Was ist Attentin?
Attentin ist der Handelsname für den Wirkstoff Dexamfetamin (auch Dexamphetamin geschrieben). Es handelt sich um ein Stimulans aus der Gruppe der Amphetamine, das zur Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) eingesetzt wird.
Dexamfetamin ist die rechtsdrehende (dextrorotatorische) Form von Amphetamin und wirkt stärker auf das zentrale Nervensystem als die linksdrehende Form. Es ist etwa doppelt so potent wie das gemischte Amphetamin und wird deshalb in niedrigeren Dosen eingesetzt.
🔍 Gut zu wissen
Attentin wird von der Firma Medice hergestellt, die in Deutschland auch Medikinet (Methylphenidat) produziert. Dexamfetamin ist seit Jahrzehnten in der ADHS-Behandlung etabliert, besonders im englischsprachigen Raum unter dem Namen "Dexedrine" bekannt.
Wie wirkt Attentin?
Attentin wirkt als zentrales Stimulans und beeinflusst den Stoffwechsel wichtiger Botenstoffe im Gehirn.
Der Wirkmechanismus
Dexamfetamin entfaltet seine Wirkung durch mehrere Mechanismen:
- Dopamin-Freisetzung: Attentin bewirkt eine verstärkte Freisetzung von Dopamin aus den Nervenzellen
- Noradrenalin-Erhöhung: Auch Noradrenalin wird vermehrt freigesetzt
- Wiederaufnahme-Hemmung: Die Wiederaufnahme dieser Botenstoffe in die Nervenzellen wird blockiert, sodass sie länger wirken
- Monoaminoxidase-Hemmung: In geringem Maße wird auch der Abbau von Dopamin und Noradrenalin gehemmt
Wirkung bei ADHS
Bei Menschen mit ADHS führt die erhöhte Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin zu folgenden Verbesserungen:
- Bessere Konzentration: Die Aufmerksamkeitsspanne verlängert sich deutlich
- Reduzierte Impulsivität: Überlegte Handlungen statt spontaner Reaktionen
- Weniger Hyperaktivität: Innere Unruhe und motorische Überaktivität nehmen ab
- Verbesserte Impulskontrolle: Besseres Abwarten-Können und weniger Unterbrechungen
- Strukturiertes Arbeiten: Aufgaben können besser organisiert und zu Ende gebracht werden
Wirkungseintritt und -dauer
Attentin wirkt relativ schnell:
- Wirkungsbeginn: 30-60 Minuten nach Einnahme
- Maximale Wirkung: Nach etwa 2-3 Stunden
- Wirkdauer: Etwa 4-6 Stunden pro Tablette
- Mehrfache Einnahme: Meist 2-3x täglich erforderlich
💡 Paradoxe Wirkung bei ADHS
Es mag paradox erscheinen, dass ein Stimulans bei hyperaktiven Menschen beruhigend wirkt. Der Grund: Bei ADHS ist die Aktivität in bestimmten Hirnbereichen (v.a. präfrontaler Kortex) zu niedrig. Das Stimulans normalisiert diese Aktivität, was zu mehr Ruhe und Fokus führt.
Wofür wird Attentin eingesetzt?
Attentin ist ausschließlich für die Behandlung von ADHS zugelassen.
Hauptanwendungsgebiet: ADHS
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei:
- Kindern ab 6 Jahren
- Jugendlichen
- Erwachsenen (wenn ADHS bereits im Kindesalter begonnen hat)
Wann wird Attentin eingesetzt?
Attentin kommt typischerweise zum Einsatz, wenn:
- Methylphenidat nicht ausreichend wirkt: Etwa 20-30% der ADHS-Patienten sprechen nicht gut auf Ritalin oder Medikinet an
- Methylphenidat nicht vertragen wird: Bei starken Nebenwirkungen
- Als Zweitlinientherapie: Nach unzureichendem Ansprechen auf andere ADHS-Medikamente
- Als Alternative zu Elvanse: Wenn eine kürzere Wirkdauer gewünscht ist
Multimodale Therapie
Attentin ist Teil einer umfassenden Behandlung, die beinhalten sollte:
- Psychotherapie: Verhaltenstherapie zur Entwicklung von Bewältigungsstrategien
- Psychoedukation: Aufklärung über ADHS für Patient und Familie
- Soziales Training: Verbesserung sozialer Kompetenzen
- Elterntraining: Bei Kindern und Jugendlichen
- Strukturierungsmaßnahmen: Tagesstruktur, Zeitmanagement
⚠️ Keine Verschreibung bei ADS ohne Hyperaktivität?
Auch wenn die Zulassung "ADHS" lautet, wird Attentin auch bei ADS ohne Hyperaktivität (vorwiegend unaufmerksamer Typ) verschrieben. Die Unterscheidung ADHS/ADS ist medizinisch überholt - heute spricht man von ADHS mit verschiedenen Subtypen.
Dosierung und Einnahme
Die Dosierung von Attentin wird individuell angepasst und schrittweise erhöht (Titration).
Verfügbare Stärken
Attentin ist in folgenden Dosierungen erhältlich:
- Attentin 5 mg Tabletten
- Attentin 10 mg Tabletten
- Attentin 15 mg Tabletten
- Attentin 20 mg Tabletten
Dosierung bei Kindern und Jugendlichen (6-17 Jahre)
| Phase | Dosis | Hinweise |
|---|---|---|
| Startdosis | 5 mg 1-2x täglich | Meist morgens und mittags |
| Dosissteigerung | Wöchentlich um 5 mg erhöhen | Bis optimale Wirkung erreicht ist |
| Übliche Erhaltungsdosis | 10-20 mg pro Tag | Verteilt auf 2-3 Einzeldosen |
| Maximaldosis | 40 mg pro Tag | Nur in Ausnahmefällen |
Dosierung bei Erwachsenen
| Phase | Dosis | Hinweise |
|---|---|---|
| Startdosis | 5-10 mg morgens | Kann auf 2 Dosen verteilt werden |
| Dosissteigerung | Wöchentlich um 5-10 mg | Langsame Anpassung wichtig |
| Übliche Erhaltungsdosis | 20-40 mg pro Tag | Verteilt auf 2-3 Einzeldosen |
| Maximaldosis | 60 mg pro Tag | Selten erforderlich |
Wichtige Einnahmeregeln
- Mehrfache tägliche Einnahme: Meist morgens und mittags, evtl. auch nachmittags
- Nicht abends einnehmen: Letzte Dosis spätestens 16-17 Uhr wegen Schlafstörungen
- Mit oder ohne Essen: Kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden
- Tabletten schlucken: Nicht zerkauen oder mörsern
- Regelmäßig einnehmen: Am besten täglich zur gleichen Zeit
- Nicht vergessen: Besonders wichtig an Schul- oder Arbeitstagen
Medikamentenpausen
Ob Medikamentenpausen sinnvoll sind, wird kontrovers diskutiert:
- Wochenend-/Ferienpausen: Manche Ärzte empfehlen Pausen, um Nebenwirkungen zu reduzieren
- Kontinuierliche Einnahme: Andere empfehlen durchgehende Einnahme für bessere Stabilität
- Individuelle Entscheidung: Abhängig von Symptomen, Nebenwirkungen und Lebenssituation
⚠️ Niemals die Dosis eigenmächtig ändern!
Ändern Sie die Dosis von Attentin niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt. Eine zu hohe Dosis kann zu gefährlichen Nebenwirkungen führen, eine zu niedrige Dosis wirkt nicht ausreichend. Die Dosierung muss sorgfältig individuell angepasst werden.
Nebenwirkungen von Attentin
Wie alle Amphetamine kann auch Attentin verschiedene Nebenwirkungen haben.
Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10 Personen)
- Appetitlosigkeit: Häufigste Nebenwirkung, kann zu Gewichtsverlust führen
- Schlafstörungen: Einschlafprobleme, wenn zu spät eingenommen
- Kopfschmerzen: Besonders zu Behandlungsbeginn
- Mundtrockenheit: Reduzierter Speichelfluss
Häufige Nebenwirkungen (1 bis 10 von 100 Personen)
- Nervosität und Unruhe: Innere Anspannung
- Reizbarkeit: Verstärkte emotionale Reaktionen
- Übelkeit: Magenbeschwerden
- Bauchschmerzen: Besonders bei Kindern
- Gewichtsverlust: Durch verminderten Appetit
- Schwindel: Besonders beim Aufstehen
- Herzrasen (Tachykardie): Erhöhte Herzfrequenz
- Blutdruckanstieg: Leichte bis mäßige Erhöhung
Gelegentliche Nebenwirkungen
- Stimmungsschwankungen
- Depressive Verstimmung (besonders bei Abklingen der Wirkung)
- Angstgefühle
- Zittern
- Schwitzen
- Tics (unwillkürliche Bewegungen oder Laute)
- Sehstörungen
- Hautausschlag
Schwerwiegende Nebenwirkungen (selten)
- Herzrhythmusstörungen: Unregelmäßiger Herzschlag
- Bluthochdruck: Starke Blutdruckerhöhung
- Psychotische Symptome: Halluzinationen, Wahnvorstellungen (sehr selten)
- Krampfanfälle: Besonders bei Veranlagung
- Durchblutungsstörungen: Kalte Finger und Zehen
Besondere Nebenwirkungen bei Kindern
Wachstumsverzögerung
Eine wichtige Nebenwirkung bei Kindern ist die mögliche Verzögerung von Wachstum und Gewichtszunahme:
- Kinder unter Stimulanzien-Therapie wachsen durchschnittlich 1-2 cm weniger pro Jahr
- Die Gewichtszunahme ist reduziert durch verminderten Appetit
- In vielen Fällen holt sich das Wachstum später wieder auf
- Regelmäßige Kontrollen von Größe und Gewicht sind wichtig
Emotionale Nebenwirkungen
Bei Kindern können verstärkt auftreten:
- Weinerlichkeit
- Soziale Zurückgezogenheit
- Traurigkeit oder gedrückte Stimmung
- Rebound-Effekt (verstärkte ADHS-Symptome beim Abklingen der Wirkung)
🚨 Sofort zum Arzt bei:
- Brustschmerzen oder Atemnot
- Ohnmacht oder Bewusstseinsverlust
- Krampfanfall
- Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
- Stark erhöhtem Blutdruck
- Anhaltender schmerzhafter Erektion (Priapismus)
- Selbstmordgedanken
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Attentin kann mit zahlreichen Medikamenten interagieren. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
Gefährliche Wechselwirkungen
MAO-Hemmer (Antidepressiva)
Absolute Kontraindikation! Die Kombination von Attentin mit MAO-Hemmern kann zu lebensbedrohlichen Blutdruckkrisen führen:
- Mindestens 14 Tage Abstand zwischen MAO-Hemmer und Attentin
- Betrifft: Tranylcypromin, Moclobemid
- Gefahr: Hypertensive Krise, Hirnblutung
Andere Antidepressiva
Vorsicht bei Kombination mit:
- Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin, Imipramin - erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen
- SSRI: Fluoxetin, Sertralin - können die Wirkung von Attentin verstärken
- SNRI: Venlafaxin - Blutdruckanstieg möglich
Blutdrucksenkende Medikamente
Attentin kann die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente abschwächen. Eine Dosisanpassung kann nötig sein.
Säurehemmende Medikamente
- Protonenpumpenhemmer: Können die Ausscheidung von Attentin verlangsamen und die Wirkung verstärken
- Vitamin C und saure Getränke: Beschleunigen die Ausscheidung und schwächen die Wirkung ab
Andere Substanzen
- Koffein: Verstärkte Nervosität, Herzrasen - Kaffee, Energy-Drinks meiden oder reduzieren
- Alkohol: Kann die Beurteilung des Alkoholpegels erschweren, verstärkte Risiken
- Cannabis: Kann Wirkung und Nebenwirkungen unvorhersehbar beeinflussen
Gegenanzeigen - Wann darf Attentin nicht eingenommen werden?
Absolute Gegenanzeigen
Attentin darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit: Allergie gegen Dexamfetamin oder andere Amphetamine
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Schwere Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Angina pectoris
- Schwere Hypertonie: Unkontrollierter hoher Blutdruck
- Hyperthyreose: Schilddrüsenüberfunktion
- Glaukom: Grüner Star (erhöhter Augeninnendruck)
- Einnahme von MAO-Hemmern: Oder innerhalb von 14 Tagen nach Absetzen
- Psychotische Störungen: Schizophrenie, akute Psychose
- Suchterkrankung: Aktuelle oder frühere Drogen- oder Alkoholabhängigkeit
- Schwere Angststörungen: Panikstörung, schwere Angst
- Kinder unter 6 Jahren
Relative Gegenanzeigen (besondere Vorsicht)
- Leichte bis mittelschwere Hypertonie
- Epilepsie oder frühere Krampfanfälle
- Tic-Störungen oder Tourette-Syndrom
- Bipolare Störung
- Depression (kann sich verschlechtern)
- Aggressives oder feindseliges Verhalten
- Lebererkrankungen
- Nierenerkrankungen
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Attentin sollte während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Studien zeigen mögliche Risiken:
- Erhöhtes Risiko für Frühgeburten
- Niedriges Geburtsgewicht
- Mögliche Herzfehler beim Kind
- Entzugserscheinungen beim Neugeborenen
Wenn eine Schwangerschaft eintritt oder geplant ist, besprechen Sie dies sofort mit Ihrem Arzt!
Stillzeit: Dexamfetamin geht in die Muttermilch über. Stillen sollte während der Behandlung vermieden werden, da das Baby das Medikament aufnehmen würde.
Missbrauch und Abhängigkeit
Als Amphetamin hat Attentin ein erhebliches Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Dies ist der Hauptgrund für die Einstufung als Betäubungsmittel.
Missbrauchsrisiko
Attentin wird manchmal missbräuchlich verwendet von:
- Studenten: Als "Lerndroge" zur Leistungssteigerung
- Berufstätigen: Zur Konzentrationssteigerung und Müdigkeitsbekämpfung
- Sportlern: Als Dopingmittel (verboten!)
- Partygängern: Als Aufputschmittel
🚫 Weitergabe ist strafbar!
Die Weitergabe von Attentin an andere Personen - auch an andere ADHS-Patienten - ist illegal und strafbar nach dem Betäubungsmittelgesetz! Bewahren Sie Attentin sicher auf, damit es nicht in falsche Hände gerät.
Abhängigkeitsentwicklung
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zur ADHS-Behandlung ist das Abhängigkeitsrisiko gering. Eine Abhängigkeit kann aber entstehen bei:
- Dosiserhöhung ohne ärztliche Anweisung
- Einnahme zur Leistungssteigerung statt zur ADHS-Behandlung
- Einnahme zur Stimmungsaufhellung oder zum "High-Werden"
- Kombination mit anderen Substanzen
Anzeichen von Missbrauch oder Abhängigkeit
- Verlangen nach höheren Dosen
- Einnahme außerhalb der verschriebenen Zeiten
- Beschaffung von zusätzlichen Rezepten bei verschiedenen Ärzten
- Einnahme trotz negativer Folgen
- Vernachlässigung anderer Aktivitäten
- Entzugssymptome beim Absetzen (extreme Müdigkeit, Depression)
Sicherer Umgang mit Attentin
- Nehmen Sie Attentin nur wie verschrieben ein
- Ändern Sie niemals selbstständig die Dosis
- Bewahren Sie Attentin sicher auf, außer Reichweite von Kindern
- Geben Sie Attentin niemals an andere weiter
- Entsorgen Sie übrige Tabletten in der Apotheke (nicht im Hausmüll)
- Nehmen Sie regelmäßige ärztliche Kontrollen wahr
Attentin absetzen
Im Gegensatz zu vielen anderen Psychopharmaka kann Attentin bei ADHS-Behandlung in der Regel ohne Ausschleichen abgesetzt werden.
Absetzen bei kurzfristiger Einnahme
Wenn Attentin nur kurz oder in niedriger Dosis eingenommen wurde:
- Kann meist ohne Probleme abgesetzt werden
- Keine schweren Entzugserscheinungen zu erwarten
- ADHS-Symptome kehren zurück
Mögliche Absetzeffekte
Beim Absetzen können auftreten:
- Müdigkeit: Extreme Erschöpfung für einige Tage
- Verstärkter Appetit: Nachholeffekt nach Appetitlosigkeit
- Depression: Vorübergehende gedrückte Stimmung
- Konzentrationsschwierigkeiten: ADHS-Symptome kehren zurück
- Reizbarkeit: Erhöhte Gereiztheit
Diese Effekte sind meist mild und dauern nur wenige Tage.
Langfristige Perspektive
- Lebenslange Therapie? Nicht immer nötig - etwa 30% der Kinder "wachsen aus ADHS heraus"
- Regelmäßige Überprüfung: Mindestens einmal jährlich Therapiepause testen
- Alternative Strategien: Verhaltenstherapie, Coaching, Strukturierungsmaßnahmen
Regelmäßige ärztliche Kontrollen
Unter Attentin-Therapie sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen zwingend erforderlich.
Vor Therapiebeginn
- Ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung
- Blutdruck und Puls messen
- EKG (Herzfunktion)
- Größe und Gewicht (bei Kindern)
- Psychiatrische Untersuchung
- Ausschluss von Gegenanzeigen
Während der Therapie
Regelmäßige Kontrollen alle 3-6 Monate:
- Blutdruck und Puls: Bei jedem Arztbesuch
- Gewicht: Monatlich kontrollieren
- Größe bei Kindern: Alle 6 Monate
- Herz-Kreislauf-Check: Regelmäßig, bei Symptomen sofort
- Psychiatrische Beurteilung: Stimmung, Verhalten, psychotische Symptome
- Überprüfung der Wirksamkeit: Helfen die Medikamente noch?
- Nebenwirkungen: Erfassung und Bewertung
Besondere Kontrollen bei Kindern
- Wachstumskurve: Größe und Gewicht in Perzentilenkurven eintragen
- Schulische Leistung: Hat sich die Konzentration verbessert?
- Sozialverhalten: Verbesserung im Umgang mit anderen?
- Emotionales Befinden: Keine depressiven Symptome?
Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen
Die Auswirkungen von Attentin auf die Fahrtüchtigkeit sind komplex:
Unbehandelte ADHS und Autofahren
- ADHS erhöht das Unfallrisiko deutlich (40-50% mehr Unfälle)
- Ablenkbarkeit und Impulsivität sind gefährlich im Straßenverkehr
- Viele ADHS-Patienten haben Probleme mit dem Führerschein
Unter Attentin-Behandlung
- Verbesserte Fahrtüchtigkeit: Bei gut eingestellter Medikation meist besser als ohne
- Zu Beginn vorsichtig: In den ersten Wochen Reaktion testen
- Bei Nebenwirkungen: Nicht fahren bei Schwindel, Sehstörungen
- Wirkdauer beachten: Am Ende der Wirkung wieder eingeschränkt
⚠️ Führerschein und ADHS-Medikation
Informieren Sie sich über die Regelungen in Ihrem Land. In Deutschland:
- ADHS allein ist kein Ausschlussgrund für den Führerschein
- Bei gut eingestellter Medikation meist kein Problem
- Ärztliche Bescheinigung über erfolgreiche Behandlung kann nötig sein
- Regelmäßige Kontrollen durch Facharzt erforderlich
Vergleich: Attentin vs. andere ADHS-Medikamente
Attentin vs. Elvanse
Elvanse (Lisdexamfetamin) ist chemisch verwandt mit Attentin:
- Elvanse: Vorstufe, wird im Körper zu Dexamfetamin umgewandelt
- Wirkdauer: Elvanse wirkt länger (bis 13 Stunden), Attentin kürzer (4-6 Stunden)
- Einnahme: Elvanse 1x täglich, Attentin 2-3x täglich
- Missbrauchspotenzial: Bei Elvanse theoretisch geringer durch verzögerte Freisetzung
- Kosten: Elvanse ist teurer
Attentin vs. Methylphenidat (Ritalin, Medikinet)
Methylphenidat ist das am häufigsten verschriebene ADHS-Medikament:
- Wirkungsweise: Ähnlich, aber Methylphenidat hemmt hauptsächlich die Wiederaufnahme, Amphetamine setzen zusätzlich Dopamin frei
- Wirkstärke: Dexamfetamin gilt als potenter
- Erste Wahl: Meist wird zuerst Methylphenidat probiert
- Bei Non-Response: Attentin als Alternative wenn Methylphenidat nicht wirkt
- Nebenwirkungen: Ähnliches Profil, aber individuell unterschiedlich verträglich
Attentin vs. Strattera (Atomoxetin)
Strattera ist ein Nicht-Stimulans:
- Kein Betäubungsmittel: Strattera unterliegt nicht dem BtMG
- Kein Missbrauchspotenzial: Große Vorteil von Strattera
- Wirkung: Meist schwächer als Stimulanzien
- Wirkungseintritt: Strattera braucht Wochen, Attentin wirkt sofort
- Bei Suchtgefahr: Strattera ist sicherer
Häufig gestellte Fragen zu Attentin
Wie schnell wirkt Attentin?
Attentin wirkt relativ schnell. Die Wirkung tritt etwa 30-60 Minuten nach der Einnahme ein. Die maximale Wirkung erreicht Attentin nach etwa 2-3 Stunden. Die Wirkdauer beträgt insgesamt 4-6 Stunden pro Tablette.
Was ist der Unterschied zwischen Attentin und Elvanse?
Attentin enthält Dexamfetamin, Elvanse enthält Lisdexamfetamin (eine Vorstufe von Dexamfetamin). Der Hauptunterschied: Elvanse wirkt länger (bis zu 13 Stunden) und gleichmäßiger, da es erst im Körper zu Dexamfetamin umgewandelt wird. Attentin wirkt schneller, aber kürzer (4-6 Stunden) und muss deshalb mehrmals täglich eingenommen werden.
Macht Attentin abhängig?
Ja, Attentin hat ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, da es ein Amphetamin ist. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zur ADHS-Behandlung und unter ärztlicher Kontrolle ist das Risiko jedoch gering. Wichtig ist die genaue Einhaltung der ärztlichen Anweisungen und keine eigenmächtige Dosiserhöhung.
Kann Attentin das Wachstum bei Kindern beeinflussen?
Ja, Attentin kann bei Kindern vorübergehend das Wachstum und die Gewichtszunahme verlangsamen. Durchschnittlich wachsen Kinder unter Stimulanzien-Therapie etwa 1-2 cm weniger pro Jahr. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen von Größe und Gewicht wichtig. In vielen Fällen holt sich das Wachstum später wieder auf, besonders wenn Medikamentenpausen eingelegt werden.
Kann man mit Attentin Auto fahren?
Bei gut eingestellter ADHS-Medikation ist die Fahrtüchtigkeit meist besser als ohne Behandlung, da ADHS das Unfallrisiko erhöht. Zu Beginn der Behandlung sollten Sie jedoch vorsichtig sein und Ihre Reaktion testen. Bei Nebenwirkungen wie Schwindel oder Sehstörungen dürfen Sie nicht fahren. Am Ende der Wirkdauer kann die Konzentration wieder nachlassen.
Warum wird Attentin seltener verschrieben als Ritalin?
In Deutschland ist Methylphenidat (Ritalin, Medikinet) das Mittel der ersten Wahl bei ADHS. Attentin wird meist erst verschrieben, wenn Methylphenidat nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Gründe sind unter anderem die längere Erfahrung mit Methylphenidat und möglicherweise ein als etwas niedriger eingeschätztes Missbrauchsrisiko.
Muss man Attentin jeden Tag nehmen?
Das hängt von der individuellen Situation ab. Viele Ärzte empfehlen eine tägliche Einnahme für bessere Stabilität. Andere befürworten Medikamentenpausen an Wochenenden oder in den Ferien, um Nebenwirkungen zu reduzieren und das Wachstum nicht zu beeinträchtigen. Dies sollte individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Kann Attentin Tics auslösen?
Ja, Attentin kann in seltenen Fällen Tics (unwillkürliche Bewegungen oder Laute) auslösen oder bestehende Tics verstärken. Bei Kindern mit Tourette-Syndrom oder familiärer Veranlagung zu Tics ist besondere Vorsicht geboten. Wenn Tics unter Attentin auftreten oder sich verschlimmern, sollte dies mit dem Arzt besprochen werden.
Wird man unter Attentin dünner?
Ja, Gewichtsverlust durch Appetitminderung ist eine häufige Nebenwirkung. Besonders zu Beginn der Behandlung kann der Appetit deutlich reduziert sein. Bei Kindern muss das Gewicht regelmäßig kontrolliert werden. Tipps: kalorienreiche Snacks anbieten, Hauptmahlzeiten vor der Medikamenteneinnahme, evtl. kalorienreiche Getränke.
Zusammenfassung
Attentin (Dexamfetamin) ist ein wirksames Stimulans zur Behandlung von ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Es ist ein Betäubungsmittel mit strengen Verschreibungsregeln.
✅ Die wichtigsten Punkte zu Attentin
- Sehr wirksam bei ADHS: Besonders wenn Methylphenidat nicht ausreichend wirkt
- Schnelle Wirkung: Erste Effekte nach 30-60 Minuten
- Kurze Wirkdauer: 4-6 Stunden, meist 2-3x täglich nötig
- Betäubungsmittel: Spezielle BtM-Rezepte erforderlich
- Missbrauchspotenzial: Strenge Einhaltung der Verschreibung wichtig
- Regelmäßige Kontrollen: Blutdruck, Puls, Gewicht, Größe
- Wachstumsüberwachung bei Kindern: Mögliche vorübergehende Verzögerung
- Appetitlosigkeit: Häufigste Nebenwirkung
- Teil eines Gesamtkonzepts: Kombination mit Verhaltenstherapie ideal
Bei richtiger Anwendung und unter ärztlicher Kontrolle kann Attentin die Lebensqualität von Menschen mit ADHS erheblich verbessern. Eine umfassende Behandlung sollte jedoch immer auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Verhaltenstherapie, Strukturierungshilfen und psychosoziale Unterstützung beinhalten.