Was ist Pregabalin?
Pregabalin ist ein Antikonvulsivum (Antiepileptikum), das hauptsächlich zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen und generalisierten Angststörungen eingesetzt wird. Der bekannteste Markenname ist Lyrica, es sind aber auch zahlreiche Generika verfügbar.
Ursprünglich wurde Pregabalin als Nachfolger von Gabapentin entwickelt und sollte wirksamer sein. Heute gehört es zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten gegen chronische Nervenschmerzen.
Pregabalin ist strukturell verwandt mit der Aminosäure GABA (Gamma-Aminobuttersäure), wirkt aber nicht direkt auf GABA-Rezeptoren, sondern auf Calciumkanäle in den Nervenzellen.
💡 Wichtige Änderung 2019
Seit April 2019 unterliegt Pregabalin einer verschärften Verschreibungspflicht. Grund war das zunehmende Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Ärzte dürfen nur noch begrenzte Mengen verschreiben, und Apotheken müssen Kontrollen durchführen.
Wie wirkt Pregabalin?
Pregabalin bindet an spannungsabhängige Calciumkanäle im Nervensystem und reduziert dadurch die Freisetzung erregender Botenstoffe wie Glutamat, Noradrenalin und Substanz P.
Wirkweise im Detail
- Blockierung von Calciumkanälen: Vermindert den Einstrom von Calcium in die Nervenzellen
- Reduzierte Freisetzung von Neurotransmittern: Weniger erregende Signale werden übertragen
- Dämpfung überaktiver Nerven: Besonders wichtig bei Nervenschmerzen
- Anxiolytische Wirkung: Angstlösende Effekte durch Dämpfung der Übererregbarkeit im Gehirn
Effekte von Pregabalin
- Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
- Reduktion von Angst und innerer Unruhe
- Verbesserung der Schlafqualität
- Krampfhemmende Wirkung bei Epilepsie
- Bei manchen Patienten euphorisierende Wirkung (Missbrauchsrisiko!)
Anwendungsgebiete
1. Neuropathische Schmerzen
Dies ist die Hauptanwendung von Pregabalin. Neuropathische Schmerzen entstehen durch geschädigte oder fehlfunktionierende Nerven:
- Diabetische Neuropathie: Nervenschäden durch Diabetes
- Postherpetische Neuralgie: Nervenschmerzen nach Gürtelrose
- Rückenmarksverletzungen: Schmerzen nach Wirbelsäulenverletzungen
- Phantom-Schmerzen: Nach Amputationen
Typische Symptome neuropathischer Schmerzen sind brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle und erhöhte Berührungsempfindlichkeit.
2. Generalisierte Angststörung
Pregabalin ist zugelassen zur Behandlung von generalisierten Angststörungen bei Erwachsenen:
- Anhaltende übermäßige Sorgen und Ängste
- Innere Unruhe und Anspannung
- Konzentrationsschwierigkeiten durch Angst
- Körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Zittern
Pregabalin ist besonders bei Patienten eine Option, die auf SSRI oder SNRI nicht ansprechen oder diese nicht vertragen.
💡 Wichtig bei Angststörungen
Pregabalin ist KEIN Antidepressivum und sollte nicht mit Benzodiazepinen verwechselt werden. Es wirkt anders und hat ein anderes Nebenwirkungsprofil. Die anxiolytische Wirkung tritt oft schneller ein als bei klassischen Antidepressiva.
3. Epilepsie (Zusatztherapie)
Bei Erwachsenen mit fokalen Anfällen kann Pregabalin als Zusatzmedikament eingesetzt werden, wenn andere Antiepileptika nicht ausreichend wirken.
4. Fibromyalgie (Off-Label in Europa)
In den USA ist Pregabalin auch für Fibromyalgie zugelassen, in Europa wird es jedoch oft off-label dafür verschrieben:
- Chronische Schmerzen am ganzen Körper
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Schlafstörungen
Off-Label-Anwendungen
Manchmal wird Pregabalin auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt:
- Soziale Phobie
- Restless-Legs-Syndrom
- Alkoholentzug (zur Reduktion von Entzugssymptomen)
- Chronische Schmerzen anderer Ursache
Dosierung und Einnahme
Die Dosierung von Pregabalin wird individuell angepasst und langsam gesteigert, um Nebenwirkungen zu minimieren.
Dosierung bei neuropathischen Schmerzen
| Phase | Dosis | Einnahme |
|---|---|---|
| Anfangsdosis | 150 mg/Tag | 2x 75 mg oder 3x 50 mg |
| Nach 3-7 Tagen | 300 mg/Tag | 2x 150 mg |
| Nach weiteren 7 Tagen | Bis 600 mg/Tag | 2x 300 mg |
| Maximaldosis | 600 mg/Tag | Verteilt auf 2-3 Einnahmen |
Dosierung bei generalisierter Angststörung
| Phase | Dosis | Einnahme |
|---|---|---|
| Anfangsdosis | 150 mg/Tag | 2-3x täglich verteilt |
| Nach 1 Woche | 300 mg/Tag | 2-3x täglich verteilt |
| Nach weiterer Woche | 450 mg/Tag | 2-3x täglich verteilt |
| Maximaldosis | 600 mg/Tag | 2-3x täglich verteilt |
Dosierung bei Epilepsie
- Anfangsdosis: 150 mg/Tag
- Steigerung: Alle 7 Tage um 150 mg
- Übliche Dosis: 300-600 mg/Tag
- Maximaldosis: 600 mg/Tag
Praktische Einnahmehinweise
- Mit oder ohne Essen: Pregabalin kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden
- Regelmäßige Einnahme: Wichtig für gleichmäßige Wirkung
- Verteilung: 2-3x täglich, meist morgens und abends (bei 2x) oder morgens, mittags, abends (bei 3x)
- Mit Wasser: Kapseln mit ausreichend Flüssigkeit schlucken
- Vergessene Dosis: Bei vergessener Einnahme die nächste Dosis normal einnehmen – niemals doppelte Menge!
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis reduziert werden, da Pregabalin über die Nieren ausgeschieden wird. Ihr Arzt wird die Dosis entsprechend anpassen.
Wirkungseintritt
Der Wirkungseintritt von Pregabalin variiert je nach Anwendungsgebiet:
- Bei Schmerzen: Erste Besserung oft nach einigen Tagen, volle Wirkung nach 1-2 Wochen
- Bei Angststörungen: Erste Effekte nach 1-2 Wochen, volle Wirkung nach 2-4 Wochen
- Bei Epilepsie: Antikonvulsive Wirkung setzt relativ schnell ein
- Verbesserung des Schlafs: Oft schon in den ersten Tagen spürbar
💡 Geduld ist wichtig
Wie bei vielen Medikamenten in diesem Bereich braucht es Zeit, bis Pregabalin seine volle Wirkung entfaltet. Setzen Sie es nicht zu früh ab, wenn Sie nicht sofort eine Besserung bemerken. Geben Sie dem Medikament mindestens 2-3 Wochen Zeit.
Nebenwirkungen
Pregabalin kann verschiedene Nebenwirkungen haben. Die meisten sind dosisabhängig und bessern sich oft mit der Zeit oder bei Dosisreduktion.
Sehr häufige Nebenwirkungen (bei mehr als 1 von 10 Personen)
- Schwindel: Häufigste Nebenwirkung, besonders zu Beginn
- Benommenheit und Müdigkeit: Kann Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen
- Kopfschmerzen
Häufige Nebenwirkungen
- Gewichtszunahme: Bei 10-15% der Patienten, manchmal erheblich
- Gesteigerter Appetit: Kann zur Gewichtszunahme beitragen
- Verschwommenes Sehen oder Doppelbilder
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Koordinationsstörungen: Unsicherer Gang, Stolpern
- Mundtrockenheit
- Verstopfung
- Ödeme: Wassereinlagerungen, vor allem in Beinen und Füßen
- Euphorische Stimmung: Bei manchen Patienten (Missbrauchsrisiko!)
Gelegentliche Nebenwirkungen
- Verwirrtheit, Desorientierung
- Reizbarkeit oder Aggressivität
- Depression, Stimmungsschwankungen
- Zittern (Tremor)
- Libidoverlust oder sexuelle Funktionsstörungen
- Übelkeit, Erbrechen
- Muskelkrämpfe oder Muskelschmerzen
⚠️ Gewichtszunahme – Ein besonderes Problem
🚨 Vorsicht: Gewichtszunahme
Etwa 10-15% der Patienten nehmen unter Pregabalin deutlich an Gewicht zu, manchmal 5-10 kg oder mehr. Dies ist besonders problematisch bei:
- Diabetikern (verschlechterte Blutzuckereinstellung)
- Patienten mit Übergewicht
- Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Was tun? Regelmäßige Gewichtskontrollen, gesunde Ernährung, körperliche Aktivität. Bei starker Gewichtszunahme: Arzt informieren, eventuell Dosisreduktion oder Wechsel des Medikaments.
Seltene, aber ernste Nebenwirkungen
- Allergische Reaktionen: Hautausschlag, Schwellungen, Atemnot (sofort Arzt aufsuchen!)
- Herzrhythmusstörungen
- Suizidgedanken: Bei allen Antiepileptika erhöhtes Risiko
- Angioödem: Schwellung von Gesicht, Mund, Zunge (Notfall!)
- Nierenversagen: Sehr selten
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Pregabalin hat vergleichsweise wenige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, da es kaum über Leberenzyme verstoffwechselt wird.
Wichtige Wechselwirkungen
- Andere dämpfende Medikamente: Die sedierende Wirkung kann verstärkt werden bei Kombination mit:
- Benzodiazepinen (z.B. Tavor, Valium)
- Opioid-Schmerzmitteln (z.B. Morphin, Oxycodon)
- Antipsychotika
- Anderen Antiepileptika
- Alkohol
- Diabetes-Medikamente: Bei Gewichtszunahme kann die Blutzuckereinstellung beeinflusst werden
- ACE-Hemmer: Erhöhtes Risiko für Angioödeme
Alkohol
Alkohol sollte während der Behandlung mit Pregabalin vermieden werden:
- Verstärkte Sedierung
- Erhöhtes Sturzrisiko
- Verstärkte kognitive Beeinträchtigung
- Erhöhtes Missbrauchsrisiko
Kontraindikationen – Wann darf Pregabalin nicht eingenommen werden?
Absolute Kontraindikationen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Pregabalin oder einen der Hilfsstoffe
- Hereditäre Galactose-Intoleranz: Seltene Stoffwechselerkrankung
Besondere Vorsicht ist geboten bei
- Niereninsuffizienz: Dosisanpassung erforderlich
- Herzinsuffizienz: Kann durch Wassereinlagerungen verschlechtert werden
- Suchterkrankungen in der Vorgeschichte: Erhöhtes Missbrauchsrisiko
- Depression mit Suizidgedanken: Engmaschige Überwachung nötig
- Atemstörungen: Vorsicht bei COPD oder Schlafapnoe
- Älteren Patienten: Erhöhtes Sturzrisiko durch Schwindel
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Die Datenlage zu Pregabalin in der Schwangerschaft ist begrenzt:
- Es gibt keine ausreichenden Studien zur Sicherheit in der Schwangerschaft
- Tierversuche zeigten Hinweise auf schädliche Wirkungen
- Pregabalin sollte in der Schwangerschaft vermieden werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt eindeutig das Risiko
- Wenn Schwangerschaft eintritt: Sofort Arzt informieren
- Nicht abrupt absetzen – schrittweises Ausschleichen unter ärztlicher Aufsicht
Verhütung
Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Pregabalin eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Stillzeit
Pregabalin geht in die Muttermilch über:
- Stillen wird während der Behandlung nicht empfohlen
- Wenn Behandlung notwendig: Abstillen erwägen
- Entscheidung sollte unter Berücksichtigung des Nutzens des Stillens für das Kind und des Nutzens der Therapie für die Mutter getroffen werden
Abhängigkeit und Missbrauch
Pregabalin hat ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, was 2019 zur Verschärfung der Verschreibungsregeln führte.
Abhängigkeitsrisiko
⚠️ Abhängigkeitsgefahr
Pregabalin kann bei längerer Anwendung zu psychischer und körperlicher Abhängigkeit führen. Das Risiko ist erhöht bei:
- Alkohol- oder Drogenabhängigkeit in der Vorgeschichte
- Hohen Dosen (über 600 mg/Tag)
- Langzeitanwendung (über mehrere Monate)
- Jüngeren Menschen (unter 30 Jahren)
- Gleichzeitigem Missbrauch anderer Substanzen
Bei Patienten mit Suchterkrankungen in der Vorgeschichte sollte Pregabalin nur mit äußerster Vorsicht und unter engmaschiger Kontrolle verschrieben werden.
Missbrauchspotenzial
Pregabalin wird manchmal missbräuchlich verwendet:
- Euphorisierende Wirkung: Bei manchen Menschen erzeugt Pregabalin ein "High"-Gefühl
- Kombination mit Opiaten: Verstärkt die Wirkung von Opiaten (gefährlich!)
- Als "legaler Rausch": Vor 2019 war Pregabalin leichter zu bekommen
- In der Drogenszene: Unter Straßennamen wie "Pregabs" oder "Gabbies" bekannt
Anzeichen von Abhängigkeit
- Verlangen nach dem Medikament
- Dosissteigerung ohne ärztliche Anweisung
- Unfähigkeit, die Einnahme zu kontrollieren
- Fortsetzung der Einnahme trotz schädlicher Folgen
- Beschaffung aus verschiedenen Quellen
- Entzugserscheinungen beim Absetzen
Absetzen von Pregabalin
⚠️ Niemals abrupt absetzen!
Pregabalin darf niemals plötzlich abgesetzt werden! Ein abruptes Absetzen kann zu schweren Entzugserscheinungen führen, selbst wenn keine Abhängigkeit besteht.
Entzugserscheinungen beim Absetzen
Mögliche Symptome beim plötzlichen Absetzen oder zu schnellen Ausschleichen:
- Schlafstörungen, Albträume
- Übelkeit, Durchfall
- Kopfschmerzen
- Angst, Unruhe, Nervosität
- Schwitzen
- Schwindel
- Grippeartige Symptome
- Depression
- Bei abruptem Absetzen: Krampfanfälle möglich (auch bei Nicht-Epileptikern!)
Richtiges Ausschleichen
Das Absetzen sollte schrittweise über mindestens 1 Woche erfolgen, besser länger:
- Bei Langzeitanwendung: Reduktion über 2-4 Wochen oder länger
- Schrittweise Dosisreduktion: Z.B. wöchentlich um 50-75 mg reduzieren
- Unter ärztlicher Aufsicht: Lassen Sie sich einen Plan erstellen
- Bei Entzugssymptomen: Langsamer ausschleichen
💡 Beispiel für Ausschleichplan
Bei 300 mg/Tag (2x 150 mg):
- Woche 1-2: 225 mg/Tag (morgens 150 mg, abends 75 mg)
- Woche 3-4: 150 mg/Tag (2x 75 mg)
- Woche 5-6: 75 mg/Tag (1x 75 mg)
- Dann absetzen
Wichtige Verhaltensregeln während der Behandlung
Verkehrstüchtigkeit und Maschinenbedienung
Pregabalin kann die Verkehrstüchtigkeit erheblich beeinträchtigen:
- Schwindel, Benommenheit und Sehstörungen sind häufig
- Reaktionszeit kann verlängert sein
- Besonders zu Behandlungsbeginn und nach Dosiserhöhungen vorsichtig sein
- Testen Sie Ihre Reaktion in sicherer Umgebung, bevor Sie Auto fahren
- Bei Schwindel oder Benommenheit: Nicht am Straßenverkehr teilnehmen
Alkohol und Drogen
- Alkohol: Unbedingt vermeiden! Verstärkt Nebenwirkungen erheblich
- Illegale Drogen: Gefährliche Wechselwirkungen, vor allem mit Opiaten
- Koffein: Normalerweise unbedenklich
Regelmäßige Kontrollen
- Gewichtskontrolle: Regelmäßig wiegen, Gewichtszunahme dokumentieren
- Nierenfunktion: Bei Nierenerkrankungen regelmäßig kontrollieren
- Blutzucker: Bei Diabetikern engmaschig überwachen
- Psychischer Zustand: Auf Stimmungsveränderungen, Suizidgedanken achten
Vorteile von Pregabalin
✓ Stärken des Medikaments
- Wirksam bei Nervenschmerzen: Hilft vielen Patienten, bei denen andere Schmerzmittel versagen
- Schnellerer Wirkungseintritt: Im Vergleich zu manchen Antidepressiva bei Angst
- Wenige Wechselwirkungen: Mit den meisten anderen Medikamenten kombinierbar
- Verbessert Schlaf: Positive Wirkung auf die Schlafqualität
- Keine Gewöhnung der Schmerzwirkung: Im Gegensatz zu Opiaten
- 2-3x tägliche Einnahme: Relativ praktisch
- Generika verfügbar: Günstigere Alternativen zu Lyrica
Nachteile und Einschränkungen
- Gewichtszunahme: Häufig und problematisch
- Schwindel und Benommenheit: Beeinträchtigen den Alltag
- Abhängigkeitspotenzial: Erfordert vorsichtigen Umgang
- Nicht abrupt absetzbar: Langsames Ausschleichen notwendig
- Kognitive Beeinträchtigung: Konzentrations- und Gedächtnisprobleme möglich
- Ödeme: Wassereinlagerungen können störend sein
- Wirkt nicht bei allen: Etwa 30-40% sprechen nicht gut darauf an
Alternativen zu Pregabalin
Je nach Anwendungsgebiet gibt es verschiedene Alternativen:
Bei neuropathischen Schmerzen
- Gabapentin: Ähnliches Medikament, oft besser verträglich, aber meist weniger wirksam
- Trizyklische Antidepressiva: Wie Amitriptylin oder Nortriptylin
- SNRI: Wie Duloxetin (zugelassen für diabetische Neuropathie)
- Opioide: Bei schweren Schmerzen (Tramadol, Morphin, aber Abhängigkeitsgefahr!)
- Topische Behandlungen: Capsaicin-Pflaster, Lidocain-Pflaster
Bei generalisierten Angststörungen
- SSRI: Wie Escitalopram, Sertralin, Paroxetin
- SNRI: Wie Venlafaxin, Duloxetin
- Buspiron: Angstlösend ohne Abhängigkeitspotenzial
- Benzodiazepine: Nur kurzzeitig (Abhängigkeitsgefahr!)
- Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie als Basis
Bei Epilepsie
- Lamotrigin: Breitspektrum-Antiepileptikum
- Levetiracetam: Moderne Alternative
- Valproat: Klassisches Antiepileptikum
- Carbamazepin: Bewährtes Medikament
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie schnell wirkt Pregabalin?
Bei neuropathischen Schmerzen kann eine erste Besserung nach einigen Tagen eintreten, die volle Wirkung entwickelt sich meist nach 1-2 Wochen. Bei Angststörungen dauert es oft 2-4 Wochen, bis eine deutliche Verbesserung spürbar ist. Verbesserung des Schlafs ist oft schon früher zu bemerken.
Macht Pregabalin abhängig?
Ja, Pregabalin hat ein Abhängigkeitspotenzial, besonders bei längerer Anwendung und höheren Dosen. Bei Menschen mit Suchterkrankungen in der Vorgeschichte ist das Risiko deutlich erhöht. Daher sollte es nicht abrupt abgesetzt werden und die Einnahme sollte regelmäßig ärztlich überprüft werden.
Nimmt man von Pregabalin zu?
Ja, Gewichtszunahme ist eine häufige Nebenwirkung. Etwa 10-15% der Patienten nehmen an Gewicht zu, manchmal erheblich (5-10 kg oder mehr). Dies sollte bei der Therapieplanung berücksichtigt werden, besonders bei Diabetikern oder übergewichtigen Patienten.
Kann man Pregabalin bei Bedarf nehmen?
Nein, Pregabalin muss regelmäßig eingenommen werden, um wirksam zu sein. Eine Einnahme nur bei Bedarf ist nicht sinnvoll und kann zu Entzugserscheinungen führen. Die gleichmäßige Einnahme ist wichtig für die therapeutische Wirkung.
Was ist der Unterschied zwischen Pregabalin und Gabapentin?
Beide sind strukturell verwandt, aber Pregabalin gilt als wirksamer und hat eine bessere Bioverfügbarkeit. Es wird oft bei Patienten eingesetzt, die auf Gabapentin nicht ausreichend angesprochen haben. Allerdings ist das Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial bei Pregabalin höher.
Kann man Pregabalin mit Antidepressiva kombinieren?
Ja, eine Kombination ist möglich und wird häufig durchgeführt. Pregabalin hat wenige Wechselwirkungen mit Antidepressiva. Die Kombination kann bei Angststörungen oder wenn zusätzlich Schmerzen vorliegen, sinnvoll sein. Dies sollte aber immer ärztlich überwacht werden.
Wie lange darf man Pregabalin einnehmen?
Es gibt keine festgelegte Maximaldauer. Bei chronischen Schmerzen oder Angststörungen kann eine Langzeiteinnahme über Jahre notwendig sein. Wichtig ist die regelmäßige Überprüfung, ob die Behandlung noch notwendig und wirksam ist. Das Abhängigkeitsrisiko steigt mit der Dauer der Einnahme.
Darf man mit Pregabalin Auto fahren?
Das kommt darauf an. Pregabalin kann Schwindel, Benommenheit und Sehstörungen verursachen, die die Fahrtüchtigkeit erheblich beeinträchtigen. Besonders zu Beginn der Behandlung oder nach Dosiserhöhungen sollten Sie nicht Auto fahren. Testen Sie Ihre Reaktion in sicherer Umgebung. Bei anhaltenden Nebenwirkungen: kein Fahrzeug lenken.
Was passiert, wenn ich Pregabalin plötzlich absetze?
Ein abruptes Absetzen kann zu schweren Entzugserscheinungen führen: Schlafstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Angst, Schwitzen und im schlimmsten Fall Krampfanfälle. Selbst wenn keine Abhängigkeit besteht, muss Pregabalin langsam ausgeschlichen werden – niemals plötzlich absetzen!
Hilft Pregabalin auch bei akuten Schmerzen?
Nein, Pregabalin ist nicht für akute Schmerzen geeignet. Es wirkt spezifisch bei neuropathischen (Nerven-) Schmerzen und braucht einige Tage bis Wochen, um seine Wirkung zu entfalten. Bei akuten Schmerzen sind andere Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol angemessener.
Zusammenfassung
Pregabalin (Lyrica) ist ein wirksames Medikament zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, generalisierten Angststörungen und als Zusatztherapie bei Epilepsie. Es wirkt anders als klassische Schmerzmittel oder Antidepressiva und kann vielen Patienten helfen, bei denen andere Medikamente versagt haben.
Wichtigste Punkte:
- Wirksam bei chronischen Nervenschmerzen und Angst
- Wirkungseintritt nach 1-2 Wochen
- Häufigste Nebenwirkungen: Schwindel, Müdigkeit, Gewichtszunahme
- Abhängigkeitspotenzial vorhanden – vorsichtiger Umgang nötig
- Niemals abrupt absetzen – langsames Ausschleichen erforderlich
- Beeinträchtigt oft Fahrtüchtigkeit
- Regelmäßige Einnahme erforderlich, nicht bei Bedarf
- Seit 2019 verschärfte Verschreibungsregeln
💡 Wichtigster Ratschlag
Pregabalin kann sehr hilfreich sein, erfordert aber einen verantwortungsvollen Umgang. Halten Sie sich genau an die ärztlichen Anweisungen, setzen Sie es niemals plötzlich ab, und achten Sie auf Ihr Gewicht und Ihre Fahrtüchtigkeit. Bei Anzeichen von Missbrauch oder Abhängigkeit sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt!