Lang wirkendes ADHS-Stimulans zur Behandlung von Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
Was ist Elvanse?
Elvanse ist ein verschreibungspflichtiges Medikament mit dem Wirkstoff Lisdexamfetamin, das zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt wird. Im internationalen Handel ist es auch unter dem Namen Vyvanse bekannt.
Besonderheit von Elvanse: Lisdexamfetamin ist ein sogenanntes Prodrug. Das bedeutet, der Wirkstoff ist in der eingenommenen Form inaktiv und wird erst im Körper durch Enzyme im Blut in die aktive Form Dexamfetamin umgewandelt. Dies führt zu einem sanfteren Wirkungseintritt und länger anhaltenden Effekt im Vergleich zu anderen Stimulanzien.
Elvanse gehört zu den Amphetamin-Derivaten und zählt damit zu den stimulierenden ADHS-Medikamenten. Es erhöht die Verfügbarkeit der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin im Gehirn, wodurch Aufmerksamkeit, Konzentration und Impulskontrolle verbessert werden.
Grundlegende Informationen im Überblick
Handelsname
Elvanse (in Deutschland), Vyvanse (international)
Wirkstoff
Lisdexamfetamindimesilat (Prodrug von Dexamfetamin)
Elvanse wirkt über einen zweistufigen Mechanismus, der es von anderen Stimulanzien unterscheidet und für seine lange Wirkdauer verantwortlich ist.
Der Wirkmechanismus im Detail
Phase 1: Umwandlung zum aktiven Wirkstoff
Lisdexamfetamin ist ein Prodrug, also eine inaktive Vorstufe. Nach der Einnahme wird es im Blut durch rote Blutkörperchen und bestimmte Enzyme in den aktiven Wirkstoff Dexamfetamin umgewandelt. Diese Umwandlung erfolgt kontinuierlich und gleichmäßig, was zu einem sanfteren Wirkungseintritt führt als bei direkt wirksamem Dexamfetamin.
Vorteil des Prodrug-Konzepts: Die kontinuierliche Umwandlung im Blut sorgt für stabile Wirkspiegel über den Tag und reduziert das Missbrauchspotenzial. Selbst bei missbräuchlicher Anwendung (z.B. Schnupfen oder Injizieren) kann die Umwandlungsrate nicht beschleunigt werden.
Phase 2: Wirkung von Dexamfetamin im Gehirn
Das entstandene Dexamfetamin wirkt dann auf mehreren Ebenen:
Dopamin-Erhöhung: Verstärkt die Freisetzung von Dopamin und blockiert dessen Wiederaufnahme in die Nervenzellen. Dopamin ist wichtig für Motivation, Belohnung und Aufmerksamkeit.
Noradrenalin-Steigerung: Erhöht auch die Verfügbarkeit von Noradrenalin, das für Wachheit, Aufmerksamkeit und Fokus zuständig ist.
Aktivierung des Präfrontalen Kortex: Verbessert die Funktion des Stirnhirns, das für Impulskontrolle, Planung und Arbeitsgedächtnis verantwortlich ist.
Dämpfung von Ablenkbarkeit: Reduziert die Empfindlichkeit für unwichtige Reize, sodass die Konzentration auf relevante Aufgaben leichter fällt.
Elvanse gehört damit zu den am längsten wirkenden ADHS-Medikamenten und muss nur einmal täglich eingenommen werden.
Wofür wird Elvanse eingesetzt?
Elvanse hat in Deutschland folgende Zulassungen:
Zugelassene Indikationen
1. ADHS bei Kindern und Jugendlichen (ab 6 Jahren)
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab 6 Jahren als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms, wenn andere Therapiemaßnahmen allein nicht ausreichend wirksam sind.
2. ADHS bei Erwachsenen
Elvanse ist auch zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen zugelassen, wenn die Symptome seit der Kindheit bestehen und andere Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren.
ADHS-Symptome, die behandelt werden
Elvanse kann folgende Kernsymptome von ADHS verbessern:
Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, leichte Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit
Hyperaktivität: Ständige motorische Unruhe, Zappeln, nicht stillsitzen können, exzessives Reden
Impulsivität: Handeln ohne nachzudenken, andere unterbrechen, ungeduldig sein, Schwierigkeiten abzuwarten
Organisationsprobleme: Schwierigkeiten bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben
Elvanse wird besonders in folgenden Situationen in Betracht gezogen:
Ganztägige Symptomkontrolle benötigt: Bei Patienten, die eine durchgehende Wirkung vom Morgen bis zum Abend brauchen
Schlechte Compliance: Wenn Patienten Schwierigkeiten haben, mehrmals täglich Medikamente einzunehmen
Unzureichende Wirkung anderer Medikamente: Wenn Methylphenidat nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird
Erwachsene mit ADHS: Die einmal tägliche Einnahme ist für berufstätige Erwachsene praktisch
Missbrauchsbedenken in der Anamnese: Das Prodrug-Konzept erschwert den Missbrauch (verglichen mit reinem Dexamfetamin)
Schwerer ADHS: Bei ausgeprägter Symptomatik, die eine starke und lange Wirkung erfordert
Off-Label-Verwendung
Binge-Eating-Störung: In den USA ist Elvanse auch zur Behandlung von moderater bis schwerer Binge-Eating-Störung zugelassen. In Deutschland ist diese Anwendung nicht zugelassen, wird aber manchmal off-label eingesetzt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen.
⚠️ Behandlung als Teil eines Gesamtkonzepts
Elvanse sollte immer als Teil einer umfassenden ADHS-Behandlung eingesetzt werden, die auch nicht-medikamentöse Maßnahmen umfasst:
Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie)
Psychoedukation für Patienten und Angehörige
Elterntraining bei Kindern und Jugendlichen
Schulische oder berufliche Unterstützung
Coaching und Selbstmanagement-Strategien
Dosierung und Anwendung
⚠️ Achtung
Die Dosierung muss individuell durch den Arzt festgelegt werden! Die hier genannten Informationen sind nur zur allgemeinen Information und ersetzen nicht die ärztliche Beratung. Elvanse ist ein Betäubungsmittel und darf nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden.
Verfügbare Dosisstärken
Elvanse ist in folgenden Stärken erhältlich:
20 mg Kapseln
30 mg Kapseln
40 mg Kapseln
50 mg Kapseln
60 mg Kapseln
70 mg Kapseln
Dosierungsschema
Bei Kindern und Jugendlichen (6-17 Jahre)
Phase
Dosierung
Startdosis
30 mg einmal täglich
Dosissteigerung
In Schritten von 10-20 mg pro Woche, je nach Ansprechen und Verträglichkeit
Typische Erhaltungsdosis
30-70 mg einmal täglich
Maximaldosis
70 mg pro Tag
Bei Erwachsenen
Phase
Dosierung
Startdosis
30 mg einmal täglich
Dosissteigerung
In Schritten von 10-20 mg wöchentlich
Typische Erhaltungsdosis
30-70 mg einmal täglich
Maximaldosis
70 mg pro Tag
Einnahmehinweise
Einnahmezeitpunkt: Morgens nach dem Aufwachen, vorzugsweise zur gleichen Zeit
Mit oder ohne Nahrung: Kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden
Kapseln schlucken: Ganze Kapseln mit Wasser schlucken
Alternative bei Schluckbeschwerden: Kapseln können geöffnet und der Inhalt in Wasser, Orangensaft oder Joghurt eingerührt werden (sofort verzehren, nicht aufbewahren)
Nicht nachmittags einnehmen: Spätere Einnahme kann zu Schlafstörungen führen
Vergessene Dosis: Nur einnehmen, wenn es noch früher Morgen/Vormittag ist. Nachmittags weglassen und am nächsten Tag normal weitermachen (nicht verdoppeln)
Behandlungsdauer und Pausen
Die Behandlung mit Elvanse sollte regelmäßig überprüft werden:
Regelmäßige Arztkontrolle: Mindestens alle 3 Monate, zu Beginn häufiger
Behandlungspausen: Der Arzt kann Medikamentenpausen vorschlagen (z.B. am Wochenende oder in den Ferien), um die Notwendigkeit der Behandlung zu überprüfen
Langzeitanwendung: Bei fortbestehendem Nutzen kann die Behandlung langfristig fortgesetzt werden
Absetzen: Sollte schrittweise erfolgen, um Entzugserscheinungen zu vermeiden
Besondere Patientengruppen
Niereninsuffizienz
Leichte Niereninsuffizienz: Keine Dosisanpassung erforderlich
Mäßige Niereninsuffizienz: Maximaldosis 50 mg pro Tag
Schwere Niereninsuffizienz: Maximaldosis 30 mg pro Tag
Leberinsuffizienz
Keine Dosisanpassung erforderlich, da Lisdexamfetamin nicht über die Leber verstoffwechselt wird.
Überwachung während der Behandlung
Während der Elvanse-Behandlung sind regelmäßige Kontrollen notwendig:
Blutdruck und Herzfrequenz: Vor Behandlungsbeginn und regelmäßig während der Behandlung
Gewicht und Größe: Besonders bei Kindern (monatlich zu Beginn, später alle 3-6 Monate)
Psychiatrische Symptome: Überwachung auf Stimmungsveränderungen, Angst, Aggression
Schlaf und Appetit: Regelmäßige Erfassung von Nebenwirkungen
Missbrauchszeichen: Besonders bei Patienten mit Suchtanamnese
Nebenwirkungen von Elvanse
Wie alle Stimulanzien kann Elvanse Nebenwirkungen verursachen. Die meisten sind dosisabhängig und lassen mit der Zeit nach. Hier ein Überblick über die häufigsten Nebenwirkungen:
Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10 Patienten)
Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust – besonders zu Behandlungsbeginn
Schlafstörungen (Insomnie) – Einschlaf- oder Durchschlafprobleme
Mundtrockenheit
Kopfschmerzen
Bauchschmerzen
Häufige Nebenwirkungen (1 bis 10 von 100 Patienten)
Übelkeit und Erbrechen
Durchfall oder Verstopfung
Schwindel
Nervosität, Unruhe, Angstzustände
Reizbarkeit, Aggressivität
Erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie)
Blutdruckanstieg
Schwitzen
Zittern (Tremor)
Müdigkeit (paradoxerweise bei manchen Patienten)
Hautausschlag
Gelegentliche bis seltene Nebenwirkungen
Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen
Panikattacken
Psychotische Symptome (Halluzinationen, Wahn) – besonders bei hohen Dosen
Manie oder bipolare Störung (Auslösung bei Veranlagung)
Depression, Verstimmung
Libidoveränderungen, erektile Dysfunktion
Sehstörungen, verschwommenes Sehen
Tics oder Verschlimmerung bestehender Tics
Muskelverspannungen, Muskelzucken
Raynaud-Syndrom (Durchblutungsstörungen in Fingern/Zehen)
Appetitlosigkeit/Gewichtsverlust: Proteinreiches Frühstück vor der Einnahme, kalorienreiche Snacks am Abend (wenn Wirkung nachlässt), Nahrungsergänzung bei Bedarf
Schlafstörungen: Einnahme nicht nach 9 Uhr morgens, Schlafhygiene verbessern, eventuell niedrigere Dosis besprechen
Mundtrockenheit: Viel Wasser trinken, zuckerfreie Bonbons oder Kaugummi
Kopfschmerzen: Ausreichend trinken, regelmäßige Mahlzeiten; meist Besserung nach einigen Wochen
Bei Langzeitanwendung von Elvanse sollten folgende Aspekte beachtet werden:
Wachstumsverzögerung: Bei Kindern kann es zu leichter Verlangsamung von Wachstum und Gewichtszunahme kommen (regelmäßige Kontrolle wichtig)
Kardiovaskuläre Risiken: Langfristig erhöhter Blutdruck und Herzfrequenz können das Herz-Kreislauf-System belasten
Abhängigkeitspotenzial: Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch gering, aber bei Missbrauch oder Überdosierung möglich
Toleranzentwicklung: Bei manchen Patienten kann die Wirkung mit der Zeit nachlassen
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Elvanse kann mit verschiedenen Medikamenten Wechselwirkungen eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Präparate, pflanzlicher Mittel und Nahrungsergänzungsmittel.
Gefährliche Wechselwirkungen
🔴 MAO-Hemmer (strenge Kontraindikation)
LEBENSGEFÄHRLICH: Elvanse darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen werden! Nach Absetzen eines MAO-Hemmers müssen mindestens 14 Tage vergehen, bevor Elvanse eingenommen werden kann.
Bipolare Störung – kann manische Episoden auslösen
Psychotische Störungen – kann Psychosen verschlimmern
Depression mit Suizidgefahr
Angststörungen
Tourette-Syndrom oder Tics: Kann verschlimmert werden
Krampfanfälle/Epilepsie in der Vorgeschichte: Elvanse kann Krampfschwelle senken
Wachstumsverzögerung bei Kindern
Substanzmissbrauch in der Anamnese: Erhöhtes Risiko für Missbrauch von Elvanse
Raynaud-Phänomen oder periphere Durchblutungsstörungen
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Elvanse soll während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Es gibt Hinweise auf mögliche Risiken für das ungeborene Kind, einschließlich erhöhtem Risiko für Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht. Wenn eine Schwangerschaft eintritt, sollte die Behandlung beendet werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung eine zuverlässige Verhütung anwenden.
Stillzeit: Amphetamine gehen in die Muttermilch über. Das Stillen sollte während der Behandlung mit Elvanse vermieden werden, da das Risiko für Nebenwirkungen beim Säugling besteht.
Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen
Elvanse kann die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Zu Behandlungsbeginn und nach Dosisänderungen:
Kann Schwindel, Sehstörungen oder Konzentrationsprobleme verursachen
Bei manchen Patienten auch paradoxe Müdigkeit
Testen Sie, wie Sie auf das Medikament reagieren, bevor Sie Fahrzeuge führen
Seien Sie besonders vorsichtig beim Bedienen gefährlicher Maschinen
Missbrauch und Abhängigkeit
⚠️ Hohes Missbrauchspotenzial
Elvanse hat ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, obwohl es aufgrund des Prodrug-Konzepts geringer ist als bei reinem Dexamfetamin. Missbrauch kann zu:
Psychischer und körperlicher Abhängigkeit
Toleranzentwicklung (höhere Dosen nötig)
Schweren kardiovaskulären Komplikationen
Psychotischen Symptomen
Abruptem Absetzen mit Entzugserscheinungen (Depression, Müdigkeit, Heißhunger)
Bei Patienten mit Substanzmissbrauch in der Anamnese besondere Vorsicht und engmaschige Kontrolle.
Elvanse im Vergleich zu anderen ADHS-Medikamenten
Elvanse vs. Methylphenidat (Ritalin, Medikinet, Concerta)
Beide wirken den ganzen Tag (Concerta 10-12h, Elvanse bis 13h)
Elvanse hat sanfteren Wirkungseintritt
Concerta hat weniger starke Appetitunterdrückung
Bei Elvanse ist Prodrug-Konzept missbrauchshemmend
Beide sind einmal täglich einzunehmen
Elvanse vs. Intuniv (Guanfacin)
Intuniv ist ein nicht-stimulierendes ADHS-Medikament:
Intuniv wirkt langsamer (Wochen bis zur vollen Wirkung)
Intuniv ist kein Betäubungsmittel
Elvanse wirkt stärker auf Aufmerksamkeit
Intuniv kann zusätzlich zu Elvanse gegeben werden
Intuniv senkt Blutdruck, Elvanse erhöht ihn leicht
Fazit: Elvanse ist eines der potentesten und am längsten wirkenden ADHS-Stimulanzien. Es eignet sich besonders für Patienten, die:
Eine ganztägige Symptomkontrolle benötigen
Probleme mit mehrmaliger täglicher Einnahme haben
Auf Methylphenidat nicht ausreichend ansprechen
Einen sanfteren Wirkungseintritt bevorzugen
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Elvanse
Wie lange wirkt Elvanse?
Elvanse wirkt bis zu 13 Stunden. Die Wirkung beginnt etwa 1-2 Stunden nach der Einnahme und hält den ganzen Tag an. Im Vergleich zu kurzwirksamem Methylphenidat (3-4 Stunden) oder auch retardiertem Methylphenidat (8-10 Stunden) ist Elvanse eines der am längsten wirkenden ADHS-Medikamente. Dies ermöglicht eine durchgehende Symptomkontrolle vom Morgen bis zum Abend mit nur einer einzigen Tablette.
Ist Elvanse ein Betäubungsmittel?
Ja, Elvanse unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Es kann nur mit einem speziellen BtM-Rezept verschrieben werden, das der Arzt handschriftlich ausfüllen muss. Die Verschreibung ist auf maximal 30 Tage begrenzt. Elvanse hat ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, weshalb diese strengen Kontrollen notwendig sind.
Was ist der Unterschied zwischen Elvanse und Ritalin?
Elvanse enthält Lisdexamfetamin, ein Amphetamin-Derivat, während Ritalin Methylphenidat enthält. Die Hauptunterschiede sind: Elvanse wirkt deutlich länger (bis 13 Stunden vs. 3-4 Stunden bei normalem Ritalin), hat einen sanfteren Wirkungseintritt und ist ein Prodrug (wird erst im Körper aktiviert). Elvanse muss nur einmal täglich eingenommen werden, während Ritalin (unretardiert) mehrmals täglich genommen werden muss.
Nimmt man mit Elvanse ab?
Ja, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sind sehr häufige Nebenwirkungen von Elvanse. Viele Patienten nehmen zu Beginn der Behandlung ab, besonders wenn sie vorher nicht mit Stimulanzien behandelt wurden. Das Gewicht sollte regelmäßig kontrolliert werden, besonders bei Kindern, da eine zu starke Gewichtsabnahme das Wachstum beeinträchtigen kann. Strategien gegen den Gewichtsverlust: proteinreiches Frühstück vor der Einnahme, kalorienreiche Snacks am Abend (wenn die Wirkung nachlässt), und bei Bedarf Nahrungsergänzung.
Kann Elvanse bei Erwachsenen eingesetzt werden?
Ja, Elvanse ist in Deutschland zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen zugelassen, wenn die Symptome bereits in der Kindheit bestanden haben. Die Dosierung bei Erwachsenen liegt typischerweise zwischen 30 und 70 mg pro Tag. Viele Erwachsene schätzen die einmal tägliche Einnahme und die durchgehende Wirkung über den Arbeitstag.
Kann ich Elvanse Kapseln öffnen wenn ich sie nicht schlucken kann?
Ja, wenn Sie Schwierigkeiten beim Schlucken von Kapseln haben, können Sie die Elvanse-Kapseln öffnen und den Inhalt in ein Glas Wasser, Orangensaft oder Joghurt einrühren. Die Mischung sollte sofort vollständig verzehrt werden und darf nicht aufbewahrt werden. Zerkauen oder zerstoßen Sie den Kapselinhalt nicht. Diese Methode ist besonders bei Kindern hilfreich.
Warum soll ich Elvanse morgens einnehmen?
Elvanse sollte morgens eingenommen werden, weil es bis zu 13 Stunden wirkt und sonst Schlafstörungen verursachen kann. Wenn Sie Elvanse am Nachmittag einnehmen, reicht die Wirkung bis spät in die Nacht hinein, was das Einschlafen erheblich erschwert. Die meisten Ärzte empfehlen die Einnahme zwischen 6 und 9 Uhr morgens, idealerweise zur gleichen Zeit jeden Tag.
Macht Elvanse abhängig?
Elvanse hat ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, da es ein Amphetamin-Derivat ist. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch unter ärztlicher Aufsicht ist das Risiko einer Abhängigkeit jedoch gering. Das Prodrug-Konzept (Umwandlung erst im Körper) reduziert das Missbrauchspotenzial im Vergleich zu reinem Dexamfetamin. Wichtig ist, dass Sie die verordnete Dosis nicht eigenmächtig erhöhen und das Medikament nicht mit anderen teilen.
Was passiert wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, nehmen Sie sie nur ein, wenn es noch früher Morgen oder Vormittag ist. Ist es bereits Nachmittag, lassen Sie die Dosis aus und nehmen Sie am nächsten Tag zur gewohnten Zeit die nächste Dosis ein. Nehmen Sie niemals die doppelte Dosis ein. Bei nachmittäglicher Einnahme riskieren Sie Schlafstörungen, da Elvanse bis zu 13 Stunden wirkt.
Kann ich Alkohol trinken während der Einnahme von Elvanse?
Nein, Sie sollten keinen Alkohol trinken während der Behandlung mit Elvanse. Alkohol kann die Wirkung von Elvanse unvorhersehbar verändern, das Urteilsvermögen beeinträchtigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen erhöhen. Die Kombination kann auch zu gefährlichen Verhaltensweisen führen, da das Gefühl der Alkoholwirkung durch Elvanse maskiert wird.
Beeinflusst Elvanse das Wachstum bei Kindern?
Ja, Elvanse kann das Wachstum und die Gewichtszunahme bei Kindern verlangsamen. Studien zeigen, dass Kinder unter Stimulanzien-Behandlung im Durchschnitt etwas kleiner bleiben und weniger zunehmen als unbehandelte Kinder. Aus diesem Grund sollten Größe und Gewicht regelmäßig kontrolliert werden. Manchmal werden Medikamentenpausen (z.B. in den Ferien) empfohlen, um Wachstum und Gewichtszunahme zu ermöglichen.
Warum muss ich ein BtM-Rezept für Elvanse haben?
Elvanse unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz, weil es ein Amphetamin-Derivat mit Missbrauchspotenzial ist. Das BtM-Rezept ist eine spezielle Verschreibung, die der Arzt handschriftlich ausfüllen muss und die nur 7 Tage gültig ist. Die Verschreibung ist auf maximal 30 Tage Behandlung begrenzt. Diese strengen Kontrollen sollen Missbrauch und illegale Weitergabe verhindern.
Alternative ADHS-Medikamente
Wenn Elvanse nicht geeignet ist oder nicht ausreichend wirkt, gibt es weitere Behandlungsoptionen für ADHS: