Wenn die Welt dich nicht mehr versteht - Borderline

Definition

Borderline BildSo ziemlich jeder Mensch ist schon einmal einer Person begegnet, die sehr stark vernarbte Arme hatte. In unserer Gesellschaft ist diese Krankheit bekannt als das Borderline Syndrom. Doch ist das sogenannte Ritzen nicht das einzige Merkmal. Das Borderline Syndrom ist eine Störung der Psyche. Anfangs kann die Krankheit sogar mit Schizophrenie verwechselt werden. Denn die Verhaltensmuster der Krankheiten ähneln sich. Die Erkrankten sind oftmals innerlich zerrissen und orientierungslos. In Deutschland erkranken durchschnittlich zwei bis vier Prozent an der Borderline Störung. Die Krankheit wird überwiegend bei Jugendlichen und Erwachsenen bis zum 30. Lebensjahr festgestellt. Der Krankheitsverlauf flacht angeblich bei älteren Menschen ab und verläuft milder.

Geschichte

Das Borderline Syndrom findet ihre Wurzeln allerdings nicht in unserer heutigen Gesellschaft. Bereits im 17. Jahrhundert berichtete Thomas Sydenham über die Krankheit. Der englische Arzt beschreibt die Wut, Angst und den Schmerz, an denen die Betroffenen litten. Im Jahr 1938 prägte der amerikanische Psychoanalytiker Adolph Stern den Begriff des „Borderline“. Stern zeigte in seinem Schriftstück auf, dass Borderline weder eine Neurose noch eine Psychose sei. Stattdessen würden beide Erkrankungen schwankend auftreten. Durch Sterns Definition der Borderline Störung wurde in den folgenden Jahrzehnten deutlich, wie viele Menschen schon an der Störung erkrankt waren. Das schwierige an der Diagnostik des Borderline Syndroms ist, dass es keine eindeutigen Regeln und Merkmale gibt. Die Krankheit verläuft immer anders, denn die Erkrankten sind unterschiedliche Individuen.

Borderline Symptome

Am Borderline Syndrom erkrankte Menschen leben ständig in der Angst verlassen zu werden. Die Angst des Alleinseins und des Verlassenwerdens kann schon durch kleinste Ereignisse hervorgerufen werden, beispielsweise bei einem vergessenen Anruf oder einer Verspätung zu einem Treffen. Aus diesem Grund gehen Borderliner immer wieder sehr schnell neue Beziehungen ein. Die Partnerschaften sind oftmals nicht von langer Dauer. Anfangs wird der neue Partner stark idealisiert bis ihm anschließend Vernachlässigung und Gleichgültigkeit vorgeworfen wird. Des Weiteren gehen die Erkrankten immer wieder starke Kompromisse ein, die ein weiterer Grund für eine baldige Trennung sind.

An Borderline erkrankte Menschen haben sehr oft ein gestörtes Verhältnis zu sich selbst. Meistens können sie sich an nichts zu ihrer Persönlichkeit erinnern: wer sie sind, woher sie kommen, welche Erfahrungen sie bisher gesammelt haben, welche Stärken und Schwächen sie besitzen. Es kann sogar passieren, dass sie nicht einmal mehr wissen, was sie für richtig oder falsch halten, für welche Werte sie sich einsetzen und was ihre Vorlieben sind. Borderliner fehlt der komplette Hintergrund ihres Fühlens und Denkens.

Die Erkrankten sind sehr impulsiv und reagieren dadurch viel stärker auf Erfahrungen und Ereignisse als gesunde Menschen. Aus diesem Grund leiden Borderliner häufig unter starken Stimmungsschwankungen. Außerdem fühlen sich Betroffene häufig leer und gelangweilt. Diese Gefühle führen mit der Zeit zu einer Minderung des Selbstwertgefühls. Durch die Stimmungsschwankungen und ihre Impulsivität sind Borderliner sehr oft gereizt und wütend. Da die betroffenen Personen nicht in der Lage sind, ihre Gefühle zu handhaben, können Konflikte in heftige Streitereien und Handgreiflichkeiten ausarten. Durch die emotionalen Überforderungen verlieren die Erkrankten immer mehr das Vertrauen in sich selbst und ihre Umwelt. Oftmals fühlen sie sich wie in einem Film. Des Weiteren neigen Borderliner bei anstehenden Trennungen oder Zurückweisung des Öfteren mit Selbstmord oder Selbstverletzungen zu drohen.

Ursachen von Borderline

Surreal BildWie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen auch, können Wissenschaftler bis heute noch nicht ganz genau die Ursachen des Borderline Syndroms definieren. Auch die oben aufgelisteten Symptome geben keine Sicherheit, dass eine Person definitiv an der Borderline Störung erkrankt ist. Wissenschaftler sind einzig und allein sicher, dass die Ursache des Syndroms von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.
Ursache des Borderline Syndroms kann beispielsweise die Umwelt des Betroffenen sein, hiermit sind Traumata in der Kindheit gemeint. Unter den Umweltfaktoren werden jeweils noch einmal drei Typen unterschieden.
Unter Typ 1 werden unglückliche Erfahrungen in der Kindheit zusammengefasst. Darunter zählen die Wissenschaftler, die Trennung oder sogar Scheidung der Eltern oder Eltern, die die Gefühle ihres Kindes nicht nachvollziehen können.

Typ 2 beinhaltet verbale und emotionale Misshandlungen. Hierzu wird die ständige Vernachlässigung des Kindes gezählt. Aber auch die andauernde Erniedrigung des Kindes oder psychisch kranke Eltern gehören dem Typ 2 an.

Körperliche Misshandlungen bilden die Basis für Typ 3. Als körperliche Misshandlungen werden sexueller Missbrauch und das Schlagen des Kindes verstanden. Das Familienleben dieser Kinder ist nachhaltig gestört, unter anderem kann das durch den Drogenkonsum der Eltern ausgelöst werden. Oftmals wird den Kindern gegenüber Desinteresse gezeigt oder überwiegend Kritik geäußert.

Es ist nachgewiesen, dass Borderliner oftmals wirklich einer dieser Traumata durchlebt haben. Aus diesem Grund lässt sich auch die Krankheit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen erklären. Die Betroffenen haben durch die Misshandlungen einen so grundlegenden Schock erlitten, dass sich das Erlebte tief in ihre Psyche verankert hat. Neben oder gerade durch die Traumata leiden die Betroffenen sehr oft unter großen Ängsten, Hilflosigkeit und die Unfähigkeit, das Erlebte jemals richtig zu bewältigen.

Insgesamt haben etwa 70% der Betroffenen einen sexuellen Missbrauch und ca. 50% körperliche Gewalt ertragen müssen. Ungefähr die Hälfte der sexuell Missbrauchten wurde von einem Familienmitglied monate- oder sogar jahrelang missbraucht. Weibliche Betroffene hatten zu dem Zeitpunkt nicht einmal das 12. Lebensjahr erreicht. Eine emotionale Vernachlässigung in ihrer Kindheit erlebten etwa 80% der Borderliner.
Ein weiterer Faktor ist den Wissenschaftlern zufolge die genetische Veranlagung. Demnach werden affektive Störungen von Verwandten ersten Grades weitervererbt. Weiterhin soll es möglich sein, dass die Eltern die Anfälligkeit für das Borderline Syndrom weitervererben, wenn sie selber an der Krankheit leiden oder gelitten haben.

Verlauf

Die typischen Verhaltensmuster des Borderline Syndroms können sich schon in der Kindheit entwickeln. Bis es zur Diagnose kommt, sind die Kinder meistens schon im Jugendalter. Wie schon anfangs beschrieben nimmt der Verlauf der Krankheit ab etwa dem 30. Lebensjahr ab. Zu diesem Zeitpunkt ist den Betroffenen nach außen oftmals nichts mehr von ihrer Erkrankung anzumerken.

Das Borderline Syndrom verläuft überwiegend chronisch. Es zeichnet sich dadurch aus, dass die Erkrankten instabil sind und phasenweise die (emotionale) Kontrolle verlieren. Die Probleme des Borderliners zu zwischenmenschlichen Interaktionen sind auch in der Behandlung nicht sehr einfach. Oftmals wechselt der Erkrankte den zuständigen Facharzt.

Boderline Therapie

Viele Borderline Patienten hegen den Wunsch der Verbesserung ihrer Situation. Ein Psychologe oder Psychiater kann hier oftmals helfen. Der Verantwortliche wird die passende Therapie für seinen Patienten auswählen. Diesen muss aber bewusst sein, dass eine Heilung nicht in wenigen Tagen erreicht werden kann. Eine Therapie ist eine langfristige Angelegenheit, die bei richtiger Betreuung jedoch langfristig zu Besserungen führen kann.