Nicht-stimulierendes ADHS-Medikament zur Behandlung von Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen bei Kindern und Jugendlichen
Was ist Intuniv?
Intuniv ist ein Medikament mit dem Wirkstoff Guanfacin, das zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen ab 6 Jahren eingesetzt wird. Im Gegensatz zu den häufiger verwendeten stimulierenden ADHS-Medikamenten wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin gehört Intuniv zu den nicht-stimulierenden Medikamenten.
Besonderheit von Intuniv: Es ist das erste nicht-stimulierende Medikament seiner Klasse in Deutschland und bietet eine Alternative für Patienten, bei denen Stimulanzien nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Intuniv kann auch zusätzlich zu Stimulanzien eingesetzt werden.
Guanfacin war ursprünglich als Bluthochdruckmedikament entwickelt worden. Man bemerkte jedoch, dass es auch positive Effekte auf die Aufmerksamkeit und Impulskontrolle hat. In der retardierten Form (verlängerte Wirkstofffreisetzung) wurde es speziell für die ADHS-Behandlung zugelassen.
Intuniv wirkt über einen völlig anderen Mechanismus als stimulierende ADHS-Medikamente. Der Wirkstoff Guanfacin ist ein selektiver Alpha-2A-Adrenozeptor-Agonist. Das bedeutet, er aktiviert bestimmte Rezeptoren im Gehirn, die für die Aufmerksamkeitssteuerung wichtig sind.
Der Wirkmechanismus im Detail
Guanfacin wirkt hauptsächlich im präfrontalen Kortex, dem Bereich des Gehirns, der für Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Handlungsplanung zuständig ist. Durch die Aktivierung der Alpha-2A-Rezeptoren:
Verbessert sich die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im präfrontalen Kortex
Wird das Arbeitsgedächtnis gestärkt, was hilft, Informationen besser zu behalten und zu verarbeiten
Nimmt die Impulsivität ab, da störende Signale besser gefiltert werden
Verbessert sich die Aufmerksamkeit durch stabilere neuronale Netzwerke
Reduziert sich Hyperaktivität durch eine beruhigende Wirkung auf das zentrale Nervensystem
Unterschied zu Stimulanzien: Während Medikamente wie Ritalin hauptsächlich auf Dopamin und Noradrenalin im gesamten Gehirn wirken, konzentriert sich Intuniv gezielt auf die Alpha-2A-Rezeptoren im präfrontalen Kortex. Das führt zu einem anderen Wirkprofil mit weniger Nebenwirkungen auf Appetit und Schlaf.
Wirkungseintritt und Wirkverlauf
Ein wichtiger Unterschied zu Stimulanzien ist der verzögerte Wirkungseintritt:
Erste Effekte: Nach etwa 1-2 Wochen spürbar
Optimale Wirkung: Entwickelt sich über 4-6 Wochen
Wirkdauer: 24 Stunden durch die Retardformulierung (einmal täglich Einnahme)
Maximale Blutspiegel: Werden etwa 5-6 Stunden nach der Einnahme erreicht
Die verzögerte Retardfreisetzung sorgt dafür, dass der Wirkstoff gleichmäßig über den ganzen Tag verteilt wird, ohne Auf und Ab wie bei kurz wirkenden Stimulanzien.
Wofür wird Intuniv eingesetzt?
Intuniv ist in Deutschland für ein spezifisches Anwendungsgebiet zugelassen:
Zugelassene Indikation
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren, bei denen Stimulanzien nicht geeignet sind, nicht vertragen werden oder sich als unwirksam erwiesen haben.
Wann wird Intuniv bevorzugt eingesetzt?
