe; die Tabelle folgt keiner Rangfolge.

Für die Narkolepsie zugelassene Wirkstoffe laut Abschnitt 4.1 der Fach- bzw. EMA-Produktinformation
WirkstoffZulassungAbgabe
NatriumoxybatNarkolepsie mit Kataplexie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 7 Jahren [3]Betäubungsmittel: Die 4-Hydroxybutansäure steht mit ihren Salzen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, ausgenommen bestimmte Zubereitungen zur Injektion; verschrieben wird Natriumoxybat auf einem Betäubungsmittelrezept [7, 8]
PitolisantNarkolepsie mit oder ohne Kataplexie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren [4]laut EMA auf eingeschränkte ärztliche Verschreibung [4]
SolriamfetolVerbesserung der Wachheit und Verringerung übermäßiger Schläfrigkeit am Tag bei Erwachsenen mit Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie; außerdem bei Erwachsenen mit obstruktiver Schlafapnoe, wenn die Grundbehandlung die Tagesschläfrigkeit nicht zufriedenstellend bessert [5]laut EMA auf eingeschränkte ärztliche Verschreibung [5]
ModafinilErwachsene mit übermäßiger (exzessiver) Schläfrigkeit bei Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie [6]verschreibungspflichtig [6]
ClomipraminErwachsene mit Schlaflähmung, Kataplexie oder Halluzinationen beim Einschlafen (hypnagoge Halluzinationen) bei Narkolepsie; außerdem unter anderem bei Depressionen [9]verschreibungspflichtig [9]

Rezeptfreie Arzneimittel mit Zulassung für die Narkolepsie gibt es unter diesen Wirkstoffen nicht [3, 4, 5, 6, 7, 9]. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Arzneimittels; Dosierung, Wechselwirkungen und alle Nebenwirkungen stehen auf den Wirkstoffseiten.

Natriumoxybat

Natriumoxybat ist laut Fachinformation ein auf das zentrale Nervensystem wirkendes Beruhigungsmittel, das die übermäßige Tagesschläfrigkeit und die Kataplexie verringert und den zerstückelten (fragmentierten) Nachtschlaf vermindert; wie genau es wirkt, ist nicht bekannt [3]. Es kann die Atmung dämpfen (Atemdepression). Die gleichzeitige Einnahme von Benzodiazepinen sollte vermieden werden, und vor Alkohol müssen Behandelte gewarnt werden, weil beides die Atmung zusätzlich dämpfen kann. Natriumoxybat hat ein bekanntes Missbrauchspotenzial. Bei schwerer Depression und bei gleichzeitiger Behandlung mit Opioiden oder Barbituraten darf es nicht eingenommen werden [3]. Mindestens 6 Stunden nach der Einnahme dürfen laut Fachinformation keine Tätigkeiten ausgeführt werden, die geistige Wachheit oder Koordination erfordern, etwa ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen [3]. Bei Kindern sollte während der Dosisfindung jede Dosiserhöhung sorgfältig überwacht werden; dazu gehört, dass Eltern oder Betreuende die Atmung des Kindes beobachten, ob in den ersten zwei Stunden nach der Einnahme Auffälligkeiten auftreten [3]. Alle Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit stehen unter Nebenwirkungen von Natriumoxybat.

Pitolisant

Pitolisant blockiert laut Fachinformation Andockstellen für den Botenstoff Histamin (H3-Rezeptoren) und verstärkt so die Aktivität der Histamin-Nervenzellen, eines wichtigen Erregungssystems im Gehirn; außerdem erhöht es die Ausschüttung von Acetylcholin, Noradrenalin und Dopamin [4]. Bei schweren Angststörungen oder schweren Depressionen mit Suizidneigung sollte es mit Vorsicht angewendet werden. Pitolisant kann die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel verringern; Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und mindestens bis 21 Tage danach zuverlässig verhüten, bei hormoneller Verhütung mit einer anderen Methode [4]. Mit Vorsicht angewendet werden sollte Pitolisant außerdem unter anderem bei säurebedingten Magenerkrankungen und bei schwerer Epilepsie; Menschen mit Herzerkrankungen, die zugleich Mittel einnehmen, die die QT-Zeit im EKG verlängern können, sollten sorgfältig überwacht werden [4]. Die Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit stehen unter Nebenwirkungen von Pitolisant.

Solriamfetol

Wie Solriamfetol die Wachheit verbessert, ist laut Fachinformation noch nicht vollständig geklärt; die Wirkung könnte darauf beruhen, dass es die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin hemmt [5]. Es erhöht dosisabhängig Blutdruck und Herzfrequenz, und bei instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schweren Herzrhythmusstörungen darf es nicht angewendet werden. Behandelte sind sorgfältig auf Nebenwirkungen wie Angst, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit zu überwachen; sie traten häufig zu Beginn der Behandlung auf [5]. Bei früherem Missbrauch von Stimulanzien oder Alkohol ist Vorsicht angezeigt [5]. Die Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit stehen unter Nebenwirkungen von Solriamfetol.

Modafinil

Wie Modafinil die Wachheit fördert, ist laut Fachinformation nicht bekannt [6]. Behandelte müssen bei jeder Dosisanpassung und im Verlauf regelmäßig darauf überwacht werden, ob psychische Erkrankungen neu auftreten oder sich verschlechtern; treten im Zusammenhang mit Modafinil psychische Beschwerden auf, muss es abgesetzt werden. Beim ersten Anzeichen eines Hautausschlags muss Modafinil abgesetzt werden und darf nicht wieder eingenommen werden; seit der Markteinführung wurde selten über schwere oder lebensbedrohliche Hautausschläge berichtet. Eine Abhängigkeit bei Langzeitanwendung lässt sich laut Fachinformation nicht vollständig ausschließen. Laut Fachinformation besteht der Verdacht, dass Modafinil in der Schwangerschaft angeborene Fehlbildungen auslösen kann; während der Schwangerschaft sollte es nicht angewendet werden [6].

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Fachinformationen raten in der Schwangerschaft von Natriumoxybat, Pitolisant, Solriamfetol und Modafinil ab. Natriumoxybat wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen; Daten einer begrenzten Zahl von Schwangeren weisen auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Fehlgeburten bei Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel hin. Es geht in die Muttermilch über, bei gestillten Kindern wurden Veränderungen im Schlafmuster beobachtet, und in der Stillzeit sollte es nicht angewendet werden [3]. Pitolisant sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der mögliche Nutzen überwiegt das Risiko für das Kind; während der Behandlung darf nicht gestillt werden [4]. Solriamfetol wird in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht empfohlen [5]. Unter Modafinil müssen Frauen im gebärfähigen Alter während der Behandlung verhüten, wegen der möglichen Abschwächung hormoneller Verhütungsmittel mit einer anderen oder zusätzlichen Methode; für die Zeit nach dem Absetzen nennt die Fachinformation in Abschnitt 4.6 bis zu zwei Monate, in Abschnitt 4.4 mindestens zwei Monate [6]. In der Stillzeit sollte Modafinil nicht angewendet werden [6]. Wenn Sie schwanger werden möchten oder schwanger sind, setzen Sie nichts eigenmächtig ab und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was für Clomipramin gilt, steht auf der Seite Clomipramin. Mehr unter Schwangerschaft und Verhütung.

Verlauf und Dauer der Behandlung

Die Narkolepsie bleibt laut ÄZQ in der Regel ein Leben lang bestehen, und im Lauf der Jahre können neue Krankheitszeichen hinzukommen. Wegen möglicher Nebenwirkungen und einer bei manchen nachlassenden Wirkung rät das ÄZQ zu regelmäßigen ärztlichen Kontrollen [1]. Bei Natriumoxybat sollten Behandelte laut Fachinformation routinemäßig überwacht werden, und bei Verdacht auf Missbrauch sollte die Behandlung beendet werden [3]. Bei Pitolisant sollte beim Absetzen eine Überwachung erfolgen, auch wenn in Studien kein Rückfall der Beschwerden über das frühere Maß hinaus (Rebound) berichtet wurde [4]. Bei Clomipramin sollte laut Fachinformation ein abruptes Beenden vermieden werden; bei Kataplexie können sich die Beschwerden nach abruptem Absetzen verschlimmern [9]. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nur gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Selbsthilfe und Alltag

Mann Mitte dreißig fährt an einem sonnigen Morgen mit dem Fahrrad auf einem ruhigen Weg am Fluss, im Hintergrund Bäume
Bild: KI-generiert

Für alle Menschen mit Narkolepsie gehört laut ÄZQ dazu, Tagesschlafzeiten im Alltag einzuplanen. Die Patienteninformation nennt außerdem diese Hinweise [1]:

  • sich nachts an feste Schlaf- und Aufstehzeiten halten, auch an freien Tagen; das kann den Nachtschlaf verbessern
  • tagsüber ein- bis zweimal bewusst kurz schlafen; danach ist man weniger müde und leistungsfähiger
  • vor Situationen, die viel Konzentration erfordern, gezielt Koffein zu sich nehmen, etwa mit Kaffee, schwarzem Tee oder Cola
  • sich beobachten und die eigenen Schlafzeiten notieren
  • regelmäßig körperlich aktiv sein; Bewegung und Sport sind gut gegen Müdigkeit
  • vor einem ärztlichen Eingriff dem Behandlungsteam die Narkolepsie und alle Dauermedikamente mitteilen, weil Betroffene beim Aufwachen aus einer Narkose möglicherweise vorübergehend nicht reagieren können
  • im Einzelfall abwägen, offen über die Erkrankung zu sprechen, und sich in Selbsthilfegruppen austauschen

Bei übermäßiger Tagesschläfrigkeit sollte laut den Fachinformationen von Pitolisant, Solriamfetol und Modafinil der Grad der Schläfrigkeit häufig beziehungsweise regelmäßig neu bewertet werden; die Wachheit normalisiert sich unter der Behandlung möglicherweise nicht vollständig. Gegebenenfalls wird geraten, kein Fahrzeug zu führen und keine anderen gefährlichen Tätigkeiten auszuüben [4, 5, 6]. Was rechtlich gilt, steht unter Autofahren.

Für Angehörige

Das ungewollte Einschlafen wird laut ÄZQ oft missverstanden: Andere halten Betroffene für faul, unkonzentriert oder unzuverlässig, was seelisch sehr belasten kann [1]. Laut ÄZQ kann es hilfreich sein, offen über die Erkrankung zu sprechen; das wägen Betroffene im Einzelfall ab [1]. Kataplexien erleben die Betroffenen bewusst; erschlaffen dabei die Beine, kann das zu Stürzen führen [1].

Narkolepsie kann schon im Kindesalter beginnen [1]. Natriumoxybat ist ab 7 Jahren, Pitolisant ab 6 Jahren zugelassen [3, 4]. Bei Kindern und Jugendlichen ist laut Fachinformation von Natriumoxybat vor Behandlungsbeginn zusätzliche Sorgfalt geboten, um mögliche depressive oder suizidale Zustände zu erkennen; bei Jugendlichen weist sie außerdem darauf hin, dass Alkohol die dämpfende Wirkung auf Gehirn und Atmung verstärken kann [3]. Weitere Hinweise stehen unter Kinder und Jugendliche und Angehörige.

Wann Sie sofort Hilfe brauchen

Wie andere auf das ungewollte Einschlafen reagieren, kann Menschen mit Narkolepsie laut ÄZQ seelisch sehr belasten; auch dafür gibt es Unterstützung [1]. Tritt unter Natriumoxybat eine Depression auf, muss sie laut Fachinformation sofort und sorgfältig untersucht werden; wer früher an affektiven Störungen, Psychosen oder Suizidversuchen litt, wird besonders sorgfältig auf Depressionen und Suizidgedanken überwacht [3]. Bei Pitolisant wurden bei Menschen mit psychiatrischer Vorgeschichte Suizidgedanken gemeldet [4], und unter Modafinil wurde über suizidales Verhalten berichtet; treten solche Beschwerden im Zusammenhang mit Modafinil auf, muss die Behandlung laut Fachinformation beendet werden [6]. Bei Clomipramin kann das Suizidrisiko laut Fachinformation zu Beginn einer Behandlung ansteigen; treten Suizidgedanken oder ungewöhnliche Verhaltensänderungen auf, sollen Behandelte und Betreuende unverzüglich ärztlichen Rat einholen [9].

Zu den Anzeichen einer zu großen Menge Natriumoxybat gehören laut Packungsbeilage unter anderem Erregung, Verwirrtheit, eine beeinträchtigte Atmung, Erbrechen und ein vermindertes Bewusstsein bis hin zum Koma oder zu Krampfanfällen; dann ist unverzüglich der medizinische Notfalldienst zu rufen [3]. Denkstörungen einschließlich Gedanken, anderen Gewalt anzutun, oder auffälliges Verhalten unter Natriumoxybat erfordern laut Fachinformation eine sofortige Untersuchung [3].

Alle Hilfsangebote mit Erreichbarkeit stehen unter Hilfe in der Krise.

Quellen

  1. Patienteninformation Narkolepsie: mehr als nur müde (Kurzinformation für Patienten). Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag von Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV). Stand 03/2019 (1. Auflage). abgerufen am 23.10.2026
  2. Behörde ICD-10-GM Version 2026, Kapitel VI, Gruppe G40 bis G47: Episodische und paroxysmale Krankheiten des Nervensystems (G47.4 Narkolepsie und Kataplexie). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Version 2026 (Stand der Seite 12.09.2025). abgerufen am 23.10.2026
  3. EMA-Produktinformation Xyrem 500 mg/ml Lösung zum Einnehmen (Natriumoxybat, EPAR), Anhang I: Fachinformation, Anhang II und Anhang III B: Packungsbeilage. UCB Pharma S.A. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2025 (zuletzt aktualisiert 12.05.2025). abgerufen am 23.10.2026
  4. EMA-Produktinformation Wakix 4,5 mg / 18 mg Filmtabletten (Pitolisant, EPAR), Anhang I: Fachinformation und Anhang II. Bioprojet Pharma (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026 (zuletzt aktualisiert 06.08.2026). abgerufen am 23.10.2026
  5. EMA-Produktinformation Sunosi 75 mg / 150 mg Filmtabletten (Solriamfetol, EPAR), Anhang I: Fachinformation und Anhang II. Atnahs Pharma Netherlands B. V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2026 (zuletzt aktualisiert 27.05.2026). abgerufen am 23.10.2026
  6. Fachinformation Modafinil Heumann 100 mg / 200 mg Tabletten. HEUMANN PHARMA GmbH & Co. Generica KG. Stand 09/2026. abgerufen am 23.10.2026
  7. Gesetz Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III: verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel (Eintrag 4-Hydroxybutansäure). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  8. Gesetz Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV), § 8 Betäubungsmittelrezept. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (gesetze-im-internet.de). abgerufen am 23.10.2026
  9. Fachinformation Clomipramin-neuraxpharm 75 mg retard Retardtabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 23.10.2026

Häufige Fragen

Was ist Narkolepsie?

Narkolepsie ist laut ÄZQ eine Erkrankung des Nervensystems, bei der die Regulation von Schlafen und Wachen gestört ist. Betroffene sind tagsüber übermäßig schläfrig und schlafen ungewollt ein; bei etwa 8 von 10 erschlaffen bei starken Gefühlen kurz die Muskeln (Kataplexie). Nach Schätzungen sind etwa 3 von 10.000 Menschen betroffen; die Erkrankung bleibt in der Regel ein Leben lang.

Was sind die ersten Anzeichen einer Narkolepsie?

Ein erster Hinweis kann laut ÄZQ sein, dass man trotz ausreichend Schlaf tagsüber vermehrt schläfrig ist; als Merkmal der Narkolepsie gilt das, wenn es mehr als 3 Monate lang täglich vorkommt. Typisch ist auch ungewolltes Einschlafen in eintönigen Situationen wie beim Fernsehen oder Lesen. Die Beschwerden können schleichend oder schlagartig beginnen, oft zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr.

Was ist die Ursache der Narkolepsie?

Die genaue Ursache ist laut ÄZQ unklar. Bekannt ist, dass die körpereigene Abwehr eine Rolle spielt. Gestört ist die Steuerung von Schlafen und Wachen durch Botenstoffe im Gehirn.

Kann man Narkolepsie ohne Medikamente behandeln?

Zur Behandlung gehören laut ÄZQ für alle Betroffenen geplante Tagesschlafzeiten und in ärztlicher Absprache erlernte Verhaltensweisen; eine Verhaltenstherapie kann dabei helfen. Feste Schlaf- und Aufstehzeiten, ein- bis zweimal am Tag kurz schlafen, gezielt Koffein vor anstrengenden Situationen und regelmäßige Bewegung können hilfreich sein. Die meisten Betroffenen benötigen laut ÄZQ zusätzlich Medikamente.

Welche Medikamente helfen bei Narkolepsie?

Für die Narkolepsie zugelassen sind laut Fach- bzw. EMA-Produktinformation Natriumoxybat bei Narkolepsie mit Kataplexie ab 7 Jahren, Pitolisant bei Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie ab 6 Jahren sowie Solriamfetol und Modafinil gegen die übermäßige Tagesschläfrigkeit bei Erwachsenen. Welches Mittel infrage kommt, richtet sich laut ÄZQ vor allem nach den Beschwerden und Begleiterkrankungen. Von den Antidepressiva ist laut Fachinformation Clomipramin bei Erwachsenen für Kataplexie, Schlaflähmung und Halluzinationen beim Einschlafen bei Narkolepsie zugelassen, die meisten anderen sind es laut ÄZQ nicht.

Gibt es Narkolepsie-Medikamente ohne Rezept?

Nein, unter den für die Narkolepsie zugelassenen Wirkstoffen nicht. Natriumoxybat ist ein Betäubungsmittel und wird auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben; Pitolisant und Solriamfetol gibt es laut EMA nur auf eingeschränkte ärztliche Verschreibung, Modafinil und Clomipramin sind verschreibungspflichtig. Gegen die Müdigkeit vor Situationen, die viel Konzentration erfordern, nennt die Patienteninformation des ÄZQ gezielt eingenommenes Koffein.

Welche Nebenwirkungen haben Narkolepsie-Medikamente?

Das hängt vom Wirkstoff ab. Natriumoxybat kann laut Fachinformation die Atmung dämpfen und hat ein bekanntes Missbrauchspotenzial; Solriamfetol kann Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen; unter Modafinil können psychische Beschwerden auftreten. Alle Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit stehen auf den Wirkstoffseiten. Sprechen Sie Beschwerden bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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