Attentin (Dexamfetamin)

Wirksames Stimulans zur ADHS-Behandlung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

💊 Wirkstoff: Dexamfetamin 🏥 Klasse: Stimulans 🔒 Betäubungsmittel

📊 Attentin auf einen Blick

Wirkstoff
Dexamfetamin
Klasse
Amphetamin-Stimulans
Wirkungseintritt
30-60 Minuten
Wirkdauer
4-6 Stunden
Hauptanwendung
ADHS ab 6 Jahren
Status
BtM-pflichtig

Was ist Attentin?

Attentin ist der Handelsname für den Wirkstoff Dexamfetamin (auch Dexamphetamin geschrieben). Es handelt sich um ein Stimulans aus der Gruppe der Amphetamine, das zur Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) eingesetzt wird.

Dexamfetamin ist die rechtsdrehende (dextrorotatorische) Form von Amphetamin und wirkt stärker auf das zentrale Nervensystem als die linksdrehende Form. Es ist etwa doppelt so potent wie das gemischte Amphetamin und wird deshalb in niedrigeren Dosen eingesetzt.

🔍 Gut zu wissen

Attentin wird von der Firma Medice hergestellt, die in Deutschland auch Medikinet (Methylphenidat) produziert. Dexamfetamin ist seit Jahrzehnten in der ADHS-Behandlung etabliert, besonders im englischsprachigen Raum unter dem Namen "Dexedrine" bekannt.

Wie wirkt Attentin?

Attentin wirkt als zentrales Stimulans und beeinflusst den Stoffwechsel wichtiger Botenstoffe im Gehirn.

Der Wirkmechanismus

Dexamfetamin entfaltet seine Wirkung durch mehrere Mechanismen:

Wirkung bei ADHS

Bei Menschen mit ADHS führt die erhöhte Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin zu folgenden Verbesserungen:

Wirkungseintritt und -dauer

Attentin wirkt relativ schnell:

💡 Paradoxe Wirkung bei ADHS

Es mag paradox erscheinen, dass ein Stimulans bei hyperaktiven Menschen beruhigend wirkt. Der Grund: Bei ADHS ist die Aktivität in bestimmten Hirnbereichen (v.a. präfrontaler Kortex) zu niedrig. Das Stimulans normalisiert diese Aktivität, was zu mehr Ruhe und Fokus führt.

Wofür wird Attentin eingesetzt?

Attentin ist ausschließlich für die Behandlung von ADHS zugelassen.

Hauptanwendungsgebiet: ADHS

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei:

Wann wird Attentin eingesetzt?

Attentin kommt typischerweise zum Einsatz, wenn:

Multimodale Therapie

Attentin ist Teil einer umfassenden Behandlung, die beinhalten sollte:

⚠️ Keine Verschreibung bei ADS ohne Hyperaktivität?

Auch wenn die Zulassung "ADHS" lautet, wird Attentin auch bei ADS ohne Hyperaktivität (vorwiegend unaufmerksamer Typ) verschrieben. Die Unterscheidung ADHS/ADS ist medizinisch überholt - heute spricht man von ADHS mit verschiedenen Subtypen.

Dosierung und Einnahme

Die Dosierung von Attentin wird individuell angepasst und schrittweise erhöht (Titration).

Verfügbare Stärken

Attentin ist in folgenden Dosierungen erhältlich:

Dosierung bei Kindern und Jugendlichen (6-17 Jahre)

Phase Dosis Hinweise
Startdosis 5 mg 1-2x täglich Meist morgens und mittags
Dosissteigerung Wöchentlich um 5 mg erhöhen Bis optimale Wirkung erreicht ist
Übliche Erhaltungsdosis 10-20 mg pro Tag Verteilt auf 2-3 Einzeldosen
Maximaldosis 40 mg pro Tag Nur in Ausnahmefällen

Dosierung bei Erwachsenen

Phase Dosis Hinweise
Startdosis 5-10 mg morgens Kann auf 2 Dosen verteilt werden
Dosissteigerung Wöchentlich um 5-10 mg Langsame Anpassung wichtig
Übliche Erhaltungsdosis 20-40 mg pro Tag Verteilt auf 2-3 Einzeldosen
Maximaldosis 60 mg pro Tag Selten erforderlich

Wichtige Einnahmeregeln

Medikamentenpausen

Ob Medikamentenpausen sinnvoll sind, wird kontrovers diskutiert:

⚠️ Niemals die Dosis eigenmächtig ändern!

Ändern Sie die Dosis von Attentin niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt. Eine zu hohe Dosis kann zu gefährlichen Nebenwirkungen führen, eine zu niedrige Dosis wirkt nicht ausreichend. Die Dosierung muss sorgfältig individuell angepasst werden.

Nebenwirkungen von Attentin

Wie alle Amphetamine kann auch Attentin verschiedene Nebenwirkungen haben.

Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 1 von 10 Personen)

Häufige Nebenwirkungen (1 bis 10 von 100 Personen)

Gelegentliche Nebenwirkungen

Schwerwiegende Nebenwirkungen (selten)

Besondere Nebenwirkungen bei Kindern

Wachstumsverzögerung

Eine wichtige Nebenwirkung bei Kindern ist die mögliche Verzögerung von Wachstum und Gewichtszunahme:

Emotionale Nebenwirkungen

Bei Kindern können verstärkt auftreten:

🚨 Sofort zum Arzt bei:

  • Brustschmerzen oder Atemnot
  • Ohnmacht oder Bewusstseinsverlust
  • Krampfanfall
  • Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
  • Stark erhöhtem Blutdruck
  • Anhaltender schmerzhafter Erektion (Priapismus)
  • Selbstmordgedanken

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Attentin kann mit zahlreichen Medikamenten interagieren. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen.

Gefährliche Wechselwirkungen

MAO-Hemmer (Antidepressiva)

Absolute Kontraindikation! Die Kombination von Attentin mit MAO-Hemmern kann zu lebensbedrohlichen Blutdruckkrisen führen:

Andere Antidepressiva

Vorsicht bei Kombination mit:

Blutdrucksenkende Medikamente

Attentin kann die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente abschwächen. Eine Dosisanpassung kann nötig sein.

Säurehemmende Medikamente

Andere Substanzen

Gegenanzeigen - Wann darf Attentin nicht eingenommen werden?

Absolute Gegenanzeigen

Attentin darf nicht eingenommen werden bei:

Relative Gegenanzeigen (besondere Vorsicht)

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft: Attentin sollte während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Studien zeigen mögliche Risiken:

Wenn eine Schwangerschaft eintritt oder geplant ist, besprechen Sie dies sofort mit Ihrem Arzt!

Stillzeit: Dexamfetamin geht in die Muttermilch über. Stillen sollte während der Behandlung vermieden werden, da das Baby das Medikament aufnehmen würde.

Missbrauch und Abhängigkeit

Als Amphetamin hat Attentin ein erhebliches Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Dies ist der Hauptgrund für die Einstufung als Betäubungsmittel.

Missbrauchsrisiko

Attentin wird manchmal missbräuchlich verwendet von:

🚫 Weitergabe ist strafbar!

Die Weitergabe von Attentin an andere Personen - auch an andere ADHS-Patienten - ist illegal und strafbar nach dem Betäubungsmittelgesetz! Bewahren Sie Attentin sicher auf, damit es nicht in falsche Hände gerät.

Abhängigkeitsentwicklung

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zur ADHS-Behandlung ist das Abhängigkeitsrisiko gering. Eine Abhängigkeit kann aber entstehen bei:

Anzeichen von Missbrauch oder Abhängigkeit

Sicherer Umgang mit Attentin

Attentin absetzen

Im Gegensatz zu vielen anderen Psychopharmaka kann Attentin bei ADHS-Behandlung in der Regel ohne Ausschleichen abgesetzt werden.

Absetzen bei kurzfristiger Einnahme

Wenn Attentin nur kurz oder in niedriger Dosis eingenommen wurde:

Mögliche Absetzeffekte

Beim Absetzen können auftreten:

Diese Effekte sind meist mild und dauern nur wenige Tage.

Langfristige Perspektive

Regelmäßige ärztliche Kontrollen

Unter Attentin-Therapie sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen zwingend erforderlich.

Vor Therapiebeginn

Während der Therapie

Regelmäßige Kontrollen alle 3-6 Monate:

Besondere Kontrollen bei Kindern

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Die Auswirkungen von Attentin auf die Fahrtüchtigkeit sind komplex:

Unbehandelte ADHS und Autofahren

Unter Attentin-Behandlung

⚠️ Führerschein und ADHS-Medikation

Informieren Sie sich über die Regelungen in Ihrem Land. In Deutschland:

  • ADHS allein ist kein Ausschlussgrund für den Führerschein
  • Bei gut eingestellter Medikation meist kein Problem
  • Ärztliche Bescheinigung über erfolgreiche Behandlung kann nötig sein
  • Regelmäßige Kontrollen durch Facharzt erforderlich

Vergleich: Attentin vs. andere ADHS-Medikamente

Attentin vs. Elvanse

Elvanse (Lisdexamfetamin) ist chemisch verwandt mit Attentin:

Attentin vs. Methylphenidat (Ritalin, Medikinet)

Methylphenidat ist das am häufigsten verschriebene ADHS-Medikament:

Attentin vs. Strattera (Atomoxetin)

Strattera ist ein Nicht-Stimulans:

Häufig gestellte Fragen zu Attentin

Wie schnell wirkt Attentin?

Attentin wirkt relativ schnell. Die Wirkung tritt etwa 30-60 Minuten nach der Einnahme ein. Die maximale Wirkung erreicht Attentin nach etwa 2-3 Stunden. Die Wirkdauer beträgt insgesamt 4-6 Stunden pro Tablette.

Was ist der Unterschied zwischen Attentin und Elvanse?

Attentin enthält Dexamfetamin, Elvanse enthält Lisdexamfetamin (eine Vorstufe von Dexamfetamin). Der Hauptunterschied: Elvanse wirkt länger (bis zu 13 Stunden) und gleichmäßiger, da es erst im Körper zu Dexamfetamin umgewandelt wird. Attentin wirkt schneller, aber kürzer (4-6 Stunden) und muss deshalb mehrmals täglich eingenommen werden.

Macht Attentin abhängig?

Ja, Attentin hat ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, da es ein Amphetamin ist. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zur ADHS-Behandlung und unter ärztlicher Kontrolle ist das Risiko jedoch gering. Wichtig ist die genaue Einhaltung der ärztlichen Anweisungen und keine eigenmächtige Dosiserhöhung.

Kann Attentin das Wachstum bei Kindern beeinflussen?

Ja, Attentin kann bei Kindern vorübergehend das Wachstum und die Gewichtszunahme verlangsamen. Durchschnittlich wachsen Kinder unter Stimulanzien-Therapie etwa 1-2 cm weniger pro Jahr. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen von Größe und Gewicht wichtig. In vielen Fällen holt sich das Wachstum später wieder auf, besonders wenn Medikamentenpausen eingelegt werden.

Kann man mit Attentin Auto fahren?

Bei gut eingestellter ADHS-Medikation ist die Fahrtüchtigkeit meist besser als ohne Behandlung, da ADHS das Unfallrisiko erhöht. Zu Beginn der Behandlung sollten Sie jedoch vorsichtig sein und Ihre Reaktion testen. Bei Nebenwirkungen wie Schwindel oder Sehstörungen dürfen Sie nicht fahren. Am Ende der Wirkdauer kann die Konzentration wieder nachlassen.

Warum wird Attentin seltener verschrieben als Ritalin?

In Deutschland ist Methylphenidat (Ritalin, Medikinet) das Mittel der ersten Wahl bei ADHS. Attentin wird meist erst verschrieben, wenn Methylphenidat nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Gründe sind unter anderem die längere Erfahrung mit Methylphenidat und möglicherweise ein als etwas niedriger eingeschätztes Missbrauchsrisiko.

Muss man Attentin jeden Tag nehmen?

Das hängt von der individuellen Situation ab. Viele Ärzte empfehlen eine tägliche Einnahme für bessere Stabilität. Andere befürworten Medikamentenpausen an Wochenenden oder in den Ferien, um Nebenwirkungen zu reduzieren und das Wachstum nicht zu beeinträchtigen. Dies sollte individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Kann Attentin Tics auslösen?

Ja, Attentin kann in seltenen Fällen Tics (unwillkürliche Bewegungen oder Laute) auslösen oder bestehende Tics verstärken. Bei Kindern mit Tourette-Syndrom oder familiärer Veranlagung zu Tics ist besondere Vorsicht geboten. Wenn Tics unter Attentin auftreten oder sich verschlimmern, sollte dies mit dem Arzt besprochen werden.

Wird man unter Attentin dünner?

Ja, Gewichtsverlust durch Appetitminderung ist eine häufige Nebenwirkung. Besonders zu Beginn der Behandlung kann der Appetit deutlich reduziert sein. Bei Kindern muss das Gewicht regelmäßig kontrolliert werden. Tipps: kalorienreiche Snacks anbieten, Hauptmahlzeiten vor der Medikamenteneinnahme, evtl. kalorienreiche Getränke.

Zusammenfassung

Attentin (Dexamfetamin) ist ein wirksames Stimulans zur Behandlung von ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Es ist ein Betäubungsmittel mit strengen Verschreibungsregeln.

✅ Die wichtigsten Punkte zu Attentin

  • Sehr wirksam bei ADHS: Besonders wenn Methylphenidat nicht ausreichend wirkt
  • Schnelle Wirkung: Erste Effekte nach 30-60 Minuten
  • Kurze Wirkdauer: 4-6 Stunden, meist 2-3x täglich nötig
  • Betäubungsmittel: Spezielle BtM-Rezepte erforderlich
  • Missbrauchspotenzial: Strenge Einhaltung der Verschreibung wichtig
  • Regelmäßige Kontrollen: Blutdruck, Puls, Gewicht, Größe
  • Wachstumsüberwachung bei Kindern: Mögliche vorübergehende Verzögerung
  • Appetitlosigkeit: Häufigste Nebenwirkung
  • Teil eines Gesamtkonzepts: Kombination mit Verhaltenstherapie ideal

Bei richtiger Anwendung und unter ärztlicher Kontrolle kann Attentin die Lebensqualität von Menschen mit ADHS erheblich verbessern. Eine umfassende Behandlung sollte jedoch immer auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Verhaltenstherapie, Strukturierungshilfen und psychosoziale Unterstützung beinhalten.