Der Einsatz von Intuniv wird in folgenden Situationen in Erwägung gezogen:
Unverträglichkeit von Stimulanzien: Wenn Medikamente wie Methylphenidat oder Elvanse zu starke Nebenwirkungen verursachen (z.B. Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Tics)
Unzureichende Wirksamkeit: Wenn Stimulanzien die ADHS-Symptome nicht ausreichend kontrollieren
Zusätzliche Angststörung: Intuniv kann auch bei gleichzeitig bestehenden Angststörungen hilfreich sein
Tic-Störungen: Bei Patienten mit Tourette-Syndrom oder Tics, da Stimulanzien diese manchmal verschlimmern
Missbrauchsbedenken: Da Intuniv kein Betäubungsmittel ist und kein Missbrauchspotenzial hat
Aggressive oder oppositionelle Verhaltensweisen: Intuniv kann auch impulsives und aggressives Verhalten reduzieren
Kombination mit Stimulanzien: Wenn Stimulanzien allein nicht ausreichen, kann Intuniv zusätzlich gegeben werden
Symptome, die behandelt werden
Intuniv kann folgende ADHS-Kernsymptome verbessern:
Aufmerksamkeitsdefizit und Konzentrationsschwäche
Hyperaktivität und motorische Unruhe
Impulsivität und mangelnde Selbstkontrolle
Probleme mit der Handlungsplanung
Schwierigkeiten beim Befolgen von Anweisungen
Soziale Probleme durch impulsives Verhalten
💡 Wichtig zu wissen
Intuniv ist Teil einer Gesamtbehandlung bei ADHS. Die medikamentöse Therapie sollte immer durch psychosoziale Maßnahmen ergänzt werden, wie Verhaltenstherapie, Elterntraining und schulische Unterstützung.
Dosierung und Anwendung
⚠️ Achtung
Die Dosierung muss individuell durch den Arzt festgelegt werden! Die hier genannten Informationen sind nur zur allgemeinen Information und ersetzen nicht die ärztliche Beratung.
Dosierungsschema
Intuniv wird in Form von Retardtabletten eingenommen. Die Dosierung erfolgt schrittweise aufsteigend:
Phase
Dosierung
Dauer
Startdosis
1 mg einmal täglich
Mindestens 1 Woche
Dosissteigerung
Erhöhung um 1 mg pro Woche
Je nach Ansprechen
Erhaltungsdosis
0,05-0,12 mg/kg Körpergewicht
Individuell
Typische Zieldosis
2-4 mg einmal täglich
Langfristig
Maximaldosis
4 mg (bis 7 mg bei Jugendlichen über 58 kg)
-
Einnahmehinweise
Einnahmezeitpunkt: Einmal täglich, vorzugsweise morgens oder abends zur gleichen Zeit
Mit oder ohne Nahrung: Kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden, aber konsistent (immer mit oder immer ohne Essen)
Tabletten nicht teilen: Die Retardtabletten dürfen nicht zerbrochen, zerdrückt oder gekaut werden
Vergessene Dosis: Bei vergessener Einnahme die nächste reguläre Dosis einnehmen (nicht verdoppeln)
Regelmäßige Einnahme: Wichtig für gleichbleibende Wirkung, da es einige Wochen braucht, bis die volle Wirkung eintritt
Langsames Ausschleichen
Niemals abrupt absetzen! Intuniv muss langsam ausgeschlichen werden, um Absetzerscheinungen zu vermeiden. Das Absetzen sollte über mindestens 3-7 Tage erfolgen, indem die Dosis alle 3-7 Tage um maximal 1 mg reduziert wird.
Während der Intuniv-Behandlung sind regelmäßige Kontrollen notwendig:
Blutdruck und Herzfrequenz: Vor Behandlungsbeginn, nach jeder Dosiserhöhung und regelmäßig während der Behandlung
Gewicht und Größe: Regelmäßige Kontrolle bei Kindern
Psychiatrische Symptome: Beobachtung auf Depression, Selbstmordgedanken oder andere Stimmungsveränderungen
EKG: Bei Patienten mit Herzproblemen oder Rhythmusstörungen
Kombination mit Stimulanzien
Intuniv kann zusätzlich zu stimulierenden ADHS-Medikamenten eingenommen werden. Bei Kombinationstherapie mit Methylphenidat, Lisdexamfetamin oder Dexamfetamin ist eine besonders sorgfältige Überwachung von Blutdruck und Herzfrequenz erforderlich.
Nebenwirkungen von Intuniv
Wie alle Medikamente kann auch Intuniv Nebenwirkungen haben. Die meisten sind mild bis mäßig und nehmen mit der Zeit ab. Hier ein Überblick über die häufigsten Nebenwirkungen:
Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10 Patienten)
Müdigkeit und Schläfrigkeit – besonders zu Behandlungsbeginn oder nach Dosiserhöhung
Kopfschmerzen
Niedriger Blutdruck (Hypotonie) – kann zu Schwindel beim Aufstehen führen
Bauchschmerzen
Häufige Nebenwirkungen (1 bis 10 von 100 Patienten)
Verringerte Herzfrequenz (Bradykardie)
Schwindel
Mundtrockenheit
Übelkeit und Erbrechen
Verstopfung
Reizbarkeit
Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit
Appetitlosigkeit
Gewichtsabnahme
Nächtliches Einnässen (Enuresis)
Allergische Reaktionen (Ausschlag, Juckreiz)
Gelegentliche bis seltene Nebenwirkungen
Ohnmacht (Synkope)
Krampfanfälle
Halluzinationen
Herzrhythmusstörungen
Erhöhter Blutdruck (nach abruptem Absetzen)
Depression oder Verstimmung
Angstzustände
⚠️ Wann sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen?
Kontaktieren Sie umgehend Ihren Arzt oder den Notdienst bei:
Ohnmacht oder Bewusstseinsverlust
Sehr langsamer Herzschlag (unter 50 Schläge/Minute)
Starken Kreislaufproblemen oder sehr niedrigem Blutdruck
Selbstmordgedanken oder schweren depressiven Symptomen
Krampfanfällen
Umgang mit häufigen Nebenwirkungen
💡 Tipps bei Nebenwirkungen
Müdigkeit: Einnahme am Abend kann helfen; oft lässt die Müdigkeit nach einigen Wochen nach
Schwindel beim Aufstehen: Langsam aufstehen, ausreichend trinken, Kompressionsstrümpfe können helfen
Mundtrockenheit: Viel Wasser trinken, zuckerfreie Bonbons lutschen
Verstopfung: Ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung und Flüssigkeit
Übelkeit: Einnahme zu einer Mahlzeit kann helfen
Langzeitrisiken
Bei Langzeitanwendung sollten folgende Punkte beachtet werden:
Wachstum und Entwicklung: Gewicht und Größe sollten regelmäßig überwacht werden
Herz-Kreislauf-System: Langfristige Effekte auf Blutdruck und Herzfrequenz müssen kontrolliert werden
Psychiatrische Nebenwirkungen: Regelmäßige Beurteilung der Stimmung und des Verhaltens
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Intuniv kann mit verschiedenen anderen Medikamenten Wechselwirkungen eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Arzneimittel und pflanzlicher Präparate.
Wichtige Wechselwirkungen
🔴 Starke Wechselwirkungen
CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin): Erhöhen die Guanfacin-Konzentration im Blut → Dosisanpassung erforderlich
CYP3A4-Induktoren (z.B. Rifampicin, Johanniskraut, Carbamazepin): Verringern die Wirkung von Intuniv → eventuell höhere Dosis nötig
Blutdrucksenkende Medikamente: Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung → erhöhtes Risiko für niedrigen Blutdruck und Ohnmacht
Beruhigungsmittel und Alkohol: Verstärkung der sedierenden Wirkung → starke Müdigkeit möglich
🟡 Mäßige Wechselwirkungen
Antidepressiva (z.B. Mirtazapin, Amitriptylin): Können die sedierende Wirkung verstärken
Antihistaminika: Zusätzliche Müdigkeit möglich
Betablocker: Verstärkung der herzfrequenzsenkenden Wirkung
Digitalis-Präparate: Erhöhtes Risiko für langsamen Herzschlag
Atomoxetin: Kombination möglich, aber beide senken den Blutdruck
Paracetamol, Ibuprofen: Keine relevanten Wechselwirkungen
⚠️ Besonders wichtig
Alkohol: Sollte während der Behandlung vermieden werden (verstärkt Müdigkeit und Schwindel)
Grapefruitsaft: Kann die Wirkung von Intuniv verstärken – besser vermeiden
Johanniskraut: Verringert die Wirkung von Intuniv erheblich
Wann darf Intuniv nicht eingenommen werden?
In bestimmten Situationen darf Intuniv nicht oder nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden:
Absolute Kontraindikationen (nicht einnehmen)
Allergie gegen Guanfacin oder einen der sonstigen Bestandteile
Schwere Leberinsuffizienz
Vorsicht geboten bei (relative Kontraindikationen)
Niedriger Blutdruck (Hypotonie) oder Ohnmachtsanfälle in der Vorgeschichte
Langsamer Herzschlag (Bradykardie) oder Herzrhythmusstörungen
Kürzlicher Herzinfarkt oder schwere koronare Herzkrankheit
Verlängertes QT-Intervall im EKG
Niereninsuffizienz – Dosisanpassung erforderlich
Lebererkrankungen – Dosisanpassung erforderlich
Depression oder suizidale Gedanken in der Vorgeschichte
Krampfanfälle oder Epilepsie in der Vorgeschichte
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Es liegen keine ausreichenden Daten zur Anwendung von Intuniv in der Schwangerschaft vor. Die Anwendung sollte nur erfolgen, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Alternativen.
Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob Guanfacin in die Muttermilch übergeht. Das Stillen sollte während der Behandlung mit Intuniv vermieden werden.
Verkehrstüchtigkeit
Intuniv kann die Verkehrstüchtigkeit erheblich beeinträchtigen, besonders zu Behandlungsbeginn oder nach Dosiserhöhung. Aufgrund von Müdigkeit, Schwindel und möglichen Ohnmachtsanfällen sollte das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen bis zur individuellen Einstellung vermieden werden.
Besonderheiten bei Intuniv
Kein Betäubungsmittel
Vorteil gegenüber Stimulanzien: Intuniv unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Das bedeutet:
Kein spezielles BtM-Rezept erforderlich
Kein Missbrauchspotenzial
Keine Abhängigkeitsgefahr
Einfachere Verschreibung für Ärzte
Längere Verschreibungen möglich (bis zu 3 Monate auf einem Rezept)
Langsame Dosistitration wichtig
Anders als bei Stimulanzien kann man Intuniv nicht einfach absetzen und wieder beginnen. Die Dosistitration (langsame Steigerung) ist wichtig für die Verträglichkeit. Ein plötzlicher Start mit hoher Dosis würde zu starken Nebenwirkungen führen.
24-Stunden-Wirkung
Die Retardformulierung sorgt für eine gleichmäßige Wirkung über 24 Stunden. Das ist besonders vorteilhaft für:
Morgendliche ADHS-Symptome (schon beim Aufwachen wirksam)
Abendliche Symptomkontrolle (bis zum Schlafengehen)
Vermeidung von Wirkungslücken
Nur einmal tägliche Einnahme (bessere Compliance)
Kardiovaskuläre Überwachung
Aufgrund der Wirkung auf Blutdruck und Herzfrequenz ist eine regelmäßige Überwachung notwendig:
Blutdruck und Puls vor Behandlungsbeginn
Nach jeder Dosiserhöhung
Alle 3 Monate während der Behandlung
Bei Symptomen wie Schwindel, Ohnmacht oder Herzklopfen
Absetzen erfordert Planung
Wichtig: Das Absetzen von Intuniv muss geplant werden. Ein abruptes Absetzen kann zu einem Rebound-Effekt führen mit:
Blutdruckanstieg
Erhöhter Herzfrequenz
Kopfschmerzen
Nervosität und Unruhe
Das Ausschleichen sollte über mindestens 3-7 Tage erfolgen.
Beide sind nicht-stimulierende ADHS-Medikamente, haben aber unterschiedliche Wirkmechanismen:
Strattera wirkt als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
Intuniv wirkt als Alpha-2A-Agonist
Beide haben verzögerten Wirkungseintritt (mehrere Wochen)
Beide können mit Stimulanzien kombiniert werden
Strattera kann eher Übelkeit verursachen, Intuniv eher Müdigkeit
Intuniv vs. Elvanse (Lisdexamfetamin)
Elvanse ist ein lang wirkendes Stimulans. Im Vergleich zu Intuniv:
Elvanse wirkt schneller (innerhalb von Stunden)
Elvanse ist ein Betäubungsmittel, Intuniv nicht
Elvanse hat mehr Einfluss auf Appetit
Intuniv hat weniger Missbrauchspotenzial
Beide können kombiniert werden
Kombinationstherapie: Intuniv wird häufig mit Stimulanzien kombiniert, wenn diese allein nicht ausreichend wirken. Die Kombination kann die Vorteile beider Medikamentenklassen nutzen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Intuniv
Wie schnell wirkt Intuniv?
Intuniv wirkt nicht sofort wie Stimulanzien. Die volle Wirkung tritt erst nach mehreren Wochen ein. Erste Effekte können nach 1-2 Wochen spürbar sein, die optimale Wirkung zeigt sich jedoch meist nach 4-6 Wochen regelmäßiger Einnahme. Das liegt daran, dass sich die Wirkung auf die Rezeptoren im Gehirn langsam aufbaut.
Macht Intuniv abhängig?
Nein, Intuniv hat kein Abhängigkeitspotenzial wie stimulierende ADHS-Medikamente. Es unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz und es besteht kein Risiko für Missbrauch. Allerdings sollte es nicht abrupt abgesetzt werden, da dies zu Blutdruckanstieg und anderen Absetzerscheinungen führen kann. Ein langsames Ausschleichen ist notwendig.
Kann Intuniv mit Methylphenidat kombiniert werden?
Ja, Intuniv kann mit stimulierenden ADHS-Medikamenten wie Methylphenidat, Ritalin, Medikinet oder Elvanse kombiniert werden. Diese Kombination wird häufig eingesetzt, wenn Stimulanzien allein nicht ausreichend wirken. Bei einer Kombinationstherapie ist eine besonders sorgfältige Überwachung von Blutdruck und Herzfrequenz erforderlich.
Warum muss ich vor der Einnahme meinen Blutdruck messen?
Intuniv senkt den Blutdruck und die Herzfrequenz. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um sicherzustellen, dass die Werte nicht zu stark abfallen. Zu niedriger Blutdruck kann zu Schwindel, Müdigkeit und im schlimmsten Fall zu Ohnmacht führen. Die Messungen helfen auch dabei, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls die Dosis anzupassen.
Was passiert, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, nehmen Sie die nächste Dosis zur gewohnten Zeit ein. Nehmen Sie nicht die doppelte Dosis ein, um die vergessene Dosis nachzuholen. Bei mehreren vergessenen Dosen sprechen Sie mit Ihrem Arzt – möglicherweise muss die Behandlung neu begonnen werden mit einer niedrigeren Startdosis.
Kann Intuniv bei Erwachsenen eingesetzt werden?
In Deutschland ist Intuniv derzeit nur für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren zugelassen. In einigen Ländern (z.B. USA) gibt es jedoch auch Zulassungen oder Off-Label-Verwendung bei Erwachsenen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Alternativen für ADHS-Behandlung bei Erwachsenen.
Hilft Intuniv auch bei Angststörungen?
Obwohl Intuniv in Deutschland nur für ADHS zugelassen ist, haben Studien gezeigt, dass es auch Angstsymptome reduzieren kann. Es ist nicht offiziell zur Behandlung von Angststörungen zugelassen, aber bei ADHS-Patienten mit begleitenden Ängsten kann es einen zusätzlichen Nutzen bringen.
Wie lange dauert die Behandlung mit Intuniv?
Die Behandlungsdauer ist individuell und wird vom Arzt festgelegt. ADHS ist oft eine langfristige Erkrankung, daher kann die Behandlung über Jahre gehen. Der Arzt wird regelmäßig überprüfen, ob die Behandlung noch notwendig ist und ob sie weiterhin wirksam ist. Manchmal werden "Medikamentenpausen" eingelegt, um zu sehen, ob das Medikament noch benötigt wird.
Kann ich Alkohol trinken während der Einnahme von Intuniv?
Nein, Alkohol sollte während der Behandlung mit Intuniv vermieden werden. Alkohol verstärkt die sedierende (müde machende) Wirkung von Intuniv und kann zu verstärktem Schwindel, Koordinationsproblemen und gefährlich niedrigem Blutdruck führen.
Beeinflusst Intuniv das Wachstum bei Kindern?
Im Gegensatz zu Stimulanzien hat Intuniv weniger Einfluss auf Gewicht und Wachstum. Dennoch sollten Größe und Gewicht bei Kindern regelmäßig überwacht werden. Einige Kinder nehmen zunächst etwas ab, aber dieser Effekt ist meist weniger ausgeprägt als bei Methylphenidat.
Alternative ADHS-Medikamente
Wenn Intuniv nicht geeignet ist oder nicht ausreichend wirkt, gibt es weitere Behandlungsoptionen für ADHS: