Wachheitsförderndes Medikament zur Behandlung von Narkolepsie und übermäßiger Schläfrigkeit. Eugeroikum mit besonderem Wirkmechanismus.
Was ist Modafinil?
Modafinil ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das in Deutschland unter dem Handelsnamen Vigil erhältlich ist. Es gehört zur Gruppe der Eugeroika (wachheitsfördernde Mittel) und wird hauptsächlich zur Behandlung von übermäßiger Schläfrigkeit bei Narkolepsie eingesetzt.
Besonderheit von Modafinil: Im Gegensatz zu klassischen Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetaminen wirkt Modafinil selektiver und hat ein deutlich geringeres Abhängigkeitspotenzial. Es fördert Wachheit und Aufmerksamkeit, ohne die typische Überstimulation klassischer Stimulanzien zu verursachen. Modafinil unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz.
Der genaue Wirkmechanismus von Modafinil ist noch nicht vollständig verstanden. Es beeinflusst mehrere Neurotransmittersysteme im Gehirn, insbesondere Dopamin, Noradrenalin, Histamin und Orexin, die alle eine Rolle bei der Regulation von Wachheit und Schlaf spielen.
Grundlegende Informationen im Überblick
Handelsname
Vigil (Deutschland), Provigil (USA)
Wirkstoff
Modafinil
Wirkstoffklasse
Eugeroikum (wachheitsförderndes Mittel)
Darreichungsform
Tabletten (100 mg, 200 mg)
Hersteller
TEVA (Vigil), verschiedene Generika
Verschreibungsstatus
Verschreibungspflichtig, kein Betäubungsmittel
Hauptindikation
Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie
Wirkdauer
12-15 Stunden (lange Halbwertszeit)
Wie wirkt Modafinil?
Der genaue Wirkmechanismus von Modafinil ist komplex und noch nicht vollständig aufgeklärt. Es unterscheidet sich deutlich von klassischen Stimulanzien wie Amphetaminen oder Methylphenidat.
Der Wirkmechanismus im Detail
Hauptwirkmechanismen
Dopamin-Wiederaufnahmehemmung: Modafinil blockiert den Dopamintransporter (DAT), wodurch mehr Dopamin im synaptischen Spalt verfügbar bleibt. Diese Wirkung ist jedoch schwächer und selektiver als bei klassischen Stimulanzien.
Aktivierung des Orexin-Systems: Modafinil aktiviert Orexin-Neuronen im Hypothalamus. Orexin (auch Hypocretin genannt) ist ein wichtiger Neurotransmitter für Wachheit. Bei Narkolepsie ist dieses System oft gestört.
Noradrenalin-Erhöhung: Verstärkt die Freisetzung von Noradrenalin, das für Aufmerksamkeit und Wachheit wichtig ist.
Histamin-Aktivierung: Erhöht die Histaminfreisetzung im Gehirn, was ebenfalls Wachheit fördert.
GABA-Reduktion: Verringert die Aktivität des schlaffördernden Neurotransmitters GABA.
Unterschied zu klassischen Stimulanzien: Während Amphetamine und Methylphenidat stark und unselektiv auf mehrere Dopamin- und Noradrenalin-Systeme wirken, hat Modafinil einen subtileren, selektiveren Effekt. Es fördert primär Wachheit und Aufmerksamkeit in Hirnregionen, die für diese Funktionen zuständig sind, ohne das gesamte Nervensystem zu überstimulieren.
Wirkungseintritt und Wirkverlauf
Zeitpunkt
Wirkung
30-60 Minuten
Beginn der Wirkung
2-4 Stunden
Maximale Wirkung (Peak)
12-15 Stunden
Anhaltende Wirkung
Halbwertszeit
12-15 Stunden (kann individuell variieren)
Nach 24 Stunden
Großteil der Wirkung abgeklungen
Effekte auf Kognition und Leistung
Modafinil hat nachweislich positive Effekte auf verschiedene kognitive Funktionen:
Wachheit: Reduziert übermäßige Tagesschläfrigkeit deutlich
Aufmerksamkeit: Verbessert die Fähigkeit, sich über längere Zeit zu konzentrieren
Arbeitsgedächtnis: Kann die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses erhöhen
Reaktionszeit: Verkürzt Reaktionszeiten bei kognitiven Aufgaben
Ermüdungsresistenz: Verzögert das Auftreten von Ermüdung bei anstrengenden Aufgaben
💡 Wichtig zu verstehen
Modafinil ist kein Ersatz für Schlaf. Es unterdrückt das Schlafbedürfnis temporär, beseitigt aber nicht die negativen Folgen von Schlafmangel. Langfristiger Schlafentzug trotz Modafinil-Einnahme kann zu gesundheitlichen Problemen führen.
Wofür wird Modafinil eingesetzt?
Modafinil hat in Deutschland eine spezifische Zulassung, wird aber auch häufig off-label für andere Indikationen verwendet.
Zugelassene Indikation
Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie: Behandlung der übermäßigen Tagesschläfrigkeit bei erwachsenen Patienten mit Narkolepsie.
Was ist Narkolepsie?
Narkolepsie ist eine chronische Schlafstörung, die durch folgende Hauptsymptome gekennzeichnet ist:
Übermäßige Tagesschläfrigkeit: Unkontrollierbares Einschlafen am Tag, auch in unangemessenen Situationen
Kataplexie: Plötzlicher Verlust des Muskeltonus, oft ausgelöst durch Emotionen (nicht bei allen Patienten)
Schlaflähmung: Unfähigkeit sich zu bewegen beim Einschlafen oder Aufwachen
Hypnagoge Halluzinationen: Lebhafte Traumerlebnisse beim Einschlafen
Gestörter Nachtschlaf: Häufiges Erwachen in der Nacht
Off-Label-Verwendungen
Obwohl nicht offiziell zugelassen, wird Modafinil in der Praxis auch für andere Indikationen eingesetzt:
Modafinil wird manchmal off-label bei ADHS eingesetzt, besonders wenn:
Klassische Stimulanzien nicht wirken oder nicht vertragen werden
Kontraindikationen gegen Stimulanzien bestehen
Bei Erwachsenen mit ADHS, die keine Betäubungsmittel-Rezepte erhalten können/möchten
Bei komorbiden Schlafstörungen
Wichtig: Die Wirksamkeit bei ADHS ist geringer als bei klassischen ADHS-Medikamenten wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin.
2. Schichtarbeit-Schlafstörung (SWD)
In den USA und einigen anderen Ländern ist Modafinil zur Behandlung von übermäßiger Schläfrigkeit bei Schichtarbeitern zugelassen. In Deutschland ist diese Indikation nicht offiziell zugelassen, wird aber manchmal off-label verordnet.
3. Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
Als Zusatztherapie bei anhaltender Tagesschläfrigkeit trotz CPAP-Therapie. In einigen Ländern zugelassen, in Deutschland off-label.
4. Fatigue bei verschiedenen Erkrankungen
Off-label-Verwendung bei:
Multiple Sklerose (MS): Gegen die für MS typische schwere Erschöpfung
Depression: Zur Verbesserung von Antrieb und Energie, besonders bei therapieresistenter Depression
Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS/ME)
Parkinson-Krankheit: Gegen Tagesschläfrigkeit
Krebs: Gegen krebsbedingte Erschöpfung
5. Kognitive Enhancement ("Neuroenhancement")
⚠️ Missbrauch als "Smart Drug"
Modafinil wird manchmal von gesunden Personen zur kognitiven Leistungssteigerung missbraucht (Studenten, Berufstätige). Dies ist:
Illegal ohne ärztliche Verschreibung
Nicht zugelassen für diese Anwendung
Potenziell gesundheitsschädlich
Ethisch fragwürdig
Die Einnahme sollte nur unter ärztlicher Aufsicht bei medizinischer Indikation erfolgen.
Wann ist Modafinil besonders geeignet?
Bei Narkolepsie mit starker Tagesschläfrigkeit
Wenn klassische Stimulanzien zu viele Nebenwirkungen verursachen
Bei Patienten mit Substanzmissbrauch in der Anamnese (geringeres Missbrauchspotenzial)
Wenn kein Betäubungsmittel-Rezept gewünscht oder möglich ist
Bei komorbiden Angststörungen (weniger anxiogen als klassische Stimulanzien)
Wenn eine lange, gleichmäßige Wirkdauer benötigt wird
Dosierung und Anwendung
⚠️ Achtung
Die Dosierung muss individuell durch den Arzt festgelegt werden! Die hier genannten Informationen sind nur zur allgemeinen Information und ersetzen nicht die ärztliche Beratung.
Verfügbare Dosisstärken
Modafinil (Vigil) ist in Deutschland in folgenden Stärken erhältlich:
100 mg Tabletten
200 mg Tabletten (Standarddosis)
Dosierungsschema
Bei Narkolepsie
Patientengruppe
Typische Dosierung
Erwachsene
200-400 mg einmal täglich morgens
Startdosis
Meist 200 mg morgens
Maximaldosis
400 mg pro Tag
Ältere Patienten (>65 Jahre)
100 mg, bei Bedarf auf 200 mg erhöhen
Bei Off-Label-Verwendung (z.B. ADHS)
Die Dosierung bei off-label Anwendungen variiert:
ADHS: 100-400 mg täglich, oft 200 mg morgens
Depression (Augmentation): 100-200 mg morgens
MS-Fatigue: 200-400 mg morgens
Einnahmehinweise
Einnahmezeitpunkt: Morgens, vorzugsweise früh (6-8 Uhr), um Schlafstörungen zu vermeiden
Mit oder ohne Nahrung: Kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden
Ganze Tabletten: Tabletten ganz mit Wasser schlucken, nicht teilen (außer bei 100-mg-Dosierung aus 200-mg-Tablette)
Regelmäßigkeit: Zur gleichen Zeit jeden Tag für gleichbleibende Wirkung
Nicht nachmittags: Einnahme nach 12 Uhr kann zu Schlafstörungen führen
Besondere Hinweise
Bei Schichtarbeit
Wenn Modafinil bei Schichtarbeit-Schlafstörung off-label verwendet wird: Einnahme etwa 1 Stunde vor Schichtbeginn.
Vergessene Dosis
Wenn am Morgen vergessen: Nur einnehmen, wenn es noch früher Vormittag ist (vor 10 Uhr)
Nach Mittag: Dosis auslassen und am nächsten Tag normal weitermachen
Niemals doppelte Dosis einnehmen
Dosisanpassung bei Leber- oder Niereninsuffizienz
Organfunktion
Dosisanpassung
Leichte Niereninsuffizienz
Keine Anpassung erforderlich
Schwere Niereninsuffizienz
Vorsicht, eventuell Dosisreduktion
Leichte bis mäßige Leberinsuffizienz
Halbierung der Dosis (100 mg statt 200 mg)
Schwere Leberinsuffizienz
Kontraindiziert
Behandlungsdauer
Die Behandlung mit Modafinil erfolgt in der Regel langfristig:
Narkolepsie: Oft lebenslange Behandlung, da chronische Erkrankung
Off-Label-Verwendungen: Abhängig von der Grunderkrankung und dem Ansprechen
Regelmäßige Überprüfung: Mindestens jährlich sollte die Notwendigkeit der Fortführung überprüft werden
Behandlungspausen: Gelegentliche "Drug Holidays" können helfen, die Wirksamkeit zu erhalten
Absetzen
Modafinil kann in der Regel ohne Ausschleichen abgesetzt werden, da es keine körperliche Abhängigkeit verursacht. Dennoch können nach Absetzen auftreten:
Verstärkte Müdigkeit für einige Tage
Verminderte Konzentrationsfähigkeit
Eventuell leichte Verstimmung
Diese Symptome sind meist mild und klingen innerhalb weniger Tage ab.
Überwachung während der Behandlung
Blutdruck und Herzfrequenz: Regelmäßige Kontrolle, besonders bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Psychiatrische Symptome: Überwachung auf Stimmungsveränderungen, Angst, Psychose
Hautreaktionen: Besonders in den ersten Monaten auf Ausschläge achten
Wirksamkeit: Regelmäßige Bewertung, ob das Medikament noch ausreichend wirkt
Missbrauch: Besonders bei Patienten mit Suchtanamnese
Nebenwirkungen von Modafinil
Modafinil wird im Allgemeinen gut vertragen. Die meisten Nebenwirkungen sind mild bis mäßig. Hier ein Überblick über die häufigsten Nebenwirkungen:
Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10 Patienten)
Kopfschmerzen – die häufigste Nebenwirkung, meist zu Beginn der Behandlung
Häufige Nebenwirkungen (1 bis 10 von 100 Patienten)
Nervosität, Unruhe, Angstzustände
Schlafstörungen (Insomnie) – besonders bei zu später Einnahme
Schwindel
Übelkeit
Mundtrockenheit
Appetitlosigkeit
Durchfall oder Verstopfung
Herzklopfen, erhöhte Herzfrequenz
Blutdruckanstieg (meist mild)
Schwitzen
Gelegentliche Nebenwirkungen
Zittern (Tremor)
Verschwommenes Sehen
Hautausschlag
Rückenschmerzen
Muskelverspannungen
Gewichtsverlust
Blutbildveränderungen (Eosinophilie, Leukopenie)
Erhöhte Leberenzyme
Depression oder Stimmungsschwankungen
Verwirrtheit, Gedächtnisprobleme
Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen
⚠️ Schwere Hautreaktionen
In sehr seltenen Fällen kann Modafinil schwere Hautreaktionen verursachen:
Stevens-Johnson-Syndrom (SJS)
Toxische epidermale Nekrolyse (TEN)
DRESS-Syndrom (Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms)
Selbstmordgedanken oder schwere depressive Symptome
Ohnmacht oder Bewusstseinsverlust
Umgang mit häufigen Nebenwirkungen
💡 Tipps bei Nebenwirkungen
Kopfschmerzen: Ausreichend Wasser trinken (2-3 Liter/Tag), regelmäßige Mahlzeiten; oft Besserung nach 1-2 Wochen
Schlafstörungen: Einnahme nicht nach 8-9 Uhr morgens, Schlafhygiene verbessern, eventuell Dosis reduzieren
Nervosität: Dosis reduzieren, Entspannungstechniken, eventuell auf Vormittagseinnahme umstellen
Übelkeit: Einnahme mit leichter Mahlzeit, kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt
Mundtrockenheit: Viel Wasser trinken, zuckerfreie Bonbons
Langzeitrisiken und Überwachung
Bei Langzeitanwendung von Modafinil sind bisher keine schwerwiegenden Langzeitschäden bekannt. Dennoch sollten beachtet werden:
Herz-Kreislauf-System: Regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Herzfrequenz
Psychiatrische Effekte: Langfristige Überwachung auf Stimmungsveränderungen
Toleranzentwicklung: Bei manchen Patienten lässt die Wirkung mit der Zeit nach
Leberfunktion: Gelegentliche Kontrolle der Leberwerte
Vergleich der Nebenwirkungen mit klassischen Stimulanzien
Im Vergleich zu Amphetaminen und Methylphenidat hat Modafinil:
✓ Weniger Appetitunterdrückung
✓ Geringeres Missbrauchspotenzial
✓ Weniger Schlafstörungen (bei korrekter Einnahme)
✓ Weniger Rebound-Effekte
✓ Weniger kardiovaskuläre Stimulation
✗ Aber: Risiko für schwere Hautreaktionen (sehr selten)
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Modafinil kann mit verschiedenen Medikamenten Wechselwirkungen eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
Wichtige Wechselwirkungen
🔴 Hormonelle Verhütungsmittel
SEHR WICHTIG für Frauen: Modafinil kann die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel (Pille, Hormonpflaster, Vaginalring) reduzieren. Diese verminderte Wirkung kann bis zu 2 Monate nach Absetzen von Modafinil anhalten.
Empfehlung: Zusätzliche oder alternative Verhütungsmethoden (z.B. Kondome) während der Modafinil-Behandlung und für 2 Monate danach verwenden.
🟡 Medikamente, die über CYP3A4 abgebaut werden
Modafinil ist ein schwacher Induktor des Enzyms CYP3A4. Es kann den Abbau folgender Medikamente beschleunigen:
Ciclosporin: Bei Organtransplantierten – engmaschige Kontrolle nötig
Steroide: Wirkung kann vermindert sein
Kalziumkanalblocker (einige Blutdruckmedikamente)
HIV-Proteaseinhibitoren: Wirkung kann reduziert werden
🟡 Medikamente, die über CYP2C19 abgebaut werden
Modafinil hemmt das Enzym CYP2C19. Dies kann die Wirkung folgender Medikamente verstärken:
Modafinil kann die Wirkung von Warfarin beeinflussen. Engmaschige INR-Kontrollen sind erforderlich, besonders zu Beginn und beim Absetzen von Modafinil.
🟡 MAO-Hemmer
Die Kombination von Modafinil mit MAO-Hemmern ist nicht gut untersucht. Vorsicht ist geboten, obwohl die Kombination weniger problematisch ist als bei klassischen Stimulanzien.
🟡 Antidepressiva
SSRI/SNRI: Können kombiniert werden (Modafinil wird manchmal zur Augmentation eingesetzt), aber Vorsicht bei CYP2C19-Substraten
Trizyklische Antidepressiva: Spiegel können erhöht sein – Dosisanpassung eventuell nötig
Bupropion: Kann kombiniert werden, aber beide senken die Krampfschwelle
🟡 Andere Stimulanzien
Kombination mit anderen Stimulanzien (Koffein, ADHS-Medikamente) kann Nebenwirkungen verstärken:
Erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen
Verstärkte Nervosität und Schlafstörungen
Erhöhter Blutdruck
Medikamente, die normalerweise kombiniert werden können
Paracetamol, Ibuprofen: Keine relevanten Wechselwirkungen
Antibiotika (meiste): Keine Probleme
Antihistaminika: Können kombiniert werden
Metformin: Keine bekannten Wechselwirkungen
Schilddrüsenhormone: Können kombiniert werden
Substanzen, die vermieden werden sollten
⚠️ Nicht oder nur mit Vorsicht kombinieren
Alkohol: Kann die Wirkung von Modafinil unvorhersehbar beeinflussen und die Toleranz gegenüber Alkohol verändern
Illegale Drogen: Besonders Stimulanzien – gefährlich für Herz-Kreislauf-System
Hochdosiertes Koffein: Energy-Drinks in großen Mengen können Nebenwirkungen verstärken
Wann darf Modafinil nicht eingenommen werden?
In bestimmten Situationen darf Modafinil nicht oder nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden:
Absolute Kontraindikationen (nicht einnehmen)
Allergie gegen Modafinil, Armodafinil oder einen der sonstigen Bestandteile
Psychose oder psychotische Störungen in der Vorgeschichte
Bipolare Störung – kann manische Episoden auslösen
Schwere Depression
Angststörungen
Substanzmissbrauch in der Anamnese
Lebererkrankungen: Bei leichter bis mäßiger Leberinsuffizienz Dosisreduktion auf 50%
Niereninsuffizienz: Bei schwerer Niereninsuffizienz Vorsicht
Epilepsie oder Krampfanfälle in der Vorgeschichte: Modafinil kann die Krampfschwelle senken
Tourette-Syndrom oder Tics
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Modafinil ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Es gibt Hinweise auf mögliche teratogene Effekte (Fehlbildungen). Falls eine Schwangerschaft eintritt, sollte Modafinil sofort abgesetzt werden.
Verhütung: Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für 2 Monate danach zuverlässig verhüten. Hormonelle Verhütungsmittel allein sind nicht ausreichend (siehe Wechselwirkungen).
Stillzeit: Es ist nicht bekannt, ob Modafinil in die Muttermilch übergeht. Das Stillen sollte während der Behandlung vermieden werden.
Kinder und Jugendliche
Modafinil ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht zugelassen. In Studien bei Kindern wurden erhöhte Raten schwerer Hautreaktionen beobachtet.
Ältere Patienten (>65 Jahre)
Bei älteren Patienten sollte mit einer niedrigeren Dosis begonnen werden (100 mg), da die Elimination verzögert sein kann. Eine vorsichtige Dosistitration ist empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen
Modafinil kann die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen:
Kann Schwindel oder verschwommenes Sehen verursachen
Paradoxerweise kann bei manchen Patienten Benommenheit auftreten
Testen Sie, wie Sie auf das Medikament reagieren, bevor Sie Fahrzeuge führen
Bei Narkolepsie: Zusätzliche Vorsicht, da die Grunderkrankung bereits die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt
Missbrauch und Abhängigkeit
💡 Geringes, aber vorhandenes Missbrauchspotenzial
Obwohl Modafinil ein deutlich geringeres Missbrauchspotenzial als klassische Stimulanzien hat, kann es dennoch missbraucht werden:
Verwendung als "Smart Drug" zur kognitiven Enhancement
Psychische Abhängigkeit bei längerfristigem Missbrauch möglich
Bei Patienten mit Substanzmissbrauch in der Anamnese besondere Vorsicht
Regelmäßige Überprüfung der Einnahme durch den Arzt
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch unter ärztlicher Aufsicht ist das Abhängigkeitsrisiko jedoch gering.
Modafinil im Vergleich zu anderen wachheitsfördernden Mitteln
Elvanse: Stärkere Wirkung auf ADHS-Symptome, Betäubungsmittel, stärkere Appetitunterdrückung
Modafinil: Bessere Verträglichkeit, kein BtM-Rezept nötig, geringeres Abhängigkeitspotenzial
Beide haben ähnlich lange Wirkdauer (12-13 Stunden)
Modafinil ist erste Wahl bei Narkolepsie, Elvanse bei ADHS
Modafinil vs. Armodafinil
Armodafinil ist das R-Enantiomer von Modafinil (Modafinil ist ein Racemat aus R- und S-Enantiomer):
Armodafinil hat eine etwas längere Wirkdauer
Armodafinil erreicht später den Peak, hält aber länger an
In Deutschland ist Armodafinil nicht verfügbar (nur in USA, UK, etc.)
Wirksamkeit und Nebenwirkungen sind vergleichbar
Modafinil vs. Koffein
Eigenschaft
Modafinil
Koffein
Verfügbarkeit
Verschreibungspflichtig
Frei verkäuflich
Wirkdauer
12-15 Stunden
4-6 Stunden
Toleranzentwicklung
Gering bis mäßig
Schnell
Entzugssymptome
Mild
Moderat (Kopfschmerzen)
Wirkung auf Wachheit
Stark und gleichmäßig
Mäßig, mit Auf und Ab
Nebenwirkungen
Mäßig
Mild (bei normaler Dosierung)
Modafinil vs. Strattera (Atomoxetin)
Strattera ist ein nicht-stimulierendes ADHS-Medikament:
Strattera: Für ADHS zugelassen, Wirkungseintritt nach Wochen, kein Betäubungsmittel
Modafinil: Für Narkolepsie zugelassen, sofortige Wirkung, off-label bei ADHS
Modafinil wirkt schneller, aber Strattera ist bei ADHS oft wirksamer
Beide haben geringes Missbrauchspotenzial
Wann ist Modafinil die beste Wahl?
Modafinil ist besonders geeignet bei:
Narkolepsie – erste Wahl zur Behandlung der Tagesschläfrigkeit
ADHS mit Substanzmissbrauch in der Anamnese – geringeres Missbrauchspotenzial
ADHS bei Patienten, die kein BtM-Rezept wünschen/können
Komorbide Angststörungen – weniger anxiogen als klassische Stimulanzien
Lange, gleichmäßige Wirkung gewünscht – einmal täglich, keine Wirkungstäler
Fatigue bei chronischen Erkrankungen (MS, Depression) – off-label
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Modafinil
Ist Modafinil ein Betäubungsmittel?
Nein, Modafinil unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Es ist verschreibungspflichtig, kann aber mit einem normalen Rezept verordnet werden. Das macht die Verschreibung einfacher als bei Stimulanzien wie Methylphenidat oder Elvanse. Das Abhängigkeitspotenzial ist deutlich geringer als bei klassischen Stimulanzien.
Hilft Modafinil bei ADHS?
Modafinil ist in Deutschland nicht offiziell zur Behandlung von ADHS zugelassen, wird aber manchmal off-label eingesetzt. Studien zeigen, dass es die Aufmerksamkeit verbessern kann, allerdings ist die Wirksamkeit bei ADHS geringer als bei klassischen ADHS-Medikamenten wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin. Es kann eine Option sein, wenn andere Medikamente nicht vertragen werden oder bei Patienten mit Substanzmissbrauch in der Vorgeschichte.
Wie lange wirkt Modafinil?
Modafinil hat eine sehr lange Halbwertszeit von 12-15 Stunden. Die Wirkung hält typischerweise 12-15 Stunden an, bei manchen Menschen auch länger. Eine einzige Dosis am Morgen (idealerweise zwischen 6-8 Uhr) reicht meist für den ganzen Tag. Aufgrund der langen Wirkdauer sollte Modafinil nicht nach 9-10 Uhr morgens eingenommen werden, um Schlafstörungen zu vermeiden.
Kann man mit Modafinil abnehmen?
Modafinil kann den Appetit reduzieren und zu Gewichtsverlust führen, dieser Effekt ist jedoch deutlich schwächer als bei klassischen Stimulanzien wie Amphetaminen. Einige Menschen berichten von leichtem Gewichtsverlust, andere bemerken keinen Unterschied. Das Medikament ist nicht zur Gewichtsreduktion zugelassen und sollte nicht zu diesem Zweck eingesetzt werden.
Macht Modafinil süchtig?
Das Abhängigkeitspotenzial von Modafinil ist gering. Es verursacht kein Hochgefühl (Euphorie) wie klassische Stimulanzien und das Risiko für körperliche Abhängigkeit ist sehr niedrig. Eine psychische Abhängigkeit ist bei Missbrauch theoretisch möglich, aber selten. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch unter ärztlicher Aufsicht besteht praktisch kein Abhängigkeitsrisiko. Modafinil kann in der Regel ohne Entzugserscheinungen abgesetzt werden.
Kann ich Modafinil zusammen mit Kaffee trinken?
Ja, moderate Mengen Kaffee (1-2 Tassen) können in der Regel ohne Probleme getrunken werden. Allerdings können große Mengen Koffein zusammen mit Modafinil zu verstärkten Nebenwirkungen führen (Nervosität, Herzrasen, Schlafstörungen). Viele Patienten stellen fest, dass sie unter Modafinil weniger Koffein benötigen als zuvor. Energy-Drinks sollten vermieden oder nur in kleinen Mengen konsumiert werden.
Warum muss ich morgens Modafinil einnehmen?
Modafinil sollte morgens eingenommen werden (idealerweise zwischen 6-8 Uhr), weil es bis zu 15 Stunden wirkt. Eine spätere Einnahme kann zu erheblichen Schlafstörungen führen, da die wachheitsfördernde Wirkung bis spät in die Nacht anhält. Selbst eine Einnahme um 12 Uhr mittags kann noch um 3 Uhr nachts wirken. Für die beste Schlafqualität sollte die Einnahme so früh wie möglich erfolgen.
Kann ich Modafinil mit Antidepressiva kombinieren?
In vielen Fällen ja. Modafinil wird sogar manchmal gezielt mit Antidepressiva kombiniert, um deren Wirkung zu verstärken (Augmentation), besonders bei therapieresistenter Depression oder Depression mit starker Erschöpfung. Allerdings gibt es einige Wechselwirkungen zu beachten, besonders bei trizyklischen Antidepressiva. Ihr Arzt muss die Kombination sorgfältig überwachen und gegebenenfalls Dosisanpassungen vornehmen.
Ist Modafinil gefährlich für das Herz?
Bei gesunden Menschen ist Modafinil für das Herz relativ sicher. Es kann zu leichten Erhöhungen von Blutdruck und Herzfrequenz führen, diese sind aber meist geringer als bei klassischen Stimulanzien. Bei vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, schwere Hypertonie, Herzrhythmusstörungen) ist Modafinil kontraindiziert. Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck und Puls sind während der Behandlung wichtig.
Was passiert wenn ich Modafinil absetze?
Modafinil kann in der Regel ohne Ausschleichen abrupt abgesetzt werden, da es keine körperliche Abhängigkeit verursacht. Nach dem Absetzen können für einige Tage auftreten: verstärkte Müdigkeit, verminderte Konzentration, eventuell leichte Verstimmung. Diese Symptome sind jedoch meist mild und klingen innerhalb von 2-5 Tagen ab. Bei Narkolepsie kehrt die übermäßige Tagesschläfrigkeit natürlich zurück, da die Grunderkrankung fortbesteht.
Kann ich unter Modafinil Auto fahren?
Das hängt von Ihrer individuellen Reaktion ab. Bei Narkolepsie-Patienten kann Modafinil die Fahrtüchtigkeit sogar verbessern, indem es die übermäßige Schläfrigkeit reduziert. Allerdings kann Modafinil auch Schwindel oder verschwommenes Sehen verursachen. Testen Sie zu Beginn der Behandlung, wie Sie auf das Medikament reagieren, bevor Sie Auto fahren. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob Sie fahrtüchtig sind.
Beeinträchtigt Modafinil die Pille?
Ja, das ist sehr wichtig! Modafinil kann die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel (Pille, Hormonpflaster, Vaginalring) reduzieren. Diese verminderte Wirkung kann bis zu 2 Monate nach Absetzen von Modafinil anhalten. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Modafinil-Behandlung und für 2 Monate danach zusätzliche oder alternative Verhütungsmethoden (z.B. Kondome) verwenden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden.
Alternative Medikamente bei Narkolepsie und ADHS
Wenn Modafinil nicht geeignet ist oder nicht ausreichend wirkt, gibt es weitere Behandlungsoptionen: